Banjaluka, 20. studeni 2007. (TABB)
Dankgottesdienst anlässlich des 95. Geburtstages von Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit Erzherzog Dr. Otto von Habsburg
Banja Luka, 20.11.2007, Kathedrale St. Bonaventura
Ansprache
(Ps 71, 1-3, 6-9, 17-19;
Mt 25, 31-40)
(Mons. Dr. Franjo Komarica Bischof von Banja Luka)
Ihre kaiserliche
und königliche Hoheit,
Hochverehrte Mitglieder des Hauses Habsburg,
Liebe Brüder und Schwestern in Jesus Christus,
Sehr verehrte Freunde,
„Lasset uns
danken
dem Herrn unserem Gott“!
1. In den ersten Stunden des heutigen Datums, am 20. November vor 95 Jahren, durch Gottes Vorsehung kamen Sie auf die Welt – als erstes Kind Ihrer edlen, tief gläubigen Eltern, des Vaters Erzherzogs Karl, der einige Jahre später Kaiser wurde, und jetzt Seliger katholischer Kirche und Ihrer edlen Mutter Erzherzogin Zita, später der Kaiserin. Sie beide haben ihr eheliches JA zu den eigenen Kindern bejaht, und voll Freude und Dankbarkeit zu Gott dem Schöpfer und der Muttergottes Maria welche im Nationalheiligtum des Hauses Habsburg Mariazell besonders verehrt wird, haben sie Sie, durch die hl. Taufe zum Kind Gottes und zum Mitglied der Kirche Christi gemacht, um Sie demnach zu erziehen.
Manche konnten damals sich fragen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Nur Gott der Schöpfer, der jeden Menschen „im Mutterleib geformt hat“ (Jes 44,2) hat es gewusst. Er spricht sein göttliches „JA“ zu jedem Menschen, weil er im Menschwerdung seines eingeborenen Sohnes sein menschliches JA zur Menschheit ganz deutlich und für immer ausgesprochen hat. Und Er meint mit jedem immer und nur gut.
Seit Ihrer Kindheit und Jugendzeit her, konnte Ihre Hoheit immer wieder mit tiefer Überzeugung und Dankbarkeit mit dem Psalmisten beten „Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer; dir gilt mein Lobpreis allezeit… Du, Gott, hast mich gelehrt von Jugend auf und noch heute verkünde ich dein wunderbares Walten“ (Ps 71,6.17). Sie haben immer mehr das Programm Jesu Christi kennen gelernt und sich zueigen gemacht!
Später, als glücklicher Ehemann und Vater, gemeinsam mit Ihrer edlen Ehegattin Frau Erzherzogin Regina, haben Sie diese gläubige, von Ihren Eltern geerbte, und zueigen gemachte christliche Grundausrichtung nie verleugnet, sondern Ihren Kinder, hier anwesenden, und anderen nicht anwesenden, weiter gegeben. Und Ihre christliche Ausrichtung lebt ja bei denen und bringt wertvolle reiche Frucht. Wahrlich, auch Sie können vor allen bezeugen, ähnlich wie unser seliger Ivan Merz: „Katholischer Glaube ist mein Lebensberuf“!
- Haben Sie Dank dafür!
Und gemeinsam mit Ihnen danken wir heute Gott!
2. Sie haben Erinnerungen bewahrt an schreckliche Jahre zweier Weltkriege; Erinnerungen an Ihre eigene und Ihrer ganzen kaiserlichen Familie erzwungene, menschenrechtsverletzende Landesverweisung und Enteignung aller Güter, Erinnerung an Angst, Gewalt, große Not, Tod; dramatische Erfahrungen des langjährigen Lebens in Exil, weit entfernt von Ihrer Heimat und Ihren Landsleuten. Trotz all den Lebensschwierigkeiten blieben Sie als gläubiger Christ standhaft und hoffnungsvoll, weil Sie wie alttestamentlicher Psalmist und viele andere danach, unter denen auch Ihr Zeitgenosse der selige Kardinal Aloisius Stepinac, oft gebeten haben: „Herr, ich suche Zuflucht bei dir. Lass mich doch niemals scheitern!“ (Ps 71,1).
- Wir danken Ihnen vom
Herzen für dieses großartige Zeugnis und danken heute gemeinsam mit Ihnen Gott,
der an Ihnen „Großes vollbracht hat“ (Ps 71, 19b).
3. Bei einem, nur zusammenfassenden Überblick über das Leben Ihrer Hoheit beeindruckt uns die umfangreiche Arbeit, die Sie auf verschiedenen Gebieten und in verschiedenen Angelegenheiten geleistet haben, die alle von großer Bedeutung waren und große Umsicht erforderten.
Sie gelten als Träger, Promotor und Verteidiger der geoffenbarten Wahrheit Gottes über Gott und den Menschen als Ebenbild Gottes, sowie des festen Glaubens an das Zusammenleben und an einen gerechten Frieden unter den Völkern vor allem auf dem Gebiet des europäischen Kontinentes, wo das christliche Erbe die tiefen Wurzeln hat. In ihrem langen und sehr dynamischen Leben – können Sie uns Hochachtung vor jedem menschlichen Leben und jedem Volk lehren, sowie die Wahrheit, dass keine menschliche Gesellschaft sich auf Gewalt aufbauen lässt, sondern in der Freiheit, Solidarität und mit Achtung der Menschen- und Völkerrechte. Als überzeugter Christ, glaubwürdiger Sohn des Vaters, der vor drei Jahren selig gesprochen wurde, haben Sie mit Ihrem öffentlichen Wirken gezeigt, dass man zum Ausbau einer Zukunft in Frieden, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit das Herz der eigenen Kul-tur, nämlich den Glauben an Christus, unversehrt bewahren muss. Dies haben sie getan besonders effektiv während der 20 Jahre langen Mitgliedschaft im Europäischen Parlament, (wo auch ich die Ehre hatte vor 13 Jahren Sie kennen zu lernen). Sie konnten auch selber erleben, wie die zugrunde liegenden Tragik oft darin besteht, dass die Liebe des Evangeliums Jesu Christi, die jeden Christen hätte erfüllen sollen, nicht einmal zur Achtung voreinander stark genug war. – Sie haben sich stets bemüht, ein wahres Vorbild der ernst genommenen christlichen Lebensweise Ihren Nächsten zu sein „sei es gelegen oder ungelegen“ (2 Tim 4,2).
- Dafür danken wir Ihnen
vom Herzen und mit Ihnen gemeinsam danken wir alle heute Gott, dem Geber aller
Standhaftigkeit.
4. Ihre Hoheit hat sehr gut gewusst, dass der Christ niemals Christ für sich allein sein kann. Wenn wir aber als Christen immer auch für die anderen Menschen Christen sind, dann sind wir sowohl für ihre Ewigkeit als auch für ihr zeitliches Wohl mitverantwortlich. Christ sein heißt, immer zu versuchen, Christus ähnlich zu werden. Und Christus selbst hat uns gelehrt, wie wir ihm ähnlich werden können: Indem wir ihn in seinen d.h. unseren Brüdern und Schwestern erkennen und ihnen gegenüber so handeln, wie wir ihm gegenüber handeln würden. Christ sein, ist immer auch auf den anderen gerichtet, auf den Schwachen, den Entrechteten, den Vertriebenen und Heimatlosen, den Beleidigten, den Verleumdeten, den Verlassenen, den Ausgestoßenen. In ihnen begegnet uns Christus selbst – nach seinen eigenen Worten: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
- Sie haben unzählige Male in Ihrem langen Leben genau so gehandelt. Auch jetzt, in Ihrem hohen Alter werden Sie nicht müde Ihre Kräfte für das Wohl der anderen einzusetzen. Deswegen sind Sie auch zu uns, nach der über uns durchgeführten „ethnischen Säuberung“ nur wenig gebliebenen Katholiken in Banja Luka gekommen, um uns, ähnlich wie dies vor vier Jahren seligen Andenkens Diener Gottes Papst Johannes Paul II. getan hat, Ihre ehrliche christliche Solidarität zu bekunden und uns zu sagen: Wenn Euch Eure Mitbürger und Landsleute vergessen und in Stich gelassen haben, will ich Euch nicht vergessen und nicht allein in Stich lassen! Wir glauben es Ihnen und sind deswegen froh!
- Haben Sie dafür unser aller tiefen und ehrlichen Dank! Gott möge es Ihnen dafür tausendfach vergelten!
Auch das, was Sie für uns
und unsere Heimat heute gemacht haben, wie auch so viel anderes in Ihrem
gesegneten, langen Leben ist Gottes Geschenk; Er hat an Ihnen und für Sie
wirklich große Dinge vollbracht! Ihm sei Dank, Lob und Preis für alles! Sie
wollen ihm heute sicher danken auch für viele Menschen auf Ihrem Pilgerweg,
angefangen von Ihren heiligmäßigen Eltern, dann Ihren Geschwistern, für Ihre
edle Ehefrau Erzherzogin Regina, für Ihre Kindern, Schwieger- und Enkelkindern,
für die ganze Familie Habsburg und für die vielen anderen Menschen, welchen Sie
auf Ihrem Lebensweg begegnet sind und die Ihnen in unterschiedlichen Maß auf
der zurückgelegten Wegstrecke geholfen haben.
5. Ich spreche Ihrer kaiserlichen und königlichen Hoheit meine lebhafte Wertschätzung und tiefe Dankbarkeit aus, auch im Namen meiner Mitarbeiter sowie vieler hier anwesenden und nichtanwesenden Katholiken und Nichtkatholiken in meiner Geburtsstadt Banja Luka und meiner Diözese und meiner Heimat. Ich wünsche und erteile sehr gerne Ihnen und dem ganzen Haus Habsburg Gottes Segen, als Unterpfand dafür, dass der Herr des Lebens und der Geschichte Ihr alles Bemühen um sein unvergängliches Königreich weiter begleite und fruchtbar mache!
Ich bete zu Gott dem Gütigen, dass er Sie erhöre, wenn Sie, mit den Worten des Psalmisten zu ihm vertrauensvoll beten: „Verwirf mich nicht, (o Herr), wenn ich alt bin, verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden! Auch wenn ich alt (…) bin, o Gott, verlass mich nicht, damit ich von deinem machvollen Arm der Nachwelt künde, den kommenden Geschlechtern von deiner Stärke und von deiner Gerechtigkeit, Gott, die größer ist als alles“ (Ps 71,18-19).
Maria, Hilfe der Christen
und Königin des Friedens möge Ihre stärke Fürsprecherin auch in der Zukunft alle
Tage Ihres irdischen Lebens bleiben! Amen.
(tabb)