Banjaluka, 20. studeni 2007. (TABB)
Feier
des 95. Geburtstages Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit, des Erzherzogs
Dr. Otto von Habsburg
Banja Luka, Hotel Palace, den 20.11.2007.
Willkommensgruß des Diözesanbischofs von
Banja Luka Mons. Dr. Franjo Komarica
Sehr geehrte Mitglieder der Paneuropaunion
von Bosnien und Herzegowina und aus andren Staaten,
Exzellenzen,
Hochverehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser einmaligen Feier,
Es ist für mich eine besondere Ehre, Sie alle herzlich begrüßen zu dürfen, und zugleich Ihnen danken, dass Sie aus fern und nah zu dieser vielsagenden und bemerkenswerten Feier gekommen sind.
Der Anlass für diese heutige Festversammlung ist wahrlich einmalig: Die Anwesenheit unter uns eines wirklichen Größen unserer Zeit in europäischen Ausmaßen, und die Feier seines 95-sten Geburtstages: Seine kaiserliche und königliche Hoheit, Herr Erzherzog Dr. Otto von Habsburg! Ihm gebührt heute unsere Hochachtung, Anerkennung und unsere Dankbarkeit, dass Er zu uns kommen wollte um mit uns seine höchst persönliche Angelegenheit, seine Freude am Leben und seine Danksagung an Gott den Schöpfer mitteilen wollte.
Es ziemt sich wahrlich, dass ich ihm persönlich, einige Worte meines Willkommensgrußes widme.
Ihre kaiserliche und königliche Hoheit,
hochgeschätzter Herr Erzherzog Dr. Otto von Habsburg,
Als gebürtiger Banjalukaner heiße ich Sie herzlichst willkommen in meine Geburts- und Heimatstadt, wo meine Ahnen einige Ihrer Vorfahren ebenso begrüßen durften. Es ist bereits zum dritten Mal, dass Sie uns erfreuen durch Ihr Antreffen: 1996 gemeinsam mit der großen Gruppe der Europäischen Parlamentarier, den Freunden unserer Heimat, 2003 anlässlich des historischen Ereignisses für diese Stadt und Land – des 2. pastoralen Besuches des unvergesslichen Papstes Johannes Paulus des Zweiten und der Seligsprechung des österreichisch-ungarischen Banjalukaners Dr. Ivan Merz und heute, anlässlich Ihrer einmaligen persönlichen Feier des gottgeschenkten 95. Geburtstages.
Heute, endlich, habe ich die wahre Gelegenheit, einen innigen, herzlichen Willkommensgruß Ihrer Hoheit entgegenzurufen.
Es ist Ihr Wunsch, gerade an Ihrem hohen 95. Geburtstag uns, den nach der letzten Vertreibung übrig gebliebenen Katholiken dieser Stadt und meiner Diözese, sowie unseren Freunden aus nah und fern, ein ganz persönliches Geschenk zu geben, durch Ihre abermals gezeigte, menschliche Solidarität mit uns und allen friedlichen und friedfertigen Einwohnern dieser Stadt und dieses Landes.
Bekannt sind uns Ihre ehrlichen und redlichen Worte, ausgesprochen inmitten der belagerten Städten in unserer Nachbarschaft den um Sie besorgten Bürgern: „Wann sollen die Freunde kommen, wenn nicht in der Not?“ Sie sind wirklich ein Freund: Freund Gottes, uns so auch der Menschen, Freund der Wahrheit und der Gerechtigkeit, Freund der Versöhnung unter den Menschen und Völkern, Freund des wahren, dauerhaften Friedens unter den Menschen, Völkern und Staaten.
Ihre Hoheit, Sie wissen ja sehr gut, wer Sie sind. Wir, hier „am Rande der europäischen Geschichte“, wissen leider hauptsächlich aus objektiven Gründen nur wenig über Sie, über Ihr einmaliges Leben und Wirken, nicht nur im Rahmen Ihrer zahlreichen Familie, oder Ihres Volkes, sondern auch im Rahmen der äußerst turbulenten Jahrzehnten der jüngsten Geschichte europäischer Völker und Staaten.
Erlauben Sie mir, jedoch in dieser einmaligen Gelegenheit, einiges von unserem Wissen über Sie laut vorzutragen. Sie verdienen ja absolut, dass dies in dieser meiner Stadt vor allen hier Anwesenden offen gesagt wird:
- Sie haben zwei grausame Weltkriege
miterlebt, und einen dritten, so genannten kalten Krieg in Dauer von sogar 44
Jahren.
- Sie waren Zeuge des Aufstieges und des furchtbaren Endes zweier gottlosen,
menschenfeindlichen, totalitären Diktatoren Hitler und Stalin.
- Sie haben mit wahren europäischen Größen des vergangenen Jahrhunderts
zusammengearbeitet.
- Sie hatten und haben auch heute zahlreiche Freundschaften mit unzähligen
Menschen aus vielen europäischen Nationen.
- Sie waren stets Ihrer historischen Verantwortung für alle Europäer bewusst.
- Sie haben sich unermüdlich jahrzehntelang für ein Europa als Heimat aller
Europäer engesetzt, inklusive auch unsere Heimat Bosnien und Herzegowina.
- Sie haben vielen Menschen Hoffung auf eine gute Zukunft gegeben.
- Sie haben Ihren felsenfesten Glauben an den Frieden durch das vom Krieg
gerissene Europa getragen.
- Sie haben gezeigt, wie man aus seiner religiösen Überzeugung und aus der
Erfahrung der Geschichte, bzw. der Generationen vor uns lebt.
- Sie haben persönlich erlebt, wie alles Irdische vergänglich ist. Deswegen
haben Sie sich nicht wie ein Materialist an veraltete Formen geklammert.
- Sie haben ebenso miterlebt wie der geistige, religiöse und moralische
Fortschritt der europäischen Staaten in verlorenem 20-en Jahrhundert mit ihrem
materiellen Höhenflug nicht Schritt gehalten hat.
- Sie haben auch miterlebt, dass Macht für denjenigen, der sie besitzt,
zerstörend sein kann, weil sie vielen Menschen das Gefühl der Unbeschränktheit
gibt; erzeugt in ihnen die Wahnidee, wie der verhängnisvolle Übermensch eines
fatalen Philosophen Friedrich Nietzsches – jenseits von Gut und Böse zu sein.
Viele von uns, wenn nicht wir alle, sind dessen auch traurige Zeugen!
- Bekannt sind Ihre Worte: „Wenn man an etwas glaubt, muss man dafür handeln,
ganz gleich, welche Rolle man dabei spielt. Man widmet sich ja nicht der
Politik, um eine gewisse Stelle zu besetzen, sondern um bestimmte Ideen
durchzusetzen“.
- Sie haben in Ihrer Person, dankend der besonderen Gottes Gaben, viele und
beste Eigenschaften vieler Ihrer berühmten Vorfahren geeint, insbesondere:
Gläubigkeit, Glaubwürdigkeit, Weltoffenheit, Zielstrebigkeit, den
Arbeitseinsatz, Menschenfreundlichkeit, Pflichtbewusstsein, soziale
Empfindlichkeit und das Fortschreiten.
- Mit Recht kann man behaupten, dass das heutige Europa in Ihrer Person den
einzigen Staatsmann hat, dem es restlos vertrauen kann!
Gerade, weil Ihre Hoheit nicht irgendwer, sondern Jemand in der Europäischen-, ja in der Weltpolitik sind, haben Sie das Recht zu wissen, zu wem Sie hergekommen sind, mindestens wenn es sich um diejenigen handelt, welcher meine Wenigkeit ein unwürdiger Vertreter ist. Noch immer warten zehntausende der Gläubigen meiner Diözese, allein in der Stadt Banja Luka, um in ihre Pfarreien, in ihre Geburtsorte zurückzukehren, um hier menschenwürdig zu leben. Trotz furchtbaren Vertreibungswunden nach wie vor sind hiesige Katholiken bereit allen unseren, besonders den Not leidenden Nachbarn gutes zu tun, beharrlich versöhnend zu wirken auf Grund der Wahrheit, der Gerechtigkeit und ehrlicher Verzeihung. Wir sind bereit, und auch in der Lage – und dies soll Europa auch wissen – konstruktive Verbinder zwischen dem christlichen Westen und Osten zu sein, verlässliche Mithelfer im wünschenswerten, ja notwendigen Dialog zwischen Christentum und Islam, glaubwürdige Bauleute eines gerechten Friedens unter den Völkern dieses Landes und dieses Teiles europäischen Kontinentes. Die einflussreichen europäischen Vertreter haben dies bis jetzt nicht wahr genommen, geschweige unterstützt. In unseren Augen ist dies Schade aber zugleich auch Schande! Denn, um all dies Erwähntes auch zu bewerkstelligen, ist vor allem eines notwendig, nämlich dass wir als Katholiken, die weit ältesten in diesem Land und der Stadt, hier in unserer Heimat leben können. Es wäre zweifelsohne eine verhängnisvolle Tragödie, nicht nur für die Katholische Kirche, sondern für diese ganze Ecke des Kontinentes, wenn sich die Zeiten von Einmarsch in Bosnien des Prinzen von Savoyen Eugen, Ende des 17. Jahrhunderts, als die Katholiken aus Bosnien fast total ausradiert wurden, jetzt am Anfang des 21. Jahrhunderts wiederholen würden!
Ihre gottgesegnete Anwesenheit unter uns, Ihre deutliche und wahrhaftige Stimme in Verteidigung der menschlichen Würde und der Menschen – und Völkerrechte sind für uns und viele um uns ein neues ersehntes Zeichen der so notwendigen Hoffnung für eine bessere Zukunft dieser Gegend und unserer ganzen Heimat – Bosnien und Herzegowina.
Ich wage es zu behaupten: Sie werden diese Hoffnung nicht enttäuschen!
Mit größter Hochachtung und aufrichtiger Bewunderung, auch im Namen meiner Mitarbeiter und all jener, die Ihr Lebenswerk zu schätzen wissen, heiße ich Sie noch einmal herzlichst willkommen in meine und meiner Ahnen Geburtsstadt. Ich wünsche Ihrer Hoheit Gottes Hilfe und Segen, nicht nur zum heutigen hohen 95. Geburtstag, sondern auch für alle weitere Tage Ihrer erfolgreichen irdischen Pilgerschaft.
Danke Ihnen, Ihre kaiserliche und königliche Hoheit, Otto!
Danke noch einmal auch Ihnen allen, hochverehrte Freunde, für Ihre Anwesenheit in dieser feierlichen Stunde!
Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka