Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- III -
AN KIRCHLICHE WÜRDENTRÄGER


ÜBERFÄLLE AUF KATHOLISCHE GEISTLICHE, ORDENSSCHWESTERN UND GLÄUBIGE UND ANGRIFFE GEGEN KIRCHLICHE GEBÄUDE IM BISTUM BANJA LUKA
September 1991 bis März 1992

BOSANSKA GRADI©KA

Am 21. September 1991 in den Nachmittagsstunden (15.30-18.45 Uhr) wurden in der Pfarrgemeinde Bosanska Gradi¹ka das Pfarrhaus und die Pfarrwohnung durchsucht und der Pfarrer und das Pfarrpersonal körperlich schwer angegriffen. Wegen der ihm von Uniformierten zugefügten Verletzungen war der Pfarrer einen Monat lang nicht in der Lage, sein Amt auszuüben. In der Pfarrwohnung wurden viele Gegenstände schwer beschädigt.
In der Pfarrgemeinde wurden vier unschuldige Katholiken getötet, ob­wohl sie bei keiner der Parteien politisch oder militärisch engagiert gewesen waren, und zwei katholische Häuser wurden durch angebrachte Sprengladun­gen völlig zerstört.

 NOVA TOPOLA

Am 08. Oktober 1991 um 03.40 Uhr wurde die Pfarrkirche mit Granaten beschossen. Am Turm entstand ein großes Loch.
Am 30. Oktober 1991 um 23.10 Uhr wurden zwei Granaten auf die Pfarr­kirche abgeschossen. Es entstand großer Sachschaden am Eingang der Kirche.
Am 08. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf die Filialkirche in Æelinovac. Es entstand geringerer Sachschaden.
Am 11. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf das Kloster der ehrwürdigen Schwestern in Nova Topola. Es wurden Fenster beschädigt, und einige Tage später wurden diese Fenster mit Steinen vollständig zertrüm­mert.
Am gleichen Tage wurde zwischen ein Haus und die Kirche eine Handgranate geworfen.
Am 14. Dezember 1991 wurde die Eingangstür der Pfarrkirche aus einer Handfeuerwaffe beschossen.
Am 27. Dezember 1991 gegen 19.00 Uhr erfolgte eine starke Schießerei in der Umgebung des Klosters der ehrwürdigen Schwestern. Einige Geschosse durchschlugen die Tür sowie Fenster.
Am Neujahrstag wurde in der Umgebung mit Waffen aller Art geschos­sen. Es wurde sogar eine 50 cm dicke Mauer durchschossen.
Am 21. Februar 1992 wurde in der Umgebung der Kirche und des Klo­sters mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Einige Geschosse trafen das Kloster. In der gleichen Nacht wurden auf die Kirche zwei Granaten abgefeuert.
Am 28. Februar 1992 um l8.30 Uhr wurden die Fensterscheiben der Ve­randa des Klosters mit Steinen zertrümmert.
Am 01. März 1992 wurden vier Fenster des Klosters mit Steinen beworfen.
Am 05. März 1992 wurde festgestellt, daß auf eine Mauer des Wirtschaftsgebäudes häßliche und drohende Worte geschrieben waren. 

BOSANSKI ALEKSANDROVAC

Am 18. September 1991 um 21.15 Uhr wurde auf die Klostergebäude geschossen.
Am 20. September gegen 21.30 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe geschossen und es wurden enige Leuchtraketen abgefeuert. Die Fassade der Pfarrkirche wurde beschädigt.
Am 30. September 1991 gegen 17.00 Uhr wurden von der Landstraße Banja Luka - Bosanska Gradi¹ka her von einem Militär - Lkw drei Geschosse auf die Kirche und das Kloster abgefeuert. Ein Geschoß durchschlug eine Balkon­tür.
Am 02. Oktober 1991 gegen 17.00 Uhr wurde auf das Kloster geschos­sen, wobei Fensterscheiben durchschlagen wurden. In derselben Nacht um 23.30 Uhr brach in der Umgebung des Klosters und der Kirche eine große Schießerei aus. Es wurden die Mauern und das Dach der Kirche und des Klosters beschä­digt.
Am 30. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr und um 01.15 Uhr wurde auf die Kirche geschossen. Dabei wurden Ziegel zertrümmert und Mauern beschädigt.
Am 04. November 1991 gegen 21.00 Uhr begann eine Schießerei, die bis 00.30 Uhr andauerte. Mauern und Fenster der Kirche wurden beschädigt.
Am 20. November 1991 wurde die Kirche mit Leuchtmunition beschos­sen. Die Fassade der Kirche wurde beschädigt
Am 02. Dezember 1991 um 16.00 Uhr wurde von der Landstraße nach Bosanska Gradi¹ka her aus einer Militärkolonne auf die Kirche geschossen. Einige Ziegel auf dem Dach der Kirche wurden zertrümmert.
Am 07. Dezember 1991 gegen 23.00 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe geschossen. Ein Fenster des Klosters wurde zertrümmert.
Am 11. Dezember 1991 um 21.35 Uhr wurde das Haus, in dem der Pfar­rer wohnt, beschossen und die Fassade des Hauses beschädigt.
Am 03. Januar 1992 um 23.10 Uhr wurden einige Geschosse abgefeuert, wobei die Fassade des Pfarrhauses beschädigt wurde.
Am 08. Februar 1992 landen die Ordensschwestern neben der Stallung eine nicht explodierte Mine.
Gegen die Gläubigen werden ständig Drohungen ausgesprochen. 

MAHOVLJANI

Am 23. September 1991 gegen 03.00 Uhr wurden auf die Pfarrkirche drei Sprenggeschosse abgefeuert. Es entstand sehr großer Schaden an der gerade renovierten Kirche, und durch die Explosionen zerplatzten auch Glasscheiben der Pfarrkirche. 

TRN

Am 24. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr wurden ungefähr 20 Geschosse auf die Pfarrkirche und das Pfarrhaus abgefeuert. Einige Geschosse durchschlu­gen Fenster des Hauses, und nur dank eines göttlichen Wunders ist der Pfarrer, Bruder Bla¾ Markoviæ, dem ein Geschoß das Ohr streifte, nicht ums Leben gekommen. Die Fassaden der Kirche und des Pfarrhauses wurden beschädigt.

 DOLINA

Am 26. Februar 1992 wurde ein Haus in Brand gesetzt, und darin ist Ilija Marinoviæ verbrannt, dem, wie eine Kommission feststellte, zuvor der Kopf und die Extremitäten abgetrennt worden waren.
An drei Häusern katholischer Kroaten wurden Sprengladungen angebracht, und das Verschwinden einer Person ist noch immer nicht aufgeklärt.

PRNJAVOR

Am 18. Januar 1992 gegen 19.00 Uhr wurde Zdenko Èoliæ aus Drenova körperlich schwer mißhandelt. Das Geschehnis ereignete sich in der Nähe der Polizeiwache. Während ihn die Täter schlugen, nannten sie ihn einen Ustascha und beleidigten ihn mit Schimpfworten._
Am 05. Februar 1992 wurden auf dem Friedhof in Dolina rd. 10 Kreuze herausgerissen und herumgeworfen.

 GLAMOÈ

In der Nacht vom 31. Dezember 1991 auf den 01. Januar 1992 wurden zwei Fenster im oberen Bereich der Kirche /erschlagen.
Am 24. Februar 1992 gegen 15.40 Uhr lötete ein Reservist ohne jeden Grund den Arzt Dr. Alojzije Kelava. Dessen einzige "Schuld" war, daß er bei der Vorbereitung des von der Regierung von Bosnien und Herzegowina ausge­schriebenen Referendums mitwirkte.
Der Mörder wurde von einem Hubschrauber aus Knin abgeholt.

 Übermittelt an:
das Sekretariat der BK - Zagreb

  anfang der seite

DER PFARRER VON GLAMOÈ, HOCHW. ZVONIMIR MATIJEVIÆ, WURDE KÖRPERLICH SCHWER MIßHANDELT UND WARTET IM KRANKENHAUS VON KNIN DARAUF, AUSGETAUSCHT ZU WERDEN
Schreiben an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof von Zagreb
(Prot. Nr. 285/92 vom 20. April 1992)

Eure Eminenz,
laut soeben erhaltenen Nachrichten l legt ein zum Bistum Banja Luka ge­hörender Geistlicher, Hochw. Zvonimir Matijeviæ, Pfarrer in Glamoè, der trotz der Versicherungen der Behörden in Glamoè, daß ihm nichts geschehen werde, am 12. April 1992 (am Palmsonntag) von Angehörigen des Kniner Armeekorps festgenommen und nach Knin gebracht wurde, in sehr ernstem Zustand im Kniner Militärkrankenhaus.
Durch schwere Mißhandlungen erlitt er einige Armfrakturen, eine Lun­genblutung und andere schwere Verletzungen. Gemäß denselben Nachrichten macht das Militär seine Freilassung davon abhängig, daß er gegen einen Piloten ausgetauscht wird, den die kroatischen Streitkräfte gefangengenommen hatten, als er Kupres und Tomislavgrad bombardierte. Außerdem wird die Freilassung angeblich gefangengenommener orthodoxer Geistlicher, der orthodoxen Pfarrer von Kupres und Tomislavgrad, verlangt. Inzwischen hat der Fernsehsender Bel­grad gemeldet, daß sich diese Geistlichen vor Ausbruch der Kampfe in Sicher­heil gebracht haben.
Falls diese Geistlichen gefangengenommen worden sind, rufen wir hier­mit zum Austausch auf, damit wir das Leben unseres sich in großer Gefahr befindenden Geistlichen retten. Wir bitten alle Zuständigen und rufen sie auf, alles zu unternehmen, was möglich ist, damit der unschuldige Pfarrer Matijeviæ baldigst freigelassen wird.
Wir sagen im voraus aufrichtigen Dank für jede Hilfe!

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

  anfang der seite

BEWAFFNETER ÜBERFALL AUF DAS KLOSTER IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC
Brief an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), V. Puljiæ
(Prot. Nr. 406/92 vom 21. Mai 1992)

Lieber Vinko,
Deinem Wunsch gemäß erstatte ich Dir hiermit Bericht. Zunächst gebe ich Dir zusätzliche Informationen über Deinen Geistlichen Pfarrer Kudiæ in Doboj und die Ordenschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" in Doboj:
1. Nach den Aussagen von Schwester Oliva Svetinoviæ", der es gelang, nach Banja Luka zu kommen, war der Pfarrer bis zum 17. Mai, einem Sonntag, noch in seiner Wohnung in Doboj, die zwar durch Granaten und Feuer teilweise beschädigt, jedoch noch immer soweit erhalten war, daß man darin, zumindest in einigen Räumen, zur Not wohnen konnte.
So konnten auch die verbliebenen vier Schwestern nach der am 12. Mai erfolgten Zerstörung ihres Hauses durch Bewaffnete bei ihm unterkommen. Den Schwestern wurde gesagt, daß sie fortgebracht werden, aber erst in 15 Tagen. Schwester Oliva befürchtet, daß man sie irgendwohin ins Ozren-Gebiet bringen wird, damit sie dort Verwundete pflegen.
Es ist uns gelungen, ihr ein Ticket für den Flug nach Belgrad zu besor­gen, da sie selbst den Wunsch äußerte, zu den Schwestern ihrer Gemeinschaft in Gerestried weiterzureisen. Wir hoffen, daß es ihr gelungen ist.
2. Bezüglich des letzte Nacht erfolgten bewaffneten Zwischenfalls in Bosanski Aleksandrovac lege ich Dir eine Kopie des Schreibens der Äbtissin, Schw. Maristella, bei. Ich persönlich habe eingeschlagene Türen, zerbrochene Fensterscheiben, einen zerschlagenen Tisch und zerschlagene Stühle auf dem Balkon und kleinere Beschädigungen an den Fassaden sowie beschädigte Dach­ziegel auf dem Haus- und dem Kirchendach gesehen.
Nach meiner Rückkehr habe ich den Leiter der Schutzpolizei und den leitenden Beamten der Polizeiwache von Lakta¹i, die bereits vor mir bei den Schwestern gewesen waren, aufgesucht und meine Betrübnis zum Ausdruck gebracht und scharfen Protest angesichts des gegen eine Gemeinschaft älterer und kranker Ordensschwestern und Nonnen gerichteten jüngsten Zwischenfalls eingelegt.
Die Schwestern haben mir - und vor mir auch den Beamten versichert, daß die betreffenden Täter im großen und ganzen den in Lakta¹i für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Stellen bekannt sind, was diese nicht einmal abstreiten. Diese gleichen Stellen wiederholen ihre Versprechungen, daß sie all diesen bösen Ausschreitungen, bei denen man katholische Ordensschwestern und die kleine Anzahl im Gebiet von Bosanski Aleksandrovac und Lakta¹i ver­bliebener Katholiken überfällt, ein Ende machen werden.
Tatsache ist, daß solche Ausschreitungen im Laufe der letzten neun Mo­nate immer wieder erfolgen. Die Schwesterngemeinschaft, die bereits über 100 Jahre in Bosanski Aleksandrovac ansässig ist, will jedoch trotz dieser rohen und unmenschlichen Überfälle ihre Heimstatt nicht verlassen, in der Überzeugung, daß die Kirche und die Zivilbehörden sie schützen werden. In der Tal tue ich meinerseits alles, um diese überaus verdienten unschuldigen Ordensschwestern unseres Bistums Banja Luka zu schützen, und ich werde dies auch weiter tun.
Lieber Vinko, ich danke Dir für Deine uns trotz Deiner noch größeren Probleme gewidmete Fürsorge. Gott gebe Dir Kraft und Frieden!
Es grüßt Dich und Deine Mitarbeiter

 + Franjo, Bischof

P. S. Wenn Du es für erforderlich hältst, informiere bitte, wen Du willst, denn diesmal können wir niemandem Nachricht geben.

  anfang der seite

"ES IST MEIN ANLIEGEN, MIT ALLEN KRÄFTEN DAS LEBEN DER ANGEHÖRIGEN UNSERER GEMEINSCHAFTEN UND DAS DIESEN GEMEINSCHAFTEN GEHÖRENDE EIGENTUM ZU SCHÜTZEN"
Brief an Schw. Bernarda Kri¹tiæ, die Beratende Generalbeauftragte der Schwesterngemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
(Prot. Nr. 443/92 vom 08. Juni 1992)

Geehrte Schwester Bernarda,
im Nachgang zu unserem heule abend geführten Telefongespräch erhal­ten Sie hiermit wunschgemäß schriftlich alle erforderlichen Informationen über Ihre Schwestern in Bosanski Aleksandrovac (sowie über die in Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka).
Ich habe bereits zuvor die ehrwürdige Leitung Ihrer Ordensprovinz in Zagreb sowie die Apostolische Nuntiatur in Belgrad von der Beilegung der dra­matischen Situation im Zusammenhang mit dem Versuch der gewaltsamen Räu­mung Ihres Klosters in Bosanski Aleksandrovac unterrichtet. Anliegend erhal­ten Sie eine Kopie des Schreibens.
Abgesehen von den Ausführungen in dem erwähnten Schreiben möchte ich an dieser Stelle auch noch hervorheben, daß das Hauptmotiv bei dem Vorha­ben der Hinaussetzung der Schwestern strenggenommen der Wunsch einiger jetzt von der Front in Westslawonien zurückkehrender Kämpfer gewesen war, sich mit anderen Kämpfern in den Räumlichkeiten des Klosters einzuquartieren bzw. das ganze Eigentum des Klosters an sich zu reißen. Diese Tatsache, die leider auch die örtlichen Behörden in Lakta¹i nicht geleugnet haben, hat sowohl mich als auch den orthodoxen Bischof, Herrn Jefrem, in unseren Gesprächen mit ihnen besonders aufgebracht.
Bezüglich der derzeitigen Lage kann ich hier die Versicherungen der Amtsträger der örtlichen Behörden, des Bürgermeisters und Leiters des Krisen­stabs, Dr. Joviæ, des Leiters der Polizeibehörde, Herrn Dobrijeviæ, des Leiters der Kriminalpolizei, der auch bei der kriminalpolizeilichen Untersuchung des Klosters die Leitung hatte, Herrn Jovièiæ, des Vorsitzenden der Ortsverwaltung und der Territorial Verteidigungsbehörde, Herrn Vujièiæ, und des Vorsitzenden der Kommission für die Beziehungen zu den religiösen Gemeinschaften, Herrn Glamoèanin, sowie noch einiger weiterer offizieller, mir vom Namen her nicht bekannter Vertreter der Einwohner der umliegenden Dörfer wiedergeben, wonach die Ordensschwestern nicht mehr belästigt werden bzw. auch weiterhin ungestört in ihrem Kloster leben können.
In ähnlicher Weise hat sich mir gegenüber in Bosanska Gradi¹ka der Lei­ter der Polizeidienststelle, Herr Vesiæ, im Namen der Gemeindebehörde des Ortes hinsichtlich der Ordensschwestern in den Klöstern Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka verbürgt, denen, um die Wahrheit zu sagen, keine Gewalt wie in Aleksandrovac gedroht hat.
In einem Gespräch, das ich zusammen mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, und dem Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ, am Samstag, dem 06. Juni 1992, mit dem Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Radiæ, und dem Kommandanten des l. Krajina-Korps, Generalmajor Taliæ, führte, habe ich außer den übrigen aktuellen Problemen auch die Notwendigkeit des Schutzes für die Klöster der Ordensschwestern Ihrer Gemeinschaft in unserem Gebiet, besonders für die in Aleksandrovac, Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka, angeschnitten. Beide Gesprächspartner, insbesondere General Taliæ, haben ihr Versprechen wiederholt, nicht zuzulassen, daß den Schwestern etwas zustößt.
Ich nehme alle genannten Herren, die maßgebliche Vertreter der Behör­den und des Militärs in unserem Gebiet sind, beim Wort, und ich habe ihnen dies auch gesagt. Außerdem habe ich sie wissen lassen, daß ich sowohl der Hauptverwaltung der Ordensgemeinschaft als auch dem Heiligen Stuhl über alles Bericht erstatten werde. Es ist mein Anliegen, mit allen Kräften das Leben der Angehörigen unserer Gemeinschaften in diesem Gebiet und das diesen Ge­meinschaften gehörende Eigentum zu erhalten, und ich werde jede Möglichkeit zur Beilegung der Spannungen kriegerisch-aufwieglerischen Charakters nutzen und friedensfördernde Initiativen und Handlungen ausnahmslos, gleich, von wel­cher Seite, moralisch unterstützen.
Möge unser gütiger Gott uns allen wie bisher beistehen, damit uns Kriegszerstörungen und Todesopfer unter der unschuldigen Bevölkerung erspart blei­ben! Deshalb bitten wir auch weiterhin um Hilfe durch Gebet auch seitens Ihrer mir besonders teuren Ordensgemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove". Ge­lobt sei Christi Blut!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung und meinen Segenswünschen, Ihr in Christo ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DRAMATISCHE LAGE DER ORDENSSCHWESTERN DER GEMEINSCHAFT "KLANJATELJICE KRVI KRISTOVE" IM KLOSTER NOVA TOPOLA
Brief an die Provinzialoberin Schw. Tarzicija Medven in Zagreb
(Prot. Nr. 464/92 vom 23. Juni 1992)

Geehrte Schwester Tarzicija,
wegen der totalen Blockade kann ich Sie erst jetzt von einem vor einigen Tagen im Kloster Ihrer (und unserer) Ordensschwestern in Nova Topola gesche­henen bösen Vorfall in Kenntnis setzen.
1. Am Dienstag, dem 16. Juni 1992, gegen 09.30 Uhr kamen vier bewaff­nete Uniformierte in den Hof der Pfarrei und des Klosters von Nova Topola. Sie forderten eine Schwester, die zufällig im Hof war, auf, ihnen zu sagen, wo der Pfarrer ist. Sie zeigte ihnen das Pfarrhaus, und sie gingen hin. Auf ihr Klopfen öffnete der Pfarrer die Tür, und sie brachten ihn in einem Auto in Richtung des Dorfes Laminci weg.
Man hat mir dies unverzüglich gemeldet, und ich meinerseits setzte die Polizei in Banja Luka und Bosanska Gradi¹ka in Kenntnis. Ich bin auch selbst nach Nova Topola gefahren, wo ich auf der Polizeiwache und bei den (schreckerfüllten) Ordensschwestern im Kloster war, und außerdem war ich beim Bür­germeister in Bosanska Gradi¹ka. Keiner meiner Gesprächspartner wußte, von wem und warum der Pfarrei- weggebracht worden war. Ich habe verlangt, daß man nach dem Pfarrer sucht und daß die Schwestern besonderen Schutz erhal­ten. Sowohl in Nova Topola als auch in Bosanska Gradi¹ka hat man mir ver­sprochen, dies zu tun. Ich war dann nochmals bei den Schwestern und habe ihnen alles mitgeteilt, was ich von den maßgeblichen Organen erfahren hatte. Ich wollte die beiden jüngsten Ordensschwestern. Schw. Antonia und Schw. Maria, mitnehmen. Die beiden Schwestern (und dann auch die Schwester Obe­rin) willigten nicht ein, da sie der Meinung waren, daß dafür kein Anlaß beste­he, und sie erklärten, daß sie mit ihren Mitschwestern der Gemeinschaft von Nova Topola zusammenbleiben wollen. Ich habe am gleichen Abend auch Schwe­ster Salezija in Bud¾ak über alles informiert.
2. Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr kam Schw. Salezija, die beratende Provinzialbeauftragte, und berichtete mir aufgeregt, daß sie aus dem Kloster Nova Topola komme und daß dort in der Nacht zuvor gegen 22.00 Uhr eine Gruppe von vier bewaffneten Soldaten, die sich als "Weiße Adler" ausgaben, gewaltsam eingedrungen sei und einige Stunden lang die Schwestern psychisch - und einige derselben auch körperlich - mißhandelt habe. Die Schwestern wa­ren, wie sie sagte, furchtbar erschreckt und hallen Angst vor der kommenden Nacht. Ich habe mich mit Schw. Salezija sofort zur Zentralstelle der Schutzpo­lizei in Banja Luka und zum Krisenstab begeben und den Vorfall gemeldet. Danach fuhr ich nach Nova Topola, wo ich zur Polizei ging und die Schwestern aufsuchte, sowie nach Bosanska Gradi¹ka, wo ich zur Polizeiwache ging und verlangte, daß man die Schwestern umgehend unter Schutz stellt bzw. ihnen allen die Möglichkeit gibt, sich nach Banja Luka zu begeben. Nachdem sich die Schutzpolizeistelle in Banja Luka eingeschaltet hatte, erklärten die Polizeiorga­ne in Bosanska Gradi¹ka und Nova Topola, daß sie garantieren, daß den Schwe­stern in der folgenden Nacht nichts geschieht, da sie sie bewachen werden. Ich bin, wie auch Schw. Salezija, bei den Schwestern geblieben. Die Schwestern hatten sich bereits ziemlich beruhigt (die beiden jüngsten, Schw. Maria und Schw. Antonia, hatte Schw. Salezija schon am Nachmittag des gleichen Tages nach Bud¾ak gebracht).
3. Am Donnerstagmorgen war ich zusammen mit Schw. Salezija und der Äbtissin Schw. Dominika bei Bürgermeister Vesiæ in Bosanska Gradi¹ka und brachte meine Empörung, meine Entrüstung und meinen Protest zum Ausdruck, worauf er sich entschuldigte und versprach, unverzüglich Maßnahmen zur Er­mittlung der Täter und zum zusätzlichen Schutz der Schwestern und des Klo­sters zu ergreifen.
Da Fronleichnamstag (zugleich Feiertag der Gemeinschaft) war, zelebrier­ten wir in der Kirche von Nova Topola eine Messe, bei der die Schwestern ganz besonders erkennen ließen, wie sehr sie vom Glauben beseelt sind, aus dem sie die Kraft für ihr Wirken in der Treue zu Christus bis hin zum Martyrium schöp­fen.
Am Nachmittag war ich erneut bei der regionalen Polizeibehörde von Banja Luka, wo ich zusätzlichen Schutz für die Schwestern verlangte, den man mir versprach, und fuhr dann wieder nach Nova Topola zurück, wo ich im Hin­blick auf die Sicherheit der Schwestern die Nacht verbrachte. Ich stellte mit Schw. Salezija und Schw. Dominika Überlegungen zu den Fragen an, was mit der Schwesterngemeinschaft werden und wem man das Kloster überlassen soll.
4. Am Freitag waren wir bereits am Morgen wieder in Banja Luka und sprachen mit den Chefs der ganzen Region, S. ®upljanin und S. Markoviæ, wo­bei wir von dem einen schwache und von dem anderen viel zuverlässigere Garantien bekamen. Dann eilten wir zu einem Treffen mit dem Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, N. Iva¹tanin, wobei wir wegen der abscheulichen Tat, die Bewaffnete in einem zu seinem Verwaltungsbereich gehörenden Kloster verübt haben, Protest erhoben und größtmöglichen Schutz für die Schwestern und das Eigentum des Klosters forderten. Er drückte ebenfalls sein tiefes Bedauern über die beiden schweren Ausschreitungen in Nova Topola - die Entführung des Pfar­rers und die Mißhandlung der Schwestern - aus, die, wie die Schwestern versi­chern, jeweils von den gleichen Männern begangen wurden, und versprach ma­ximalen Einsatz sämtlicher für die Gemeinde zuständiger Strukturen (der Kräf­te der Polizei, der Territorial Verteidigung und des Militärs) zur Aufklärung der bösen Zwischenfalle und zum Schutz der Schwestern.
5. Am Samstag fuhr (wegen der hl. Firmung in einer anderen Pfarrge­meinde) der Ökonom unseres Bistums, Hochw. B. Prucha, mit Schw. Salezija nach Nova Topola, um bei der amtlichen Vernehmung der Schwestern zu dem bösen Vorfall durch einen Vertreter der regionalen Zentralstelle der Schutzpoli­zei in Banja Luka, den Leiter der Polizeibehörde von Bosanska Gradi¹ka, Vesiæ, und den Leiter der Territorial Verteidigungskräfte für das Gebiet von Bosanska Gradi¹ka zugegen zu sein.
Am Nachmittag begab auch ich mich in das Kloster, wo wir erneut über das "Schicksal" der Schwestern sprachen, diesmal eingedenk Ihrer uns über das Päpstliche Sekretariat in Rom und den Apostolischen Nuntius in Belgrad über­mittelten ersten Reaktionen. Wir beschlossen, auch mit dem orthodoxen Bi­schof von Banja Luka, der von dem Vorfall sehr betroffen war, Gespräche zu führen. Dieser schlug vor, daß wir immerhin versuchen sollten, von General Taliæ, dem Kommandanten des J. Krajina-Korps, der mir bereits früher verspro­chen hatte, daß das Militär nach seiner Rückkehr von der Front in Westslawonien die Ordensschwestern nicht belästigen wird, zusätzliche Garantien zu erhalten.
Die Vertreter der Polizei, die weiter oben bereits genannte "Troika", ver­bürgten sich bei den Schwestern dafür, daß sie unbesorgt sein können, da sie sie von nun an, namentlich nachts, besonders bewachen lassen werden.
Bis heute (Dienstag, den 23. Juni) wurden die Schwestern von nieman­dem belästigt.
6. Gestern abend habe ich in den Räumen des orthodoxen Bischofssitzes und im Beisein des orthodoxen Bischofs Jefrem ein zweieinhalbstündiges Ge­spräch mit Generalmajor M. Taliæ geführt, bei dem ich ihm die schwierige Si­tuation der Klöster in Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac und die allgemeine Lage der Katholiken in dieser Region schilderte. Bischof Jefrem seiner­seits bekräftigte viele meiner Ausführungen. Der General hörte aufmerksam zu, drückte hinsichtlich all dessen, was mit "den Linsehuldigen Ordensschwestern in den beiden Klöstern geschehen ist", höchste Mißbilligung aus und gab uns beiden mit der Autorität seiner Position sein Wort und verbürgte sich, "daß jed­weder Überfall auf die Schwestern oder Versuch einer zwangsweisen Aussied­lung der Schwestern oder Räumung der Klöster mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt, verhindert wird". Er versprach, mir diese Zusage auch in schriftlicher Form zu geben, damit ich sie auch Ihnen und der obersten Verwaltung der Schwesterngemeinschaft zuleiten kann.
Herr Jefrem und auch ich persönlich haben den Eindruck, daß der Gene­ral mit den seinem Befehl unierstehenden Streitkräften in der Lage sein wird, mit den verschiedenen bewaffneten paramilitärischen Gruppen, die die Sicher­heit der Zivilisten in diesem Gebiet bedrohen, fertig zu werden.
Hinsichtlich Ihrer die Schwestern betreffenden Weisungen, die uns über Rom zugegangen sind, darf ich Ihnen mitteilen, daß alle jüngeren Schwestern aus Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac bereits vor Eingang dieser Wei­sungen nach Bud¾ak bzw. in das Bischöfliche Ordinariat gebracht worden sind. Die Ordensschwestern in den Pfarrgemeinden außerhalb von Banja Luka dürfen ihre Gemeinde nicht verlassen! Sie sagen mir allerdings alle, daß bei ihnen im großen und ganzen alles friedlich ist. Dies gilt auch für ©imiæi und Prnjavor sowie für Bosanska Gradi¹ka (den Stadtbereich).
Verehrte Schwester Tarzicija, auch in diesen Kriegsnöten ist Gott höchst­selbst mit uns! Er macht auch aus zarten menschlichen Geschöpfen wahre Gi­ganten der Aufopferung, der Liebe und der Vergebung! Eine Ordensgemeinschaff, ein Bistum und eine Kirche, die solche Ordensschwestern wie unsere hier in Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac und überhaupt in unserem ganzen Gebiet haben, sind gesegnet und sind glücklich zu schätzen. Ich tue für die Ordensschwestern, was ich nur kann, und Gott gewiß noch mehr!
Es grüßt Sie hochachtungsvoll, Ihr

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

"DAS STERBEN JESU TRAGEN WIR AN UNSEREM LEIBE"
Brief an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992)

Eure Exzellenz,
in der Hoffnung, daß endlich bald die Telefonverbindung zwischen Banja Luka und Belgrad wieder hergestellt wird, möchte ich Ihnen hiermit eine kurze Übersicht über die derzeitige Lage in meinem Bistum Banja Luka geben.
Im Gebiet der Bosanska Krajina, wo der größte Teil meines Bistums liegt, wird die Situation mit jedem Tage schwieriger. Soweit zuverlässige Informatio­nen vorliegen, befindet sich von der Bevölkerung der Pfarrgemeinden der Deka­nate Prijedor und Jajce ein Teil in Flüchtlingslagern, während ein anderer Teil verschleppt worden ist. Auch die Pfarrer sind bis auf einen bei ihren Gläubigen. Besonders schwierig ist die Lage in drei Pfarrgemeinden von Kotor Varo¹, wo die Bevölkerung gemischt ist (Muslime) und gekämpft wird; laut Berichten der örtlichen Rundfunkstationen wurden viele Häuser niedergebrannt, und wir fürch­ten, daß auch viele Menschen umgekommen sind. Was die letzten zehn Tage betrifft, so weiß ich nur über die Lage eines Viertels meines Bistums genau Bescheid. Von vier im Pfarramt tätigen Geistlichen weiß ich, daß sie verschleppt worden sind und daß über ihr Schicksal nichts bekannt ist. Es handelt sich um Marko Sähe aus Dragalovci, Ratko Grgiæ aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ aus Ljubija und Bruder Stipiæ aus Stratinska. Von 14 Pfarrern habe ich schon länge­re Zeit überhaupt nichts gehört. Ich hoffe, daß sie am Leben sind, d.h. sich bei ihren Gläubigen befinden, deren Schicksal sie teilen. Ich habe mich um eine Möglichkeit bemüht, wenigstens einige vom Krieg erfaßte Pfarrgemeinden auf­zusuchen, erhielt aber von den Militär- und den Zivilbehörden keine Erlaubnis. Ich bin mehrmals an diese Behörden herangetreten, damit sie mir die Möglich­keit geben, auf irgendeine andere Weise zu erfahren, wie es um die Geistlichen und die Gläubigen steht. Leider stieß ich dabei auf wenig Verständnis.
In den Pfarrgemeinden um Banja Luka selbst (es sind 10) ist es, Gott sei Dank, im großen und ganzen noch immer friedlich. Die Menschen haben große Angst vor möglichem großen Unheil, aber vorläufig können sie sich nirgendwohin wegbegeben. Hinsichtlich der Klöster der Ordensschwestern der Gemein­schaft "Klanjateljice Krvi Kristove" ist die Lage noch immer weder klar noch völlig sicher. Nach schweren Zwischenfällen, wobei der vom 16. Juni 1992, bei dem in Nova Topola nach der Entführung des Pfarrers Hochw. Ratko Grgiæ vier bewaffnete Uniformierte eine ganze Nacht lang die 22 zum Großteil älteren Ordensschwestern mißhandelten, besonders schwerwiegend ist, habe ich - vor allein bei den örtlichen und regionalen Zivil- und Militärbehörden - alles ver­sucht, damit man die Sicherheit der Ordensschwestern noch besser gewährlei­stet und dafür sorgt, daß solche Garantien auch in die Tat umgesetzt werden. Leider wurde trotz der vom Kommandanten des 1. Krajina-Korps, General M. Taliæ, persönlich abgegebenen Versicherung, daß das Militär den Schutz der beiden Klöster übernehmen wird, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni ein größeres Wirtschaftsgebäude beim Kloster in Nova Topola in Brand gesteckt. In der Zwischenzeit habe ich in Absprache mit deren Regionaloberin zehn Schwe­stern vorläufig bei ihren im Gebiet von Banja Luka befindlichen Gemeinschaf­ten untergebracht, solange es die Zeiten und die realen Möglichkeiten beim besten Willen noch nicht erlauben, der Anordnung der General- und der Provinzialverwaltung der Gemeinschaft in Rom bzw. Zagreb, alle Schwestern (es sind an die hundert) vom Gebiet der Bosanska Krajina bzw. des Bistums Banja Luka nach Zagreb bzw. Kroatien umzusiedeln, Folge zu leisten. Zusam­men mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, habe ich in der letzten Zeit mehrfach bei verschiedenen Institutionen interveniert, um zu erreichen, daß die Ordensschwestern und die Klöster geschützt werden, und am Mittwoch, dem 08. Juli d. J., werden wir in Bosanska Gradi¹ka mit den örtli­chen Behörden erneut ein Gespräch führen, um darzulegen, daß es besserer Garantien bedarf, damit die Schwestern doch in ihrem über hundert Jahre alten Kloster in Nova Topola und auch im Kloster von Bosanski Aleksandrovac blei­ben. Ich muß hervorheben, daß der orthodoxe Bischof, Herr Jefrem, bisher wäh­rend dieser durch den Krieg herbeigeführten schweren Prüfungen große Bereit­schaft gezeigt hat, uns zu helfen, wo er nur kann. Dies ist wahrlich eine wertvol­le Geste, der man Anerkennung zollen muß, und deshalb sollten auch wir, die katholischen Bischöfe, uns für die Belange der Menschen der schwesterlichen serbisch-orthodoxen Kirche einsetzen, wenn es dessen bedarf, insbesondere in Kroatien bzw. in Gebieten, wo wir Katholiken die Mehrheit bilden.
Eure Exzellenz, wenn dieser kurze Bericht über die derzeitige sehr schmerzliche Lage in meinem Bistum zu Ihnen gelangt, wollen Sie sich bitte auch noch dies vor Augen halten: Wir sind uns bewußt, daß uns auferlegt ist, zu kämpfen und durchzuhalten - "adversus principatus, adversus potestates, adversus mundi rectores tenebrarum harum, adversus spiritalia nequitiae in celestibus" (Eph 6, 12)! "In omnibus tribulationem patimur, sed non angustiamur; aporiamur, sed non destituimur; persecutionem patimur, sed non derelinquimur; deicimur, sed non perimur: mortificationem Iesu in corpore circumferentes, ut et vita Iesu in corpore nostro (et vita nostra) manifestetur." (2. Kor 4, 8-10).
- OREMUS PRO INVICEM!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung in Christo, Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

"MÖGE UNSER HIMMLISCHER VATER DURCH DIE GEDULD DER HIESIGEN CHRISTLICHEN GLÄUBIGEN GEPRIESEN SEIN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 501/92 vom 08. Juli 1992)

Erhabene Exzellenz,
mit meinem Schreiben Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992 habe ich Ihnen die wesentlichsten Angaben zur gegenwärtigen Lage im größeren Teil meines Bis­tums übermittelt. Gott sei Dank, daß es mir endlich gelungen ist, sie Ihnen per Fax zu übersenden.
Heute war ich mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, beim Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a Iva¹tanin. In unse­rem Gespräch, das volle drei Stunden dauerte, richteten wir das Augenmerk besonders auf das noch immer Ungewisse Schicksal der Ordensschwestern und des Klosters der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" in Nova Topola im Gemeindebereich von Bosanska Gradi¹ka. Es ging auch um das große Leid, das den Angehörigen der Pfarrgemeinden Dolina, Bosanska Gradi¹ka und Nova Topola durch verschiedene uniformierte Gruppen und Einzelpersonen zugefügt wird.
Dies war mein viertes mit dem Herrn Bürgermeister in den letzten drei Wochen geführtes Gespräch bezüglich des Schicksals der Ordensschwestern und des Klosters Nova Topola und der katholischen Gläubigen und natürlich auch der Geistlichen im Gebiet dieser Gemeinde. Herr Jefrem, der orthodoxe Bischof von Banja Luka, äußerte erneut seine Besorgnis und sein Bedauern wegen der "offensichtlichen Verbrechen am Pfarrer und an den Ordensschwestern" in Nova Topola. Er hat dies selbstverständlich energisch verurteilt, wobei er gemeinsam mit mir verlangte, daß die rechtmäßigen Behörden alles unternehmen zum Schutz der Ordensschwestern, des Klosters und des Pfarrers sowie der unschuldigen Gläubigen. Bürgermeister Iva¹tanin hat wiederholt, daß sich im Gebiet seiner Gemeinde viele bewaffnete Serben, nicht nur aus seiner, sondern auch aus ande­ren Gemeinden, sowie Flüchtlinge aufhalten, die hier außerhalb der Institutio­nen ihre privaten Kriege und Racheakte austragen. Er bedauert das Verbrechen in Nova Topola, kann jedoch nicht völlige Sicherheit und Frieden gewährlei­sten, obwohl er sich dies wünschte. Auf Befehl des Kommandeurs des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, bewacht jetzt das (serbische) Militär die Schwestern in Nova Topola und in Bosanski Aleksandrovac, aber wir wissen nicht, wie lange dies sein wird!
Bisher gibt es in keinem der genannten Klöster Anzeichen größerer Angst unter den Schwestern. Der Bürgermeister hat erneut versprochen (!), daß er mit dem Militär bzw. dessen Spitzen Kontakt halten wird, damit er im Falle eines Abzugs des Militärs andere entsprechende Maßnahmen zum größtmöglichen Schutz der Schwestern und der Klöster ergreifen kann.
Auch diesmal habe ich keine vollständigen Sicherheitsgarantien hinsicht­lich der Zukunft der Schwestern und der Klöster bekommen, denn in einer sol­chen Situation kann natürlich weder der Bürgermeister noch irgendjemand an­derer solche geben! In einigen Teilen unserer Gegend herrscht völlige Anarchie und in anderen wiederum eine entsetzliche Diktatur. Was uns Katholiken be­trifft, so sind wir in der Tat allein der Barmherzigkeit und dem Schutz Gottes überlassen! Wir haben keinerlei anderen rechtlichen Schutz und keine Rechte! Tagtäglich erleben wir fürchterliche Mißhandlungen, Peinigungen, Inhaftierun­gen und Tötungen, alles ohne Gerichtsverfahren und Nachweis von Schuld. Davon sind unsere Gläubigen, Ordensleute, Geistlichen und sogar ich betrof­fen. Ununterbrochen werden Klöster und Pfarrbüros, sogar das Bischöfliche Ordinariat durchsucht und geplündert. Ich tue alles, was ich kann, um auf meine Gläubigen, Ordensleute und Geistlichen beruhigend einzuwirken, auf diese Men­schen, die man ununterbrochen provoziert und mißhandelt, ohne daß sie jeman­den haben, bei dem sie Schutz suchen könnten; Menschen, denen man sogar die menschlichen Grundrechte nimmt: nicht sehen sogar das Recht auf Leben, fast regelmäßig das Recht auf Arbeit, sehr oft das Recht auf Wohnung, das Recht, die eigenen religiösen Empfindungen zu zeigen, und das Recht auf die eigene religiöse, nationale und kulturelle Identität. Trotz meiner vielen diesbezügli­chen Ersuchen, Appelle und Bitten, die ich bisher an die Militär- und Zivil­behörden gerichtet habe, bin ich noch immer ohne gesicherte Informationen über die Geistlichen: Marko ©aliæ, Pfarrer aus Dragalovci, Ratko Grgiæ, Pfarrer aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ, Pfarrer aus Ljubija, Bruder Juro Stipiæ, Pfarrer aus Stratinska, Vlado Tomiæ, Pfarrer aus Sasina, Adolf Vi¹aticki, Pfarrer und Dekan aus Vrbanjci, Bruder Ivo Franjiæ, Pfarrer aus Kotor Varo¹, Bruder Mato Pranjiæ, Kaplan aus Kotor Varo¹, Bruder Toma Buljan, Pfarrer aus Sokoline, und Anto Marijan, Pfarrer aus Liskovica. Ich werde auch weiterhin unermüd­lich nach ihnen suchen und hartnäckig danach forschen, wie es um sie steht, und ich bitte auch Sie, darüber nachzudenken, was Sie unternehmen könnten, damit diesen meinen Geistlichen, deren Leben in Gefahr ist (sofern nicht schon einige von ihnen umgebracht wurden!), baldigst geholfen wird.
Wegen der uns umschließenden totalen Blockade ist mir der Weg zu in­ternationalen humanitären Organisationen, die sich für das Schicksal dieser Geist­lichen verwenden würden, versperrt. (...)
Ich weiß, daß die Pfarrkirchen in Kotor Varo¹ und Liskovica und die Filialkirchen in Donja Ravska, Kozarac und Bosanska Krupa niedergebrannt wurden. Hinsichtlich einiger anderer bin ich noch nicht ganz sicher, aber ich fürchte, daß sie das gleiche Schicksal ereilt hat. Einige Kirchen und Pfarrwohnungen sind beschädigt, aber weil es unmöglich ist, vollständige In­formationen zu bekommen (man hat keine Bewegungsfreiheit, aber auch Tele­fonate sind nicht möglich!), habe ich diesbezüglich keine genaueren Angaben.
Obwohl im engeren und im weiteren Bereich der Gemeinde Banja Luka keine schlimmen Kriegszerstörungen zu verzeichnen sind, herrscht unter unse­ren völlig entrechteten Gläubigen ungeheure Angst wegen der Gefahr einer Mas­senvernichtung oder zumindest einer Zwangsaussiedlung aus ihren jahrhunder­tealten Heimstätten. Leider ist diese Angst nicht unbegründet, da sich derglei­chen auch in unserer Umgebung an vielen Orten ereignet hat! Ich bemühe mich mit allen Kräften, beruhigend einzuwirken und diese Angst zu mindern, und ich hoffe und bete zum Herrn, daß wir vor größeren Kriegsgreueln und vor der völligen Zerstörung aller Möglichkeiten für ein zukünftiges gemeinsames Le­ben der jetzigen Bewohner dieser Gegend bzw. Region bewahrt werden.
Ihnen, verehrte Exzellenz, danke ich für Ihre väterliche Fürsorge für uns und für mein ganzes Bistum. Ihre Fürsorge und Ihr Gebet geben uns die not­wendige Energie, damit wir bei unserem vom Geist des Höheren bestimmten Streben, das Böse und die Sünde in uns und um uns nicht um sich greifen zu lassen, nicht ermatten. Möge unser himmlischer Vater durch die Geduld der hiesigen christlichen Gläubigen auch in diesem Teil Seiner Kirche gepriesen sein, und möge für alle Menschen auch dieses unseres Landes und unserer Hei­mat das beglückende Reich Gottes in höchstem Maße seinen Ausdruck finden, als das Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Vergebung und des Friedens!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung und einem herzlichen Gruß an Sie, Eure Exzellenz, sowie auch an alle Ihre tüchtigen Mitarbeiter. Ihr in Christo ergebener

+ Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

  anfang der seite

"ICH WERDE ALLES TUN, UM DIE GEISTLICHEN UND DIE GLÄUBIGEN ZU SCHÜTZEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 551/92 vom 02. August 1992)

Eure Exzellenz,
wieder möchte ich mich bei Ihnen melden, in der Hoffnung, daß es mir gelingt, diese neuesten Nachrichten zu Ihnen zu senden.
1. Gestern, um 01. August 1992, war ich mit zwei Geistlichen zur Pfarrge­meinde Sasina unterwegs, wo ich die Hl. Firmung erteilen sollte. Irgendwo in den Bergen. 25 km hinter Banja Luka, haben uns uniformierte Militärpersonen das Auto weggenommen. Nachdem ich darauf bestanden hatte, daß sie uns nach Banja Luka zurückbringen, da wir über alle erforderlichen Passierscheine ver­fügen, haben sie dies immerhin getan, uns aber unterwegs schwer mißhandelt. Ich habe mich bei der Militärpolizei in Banja Luka beschwert, wobei ich nach­drücklich hervorhob, wie schwerwiegend dieser Vorfall ist. Man entschuldigte sich und stellte uns eine Militärpatrouille zur Verfügung, die uns zum Ort des Vorfalls begleitete, wo wir den weggenommenen Wagen zurückverlangten, der uns dann auf Befehl der Militärpolizei zurückgegeben wurde. In Begleitung der Militärpolizei sind wir zur Pfarrgemeinde Sasina weitergefahren, um den Pfar­rer zu besuchen, der wie seine Gläubigen wegen eines eventuellen Massakers in schrecklicher Angst lebt. Sowohl er wie seine Gläubigen wollen ihr nacktes Leben in Sicherheit bringen und nach Kroatien gehen, gleich wohin! In Sasina habe ich auch den Pfarrer der benachbarten Gemeinde Sanski Most getroffen und seinen traurigen Bericht über seine Gemeinde und den schwer mißhandel­ten Dekan von Stara Rijeka, Ilija Arloviæ, der mit einer großen Gruppe seiner Gläubigen im Gefängnis von Sanski Most inhaftiert ist, gehört. Ich wollte den­selben unbedingt sehen, aber man hat es mir nicht gestattet.
2. Nachdem ich beharrlich darauf bestanden hatte, ist es mir heute gelun­gen, mich mit dem Kommandanten des l. Krajina-Korps der serbischen Streitkräfte, Generalmajor Momir Taliæ, zu treffen, mit dem ich ein über einstündiges Gespräch über Probleme führte, die ich ihm auch schriftlich dargelegt hatte (Kopie in der Anlage). Es war ein konstruktives Gespräch, in dessen Verlauf mir als erstes versprochen wurde, daß er mir eine Begleitung zur Verfügung stellt, damit ich alle Pfarrgemeinden und Geistlichen besuchen kann, von denen ich keine gesicherten Informationen habe. Über die Zukunft der Katholiken in dieser Region entscheiden, wie er sagte, andere. Er hofft jedoch, daß alles ein ra­sches und gutes Ende nimmt, und versicherte, daß er gegen jedwede Zwangsaussiedlung sei. Er äußerte, daß er viele Schwierigkeiten mit verschiedenen be­waffneten Gruppen habe, die sich von niemandem etwas sagen lassen, er sich aber bemühe, Ordnung herzustellen und die Grundrechte durchzusetzen, ob­wohl es sehr schwierig sei.
Er versprach erneut Hilfe zur Sicherstellung des Transports von Lebensmitteln und Medikamenten ans Zagreb in die Region unserer bischöflichen Caritas. Ich habe den Eindruck, daß er sich den Idealen der Humanität verpflichtet fühlt und helfen möchte, soweit er kann. Er versprach auch, daß er sich erneut um eine möglichst baldige Freilassung der inhaftierten Geistlichen bemühen werde. Gebe es Gott! Ich werde meine Forderungen so lange vortragen, bis sie erfüll sind!
3. Ich machte von den Zusagen des Generals zunächst Gebrauch, indem ich darum ersuchte, gleich heute das Gebiet von Kotor Varo¹ besuchen zu kön­nen. In Begleitung der Militärpolizei machte ich mich mit zwei weiteren Geist­lichen und einer Ordensschwester ans der Pfarrgemeinde Kotor Varo¹ (Schwe­ster Xaveria) sowie dem dortigen Pfarrer, Bruder Ivan Franjiæ, der sich hier in der bischöflichen Residenz nach medizinischer Behandlung von den erlittenen Mißhandlungen erholt hat, und einigen Lebensmitteln in einem Kombi der Caritas auf den Weg. Ich habe die niedergebrannte neue Pfarrkirche, die so herrlich gewesen war und nun einen sehr traurigen Anblick bot, sowie ungefähr fünfzig niedergebrannte Häuser längs der Hauptverkehrsstraße gesehen und mich mit Bruder Mato Pranjiæ, Kaplan in Kotor Varo¹, unterhalten, der die ganze Zeit über dort gewesen ist und mir berichtete, daß fast l.000 Menschen der Pfarrge­meinde weggegangen sind und weitere 2.000 in diesen Tagen unbedingt aufbre­chen wollen! In der Pfarrgemeinde Vrbanjci haben wir Dekan Adolf Vi¹aticki angetroffen, der, zwischen zwei kriegführenden Parteien eingekeilt, übermensch­liche Strapazen durchlebt hat, aber, Gott sei Dank, am Leben geblieben ist. Er wurde nur etwas mißhandelt, und sowohl die noch nicht fertiggestellte Kirche, der nichts geschehen ist. als auch die Pfarrwohnung wurden geplündert. Dort erhielt ich auch die erfreuliche Nachricht, daß unsere Theologiestudenten Marko Vidoviæ und Ivan Grgiæ am Leben sind. Ein Großteil der Pfarrgemeinde ist in großer Furcht und Panik in die Berge geflüchtet, aber es gibt auch Fälle, wo die Leute ihr gesamtes Hab und Gut aufgeben und irgendwohin flüchten. Sowohl in Vrbanjci als auch in Kotor Varo¹ habe ich die dortigen Militär- und Polizeibehörden ersucht, der Bevölkerung Sicherheit zu gewährleisten und die Menschen nicht zu verhaften und nicht zu töten und ihnen nicht die Häuser zu zerstören, wenn sie doch völlig unschuldig sind! Unter der verbliebenen katholischen Be­völkerung herrscht große Panik und Angst vor einer totalen Ausrottung, und es ist ein großer Segen, daß die Geistlichen unter Gefahr für ihr eigenes Leben noch immer bei ihnen sind! Ich werde in den kommenden Tagen alles unterneh­men, um sowohl die Geistlichen als auch die Gläubigen weitmöglichst vor grö­ßeren Leiden zu beschützen.
4. Heute erreichte mich die Nachricht, daß letzte Nacht auch die Pfarrkir­che und ein Haus der Pfarrgemeinde Kula¹i sowie die griechisch-katholische Kirche in Prnjavor gesprengt worden sind. Morgen werde ich versuchen, hinzu­fahren, um zu sehen, was geschehen ist, und mich um die Geistlichen und die Gläubigen zu kümmern!
- Eure Exzellenz, beten Sie für uns, es bedeutet uns viel! Haben Sie Dank für alles! Ich werde mich bei nächster Gelegenheit wieder melden!
Ich verleibe im Herrn, mit dem Ausdruck der Hochachtung

 + Franjo Komarica, Bischof

 anfang der seite

"ES IST MIR GELUNGEN, EINIGE PFARRGEMEINDEN ZU BESUCHEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 559/92 vom 03. August 1992)

Eure Exzellenz,
heute habe ich zusammen mit meinem Generalvikar Dr. Auto Orlovac und meinem Kanzler Dr. Miljenko Anièiæ den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. Predrag Radiæ, aufgesucht. Ich habe ihm in schriftlicher Form unsere Sor­ge wegen der schwierigen Lage und der Ungewissen Zukunft des katholischen Bevölkerungsteils unserer Gemeinde dargelegt (Text - Anlage 1!).
In einem längeren offenen Gespräch zeigte Bürgermeister Radio Verständ­nis für unsere Überlegungen und Bereitschaft, allen Bürgern die gleichen Rech­te zu gewähren und gegen jede An von Gewalt und Ungerechtigkeit einzuschrei­ten, soweit es ihm möglich ist. Er hob erneut den großen Beitrag hervor, den gerade der katholische Teil der Bevölkerung unserer Gemeinde zum derzeitigen relativen Frieden in diesem Gebiet geleistet hat. Er versprach, mir auf die in meinem Schreiben formulierten Fragen eine schriftliche Antwort zu übermit­teln, sobald er die anderen zuständigen Politiker konsultiert hat, "denn er möch­te keine Versprechungen abgeben, die er nicht halten kann".
Im Anschluß daran habe ich in Begleitung von Militärpolizeiangehörigen vom Korps Banja Luka, die mir der General selbst zur Verfügung gestellt hatte (nachdem am Samstag in der Nähe von Banja Luka einige Uniformierte und Zivilisten mir und den mich begleitenden Geistlichen gedroht hatten, uns um­zubringen), die Pfarrgemeinden Prnjavor, Kula¹i und Dragalovci und die grie­chisch-katholische Pfarrgemeinde in Prnjavor besucht. Die Kirche der griechisch-katholischen Pfarrgemeinde in Prnjavor ist in der Nacht vom 01. auf den 02. August durch Sprengladungen völlig zerstört worden! Von der derzeitigen, sehr traurigen Lage liegt von Pater Petar Ovad, dem Pfarrer und Dekan aller ukraini­schen Katholiken im Gebiet von BiH, eine kurzgefaßte Beschreibung vor (Text -Anlage 2!). Ich habe Pater Ovad versprochen, daß ich sie nicht vergessen werde, zumal sie keinerlei Kontakt mit ihrem Bischof Miklav¹i in Zagreb haben. In der Pfarrgemeinde Kula¹i wurde zur selben Zeit, als die Kirche in Prnjavor zerstört wurde, die römisch-katholische Kirche gesprengt und stark zerstört, und in der Nacht zuvor ist die neue Pfarrwohnung durch eine Sprengladung zerstört worden. In dieser Pfarrgemeinde hatte es ebenso wie in Prnjavor keiner­lei Kämpfe gegeben. Die Kirche wurde "aus heiterem Himmel" gesprengt. Die Menschen sind in großer Angst; als ich ankam, hatten sich fast 200 Männer, Frauen und Kinder versammelt! Sie weinten und verlangten von mir Schutz! Pfarrer Nikica Lozanèiæ war vom Leiter der Polizei in Prnjavor sehr unver­schämt beleidigt worden, als er diesem meldete, daß die Kirche vermint worden sei! Ich habe mit ihnen gemeinsam gebetet und ihnen, soweit ich konnte, Mut zugesprochen und sie gemistet und ihnen versprochen, daß ich sie nicht verges­sen werde! Sie haben sich sehr gefreut, als ich ihnen sagte, daß der Heilige Vater selbst für sie betet und sie segnet, wie auch Sie als sein Vertreter.
In der Kirchengemeinde Dragalovci war die Pfarrkirche durch eine Sprengladung stark beschädigt; worden, und man hatte sie geplündert. Es war auch in die Pfarrwohnung eingebrochen worden. Den Pfarrer, Marko ©aliæ, hat das Militär vor zwei Monaten weggebracht, und man weiß nicht sicher, wo er sich befindet. Am wahrscheinlichsten ist, daß er sich in Doboj befindet. Einige Häuser wurden niedergebrannt, und viele Menschen wurden inhaftiert; das Dorf ist wie ausgestorben. Hier hatte es keine kriegerischen Zusammenstöße gege­ben, aber die Pfarrei und das Dorf liegen an der einzigen Hauptstraße zwischen Banja Luka und Belgrad. Einige ältere Menschen, die ich traf, baten mich wei­nend, ihnen behilfich zu sein, damit sie irgendwie den täglichen Quälereien durch Uniformierte, die sie verprügeln und immer der Reihe nach ausplündern, entrinnen! Wir rafften uns auf und begaben uns nach Doboj, das einem anderen Kommando und einer anderen (ebenfalls serbischen!) Behörde untersteht. Ich ging zum dortigen Pfarrer, Jozo Kudiæ, um ihn nach Pfarrer ©aliæ zu fragen. Pfarrer ©aliæ war zwei Tage zuvor aus dem Gefängnis von Doboj entlassen worden und aus Sicherheitsgründen bei Pfarrer Kudiæ geblieben. Dort befanden sich auch vier Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" und eine alte Frau. Das Haus der Schwestern war zwei Monate zuvor von Angehöri­gen der "Roten Barette" der serbischen Streitkräfte demoliert worden. Die Pfarr­kirche ist niedergebrannt, viele Katholiken sind auch in Gefängnishaft umge­bracht worden, und ein Teil der Katholiken ist geflohen. Es sind nur noch sehr wenige von ihnen geblieben. Diese befinden sich regelrecht im Gefängnis, da sie nirgendwohin gehen können, und sie haben kaum etwas zu essen. Alle haben sieh sehr über meinen Besuch gefreut! Ich habe ihnen versprochen, mich an die Militärbehörden in Banja Luka zu wenden, um zu ermöglichen, daß ich sie am Mittwoch abholen komme, denn sie wollen Doboj unbedingt verlassen!
- Auf dem Rückweg war ich in Prnjavor hei Pfarrer Vlado Lukenda, dem man das Auto weggenommen hat. Ich formulierte einen schriftlichen Protest und drückte gegenüber dem Bürgermeister der Gemeinde Prnjavor meine Be­sorgnis wegen der immer schwieriger werdenden Lage der Katholiken in dieser Gemeinde aus (Text - Anlage 3!).
Eure Exzellenz, ich werde versuchen, in diesen Tagen noch einige weite­re Teile meines von Krieg und Unglück erfaßten Bistums zu besuchen. Ich wer­de mich wieder melden!
Indem ich mich auch für die Zukunft Ihrer geschätzten Fürbitte anemp­fehle, verbleibe ich im Herrn, Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof

 anfang der seite

"MÖGE GOTT UNS DIE KRAFT ZUM WEITEREN DURCHHALTEN GEBEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot.-Nr. 562/92 vom 06. August 1992)

Eure Exzellenz,
ich übersende Ihnen hiermit einen kurzgefaßten Bericht über soeben be­endete Besuche in einigen meiner Pfarrgemeinden, mit denen ich über mehr als zwei Monate keinerlei Verbindung hatte.
Am Dienstag, dem 04. August d. J., war ich in Prijedor, Stara Rijeka, Ravska, Ljubija und ©urkovac und in der griechisch-katholischen Pfarrgemeinde Trnopolje bei Kozarac. In Prijedor ist der Pfarrer, Mladen Grabovac, im gro­ßen und ganzen gut davongekommen: man hat sein Haus und die Kirche neun­mal durchstöbert - ohne jedweden Grund, aber er wurde nicht mißhandelt. Die Kirche wurde nur unwesentlich beschädigt, der Turm wurde von einigen Grana­ten getroffen. In der Tochtergemeinde Kozarac wurde die Kirche niedergebrannt, ebenso wie alle katholischen (und muslimischen) Häuser. Viele Angehörige der Pfarrgemeinde wurden in Lager gebracht. Unter den Menschen herrscht unge­heure Angst. Es ist eine Massenaussiedlung der nichtserbischen Bevölkerung im Gange!
Es gelang mir, mit Vertretern der örtlichen Behörden zu sprechen: dem Bürgermeister, dem Vorsitzenden des Vollzugsrats, dem Leiter der Polizei und dem für die gesamte dortige Region zuständigen Militärbefehlshaber. Es war ein schwieriges und hartes Gespräch! Man ist sehr unzugänglich und intolerant! Ich habe verlangt, daß Pfarrer Stipo ©o¹iæ aus Ljubija auf freien Fuß gesetzt wird. Ich wollte ihn und vier weitere im ihrer Zuständigkeit unterstehenden Lager Omarska besuchen. Sie haben es mir nicht erlaubt, jedoch versprochen (!), mir binnen zwei Tagen mitzuteilen, wie es um die Betreffenden steht! Ich habe von ihnen Garantien für die Sicherheit der nahezu 8.000 Katholiken dieser Gemeinde verlangt. Bei der Abgabe des Versprechens wirkten sie nicht über­zeugend!
- In der Pfarrgemeinde Stara Rijeka fand ich den Pfarrer und Dekan Ilija Arloviæ, der nach zwölftägiger schwerer Mißhandlung am Abend zuvor aus dem Lager Sanski Most entlassen worden war. Er hat am Körper Blutergüsse, klagt über starke Schmerzen im Rippenbereich und ist physisch und psychisch am Ende seiner Kräfte. Die neue Pfarrkirche ist gänzlich demoliert, ebenfalls die Pfarrwohnung, die man außerdem geplündert hat. Einige Dutzend Mitglieder der Pfarrgemeinde waren oder sind noch immer in Lagern. Am furchtbarsten ist es in der Tochtergemeinde Bri¹evo, wo am 24. Juli d. J., ohne daß es irgendwel­che Gründe oder Kampfe gegeben hätte, über 90 (!) Zivilisten - Männer, Frauen und Kinder - umgebracht und über 100 Häuser und die neue Kirche sowie die neue Pfarrwohnung niedergebrannt wurden. All dies hat das Militär - die 6. Krajina-Einheit aus Sanski Most unter dem Kommando von Oberst Branko Basara, getan, wie ich am Ort des Geschehens bei meinem Besuch dieses trau­rigen Ortes von einem hohen Offizier meiner Begleitung erfahren konnte. Die übriggebliebenen Menschen sind Gott weiß wohin geflüchtet. Entsetzlich! (s. Anlage l!)
- In der Pfarrgemeinde Ravska hat man Ivan Grgiæ nicht mißhandelt - nur das Pfarrhaus und die Kirche wurden mehrmals durchsucht. In Donja Ravska wurden die Filialkirche und fünf Häuser niedergebrannt, und in der Tochter­gemeinde Ovanjska wurden acht Häuser niedergebrannt. Die Menschen sind hauptsächlich weit weg, in die Berge, geflüchtet (die ganze Pfarrgemeinde liegt in einer gebirgigen Gegend). Es herrschen allgemeine Angst und große Armut!
- In der Pfarrgemeinde Ljubija war Pfarrer Stipo ©o¹iæ am 15. Juni d. J. in das (berüchtigte!) Lager Omarska gebracht worden. Lange Zeit wußte man nicht, wo er sich aufhielt. Jetzt weiß man, daß man ihn schrecklich mißhandelt hat und daß er am Ende seiner Kräfte und schwer krank ist. Das neue (am 12. Mai d. J. eingesegnete!) Seelsorgezentrum ist zwischen dem 23. und 25. Juli und dann nochmals am 30. Juli d. J. vom Militär völlig zerstört und ausgeplündert wor­den. Auch die neue Pfarrkirche ist vorsätzlich in Brand gesteckt worden, aber nicht vollständig ausgebrannt. Es wurde großer Schaden angerichtet! Die Men­schen sind auch hier fast alle geflüchtet. Die große Angst und die ständige Ver­folgung dauern schon zweieinhalb Monate.
- In der Pfarrgemeinde ©urkovac ist der Pfarrer, Bruder Josip Bo¾iæ, psy­chisch total erschöpft. Sowohl er als auch seine Gläubigen halten sich bereits seil dem 24. Mai d. J. fast ständig außerhalb ihrer Wohnungen und Häuser, in den Wäldern der umliegenden Berge, auf! Tagtäglich durchstreifen Militär und Polizei die Dörfer und nehmen die Häuser unter Maschinengewehrfeuer. Die Angst ist sehr groß. Die Kirche wurde von etwa 30 Geschossen getroffen, eben­so die Pfarrwohnung. Zwischen dem 26. und dein 27. Juli wurden in Kipe (in einer dort befindlichen im Tagebau betriebenen Erzgrube des Bergwerks Ljubija) fast 150 Menschen, darunter auch eine Anzahl Muslime, getötet. Am 28. Juli wurden weitere 14 Menschen und danach noch 9 Menschen (Zigeuner - Roma), denen man befohlen hatte, diese vierzehn zu begraben, umgebracht! Auch hier wollen die Menschen irgendwohin emigrieren, weil sie sich unter entsetzlichem Druck befinden und wie auch alle anderen Katholiken dieses Gebiets keinerlei Rechte haben! Es mangelt ihnen wie auch den Menschen der anderen Pfarrge­meinden an allem! Ich habe, wo immer ich hinkam, ein paar Lebensmittel und ein bißchen Waschpulver von unserer Caritas verteilt. Es wird viel mehr ge­braucht, aber wir haben nichts weiter! Ich habe auch den griechisch-katholi­schen Pfarrer in Trnopolje besucht. Dort halten sich noch einige Familien auf. Die Kirche ist nicht beschädigt, aber ringsum ist alles verwüstet, man sieht zerstörte und ausgeplünderte katholische und muslimische Häuser (Ansonsten sind in der Umgebung von Prijedor und in Prijedor selbst Hunderte von muslimischen Häusern niedergebrannt und zerstört!). Am Mittwoch, dem 05. August, habe ich mich nach Erhalt einer entsprechenden Genehmigung der Mi­litärbehörden zu Pfarrer M. Sähe und zu Pfarrer Jozo Kudiæ von Doboj sowie, wie ich es diesen auf ihre Bitte versprochen hatte, zu vier Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" begeben.
- Zuerst habe ich noch in Prnjavor zusammen mit Pfarrer Vlado Lukenda und dem griechisch-katholischen Pfarrer und Dekan Petar Ovad den Bürger­meister von Prnjavor aufgesucht und mit ihm über die Lage der Katholiken in dieser Gemeinde gesprochen. Ich verlangte von ihm mehr Schutz für das Leben und das Eigentum der Katholiken, um so mehr, als sich dort schlimme Dinge ereignet hatten und in der vorangegangenen Nacht die Sprengung der römisch-katholischen Kirche des Ortes gerade noch im letzten Moment verhindert wur­de! Er versprach, daß er sein Möglichstes tun werde, wie weit jedoch seine Möglichkeiten gehen, ist eine andere Frage!
- Aus Doboj habe ich dann glücklich (und geschickt) Inhaftierte, Geistli­che und Ordensschwestern herausgeholt und sie alle bei mir in der bischöfli­chen Residenz untergebracht. Pfarrer ©aliæ ist in Doboj über zwei Monate lang an verschiedenen Stellen im Gefängnis gewesen. Da er ein schwerkranker und schon älterer Mann ist, hat man ihn "nur" ein paarmal (wohl fünfmal!) schwer verprügelt. Er will nicht darüber sprechen. Er sagt nur, daß im Lager über 5.000 (!!!) Menschen interniert sind, daß von den Gefangenen keine Listen existieren, daß Menschen zu Tode geprügelt werden, daß es sogar inhaftierte Frauen gibt, daß die Ernährung sehr schlecht ist und daß sich diese Menschen im großen und ganzen nichts hatten zuschulden kommen lassen. Man hat die Leute inhaftiert, damit man ihr Eigentum leichter plündern und vernichten konnte! Aus der Pfarrgemeinde Doboj sind, soweit bekannt ist, über 5Ü Menschen ermordet worden, viele andere, deren genaue Anzahl nicht bekannt ist, hat man inhaftiert. Es herrscht große Furcht! Der Pfarrer und die Ordensschwestern hatten mit keinem einzi­gen Geistlichen der umliegenden Pfarrgemeinden Kontakt und wissen nicht, wie es um diese steht. Viele katholische Dörfer im Dekanat Doboj sind zerstört, die Menschen sind geflohen oder ums Leben gekommen! Pfarrer Kudiæ und die Ordensschwestern würden nach Zagreb gehen, wenn unsere Caritas in den kom­menden Tagen nach über anderthalb Monaten Blockade dorthin fahren kann!
Heute, am 06. August, habe ich mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka ein langes Gespräch über die tragischen Ereignisse in unserer Umgebung geführt. Es wurde auch über die Notwendigkeit eines Treffens der katholischen und der orthodoxen Bischöfe aller vom Krieg erfaßten Gegenden gesprochen. Solche Gespräche können sicherlich sehr nützlich sein!
- In der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka haben die Streitkräfte der Territorialverteidigung den Katholiken der Pfarrgemeinde Dolina ein Ultimatum gestellt, wonach diese so bald wie möglich wegzuziehen und all ihren Besitz zurückzu­lassen haben. Ich habe mich in diese Gegend begeben, um zu versuchen, die faschistischen Aktionen ethnischer Säuberung zu verhindern. Möge Gott sich unser erbarmen und uns die Kraft zun weiteren Durchhalten geben! Beten Sie auch weiter für uns! Möge der Herr Ihnen alles, was Sie für uns tun, vergelten! Ich verbleibe mit einem brüderlichen Gruß in Christo, unserem Guten Hirten,

Ihr + Franjo Komarica

 anfang der seite

"ES MÜSSTE BALDMÖGLICHST EIN TREFFEN DER ORTHODOXEN UND KATHOLISCHEN BISCHÖFE ORGANISIERT WERDEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 574/92 vom 10. August 1992)

Eure Exzellenz,
trotz unserer vielen Bemühungen gelingt es uns nicht, die totale Blocka­de zu durchbrechen und Ihnen Informationen über die tatsächliche Lage in eini­gen Pfarrgemeinden meines Bistums, von denen ich längere Zeit nichts erfahren habe, zu übermitteln. Ich bin Ihnen sehr dankbar, daß wenigstens Sie uns telefo­nisch erreicht haben. Leider ist es mir auch nach dem vor zwei Tagen mit Ihnen geführten Telefongespräch nicht gelungen, Ihnen schriftliche Nachrichten über unsere Lage zukommen zu lassen.
Ich schreibe Ihnen noch einige Zeilen über die neueste Entwicklung der Ereignisse. In Bosanska Gradi¹ka mußte ich auch schriftlich gegen die zwangs­weise, vermutlich illegitime Aussiedlung des katholischen Bevölkerungsteils intervenieren (Anlage 1!). Jetzt erfolgen noch größere Repressalien gegenüber den Katholiken bzw. Kroaten in der Pfarrgemeinde von Bosanska Gradi¹ka bzw. Dolina. Die Menschen verlangen von den Pfarrern, und diese wiederum von mir, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wenigstens ihren Kopf zu retten. Ich habe das Internationale Rote Kreuz hier in Banja Luka ersucht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einzuschalten. Man hat mir versprochen, dies zu tun.
Am Samstag bin ich mit dem Caritas-Direktor Dr. Anièiæ beim Kom­mando des l. Korps von Banja Luka gewesen und habe endlich die schriftliche Genehmigung erhalten, daß Lkws nach Zagreb fahren und Lebensmittel holen. Wann dies sein wird, ist noch nicht bekannt! Von einer oberen Instanz wurde mir gesagt, daß man weiß, wieviel wir hiesigen Katholiken zum Frieden und zum friedlichen Zusammenleben beitragen. Man hat uns gedankt und sowohl dem Bischof als auch den Geistlichen und den Gläubigen Anerkennung zuge­sprochen!
Heute war ich beim orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, wo einige orthodoxe Bischöfe zusammengekommen waren: die Mitropoliten Nikolaj von Sarajevo, Vasilije von Tuzla, Hrisostom von Bosanski Petrovac, Lukijan von Pakrac und ein neuer australischer. Es wurde ein sehr konstruktives Gespräch geführt. Wie es hieß, müßte baldmöglichst ein Bischofstreffen der katholischen und der orthodoxen Kirche in Novi Sad organisiert werden. Ich bitte Sie, dies auch Ihrerseits zu unterstützen!
Unser Volk ängstigt sich zunehmend wegen der Ungewissen Zukunft, aber es hungert auch zunehmend! Gott wird aber sicher helfen! Wir glauben fest daran! Ich verbleibe im Herrn mit einem herzlichen Gruß an Sie und alle Ihre Mitarbeiter

Ihr  + Franjo Komarica

 anfang der seite

"MAN KANN WEDER WEGGEHEN NOCH BLEIBEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 652/92 vom 03. September 1992)

Eure Exzellenz,
nach fünfzehn Tagen haben wir wieder elektrisches Licht, und ich nutze die Gelegenheit, um Ihnen per Fax einige aktuelle Informationen aus meinem Bistum zu übermitteln. Ich freue mich, daß wir nach längerer Zeit wieder mit­einander telefonieren konnten. Ich danke Ihnen für Ihre uns allen erwiesene große Fürsorge und Liebe. Der Herr möge es Ihnen hundertfach vergelten! Ihre Gebete und Ihr sonstiger Beistand waren in diesen Zeiten schwerer Versuchun­gen und großer Nöte für beinahe mein gesamtes Bistum für uns sehr wertvoll.
Den beiliegenden Schreiben, die ich in den vergangenen Tagen an die Zivil- und die Militärbehörden geschickt habe, entnehmen Sie wenigstens teil­weise Informationen über unsere Lage. Allgemein gesehen lebt das Volk noch immer in großer Angst, in einigen Gegenden werden die Repressalien und das anarchistische Treiben räuberischer Gruppierungen, die oft auch von Örtlichen Politikern unterstützt werden, unerträglich. Sehr, sehr viele, mehrere Zehntau­send meiner Gläubigen verlangen von mir Schutz bzw. eine Möglichkeit der Emigration nach Kroatien oder ins Ausland. Es ist gar nicht leicht zu entschei­den, auch nicht für uns, wegzugehen oder zu bleiben. Ich tue, was ich kann, um wenigstens den besonneren und weitsichtigeren Mitarbeitern der örtlichen Mili­tär- und Zivilbehörden klar zu machen, daß die sogenannte ethnische Säube­rung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, daß es sich um Faschismus und Genozid handelt. Gelegentlich stoße ich auch auf Verständnis. Auch hier verspürt man immer mehr den von der internationalen Öffentlichkeit ausgeüb­ten Druck gegen derartige Barbarei der Machthaber. Ich bitte Sie, sich auch weiterhin, soweit es Ihnen möglich ist, für eine menschliche, humane und christ­liche Lösung dieser irrsinnigen und inhumanen Situation, in der sieb Tausende unschuldiger Menschen befinden, einzusetzen!
Pfarrer S. ©o¹iæ befindet sich nach zweieinhalb Monaten der Hölle in den Lagern Omarska und Manjaèa hier bei mir, und ebenso Pfarrer M. Grabovac, dessen Pfarrkirche zerstört ist und den man umbringen wollte. Auch mein Leben ist tagtäglich in Gefahr. Auch heute haben mir die Militärbehörden, die ich wegen verschiedener Interventionen zum Schutz meiner Gläubigen aufgesucht hatte, dies gesagt! FIAT NOB1SCUM VOLUNTAS DEI!
Beten wir füreinander! Ich grüße Sie herzlich und danke Ihnen!

 Ihr + Franjo, Bischof

 anfang der seite

"WIR SIND MIT C. VANCE UND D. OWEN ZUSAMMENGETROFFEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 825/92 vom 25. September 1992)

Eure Exzellenz,
ich darf mich auch heute kurz an Sie wenden und Trinen eine Kopie der Bittschrift übersenden, die ich heute den Herren C. Vance und Lord David Owen zu überreichen die Möglichkeit und Ehre hatte.
Zum Programm ihres Aufenthalts gehörte auch ein Treffen mit mir, wie mir heute morgen Bürgermeister Radiæ nach Erhalt des Besuchsprotokolls für die hohen Gäste telefonisch mitteilte. Er selbst hatte angeregt, daß auch der orthodoxe Bischof von Banja Luka. Herr Jetrem, zugegen ist, wozu ich meine klare Zustimmung gab, und er hat dann auch, wie ich es angeregt hatte, den Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ einbezogen. Wir drei waren in den Nachmittagsstunden fast anderthalb Stunden lang bei den Herren Vance und Owen im Hotel "Bosna". Nach Herrn Jetrem und Herrn Haliloviæ habe auch ich meine Sicht bezüglich der derzeitigen Lage dargelegt, wobei ich die besonderen Merk­male der Situation beim katholischen Teil der Bevölkerung der Bosanska Krajina hervorhob. Dies sind in erster Linie die ausgesprochene Friedfertigkeit und die Bereitschaft zum Zusammenleben mit anderen Volksgruppen, der Wunsch, in der Heimat sicher zu leben, der Verzicht auf Vergeltung für die entsetzlichen Ungerechtigkeiten, die Entrechtung und die soziale Bedrohung und das Bestre­ben, das nackte Leben zu retten und wegzugehen, gleich wohin, aber dahin, wo es sicher ist, jedoch nicht an Orte im Gebiet des heutigen Bosnien und Herzego­wina. Ich habe ebenfalls unterstrichen, daß ich den Eindruck habe, daß weder Dr. Karad¾iæ noch andere serbische Politiker (und andere noch viel weniger) das wahre Bild von der Situation vor Ort kennen, insbesondere der Situation außerhalb von Banja Luka, wo zwar auf den ersten Blick noch Frieden herrscht, aber gleichzeitig ständig die Gefahr besteht, daß es unter der hungernden Be­völkerung zu nicht wünschenswerten Zusammenstößen kommt. Ich habe an meine Gesprächspartner appelliert, daß man, wo immer diese Problematik aktu­ell ist, Unschuldige vor Gesetzlosigkeit schützt und dafür sorgt, daß die Kampf­handlungen eingestellt werden, und unter anderem angeregt, daß unbedingt ein internationales Gremium für die Kontrolle der Durchführung energischer Maß­nahmen mit dem Ziel der Beendigung des Krieges und des dadurch bedingten Unheils geschaffen wird. In ihrer kurzgefaßten Antwort auf unsere Darlegungen führten die Herren aus, daß sie für alle von uns erhaltenen Informationen dank­bar seien, daß sie sich darüber Irenen, daß wir, die Vertreter der drei Glaubensge­meinschaften, nicht nur untereinander tolerant sind, sondern auch zusammenar­beiten, aber daß es mehr als offensichtlich sei, daß in unserem Raum ein echter Holocaust erfolgt und auch weiterhin im Gange sei, den die internationale Öffentlichkeit nicht ungestraft lassen wird. Die Herren äußerten ihren Eindruck, daß man durch die ethnische Säuberung soviel wie möglich erreichen wolle, bevor die UNPROFOR in unser Gebiet kommt, wobei sie versprachen, in ihren Bemühungen um die Verhinderung einer Eskalation des Unrechts und der krie­gerischen Auseinandersetzungen nicht nachzulassen, und sie sagten, daß sie überzeugt seien, daß ebenso wie das Streben, sich so viel Territorium wie nur möglich anzueignen, auch das Vorhaben der ethnischen Säuberung sehr schnell an Triebkraft verlieren und sich als ein großer Betrug herausstellen wird. Beide Heeren sind entschlossen, alles zu unternehmen, damit der Krieg in Bosnien so bald wie möglich beendet und in unserem Raum Recht und Ordnung für alle Bewohner wiederhergestellt wird.
Angesichts dessen können wir unserem gütigen Gott danken, daß diese sehr kompetenten und offensichtlich fähigen Politiker auch zu uns gekommen sind, damit sich unsere äußerst dramatische Lage nicht noch mehr verschlim­mert und durch ihr Eintreten und das aller anderen, die auf der internationalen Bühne eine gewichtige Rolle spielen, zur Verhinderung größeren und unermeß­lichen Unheils für alle Völker und Glaubensgemeinschaften, selbstverständlich auch besonders für unsere Volksgruppe und die katholische Kirche in diesem Gebiet meines Bistums beigetragen wird.
Ich spreche Ihnen und über Sie dem Heiligen Stuhl meinen aufrichtigen Dank für alles aus, was Sie für die Wiederherstellung des Friedens und des möglichen Zusammenlebens zwischen den verschiedenen Völkern in diesem Raum tun, was kurzsichtige und unfähige Politiker und Kriegsprofiteure furcht­bar bedroht und zerstört haben.
Auch ich persönlich werde nicht ablassen, mich zu bemühen, daß sich das Klima des gegenseitigen Vertrauens unter den Menschen verbessert, und ich werde mit allen Kräften jede konstruktive Aktion unterstützen. Möge Gott selbst alle edlen Bemühungen und Anstrengungen all derer, die sich um das wahre Wohlergehen des Einzelnen und aller Menschen bemühen, segnen!
Sehr geehrte Exzellenz, nehmen Sie nochmals meinen aufrichtigen Dank für Ihr Bemühen um eine Lösung bei der schwierigen Situation der Kirche in Banja Luka entgegen! Der Herr möge es Ihnen vergelten! Ich wünsche es Ihnen und bete dafür, und verbleibe mit einem brüderlichen Gruß, Ihr in Christo und Maria ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

"IN VIELEN PFARRGEMEINDEN IST ES SEHR DRAMATISCH!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 726/92 vom 12. September 1992)

Eure Exzellenz,
ich möchte Ihnen kurz über die wichtigsten neuesten Ereignisse in dem Gebiet meines Bistums, über das ich halbwegs informiert bin, berichten.
Zunächst möchte ich Ihnen danken, daß Sie liebenswürdigerweise den Text des an alle über das Schicksal von Bosnien und Herzegowina verhandeln­den Persönlichkeilen gerichteten gemeinsamen Appells des orthodoxen Bischofs von Banja Luka, des Mufti und mir zur Kenntnis genommen und diesen Appell an die erforderlichen Stellen weitergeleitet haben. Hier wird diese unsere ge­meinsame Stimme allgemein sehr positiv aufgenommen. Gott sei Dank.
Am Samstag, dem 05. September d. J„ hatte ich ein Treffen mit den führenden Zivil- und Militärorganen der Gemeinde Banja Luka sowie mit einer größeren Gruppe von Bürgern (größtenteils Katholiken), die sich über die Be­drohung der menschlichen Grundrechte beklagten. Auch bei der Gelegenheit habe ich an die anwesenden Organe appelliert und von ihnen verlangt, den be­gründeten Beschwerden dieser in vieler Hinsicht völlig entrechteten Menschen, die sich i n keiner Weise schuldig gemacht haben, mehr und energischer nachzu­gehen. Es wurde ihnen öffentlich versprochen, daß man sich bemühen werde, ihren Forderungen Rechnung zu tragen, insbesondere im Hinblick auf die per­sönliche Sicherheit, die Verhinderung von Quälereien, Mißhandlungen und Plün­derungen, die Frage der erneuten Einstellung am Arbeitsplatz und die Respek­tierung des Rechts der Eltern auf selbstbestimmte Erziehung ihrer Kinder (es war eine irrsinnige, wahrhaft rassistische Schulreform eingeführt worden) so­wie auf einige weitere, in jeder zivilisierten Gegend der Welt gesetzlich aner­kannte Rechte.
Am Montag, dem 07. September, habe ich die (an der Grenze zu Kroatien gelegenen) Pfarrgemeinden Bosanska Gradi¹ka und Dolina besucht, wo nach der am 03. September d. J. erfolgten Entführung (und nicht auszuschließenden Ermordung) des Vorsitzenden des Gemeindeseelsorgerats und Mitglieds des bi­schöflichen Seelsorgegremiums, Dipl.-Ing. Marijan Vi¹tica, der gleichzeitig auch für unser gesamtes Gebiet zuständiges Mitglied des Parlaments von Bosnien und Herzegowina war, unter den Katholiken eine wahre Panik ausgebrochen ist und die Menschen um jeden Preis nach Kroatien gehen wollen. Im Verlauf meh­rerer Tage konnten fast 300 Personen wegziehen, aber auch alle übrigen moch­ten weggehen - fast 2.000 Katholiken. Sie haben mir erneut ihre Nöte vorgetra­gen, und die Pfarrer in Dolina und Bosanska Gradi¹ka wie auch die Ordens­schwestern des Klosters Bosanska Gradi¹ka sind völlig im Ungewissen dar­über, was sie weiter tun und wohin sie gehen sollen.
Am Dienstag, dem 08. September d. J., hatte ich wieder ein Gespräch mit Militär Vertretern des 1. Korps von Banja Luka, bei dem ich erneut die ganze Dramatik der Lage im Gebiet von Bosanska Gradi¹ka hinsichtlich des Schick­sals der Katholiken und der katholischen Pfarrgemeinden darlegte, meine Be­sorgnis und meinen Protest angesichts dessen, daß zum Schulz dieser unschul­digen Menschen nichts Konkreteres unternommen wird, äußerte und von neu­em darauf bestand, daß man mich über das Schicksal von Ratko Grgiæ, dem bereits am 16. Juni d. J. verhafteten Pfarrer von Nova Topola, richtig informiert. Ich habe auch meiner tiefen Bitterkeit wegen der völligen Zerstörung der Pfarr­kirche und der Pfarrwohnung in der Kirchengemeinde Mahovljani durch das Militär und der Verwüstung des ebenfalls dort gelegenen bischöflichen Wirtschaftsbetriebs Ausdruck gegeben. Alle haben dies zur Kenntnis genommen und haben versprochen (!), daß sie die Lage in Ordnung bringen und weitere Akte des Vandalismus verhindern werden. Bisher gibt es keinerlei zuverlässige Infor­mationen, aus denen hervorgeht, daß die Lage sich gebessert hat!
Inzwischen hat mir der Pfarrer von Kljuè, Herr Franjo Kre¹iæ, mitgeteilt, daß fast seine gesamte Pfarrgemeinde, die dort eine Minderheit von nahezu 150 Gläubigen bildete, weggegangen sei und sich auf den Weg nach Kroatien ge­macht habe! Diese Pfarrei wurde damit tatsächlich in Frage gestellt. Nach dem Untergang der umliegenden Pfarrgemeinden (im letzten Krieg): Drvar, Bosanski Petrovac, Krnjeu¹a, Zelinovac, droht auch dieser einst großen Gemeinde das völlige Erlöschen!
Auch die Pfarrer von Sanski Most und Stara Rijeka sowie von ©urkovac und Sasina melden mir, daß auf die Katholiken in jenen Gegenden nach wie vor entsetzlicher Druck ausgeübt wird, und sie bitten, daß der Bischof sie unbedingt rettet, d.h. sie aus der unerträglichen Umgebung herausbringt! (...)
Den Pfarrern von Kotor Varo¹ und Vrbanjci ist es gelungen, mir die Mit­teilung zukommen zu lassen, daß sich die am dortigen katholischen Bevölkerungsteil verübten Quälereien trotz dessen ausgesprochener Friedfertigkeit unerträglich steigern, daß die Menschen die Grenzen ihrer Durchhaltefähigkeit erreicht, haben, daß sie nicht wagen, in ihren Carlen Kartoffeln zu ernten oder anderes Gemüse zu holen, daß ihre Häuser weiterhin in Brand ge­steckt werden und daß sie den Bischof ersuchen, sie unbedingt aus jener Hölle herauszuholen.
Am Donnerstag, dem 10. September d. J., habe ich endlich eine erste schriftliche Antwort auf meine vielen Schreiben an den Kommandanten des l. Krajina-Korps, Generalmajor Taliæ, erhalten, wobei es um die Zerstörung der Pfarrkirche in Prijedor geht. Eine Kopie des Schreibens erhalten Sie beiliegend (Anlage 1).
Auf mein wiederholtes Drängen hin hat mich gestern, am 11. September, der Leiter der regionalen, d.h. für die gesamte Bosanska Krajina zuständigen Polizei, Herr ®upljanin, empfangen. Ich habe ihm auch die schriftliche Eingabe bezüglich der "ständigen Gefährdung und höchst Ungewissen Lage der Katholi­ken im Gebiet der Bosanska Krajina" überreicht (Anlage 2) und ihm mündlich die ganze Dramatik der Situation dargelegt, wobei ich ihn fragte, warum dies geschehe und wie lange es noch andauern werde. Er äußerte unter anderem, daß der Vatikan am Schicksal Jugoslawiens und der Serben schuld sei und die Ser­ben sich daher an den Katholiken rächen - indem sie ihnen die Kirchen zerstö­ren, Zivilisten umbringen und sie aus diesem Raum vertreiben ... Er versprach trotzdem, sich um verstärkte Disziplin unter der seinem Befehl unterstehenden Polizei zu bemühen und, soweit es ihm möglich sei, schwerere Delikte zu ver­hindern. Ich verlangte auch eine schriftliche Antwort, und er hat mir eine solche versprochen! Ich habe ihm versichert, daß ich nicht nachlassen werde, sowohl von ihm als auch von allen anderen derzeitigen Vertretern der Obrigkeit zu ver­langen, sich zu so verhalten, wie man es aufgrund ihrer Position von ihnen erwartet, und alle in diesem Gebiet lebenden Menschen, und selbstverständlich auch die Katholiken, in gleicher Weise zu schützen.
Am gleichen Tage habe ich auf sein Verlangen auch Herrn Kupre¹anin, den Vorsitzenden der Autonomen Region Bosanska Krajina, bei mir empfan­gen, der vom Führer der Serben von Bosnien und Herzegowina, Dr. Karad¾iæ, bevollmächtigt war, sich mit mir über den Brief zu unterhalten, den ich vor einem Monat sowohl an Dr. Karad¾iæ als auch an den Premierminister der RS, Dr. Ðjeriæ, gerichtet hatte. Auch ihm habe ich in schriftlicher Form erneut die derzeitige Lage der Katholiken in der Bosanska Krajina dargelegt (Anlage 3), und ich habe mit ihm in einem längeren Gespräch die heikelsten Punkte erör­tert, d.h. die Aussiedlungen, die Plünderungen, die Entlassungen aus dem Arbeitsverhältnis, die Inhaftierungen und Ermordungen, den Fall meines verschwundenen Pfarrers, die Schulreformen, die Frage der Häftlinge in Manjaèa u.a.m. Er versprach mir, sich dafür einzusetzen, daß diese Fragen positiv gelöst wer­den. Wir werden bald sehen, was daraus wird!
Heute hat mich die Fernsehanstalt Banja Luka um ein Interview wegen der Antwort von Premierminister Ðjeriæ auf mein Schreiben bezüglich der Miß­handlungen von Katholiken dieses Gebiets und der Vertreibungen derselben gebeten! Den Brief, d.h. diese Antwort, habe ich noch nicht erhalten! Soviel für diesmal! Verehrte Exzellenz, wir beten und arbeiten, so gut wir nur können, für den Frieden und das Wohl aller Menschen! Ich verbleibe mit einem brüderli­chen Gruß in Christo

Ihr + Franjo Komarica, Bischof

 anfang der seite

ANGST UND HOFFNUNG WECHSELN EINANDER AB
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1075/92 vom 19. Oktober 1992)

Eure Exzellenz,
auf die Elektrizitätsversorgung und den Faxverkehr ist wie bisher weiter­hin kaum Verlaß, und auch mein letzter Brief wartet noch auf Zustellung. Ich melde mich aber, in der Hoffnung, daß ich Ihnen trotz allem bald die neuesten Nachrichten über die derzeitige Lage in meinem Bistum Bari ja Luka zusenden kann.
Ich weiß noch immer nicht, wie es um meine Geistlichen, Ordensleute und Gläubigen in den Pfarrgemeinden steht, in denen gekämpft wird - in Jajce und Bihaæ. Ebenso habe ich keinerlei Informationen vom Dekanat Livno, aber ich hoffe, daß die dortigen Menschen, von wirtschaftlichen Schwierigkeiten abgesehen, wie sie sie im übrigen die gesamte Bevölkerung unseres vom Krieg erfaßten Landes ertragen muß, nicht unter größeren Kriegsnölen zu leiden ha­ben. Hinsichtlich der aktuellen Situation im restlichen Teil des Bistums kann ich Ihnen folgendes mitteilen:
Nach fast acht Monaten ist es mir gelungen, mich endlich nach Zagreb zur diesjährigen Tagung der Kroatischen Bischofskonferenz zu begeben und von dort ohne besondere Schwierigkeiten zurückzukehren. Ein besonderes Er­lebnis war die Begegnung mit den Brüdern im Bischofsamt und mit dem neuen Apostolischen Nuntius in Zagreb, Msgr. Einaudi, mit dem ich ein langes Ge­spräch über die Gesamtsituation sowohl in meinem Bistum als auch im gesam­ten BiH führte. Es war ein sehr konstruktives Treffen!
Den Aufenthalt in Zagreb habe ich auch für eine Zusammenkunft mit maßgeblichen Persönlichkeiten der Regierung der Republik Kroatien genutzt, konkret mit dem Vizepremierminister Dr. Graniæ, den ich bat, daß er unserem entrechteten und völlig verarmten Volk die Beschaffung von Weizen für die diesjährige Herbstaussaat sowie von Kraftstoff' für die zur Feldbestellung erfor­derlichen Traktoren ermöglicht. Seine entgegenkommende Haltung war für mich Anlaß, in den vergangenen Tagen erneut nach Zagreb zu fahren und für meine hungernden und entrechteten Gläubigen direkt bei der politischen Spitze der Republik Kroatien Hilfe zu erbitten, die ich, Gott sei Dank, auch bekommen habe! Anstatt an der Spitze einiger Zehntausend meiner katholischen Gläubigen das Gebiet meines Bistums und des Territoriums von Bosnien (wie es in der Geschichte dieser Gegend der Fall war) Tür immer zu verlassen, habe ich be­schlossen, für mein unterdrücktes, entrechtetes und verarmtes Volk Hilfe und Schulz zu erbitten, sowohl um Nahrung, Kleidung und Schuhwerk als auch um die Erweckung einer begründeten Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine neue Aussaat und ein neues Leben! Ich traf, Gott sei Dank, auf Verständnis und er­hielt die Zusicherung, daß man uns nicht vergessen werde! Gleichzeitig habe ich die Aufnahme von Verbindungen im Bereich des Verkehrs, des Handels und des Post- und Fernmeldewesens zwischen unserem gesamten Gebiet und Kroa­tien bzw. Zagreb verlangt. Auch in dieser Hinsicht traf ich auf Verständnis, und ich bin effektiv Zeuge einer Verbesserung der durch den Krieg bedingten ge­spannten Beziehungen zwischen diesen beiden Gebieten. Ich werde nicht nach­lassen, nach allen nur möglichen Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen den entzweiten Brüdern und Nach­barn zu suchen. Es gibt, Gott sei Dank, Fortschritte!
Dank unserem gütigen Gott bessert sich die in der letzten Zeit sehr dra­matisch gewesene Lage im Gebiet von Kotor Varo¹. Alle drei Gruppen - sowohl die Serben und die örtlichen Behörden als auch die Muslime und die Kroaten -traten ausgerechnet an mich heran, um sich über meine Person die höchstmög­liche Gewahr zu verschaffen, daß es zu einer Einstellung der kriegerischen Zu­sammenstöße und einer friedlich vor sich gehenden Entwaffnung bzw. einem ungefährdeten Weggang derer, die dieses Gebiet verlassen wollen, kommt. Ei­nige Hundert Katholiken und eine noch größere Anzahl Muslime haben dieser Tage auf eigenen Wunsch das Gebiet von Kotor Varo¹ in Richtung Travnik ver­lassen, und dabei ist es, Gott sei Dank, nicht zu Mord und Totschlag gekom­men, was sonst in der Vergangenheil bei unorganisierter Flucht aus jenem Ge­biet häufig der Fall gewesen ist.
Ich habe erneut die örtlichen Behörden und die Vertreter der Gläubigen von Ljubija besucht, ferner die des niedergebrannten Dorfes Bri¹evo, wo Ende Juli 65 Männer, Frauen und Kinder getötet und 68 Häuser niedergebrannt wur­den. Über 300 Menchen wollen auf jeden Fall wegziehen. Es gelang mir, von den Örtlichen Behörden die Zusage zu erhalten, daß alle diese Menschen leibli­chen Schutz bekommen, und von den anwesenden internationalen humanitären Organisationen wurde mir versprochen, daß die Leute hinsichtlich ihrer Ernäh­rung und Unterbringung Hilfe erhalten.
Ich war in Mrkonjiæ Grad und auch in Kljuè, wo allgemeine Panik herrscht und unsere Gläubigen weggehen. Der Pfarrer von Mrkonjiæ Grad, Hochw. Petar Jurendiæ, ist momentan im Krankenhaus. Die Menschen sind wegen der ständi­gen Beschießung ihrer Häuser durch bewaffnete Soldaten sehr beunruhigt, und in Kljuè ist nur noch ein rundes Dutzend katholischer Familien verblieben! Die anderen sind, weil man sie dazu genötigt hatte, bereits emigriert, hauptsächlich nach Kroatien!
Am gestrigen Sonntag, dem 18. Oktober d. J., hat man mir aus Mrkonjiæ Grad berichtet, daß bewaffnete serbische Soldaten am hellichten Tage begonnen haben, die Pfarrkirche St. Philipp und St. Jakob in Brand zu stecken. In Mrkonjiæ Grad gibt es ansonsten keinerlei Gefechte, und auch diesen ganzen unseligen Krieg über hat es keine gegeben! Nachdem der Brand gelöscht worden war, wurde die Kirche letzte Nacht erneut angezündet, worauf sie dann restlos aus­brannte! Es ist traurig, sehr traurig, daß ohne Grund und Ursache und ohne jedwede Kampfhandlungen in deren Nähe noch eine unserer Kirchen zerstört worden ist. Nachdem bereits im Juni in der Nähe von Mrkonjiæ Grad die Pfarr­kirche in Liskovica zusammen mit dem neuen Pfarrhof in Brand gesteckt wor­den war, ist sie vor zehn Tagen gänzlich zerstört worden! Es entsteht der Ein­druck, daß man unsere Kirchen systematisch zerstören und so unsere Gläubigen vertreiben will. Ich bin überzeugt, daß es dennoch nicht dazu kommt, denn wir werden, so Gott will, unsere Kirchen nach und nach wieder aufbauen und hier bleiben, damit wir auch vor kommenden Generationen bezeugen, daß das Chri­stentum nicht zerstört, sondern etwas erschafft und daß Liebe stärker ist als Haß! Heute war es mir nicht möglich, nach Mrkonjiæ Grad zu fahren, ich werde es morgen versuchen (in Begleitung von Militärpolizei wegen der unterwegs von Bewaffneten drohenden großen Gefahr - einmal wäre ich fast von einem Geschoß getroffen worden!), heute hatte ich sehr wichtige Gespräche mit Herrn Kupre¹anin, dem Präsidenten der AR Bosanska Krajina, und dem Bürgermei­ster von Banja Luka, Herrn P. Radiæ, wobei es um die Notwendigkeit größerer Freiheiten für unsere Gläubigen und die Ermöglichung der Arbeit der bischöfli­chen Caritas sowie um von mir in Zagreb angeregte Friedens initiativen mit dem Ziel einer erneuten Annäherung dieser beiden Regionen bzw. Staaten und Städ­te in bezug auf den Verkehr, den Handel und viele andere Dinge ging. Ich bin überzeugt, daß es bald zu bedeutenden Veränderungen zum Besseren kommen wird! Ich würde gern Vermittler zwischen den kriegführenden und entzweiten Parteien sein, damit allen Menschen, besonders denen unseres so sehr getroffe­nen Gebiets, geholfen werden kann! Obwohl diese Nacht wieder, zum siebten Male im Verlauf der letzten vier Monate, das neue Seelsorgezentrum unserer neuen Pfarrgemeinde Bud¾ak am Rand von Banja Luka mit Granaten beschos­sen wurde (Gott sei Dank, daß der Pfarrer keinen Schaden genommen hat) und obwohl wir noch immer tagtäglich von neuem, unseren Gläubigen zugefügten Unrecht hören, bessert sich das allgemeine Klima allmählich, und ich hoffe, daß man sich hier wird behaupten können und die völlig unterdrückten menschli­chen Grundrechte zurückerhält! Ich glaube an die Kraft des Gebets und der Opfer unserer Gläubigen, Ordensleute und Geistlichen und insbesondere des verschwundenen, unter Umständen getöteten Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, wie auch von euch allen, die an uns denken und für uns beten, und insbesondere von unserem verehrten Heiligen Vater Johannes Paul II.! Ich dan­ke für alles und verbleibe im Gebet und mit brüderlichem Gruß!

P.S. Gerade sind acht Ordensschwestern aus Nova Topola, acht aus Bosanski Aleksandrovac, drei aus Bosanska Gradi¹ka und drei aus Banja Luka nach Za­greb aufgebrochen! Die anderen sind geblieben!

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

"ICH HABE MIT UNSERER CARITAS VIELE UNSERER PFARRGEMEINDEN BESUCHT"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1259/92 vom 03. November 1992)

Eure Exzellenz,
ich erlaube mir, Sie wieder über das Geschehen in meinem Bistum Banja Luka während der letzten zwei Wochen zu informieren.
Nach dem Abebben der kriegerischen Zusammenstöße i m Gebiet der Pfarrgemeinden der Gegend von Kotor Varo¹ ist es mir gelungen, auch die Pfarrgemeinde Sokoline, aus der alle Bewohner geflüchtet sind, zu besuchen. Den Pfarrer, Bruder Toma Buljan, der im großen und ganzen hei guter Gesundheit ist, konn­te ich an einem sicheren Ort verstecken. Die Pfarrkirche und die Pfarrwohnung sind beschädigt, aber nicht wie viele andere Gebäude niedergebrannt oder zer­stört. Ich war auch in den Dörfern der Pfarrgemeinde Vrbanjci, zu der ich bisher keinen Zutritt hatte, und habe dort einige Hundert Gläubige angetroffen, die, Gott sei Dank, noch nicht direkt mißhandelt worden sind, jedoch in großer Not leben. Ich habe auch einige Dörfer der Gemeinde bzw. Pfarrgemeinde Kotor Varo¹ besucht, wo sich ein paar Flüchtlinge aus Sokoline und Vrbanjci versteckt haben, aber die örtliche katholische Bevölkerung ist geblieben. In alle erwähn­ten Dörfer habe ich eine größere Menge Hilfsgüter von unserer bischöflichen Caritas gebracht. Einige Flüchtlinge aus Banja Luka sind bereits in jene Gegend zurückgekehrt, weil man dort mit Frieden rechnet, obwohl in vielen unserer Dörfer verlassene Häuser geplündert und sogar Gläubige ermordet werden! Ich habe daher beim Bürgermeister und beim Polizeichef Protest eingelegt, und sie haben mir versprochen, daß sie sich bemühen werden, mehr Ordnung und Ge­setzlichkeit herbeizuführen. Von den über 10.000 katholischen Gläubigen jener Gegend sind jetzt noch etwas über 2.000 übrig! Ich habe auch die Pfarrgemeinden ©urkovac, Ljubija, Stara Rijeka, Ravska, Sanski Most, Sasina, Bosanska Gradi¹ka, Nova Topola, Dolina, Prijedor und Mrkonjiæ Grad besucht und ihnen Nahrungsmittel und Kleidung von der Caritas mitgebracht. In Mrkonjiæ Grad habe ich nach der barbarischen Zerstörung der dortigen Pfarrkirche mit den Vertretern der örtlichen Obrigkeit - dem Bürgermeister, dem Vorsitzenden der Serbischen Demokratischen Partei und anderen Gespräche geführt. Sie haben sich zwar von diesem Verbrechen, das unsere Gläubigen in keiner Weise provo­ziert hatten, distanziert, aber sie sagen, daß sie nicht in der Lage seien, bewaffnete Einzeltäter daran zu hindern, Verbrechen an unschuldigen Einwohnern und Angehörigen anderer Völker zu begehen! Dennoch haben sie mir versprochen, sich um größeren Schutz für unsere Gläubigen zu bemühen, und sie äußerten, daß das, was mit der Kirche geschehen ist, "eine große Schmach und Niederlage für sie und ihr Volk" sei. Es ist verständlich, daß unsere Gläubigen sehr große Angst bekommen haben, weil auch auf ihre Häuser oft geschossen wird und bereits einige Menschen getötet wurden! Möge Gott sich unser erbarmen und uns vor größerem Unheil bewahren! In letzter Zeit haben im Gebiet der Ge­meinde Sanski Most und in den Pfarrgemeinden Sanski Most, Stara Rijeka und Sasina serbische Extremisten begonnen, unsere Gläubigen stärker zu schikanie­ren und zu töten. Die Gläubigen, es sind einige Hundert, verlangen von mir, daß ich sie irgendwohin wegbringe und sie verstecke, denn sie fürchten um ihr nacktes Leben! Auch ich selbst weiß nicht, was ich mit ihnen tun und wie ich ihnen helfen soll! Ich werde wieder bei den Militär- und Zivilbehörden intervenieren müssen!
Vor einer Woche war ich erneut beim Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor Momir Taliæ, der mir gegenüber unter anderem erneut betonte, daß es mir "gelungen sei, mein Volk - aber gleichzeitig auch viele Serben - vor einer Vernichtung größeren Ausmaßes zu bewahren". Er führte aus: "Haben Sie dafür Dank, mein serbisches Volk wird Ihnen das nie vergessen". Die Frage ist nur, wie viele unbeherrschte extremistische Führer, militärische wie politische, es gibt, die unbedingt alle Nichtserben vertreiben wollen! Diesen Druck und ernsthafte Drohungen haben wir in den letzten paar Tagen besonders verspürt und registriert, und zwar in unserer gesamten Region! Da das Leben vieler un­serer Gläubigen tatsächlich bedroht ist, sie aber keine Möglichkeil haben, sich nach Kroatien oder anderswohin in Sicherheit zu bringen, nimmt ihre panische Angst zu, und sie drängen mich immer mehr, ihnen zu helfen, weil sie nieman­den sonst um Hilfe bitten können! Auch in Banja Luka selbst fangen von der Front zurückgekehrte Bewaffnete an, sich wie die Wilden aufzuführen, wobei sie unsere Kirchen in Barlovci und Motike sowie zahlreiche Häuser unserer Gläubigen beschießen, und einem älteren Mann aus der Pfarrgemeinde Barlovci haben sie die Ohren und die Nase abgeschnitten, bevor sie sich daranmachten, ihn abzuschlachten, und derzeit kämpfen die Ärzte um sein Leben! In der Zwi­schenzeit habe ich erneut mit dem Bürgermeister von Banja Luka und Vertre­tern der Polizei und des Militärs gesprochen und mehr Schulz und die Möglich­keit ärztlicher Behandlung für unsere entrechteten Gläubigen verlangt. Mir wurde versprochen, daß meinen Forderungen stattgegeben wird! Gebe es Gott! Ich werde nicht nachlassen, für meine Gläubigen die Gewährung der Menschen-rechte, die sie derzeit nicht haben, zu verlangen! Bei alldem habe ich jedoch auch eine erfreuliche Nachricht! Die Regierung der Republik Kroatien hat 100 Tonnen Weizen und 50 Tonnen Dieselöl bewilligt, so daß die Leute ihre Äcker bestellen und die Aussaat vornehmen können und so neue Lebenshoffnung be­kommen! Es scheint, daß ich auf großes Bitten hin noch 100 Tonnen Weizen von der Caritas aus Österreich und Deutschland bekomme! Gott sei Dank!
Und abermals eine traurige Nachricht: gestern, am 02. November d. J., ist in einem Zagreber Krankenhaus unser sehr geschätzter Geistlicher, Hoehw. Petar Jurendiæ, der Pfarrer unserer Gemeinde Mrkonjiæ Grad, verstorben! Er ruhe in Frieden! Das Leben und der Tod sind unser Alltag! Ich grüße Sie, Eure Exzellenz, und Ihre gesamte Umgebung sehr herzlich und verbleibe ergebenst 

+ Franjo Komarica, Bischof

 anfang der seite

UNSER VORBILD WURDE UMGEBRACHT - EIN GEISTLICHER, EIN WAHRHAFTIGER MÄRTYRER!
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1300/92 vom 12. November 1992)

Hochgeehrte Exzellenz,
da wir wieder Strom haben, nutze ich die Gelegenheit, um Sie über die letzten Neuigkeiten aus meinem sehr bedrohten Bistum zu informieren.
In den letzten zehn Tagen hat sich die Lage bei uns dramatisch verschlech­tert! Die tragischste Nachricht, die ich Ihnen zu übermitteln habe, ist die, daß in der Nacht vom Samstag auf Sonntag (d.h. am 08. November in den Morgen­stunden) unser junger, sehr geschätzter und bei den Leuten sehr beliebter Geist­licher, Hochw. Ivan Grgiæ, Pfarrer in Ravska bei Ljubija (Dekanat Prijedor), ermordet worden ist. Er wurde aus seiner Pfarrwohnung weggeführt und am Rande seiner Pfarrgemeinde, in den Gruben des Bergwerks Ljubija, durch rd. 50 Schüsse getötet! Wie mir die Vertreter der Zivil- und der Militärbehörden in Ljubija bei meinem Eintreffen sagten, waren die Täter Angehörige der serbi­schen Armee, die bereits inhaftiert sind (wenigstens einige von ihnen). Unter den furchtbar in Schrecken versetzten und völlig entrechteten Menschen der Pfarrgemeinde Ravska und der umliegenden Pfarrgemeinden herrscht tiefe Trau­er! Ich habe im Beisein einer großen Anzahl Menschen in seiner Pfarrkirche eine Totenmesse zelebriert, und am Tag darauf, also gestern, haben wir den seligen Ivan, unseren jungen Märtyrer durch seine Treue zu Gott, zur Kirche und zu seiner Herde, hier in Banja Luka in der Priestergruft beigesetzt! Ihm sei ewiger Lohn im Herrn! Der selige Ivan war 30 Jahre alt und stand im sechsten Jahr seines Priesteramtes! Es war seine erste Pfarrgemeinde gewesen, und er war bei allen Menschen seiner Gemeinde, aber auch bei allen anderen, die ihn kannten, sehr beliebt. Seine Eltern leben als Flüchtlinge in der Baranja in Un­garn, ich weiß nicht, ob sie jetzt noch dort sind. Wir haben vergeblich versucht, ihnen diese schmerzliche Nachricht zu übermitteln. Ich denke, daß sie dennoch von dem schlimmen Geschehen, das sie und Ivans gesamte Verwandtschaft ge­troffen hat, erfahren werden! Sowohl sie als auch wir alle haben in ihm einen wahren Märtyrer und ein Vorbild eines Geistlichen und seiner Treue bis zum Ende! Er wollte sein gequältes Volk nicht im Stich lassen, was im übrigen auch für alle anderen Geistlichen hier bei uns zutrifft, die wahrhaftig ihren Glauben und ihre Treue zu Christus und seiner Kirche bezeugen!
Letzte Nacht wurde die große neue Pfarrkirche in Stara Rijeka - zwischen Sanski Most und Ljubija - in der Nähe von Ravska durch Sprengladungen völ­lig zerstört, und die Pfarrwohnung wurde stark beschädigt. Es ist ein Glück, daß der Pfarrer und Dekan, Ilija Arloviæ, der in der Haft ein Martyrium durchlitten hat, nach der Beerdigung unseres seligen Ivan hier war; sonst hätte auch er umkommen können! Diese ganze Gegend von Prijedor bis Sanski Most, acht Pfarrgemeinden, ist jetzt besonders betroffen. Zehn unserer Gläubigen im Alter zwischen 22 und 60 Jahren wurden am 02. November d. J. ermordet, als sie sich auf dem Nachhauseweg von Sanski Most in das zur Pfarrgemeinde Sasina ge­hörende Bergdorf ©krljevita befanden. Ich bin danach in den Pfarrgemeinden Prijedor, Ljubija, ©urkovac, Ravska (der Pfarrer war zu dem Zeitpunkt noch am Leben), Stara Rijeka, Sanski Most, Sasina und Stratinska gewesen, um Weizen hinzubringen, damit man in diesen Tagen an die Aussaat gehen kann. Die Men­schen, besonders die in Sanski Most und Sasina, waren schrecklich verängstigt und möchten um jeden Preis auswandern, egal wohin! Die Versprechungen der Politiker sind überhaupt nichts mehr wert, denn die Vertreter der Behörden und die Polizei haben in Sanski Most, wie sie mir sagten, die Lage nicht mehr unter Kontrolle, weil Soldaten, die bewaffnet von der Front kommen, morden, Ge­bäude in Brand stecken und plündern, wo sie nur können! - Dies geschieht jetzt auch in den Pfarrgemeinden Stara Rijeka, Ravska und Ljubija! Eine ähnliche Situation haben wir auch in den Pfarrgemeinden der Gegend von Prnjavor - in Prnjavor, in Kula¹i und in Dragalovci! Außerdem erfolgten in der letzten Zeit auch im Bereich von Banja Luka selbst mehrere bewaffnete Überfälle auf unse­re Leute und auf kirchliche Gebäude in den Pfarrgemeinden Barlovci und Marija Zvijezda - Trapisti. Ich habe erneut sowohl mit den Militär- als auch mit den Zivilbehörden der Gemeinde Banja Luka und unserer gesamten Region Gesprä­che geführt. Man sagte mir, daß man alle Exzesse verurteile, aber außerstande sei, sie zu verhindern! Es scheint, daß wir tatsächlich Opfer entsetzlichen Wahn­witzes und der Anarchie, zugleich aber auch einer abgekarteten systematischen Ausrottung unserer Gläubigen geworden sind!!! Einer solchen Solution kann ich als Mensch und als Christ niemals beipflichten, da sie ihrem Wesen nach völlig unmenschlich ist! Ich weiß nicht, an wen außer unserem gütigen Gott ich mich wenden soll, bei wem ich angesichts dieses entsetzlichen Unrechts und dieser rohen Verbrechen gegenüber unserem so bewundernswert friedfertigen Volk Hilfe und verständnisvolle Haltung erwarten könnte! Obwohl viele meiner Gesprächspartner sagen, daß es uns gelungen sei. das Volk vor dem Zugrundegehen zu bewahren, wollen sie uns offenbar dennoch unbarmherzig aus unseren jahrhundertealten Heimstätten herausreißen! Ich habe mich auch mit den hochwürdigsten Herren, dem orthodoxen Bischof und dem Mufti, über die aktuellen Probleme unterhalten, aber etwas Positives konnten sie mir weder sagen noch versprechen! So habe ich Ihnen abermals mein Leid geklagt, damit Sie Be­scheid wissen und damit Sie uns und unsere täglich größer werdenden Qualen unserem gütigen Gott anempfehlen können, auf daß Sein heiliger Name geprie­sen sei und die unsterblichen Seelen gerettet werden! Ich danke Ihnen für alles, es ist gut, daß ich in diesen Tagen doch zu Hause geblieben bin, wie Sie mir geraten hatten!
Ich wünsche Ihnen allen Frieden und alles Gute, Ihr in Christo ergebener

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

TUN SIE ALLES, DAMIT DER ABRISS DER ORTHODOXEN KATHEDRALE IN KARLOVAC VERHINDERT WIRD (SOFERN DIES JEMAND ZU TUN BEABSICHTIGT)
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreh, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 17/93 vom 17. Februar 1993)

Eure Eminenz,
heute habe ich durch ein Telefongespräch mit dem Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ, erfahren, daß beabsichtigt sei, die im Krieg beschä­digte orthodoxe Kathedrale St. Nikolaus in Karlovac abzureißen. Ich verfüge über keinerlei Angaben zum Grad der Beschädigung, auch nicht, daß jemand beabsichtigt, diese Kathedrale - ein kostbares sakrales und kulturelles Objekt -abzureißen. Ich kann auch den Wahrheitsgehalt der von Bürgermeister Radiæ erhaltenen Nachricht nicht überprüfen.
Trotzdem erlaube ich mir. Sie zu bitten, daß Sie sich - falls sich derartiges abzeichnet - bei den örtlichen und sonstigen zuständigen Behörden dahinge­hend verwenden, daß alles getan wird, um einen Abriß der orthodoxen Kathe­drale in Karlovac - und im übrigen auch jeglicher anderen Kirche bzw. jeglichen anderen Gotteshauses der serbisch-orthodoxen Kirche - zu verhindern.
Sie kennen meine grundsätzliche Einstellung und wissen, daß ich ein Gegner des Abrisses und der Zerstörung sakraler Gebäude, gleich welcher Kon­fession, aber auch aller sonstigen von Menschen zum eigenen Wohl oder zum Wohle anderer errichteten Gebäude bin. Im übrigen ist dies ja auch Ihre Einstel­lung und die aller anderen Brüder im Bischofsamt. Daher glaube ich, daß Sie auch in diesem Falle als konsequenter Beschützer der Würde und des Wertes eines jeden Menschen und jeder bedrohten religiösen oder ethnischen Gemein­schaft handeln werden.
Indem ich mich Ihrer Fürbitte anempfehle, verbleibe ich mit dem Aus­druck meiner Hochachtung und herzlichen Grüßen! Ihr Mitbruder in Christo

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
1. den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
2. den Heiligen Erzpriesterlichen Synod der SPC - Belgrad

 anfang der seite

DIE MENSCHEN SIND AUCH WEITERHIN IN ENTSETZLICHER PANIK UND SUCHEN NACH EINER MÖGLICHKEIT, SICH IRGENDWOHIN IN SICHERHEIT ZU BRINGEN
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 927/93 vom 27. März 1993)

Eure Exzellenz,
ich darf Sie hiermit über die Lage in meinem Bistum seit meinem letzten Bericht informieren, d.h. in diesen vergangenen paar Wochen. Nachdem ich beim Bürgermeister von Banja Luka, P. Radiæ, erneut vorstellig geworden bin, damit er der Eskalation der Überfälle und des Unrechts gegenüber unseren un­schuldigen Leuten, durch Bombenwürfe, Sprengladungen oder Mißhandlungen in Häusern und Wohnungen, ein Ende setzt, scheint es, als ob einige Schutz­maßnahmen getroffen würden. Die Menschen sind jedoch auch weiterhin in entsetzlicher Panik und suchen nach irgendeiner Möglichkeit, sich irgendwohin in Sicherheit zu bringen und das Leben ihrer Kinder und ihr eigenes zu schüt­zen. Das Flüchten hält an. besonders in einigen zentralen Stadtteilen, aber auch in den umliegenden Dörfern, wo in den letzten Tagen einige (fünf) unserer völlig unschuldigen Menschen ermordet wurden! - Andererseits hat sich, Gott sei Dank, nach meinen vielen und sicherlich auch Ihren Interventionen der Konvoi mit humanitärer Hilfe unserer bischöflichen Caritas wieder in Bewegung ge­setzt, und so können wir die Lage der Menschen wenigstens hinsichtlich der Ernährung ein wenig erleichtern. Ich habe wieder eine ausreichende Menge Samen angefordert, damit die Menschen aussäen können, denn sie selbst könn­ten es sich nicht leisten, Samen zu kaufen! Was die kirchlichen Gebäude angeht, so wurde die große Kirche in ©urkovac völlig zerstört, und die Filialkirchen in Èatrnja (Bosanska Gradi¹ka) und in Dolina (Prnjavor) wurden vermint. Die ukrainischen Ordensschwestern der Gemeinschaft "Dienerinnen der Unbefleck­ten" aus Banja Luka - Bud¾ak haben ihr Kloster auf Anordnung ihrer Verwaltung vorübergehend verlassen, weil es einige Male von Sprengkörpern getroffen wurde. Jetzt wohnen in ihrem Hause gemäß einer Vereinbarung mit der Ge­meinde einige Leute, offenbar Flüchtlinge.
In den letzten Wochen hat man mich in den öffentlichen Medien - im Fernsehen, im Rundfunk und in den Zeitungen - in meiner Eigenschaft als Bischof von Banja Luka mehrfach angegriffen und ungeheuerliche Lügen verbrei­tet - daß ich Anstifter einer gegen die Serben gerichteten Intervention sei, indem ich Unwahrheiten erzähle und äußere, daß die katholische bzw. nichtserbische Bevölkerung im Gebiet des Bistums Banja Luka bedroht sei. (!) - Auf angebli­che Anordnung des Heiligen Stuhls soll ich alle Katholiken aus dem Gebiet der Bosanska Krajina herausbringen, damit der Heilige Stuhl und der Heilige Vater noch stärker gegen die Serben ausholen können! - Leute, die derartige abscheu­liche Lügen und Verleumdungen in die Welt setzen und die Öffentlichkeil betru­gen - aber auch zusätzliche Panik unter den vielen verängstigten und entrechte­ten Menschen verbreiten -, verdienen wirklich unser Mitleid und unser zusätzliches Gebet! - Auch die telefonischen Drohungen, wonach ich liquidiert, getö­tet werden soll, erfolgen in letzter Zeit häufiger! Ich schere mich nicht viel darum, obwohl ich sie nicht für harmlos halte. Ich habe daher auch die Militärund die Zivilbehörden der "Republika Srpska" auf örtlicher und auf höherer Ebene in Kenntnis gesetzt und von ihnen verlangt, daß sie etwas Konkretes unternehmen und daß dem Gesetz der Gewalt und der Anarchie endlich ein Ende gesetzt wird! - In diesem Zusammenhang habe ich als Antwort auf meinen vorletzten Brief an Herrn Karad¾iæ, den Präsidenten der "Republika Srpska", eine Antwort seines Kabinetts erhalten, worin ich ersucht werde, ihm konkrete­re Informationen über "die angeblichen zur Last gelegten Handlungen auf dem Gebiet, in dem ich lebe und arbeite " zu übersenden. (!) Obwohl ich sowohl ihn als auch die Personen seiner Umgebung regelmäßig und sehr konkret über alles, was mit uns geschehen ist, informiert habe, habe ich ihm dieser Tage erneut ein (acht Seilen umfassendes) Antwortschreiben übersandt, das Sie anliegend er­halten. Im Namen der Wahrheit kann und darf ich nicht schweigen, wenn man an unschuldigen Menschen offenkundige Verbrechen verübt, die leider geduldet werden und sich fortsetzen! - So erfolgte in den letzten zehn Tagen erneut (zum siebten Male) ein bewaffneter Überfall auf das Franziskanerkloster in Petriæevac (Banja Luka); der Oberin der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove", Schwester Salezija, die sich in Begleitung einer weiteren Ordens­schwester aus dem Kloster "Novi Nazareth" befand, hat ein bewaffneter Zivilist am 24. d. Mts. gegen Abend am Eingang in den Klosterhof das Auto und alle Sachen, die wir den Schwestern aus dem Ordinariat geschickt halten, weggenommen und die Schwestern aus dem Wagen gejagt! - Trotz unserer Interventi­on ist natürlich nicht bekannt, wo der Wagen sich befindet und was mit ihm geschehen ist! In den letzten drei Tagen wurden in der Pfarrgemeinde Barlovci fünf völlig unschuldige Menschen ermordet! Unsere Menschen sind von starker Panik erfaßt! Ich versuche, sie durch Gebet, Appelle an maßgebliche Leute und Zuspruch zu beruhigen! Gerade heute schicke ich ihnen einen schriftlichen Auf­ruf, sich zu beruhigen, trotz allem, was wir hier alle gemeinsam durchmachen!
Wir verlieren nicht die Hoffnung, daß uns unmittelbar von Gott - aber auch über den Heiligen Stuhl und andere gute Menschen Hilfe zuteil wird!
Soviel für diesmal!
Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Fürsorge und Ihre Gebete und grüße Sie alle herzlich! Ihr in Christo ergebener

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

WIR HABEN NOCH NICHT DEN MUT VERLOREN
Schreiben des Bischofs an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof von Zagreb und Vorsitzenden der HBK
(Prot. Nr. Präs. 35/93 vom 04. April 1993)

Ich danke Ihnen aufrichtig und von ganzem Herzen für die warmen und tröstlichen Worte, die Sie mir als Antwort auf meine Eitle und meinen Ruf nach Hilfe und Schutz für mein gesamtes sehr bedrohtes Bistum zukommen ließen. Ich habe Ihre Worte auch meinen im geistlichen Amt tätigen Brüdern, den Ordens­leuten und den Gläubigen übermittelt! Alle sind Ihnen zutiefst dankbar, sowohl für Ihre Worte als auch für alles andere, was Sie für uns tun - für Ihre Gebete, Appelle und Interventionen! Wir haben den Mut noch nicht verloren, noch längst nicht, obwohl die physischen und psychischen Bedrängnisse tagtäglich weiter­gehen! Die Geistlichen halten wahrhaft heroisch an ihrem Platz aus und trösten die Menschen mit Worten und Gebeten und ihrem persönlichen Beispiel. Ähn­lich verhält es sich mit den Ordensschwestern, die wirklich wertvolle Dienste leisten!
Trotz al ledern ist die Frage der Ungewissen Zukunft für uns alle hier auch weiterhin offen, und wir verfügen diesbezüglich über keine Antwort. Wird es für uns Katholiken hier eine Zukunft geben - nach dem Willen derer, die die Landkarten zuschneiden, und der selbsternannten Herren über Menschenleben und die Geschichte ganzer Völker?
Ich bemühe mich auch weiterhin, die "Machthaber" auf die Ungerechtig­keiten, die uns ununterbrochen zugefügt werden, und die Unterstellungen ge­genüber dem Bischof, den Geistlichen und den Gläubigen aufmerksam zu ma­chen. Ich kann mich nicht damit einverstanden erklären, daß man uns, die wir uns nichts haben zuschulden kommen lassen, nur deshalb unterdrückt und ver­treibt, weil wir Katholiken und dazu noch Kroaten sind! Kroatischer Katholik zu sein und hier in einem Raum zu leben, der jahrhundertelang Heimat war, kann ich keineswegs als Verbrechen und Sünde ansehen, und ich kann mich auch nicht einverstanden erklären, wenn andere dies dafür halten! Daß wir hier sind, ist für mich und für uns alle eine Verpflichtung, nicht aber ein Verbrechen, für das wir einfach von hier zu verschwinden hätten!
Ich finde daher, daß man sich bei allen zukünftigen Verhandlungen, gleich, auf welcher Ebene, bemühen muß, die Heimstätten und die Zukunftsmöglichkeiten auch der religiösen und nationalen Minderheiten zu definieren, wobei die Zukunft dieser Minderheiten so sein muß, daß sie zivilisierter Völker und Men­schen würdig ist! Dies verlange ich, und ich muß es verlangen, zusammen mit meinen Geistlichen, meinen Ordensleuten und meinem Volk!
Gleichzeitig glaube ich, daß ich auch Sie persönlich und alle meine ande­ren lieben und verehrten Brüder im Bischofsamt bitten darf, daß Sie alle, d.h. sämtliche kroatischen Bischöfe, alle diejenigen, die über uns entscheiden, auf­fordern, uns zu schützen und uns alle menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die uns entzogen wurden bzw. unterdrückt werden, wieder zu­rückzugeben. - Ich weiß, daß Sie uns nicht vergessen haben und daß Sie uns nicht vergessen und enttäuschen werden und können, denn Sie betrachten uns gewiß als Teil des kroatischen katholischen Korpus! Dafür danke ich Ihnen per­sönlich sowie meinen anderen Brüdern im Bischofsamt aufrichtig! Christus, der Gute Hirte seiner Kirche, von der er auch uns Teile anvertraut hat, damit wir sie führen und beschützen "in gelegener und ungelegener Zeit" (2. Tim 4, 2), möge für Sie alle Trost und Lohn sein!
Die Situation ist bei uns derzeit so, daß ich mich, solange nicht irgendei­ne große Notlage eintritt, nicht von hier wegrühren soll, also auch nicht zu der Zusammenkunft der BK- die möglicherweise bald stattfinden wird! Wir sind in Gottes Händen, und Er möge die Dinge so fügen, wie es Sein heiliger Wille ist!
Wir alle freuen uns auf die angekündigten Besuche der hohen Gäste der Schweizer BK und des Heiligen Stuhls, Seiner Eminenz Kardinal Etchegaray. Auch unseren Nachbarn sagen solche Besuche viel, weil ihnen dadurch m ver­stehen gegeben wird, daß wir nicht ihrer Ungnade überlassen, sondern vielmehr Angehörige einer großen Familie sind, die um uns weiß und der es nicht gleich­gültig ist, wie es uns geht!
So Gott will, werden auch Sie wieder zu uns kommen - im Laufe dieses großen Jubiläumsjahres - das auch wir hier in Banja Luka als unser Jubiläums­jahr betrachten, da wir ja mehrere Jahrhunderte lang Teil Ihres (Erz)-Bistums gewesen sind!
Indem ich mich und mein gesamtes gequältes Bistum Ihrem edlen väter­lichen Herzen, Ihren Gebeten und Ihrer Liebe anempfehle, wünsche ich Ihnen und Ihren geschätzten Mitarbeitern, den Bischöfen Ðuro, Jurje und Marko, von Freude, Frieden und unerschütterlicher Hoffnung erfüllte Tage während der Karwoche und der Osterfeiertage, der Zeit des Gedenkens an das Martyrium, den Tod und die Auferstehung unseres Erlösers, und verbleibe hochachtungs­voll, mit einem herzlichen und brüderlichen Gruß!
Ihr im Herrn und der Heiligen Jungfrau, der Königin der Apostel, ergebe­ner

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

WIR HABEN UNS NICHT ABGESCHRIEBEN, WIR HABEN DIES AUCH NICHT VOR!
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 970/93 vom 14. April 1993)

Eure Exzellenz,
ich möchte Sie über das hiesige Geschehen seit meiner letzten Berichter­stattung informieren. Zwar sind wir noch in der Osterwoche (in der man sich sonst ein wenig von den Anstrengungen der Fastenzeit erholt), aber ich hoffe, daß ich Sie mit meinem Schreiben nicht allzusehr belästige.
Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt hatte, stand der von den maßgeblichen (serbischen) Behörden genehmigte Besuch des Vorsitzenden der Schweizer BK, Bischof P. Mamie, zusammen mit dem Sekretär der BK, Pater R. B. Trauffer, bevor, der, Gott sei Dank, auch wirklich stattgefunden hat. Die beiden waren am 06. und am 07. April d. J., d.h. am Dienstag vor Ostern und am darauffolgenden Mittwoch bis zum Mitlag bei uns. Wir haben außer Pfarrgemeinden und Klö­stern im Gebiet zwischen Bosanska Gradi¹ka und Banja Luka auch den ortho­doxen Bischof, Herrn Jefrem, und den Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ, sowie den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn P. Radiæ, besucht. Es waren auch Treffen mit den Geistlichen und den Gläubigen der Umgebung in unserer Kathedrale vorbereitet worden. Dieser Besuch war unter verschiedenen Aspek­ten wertvoll - sowohl für unsere Gläubigen, Geistlichen und Ordensleute, als auch für die wahrheitsgemäße Informierung unserer Gaste, die - nach deren eigenem Eingeständnis - über uns und unsere dramatische Situation falsch in­formiert waren ... Auf jeden Fall war es gut, daß auch religiöse und zivile Kreise einiger unserer Nachbarn zur Kenntnis genommen haben, daß von der großen kirchlichen Familie, der wir auch selbst angehören, JEMAND zu uns gekom­men ist! Besuche dieser Art haben wir sehr nötig!!
Am 10. April d. J., am Karsamstag, hat uns im Bischöflichen Ordinariat Herr Momèilo Kraji¹nik, der derzeitige Präsident des Parlaments der "Republika Srpska", mit vier seiner Minister und Herrn Radiæ, dem Bürgermeister von Banja Luka, aufgesucht. Die Herren blieben eine Stunde lang.
Herr Kraji¹nik hat mich gebeten (!), zwecks Verwirklichung einer Zusammenkunft und eines Gesprächs zwischen den obersten Vertretern der RS und der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna zu den Fragen der Beilegung der kriegerischen Konflikte, der Wiederherstellung des Friedens und der Lö­sung aller anstehenden Probleme zu vermitteln. Er hob meine "großen Verdien­ste hinsichtlich der bisherigen Befriedung und der Verhinderung größeren Un­heils in diesem Gebiet" hervor, dankte mir für "die objektive Berichterstattung über die Lage in meinem Bistum" und sprach mir seine Glückwünsche zu "mei­nem tatkräftigen Einsatz zur Rettung des eigenen Volkes, der ihm sehr imponie­re" aus. Ich gab ihm unter anderem zur Antwort, daß ich nicht Politiker bin und auch keiner sein will, daß ich aber, wenn ich zu einer Beruhigung der Lage und zur Rettung unschuldiger Menschen, ihres Lebens, ihrer Rechte, ihres Eigentums usw. beitragen kann, dies im Rahmen meiner Möglichkeiten sehr gerne tun werde. Er drückte seine Bereitschaft aus, alle Einwohner des Hoheitsgebiets der "Republika Srpska" zu schützen und ihnen völlige Gleichberechtigung und eine sichere Zukunft zu garantieren. Ich antwortete ihm, daß es erforderlich sei, so schnell wie möglich vom Wort zur Tal zu schreiten, und übergab ihm noch­mals eine Liste aller zerstörten kirchlichen Gebäude und eine Karte meines de­zimierten und devastierten Bistums.
Am 12. d. Mts., am Ostermontag, waren zwei Minister, die Herren Rosiæ und Dokiæ, zwecks konkreter Absprachen bezüglich eines möglichst baldigen Treffens von Vertretern der serbischen und der kroatischen Volksgruppe in BiH bei mir, und heute haben mich wieder der Vizepremier der RS, Dr. Vitomir Popoviæ, und der Justizminister Jovo Rosiæ um ein Gespräch gebeten, damit ich wegen eines möglichst baldigen Treffens der obersten Vertreter der Regierun­gen der "Republika Srpska" und der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna vermittle. (Nebenbei gesagt hat man den Eindruck, daß die Vertreter von Herceg-Bosna uns außerhalb ihrer Grenzen lebende Katholiken völlig vergessen und im Grunde genommen bestimmten engeren Interessen "geopfert" haben! Wir ha­ben uns jedoch noch nicht abgeschrieben, und wir haben das auch nicht vor! Nach unserer Ansicht müssen die katholische Kirche und das Evangelium Chri­sti, das sie in diesem Raum seit siebzehn Jahrhunderten verkündet, hier auch zukünftig "Wohnrecht" haben, gleich, ob dies den Politikern gefällt oder nicht! Unserer Kirche darf dies keinesfalls gleichgültig sein!!!). Obwohl ich eigentlich zu den Politikern von Herceg-Bosna keinerlei Kontakte habe, habe ich versucht, ihnen irgendwie die Mitteilung zukommen zu lassen, sich zu Gesprächen mit den Vertretern der Serben zu treffen, damit viele Menschenleben und Eigentum vor der Vernichtung geschützt werden. (...) Möge Gott ihnen allen hilfreich zur Seite stehen, damit es so bald wie möglich für uns alle zu einem Nachlassen der großen Bedrängnisse kommt! Soviel für jetzt! Ich werde mich wieder melden, hoffentlich mit erfreulicheren Neuigkeiten. In drei Pfarrgemeinden (außerhalb von Banja Luka), wo ich dieser Tage war, leben die Menschen noch immer in Angst! Dafür gibt es Gründe, aber es existiert auch immer noch Hoffnung!
Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen - Ihr in Christo, dem Auferstande­nen, ergebener

 + Franjo Komarica

 anfang der seite

NACHDRÜCKLICHER WUNSCH ZUR FORTSETZUNG DER OFFIZIELLEN ZUSAMMENKÜNFTE DER GEMISCHTEN KOMMISSIONEN AUS VERTRETERN DER KATHOLISCHEN UND DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE
Schreiben des Bischofs an den Vorsitzenden der HBK, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 56/93 vom 01. Mai 1993)

Eure Eminenz,
verehrter lieber Bruder in Christo,
ich erlaube mir, mich wieder mit den neuesten Nachrichten aus unserer Gegend an Sie zu wenden!
Gestern hat mich aus Belgrad der orthodoxe Bischof von Baèa, Herr Irenej (Irenäus), angerufen, der wissen wollte, wie es mir persönlich geht und wie hier die Lage der Katholiken ist. Wie er sagte, werden sie dort von vielen Leuten aus dem Ausland gefragt, wie es dem Bischof von Banja Luka und dem Bistum Banja Luka gehe und was man seitens der serbisch-orthodoxen Kirche tun kön­ne, damit wir hier geschützt werden. Er brachte zum Ausdruck, daß die Bereit­schaft besteht, seitens der serbisch-orthodoxen Kirche für mich - wenn erforder­lich - bei den serbischen Politikern um größere Sicherheit und besseren Schutz nachzusuchen.
Ich schilderte ihm kurz, wie es uns hier geht, und sagte ihm, daß ich hinsichtlich meiner persönlichen Sicherheit und meines eigenen Schutzes nicht mehr und nicht weniger verlange und brauche als meine völlig entrechteten Gläubigen, die man ohne jeden Grund und jede Ursache sowohl am hellichten Tage als auch mitten in der Nacht in ihren eigenen Häusern umbringe, was auch in den letzten Tagen leider der Fall gewesen sei. In drei meiner Kirchengemein­den, in Petriæevac, Dolina und ©urkovac, wurden sechs ältere Menschen umge­bracht! Ich sagte ihm auch, daß die Kirche, wann immer diese Problematik aktuell ist, ihre Stimme energisch zum Schutz der von Gott gegebenen Rechte und der menschlichen Grundrechte und Freiheiten erheben müsse, wenn ihr daran liegt, ihrer Berufung nicht untreu zu werden! (Ein ähnliches Gespräch habe ich gestern abend auch mit Herrn Jefrem, dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, geführt!)
In diesem Zusammenhang hat mich der orthodoxe Bischof Irenej, da ihm eine direkte Kontaktaufnahme mit Ihnen unmöglich ist, gebeten, Ihnen wegen eines neuen Termins für die bereits für einen früheren Zeitpunkt geplante Zu­sammenkunft der gemischten Kommissionen der katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche, d.h. derselben, die sich Ende Januar vergangenen Jahres in St. Gallen in der Schweiz getroffen hatten, zu schreiben. Da bereits verabredet gewesen war, ein zweites Treffen in Novi Sad abzuhalten, dieses aber dann verschoben wurde, bittet er darum, daß die Kommissionen erneut Ende dieses Monats (Mai) oder Anfang kommenden Monats (Juni) in Novi Sad zusammen­treffen. Das genaue Datum könnte er bis zum 15. d. Mts., wenn die Sitzung seines Rates beginnt, vorschlagen.
Meine Aufgabe ist also. Ihnen folgende Fragen vorzutragen:
1. Sind Sie damit einverstanden, daß die genannte Kommission (unsere) - wie die Vertreter der serbisch-orthodoxen Kirche vorschlagen - Ende Mai oder Anfang Juni in Novi Sad mit ihnen zusammenkommt - selbstverständlich unter maximalen Sicherheitsbedingungen, die sie, wie der orthodoxe Bischof Irenej sagt, garantieren?!
2. Bedeutet dies, daß sowohl ich als auch Erzbischof Perko in diesem Falle, also außerhalb der RH, weiter Mitglieder derselben Kommission sind?
Persönlich werde ich auch weiterhin stets für konstruktive Treffen eintre­ten, natürlich auch zwischen den verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften, und auch in diesem Falle meine ich, daß es von Nutzen (beiderseitig) sein kann, schaden kann es, glaube ich, jedenfalls nicht.
Es liegt nun bei Ihnen, verehrte Eminenz, als Vorsitzender der HBK eine Entscheidung zu treffen und der anderen Seile - über mich oder vielleicht auch direkt - die Antwort zu übermitteln.
Auch bei dieser Gelegenheit spreche ich Ihnen meinen Dank dafür aus, daß Sie uns hier nicht vergessen, sondern uns auch weiterhin als ein lebendiges Glied der Kirche der Kroaten sehen.
Ich grüße Sie herzlich und brüderlich, mit dem Ausdruck meiner aufrich­tigen grüßen Hochachtung!
Ihr in Christo, dem Auferstandenen, ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ÜBER DREITAUSEND FLÜCHTLINGE AUS KAKANJ, HALJINIÆI UND VARE© SIND DURCH BANJA LUKA GEKOMMEN
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), Msgr. Vinko Puljiæ
(Prot. Nr. Präs. 126/93 vom 30. August 1993)

Sehr geehrter und lieber Vater Erzbischof,
lieber Bruder Vinko,
(...) Gestern (Montag) haben mich hier unsere beklagenswerten Flücht­linge aus Kakanj, Haljiniæi und Vare¹ überrascht, über dreitausend übermüdete Frauen und Kinder sowie einige alte Menschen in dreißig Fahrzeugen. Unter ihnen ist auch Hochw. Veselko. Wir haben überhaupt nicht gewußt, daß sie hier durchkommen, als wir es jedoch erfahren haben, sind wir sofort mit Speisen und Getränken für die Kinder und alle anderen sowie mit Medikamenten und Windeln für die Kinder und die Kranken zu Hilfe geeilt. Eine alte Frau ist ge­storben, für die wir auch einen Sarg gefunden haben; jedoch liegen weitere im Sterben, so daß wir ihnen unseren Kombi mit einem Arzt bis Bosansko Grahovo bzw. bis zum Æelebiæi, wohin sie sich über Prijedor und Sanski Most begeben haben, zur Seite gestellt haben. Gott weiß wie und wann sie ankommen werden. Aufgebrochen sind sie am Samstagmorgen! - Traurig und bedrückend. Der gü­tige Gott möge sich ihrer und unser erbarmen! Man sagt, daß auch alle anderen aus diesem Gebiet in diesen nächsten Tagen hier werden durchkommen müs­sen!
Mehr darüber und über andere Dinge, wenn wir uns treffen! Ich wünsche Dir und allen um Dich Gottes Kraft und Trost in diesen Tagen der Versuchung - ich grüße Dich brüderlich - Dir im Herrn ergeben - der uns nicht verläßt!

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

DIE MACHTHABER MACHEN VERSPRECHUNGEN, HALTEN ABER FAST NICHTS EIN
Schreiben des Bischofs an die Apostolische Nuntiatur in Belgrad
(Prot. Nr. 196/93 vom 09. Dezember 1993)

Exzellenzen und Eminenzen, sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
da es für mich nicht leicht ist, auf andere Weise Bericht zu erstatten, um Sie wenigstens von den wichtigsten Angelegenheiten und Vorfällen im Leben unserer Gläubigen wahrend der letzten Wochen zu informieren, erlaube ich mir, wieder ein Schreiben an Sie zu richten. Ich halte es für erforderlich, daß der Heilige Stuhl von den laufenden Ereignissen in einem Gebiet, in dem sich mo­mentan dramatische Vorgänge für die Zukunft der katholischen Kirche abspie­len, in Kenntnis gesetzt wird.
1. Im Gebiet meines Bistums Banja Luka, dessen größter Teil von den serbischen Behörden kontrolliert wird, hat sich die allgemeine Lage im Ver­gleich zu den vorangegangenen, sehr dramatischen Monaten, als buchstäblich tagtäglich Verbrechen wie Mord, Totschlag, Zerstörung und Verjagung der un­schuldigen Zivilbevölkerung begangen wurden, ein wenig beruhigt. In den ver­gangenen zwei Monaten halte es körperliche Mißhandlungen und sogar Morde in den Pfarrgemeinden Vrbanjci, Dolina, Nova Topola, Mrkonjiæ Grad, Stara Rijeka, Barlovci, Banja Luka und Dragalovci gegeben. Auch weiterhin wird auf unsere Gläubigen beharrlich Druck ausgeübt, um zu erreichen, daß sie wegzie­hen. Dies betrifft insbesondere die Pfarrgemeinden Banja Luka, Petriæevac, Barlovci, Ivanjska, Stratinska, Bud¾ak, Presnaèe, Bosanska Gradi¹ka und Stara Rijeka. Man versucht, unsere Männer zum serbischen Militär zu schicken, und zwar sofort an die Front (Doboj, Od¾ak), aber es ist mir dennoch gelungen, dies rückgängig zu machen. Dafür müssen viele Zwangsarbeit leisten, wobei man sie auf verschiedenste Weise sehr grob mißhandelt und demütigt, wie mir viele geklagt haben, besonders Leute aus den Pfarrgemeinden Banja Luka, Petriæevac, Marija Zvijezda, Barlovci, Trn, Kotor Varo¹, Sanski Most, Sasina, Ravska, Ljubija, Vrbanjci und Mrkonjiæ Grad. Bei meinen recht häufigen Kontakten mit den örtlichen Behörden und auch mit den obersten Vertretern der "Republika Srpska" verlange ich energisch größeren Schutz, für meine Gläubigen, die vor Ort effektiv der Ungnade von Tyrannen ausgesetzt sind. Meine Gesprächspart­ner versprechen mir zwar, daß sie bestimmte Maßnahmen ergreifen werden, aber in der Regel wird von diesen Versprechungen fast nichts realisiert. Bei meinen sehr häufigen Kontakten mit meinen Geistlichen vor Ort und auch hier im Ordinariat, das sie häufiger aufzusuchen vermögen, sowie auch mit den Gläu­bigen der verschiedenen Pfarrgemeinden, die ich besuchen konnte, war und bin ich bestrebt, sie aufzumuntern, damit sie den Mut nicht sinken lassen und wei­terhin davon Abstand nehmen, Böses mit Bösem zu vergelten, und sich auch gegenüber denen, die ihnen Böses antun, wie Christen zu verhalten - d.h. ihnen Güte zu erweisen und zu vergeben. Es ist ein herrliches göttliches Wunder, daß sich meine Gläubigen noch immer im großen und ganzen in diesem Sinne ver­halten, aber ich frage mich, wie lange sie dazu noch in der Lage sein werden! Nicht selten äußern sie mir gegenüber, daß sie die mannigfachen Ungerechtig­keiten und die völlige Entrechtung nicht mehr ertragen können und daß sie doch - wenngleich schweren Herzens - werden wegziehen müssen. Unsere Gläubigen begeben sich in den meisten Fallen in die Republik Kroatien, nur sehr selten entschließen sich welche, in die Kroatische Republik Herceg-Bosna zu gehen. Gemäß den neuesten Angaben, die ich von meinen vor Ort tätigen Geistlichen erhalten habe, haben bisher - für immer oder vorläufig - nahezu 41.400 Gläubi­ge das Bistum verlassen, jedoch dürfte die tatsächliche Anzahl etwas höher sein. Leider setzt sich wegen des ununterbrochenen Drucks der Trend zum Wegzug, namentlich im Gebiet von Banja Luka, weiter fort. Wie lange wird es so weiter­gehen? Ohne eine stärkere Garantie der derzeitigen Behörden und auch der Ver­treter des kroatischen Volkes in Bosnien und Herzegowina wird die Zukunft der katholischen Bevölkerung in diesem Gebiet, so fürchte ich, nur noch schlimmer werden!!
Bezüglich der Pfarrgemeinde Bihaæ, die aufzusuchen mir noch immer nicht gelungen ist, obwohl ich es mehrfach versuchte, habe ich von Vertretern des UNHCR gehört, daß die Geistlichen und die Ordensschwestern soweit im großen und ganzen nicht behelligt werden und daß ein Teil der Gläubigen weg­gegangen, aber der größte Teil der Pfarrgemeinde noch immer dort ist. Ange­sichts dessen, daß in jener Gegend tagtäglich gekämpft wird, ist die Zukunft dieser Pfarrgemeinde ungewiß.
Hinsichtlich des Klosters der Sehwesterngemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" in Nova Topola haben wir im Einvernehmen mit der Provinzial- und der Hauptverwaltung der Ordensgemeinschaft und unserer Caritas vor, in einem der Gebäude ein Heim für auf soziale Unterstützung angewiesene ältere Men­schen zu eröffnen. Die örtlichen Behörden haben noch immer nicht ihre Einwilligung für dieses Projekt erteilt, obwohl ich mit ihnen mehrfach Gespräche ge­führt habe. Die Behörden fühlen, daß ein solches Projekt heißen würde, daß unsere Bestrebungen, in dem Gebiet zu bleiben, weiterhin aufrechterhalten wer­den, was nicht zu ihrem vorgefaßten Plan paßt, uns vollständig zu vertreiben. Im übrigen geht es den in Nova Topola verbliebenen Schwestern (es sind nur drei!) gut; nachts werden sie von der Polizei bewacht. In Bosanski Aleksandrovac halten sich noch sechs Schwestern auf, und auch dort gibt es keine Provokatio­nen und Zwischenfälle - Gott sei Dank!
2. Hinsichtlich der Heranschaffung dringend notwendiger humanitärer Hilfe über unsere bischöfliche Caritas legen uns die Behörden der "Republika Srpska" in letzter Zeit auch verschiedene Steine in den Weg. So sind uns drei unserer Lkw-Konvois, die normalerweise einmal wöchentlich Nahrungsmittel herbeischaffen, nicht mehr möglich gewesen, weil wir (ohne irgendeine Be­gründung) die Genehmigung aus Pale nicht bekommen haben. Die Tatsache, daß dies zu einer unregelmäßigen Versorgung unserer Leute, aber auch vieler anderer (Serben und Muslime), die zu uns kommen, um Hilfe zu erhalten, nie­derschlägt, bekümmert die Machthaber nicht besonders. Ich war bemüht, auch darüber mit den Vertretern der Behörden zu sprechen, sie machen Versprechun­gen, aber da man nicht weiß, wer welche Befugnis hat, geschieht es, daß eine übergeordnete Stelle etwas genehmigt und eine untergeordnete die Durchfüh­rung dessen, was genehmigt wurde, nicht erlaubt! - Wir verlieren jedoch nicht die Hoffnung, vielmehr erheben wir beharrlich Anspruch auf unsere elementa­ren Grundrechte - auf Leben und auf die Möglichkeit der Existenz, Dies könnte vielleicht Erfolg haben - insbesondere dann, wenn auch die internationalen In­stitutionen, deren Anliegen die Menschenrechte sind, anfangen, sieh ein wenig mehr für unseren Raum und die Situation der hier lebenden nationalen Minder­heiten zu interessieren.
3. Auch weiterhin haben wir mehr oder weniger regelmäßig Kontakt, d.h. häufig, nicht nur telefonisch sondern auch durch persönliche Besuche - mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, und dem Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ. Unsere Gespräche sind tatsächlich freundschaftlicher Art, im Rahmen meiner Möglichkeiten versuche ich, über diese Persönlichkei­ten und über ihre humanitären Organisationen auch ihren Gläubigen zu helfen. Denn in der Stadt und auch im gesamten Gebiet werden Hunger und Mangel mit jedem Tag spürbarer werden, was die Unzufriedenheit der Menschen nur noch vergrößert.
4. In Absprache mit dem Erzbischof von Sarajevo, Msgr. Vinko Puljiæ, habe ich auch einige seiner Kirchengemeinden aufgesucht, weil ihm dies nicht möglich ist. In diesem Zusammenhang war ich im Gebiet von ®epèe - zweimal, im Usora-Gebiet - ebenfalls zweimal sowie in den Gebirgsgemeinden Koriæani, wo noch einige Gläubige ohne Geistlichen verblieben sind, und Dobretiæi und Podmilaèje, Gemeinden, aus denen die Gläubigen geflüchtet sind! Während ich für Koriæani und die Gemeinden des Gebiets von ®epèe humanitäre Hilfe und auch ein wenig Medikamente mitführen konnte, wurde mir dies im Usora-Ge­biet nicht erlaubt! Ich werde jedoch meine Bemühungen um die Genehmigung, mit unserer Caritas auch dorthin zu gehen, nicht aufgeben, denn die dortigen katholischen Gläubigen - es sind fast 15.000 - und auch andere Menschen, meistenteils Muslime, befinden sich in einer sehr kritischen Lage. Ich war auch in der Pfarrgemeinde Doboj, wo ich die örtlichen Behörden um die Genehmigung gebeten habe, daß sich dort auch ein Geistlicher niederläßt, denn in dieser Pfarr­gemeinde leben nahezu 1.800 Katholiken! Es besteht die Aussicht, daß sich dies realisieren läßt!
Soviel für jetzt! Ich danke Ihnen für all die Fürsorge, die Sie uns angedeihen lassen! Hochachtungsvoll

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DIE GEGENWÄRTIGEN SCHLIMMEN GESCHEHNISSE HINDERN MICH AM KOMMEN
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreb, Kardinal F. Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 99/94 vom 14. März 1994)

Eure Eminenz,
von Herrn Sekretär Msgr. V. Milovan habe ich Ihre Einladung zur Teil­nahme an der Frühjahrssitzung der HBK vom 15. bis zum 17. März 1994 erhal­ten. Von meiner Dankbarkeit für diese Einladung abgesehen, habe ich mich auch auf das Treffen mit Ihnen und den anderen Brüdern im Bischofsamt ge­freut.
Leider hindern mich die gegenwärtigen schlimmen Geschehnisse in eini­gen meiner Kirchengemeinden - die gerade in diesen letzten Tagen an Zahl und Umfang zugenommen haben - am Kommen. In dieser Situation ist es meine Pflicht, bei den derzeitigen hiesigen Politikern den Versuch zu unternehmen, aufbessere und effektivere Schutzmaßnahmen für meine faktisch völlig schutz­losen Gläubigen, die trotz der vielfältigen bisherigen Bedrängnisse in ihrem jahrhundertealten Zuhause geblieben sind, hinzuwirken.
Ich erlaube mir jedoch, Sie über einige besonders traurige und abscheuli­che Vorfälle in Kenntnis zu setzen, Vorfalle, wie wir sie leider tagtäglich in den unterschiedlichsten Varianten und an den unterschiedlichsten Orten erleben, wobei stets ein und dieselbe Absicht zu erkennen ist - die Katholiken aus die­sem Gebiet zu verjagen, wobei man sich in barbarischster Weise über menschli­che Würde und Ehre und alle menschlichen Grundrechte, sofern von diesen nach all dem, was wir als nichtserbischer Teil der hiesigen Bevölkerung in den letzten zwei Jahren durchgemacht haben, überhaupt noch die Rede sein kann, hinwegsetzt.
l. Bedrohung von Menschenleben
In letzter Zeit haben sich in einigen unserer Kirchengemeinden die Fälle unmittelbarer Gefährdung des Lebens völlig unschuldiger Menschen wieder gehäuft.
In der Gemeinde Dragalovci (an der Strecke zwischen Banja Luka und Doboj) wurde in der Nacht vom 09. auf den 10. Februar der 83jährige Mato Barukèiæ m seinem Haus (das er allein bewohnte) grausam getötet. In der glei­chen Gemeinde starb am 17. Februar der 66jährige herzkranke Andro Èanèar an den Folgen schwerer körperlicher Mißhandlungen. Auf das Haus von Pavle und Ivka Pranjiæ - beide über 80 Jahre alt - und von Doma Pranjiæ (57 Jahre) wurden in der Nacht vom 10. auf den 11. Februar Bomben geworfen; diese bedauerns­werten Menschen sind im letzten Moment aus dem Haus gelaufen und haben sich trotz tiefen Schnees in die Berge geflüchtet. Einige Tage danach wurde der 52jährige Stipo Barukèiæ zu Tode geprügelt und ausgeraubt.
In all diesen Fällen erwiesen sich die Behördenorgane als "ohnmächtig". In der Kirchengemeinde Barlovci, in der Siedlung Zalu¾ani, haben bewaffnete Uniformierte in den Abendstunden des 06. Februar den 47jährigen Slavko Ka¹ljeviæ in dessen eigenem Haus ermordet. Seine Frau konnte sich retten, in­dem sie durch ein Fenster flüchtete. Die Polizei traf ein, als Slavko, schwer verletzt, noch lebte, aber der Arzt ist, obwohl man ihn gerufen hatte, erst am folgenden Tag gegen 09.30 Uhr erschienen, als der Mann bereits verblutet und gestorben war. (...)
Im Zentrum von Banja Luka, in der Kirchengemeinde "Maria Heimsu­chung", sind in den Abendstunden des 10. März zwei bewaffnete uniformierte Männer gewaltsam in das kleine Häuschen der Rakita (genannt Kate) Franeliæ, einer armen 72jährigen Frau, eingedrungen, haben sie verprügelt, ihr die Ohren abgeschnitten und ihr die Augen auszustechen versucht. Als die Nachbarn die Frau schreien hörten, riefen sie die Polizei, aber die Täter konnten fliehen. Das Leben der alten Frau wurde gerettet, aber sie hat ihre Augen verloren, ist ent­stellt und für immer Invalide.
In der Kirchengemeinde Marija Zvijezda am Rand von Banja Luka sind einige Personen und Häuser überfallen worden. Am 05. März wurde Anto Martinoviæ angegriffen (Überfall und versuchter Raub); am 08. März wurde das Haus von Zvonko Martinoviæ beschossen; am gleichen Tag wurde mit Schnellfeuerwaffen auf das Haus von Anto Araèiæ geschossen (Glasscheiben der Fenster und der Türen zertrümmert); am 10. März um 19.00 Uhr wurde das Auto von Anto Mato¹eviæ entwendet; auf das Haus von Anto Janjiæ wurde eine Bombe geworfen, und danach wurde es geplündert; das Haus von Josip Ulmer und das von Tonka und Franjo Pajiæ wurden geplündert; Ana Keziæ wurde bestohlen; Lada Biliæ wurde das Heu angezündet; die Fenster des Hauses von Jozo Æosiæ wurden zertrümmert; das Haus von Ivica Lipovac wurde beschossen; der Stall und die Nebengebäude der alten Ru¾a Æosiæ wurden in Brand gesteckt...
In letzter Zeit kommen in unser Ordinariat fast jeden Tag Menschen, die in Tränen aufgelöst und außer sich sind, weil sie selbst oder ihre nächsten Ange­hörigen körperlich mißhandelt wurden, ganz zu schweigen von der Angst und den verschiedenen Bedrohungen. Ebenso sind die telefonisch geäußerten Be­drohungen (auch gegenüber dem Bischof) wieder häufiger geworden, daß man uns alle umbringen werde, daß für uns hier kein Platz sei, daß uns "auch die katholischen (!) NATO-Flugzeuge nicht retten werden" usw.
Die Bevölkerung ist wirklich verängstigt, und dafür gibt es noch weitere Gründe! Hier einige davon:
2. Gewaltsamer Hinauswurf aus Wohnungen und auch aus eigenen Häu­sern
Wie es scheint, ist man nicht gewillt, mit dem gewaltsamen Hinauswurf aus Wohnungen - häufig aus Eigentumswohnungen und aus Privathäusern im Gemeindebereich von Banja Luka, aufzuhören, solange noch jemand von uns da ist. Ich weiß nicht mehr, zum wievielten Male ich in den vergangenen Tagen wieder beim Bürgermeister von Banja Luka, Herrn P. Radiæ, interveniert und ihn auf die schweren Verbrechen an Menschen aufmerksam gemacht habe, die bedauerlicherweise toleriert werden, ohne daß die amtlichen Organe etwas Wirk­sames unternehmen, um diesen Untaten endlich Einhalt zu gebieten. Man wirft Menschen im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße, ohne daß irgendwelche möglichen Dispositionen für ihre weitere Unterbringung und Versorgung ge­troffen werden. Unter den Betroffenen sind viele ältere Leute, Menschen die völlig unversorgt und außerdem krank und mittellos sind!
Man gewinnt den Eindruck, daß es die Waffen sind, die hier die tatsäch­liche Macht ausüben und wer eine Waffe hat - der hat auch das Recht! Die Aktion der Vertreibung von Menschen aus Wohnungen und Häusern ist eine sehr hinterhältige Art der Durchführung der systematisch angelegten ethnischen Säuberung gegen den unerwünschten Teil der hiesigen Bevölkerung, und das ist hauptsächlich der nichtserbische Teil.
Meine bisherigen zahlreichen Interventionen - es gibt niemanden ande­res, der sich für den Schutz dieser bedauernswerten Menschen verwenden könn­te - sind im großen und ganzen erfolglos geblieben. Angesichts der vielen be­jammernswerten Menschen, denen ich nicht helfen kann, tut mir die Seele weh!
Im Gemeindegebiet von Kotor Varo¹ sind die Bedrängnisse die gleichen, wo man in letzter Zeit, abgesehen von den körperlichen Mißhandlungen und Plünderungen - fast jeden Abend - auch die winzige Anzahl von verbliebenen Katholiken (es sind nur rund ein Dutzend) vertreiben will! Ende Januar wurden Mato und Ru¾a Mandiæ in ihrem Haus schrecklich verprügelt, ebenso auch Anto Vujiæ. In der Nacht des 05. Februar wurden auch Ivka und Kata Maljur in ihrem eigenen Haus verprügelt, und das Haus wurde geplündert; in der gleichen Nacht wurde auch Marija Mandalo verprügelt. In der Nacht des 26. Februar wurde Ana Pranjiæ in ihrem Haus verprügelt, und das Haus wurde geplündert, und dasselbe geschah am 12. März mit Luka Juriæ.
Alle diese Menschen, aber auch zahlreiche ihrer Nachbarn, trauen sich nicht, in ihren eigenen Häusern zu schlafen, sondern die Bedauernswerten quä­len sich in Wäldchen, Schuppen und dergleichen, wobei bis vor kurzem für längere Zeit bei uns hoher Schnee gelegen hat. Über all dies wissen die örtli­chen Behörden genau Bescheid, aber sie unternehmen nichts, um den Verbre­chen Einhalt zu gebieten!
Die übrigen Angehörigen der Pfarrgemeinde leben in großer Angst und versuchen, irgendwohin zu fliehen, um ihr nacktes Leben zu retten. Und den Behörden, wie es scheint, paßt es, daß eine ethnische Säuberung auf dem ge­samten Gemeindegebiet durchgeführt wird.
3. Gewaltsame Einziehung zum Militärdienst und unerträgliche Zwangs­arbeit
Mitte Februar wurden über 130 Katholiken (hauptsächlich Kroaten) ab Jahrgang 1938 und darunter - insbesondere aus der Gemeinde Banja Luka -gewaltsam zum Militärdienst eingezogen. Einberufungsbefehle gingen auch an diejenigen, die nie in der Armee waren, d.h. untauglich sind, sowie an Mittel­schüler. Es versteht sich, daß ich bei allen verantwortlichen Stellen - sogar bei den hochrangigsten Vertretern des kroatischen Volkes - interveniert habe, um zu erreichen, daß die gewaltsam Eingezogenen nach Hause zurückkehren können. Dies hat keinen großen Nutzen gebracht, und es wurde vielmehr noch schlim­mer. Auch in diesen Tagen geht eine gewaltsame Einberufungswelle im Gemeindegebiet von Banja Luka, Prnjavor und Doboj vor sich - man fängt die Leute wie wilde Tiere ein, wenn es den Armen nicht gelingt, sich zu verstecken. Menschen können sich aber nicht tagelang verbergen! Ihre Familien sind in großer Panik, es gibt niemanden, der sie schützen könnte, der ihnen erklärt, was da vor sich geht und warum man mit ihnen so umgeht. Sie kommen zu uns ins Ordinariat, weinen, bitten, daß wir uns einschalten, und wollen sich irgendwo verbergen. Wir tun unser Möglichstes, um sie zu beruhigen und irgendetwas für sie zu tun, aber all dies ist von der Gewährleistung eines normalen Zustands weit entfernt. (...)
Abgesehen von der gewaltsamen Mobilisierung für den Einsatz in den Kampflinien, hauptsächlich in denen des Kampfgebiets um Doboj und nach Maglaj zu, wird die nichtserbische Bevölkerung sehr oft zu unerträglichen Ar­beitseinsätzen gezwungen, in letzter Zeit am häufigsten zum Ausheben von Schüt­zengräben in der Nähe der Kampfplätze um Doboj, Bosanski ©amac und Ora¹je. Nach Berichten von Augenzeugen sind die entsetzlichen Demütigungen und die psychischen und physischen Mißhandlungen für einen normalen Menschen kaum zu ertragen. Die Leute bitten uns, sie auf irgendeine Weise aus dieser Hölle zu retten. Ich habe in letzter Zeit mehr als einmal (und in den davorliegenden Wo­chen natürlich auch!) interveniert, um zu erreichen, daß man mit den Leuten nicht in derart sklavenhalterischer Art umspringt. Mir ist nicht bekannt, ob je­mand danach ein leichteres Los hatte.
Diese Mobilisierung für den militärischen Einsatz wie auch der gewaltsa­me und äußerst unmenschliche Umgang mit unseren Leuten bei der Zwangsar­beit sind eine eindeutige und hinterhältige Vorgehensweise, um sie so stark wie möglich zu demütigen und ihr Leben zu bedrohen. Es ist daher verständlich, daß sich diese Leute und ihre nächsten Angehörigen durch Flucht, Emigration und Aufgabe ihrer jahrhundertealten Heimstätten retten wollen, auch wenn dies ein Weg in die völlige Ungewißheit ist!
4. Erneute Überfälle auf Seelsorgezentren
Am Rand von Banja Luka sind in den letzten 20 Tagen unsere Seelsorge­zentren zum wer weiß wievielten Male überfallen worden.
In der Nacht des 25. Februar d. J. wurde das Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Trn (zum 31. Male!) mit schweren Waffen angegriffen. Auch diesmal entstand großer Sachschaden.
Am 03. März d. J. gegen Abend wurde das Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Barlovci angegriffen, wobei großer Sachschaden entstand. Es handelte sich gleichzeitig um einen Einbruchsversuch.
Was dort nicht gelungen war, wurde am 12. und am 13. März d.J. beim Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Banja Luka - Bud¾ak erneut versucht. Nach rd. zehn bewaffneten Überfällen und schwerer Beschädigung des neuen Seelsorge­zentrums dieser jungen Pfarrgemeinde halte man vor über einem Jahr alle seelsorgerischen und liturgischen Aktivitäten ganz einstellen müssen, weil die in der Nachbarschaft wohnenden Neuzugezogenen, von denen die Katholiken mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben worden waren, die örtliche Polizei derart aufgehetzt hatten, daß niemand es wagte, sich ihnen zu widersetzen. Ei­ner jener "Helden" hat dieser Tage sogar das für den Bau der Pfarrkirche vorge­sehene Grundstück widerrechtlich in Besitz genommen. Alle bisherigen Inter­ventionen haben nicht viel genutzt. Unsere Gläubigen sind wirklich verstört, niedergeschlagen und zu ohnmächtig, um etwas für ihren eigenen Schulz zu unternehmen. Diejenigen, die uns schützen müßten, d.h. die Behörden der örtli­chen und der höheren Ebene, kümmern sich nicht sehr um unsere Nöte und unsere Rechte.
5. Einstellung der durch die "Caritas" durchgeführten Lieferungen huma­nitärer Hilfe
Unseren Gläubigen ist es bisher irgendwie gelungen, zu überleben, haupt­sächlich dank des großen Einsatzes der bischöflichen Caritas. In letzter Zeit haben uns die hiesigen Behörden die Genehmigung zur Fahrt nach Zagreb und zur Herbeischaffung der dringend notwendigen humanitären Hilfe, die wir über einen Wohltäter bis Zagreb transportiert bekommen, verweigert. Obwohl unse­re Caritas, während der ganzen Zeit ihrer Tätigkeil, insbesondere während der kriegsbedingten schwierigen Lage, auch zahlreichen Serben und Muslimen so­wie einer großen Anzahl hiesiger Einrichtungen, Heime, Krankenhäuser, Schu­len, Fürsorgestellen u.a. hilft, verhindern die Behörden, die von dieser Hilfe sehr wohl wissen, ohne jede Begründung die dringend notwendige Anlieferung von lebensnotwendigen Gutem und für die vielen Kranken erforderlichen Me­dikamenten und medizinischem Material.
Dies übersteigt wahrlich den gesunden Menschenverstand, aber wir be­kommen trotz unseres Insistierens keine richtige Antwort!
Ich werde nicht nachlassen, auch weiterhin um die erforderliche Geneh­migung für die Anlieferung der Hilfe für die große Zahl gefährdeter Menschen um uns. ungeachtet deren religiöser oder Volkszugehörigkeit, zu ersuchen! Be­sonders bedaure ich, daß man uns nicht gestattet, dringendst erforderliche Nah­rungsmittel und Medikamente zu unseren Gläubigen (im Erzbistum Sarajevo) sowie auch zu anderen Gefährdeten im Bereich einiger Pfarrgemeinden im Usora-Gebiet, d. h. zwischen Doboj und Tesliæ, zu bringen.
6. Schändung von Gräbern und Friedhöfen
Noch eine traurige Tatsache muß ich erwähnen - die sich häufenden Schän­dungen von Gräbern und Friedhöfen in vielen unserer Pfarrgemeinden. Reihen­weise werden steinerne Grabmale von Gräbern unserer Gläubigen fortgeschafft, oft mit Wissen und stillschweigender Billigung der örtlichen Milizorgane. So sind in den Pfarrgemeinden Marija Zvijezda und Petriæevac in Banja Luka und in Barlovci und Trn in der Nähe von Banja Luka sowie ferner in Vrbanjci, Kotor Varo¹, Dragalovci, Prnjavor, Mahovljani und Bosanska Gradi¹ka viele Gräber geschändet und entweiht worden - all dies in jüngster Zeit, von früheren Zerstö­rungen rede ich gar nicht!

Eure Eminenz,
in diesen schicksalhaften Tagen für die katholische Glaubensgemeinschaft im größten Teil meines Bistums Banja Luka ist unser Drama noch nicht abge­schlossen. Obwohl wir seit dem ersten Anfang des uns aufgezwungenen Krie­ges mit allen Kräften bestrebt waren, jedwedem bewaffneten Zusammenstoß aus dem Wege zu gehen und sowohl auf unserer Seite als auf der anderer so viele Menschenleben wie nur möglich zu reiten (was sowohl die serbische als auch die kroatische und die muslimische Seite mir gegenüber anerkennen), muß ich mit meinen Geistlichen und Ordensleuten und meinem völlig entrechteten Volk als Belohnung eine totale Auslieferung an die Gewalt der Gesetzlosigkeit und der unbarmherzigen Vernichtung erleben! Ich frage jeden, der sich für einen Menschen hält: "Sind auch wir Menschen? Haben auch wir hier Anspruch auf die menschlichen Grundrecht?" Das bisherige Verhalten der Machthaber zeigt klar, daß wir diese Rechte nicht haben.
Könnte die katholische Kirche des kroatischen Volkes durch einen Vor­stoß bei den obersten Vertretern der kroatischen Behörden oder der Behörden irgendwelcher anderer einflußreicherer Staaten irgendetwas Konkreteres bewir­ken, damit auch wir hier, als Menschen und als Katholiken, vor Willkür und Anarchie und dem Gesetz der Gewalt und der Dreistigkeit und vor den Hand­lungen derer, die ohne uns Katholiken über die Zukunft dieses Bistums ent­scheiden, geschützt bzw. bewahrt werden?! Ich hege die Hoffnung, daß Sie, Eure Eminenz, unser Kardinal, und auch meine Amtsbrüder, die Bischöfe des kroatischen Volkes und die anderer Völker, uns mit dieser unserer großen Unge­wißheit nicht ganz und endgültig "ad acta" legen werden. Auch bisher haben Sie sich für uns und unseren schweren, aber auch glorreichen Kreuzweg aufrichtig interessiert, und Sie waren für uns der wertvolle "Simon von Kyrene". Ich bitte Sie im Namen aller, denen im Gefolge Christi, unseres göttlichen Anführers, das schwere Kreuz eigener und fremder Sünden aufgeladen wird, uns wie eine "Veronika" das geschwisterliche Tuch in Gestalt der Solidarität im Gebet und in anderer wirkungsvoller Gestalt herüberzureichen, damit wir unser Kreuz zum ewigen Heil der Kirche Christi und vieler anderer Mitmenschen bis zum Gipfel des Kalvarienberges tragen!
Nehmen Sie bitte auch den Ausdruck meiner tiefsten Dankbarkeit und meiner aufrichtigen Hochachtung entgegen.
Ich grüße Sie herzlich - wie auch alle meine Brüder im Bischofsamt - die um Sie versammelt sind - Ihr in Christo dem Leidenden ergebener Bruder

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

HEILIGER VATER, DANKE, DASS SIE UNS NICHT VERGESSEN HABEN!
Schreiben an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. 466A/94 vom 25. August 1994)

Heiliger Vater,
die Glaubensgemeinschaft des Bistums Banja Luka in der vrhbosnischen Kirchenprovinz, die von den Folgen der jüngsten Kriegstragödie auf dem Bo­den von Bosnien und Herzegowina schmerzlich getroffen ist, ist in diesen Ta­gen in besonderer Weise in gemeinsamem Gebet und in gemeinsamer Hoffnung und Freude vereint. Grund ist die Ankündigung Ihres Pastoralbesuchs in das Zentrum unserer Kirchenprovinz - nach Sarajevo, und in das Zentrum der ka­tholischen Kirche unseres kroatischen Volkes - in die alte Stadt Zagreb und das Zagreber Erzbistum aus Anlaß des 900. Jahrestages seiner Gründung.
Wir danken dem gütigen Gott, der es uns ermöglicht, daß wir wenigstens die teilweise Erfüllung "unserer inbrünstigen Bitte, daß Sie unsere Partikular­kirchen besuchen" (aller unserer Bistümer) erwarten dürfen, die wir am 12. Ja­nuar 1993 anläßlich des gemeinsamen Besuchs im Namen der gesamten Kirchen-provinz "ad limina" an Sie gerichtet hatten.
Wir wissen sehr wohl um Ihren aufrichtigen und innigen Wunsch, zu uns zu kommen, dem hiesigen gequälten, aber getreuen Volk besonderen göttlichen Segen und Trost zu bringen und gleichzeitig energisch zu einer Versöhnung beizutragen und das Fundament für den dringend notwendigen gerechten Frie­den für alle Bewohner unserer Heimat zu legen.
Wir wissen ebenfalls, daß Sie sich, ebenso wie in anderen Teilen der Welt, auch in unserer Heimat als unbestrittener moralischer Führer der Mensch­heit unermüdlich und energisch für den Schulz der Menschenwürde und der Menschenrechte eingesetzt haben und einsetzen.
Für all dies sagen wir Ihnen auch bei dieser Gelegenheit unseren tiefemp­fundenen und aufrichtigen Dank.
Die Tatsache, daß Sie betontermaßen auch für die "von schweren und andauernden Verletzungen der menschlichen Grundrechte" getroffene Gemeinschaft der Gläubigen unseres Bistums beständig Sorge tragen und "mit dem Hirten und der Herde des Bistums Banja Luka väterlich verbunden" sind, war für uns eine wertvolle Ermutigung und ein starker Ansporn, die schweren Prüfungen und dramatischen Augenblicke der vergangenen drei Jahre zu überstehen.
Wir sind Gott dankbar, daß wir Ihnen auch bei dieser Gelegenheit bezeu­gen können, wie es uns mit deutlicher Hilfe Gottes gelungen ist, trotz der gro­ßen Gesetzlosigkeit, der verschiedensten Formen der Entrechtung und des über uns gekommenen (und Ihnen nicht unbekannt gebliebenen) Unheils Böses nach wie vor nicht mit Bösem zu vergelten.
Ganz im Gegenteil bemühen wir uns beharrlich, getreu dem Gebot Chri­sti "unsere Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die uns hassen und verfolgen, und für die zu beten, die uns mißhandeln" (Lk 6, 27-28).
Unser konsequentes friedfertiges Verhalten ist unseren Nachbarn, aber auch vielen anderen, die ohne uns über unsere Zukunft entscheiden, bekannt. Durch diese unsere auf dem Evangelium gründende Haltung ist es uns gelun­gen, eine noch größere Katastrophe und Tragödie für die Gemeinschaft unserer Gläubigen und für viele unserer Nachbarn, Angehörige anderer religiöser oder nationaler Gemeinschaften, zu verhindern. Auch weiterhin wollen wir beharr­lich unserem entschiedenen Vorsatz, lieber Unrecht zu ertragen, als anderen Unrecht zuzufügen, treu bleiben!
Auch gegenwärtig herrschen nach wie vor Unrecht und Gesetzlosigkeit! Tagtäglich flehen wir zu Gott, daß er bei denen, die in der Lage sind und die Verpflichtung haben, die Respektierung der menschlichen und bürgerlichen Grundrechte und Freiheiten nicht nur für uns, sondern überhaupt für alle in unserem Raum lebenden Menschen sicherzustellen, eine Erleuchtung des Gei­stes und eine Wandlung des Herzens bewirken möge!
Einigen tapfer die schwere Last des Flüchtlingsschicksals tragenden Zehn­tausend unserer Gläubigen, das ist mehr als die Hälfte der Angehörigen unseres Bistums, gelingt es mit der Kraft des überkommenen und bewährten Glaubens an Christus, den göttlichen Dulder, noch immer, den Anwandlungen der Verbit­terung und des Hasses zu widerstehen. Von ihren Geistlichen ermutigt, suchen und finden sie Trost und seelische Stärke im Gebet und in den gespendeten Sakramenten, immer bemüht, auf diese Weise ihr vielgestaltiges Leid in Segen und den Geist der Feindseligkeit in den der Versöhnung zu verwandeln. Dies ist ihre Vorbereitung auf die Wiederaufnahme eines friedlichen Zusammenlebens mit anderen in ihren uralten Heimstätten, und sie meinen begründetermaßen, daß sie Anspruch darauf haben, daß man sie dorthin zurückkehren läßt.
Heiliger Vater, wir wissen, daß Sie persönlich die Worte "Stärke deine Brüder", die Christus an den ersten seiner Apostel, St. Petrus, richtete (Lk 22, 32), auch im Hinblick auf uns hier im "vergessenen" Bistum Banja Luka, das Sie weder vergessen noch in der Karte der Kirche Christi, der Sie in Seinem Namen vorstellen, gestrichen haben, als Ihre Aufgabe sehen. Wir danken Ihnen dafür von ganzem Herzen! Ein klares Zeichen Ihrer väterlichen Sorge um uns und unsere Zukunft ist auch dieser sehnsüchtig erwartete Besuch Eurer Heilig­keit in Orten unserer nächsten Umgebung, in Zagreb, dem Zentrum uralter Bis­tümer der Kirche der Kroaten, zu dem während mehrerer Jahrhunderte auch der größere Teil unseres Bistums gehörte, und in Sarajevo, im vrhbosnischen Raum, mit dem wir in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten eine kirchliche Einheit bildeten. Wir haben die feste Hoffnung, daß uns der Herr auch angesichts Ihrer Gebete und Ihrer Sorge in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten in diesem unserem historischen Raum weiterhin den Namen Christi rühmen und das wahrhafte Antlitz der katholischen Kirche, zu der wir uns rechnen dürfen, zeigen läßt.
Obwohl wegen der objektiv gegebenen Schwierigkeiten angesichts der Vielzahl von Gläubigen aus anderen Bistümern leider nur ein kleinerer Teil un­serer vielen Vertriebenen Sie aus nächster Nahe wird erleben können, jubeln wir alle Ihnen - wenigstens auf diesem Wege - aus vollem Herzen und ganzer Seele als Christi Stellvertreter zu: "Sei gesegnet, der du im Namen des Herrn kommst, du ersehnter Verkünder von Gottes Gerechtigkeit, Liebe, Hoffnung und Frie­den! Im Gebet und in der Sehnsucht und dem Streben danach, daß das Gesetz Gottes hier bei uns, auf unserem ganzen Kontinent und in der ganzen Welt die Oberhand gewinnt, sind wir mit Ihnen verbunden."
Gleichzeitig bitten wir Sie innig, auch bei dieser Gelegenheit sämtliche Angehörigen unseres Bistums, sowohl all jene, die noch immer in ihren jahr­hundertealten Heimstätten ausharren und dort bleiben wollen, als auch jene, die dorthin zurückkehren wollen, mit Ihrem Gebet im Glauben an die Liebe Christi zu allen Menschen, im Bekennen zum christlichen Glauben gegenüber allen Menschen und in der weiteren unermüdlichen Verfolgung und Festigung der Einheit, der Eintracht, der Liebe und des Friedens im Verhältnis zu allen Men­schen unserer Umgebung zu stärken. Wir bitten Eure Heiligkeit demütig, so­wohl uns als auch alle unsere Mitbürger und Nachbarn zu segnen, damit auch wir selbst füreinander ein Segen sein können!
Ihr Eurer Heiligkeit in Christo ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

EURE HEILIGKEIT, WAS IST JETZT UND WEITERHIN ZU TUN, DAMIT DAS KIRCHENVOLK MEINES BISTUMS ZUM GRÖSSEREN RUHM GOTTES BEITRÄGT?
Schreiben des Bischofs an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 110/94 vom 27. November 1994)

Eure Heiligkeit,
als Bischof von Banja Luka und Suffragan des vrhbosnischen Metropoli­ten danke ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre besondere väterliche Sorge um unsere schwer geprüfte Kirchenprovinz, die Sie bisher so viele Male zum Aus­druck gebracht haben. Auch für die jüngste Geste Ihrer unablässigen Fürsorge für uns, die Ernennung unseres Erzbischofs und Metropoliten Msgr. Vinko Puljiæ zum Kardinal, sind wir Ihnen alle unendlich dankbar.
Anläßlich eines mir in diesen Tagen von Gott gewährten Aufenthalts in der Ewigen Stadt erlaube ich mir, Eurer Heiligkeit in knapper Form über die gegenwärtige Lage in meinem Bistum Bericht zu erstatten.
1. Seit dem Beginn der tragischen Zusammenstöße in Bosnien und Her­zegowina habe ich mich zusammen mit meinen Geistlichen bemüht, auf eine Milderung der Spannung hinzuwirken, indem ich die Gläubigen unermüdlich gemahnt habe, keine Waffe in die Hand zu nehmen und weder das eigene Le­ben, noch das anderer zu gefährden. Mit Gottes deutlicher Hilfe ist es uns so gelungen, blutige Zusammenstöße und Verfolgungen, wie sie sich an anderen Orten zugetragen haben, zu vermeiden.
2. Unser ausgeprägtes und stetiges friedliches Verhalten gegenüber allen unseren Nachbarn, sowohl den Serben, als auch den Muslimen, ist gut bekannt, und dieselben erkennen dies uns gegenüber regelmäßig an. Es ist eine Gnade Gottes, daß wir als Angehörige unseres Volkes und unserer Kirche vor unseren Nachbarn und vor Ihnen, Heiliger Vater, aber auch vor unserem Volk und vor der gesamten internationalen Gemeinschaft mit reinem Gewissen dastehen. Wir wollen lieber Unheil ertragen, als anderen solches zuzufügen, und wir leben danach! Darüber hinaus versuchen wir täglich bewußt, Christi Gebot in die Tat umzusetzen, das uns auffordert: "Liebet eure Feinde; betet für die, die euch verfolgen; tut wohl denen, die euch hassen" (Mt 5. 44..).
3. Ich für meinen Teil habe mich beharrlich bemüht, mit den Bischöfen der serbisch-orthodoxen Kirche sowie mit dem muslimischen Mufti in Banja Luka gute und freundschaftliche Beziehungen herzustellen. Ich konnte errei­chen, daß wir uns mit gemeinsamen Appellen - an unsere Gläubigen und an politische Verantwortungsträger - fruchtbringend dafür einsetzen, daß die ent­setzliche kriegerische Zerstörung nicht noch größer wird.
4. Trotz alledem wird in dem von den Serben kontrollierten Gebiet mei­nes Bistums - das sind fast 80% des Gebiets und der Bevölkerung - planmäßig die ethnische Säuberung betrieben. Bis zur Stunde mußten über zwei Drittel meiner Gläubigen das Bistum verlassen; 50% der Kirchen sind zerstört, obwohl es keine bewaffneten Zusammenstöße gegeben hat; weitere 23% wurden schwer und 20% leichter beschädigt. Zwei Geistliche wurden ermordet, und einer ist nach Gefängnisaufenthalt und Folterungen gestorben, obwohl sie alle laut den Versicherungen der örtlichen Behörden völlig unschuldig waren! Dank der hel­denhaften Haltung der Geistlichen und Ordensleute gibt es hier noch rd. 26.000 Gläubige. Sie sind jedoch völlig entrechtet, weitestgehend entwürdigt, in ihrer Existenz bedroht und ohne jede klare politische Perspektive. Als Bischof muß ich für sie sorgen, und zwar nicht nur auf geistiger Ebene: ich bin der einzige Mensch, der sie schützt, verteidigt und ernährt und für medizinische Hilfe, Kleidung und Schulunterricht sorgt (...) Trotz sehr großen Engagements meiner Caritas, die in letzter Zeit über immer weniger Mittel verfügt, kann ich diesen Menschen eine menschenwürdige Zukunft und den Verbleib an ihren uralten Heimstätten nicht garantieren. Keiner der Politiker - gleich, ob in Sarajevo oder i n Zagreb- hat sich bisher spürbar um uns gekümmert. Es scheint, als ob wir zu niemandem gehören?!!
5. In letzter Zeit zeigen die Vertreter der SPC - der serbische Patriarch Herr Pavle sowie auch die anderen orthodoxen Bischöfe von Bosnien und Kroa­tien - ein größeres Interesse an Zusammenkünften mit unserer Seite und an der Lösung schwieriger Probleme der Gläubigen beider Seiten. Ich bin selbstver­ständlich für alle konstruktiven Aktionen offen! Tagtäglich suchen mich viele hilfesuchende Serben und Muslime auf!!! (...)
6. Ich gestatte mir gegenüber Eurer Heiligkeit die Bitte um Anregungen hinsichtlich der Fragen, was jetzt und weiterhin zu tun ist, damit das Kirchen­volk meines Bistums zum größeren Ruhm Gottes beiträgt und das Bistum qua­litativ und zahlenmäßig wie bisher bewahrt bleibt und hier bei uns der dringend notwendige Geist der Ökumene im Verhältnis zu den orthodoxen Serben und der fruchtbare Dialog mit den bosnischen Muslimen auch weiterhin und noch wirksamer gefördert werden. Bisher haben wir alle, die Geistlichkeit, die Ordens­leute und unser übriges Gottesvolk, gezeigt, daß wir in der Lage sind, mit ande­ren in Frieden zu leben. Ich bitte Sie, helfen Sie uns, damit wir dazu auch zu­künftig in der Lage sind! Ich stehe zur Verfügung, um mündlich konkrete Ein­zelheiten zu erörtern und bestimmte Schritte vorzuschlagen!
Indem ich Sie demütigst um Ihren apostolischen Segen für alle Angehö­rigen meines schwer geprüften Bistums bitte, verbleibe ich im Herrn ergebenst

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

UNSERE LEUTE DIENEN ALS LEBENDER SCHILD
Schreiben des bischöflichen Vikars in Zagreb. Dr. M. Anièiæ, an Msgr. J. Uhaè,
den Sekretär der Kongregation für Glaube n s Verbreitung
(Zagreb, den 21. Dezember 1994)

Eure Exzellenz,
im Namen des Bischofs von Banja Luka, Msgr. Komarica, und in seinem Auftrag informiere ich Sie hiermit über die sehr schwierige Lage im Bistum Banja Luka. Zu all den anderen bisherigen Methoden des Terrors kommt jetzt, daß die Serben in den letzten fünfzehn Tagen fast 300 unserer Zivilisten, Män­ner zwischen 16 und 65 Jahren, verhaftet und in das Kampfgebiet von Glamoè und Bosansko Grahovo verbracht haben. Unsere Männer dienen dort als Schild im Kampf zwischen den Serben und den Kroaten aus dem Gebiet von Livno, und sie werden gezwungen, Waffen in die Hand zu nehmen.
Wir haben erfahren, daß die Männer unter unerträglichen Bedingungen leben und psychischen und physischen Mißhandlungen ausgesetzt sind. Jede Nacht werden Gruppen von ihnen mit unbekanntem Ziel weggebracht. Sie be­schwören uns, dafür zu sorgen, daß sie aus jener Hölle befreit werden.
Die Vertreter von Herceg-Bosna hüben vor einer Woche mit der serbi­schen Seite über einen Gefangenenaustausch verhandelt. Da unsere Männer nicht Militärangehörige irgendeiner der Parteien waren, haben wir von den Vertretern von Herzegbosna verlangt, sich für ihre bedingungslose Freilassung und ihre Heimkehr einzusetzen. Die serbische Seite hat dies auch versprochen, aber bis jetzt nur acht Schwerkranke, für die sie keine Medikamente hatte, freigelassen.
Wir machen uns Sorgen wegen der schwierigen Lage unserer gefangenen Zivilisten in Glamoè und Bosansko Grahovo, aber auch wegen gewisser, wenn auch inoffizieller, Meldungen der serbischen Seite, wonach diese in Gefangen­schaft befindlichen Leute unserer Seile am 23. Dezember ausgetauscht werden. Dies bedeutet, daß die Betreffenden ihr Zuhause aufgeben müssen, und es ist zu erwarten, daß dann auch ihre Familien weggehen müssen. Dies ist für uns völlig unannehmbar. Es ist zu erwarten, daß die Serben mit dieser Praxis fortfahren und uns als Kroaten und Katholiken so vollständig aus diesem Gebiet vertrei­ben.
(...) Wir fordern ständig von unseren Politikern in Bosnien und Herzegowina, bei ihren Verhandlungen mit den Serben die Interessen der katholischen Kroaten in Bosnien und Herzegowina in ihrer Gesamtheit im Auge zu behalten. Dies ist jedoch einigen unserer Politiker weder vom Versland noch vom Gemüt her beizubringen.
Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen im Namen des Bischofs, Msgr. Komarica, der Geistlichkeit, der Ordensleute und der Gläubigen Glückwünsche zum Weih­nachtstest und die besten Wünsche für ein gesegnetes Neues Jahr übermittle und Ihnen herzlich für Ihr bisheriges Eintreten und Ihre Hilfe danke. Ich ver­bleibe mit dem Ausdruck meiner besonderen Hochachtung Ihr in Christo erge­bener

 Dr. Miljenko Anièiæ, bischöflicher Vikar

 anfang der seite

AUSDRUCKLICHER WUNSCH ZWEIER BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE NACH EINEM TREFFEN MIT DEN KATHOLISCHEN BISCHÖFEN KROATIENS
Schreiben des Bischofs an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof und Metropoliten von Zagreb
(Prot. Nr. 2/95 vom 02. Januar 1995)

Eure Eminenz,
anläßlich des Neuen Jahres der Erlösung 1995 wünsche ich von Herzen reichen göttlichen Segen und Trost - Ihnen persönlich und allen Ihrer väterli­chen Fürsorge und Führung anvertrauten Gläubigen der Kirche Christi. Zugleich danke ich Ihnen von ganzem Herzen für die tröstenden Worte voller Hoffnung und Liebe, die Sie mir und allen anderen Menschen in meinem schwer geprüf­ten Bistum zu unserem lieben Weihnachtsfest übermittelt haben. Der Herr möge Ihnen dies hundertfach vergelten!
Ich erlaube mir. Sie über das gestern (unverhoffterweise) am orthodoxen Bischofssitz von Banja Luka erfolgte Treffen mit dem orthodoxen Mitropoliten des Gebiets Zagreb-Ljubljana, Herrn Jovan, und dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, zu informieren.
Gegen Abend hatte mich Herr Jefrem angerufen und mich gebeten, zu ihm zu kommen. Bei ihm befand sich bereits Mitropolit Jovan in Begleitung zweier orthodoxer Mönche aus Italien (einer von ihnen ist Italiener, der andere ein Serbe aus Italien). Die Gespräche dehnten sich über volle zwei Stunden aus. Der Mitropolit sprach lange von seinem kürzlichen Aufenthalt in Zagreb und von der merklich besseren Atmosphäre, die er dabei angetroffen hat, sowie da­von, daß er einen sicheren Ort benötigt, wo er Wohnung nehmen könnte, wenn er nach Zagreb kommt bzw. den innerhalb des Hoheitsgebiets der Republik Kroatien gelegenen Teil seiner Kirchenprovinz besucht, in diesem Zusammenhang trug er die Bitte vor, daß auch ich mich - wenn es irgendwie möglich ist - für sein Ersuchen verwende, ihm die in dem Stockwerk unterhalb des Sitzes der orthodoxen Kirchengemeinde in der Ilica-Straße Nr. 7 gelegenen Räumlichkei­ten zur Verfügung zu stellen, in einem Gebäude, das außerdem Eigentum der SPC ist. Ich habe ihm versprochen, mich schriftlich an den Premierminister der Republik Kroatien, Herrn Nikica Valentiæ, zu wenden und dieses Ersuchen zu befürworten. Eine Kopie des betreffenden Schreibens finden Sie in der Anlage. Nach den Worten meiner beiden Gesprächspartner wäre eine positive Entschei­dung hinsichtlich dieses Problems des Mitropoliten "ein großer und sehr wert­voller Schritt in Richtung auf eine gegenseitige Annäherung und einen Abbau des bisherigen Mißtrauens".
Mitropolit Jovan hat meine Anregung aufgegriffen, wieder auf den "auf Eis gelegten" Wunsch und Entschluß der obersten Vertreter unserer beiden Kir­chen zurückzukommen und die Treffen der bereits auf beiden Seiten gegründe­ten Kommissionen wieder aufzunehmen. Er regt an, daß Sie dem orthodoxen Patriarchen Herrn Pavle eine Wiederbelebung dieser Treffen vorschlagen und daß Sie dies in schriftlicher Form tun, und er möchte sich gern am Tag des H1. Sava, am 27. Januar d. J., mit Bischof Kok¹a in Zagreb treffen, bei welcher Gelegenheit Bischof Kok¹a ihm Ihren an den Patriarchen Pavle gerichteten, schriftlich formulierten Vorschlag übergeben könnte, den er dann persönlich mitnehmen würde. Er sagt auch, daß er bedaure, daß sich bisher keinerlei Tref­fen arrangieren ließ, und daß er ein solches Treffen im Hotel "Grad" in Otoèac für den 08. Mai vorgeschlagen und sogar einen vollen Tag gewartet habe, aber niemand gekommen sei. Er meint jetzt, daß es nicht gut wäre, wenn die Politi­ker den Kirchenleuten hinsichtlich friedensfördernder Kontakte zuvorkämen und sich träfen und miteinander verhandelten, die Kirchenleute aber weiterhin in ihren "Hinterhalten" verharrten.
Ich habe mich bemüht, meinen beiden Gesprächspartnern zur Kenntnis zu bringen, daß unsere Seite immer zu konstruktiven Kontakten bereit gewesen ist, wir aber von der anderen Seite keine adäquaten Antworten erhalten haben. Es hat jedoch keinen Sinn, nur einander vorzuwerfen, wer mehr und wer weni­ger Schuld trägt; vielmehr sollten wir auf die Eingebungen des Geistes, die uns auch über den Heiligen Vater erreichen, hören und mit der nötigen Demut alles in unserer Macht Stehende tun, um gemeinsam für die Heilung der hei den Angehörigen beider Kirchen festzustellenden schweren Verwundungen des Gei­stes und der Seele, die, wie es scheint, viel schwerwiegender als die körperli­chen Verletzungen sind, zu arbeiten und zu beten.
Anders ausgedrückt, obwohl nur Gott allein jedem Menschen ins Herz sehen kann (Ps 44, 22), meine ich persönlich, daß wir diese neuesten Signale der anderen Seite und deren zum Ausdruck gebrachten Wünsche, sich zu tref­fen, zur Kenntnis nehmen und miteinander in Kontakt treten und Gespräche führen sollten, ohne auf irgendwelche anderen "Vermittler" aus Europa zu war­ten. Gott sieht es und gibt seinen Segen!
Nach den jüngsten unseligen Ereignissen, unter denen meine Gläubigen, insbesondere im Gemeindegebiet von Banja Luka, zu leiden hatten, sind unsere Leute von großer Angst und Ungewißheit erfüllt. Von keiner Seite gibt es eine konkrete Zusage, daß die Unseren vor der Willkür einiger hiesiger "Potentaten" geschützt werden. Wir vertrauen auf Gott und darauf, daß Er die Dinge fügt, und selbst tun wir, was wir nur können, um die Menschen zu beruhigen und ihnen irgendeine Hoffnung zu vermitteln, obwohl unsere Gegner unter unseren Gläubigen erhebliche Propaganda betreiben und sie durch Hetze dazu bringen wollen, nicht auf die Geistlichen und den Bischof zu hören.
Tatsächlich geben uns die ganze Zeit nur unser Glaube und unser Vertrau­en auf Gott Halt, und trotz der schwierigen Lage haben wir bisher noch nicht den Mut verloren, und die große Mehrheit ist auch noch nicht in Depressionen und Hoffnungslosigkeit versunken. Gott wird die Dinge fügen, dessen bin ich sicher! Haben Sie nochmals Dank für die Zeichen Ihrer Liebe zu uns, für alle Ihre Gebete und Ihre Fürsorge, mit der Sie uns zur Seite stehen, und Ihre Bemü­hungen, andere dahingehend zu motivieren, daß sie uns nicht den Kräften des Bösen überlassen!
Noch immer haben wir - weder einer der Geistlichen noch ich selbst - die Genehmigung zum Verlassen dieses Gebiets erhallen. Ich hoffe, daß diese Schrei­ben trotzdem in Ihre Hände gelangen! (...)
Mit aufrichtiger Hochachtung grüße ich Sie brüderlich und herzlich! Ihr in Jesu und Maria ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

SCHON VOLLE DREI JAHRE ERTRÄGEN WIR VÖLLIG UNSCHULDIGER WEISE DAS ÜBER UNSER HEIMATLAND HEREINGEBROCHENE UNGLÜCK
Schreiben des Bischofs an Josef Kardinal Tomko, den Leiter der Kongregation für Glaubens Verbreitung
(Prot. Nr. Präs. 44/95 vom 27. März 1995)

Eure Eminenz,
die Gläubigen meines Bistums in Bosnien ertragen bereits volle drei Jah­re das tragische Geschehen des Krieges, der über unser Heimatland hereinge­brochen ist. Wir wollten niemals Krieg und haben nicht gekämpft, aber trotz alledem haben wir Brutalitäten, Ungerechtigkeiten, Morde, Zerstörungen von Eigentum und den Verlust von Menschenlehen durchgemacht. Täglich wird uns Eigentum weggenommen, müssen wir physische und psychische Mißhandlun­gen über uns ergehen lassen und unsere Leute werden gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Orte, in denen wir seit Jahrhunderten ansässig sind.
Dem Schutz, Gottes und der Kraft des Glaubens verdanken wir, daß es uns gelungen ist, nicht bösen Versuchungen des Hasses, des Tötens, der Rache und des Zerstörens zu unterliegen. Wir ertragen vielmehr das Unrecht. Wir ver­suchen, das Gebot Christi, das Gebot der Liebe und der Vergebung gegenüber denen, die uns Böses antun, zu verkünden und beharrlich danach zu leben.
Viele unserer kirchlichen Gebäude (Kirchen, Seelsorgezentren, Pfarrhäu­ser) sind vollständig zerstört oder schwer beschädigt, obwohl es in unserem Gebiet keine kriegerischen Zusammenstöße gegeben hat. Drei Viertel der Gläu­bigen unseres Bistums wurden verjagt oder vertrieben. Der Exodus unserer Brüder und die ihnen zugefügten Mißhandlungen gehen täglich weiter. Wir haben den Eindruck, daß uns tatsächlich eine schwere Strafe auferlegt worden ist und daß uns die Mächtigen dieser Welt, die eigenen wie die anderer Länder, zum Tode verurteilt haben. Von den Politikern will uns keiner schützen.
Nicht einmal die Standhaftesten und Zähesten von uns können dies län­ger aushallen. Wohin sollen wir aber gehen, wenn uns niemand haben will? Die Geistlichen und die Ordensleute, die ich hier habe, sind unter großen Opfern bei den Gläubigen geblieben und tun alles, um diesen zu helfen.
Es ist uns bewußt, daß wir keinen Exodus der Gläubigen, einen Exodus in ein unbekanntes Land, organisieren können, aber wir können die Gläubigen nicht mit Gewalt halten, denn sehr viele von ihnen wollen weggehen. Wir haben schon unzählige Male wiederholt, wie sehr uns das Volk, das derart Schlimmes durchmacht, leid tut.
Für uns ist es eine große Hilfe, wenn dann und wann jemand kommt und uns besucht, besonders, wenn es sich um Persönlichkeiten der Kirche handelt. Leider sind solche Besuche nicht so sehr zahlreich. Wir hoffen zumindest, daß die Menschen der Kirche willens sind, durch Zeichen christlicher Solidarität an unserer großen und schwerwiegenden Prüfung Anteil zu nehmen.
Dürfen wir an Eure Eminenz die Bitte richten, trotz Ihrer vielen Ver­pflichtungen und Aufgaben auch für uns einige freie Tage zu erübrigen und uns zu besuchen, ehe es zu spät ist
Tagtäglich vergießen wir Blut. Wenn die Lage sich nicht bald ändert, könnte es für uns, die wir keinerlei Schutz haben, zu spät sein.
Unser Bistum wird verschwinden, obwohl wir niemandem etwas zuleide getan, niemanden vertrieben und niemanden bedroht haben. Wir können nicht glauben, daß es so sein muß, daß dies Gottes Wille ist. Wir glauben im Gegen­teil, daß wir es mit sträflicher Handlungsweise zu tun haben, dem Tatbestand der Unterlassung auf selten derer, die nicht geholfen haben, als sie dies konnten.
Uns bleibt die Aufgabe, uns bittend an alle unsere Brüder, insbesondere an unsere Brüder im Glauben, zu wenden und ihre Aufmerksamkeit auf unsere dramatische Situation zu lenken. Gott hat uns nicht vergessen! Aber die Brüder?
Ich garantiere Ihnen, daß für Sie als Leiter unserer Kongregation, als un­ser kirchliches Oberhaupt, keinerlei Gefahr bestünde, falls Sie uns zu besuchen wünschen.
Wir bitten unseren gütigen Gott darum, daß Er Eure Eminenz so bald wie möglich zu uns kommen läßt, denn für uns ist jeder einzelne Tag sehr wichtig.
Wir danken Ihnen für alles, was Sie bis jetzt für uns getan haben, für Ihre Fürsorge und für die uns geleistete Hilfe, und wir werden den Herrn in unseren Gebeten bitten, Sie auf allen Ihren apostolischen Reisen zu beschützen.
Ich schließe mit dem Ausdruck meiner tiefen Verehrung und brüderlichen Liebe in Christo und grüße Sie herzlich

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

VERWENDEN SIE SICH DAFÜR, DASS DIE BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE DIE GENEHMIGUNG ZUM BESUCH DER ORTHODOXEN BISTÜMER IN KROATIEN ERHALTEN!
Schreiben des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 45/95 vom 28. März 1995)

Eure Eminenz,
trotz der Blockade des Kommunikationssystems möchte und muß ich mich wenigstens mit einigen Worten an Sie wenden.
Vergangenen Donnerstag war ich mit drei Geistlichen in den zum vrhbosnischen Erzbistum (Sarajevo) gehörenden Pfarrgemeinden Bijeljina und Brèko. In diesen Gemeinden befinden sich laut inoffiziellen Angaben jeweils noch einige Hundert Gläubige. Nach drei Jahren sollten wir zum ersten Male wieder eine Messe zelebrieren und die Sakramente spenden. Für unser Kom­men hatte sich auch der orthodoxe Bischof für den Bereich Zvornik-Tuzla, Herr Vasilije Kaèavenda, eingesetzt. Auf sein Drängen hin hatten wir die Genehmi­gung zum Kommen erhalten, und außerdem hatte man "amtlich" veranlaßt, daß heruntergefallener Putz, Müll und zerbrochenes Fensterglas aus den Kirchen entfernt wurden, und es waren sogar neue Türen eingesetzt worden...
Wegen der derzeitigen Offensive und der vielen Toten und Verwundeten in Bijeljina wagten unsere Gläubigen nicht, sich in die Nähe der Kirche zu begeben, von einem Besuch der Messe ganz zu schweigen. Der orthodoxe Bi­schof hatte wegen der sehr gespannten Lage i m letzten Moment unseren Besuch absagen wollen, aber die Telefonleitungen sind unterbrochen. Ich war bei ihm. Er wirkte sehr deprimiert. Wir unterhielten uns über die Notwendigkeit einer Begegnung der Kirchenvertreter. Er zögerte mit der Antwort. Er sagte, daß auch sie bald ihr Treffen haben und besprechen werden, ob und wann sie mit uns zusammentreffen, er denkt an BiH. Er hat mich aber gebeten. Ihnen den Wunsch zu übermitteln, daß orthodoxe Bischöfe aus dem Gebiet von Kroatien die Ge­nehmigung erhalten, das Gebiet ihrer Bistümer zu besuchen. Zwei orthodoxe Bischöfe, der von Pakrac, Herr Lukijan, und ein weiterer, ich glaube, ein austra­lischer, sind vom Heiligen Synod beauftragt worden, das Gebiet der in Kroatien gelegenen orthodoxen Bistümer zu besuchen. Wie er mir versicherte, haben diese beiden Bischöfe keine Einreisevisa erhalten. Er würde persönlich gern nach Slavonski Brod fahren, um das Grab seiner kürzlich verstorbenen Mutter zu besuchen, aber er bittet, daß man sich zuerst um eine Genehmigung für die genannten Bischöfe bemühen möge, erst danach würde er sein eigenes Gesuch einreichen. Er erwartet von mir und von Ihnen, daß Sie sich bei den Behörden in Zagreb für das Besuchsanliegen der beiden orthodoxen Bischöfe einsetzen.
Sie, Eure Eminenz, werden sehen, was Sie erreichen können, zum Ruh­me Gottes und der Ausbreitung von Christi Reich!
Ich schließe Sie in meine Gebete ein und verbleibe mit einem herzlichen Gruß

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

VERTREIBUNG AUCH DER LETZTEN ORDENSSCHWESTERN AUS DEN KLÖSTERN IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC UND NOVA TOPOLA
Schreiben an die Oberin der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove".
Schwester Tarzicija Medven (Prot. Nr. 306/95 vom 06. Mai 1995)

Sehr geehrte Schwester Tarzicija,
1. Was vor zwei Tagen, am 04. Mai d. T., mit den Ordensschwestern der Klöster Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola geschehen ist, wurde Ihnen von den Schwestern bereits mitgeteilt, und wir haben auch mündlich die nötig­sten Informationen ausgetauscht. Gott sei Dank, daß alles gut ausgegangen ist, wie ich zu meiner Beruhigung von Ihnen persönlich und von meinem Vikar in Zagreb, Dr. Miljenko Anièiæ, und Seiner Eminenz Franjo Kardinal Kuhariæ, die von den Schwestern informiert wurden, erfahren habe.
Da das Leben der Kirche auch in diesem Gebiet weitergehen muß, ist es erforderlich, daß wir uns jeweils im Rahmen unserer Rolle und unserer Voll­machten mit der Frage befassen, wie wir dazu beitragen können, daß das Leben und die Tätigkeit der Kirche sich so fruchtbar wie möglich gestalten. Ich halle es daher für notwendig, Sie über die augenblickliche Situation in den erwähnten Klöstern zu informieren.
2. Zunächst jedoch gebe ich Ihnen die völlig falsche, angeblich vom Religionsminister der RS, Herrn Dragan Davidoviæ, stammende Nachricht zur Kenntnis - daß die ehrwürdigen Schwestern auf eigenes Verlangen auf das Ho­heitsgebiet der Republik Kroatien übergesetzt worden sein sollen und daß er angeblich dem Bischof (!) darüber berichtet hat. Wie mir bekannt ist, haben dies auch einige internationale Agenturen als wahre Tatsache verbreitet, aber es han­delt sich in Wirklichkeit um eine große Lüge! Ich bitte daher darum, daß die Schwestern ein Dementi formulieren und es an die erreichbaren Agenturen IKA und HINA (die es dann hoffentlich weitergeben) schicken, und an uns, damit wir es an die hiesigen Institutionen weiterleiten können.
3. Laut den Informationen, die ich während meines "Hausarrests" be­kommen konnte, kommen in das Kloster Nova Topola mit Wissen und Geneh­migung der örtlichen Behörden von Bosanska Gradi¹ka eine Ambulanz und ein Krankenhaus für kranke Flüchtlinge aus Westslawonien. Tm Kloster sind jetzt ein Arzt und zwei Krankenschwestern. Herr Stipo ist dort gewesen; er hat sich vorgestellt und hat geholfen, die Schlüssel für die Schlösser usw. zu finden. Er berichtet, daß man sich ihm gegenüber gut benommen habe. Herr Ðuro küm­mert sich nun um das Klostergut, die Tiere und den Garten. Herrn Stipo wurde gesagt, daß er alle Sachen der Schwestern in Schachteln verpacken und sie an einem bestimmten Ort bereitstellen solle. Wir bemühen uns, das Heilige Altar­sakrament wegzubringen. Bis auf weiteres kann in der dortigen Kirche keine Messe zelebriert werden. Mir, den Geistlichen und den Ordensschwestern ist es nicht gestattet, das Kloster aufzusuchen.
In meinem gestrigen Schreiben an den Religionsminister der RS, Herrn Davidoviæ, habe ich darum gebeten, eine möglichst rasche Kontaktaufnahme mit den Amtspersonen der Gemeinden Bosanska Gradi¹ka und Lakta¹i, die die genannten Klöster widerrechtlich übernommen haben, zu ermöglichen. Eine Kopie des Schreibens erhalten Sie anliegend.
4. Trotz meiner zahlreichen Interventionen war es erst heute mittag mög­lich, Bosanski Aleksandrovac aufzusuchen. Schw. Melitta, Schw. Xaveria, Hochw. Dr. K. Vi¹aticki, Hochw. Blahomir Prucha, Bruder Dujo Ljevar und Herr Jovo Turanjanin, der stellvertretende Religionsminister und Polizeikommandant von Lakta¹i sind hingefahren. Es gibt Informationen, wonach das Kloster offen­gestanden hat, und niemand hat es bis heute bewacht. Herr Rudi kümmert sich um das Vieh, eine Nachbarin der Schwestern (Frau Peæar) melkt die Kühe, und zwei Wächter bewachen das Kloster, das jetzt verschlossen ist. Eine Inspektion des Klosters war nicht möglich, aber es scheint, daß in den Zimmern alles in Ordnung ist. Die Ortsverwaltung Bosanski Aleksandrovac wurde von der Ge­meinde Lakta¹i beauftragt, sich um das Kloster zu kümmern. Am Montag wird angeblich zu erfahren sein, was weiter geschieht. Die für das weitere Schicksal des Klosters zuständigen Schlüsselpersonen sind der Vertreter des Militärs, Herr Milorad Vrhovac, Militärbereichschef in Lakta¹i, der Vertreter der Gemeinde, Herr Stevo Joviæ, Bürgermeister von Lakta¹i, und der Gemeindevorstand von Bosanski Aleksandrovac, Herr Stojan Lukaè.
5. Sie bitte ich um die nötigen Anweisungen hinsichtlich Ihrer Wünsche, Absichten, Forderungen usw. zur Frage der Zukunft dieser beiden Klöster, da­mit ich bei allen zukünftigen Gesprächen mit Behördenvertretern und im Zusammenhang mit Forderungen und Plänen entsprechend im Bilde bin. Eben­falls erwarte ich, daß Sie eine oder mehrere der hiesigen Ordensschwestern be­nennen, die im Namen der Provinzialverwaltung mit allen Vorkommnissen in Zusammenhang mit diesen beiden Klöstern ständig auf dem lautenden sein wer­den.
Ich werde mich bemühen, Sie regelmäßig über alle Entwicklungen be­züglich der Klöster und anderer Schwesterngemeinschaften zu unterrichten, und ich erwarte, daß uns bald jemand von Ihrer Verwaltung bzw. Generalverwaltung einen Besuch abstattet.
Gestern habe ich entsprechend der mit Ihnen getroffenen Vereinbarung ein Fahrzeug und einen Geistlichen geschickt, um die Schwestern der Pfarrei ©imiæi zu ihrer Sicherheit in das Kloster "Nazareth" und ins Ordinariat bringen zu lassen. Sie haben nicht Folge geleistet, wobei sie als Begründung anführten: "Wenn der Bischof sich nicht sicher fühlt, kann er sich zu uns in Sicherheit begeben". Ich nehme an, daß die Lage in jenem Gebiet derzeit nicht so drama­tisch ist, daß sie sich in Sicherheit bringen müssen. Wenn die Lage schlimmer wird, werde ich verlangen, daß sie sich "an einen sicheren Ort" begeben.
In Erwartung Ihrer baldigen Antwort verbleibe ich mit herzlichen Grü­ßen.
Ich möchte Sie bitten, unsere ältesten "Vertriebenen" besonders zu grü­ßen und ihnen zu sagen, daß wir sie nicht vergessen! Der Herr möge sie und überhaupt Sie alle segnen!
In Christo Ihr

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 Schreiben übermittelt an:
die Generalverwaltung der Schwesterngemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
den Apostolischen Nuntius in BiH - Rom
den Vorsitzenden der BK BiH, Vinko Kardinal Puljiæ - Sarajevo

 anfang der seite

HEILIGER VATER, UNSERE AGONIE ERREICHT IHREN HÖHEPUNKT!
Schreiben des Bischofs an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 64/94 vom 13. Mai 1995)

Heiliger Vater,
in diesen Tagen der neuesten sehr schweren Prüfung der gesamten Fami­lie des mir anvertrauten Bistums sind die Gebete und die Hilfe Eurer Heiligkeit und die enge Solidarität des Heiligen Stuhls für uns besonders wertvoll.
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für die jüngsten uns allen hier im Bistum Banja Luka zuteil gewordenen Zeichen Ihrer väterlichen Fürsorge und Ihrer Liebe anläßlich der völlig grundlosen Vertreibung unserer Ordensschwe­stern aus ihren alten Klöstern in Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola, der Zerstörung von Kirchen in Petriæevac, Vujnoviæi, ©argovac und Majdan sowie eines uralten Franziskanerklosters, der Vertreibung von Franziskanerbrüdern, der Mißhandlung von Ordensleuten und des gewaltsamen Todes des betagten kranken Ordensbruders und Geistlichen Alojzije Atlija, aber zugleich habe ich Ihnen in frischem Schmerz bereits wieder von einem soeben auf uns niederge­gangenen Schlag, einer neuen Heimsuchung. Mitteilung zu machen.
Es handelt sich um den gewaltsamen Tod und die anschließende Verbren­nung in den Räumen des Pfarrbüros der Pfarrei Banja Luka - Presnaèe, wo sich auch das Heiligtum des Bistums "Hl. Theresa des Jesuskindes" befindet, und zwar des Pfarrers und Hüters des Heiligtums, Hochw. FILIP LUKENDA, und der Seelsorgemitarbeiterin, einer Ordensschwester der Gemeinschaft des Hl. Vinzenz von Paul, Schwester CÄCILIA GRGIÆ, am Freitag, dem 12. Mai 1995, in den frühen Morgenstunden. (Die andere Seelsorgemitarbeiterin, Schwester Agnes, hatte sich zu dem Zeitpunkt wegen Erkrankung im Kloster aufgehalten). Das Seelsorgezentrum wurde niedergebrannt, und die neue großartige Pfarrund Wallfahrtskirche völlig zerstört.
Erst jetzt haben wir vollständige Nachrichten über den Märtyrertod die­ser sehr wertvollen und getreuen Gesandten im Acker des Herrn, wahren Zeu­gen des Glauben an Christus und der Treue zu Seiner Kirche. Wie auch alle anderen Geistlichen und Ordensleute meines in der Tat sehr hart geprüften Bis­tums waren Pfarrer Filip und Schwester Cäcilia entschlossen in ihrer Aufopfe­rung - "selbst wenn das eigene Blut vergossen werden muß" - für die ihrer Fürsorge und Liebe anvertrauten Gläubigen, aber auch für alle anderen, Nicht­katholiken, die sie um geistliche oder materielle Hilfe baten. Für diese beiden jüngsten Opfer, diesen Pfarrer und diese Ordenschwester, kann ich ebenso wie für die anderen früher getuteten Geistlichen meines Bistums (es sind vier) bezeugen, daß sie ohne Unterschied wirklich völlig unschuldige Opfer sind, die in Liebe und Treue zu Gott und in Hingabe für die ihnen in der Kirche Christi aufgetragene Mission ihr Leben gegeben haben.
In letzter Zeit beobachten wir besonders, wie die Worte Christi: "Ich wer­de den Hirten erschlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen" (Mk 14, 27) sich konkret bewahrheiten. Man will unsere Gläubigen um jeden Preis führerlos machen, indem man ihre Hirten tötet und mißhandelt und ihre Kirchen, Klöster und Seelsorgezentren zerstört. Man hat den Eindruck, daß dies alles wahrhaftig das Werk des Satans ist. Unsere Gläubigen sind sehr bedrückt und verstört, weil die an ihnen verübten Gewaltakte kein Ende nehmen und weil ihre Zukunft völlig ungewiß ist. Ihr einziger Halt sind die ständige Gegenwart und die Liebe der Geistlichen und der Ordensleute, und wie man sieht, will man auch diese gewaltsam vertreiben und liquidieren. Auch wir könnten mit den Worten der Klagelieder (Klgl 5, 2.5.7.8.10) unser Leid hinausweinen, aber wir dürfen es nicht! Sie, Heiliger Vater, sollen aber wissen, wenn es Gottes Wille ist, daß es zusätzlich zu all den bisherigen Opfern und Heimsuchungen noch zu weherem Blutvergießen auf seilen unserer wirklich friedfertigen Gläubigen, Geistlichen und Ordensleute und auch des Bischofs selbst kommt - versichern wir Ihnen, daß wir getreu verharren in Christi Gebot der Vergebung, Versöhnung und Lie­be. Wir alle, die wir noch immer hier, in unserer jahrhundertealten Heimat sind, wobei wir niemandem etwas zuleide tun, sondern sogar Böses mit Gutem ver­gelten, glauben, daß Christus uns eben gerade hier braucht, als seine Zeugen und Gesandten in seinem Weinberg. Wir können nicht wahrhaben, daß unsere orthodoxen Brüder, die hiesigen serbischen (und einige andere) Politiker, uns in diesem Gebiet, wo wir als (kroatische und andere) Katholiken schon über ein Jahrtausend präsent sind und wo wir uns unbeirrt bemühen, mit allen Menschen der Umgebung in Frieden, Eintracht und Liebe zu leben, wirklich ausrotten wollen.
Trotz häufiger Stürme unterschiedlichster Art, deren Zerstörungswerk bis an die Wurzeln unserer katholischen Präsenz in diesem Gebiet ging, was auch jetzt der Fall ist, wage ich, auf die gesamte Gemeinschaft meines Bistums die Psalmworte anzuwenden, die da lauten: "Man stößt mich, daß ich fallen soll, aber der Herr hilft mir. Der Herr ist meine Stärke und mein Lied, er ist mein Retter. Der Herr züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis" (Ps 118, 13-14.18).
Heiliger Vater, dies sind wirklich schicksalhafte Tage für uns, die Katho­liken des Bistums Banja Luka, und für unsere Zukunft in diesem Gebiet! Unse­re Agonie, die bereits drei volle Jahre andauert, erreicht jetzt, wie es scheint, ihren Höhepunkt. Wir fragen uns wirklich, ob uns denn von den einflußreiche­ren Persönlichkeiten der humanen, zivilisierten Welt wirklich niemand helfen will? Während wir uns in unseren Gebeten mit aller Inbrunst der Güte und dem Schutz Gottes empfehlen, rufen wir zugleich zum wer weiß wievielten Male voller Hoffnung auch unsere Brüder der gleichen Kirche Christi an, uns mit Gebet und Taten zu helfen, damit wir im Kampf gegen das Böse, das auch unsere Herzen übermannen und über uns ganz triumphieren will, nicht ermüden und der Ruhm Gottes durch unsere Standhaftigkeit noch größer wird und mög­lichst viele Menschen Seine Güte und Seine Bereitschaft zur Vergebung ken­nenlernen und ihre Seelen retten können.
Im Namen aller Geistlichen, Ordensleute und übriggebliebenen Angehö­rigen der Gemeinschaft meines Bistums, die ihren bitteren Karfreitag durchle­ben, und von mir persönlich sage ich Ihnen von ganzem Herzen Dank für Ihre wahrhaft große und väterliche Liebe, Ihre Gebete und Ihren Segen. Wir alle bitten Sie demütig, uns auch in Zukunft in Ihren apostolischen Segen einzu­schließen.
Eurer Heiligkeit im Herrn, dem Guten Hirten, aufrichtig ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

AUCH WEITERHIN VERNICHTEN UNS DIE ZERSTÖRERISCHEN KRÄFTE DES BÖSEN
Schreiben des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. F. Monterisi
(Prot. Nr. 596/95 vom 25. August 1995)

Eure Exzellenz,
in diesen dramatischen Tagen gibt es aus unserem Bistum tagtäglich neue und leider nur tragische Nachrichten.
Aus den meisten unserer verbliebenen Pfarrgemeinden des Großraums Banja Luka mußten in den letzten zehn Tagen fast alle Gläubigen weggehen. Im Gemeindegebiet von Prijedor, in den Pfarrgemeinden Prijedor, Ljubija, ©urkovac und Ravska, waren jeweils noch einige Hundert verblieben, die in den letzten Tagen mit einigen Bussen abtransportiert wurden. Jetzt sind die Gemeinden Sanski Most und Mrkonjiæ Grad an der Reihe.
Unsere Pfarrer haben gestern und heute sehr unangenehme Stunden durch­lebt. So wurde der Pfarrer und Dekan von Mrkonjiæ Grad, Hochw. Adolf Vi¹aticki, auf Anordnung der Gemeindebehörden gewaltsam aus seiner Pfarrwohnung vertrieben, in der nach der Zerstörung der Pfarrkirche auch Räume für den Got­tesdienst und die Caritas der Pfarrgemeinde eingerichtet worden waren. Er wur­de buchstäblich auf die Straße gejagt. Er befindet sich noch immer unter seinen Gläubigen, für die er - wie alle unsere Geistlichen - in all diesen Tagen der einzige Trost ist. Wie wir erfahren haben, hatte er noch andere Unannehmlich­keiten. Möge der Herr ihm auch weiterhin beistehen.
Gestern hatte auch der Pfarrer von Kotor Varo¹, Bruder Ivan Franjiæ, in seiner Gemeinde Unannehmlichkeiten mit den dortigen örtlichen Amtsperso­nen, und dies nicht zum ersten Mal. Alles hat jedoch auch seine Grenzen. Er hatte zu einem früheren Zeitpunkt die Gefängnisfolter durchgemacht, und es ist keineswegs verwunderlich, daß er jetzt nicht mehr in der Lage ist, auf seinem Posten durchzuhalten. Der Rest der Gläubigen jener einstmals großen Pfarrge­meinde muß in diesen Tagen seine Heimat verlassen und den anderen ins Exil folgen.
Wir erfahren soeben, daß heute nacht das noch nicht fertiggestellt gewe­sene Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Prijedor, das auch für religiöse Zusammenkünfte und die Verteilung der Caritas-Hilfe gedient hatte, mit schwe­rem Gerät zerstört worden ist. Ich weiß nicht, was alles mit dem dortigen Pfar­rer Hochw. Tomislav Matanoviæ geschehen ist, aber ich werde alles tun, um dies baldigst zu erfahren.
Die zerstörerischen Kräfte des Bösen zerstören auch weiterhin die dem Frieden dienende Präsenz, der Kirche Christi in diesem Gebiet! Möge Gottes Wille geschehen! Ich verbleibe mit einem brüderlichen Gruß, hochachtungsvoll

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

ALLE UNSERE HIESIGEN PFARRGEMEINDEN WERDEN PLANMÄSSIG DURCH GEWALTSAMES UND WIDERRECHTLICHES VORGEHEN AUSGEMERZT
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreb, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 119/95 vom 28. August 1995)

Eure Eminenz,
volle zwei Wochen sind verstrichen, seit ich Ihnen zum letzten Male schrift­lich über die derzeitige Lage der Katholiken meines Bistums im Großraum Banja Luka berichtet habe. Diese beiden Wochen zusammen mit der jetzt beginnenden dritten werden in die Geschichte als die für die Angehörigen der katholischen Kirche dieses Gebiets dramatischste Periode der letzten drei Jahrhunderte ein­gehen. Was den Katholiken in den letzten zwei Wochen widerfahren ist - eine radikale Massendeportation von ihren jahrhundertealten Heimstätten - haben sie seit den Zeilen der Wiener Kriege Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr durchgemacht! Soweit ich unterrichtet bin, werden alle unsere hiesigen Pfarrge­meinden des Dekanats Banja Luka eine nach der anderen gewaltsam völlig aus­gemerzt: Petriæevac, Motike, Barlovci, Ivanjska, ©imiæi, Stratinska, Presnaèe, Bud¾ak und "Marija Zvijezda" - die Trappistengemeinde, und in der zentralen Pfarrgemeinde gibt es, soweit wir erfahren haben, noch ein paar Hundert Katho­liken. Im Dekanat Prnjavor sind die Gemeinden Sokoline, Vrbanjci und Kula¹i völlig leer, in der Gemeinde Dragalovci und der einstmals großen Gemeinde Kotor Varo¹ ist noch eine sehr kleine Anzahl Katholiken verblieben, und nur noch einige Hundert in der Gemeinde Prnjavor.
Im Dekanat Bosanska Gradi¹ka gehen in diesen Tagen die letzten übrig­gebliebenen Gläubigen der Pfarrgemeinden Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac weg, während sich in der Pfarrgemeinde Trn in der Nähe von Banja Luka noch ein paar Dutzend Gläubige aufhallen. In den vergangenen Tagen haben die hiesigen Zivilbehörden (bzw. das hiesige Rote Kreuz) mit der Registrierung und der Deportation der Gläubigen der Pfarreien des Dekanats Prijedor: ©urkovac, Ljubija, Prijedor, Ravska sowie Sanski Most und Sasina, begonnen. Die Pfarrgemeinden Bosanska Dubica, Bosanska Kostajnica und Bosanski Novi sind schon früher verödet.
Wie es um die letzten verblichenen Reste unserer Gläubigen des Dekanats Jajce aus den verbliebenen Pfarrgemeinden Mrkonjiæ Grad, Kljuè und Liskovica steht, ist völlig unklar!
Zwischenzeitlich ist in der Nacht vom 18. auf den 19. August die große Pfarrkirche "Himmelfahrt der Gebenedeiten Jungfrau Maria" in Sanski Most, die einzige noch vorhanden gewesene Kirche in der gesamten dortigen Gegend, durch Sprengung zerstört worden. Obwohl es sowohl an Treibstoff als auch an schwerem Gerät mangelt, hatte man Treibstoff und Maschinen zur Verfügung, um das zerstörte Gebäude in den letzten Tagen vollständig zu beseitigen und sogar seine Fundamente aus dem Boden zu graben! In der Nacht vom 24. auf den 25. August wurde dann der junge Pfarrer Tomislav Matanoviæ aus seinem Pfarrbüro geholt und "an einen sicheren Ort" gebracht, und in derselben Nacht wurde das große (noch nicht fertiggestellte) Seelsorgezentrum, in dem nach der im September 1992 erfolgten Zerstörung der Pfarrkirche St. Josef die regulären Gottesdienste stattgefunden hatten, mit schwerem Gerät zerstört, und die Über­reste wurden anschließend beseitigt. Pfarrer Matanoviæ befindet sich noch im­mer in Hausarrest in seinem Elternhaus, das, wie auch die Pfarrwohnung, voll­ständig ausgeplündert worden ist!
In Mrkonjiæ Grad wurde am 25. d. Mts. "auf Anordnung der Gemeinde­behörden" der Pfarrer und Dekan Hochw. Adolf Vi¹aticki aus seiner Pfarrwohnung vertrieben. Da in den Kellerräumen des Hauses für die verbliebenen Gläubigen des Ortes ein Raum für den Gottesdienst hergerichtet war, haben dieselben nun­mehr keinerlei Möglichkeit für religiöse Zusammenkünfte. Auch Pfarrkirchen sowie Pfarrwohnungen (und Wirtschaftsgebäude) in den Gemeinden Motike, Barlovci, Kula¹i und Stratinska sind in den letzten Tagen verwüstet und ausge­plündert worden.
Wir fürchten, daß auch mit unseren anderen verbliebenen kirchlichen Gebäuden Ähnliches geschieht. Die katholische Kirche wird in diesem Gebiet planmäßig und vollständig ausgerottet, obwohl ihre Angehörigen diese ganze unglückselige Zeit über beharrlich waren in Friedfertigkeit, Vergebung und Lie­be gegenüber ihren Widersachern.
Wegen dieser Entwicklung der Dinge sind nun auch unsere Geistlichen, die unter zahllosen persönlichen Opfern und ständiger Gefahr für ihr eigenes Leben bei den ihnen anvertrauten Menschen geblieben waren, de facto gezwun­gen, ihre verödeten Pfarreien zu verlassen und sich auf den gleichen Weg zu begeben wie fast alle unsere Gläubigen - ins Exil.
In den letzten Tagen hat man in den hiesigen öffentlichen Medien unsere Geistlichen bzw. die katholische Kirche wiederholt beschuldigt, die Aussied­lung unserer Gläubigen aus Heim und Pfarrgemeinde zu organisieren. So schreibt das Blatt "Kozarski vjesnik" in Prijedor auf Seite 2 seiner Ausgabe vom 25. August 1995 unter anderem folgendes: "Die Rede ist von neuen Intrigen des katholischen Klerus aus der Kuhariæ - Kanzlei... Sie (d.h. die Geistlichen) sind vom allerhöchsten Kapitel angewiesen worden, ihre Pfarrgemeinden und ihre Wohnorte unverzüglich und augenblicklich, oder wie sie es ausdrücken, aus gegebenem Anlaß zu verlassen. Dies ist wieder einer der schmutzigen Tricks des erhabenen Herrn Franjo Kuhariæ, denn mit der Aufgabe ihrer Kirchengemeinden bringen die Geistlichen katholischer Provenienz die verbliebene ka­tholische Bevölkerung in Richtung 'ihres Schönen' auf die Beine."
Ähnliches wird auch in Prnjavor und in Kotor Varo¹ öffentlich gesagt (...). In diesen drei Jahren haben wir schon viele Male ähnliche Unterstellungen uns gegenüber gehört. Wir haben das alles ertragen, da wir uns bewußt waren, daß wir Diener Christi, des am meisten Gepeinigten, sind, der erniedrigt, ent­rechtet, bespuckt, ausgestoßen und niedergetreten wurde. Dankbar für Seine große Barmherzigkeit sind wir auch weiter bereit, da, wo Er uns in Seiner Kir­che braucht, mit allen Kräften für Sein Reich zu wirken!
Abgesehen von einer Gruppe Ordens- und Diözesangeistlicher, die be­reits vor einer Woche im Gefolge einer Anzahl von Gläubigen weggegangen sind, schickt sich auch in diesen Tagen eine weitere Gruppe an, unser Gebiet bzw. unser Bistum zu verlassen (wir hoffen, daß es nur ein vorübergehender Weggang ist).
Abgesehen von der Angelegenheit der Franziskanerbrüder, bezüglich welcher ich deren Provinzialoberen, den hochgeehrten Bruder Petar Anðeloviæ, gebeten hatte, sie weiterhin für die Gemeindeseelsorge einzuteilen und den ört­lichen Bischof um die erforderliche rechtliche Regelung zu ersuchen, erlaube ich mir, Eurer Eminenz die Namen meiner bereits bei Ihnen eingetroffenen bzw. i n den kommenden Tagen im Gebiet Ihres Erzbistums eintreffenden Geistlichen zur Kenntnis zu geben. Gleichzeitig bitte ich Sie, in Absprache mit meinem für vertriebene und geflüchtete Kondiözesane zuständigen Vikar, Hochw. Dr. Miljenko Anièiæ, und dem Generalvikar Hochw. Dr. Anto Orlovac, die Mög­lichkeiten des Einsatzes der Geistlichen in der seelsorgerischen Arbeit unter unseren Gläubigen, die jetzt (und früher) im Raum Ihres Erzbistums eintreffen, zu erörtern und die erforderlichen Verfügungen auszuhändigen.
Hier führe ich die Geistlichen auf: Hochw. Dr. Anto Orlovac, Hochw. Blahomir Blago¹ Prucha, Hochw. Berislav Grgiæ, Hochw. Josip Jerkoviæ, Hochw. Bo¾o Pinjuh, Hochw. Milan Begiæ, Hochw. Vladimir Tomiæ, Hochw. Anto Marijan, Hochw. Marijan Stojanoviæ und Hochw. Kazimir Vi¹aticki. Wer von ihnen im Gebiet Ihres Erzbistums bleiben wird, kann ich jetzt noch nicht sagen! Man wird sehen!
Eure Eminenz, wir alle, die wir in unserem Bistum Banja Luka inkadiniert sind, würden uns wünschen, daß unser Bistum auch weiterhin besteht, und sei es auch nur in verkleinerter Form. Es wäre unserer Meinung nach ein großer und verhängnisvoller Fehler mit weittragenden Folgen, wenn die maßgebend­sten Persönlichkeiten der katholischen Kirche und des kroatischen Volkes aus­gerechnet in diesen kritischen Zeiten ihre Aufmerksamkeit nicht in ausreichen­dem Maße der Zukunft des Katholizismus im hiesigen Gebiet widmeten!
Was mich persönlich angeht, so habe ich vor, unbedingt an meinem Platz zu bleiben, wenngleich ich für mich und all das, was den Kern des Bistums als Institution ausmacht, keine Garantie habe.
Im Moment sind hier noch sechs Diözesangeistliche, fünf Franziskaner, drei Trappistengeistliche und zwei ehrwürdige Trappistenbrüder. Außerdem sind hier noch zehn Ordensschwestern. All das - nach Gottes Wille!
Eurer Eminenz danke ich auch bei dieser Gelegenheit von Herzen dafür, daß Sie unsere Leiden und Hoffnungen mit echtem inneren Engagement mit­empfinden! Möge der Herr es Ihnen reich vergelten!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Verehrung und ei­nem brüderlichen und herzlichen Gruß, Ihr in Christo, dem Guten Hirten, erge­bener

 + Franjo, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ICH BETRACHTE ES ALS MEINE PFLICHT, HIER,IM HERZEN MEINES BISTUMS, ZU BLEIBEN
Brief des Bischofs an den Staatssekretär beim Heiligen Stuhl, A. Kardinal Sodano
(Prot. Nr. 698/95 vom 04. September 1995)

Eure Eminenz,
ich erlaube mir, Ihnen über die jüngste Lage in meinem Bistum zu be­richten. Schon volle drei Wochen geht im größten Teil meines Bistums, das sich unter der Kontrolle der bosnischen Serben befindet, eine gegen die verbliebe­nen Katholiken (und die übrige nichtserbische Bevölkerung) gerichtete umfas­sende ethnische Säuberung vor sich. Gemäß ziemlich gesicherter Angaben wur­den in diesem Zeitraum über 15.000 unserer Gläubigen zum Weggang gezwun­gen. Von unseren Gläubigen haben auch jene, die in diesen drei Jahren bereit­willig vielfältige Ungerechtigkeiten und Mißhandlungen hingenommen haben, die besonders standhaft waren, jetzt keine andere Wahl und müssen ihre Häuser, ihre Dörfer, ihre Siedlungen und Pfarrgemeinden verlassen. Auch hochbetagte Menschen und Schwerkranke müssen weggehen. Der größte Teil ihrer Häuser wird unverzüglich ausgeplündert; niemand zieht darin ein. Die aus Kroatien (aus der Krajina) bzw. aus einigen Gemeinden Westbosniens hierher gekomme­nen Flüchtlinge serbischer Nationalität bleiben zum geringeren Teil hier, sie dienen den Behörden i n erster Linie als Vorwand, um auch unsere übrigen Gläu­bigen gewaltsam von hier zu vertreiben. Unsere Gläubigen müssen gehen, weil die derzeitigen politischen Machthaber so über sie beschlossen haben, bzw. "weil unsere Regierungen es so vereinbart haben", wie mich der Chef des für die Aufnahme von Flüchtlingen zuständigen Stabes der RS, Herr Gojko Klièkoviæ, am 05. August d. J. ausdrücklich wissen ließ. Die internationalen Organisatio­nen sehen diesem hochgradig unmenschlichen Verbrechen an der unschuldigen Bevölkerung zu, als oh es sich um ein "humanes" Vorgehen handelte.
Seitens der zuständigen politischen Persönlichkeiten oder Institutionen protestiert meines Wissen niemand gegen diese jüngste eindeutige Verletzung eines der menschlichen Grundrechte der unschuldigen und friedfertigen kroati­schen oder sonstigen Katholiken dieses Gebiets, des Rechts auf ihr Zuhause und ihre Heimat. Wir als offizielle Vertreter der katholischen Kirche stehen leider allein da, der vernichtenden Lawine der Unmenschlichkeit völlig ausgeliefert. Unsere Bitten um Hilfe und den Schutz der Grundwerte der europäischen Zivi­lisation und die Hilferufe, die wir unablässig an alle richteten, die uns hatten helfen können und müssen, stießen gewöhnlich auf taube Ohren und selbst­süchtige Herzen, mit Ausnahme unserem Heiligen Vaters Johannes Paul II., des Heiligen Stuhls und einiger Bischofskonferenzen bzw. unserer Brüder im Bi­schofsamt. All den Letztgenannten, und ganz besonders Seiner Heiligkeit, schul­den wir unendlichen Dank für die stetige und überaus wertvolle Hilfe, beson­ders für die, die uns in Gestalt des Gebets zuteil wurde, aber auch für alle sonsti­ge Hilfe. Diese Hilfe spürten und spüren unsere Geistlichen, Ordensleute und Gläubigen bei ihren übermenschlichen Anstrengungen, gegenüber denen, die uns Böses tun, das Evangelium und - gemäß des Aufrufs des Heiligen Vaters anläßlich seines geplanten Besuchs in Sarajevo und seines durchgeführten Be­suchs in Zagreb -, den Geist der Liebe, der Vergebung und der Versöhnung zu verkünden und vorzuleben.
Wegen der von den amtlichen Organen aller hiesigen Gemeinden syste­matisch betriebenen gewaltsamen Vertreibung unserer verbliebenen Gläubigen aus ihren Häusern und ihrer anschließenden Deportation aus dem Gebiet unse­res Bistums wird ihre Anzahl tagtäglich geringer. In den einzelnen Pfarrgemein­den befinden sich derzeit jeweils ungefähr zehn bis hundert Gläubige, wobei diese Anzahl je nach Gemeinde unterschiedlich ist.
In den Pfarrgemeinden Prnjavor, Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Kljuè, Ivanjska und ©imiæi und im Bereich von Banja Luka in den Pfarrgemeinden Bud¾ak und "Marija Zvijezda" (dort die Trappisten) sowie in der Dorngemeinde sind unsere Geistlichen noch immer bei ihren Gläubigen. Ab kommender Wo­che wird sich die Lage bei einigen der genannten Pfarrgemeinden mit Bestimmt­heit verschlechtern.
Der Pfarrer in Prijedor befindet sich bereits 12 Tage im Hause seiner Eltern unter Hausarrest und hat keine Möglichkeit, mit uns und seinen Pfarrkin­dern, deren Anzahl sich mit jedem Tage rasant vermindert, Kontakt aufzuneh­men. Wir tun alles, um ihn freizubekommen und ins Bischöfliche Ordinariat zu bringen.
Am gestrigen Sonntag ist es Pfarrern, die ihre Pfarrgemeinden hatten ver­lassen müssen und sich im Bischöflichen Ordinariat aufhalten, gelungen, ihre Gemeinden aufzusuchen und so in Trn, Ljubija, ©urkovac, Stara Rijeka und Sasina, wo die Kirchen schon seit langem zerstört sind, mit den übriggebliebe­nen Gläubigen die Heilige Messe zu feiern.
Heute hat sich eine weitere Gruppe von fünf Pfarrern nach Kroatien bege­ben - drei Diözesangeistliche und zwei Franziskaner. Sie haben sich in den Seelsorgedienst für unsere vertriebenen Gläubigen an deren jeweiligen Aufent­haltsorten in der Emigration eingereiht. Auch zwei Ordensschwestern der Ge­meinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" sind weggegangen. Hier bei uns gibt es noch neun Diözesangeistliche, sechs Franziskaner und fünf Angehörige des Trappistenordens, sowie elf Ordensschwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove". Ein Teil unserer vertriebenen Gläubigen wird sich jetzt vorläu­fig - auf Beschluß der kroatischen Politiker - im Bereich unserer Pfarrgemeinde Glamoè im Dekanat Livno, dem einzigen, das sich derzeit unter der Kontrolle der bosnischen Kroaten befindet, niederlassen. Aus jener Pfarrgemeinde waren bereits 1992 alle unsere Gläubigen vertrieben worden; der Pfarrer, der schwer gefoltert worden ist, war im Gefängnis in Knin inhaftiert und die Pfarrkirche sowie die Pfarrwohnung sind zerstört worden. In den letzten Tagen sind dort erneut einige Hundert Katholiken eingetroffen, bei denen es sich um ehemalige Gemeindemitglieder sowie um Menschen aus den Reihen unserer hiesigen Ver­triebenen handelt, und es scheint, daß noch mehr hingehen werden.
Wir haben die feste Hoffnung, daß bei zukünftigen politischen Entschei­dungen zur Zukunft von Bosnien und Herzegowina zwangsläufig auch verbind­lich festgelegt wird, daß zum einen die hiesigen politischen Vertreter auf örtli­cher und höherer Ebene allen Vertriebenen und Flüchtlingen und somit auch unseren Gläubigen, wenn diese es wünschen, die Rückkehr in ihre Heimat, ihre Geburts- und ihre bisherigen Aufenthaltsorte gestatten und ermöglichen müs­sen, und zum anderen, daß die internationale Gemeinschaft eine entsprechende Kontrolle ausüben kann. Ich denke, daß es auch dem Geist unserer kirchlichen Lehre entspricht, energisch für die Respektierung und den Schulz der Grund­prinzipien unserer Zvilisation, d.h. der menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten jedes Einzelnen und jeder ethnischen, religiösen oder anderen sonstigen Gruppe einzutreten.
Ich betrachte es als meine Pflicht, hier, im Herzen meines Bistums, zu bleiben - wegen der verbliebenen Gläubigen und der notwendigen und wün­schenswerten, möglichst baldigen Rückkehr vieler unserer vertriebenen Gläubigen in ihre Pfarrgemeinden, aber auch wegen der erforderlichen moralischen Unterstützung all meiner anderen Mitbürger, die geistlicher und materieller Hil­fe bedürfen und deshalb tagtäglich an meine Tür klopfen. Wie dem auch sei - ich lege mein Leben und mein Tun in die Hände Gottes, wobei ich Ihn um Seinen Segen und Seinen Schutz für alle Angehörigen meines dezimierten Bis­tums bitte, und empfehle mich gleichzeitig Ihrer Fürbitte im Memento!
Hochachtungsvoll verbleibe ich Eurer Eminenz, im Herrn ergeben!

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

TROTZ DER VÖLLIGEN UNGEWISSHEIT SIND WIR BEHARRLICH IM GLAUBEN UND IN DER HOFFNUNG
Brief des Bischofs an den Staatssekretär beim Heiligen Stuhl, Angelo Kardinal Sodano (Prot. Nr. 137/95 vom 07. Oktober 1995)

Eure Eminenz,
Ihr liebenswürdiger Brief vorn 05. September 1995 hat nicht nur mir, sondern auch den Geistlichen und Ordensleuten meiner Umgebung, denen ich seinen Inhalt mitgeteilt habe, große Freude bereitet.. Ich danke Ihnen von Her­zen, daß Sie sich wegen der derzeitigen Lage und der weiteren Zukunft der verbliebenen Angehörigen der katholischen Kirche im von den bosnischen Ser­ben kontrollierten Gebiet meines Bistums Banja Luka so sehr sorgen.
Da wegen der militärischen Operationen im September d. J. alle unsere Verbindungen mit der Außenwelt unterbrochen waren, konnte ich Ihnen bisher noch nicht antworten bzw. über unsere momentane Lage berichten. Ich tue dies jetzt, wobei ich Sie bitte, meinen Bericht zur Kenntnis zu nehmen und davon - wenn es angemessen ist - auch den Heiligen Vater selbst zu unterrichten. Ich sage Ihnen schon im voraus meinen herzlichsten Dank.
l. In der zweiten Augusthälfte und in den ersten Septembertagen wurden - soweit wir in Erfahrung bringen konnten - aus unseren Pfarrgemeinden des Großraums Banja Luka annähernd 20.000 zurückgebliebene Katholiken depor­tiert.
Derzeit halten sich in 11 Pfarrgemeinden des Dekanats Banja Luka noch 4.926 Katholiken auf, deren Namen uns bekannt sind; im Dekanat Bosanska Gradi¹ka befinden sich in fünf Pfarrgemeinden 370 Katholiken und im Dekanat Prnjavor in vier Pfarrgemeinden rd. 750 (in zwei Pfarrgemeinden dieses Dekanats ist niemand mehr!). Über neun Pfarrgemeinden des Dekanats Prijedor liegen uns keine genauen Angaben dazu vor, wie viele Katholiken nach dieser letzten Welle der Verfolgung verblieben sind, da wir zu der ganzen Gegend absolut keinen Kontakt aufnehmen können. Es müßten sich dort mindestens noch meh­rere Hundert unserer Gläubigen aufhalten. Im ebenfalls unter der Kontrolle der bosnischen Serben befindlichen Gebiet des Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo), in der Pfarrgemeinde Tesliæ, wo sich noch immer der einzige im gesamten besetz­ten Gebiet verbliebene Geistliche des Erzbistums aufhält, sind noch rd. 1.200 Katholiken. Wir verfügen über keine Angaben darüber, wie viele Katholiken von den wenigen, die noch in anderen Orten des Erzbistums Vrhbosna (Saraje­vo), in Doboj, Brod, Derventa, Modrièa, Od¾ak und ©amac sowie in Brèko und Bijeljina geblieben waren, bei dieser letzten Welle ethnischer Säuberung weg­gehen mußten.
Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß sich in diesem Gebiet noch immer 7.300 Menschen römisch-katholischen Glaubens befinden, hinzu kommen an­nähernd 5.000 Menschen griechisch-katholischen Glaubens, die in sieben Pfarr­gemeinden des zum Bistum Kri¾evac gehörenden Bosnischen Dekanats leben.
In unserem Gebiet gibt es außer mir und den übrigen Katholiken noch neun Diözesangeistliche, neun Ordensgeistliche (sechs Franziskaner und drei Trappisten), einen Diözesangeistlichen im Ruhestand und zwei Trappistenbrüder. Wir haben auch noch elf Ordensschwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" hier.
Gottesdienste dürfen wir nur in acht von insgesamt 40 Pfarrgemeinden dieser Region (darin eingeschlossen auch einige des Erzbistums Vrhbosna (Sa­rajevo)), wo sich nach unseren Informationen Katholiken befinden, abhalten. Auch in den fünf griechischkatholischen Gemeinden halten fünf griechisch­katholische Geistliche, die fünf, die es hier gibt, Gottesdienste ab.
2. Ich bedaure, sagen zu müssen, daß die Tätigkeit der katholischen Kir­che in unserem Raum systematisch lahmgelegt wird. Abgesehen davon, daß viele unserer kirchlichen Gebäude zerstört sind, unsere Bevölkerung vertrieben wurde und die übriggebliebenen kirchlichen Gebäude verwüstet, vernichtet und gewaltsam enteignet wurden, wird den Geistlichen nicht gestattet, die verblie­benen Gläubigen aufzusuchen, und den Gläubigen wird nicht erlaubt, sich zum Sonntagsgottesdienst zu versammeln, nicht einmal auf Friedhöfen. Wohin diese ausgeprägt antireligiöse Haltung der derzeitigen staatlichen Stellen führen wird, weiß ich nicht, aber meine Erfahrung sagt mir, daß sie zu nichts Gutem führt! Wäre denn auf einer höheren zwischenkirchlichen oder politischen Ebene wirk­lich nichts zu machen, damit erreicht wird, daß für uns hier wenigstens die menschlichen Grundrechte einschließlich der uns als religiöser und ethnischer Gruppe zustehenden Rechte bzw. Minderheitsrechte geschützt sind?!
3. Einen der Geistlichen meines Bistums, Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor, hat die Polizei bereits vor anderthalb Monaten aus seinem Pfarrbüro abgeführt, wobei er zuerst in seinem Elternhaus unter Hausarrest gestellt und danach zusammen mit seinen Eltern am 19. September d. J. fortgeschafft wurde, ohne daß bekannt wäre, wohin man diese Menschen gebracht hat. Alle mei­ne Bemühungen bei den örtlichen Behörden und beim IRK, mit denen ich die Freilassung des Geistlichen, der ein völlig unschuldiger Mensch ist, erreichen wollte, sind bislang fruchtlos gewesen! Könnte der Heilige Stuhl über unsere Nuntiatur irgendwelche Schritte bei den serbischen Behörden bzw. Politikern unternehmen, damit unser Geistlicher so bald wie möglich auf freien Fuß kommt? Sind denn nicht schon viel zu viele unserer Geistlichen, bei denen es sich um völlig unschuldige Menschen handelte, mißhandelt und getötet worden? Vor kurzem, am 15. September, wurde der Pfarrer der Gemeinde ©imiæi, Hochw. Pero Èoliæ, auf dem Weg zu seinen verbliebenen Gläubigen von einem Scharf­schützen am Kopf getroffen. Nur durch ein göttliches Wunder ist er am Leben geblieben! Dies ist wohlgemerkt die Wirklichkeit, in der wir leben; tagtäglich sind wir den Hieben des Bösen und der Ungerechtigkeit ausgeliefert! Wir dan­ken Gott, daß er uns bei der Verfolgung unseres entschlossenen Vorsalzes, gera­de hier, wo Haß und Unrecht herrschen, Tag für Tag den Geist der Liebe und das göttliche Gesetz der Gerechtigkeit und der Vergebung zu verkünden und vorzuleben, Kraft verleiht.
4. Wir haben Informationen bekommen, die allerdings inoffiziell sind, wonach geplant sein soll, demnächst auch unsere noch verbliebene katholische Bevölkerung aus dem Gebiet auszuweisen, das der Verwaltung der bosnischen Serben unterstellt wird. Wir können nicht glauben, daß dies auch wirklich ge­schehen wird und daß die verantwortlichen internationalen politischen und hu­manitären Personen dazu ihre Zustimmung erteilen würden. Das Recht auf das eigene Heim und auf die Heimat, d.h. auch die Möglichkeit der Rückkehr aller Vertriebenen und Flüchtlinge, müßte in allen internationalen Vereinbarungen über die Zukunft unseres gequälten Landes unbedingt verankert werden! In je­dem Falle will ich persönlich als in Banja Luka Gebürtiger und als jetziger katholischer Bischof von Banja Luka in dieser Stadt bleiben, es sei denn, daß der Heilige Vater etwas anderes beschließt oder daß ich durch Gewalt und Ge­setzlosigkeit zum Aufgeben gezwungen würde! Heute sind es schon 157 Tage, seit ich - als Bürger dieser Stadt - unter Hausarrest stehe. Während dieser gan­zen Zeit habe ich mein Haus und den Hof des Hauses und der Kathedrale nicht verlassen, mit einer einzigen Ausnahme, als ich beim Besuch des Apostolischen Nuntius Msgr. Francesco Monterisi ein paar Schritte weit durch den benachbar­ten Garten zum orthodoxen Bischof ging. Nur Gott weiß, wie schwer mir we­gen dieser zwangsweisen Behinderung, die mich von der Ausübung meines Amtes als Bischof im Bereich meiner übriggebliebenen Pfarrgemeinden abhält, zumu­te ist! Falls es jedoch Gottes Wille ist, daß ich auch auf diese Weise - als Leiden­der - zu Frieden und Aussöhnung beitrage, nehme ich dies gerne auf mich! Anderenfalls, glaube ich, würde sich der Heilige Stuhl bei den serbischen Behörden für mich verwenden, damit mir die Bewegungsfreiheit und die ungehin­derte Ausübung meines Bischofsamts in allen Pfarrgemeinden, in denen keine bewaffneten Auseinandersetzungen stattfinden, ermöglicht und garantiert wer­den.
5. Obwohl wir bereits über lange Zeit Tage und Nächte durchleben, die zunehmend schlimmer werden, beharren wir im Glauben und in der Hoffnung, daß unser gütiger Gott uns schützt und uns hier auch weiter beschützen und als Sein Werkzeug gebrauchen will. Es ist mit Gewißheit ein Geschenk. Gottes, daß wir bisher hier bleiben konnten und daß wir dabei niemandem getrotzt, sondern der Kirche und im Namen der Kirche allen unseren Nachbarn gedient haben. Wir spüren die Unterstützung sowohl des Heiligen Vaters als auch des Heiligen Stuhls und die vieler anderer Brüder und Schwestern in der ganzen Welt, die uns mit ihren Gebeten helfen, damit wir mit dem Licht des Evangeliums Christi vor Augen in dieser schrecklichen Finsternis des Bösen, der Gesetzlosigkeit und der Sünde durchhalten und damit wir nicht selbst von dieser verderbenbringen­den Finsternis übermannt werden!
Wir sind überzeugt, Eure Eminenz, daß die Worte Ihres letzten Briefes, "unser Gott bleibt immer der Herrscher der Geschichte, der es vermag, Macht­haber zu demütigen und Gedemütigte zu erhöhen, sogar in einem Augenblick, da man dies nicht erwartet", zur Realität werden.
Nehmen Sie auch diesmal den Ausdruck meiner ergebensten Hochach­tung entgegen!
In Christo, unserem Guten Hirten, Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ICH STEHE WEITERHIN UNTER HAUSARREST
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. R, Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 138/95 vom 07. Oktober 1995)

Eure Exzellenz,
ich darf Ihnen hiermit die neuesten Informationen zu unserer derzeitigen Lage übermitteln und Sie gleichzeitig um Weiterleitung meiner Antwort auf den Brief Seiner Eminenz Kardinal Sodano vom 05. September d. J. bitten, der uns durch Ihre Vermittlung zugegangen ist und über den wir uns sehr gefreut haben.
1. Wir sind noch immer auf unseren Plätzen: außer mir und vier Geistli­chen sowie einem Klostervorsteher befinden sich mit mir in diesem Hause noch ein Rentner, zwei Ordensschwestern, 14 vertriebene Katholiken, drei Muslime und eine Frau orthodoxen Glaubens. Vier Franziskaner, die ihre Pfarreien in der Umgebung von Banja Luka verlassen haben, befinden sich im Kloster "Nazareth", wo sich außerdem noch fünf Ordensschwestern und einige unserer katho­lischen Vertriebenen aufhalten. Fünf Trappisten sind in ihrem Kloster "Marija Zvijezda". Es kann sein, daß sich noch immer Pfarrer mit zurückgebliebenen Gläubigen in Ivanjska am Rand von Banja Luka sowie in Bosanska Gradi¹ka und in Prnjavor aufhalten. Ein Pfarrer aus Prijedor, Tomislav Matanoviæ, der ebenfalls hei seinen Pfarrkindern geblieben war, wurde zuerst im elterlichen Haus unter Hausarrest gestellt und dann, soweit wir in Erfahrung bringen konn­ten, am 19. September zusammen mit seinen Eltern an einen unbekannten Ort verbracht. Alle meine Bemühungen, ihn freizubekommen, waren leider frucht­los. Könnten Sie vielleicht auf offiziellem Wege im Namen des Heiligen Stuhls serbische oder kroatische Politiker ersuchen, für eine möglichst baldige Freilas­sung unseres Geistlichen zu sorgen, denn er ist völlig unschuldig und hat allen, besonders den vor Ort lebenden Serben, geholfen!?
2. Nach dem gewaltsam erzwungenen Weggang unserer Pfarrer aus eini­gen unserer Pfarreien wurden die übriggebliebenen kirchlichen Gebäude kon­fisziert (Motike, Kotor Varo¹, Bud¾ak-Dervi¹i, Kula¹i, Dolina und ©imiæi) oder verwüstet (Barlovci, Dragalovci, Vrbanjci, Dolina - das Pfarrhaus, ©imiæi - die Kirche, Mrkonjiæ Grad - das Pfarrhaus) und hinsichtlich des gesamten Dekanats von Prijedor sind wir ohne jede Nachricht, da wir keinen Zugang haben. Jetzt verlangt man von uns, daß wir in unseren beiden übriggebliebenen Klöstern "Nazareth" und "Marija Zvijezda" Flüchtlinge unterbringen. Ob dies auch be­deutet, daß uns der zwangsweise Auszug aus diesen einzigen verbliebenen kirch­lichen Gebäuden bevorsteht, wissen wir nicht!
3. Vor 20 Tagen haben die örtlichen Behörden in Banja Luka bei unserer bischöflichen Caritas die zwei einzigen Lkws mit den Anhängern beschlagnahmt. Der Caritas ist nach wie vor jede Möglichkeit genommen, gespendete Lebens­mittel oder andere humanitäre Hilfssendungen zu bringen. Wir hängen ganz und gar von Hilfe ab, die vom UNHCR oder IRK kommen kann, aber wenn die, die hier ihre Büros haben, uns etwas liefern, können wir es an unsere völlig von uns abhängenden Gläubigen, jedoch auch an andere, die tagtäglich Hilfe brauchen, verteilen. Selbstverständlich helfen wir unterschiedslos allen, soviel wir nur können! Es ist nicht auszudenken, was für ein Glück es wäre, wenn wir allen, die sich an uns wenden, mehr helfen könnten.
4. Da ich persönlich weiterhin unter Hausarrest stehe und den Hof meines Hauses und der Kathedrale nicht verlassen, geschweige denn mich nach Zagreb oder weiter weg begeben kann, bedaure ich, dem väterlichen Ruf des Heiligen Vaters zu dem am Dienstag, dem 17. Oktober d. J. stattfindenden Treffen aller Diözesanbischöfe des Gebiets des früheren Jugoslawien, von dem ich dieser Tage durch Eure Exzellenz unterrichtet wurde, nicht persönlich Folge leisten zu können. Ich habe bereits meinen Generalvikar, Dr. Ante Orlovac, der während der Zeit der Deportation unserer Gläubigen mit der letzten Gruppe von Geistli­chen nach Zagreb gegangen war, gebeten, mich bei dieser wichtigen Zusam­menkunft zu vertreten. Ich kann Sie nur im Gebet begleiten und mich auf den ersehnten gerechten Frieden für alle gequälten Menschen und Völker unserer geschundenen Heimat freuen. Unsere Bereitschaft, auch in Zukunft trotz der vielen von uns erduldeten Bedrängnisse und Ungerechtigkeiten in unseren jahrhundertealten Pfarrgemeinden und da, wo wir zu Hause sind, zu bleiben und allen unseren Nachbarn zu zeigen, daß wir friedfertig sind und sie achten, ist Ihnen persönlich hinlänglich bekannt. Wir haben auch bisher gezeigt, daß wir mit allen in Frieden und Achtung leben können. Wir verlangen nur, daß man dies auch uns ermöglicht. Daß man uns erlaubt, in Frieden zu leben und uns die menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten einschließlich der reli­giösen und ethnischen Rechte bzw. Minderheitsrechte zugesteht. Dies müßte sowieso allen Menschen und nationalen und religiösen Gruppen garantiert werden, und es müßte eine entsprechende Kontrolle durch internationale Mechanis­men erfolgen.
5. Ich möchte Ihnen, liebe, sehr verehrte Exzellenz, meinen tiefempfun­denen Dank für die herzlichen Glückwünsche zum Namenstag sagen. Ich danke Ihnen für Ihre Gebete für alle Angehörigen meines gequälten Bistums und Ihre hochherzigen Wünsche, daß "der Kreuzweg meines Bistum sehr bald enden möge, damit, es wieder in Frieden leben und sich zum Ruhme Gottes und zum Wühle aller Menschen entwickeln kann". Möge der Herr Ihre Gebete und Wün­sche erhören! Ich verbleibe auch diesmal - zugleich im Namen aller geistlichen Mitbrüder und Ordensleute und der Schar der übrigen Gläubigen - mit dem Ausdruck meiner von Herzen kommenden Dankbarkeit in Christo, unserem Retter, Ihr

 + Franjo Komarica

 anfang der seite

NOCH IMMER STEHEN WIR BEHARRLICH ZU UNSERER ENTSCHEIDUNG, HIER ZU BLEIBEN
Brief des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 158/95 vom 03. November 1995)

Eure Eminenz,
hochgeschätzter teurer Vater Erzbischof,
im letzten Moment kam mir zu Ohren, daß eine Möglichkeit besteht, Ihnen wenigstens ein paar Zeilen über unsere derzeitige Lage zu schreiben.
Zunächst möchte ich Ihnen für Ihre stetige echte Fürsorge und Ihr Eintre­ten für dieses durch uns repräsentierte "letzte Überbleibsel" des Katholizismus in der Region Banja Luka herzlich danken. Jede zu uns durchdringende Nach­richt, die besagt, daß jemand für uns eintritt, daß jemand sich konkret einsetzt, damit unsere Agonie so bald wie möglich ein Ende findet und eine Zeit des Respekts gegenüber Gott und den Mitmenschen eintritt, ist für uns sehr tröst­lich.
Ich kann nur wiederholen, was ich Ihnen auch früher bereits berichtet habe, nämlich, daß unsere Gläubigen - und davon können wir uns täglich über­zeugen - noch immer beharrlich zu der Entscheidung stehen, hier zu bleiben, jedoch nicht mit Haß oder dem Wunsch nach irgendeiner Rache im Herzen - was Gott verhüten möge -, sondern mit der Bereitschaft, zu vergeben und über die vielen Ungerechtigkeiten und Greuel, die sie ertragen haben und noch im­mer Tag für Tag ertragen, hinwegzusehen. Wir bleiben standhaft im gemeinsa­men Gebet und in der Hoffnung, daß die göttliche Güte gewiß die Kräfte der Finsternis, des Bösen und der Zerstörung überwinden wird und daß der Geist der Liebe und der Vergebung und das Leben letztendlich siegen werden. Bisher sind wir beharrlich unserem Wunsch treugeblieben, als Katholiken einen kon­struktiven Beitrag zu einem erstrebenswerten Zusammenleben mit anderen, die die Vorsehung unsere Mitmenschen werden ließ, zu leisten. Wir haben unseren Nachbarn und der ganzen Welt gezeigt, daß wir willens und imstande sind, andere mit ihren spezifischen Eigenheiten und ihrer Verschiedenartigkeit anzu­nehmen, und daß wir sogar fähig sind, ihnen auch ihren Egoismus und ihre gesellschaftliche Absonderung zu verzeihen. Von den anderen erwarten wir, daß sie uns wenigstens als Menschen annehmen.
Vor einer Woche hat mich zum ersten Male Herr Nikola Koljeviæ, der stellvertretende Präsident der RS, angerufen. Bei dem mit ihm geführten Ge­spräch habe ich ihn unter anderem gefragt: "Was mangelt noch in unserem Ver­halten Ihnen gegenüber, und was hätten wir für Sie z« tun versäumt, daß Sie uns noch immer nicht als Menschen betrachten, mit denen sich leben läßt und mit denen zu leben sogar wünschenswert ist?" Er sagte mir, daß er hoffe, daß nach den Verhandlungen in Amerika bessere Zeiten eintreten. Gott allein weiß, was die Mächtigen der Welt (und unsere hier) vorbereiten! Überlassen wir die Dinge dem Willen Gottes! Wie auch bisher bin ich überzeugt, und ich sage es immer wieder von neuem, daß Gott durch seine Kirche auch zukünftig ein "Wohn­recht" sowohl in Banja Luka als auch in dieser ganzen Region gebührt, einer Region, wo es schon lange vor der Ankunft der Kroaten, bereits seit dem 4. Jahrhundert, Christen gegeben hat.
Die Lage ist immer noch unverändert, d.h. auch jetzt werden die Unseren tagtäglich aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben, im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gejagt. Die Herrschaft der Gesetzlosigkeit und das Recht des Stärkeren bestehen nach wie vor weiter, dies zeigt sich in Taten, nicht nur in Banja Luka, sondern auch im Gebiet von Kotor Varo¹, wo es einige Fälle von Totschlag und schweren Verletzungen gegeben hat, von psychischer Angst und Traumen ganz zu schweigen. Ich weiß mit völliger Gewißheit, daß die derzeiti­gen Behörden - die der örtlichen und die der höheren Ebene - dahinterstehen und daß alles mit Wissen oder unter der Leitung der Sicherheitsorgane geschieht. Uns geht es tatsächlich wie Mäusen Inder Pfote einer grimmigen Katze, die auf äußerst grausame Weise mit ihnen spielt. Es ist nicht möglich, auch nur einen kleinen Bruchteil unseres Alltags mit wenigen Worten zu beschreiben. Beson­ders leid tun mir unsere armen Gläubigen, die den Kirchgang in die einzige übriggebliebene Kirche, hier bei uns in die Kathedrale, wagen und denen man regelmäßig folgt, wie während der schlimmsten UDBA - Zeiten. Wenn sie dann wieder nach Hause kommen, nimmt man sie, weil sie in der Kirche waren, in Empfang und verprügelt sie oder wirft sie aus der Wohnung. Nur weil sie Ka­tholiken sind - sie müssen nicht unbedingt Kroaten sein - sind sie Zielscheiben (...)
Bei den härtesten und schwersten Fällen versuchen wir, für eine Unter­bringung zu sorgen, aber es sind so viele, daß unsere Möglichkeilen nicht aus­reichen. Wie Sie wissen, haben die Serben den größten Teil (fünfzehn) unserer kirchlichen Gebäude, der Klöster und der 25 Gebäude umfassenden Seelsorge­zentren gewaltsam konfisziert, wobei sie in die einen ihre Leute einquartierten und die anderen ausplünderten und zerstörten. In der letzten Zeit wurden an die zehn kirchliche Wohngebäude vernichtet, und wir haben einige unserer Gebäu­de, die wir unter dem Druck der Gewalt hatten aufgeben müssen, auf der Basis einer Vereinbarung serbischen Flüchtlingen zur Verfügung gestellt, in der Hoff­nung, diese Gebäude so erhallen zu können. In einem kürzlich erfolgten Ge­spräch mit einem Vertreter der Behörden (nachdem sechs Monate ohne jeden Kontakt mit ihnen vergangen waren) erwähnte ich das Problem der widerrecht­lich konfiszierten kirchlichen Gebäude. Der Betreffende sagte mir, daß diese Frage zusammen mit der der enteigneten bzw. verlassenen kirchlichen Gebäude der serbisch-orthodoxen Kirche im von den Kroaten kontrollierten Gebiet gere­gelt werde!? So vergilt man uns, wie Sie sehen, unsere Friedfertigkeit. Man stellt uns mit denen auf ei ne Stufe, die viele andere ihrer Nachbarn - Kroaten -verjagt und deren Heiligtümer und Besitz zerstört haben. Ich bin froh, daß unsere Kirche beharrlich auf dem Schutz des Eigentums der in Kroatien und in Herceg-Bosna lebenden serbischen Bürger und namentlich ihrer sakralen Gebäude be­steht. Möge dies so bleiben. (...)
Ich sage Ihnen, verehrte Eminenz, nochmals von ganzem Herzen Dank für alles, was Sie für uns tun! Der Herr möge es Ihnen vergelten! Er sei durch Ihren Dienst an der Wahrheit gepriesen!

 + Franjo, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

SETZEN SIE SICH DAFÜR EIN, DASS DIE BEVÖLKERUNG DER REGION BANJA LUKA DIE DRINGEND BENÖTIGTE ELEKTRISCHE ENERGIE ERHÄLT
Brief des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 1599/95 vom 04. November 1995)

Eure Eminenz,
gestatten Sie mir, daß ich mich an Sie wende, um Sie um Ihre geschätzte Vermittlung zu bitten, sofern dies irgendwie möglich ist. Heute haben mich im Bischöflichen Ordinariat offizielle Vertreter der Behörden der RS aufgesucht. In einem offenen Gespräch Über die hiesigen aktuellen Probleme baten sie, mich an Sie als die einflußreichste Person der katholischen Kirche in der Republik Kroatien zu wenden und Sie zu bitten, bei den zuständigen Behörden der Repu­blik Kroatien wegen eines unser gesamtes Gebiet, d.h. die gesamte hiesige Be­völkerung betreffenden, sehr dringenden Problems zu intervenieren. Es handelt sich um die Frage der Möglichkeit des Bezugs von Elektrizität vom zwischen Banja Luka und Jajce gelegenen Wasserkraftwerk Boèac. Im Zusammenhang mit den aktuellen Gesprächen in Amerika, bei denen es, wie man mir sagte, auch um die Überlassung elektrischer Energie als dringend notwendige huma­nitäre Hilfe für die Bevölkerung geht, appellieren meine heutigen Gesprächs­partner an mich und an Sie als einflußreiche (!?) Vertreter der Kirche, damit Sie bei den Vertretern der Regierung der Republik Kroatien so schnell wie möglich das entsprechende wünschenswerte und notwendige Treffen der beiden politi­schen Delegationen in die Wege leiten und diese sich daranmachen, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung des genannten Problems wie auch der anderen aktuellen Probleme herbeizuführen.
Eure Eminenz weiß um meine entschiedene, grundsätzliche Bereitschaft, zu helfen, wo immer ich kann und soviel ich kann, und zwar im Geiste des Gebotes Christi (Lk 6, 27), d.h. unterschiedslos allen, und Unheil und Unglück, soweit es mir möglich ist, einzudämmen und auf diese Weise so gering wie möglich zu halten. Dies habe ich auch gegenüber meinen geehrten Gesprächs­partnern geäußert, nachdem ich ihnen versprochen halte, Ihnen sofort zu schrei­ben und Sie persönlich und über Sie auch die zuständigen Politiker in Zagreb zu bitten, uns und allen Menschen dieser Region, die Hilfe brauchen, zu helfen. Die Lage ist hier gerade wegen des Strommangels zusätzlich dramatisch. Es handelt sich nicht nur darum, daß wir alle im Dunkeln sitzen; vielmehr leiden besonders Kinder, Kranke und Alte.
Als ich meinen Gesprächspartnern die nicht beneidenswerte Lage der in diesem Gebiet verbliebenen kleinen Anzahl von kroatischen und anderen Ka­tholiken darlegte und sie informierte, daß zwei meiner Geistlichen, Hochw. Ratko Grgiæ, der Pfarrer von Nova Topola, der bereits im Juni 1992 (!) verschwunden ist, und Hochw. Tomislav Matanoviæ, der Pfarrer von Prijedor, der im August 1995 verschwunden ist, in unbekannte Richtung entführt worden sind, gaben sie mir die teste Zusage, daß sie alles unternehmen werden, damit die beiden Fälle so rasch wie möglich aufgeklärt werden und die Lage der in unserem Gebiet verbliebenen Katholiken hinsichtlich der Sicherheit und ganz allgemein besser wird.
In der Erwartung, daß meine Gesprächspartner ihre Versprechen auch wirklich in die Tat umsetzen, bitte ich Sie nochmals, sich bei den zuständigen Persönlichkeiten zu verwenden, damit der Prozeß des Abklingens der kriegeri­schen Zusammenstöße und der Aussöhnung auch zwischen den Politikern, den Vertretern sowohl des kroatischen als auch des serbischen Volkes, so bald wie möglich und auch auf dieser konkreten Ebene (und nicht nur mit der Hilfe der Amerikaner und auf deren Boden) in Gang kommt.
Eure Eminenz weiß sehr wohl, daß wir hier den Geist der Gewaltlosigkeit. beharrlicher Friedfertigkeit und christlicher Liebe gegenüber allen verbrei­tet haben, und trotz alledem sind wir stets Opfer. Dürfen wir endlich - außer auf die göttliche, die uns auch bisher gewährt wurde - auch auf die menschliche Barmherzigkeit hoffen? Die Hoffnung hat uns noch nicht völlig verlassen!
Ich danke Ihnen im voraus aufrichtig für Ihre Unterstützung auch in die­ser Angelegenheil!
Mit dem Ausdruck meiner Hochachtung verbleibe ich, Ihr in unserem Herrn Jesus, unserem guten Hirten, ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Übermittelt an:
den Stellvertretenden Präsidenten der RS, Prof. Dr. Nikola Koljeviæ

  anfang der seite

MEIN BISTUM IST AUF DIE "RELIQUIAE RELIQUIARUM" REDUZIERT
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. F. Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 167/95 vom 11. November 1995)

Hochwürdigster Apostolischer Nuntius,
wieder melde ich mich mit den neuesten Nachrichten vom Sitz meines Bistums, das leider auf die "Reliquiae reliquiarum" reduziert ist. Ich hoffe, daß Sie mit der gütigen Unterstützung der ehrwürdigen Apostolischen Nuntiatur in Belgrad auch einige meiner Schreiben und Mitteilungen, die ich an dieselbe gerichtet hatte, zur Kenntnis nehmen konnten.
1. Auch weiterhin werden unsere verbliebenen Gläubigen leider tagtäg­lich systematisch und unter schweren körperlichen und psychischen Quälereien aus ihren Wohnungen und Häusern in Banja Luka und Kotor Varo¹ gejagt. Auch diese Woche ist einer unserer älteren verdienstvollen Gläubigen aus der Stadt­mitte von Banja Luka (I.S. Jahrgang 1912) seinen schweren Verletzungen erle­gen, und einige Opfer kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Hier herrscht noch immer das Recht des Stärkeren, und wir haben nicht einmal das Recht, uns zu beschweren! Wenn wir das tun, wird es für uns nur noch schlim­mer! Das, was völlig unschuldigen und friedfertigen Menschen unserer Stadt (und unserer Gegend) unaufhörlich angetan wird, übersteigt wahrhaftig alle Grenzen sadistischen Auslebens niedriger Instinkte! Die bedauernswerten Men­schen tun mir leid, aber ich kann ihnen nicht viel helfen! Was könnte man nur tun?
2. In den vergangenen zwei Wochen haben mich zweimal Vertreter öf­fentlicher Stellen der RS aufgesucht. Es ging um die Möglichkeit der Unter­bringung von Vertriebenen und Verfolgten aus Banja Luka und anderen Ge­meinden in den verbliebenen Räumlichkeiten unserer drei einzigen Gebäude, in meinem Hause und in zwei übriggebliebenen Klöstern in Banja Luka. Ich habe von diesen Behördenvertretern den nötigen Schutz für diese Häuser und die darin unterzubringenden Menschen verlangt. In meinem Hause habe ich bereits 22 Vertriebene, und ich mußte zwei Zimmer unserer Ambulanz freimachen und sie diesen bedauernswerten Menschen zur Verfügung stellen. In den zwei Klö­stern sind momentan 25 geflüchtete Gläubige, hauptsächlich Menschen aus den Pfarrgemeinden Sasina und Sanski Most, untergebracht. Es gibt noch viele unversorgte Vertriebene aus unseren Reihen, die mit dem Problem der Unterbrin­gung in unterschiedlichster Weise zu Rande kommen, und wir helfen ihnen, so gut wir können, mit Lebensmitteln und Kleidung (...) In den vergangenen Tagen wurde eine Gruppe von 184 unserer Gläubigen "ausgelauscht" und hat sich nach Süden, in das Gebiet von Herceg-Bosna, begeben, und einige Dutzend von ih­nen sind über die Sava in die Republik Kroatien gegangen. Wir wissen von einer größeren Anzahl Menschen, die momentan obdachlos sind, und diese müßten die Möglichkeit erhalten, entweder in ihre Häuser zurückzukehren oder sich an irgendeinen Ort zu begeben, wo für sie das Existenzminimum gewähr­leistet wäre. Wer könnte ihnen in dieser Situation helfen, wenn sich alle zustän­digen Einrichtungen, sowohl die politischen als auch die staatlichen und huma­nitären, taub stellen?
3. Bei den erwähnten Gesprächen mit Vertretern öffentlicher Stellen der RS haben diese mich unter anderem gebeten, über Kardinal Kuhariæ in Zagreb bei den Behörden der Republik Kroatien zu intervenieren, damit Banja Luka und dieses ganze Gebiet humanitäre Hilfe in Form von Stromlieferungen erhält. Ich habe dies gern getan und gleichzeitig meine Gesprächspartner gebeten, daß sie ihrerseits uns hier ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Insbesondere habe ich von ihnen (zum wer weiß wievielten Male!) verlangt, daß man unseren ohne jedes Gerichtsverfahren bzw. Urteil inhaftierten Pfarrer Hochw. Tomislav Matanoviæ aus Prijedor freiläßt. Gleichzeitig habe ich verlangt, daß man uns endlich mitteilt, wo sich unser vor langer Zeit entführter Pfarrer Hochw. Ratko Grgiæ aus Nova Topola befindet und wie es um ihn steht. Meine Gesprächspart­ner haben versprochen, alles zu unternehmen, was sie können, jedoch hat sich diesbezüglich noch nichts ergeben!
4. Vor drei Tagen (am 08. November d. J.) mußten unsere Ordensschwe­stern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" auf Anordnung des Zivilschutzes der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka ihr dortiges (l 898 gegründetes) Klo­ster St. Anton verlassen. Sie durften nur ihre persönlichen Sachen mitnehmen. Jetzt sind sie bei mir, und in den Räumen ihres Klosters soll Militär einquartiert werden. Die Behörden haben bezüglich dieser Frage (der gewaltsamen Konfis­zierung des Klosters) weder mit mir noch mit der Verwaltung dieser Ordens­gemeinschaft gesprochen.
5. Gestern hat mich der für Menschenrechte zuständige Sonderbotschaf­ter der US-Regierung, der stell vertretende Außenminister John Shattuck, zu Hause besucht. In einem zwanzigminütigen Gespräch ließ er mich wissen, daß man über uns im Bilde sei und uns unbedingt bei unseren friedlichen Bemühungen und unserem Eintreten für die grundlegenden menschlichen und bürgerlichen Freiheiten unterstützen wolle. Er betonte ausdrücklich, daß "auch der Bischof und alle seine Gläubigen hier bleiben müssen" und "allen gewaltsam Vertriebe­nen die Rückkehr und das Leben ermöglicht werden muß - nicht als Sklaven, sondern als Menschen". - Gebe Gott, daß dies auch Wirklichkeit wird!
6. Lassen Sie mich Ihnen, Eure Exzellenz, nochmals meinen tiefempfun­denen Dank für Ihre ständige Sorge um uns alle, die zum Bistum Banja Luka gehörenden Menschen, sagen. Ich möchte über Sie auch Seiner Heiligkeit Jo­hannes Paul II. sowie allen Persönlichkeiten beim Heiligen Stuhl, denen wir am Herzen liegen und die für uns beten und uns unablässig ermutigen, trotz der derzeitigen Heimsuchungen nicht nachzugeben, sondern auch weiterhin stand­haft das Unrecht zu ertragen, um Vergebung und Versöhnung bemüht zu sein und danach zu streben, daß das Reich Christi in diesem Gebiet nicht vernichtet wird, von ganzem Herzen danken! "Viribus unitis" - gemeinsam und mit Gott, wird uns dies sicher auch gelingen! Gepriesen sei Gott, jetzt und immerdar! - Ich verbleibe auch diesmal mit dem Ausdruck meiner Hochachtung. Ihr in Christo ergebener

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DANK SEI UNSEREN "WEISSEN SCHWESTERN"
Sehreiben des Bischofs an die Generaloberin der Ordensgemeinschaft
"Hl. Vinzenz von Paul", Schw. A. T. ©utra
(Prot. Nr. Präs. 170/95 vom 13. November 1995)

Sehr geehrte würdige Mutter Agneta,
soeben habe ich erfahren, daß Sie sich auf die Reise begeben haben, um Ihre gütigen, um die Kirche in der Diaspora verdienten Schwestern zu besu­chen. Ich nutze diese Gelegenheit, um Sie wenigstens auf diese Weise "zu errei­chen".
Da leider die Verbindungen und Wege zwischen uns und Ihnen noch im­mer sehr erschwert, fast unmöglich sind, ist es mir nicht gelungen, Ihnen früher zu schreiben. In jedem Falle möchte ich nochmals von ganzem Herzen danken, Ihnen persönlich und unseren lieben "weißen Schwestern", die hier "bis zum Letzten" bei uns waren und uns dann verlassen haben - körperlich, aber, wie ich glaube, nicht im Geiste. Ich weiß, daß Sie persönlich und Ihre ganze Ordensgemeinschaft uns nicht vergessen, besonders nicht im Angesicht des Herrn. Wie könnten Sie auch, wo doch hier bei uns in dieser unserer Zeit unsere unvergeß­liche und gütige Schwester Cäcilia, eine wahrhaftige Märtyrerin der Liebe und Aufopferung, ihre Treue zu Christus und seiner Kirche durch den Dienst in Ihrer Ordensgemeinschaft sogar mit dem eigenen Blut bezeugt hat! - Ihr Opfer ist für uns alle Heiligtum und Verpflichtung! Ihre Gestalt und ihr Werk darf nicht dem Vergessen preisgegeben werden! - Ich bin überzeugt, daß aus ihrem unschuldi­gen, für Christus gegebenen Opfer, sowohl für die Ordensgemeinschaft, die sie "geboren hat", wie auch für die Kirche, der sie gedient und für die sie sich geopfert hat, kostbare geistige Früchte sprießen werden! - Es werden, wenn es des Herrn Wille ist, bald Zeiten kommen, wo wir all das nachholen können, was wir der lieben verstorbenen Märtyrerin (und unseren Pfarrern - Märtyrern) schul­dig sind.
Bis dorthin beharren wir in Glaube, Hoffnung und Liebe zum Herrn und zu den Menschenbildern! - Darin leisten besondere, für uns kostbare Unterstüt­zung gerade Ihre wundervollen Schwestern hier, wo Sie sich jetzt befinden! Gott möge es ihnen hundertfach vergelten! Wir können es ihnen nicht ausrei­chend danken!
Ihr hiesiges Haus-Kloster steht wie es steht. Es sind jene Menschen darin -  wielange dies so bleibt weiß nur Gott allein. Wenn es zu irgenwelchen Partei­änderungen oder ähnlichem kommt, werde ich mich bemühen, Ihnen dies in jedem Falle zu melden.
Ich bitte Sie, alle lieben Schwestern Ihrer Ordensgemeinschaft, beson­ders die dort, sowie auch jene, die hier bei uns waren, sehr zu grüßen! Indem ich mich, wie auch alle anderen um mich, auch weiterhin Ihren heiligen Gebeten und Opfern anempfehle, grüße ich Sie persönlich von ganzem Herzen!
Im Herrn ergeben

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

ALLE HABEN UNS DER UNGNADE VON TYRANNEN UND GESETZLOSEN ÜBERLASSEN!
Brief des Bischofs an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), V. Kardinal Puljiæ
(Port. Nr. Präs. 177/95 vom 17. November 1995)

Eure Eminenz, lieber Bruder im Bischofsamt,
ich habe (per Fax) von Dir einige Schreiben erhalten: vom 29. und 31. Oktober sowie Nr. 190, 191 und 192, alle vom 08. November d. J. Ich bedanke mich und nehme alles zur Kenntnis. Ich wünsche für alle in diesen Schreiben genannten Projekte und Vorhaben, daß sie auch bestmöglich gelingen, d.h. Gott zum Ruhm gereichen und der Seelenrettung dienen!
Ich nutze diese Gelegenheit, um Dich kurz über unsere derzeitige Lage zu informieren. Sie hat sich leider nicht zum Besseren verändert. Auch weiterhin verfolgt man die wenigen Menschen, die von uns übriggeblieben sind, wobei man sie körperlich (und insbesondere seelisch) quält. Infolge solch bestialischer Mißhandlungen ist dieser Tage der auch Dir bekannte Ratsherr und vorbildliche Christ, Herr Skoèibu¹iæ, gestorben. Viele unserer Leute, die schwer verletzt wurden, befinden sich in ärztlicher Behandlung! Möge Gott sich erbarmen.
Unsere drei Häuser sind voll mit unseren Verfolgten und Flüchtlingen, teils hiesige, teils aus dem Gebiet von Sanski Most und Sasina. Es ist zu wenig Platz da, um alle unterzubringen, die kein Dach über dem Kopf haben! Dabei kümmert sich niemand wirklich um diese bedauernswerten Menschen; weder die hiesigen Behörden noch die Politiker des kroatischen Volkes tun etwas! Man quält uns wahrhaft sadistisch! Alle haben uns der Ungnade von Tyrannen und Gesetzlosen überlassen! Möge Gott sich unser erbarmen!
Vor einer Woche wurden Ordensschwestern aus ihrem Haus in Bosanska Gradi¹ka vertrieben.
Deinen Nachfolger haben vor drei Tagen erneut bewaffnete Uniformierte in dessen eigenem Haus überfallen, sie haben ihn mißhandelt und ihm das Auto weggenommen.
Bezüglich des Pfarrers T. Matanoviæ besagt die jüngste "amtliche" Nach­richt, daß er am 10. Oktober d. J. über Tesliæ (!) die RS verlassen habe! Davon ist niemandem etwas bekannt! In den vergangenen Tagen hat mich zunächst Herr Shattuck im Auftrag der USA und dann auch Herr Pedoaye im Auftrag der UNPROFOR aufgesucht. Gebe Gott, daß diese Besuche denen, die dies am nötigsten haben, etwas bringen!
Ich weiß nicht, ob Du kommende Woche zur Ratssitzung nach Rom rei­sen kannst. Meine Bewegungsfreiheit beschränkt sich noch immer auf den Weg vom Haus zur Kathedrale! Wenn Du nach Rom kommst, grüße bitte alle - ja­wohl, alle! Danke ihnen, daß sie an uns denken! Mit brüderlichen Gruß

 + Franjo, Bischof

 anfang der seite

HEILIGER VATER, ICH BIN TIEF BEWEGT ANGESICHTS IHRER VÄTERLICHEN LIEBE UND IHRER STETIGEN SOLIDARISIERUNG MIT UNS!
Brief des Bischofs an den Heiligen Vater, Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 183/95 vom 28. November 1995)

Heiliger Vater,
über die ehrwürdige Apostolische Nuntiatur in Belgrad hat mich die er­freuliche Nachricht erreicht, daß Seine Exzellenz. Msgr. Francesco Monterisi, der Apostolische Nuntius in Bosnien und Herzegowina, auf ausdrücklichen Wunsch Eurer Heiligkeit demnächst zu einem Besuch unserer übriggebliebenen getreuen "kleinen Herde" entrechteter Angehöriger meines von schwerem Un­heil heimgesuchten Bistums nach Banja Luka kommen soll.
Ich bete zu unserem gütigen Gott, daß dieser Besuch auch wirklich zustandekommt!
Wie schon vielmals in der Vergangenheit bin ich auch diesmal angesichts Ihrer väterlichen Liebe und Ihrer stetigen Solidarisierung mit uns und allen Menschen, die wegen der Kräfte der Dunkelheit und des Bösen entsetzlich lei­den, tiefbewegt. Trotz unzähliger Sorgen bei der Lösung der großen aktuellen Probleme sowohl der Kirche als Ganzem als auch der Menschheit fühlt Ihr vä­terliches Herz auch mit uns, die wir von vielen, die uns physisch viel näher sind, wie es scheint, "abgeschrieben" und von anderen, die von Amts wegen die Men­schenrechte und Freiheiten Einzelner und ethnischer und religiöser Gemein­schaften schützen sollen, fast ganz vernachlässigt worden sind.
Heiliger Vater, mir fehlen die Worte, um die tiefe Dankbarkeit und Liebe auszudrücken, die wir alle hier im Bistum Banja Luka, Ihnen gehorsam als unersetzlichem Stellvertreter Christi auf Erden folgende Menschen, empfinden. Im Namen aller Gott zuliefst dankbaren Angehörigen der gequälten, aber ge­treuen Gemeinde meines Bistums kann ich Eurer Heiligkeit auch diesmal be­richten, daß wir weiterhin beharrlich Tag für Tag bemüht sind, die Gebote der Heiligen Schrift, insbesondere das aus Lk 6, 27 "Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen" und das aus 1. Joh 3, 18 "Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheil", sowie den letztes Jahr in Sarajevo und in Zagreb in den Botschaften an uns alle zum Ausdruck gebrachten Wunsch Eurer Heiligkeit nach Vergebung und Versöhnung in die Tat umzusetzen!
Indem ich meine Sohnestreue gegenüber Eurer Heiligkeit zum Ausdruck bringe, bitte ich Sie hiermit um Ihren heiligen apostolischen Segen für meine hingebungsvoll bemühten und treuen Mitarbeiter, Geistlichen und Ordensleute, die uns echte Treue gegenüber Christus und der Kirche vorleben, und alle ande­ren Angehörigen der Gemeinde meines Bistums, gleich, ob sie sich dortselbst befinden oder im Exil leben, in der sehnsüchtigen Erwartung, wieder in ihre Pfarrgemeinden und ihre jahrhundertealten Heimstätten zurückkehren zu kön­nen.
Ihr in Christo, unserem Guten Hirten, Eurer Heiligkeit stets dankbarer

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

WIR KÖNNEN NICHT NUR SCHWEIGEND ZUSEHEN, WIE ANDERE ÜBER UNSERE ZUKUNFT ENTSCHEIDEN
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. F. Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 188/95 vom 01. Dezember 1995)

Eure Exzellenz,
die Ankündigung, daß Sie in Kürze zu uns nach Banja Luka kommen werden, hat uns sehr erfreut. Ich habe sofort die erforderlichen Schritte bei den hiesigen zuständigen Behörden unternommen, damit diese rechtzeitig informiert sind und die notwendige Genehmigung erteilen. Wir erhielten den Ihnen auf­grund unserer Mitteilung an die Nuntiatur in Belgrad wahrscheinlich bereits bekannten Bescheid, daß man die Erlaubnis für Ihr Kommen an die Bedingung knüpft, daß der orthodoxe Bischof, Herr Atanasije, die Möglichkeit zur Einreise in das Gebiet von Herceg-Bosna erhält, um Orten, Heiligtümern und Gläubigen einen Pastoralbesuch abzustatten. Dies erinnert uns an ein ähnliches "Spiel" aus der Zeit vor sechs Monaten, als Sie auch kommen wollten, aber keine Genehmi­gung erhielten. Ich habe die zuständigen Persönlichkeiten bei der Regierung von Herceg-Bosna gebeten, ihrerseits alles zu tun, damit Sie keine unnötigen Schwierigkeiten hinsichtlich der Verwirklichung Ihres Vorhabens und des aus­drücklichen Wunsches des Heiligen Vaters haben. Noch immer habe ich keiner­lei Antwort erhalten, weder von Herceg-Bosna noch von der RS bzw. Pale. Dennoch hoffe ich, daß in Bälde eine positive Antwort kommt und daß wir, so Gott will, Sie mit Ihren geschätzten Begleitern bald begrüßen und uns mit Ihnen freuen können.
Gestern hat uns Frau Elisabeth Rehn, die Sonderberichterstatterin der UN zu Fragen der Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien, besucht. Sie er­wähnte, daß sie nach dem Besuch in Mostar nach Rom reisen wird und daß sie gern mit Persönlichkeiten beim Heiligen Stuhl Verbindung aufnehmen mochte. Ich habe sie unter anderem gebeten, auch ihrerseits darauf zu drängen, daß un­ser völlig harmloser und unschuldiger Geistlicher Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor, freigelassen wird und man endlich vom Schicksal unseres seit lan­gem entführten Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, erfährt. Ich hoffe, daß sie wirklich die erforderlichen Schritte unternimmt, damit aufgeklärt wird, wie es um unsere beiden Geistlichen steht, die große Märtyrer sind. Vor zwei Tagen habe ich auch in einem Gespräch mit einem der hiesigen serbischen Politiker (einem Abgeordneten des Parlaments der RS) darauf gedrungen, daß man unsere unrechtmäßig weggebrachten Geistlichen freigibt. Er versprach, daß er sehen wolle, was sich für dieselben tun läßt. Es gibt keinerlei Zweifel, daß an der schlimmen Tragödie unserer bezeugtermaßen friedfertigen Geistlichen, die allen Menschen ihres Umfelds Gutes getan haben, die derzeitigen örtlichen Be­hörden schuld sind. Diese wissen, was mit den Geistlichen geschehen ist und wo diese sich befinden, so, wie sie auch über das Unglück im Bilde waren, das weitere unserer Geistlichen, unsere Gläubigen und unsere kirchlichen Einrich­tungen getroffen hat.
In den letzten Tagen sind in den hiesigen Medien auf Meldungen auslän­discher Agenturen basierende Behauptungen häufiger geworden, wonach im Gebiet der Gemeinden Mrkonjiæ Grad und ©ipovo, die sich derzeit unter der Kontrolle der Föderation BiH befinden, aber der RS zurückgegeben werden sollen, das Eigentum der serbischen Bevölkerung zerstört wird. Ich habe die Bestätigung bekommen, daß dies zutrifft. Ich betrachte es als meine Pflicht, gegen die von unverantwortlich handelnden Einzeltätern bzw. Gruppen began­genen Verbrechen zu protestieren; solche Taten sind sehr schädlich für unsere dort verbliebene friedliche Bevölkerung bzw. unsere Gläubigen, die diese ganze Zeit über große Leiden erduldeten, aber unbedingt in ihrer jahrhundertealten Heimat und in ihrer Pfarrei bleiben wollten. Jetzt kann es geschehen, daß eigen­mächtig oder mit Duldung der für Öffentliche Ruhe und Ordnung Zuständigen begangene Greueltaten irgendwelcher - von außerhalb gekommener - Leute ein weiteres Verbleiben unserer Gläubigen in dem Gebiet vereiteln. Ich habe den Eindruck, daß einige politische Vertreter des kroatischen Volkes in Herceg-Bosna wahrlich rücksichtslos über die Zukunft der katholischen Kirche in diesem Raum, in dem es sie seit Jahrhunderten gibt, Entscheidungen treffen. Wir können nicht nur schweigend zusehen, wie andere - unbefugte - Leute über unsere Zukunft entscheiden. Wenn wir doch bisher in der Praxis gezeigt haben, daß wir willens und imstande sind, mit unseren Nachbarn in Frieden zu leben, und daß wir fähig und bereit sind, zu vergeben und mit ihnen von neuem eine bessere Zukunft zu erbauen, fragen wir uns, warum man dies vorsätzlich mit solchen und ähnlichen höchst unstatthaften Methoden und "Aktionen" unmöglich machen will! Vielleicht müßte doch auch seitens einer höheren kirchlichen Instanz, d.h. des Hei­ligen Stuhls, bei den maßgebenden politischen Vertretern angefragt werden, warum so verfahren wird!
Diese Problematik habe ich heute auch Seiner Eminenz, Kardinal Puljiæ, dargelegt, für den eine Kontaktaufnahme mit den maßgeblichen Politikern leichter ist als für mich, damit er verhindert, daß es zu weiteren negativen "Aktionen" kommt, die der Zukunft der katholischen Kirche in unserem Raum bzw. in Bos­nien und Herzegowina nur abträglich sein können.
Verehrte Exzellenz, in der festen Hoffnung, daß wir uns, so Gott will, demnächst hier sehen und die Möglichkeit haben werden, alles zu besprechen, sage ich Ihnen nochmals meinen Dank für alles, was Sie für uns tun, und grüße Sie herzlich im Herrn! Ihr

 + Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

anfang der seite  
 

AN KIRCHLICHE WÜRDENTRÄGER

ÜBERFÄLLE AUF KATHOLISCHE GEISTLICHE, ORDENSSCHWESTERN UND GLÄUBIGE UND ANGRIFFE GEGEN KIRCHLICHE GEBÄUDE IM BISTUM BANJA LUKA

DER PFARRER VON GLAMOÈ, HOCHW. ZVONIMIR MATIJEVIÆ, WURDE KÖRPERLICH SCHWER MIßHANDELT UND WARTET IM KRANKENHAUS VON KNIN DARAUF, AUSGETAUSCHT ZU WERDEN

BEWAFFNETER ÜBERFALL AUF DAS KLOSTER IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC

"ES IST MEIN ANLIEGEN, MIT ALLEN KRÄFTEN DAS LEBEN DER ANGEHÖRIGEN UNSERER GEMEINSCHAFTEN UND DAS DIESEN GEMEINSCHAFTEN GEHÖRENDE EIGENTUM ZU SCHÜTZEN"

DRAMATISCHE LAGE DER ORDENSSCHWESTERN DER GEMEINSCHAFT "KLANJATELJICE KRVI KRISTOVE" IM KLOSTER NOVA TOPOLA

"DAS STERBEN JESU TRAGEN WIR AN UNSEREM LEIBE"

"MÖGE UNSER HIMMLISCHER VATER DURCH DIE GEDULD DER HIESIGEN CHRISTLICHEN GLÄUBIGEN GEPRIESEN SEIN!"

"ICH WERDE ALLES TUN, UM DIE GEISTLICHEN UND DIE GLÄUBIGEN ZU SCHÜTZEN"

"ES IST MIR GELUNGEN, EINIGE PFARRGEMEINDEN ZU BESUCHEN!"

"MÖGE GOTT UNS DIE KRAFT ZUM WEITEREN DURCHHALTEN GEBEN!"

"ES MÜSSTE BALDMÖGLICHST EIN TREFFEN DER ORTHODOXEN UND KATHOLISCHEN BISCHÖFE ORGANISIERT WERDEN"

"MAN KANN WEDER WEGGEHEN NOCH BLEIBEN"

"WIR SIND MIT C. VANCE UND D. OWEN ZUSAMMENGETROFFEN"

"IN VIELEN PFARRGEMEINDEN IST ES SEHR DRAMATISCH!"

ANGST UND HOFFNUNG WECHSELN EINANDER AB

"ICH HABE MIT UNSERER CARITAS VIELE UNSERER PFARRGEMEINDEN BESUCHT"

UNSER VORBILD WURDE UMGEBRACHT - EIN GEISTLICHER, EIN WAHRHAFTIGER MÄRTYRER!

TUN SIE ALLES, DAMIT DER ABRISS DER ORTHODOXEN KATHEDRALE IN KARLOVAC VERHINDERT WIRD (SOFERN DIES JEMAND ZU TUN BEABSICHTIGT)

DIE MENSCHEN SIND AUCH WEITERHIN IN ENTSETZLICHER PANIK UND SUCHEN NACH EINER MÖGLICHKEIT, SICH IRGENDWOHIN IN SICHERHEIT ZU BRINGEN

WIR HABEN NOCH NICHT DEN MUT VERLOREN

WIR HABEN UNS NICHT ABGESCHRIEBEN, WIR HABEN DIES AUCH NICHT VOR!

NACHDRÜCKLICHER WUNSCH ZUR FORTSETZUNG DER OFFIZIELLEN ZUSAMMENKÜNFTE DER GEMISCHTEN KOMMISSIONEN AUS VERTRETERN DER KATHOLISCHEN UND DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE

ÜBER DREITAUSEND FLÜCHTLINGE AUS KAKANJ, HALJINIÆI UND VARE© SIND DURCH BANJA LUKA GEKOMMEN

DIE MACHTHABER MACHEN VERSPRECHUNGEN, HALTEN ABER FAST NICHTS EIN

DIE GEGENWÄRTIGEN SCHLIMMEN GESCHEHNISSE HINDERN MICH AM KOMMEN

HEILIGER VATER, DANKE, DASS SIE UNS NICHT VERGESSEN HABEN!

EURE HEILIGKEIT, WAS IST JETZT UND WEITERHIN ZU TUN, DAMIT DAS KIRCHENVOLK MEINES BISTUMS ZUM GRÖSSEREN RUHM GOTTES BEITRÄGT?

UNSERE LEUTE DIENEN ALS LEBENDER SCHILD

AUSDRUCKLICHER WUNSCH ZWEIER BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE NACH EINEM TREFFEN MIT DEN KATHOLISCHEN BISCHÖFEN KROATIENS

SCHON VOLLE DREI JAHRE ERTRÄGEN WIR VÖLLIG UNSCHULDIGER WEISE DAS ÜBER UNSER HEIMATLAND HEREINGEBROCHENE UNGLÜCK

VERWENDEN SIE SICH DAFÜR, DASS DIE BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE DIE GENEHMIGUNG ZUM BESUCH DER ORTHODOXEN BISTÜMER IN KROATIEN ERHALTEN!

VERTREIBUNG AUCH DER LETZTEN ORDENSSCHWESTERN AUS DEN KLÖSTERN IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC UND NOVA TOPOLA

HEILIGER VATER, UNSERE AGONIE ERREICHT IHREN HÖHEPUNKT!

AUCH WEITERHIN VERNICHTEN UNS DIE ZERSTÖRERISCHEN KRÄFTE DES BÖSEN

ALLE UNSERE HIESIGEN PFARRGEMEINDEN WERDEN PLANMÄSSIG DURCH GEWALTSAMES UND WIDERRECHTLICHES VORGEHEN AUSGEMERZT

ICH BETRACHTE ES ALS MEINE PFLICHT, HIER,IM HERZEN MEINES BISTUMS, ZU BLEIBEN

TROTZ DER VÖLLIGEN UNGEWISSHEIT SIND WIR BEHARRLICH IM GLAUBEN UND IN DER HOFFNUNG

ICH STEHE WEITERHIN UNTER HAUSARREST

NOCH IMMER STEHEN WIR BEHARRLICH ZU UNSERER ENTSCHEIDUNG, HIER ZU BLEIBEN

SETZEN SIE SICH DAFÜR EIN, DASS DIE BEVÖLKERUNG DER REGION BANJA LUKA DIE DRINGEND BENÖTIGTE ELEKTRISCHE ENERGIE ERHÄLT

MEIN BISTUM IST AUF DIE "RELIQUIAE RELIQUIARUM" REDUZIERT

DANK SEI UNSEREN "WEISSEN SCHWESTERN"

ALLE HABEN UNS DER UNGNADE VON TYRANNEN UND GESETZLOSEN ÜBERLASSEN!

HEILIGER VATER, ICH BIN TIEF BEWEGT ANGESICHTS IHRER VÄTERLICHEN LIEBE UND IHRER STETIGEN SOLIDARISIERUNG MIT UNS!

WIR KÖNNEN NICHT NUR SCHWEIGEND ZUSEHEN, WIE ANDERE ÜBER UNSERE ZUKUNFT ENTSCHEIDEN

 

..::Dragalovci::..

 

Copyright © 2005 all rights reserved - webmaster@biskupija-banjaluka.org