|
-
III -
AN KIRCHLICHE WÜRDENTRÄGER
ÜBERFÄLLE AUF KATHOLISCHE GEISTLICHE, ORDENSSCHWESTERN
UND GLÄUBIGE UND ANGRIFFE GEGEN KIRCHLICHE GEBÄUDE IM BISTUM BANJA
LUKA
September 1991 bis März 1992
BOSANSKA
GRADI©KA
Am
21. September 1991 in den Nachmittagsstunden (15.30-18.45 Uhr)
wurden in der Pfarrgemeinde Bosanska Gradi¹ka das Pfarrhaus und
die Pfarrwohnung durchsucht und der Pfarrer und das Pfarrpersonal
körperlich schwer angegriffen. Wegen der ihm von Uniformierten
zugefügten Verletzungen war der Pfarrer einen Monat lang nicht
in der Lage, sein Amt auszuüben. In der Pfarrwohnung wurden viele
Gegenstände schwer beschädigt.
In der Pfarrgemeinde wurden vier unschuldige Katholiken getötet,
obwohl sie bei keiner der Parteien politisch oder militärisch
engagiert gewesen waren, und zwei katholische Häuser wurden durch
angebrachte Sprengladungen völlig zerstört.
NOVA
TOPOLA
Am
08. Oktober 1991 um 03.40 Uhr wurde die Pfarrkirche mit Granaten
beschossen. Am Turm entstand ein großes Loch.
Am 30. Oktober 1991 um 23.10 Uhr wurden zwei Granaten auf die
Pfarrkirche abgeschossen. Es entstand großer Sachschaden am Eingang
der Kirche.
Am 08. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf die
Filialkirche in Æelinovac. Es entstand geringerer Sachschaden.
Am 11. November 1991 erfolgte ein bewaffneter Angriff auf das
Kloster der ehrwürdigen Schwestern in Nova Topola. Es wurden Fenster
beschädigt, und einige Tage später wurden diese Fenster mit Steinen
vollständig zertrümmert.
Am gleichen Tage wurde zwischen ein Haus und die Kirche eine Handgranate
geworfen.
Am 14. Dezember 1991 wurde die Eingangstür der Pfarrkirche aus
einer Handfeuerwaffe beschossen.
Am 27. Dezember 1991 gegen 19.00 Uhr erfolgte eine starke Schießerei
in der Umgebung des Klosters der ehrwürdigen Schwestern. Einige
Geschosse durchschlugen die Tür sowie Fenster.
Am Neujahrstag wurde in der Umgebung mit Waffen aller Art geschossen.
Es wurde sogar eine 50 cm dicke Mauer durchschossen.
Am 21. Februar 1992 wurde in der Umgebung der Kirche und des Klosters
mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Einige Geschosse trafen das
Kloster. In der gleichen Nacht wurden auf die Kirche zwei Granaten
abgefeuert.
Am 28. Februar 1992 um l8.30 Uhr wurden die Fensterscheiben der
Veranda des Klosters mit Steinen zertrümmert.
Am 01. März 1992 wurden vier Fenster des Klosters mit Steinen
beworfen.
Am 05. März 1992 wurde festgestellt, daß auf eine Mauer des Wirtschaftsgebäudes
häßliche und drohende Worte geschrieben waren.
BOSANSKI
ALEKSANDROVAC
Am
18. September 1991 um 21.15 Uhr wurde auf die Klostergebäude geschossen.
Am 20. September gegen 21.30 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe
geschossen und es wurden enige Leuchtraketen abgefeuert. Die Fassade
der Pfarrkirche wurde beschädigt.
Am 30. September 1991 gegen 17.00 Uhr wurden von der Landstraße
Banja Luka - Bosanska Gradi¹ka her von einem Militär - Lkw drei
Geschosse auf die Kirche und das Kloster abgefeuert. Ein Geschoß
durchschlug eine Balkontür.
Am 02. Oktober 1991 gegen 17.00 Uhr wurde auf das Kloster geschossen,
wobei Fensterscheiben durchschlagen wurden. In derselben Nacht
um 23.30 Uhr brach in der Umgebung des Klosters und der Kirche
eine große Schießerei aus. Es wurden die Mauern und das Dach der
Kirche und des Klosters beschädigt.
Am 30. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr und um 01.15 Uhr wurde auf
die Kirche geschossen. Dabei wurden Ziegel zertrümmert und Mauern
beschädigt.
Am 04. November 1991 gegen 21.00 Uhr begann eine Schießerei, die
bis 00.30 Uhr andauerte. Mauern und Fenster der Kirche wurden
beschädigt.
Am 20. November 1991 wurde die Kirche mit Leuchtmunition beschossen.
Die Fassade der Kirche wurde beschädigt
Am 02. Dezember 1991 um 16.00 Uhr wurde von der Landstraße nach
Bosanska Gradi¹ka her aus einer Militärkolonne auf die Kirche
geschossen. Einige Ziegel auf dem Dach der Kirche wurden zertrümmert.
Am 07. Dezember 1991 gegen 23.00 Uhr wurde aus einer Schnellfeuerwaffe
geschossen. Ein Fenster des Klosters wurde zertrümmert.
Am 11. Dezember 1991 um 21.35 Uhr wurde das Haus, in dem der Pfarrer
wohnt, beschossen und die Fassade des Hauses beschädigt.
Am 03. Januar 1992 um 23.10 Uhr wurden einige Geschosse abgefeuert,
wobei die Fassade des Pfarrhauses beschädigt wurde.
Am 08. Februar 1992 landen die Ordensschwestern neben der Stallung
eine nicht explodierte Mine.
Gegen die Gläubigen werden ständig Drohungen ausgesprochen.
MAHOVLJANI
Am
23. September 1991 gegen 03.00 Uhr wurden auf die Pfarrkirche
drei Sprenggeschosse abgefeuert. Es entstand sehr großer Schaden
an der gerade renovierten Kirche, und durch die Explosionen zerplatzten
auch Glasscheiben der Pfarrkirche.
TRN
Am
24. Oktober 1991 gegen 22.00 Uhr wurden ungefähr 20 Geschosse
auf die Pfarrkirche und das Pfarrhaus abgefeuert. Einige Geschosse
durchschlugen Fenster des Hauses, und nur dank eines göttlichen
Wunders ist der Pfarrer, Bruder Bla¾ Markoviæ, dem ein Geschoß
das Ohr streifte, nicht ums Leben gekommen. Die Fassaden der Kirche
und des Pfarrhauses wurden beschädigt.
DOLINA
Am
26. Februar 1992 wurde ein Haus in Brand gesetzt, und darin ist
Ilija Marinoviæ verbrannt, dem, wie eine Kommission feststellte,
zuvor der Kopf und die Extremitäten abgetrennt worden waren.
An drei Häusern katholischer Kroaten wurden Sprengladungen angebracht,
und das Verschwinden einer Person ist noch immer nicht aufgeklärt.
PRNJAVOR
Am
18. Januar 1992 gegen 19.00 Uhr wurde Zdenko Èoliæ aus Drenova
körperlich schwer mißhandelt. Das Geschehnis ereignete sich in
der Nähe der Polizeiwache. Während ihn die Täter schlugen, nannten
sie ihn einen Ustascha und beleidigten ihn mit Schimpfworten._
Am 05. Februar 1992 wurden auf dem Friedhof in Dolina rd. 10 Kreuze
herausgerissen und herumgeworfen.
GLAMOÈ
In
der Nacht vom 31. Dezember 1991 auf den 01. Januar 1992 wurden
zwei Fenster im oberen Bereich der Kirche /erschlagen.
Am 24. Februar 1992 gegen 15.40 Uhr lötete ein Reservist ohne
jeden Grund den Arzt Dr. Alojzije Kelava. Dessen einzige "Schuld"
war, daß er bei der Vorbereitung des von der Regierung von Bosnien
und Herzegowina ausgeschriebenen Referendums mitwirkte.
Der Mörder wurde von einem Hubschrauber aus Knin abgeholt.
Übermittelt
an:
das Sekretariat der BK - Zagreb

DER
PFARRER VON GLAMOÈ, HOCHW. ZVONIMIR MATIJEVIÆ, WURDE KÖRPERLICH
SCHWER MIßHANDELT UND WARTET IM KRANKENHAUS VON KNIN DARAUF, AUSGETAUSCHT
ZU WERDEN
Schreiben an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof von Zagreb
(Prot. Nr. 285/92 vom 20. April 1992)
Eure
Eminenz,
laut soeben erhaltenen Nachrichten l legt ein zum Bistum Banja
Luka gehörender Geistlicher, Hochw. Zvonimir Matijeviæ, Pfarrer
in Glamoè, der trotz der Versicherungen der Behörden in Glamoè,
daß ihm nichts geschehen werde, am 12. April 1992 (am Palmsonntag)
von Angehörigen des Kniner Armeekorps festgenommen und nach Knin
gebracht wurde, in sehr ernstem Zustand im Kniner Militärkrankenhaus.
Durch schwere Mißhandlungen erlitt er einige Armfrakturen, eine
Lungenblutung und andere schwere Verletzungen. Gemäß denselben
Nachrichten macht das Militär seine Freilassung davon abhängig,
daß er gegen einen Piloten ausgetauscht wird, den die kroatischen
Streitkräfte gefangengenommen hatten, als er Kupres und Tomislavgrad
bombardierte. Außerdem wird die Freilassung angeblich gefangengenommener
orthodoxer Geistlicher, der orthodoxen Pfarrer von Kupres und
Tomislavgrad, verlangt. Inzwischen hat der Fernsehsender Belgrad
gemeldet, daß sich diese Geistlichen vor Ausbruch der Kampfe in
Sicherheil gebracht haben.
Falls diese Geistlichen gefangengenommen worden sind, rufen wir
hiermit zum Austausch auf, damit wir das Leben unseres sich in
großer Gefahr befindenden Geistlichen retten. Wir bitten alle
Zuständigen und rufen sie auf, alles zu unternehmen, was möglich
ist, damit der unschuldige Pfarrer Matijeviæ baldigst freigelassen
wird.
Wir sagen im voraus aufrichtigen Dank für jede Hilfe!
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

BEWAFFNETER
ÜBERFALL AUF DAS KLOSTER IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC
Brief an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), V. Puljiæ
(Prot. Nr. 406/92 vom 21. Mai 1992)
Lieber
Vinko,
Deinem Wunsch gemäß erstatte ich Dir hiermit Bericht. Zunächst
gebe ich Dir zusätzliche Informationen über Deinen Geistlichen
Pfarrer Kudiæ in Doboj und die Ordenschwestern der Gemeinschaft
"Mägde des Kleinen Jesus" in Doboj:
1. Nach den Aussagen von Schwester Oliva Svetinoviæ", der
es gelang, nach Banja Luka zu kommen, war der Pfarrer bis zum
17. Mai, einem Sonntag, noch in seiner Wohnung in Doboj, die zwar
durch Granaten und Feuer teilweise beschädigt, jedoch noch immer
soweit erhalten war, daß man darin, zumindest in einigen Räumen,
zur Not wohnen konnte.
So konnten auch die verbliebenen vier Schwestern nach der am 12.
Mai erfolgten Zerstörung ihres Hauses durch Bewaffnete bei ihm
unterkommen. Den Schwestern wurde gesagt, daß sie fortgebracht
werden, aber erst in 15 Tagen. Schwester Oliva befürchtet, daß
man sie irgendwohin ins Ozren-Gebiet bringen wird, damit sie dort
Verwundete pflegen.
Es ist uns gelungen, ihr ein Ticket für den Flug nach Belgrad
zu besorgen, da sie selbst den Wunsch äußerte, zu den Schwestern
ihrer Gemeinschaft in Gerestried weiterzureisen. Wir hoffen, daß
es ihr gelungen ist.
2. Bezüglich des letzte Nacht erfolgten bewaffneten Zwischenfalls
in Bosanski Aleksandrovac lege ich Dir eine Kopie des Schreibens
der Äbtissin, Schw. Maristella, bei. Ich persönlich habe eingeschlagene
Türen, zerbrochene Fensterscheiben, einen zerschlagenen Tisch
und zerschlagene Stühle auf dem Balkon und kleinere Beschädigungen
an den Fassaden sowie beschädigte Dachziegel auf dem Haus- und
dem Kirchendach gesehen.
Nach meiner Rückkehr habe ich den Leiter der Schutzpolizei und
den leitenden Beamten der Polizeiwache von Lakta¹i, die bereits
vor mir bei den Schwestern gewesen waren, aufgesucht und meine
Betrübnis zum Ausdruck gebracht und scharfen Protest angesichts
des gegen eine Gemeinschaft älterer und kranker Ordensschwestern
und Nonnen gerichteten jüngsten Zwischenfalls eingelegt.
Die Schwestern haben mir - und vor mir auch den Beamten versichert,
daß die betreffenden Täter im großen und ganzen den in Lakta¹i
für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Stellen bekannt sind,
was diese nicht einmal abstreiten. Diese gleichen Stellen wiederholen
ihre Versprechungen, daß sie all diesen bösen Ausschreitungen,
bei denen man katholische Ordensschwestern und die kleine Anzahl
im Gebiet von Bosanski Aleksandrovac und Lakta¹i verbliebener
Katholiken überfällt, ein Ende machen werden.
Tatsache ist, daß solche Ausschreitungen im Laufe der letzten
neun Monate immer wieder erfolgen. Die Schwesterngemeinschaft,
die bereits über 100 Jahre in Bosanski Aleksandrovac ansässig
ist, will jedoch trotz dieser rohen und unmenschlichen Überfälle
ihre Heimstatt nicht verlassen, in der Überzeugung, daß die Kirche
und die Zivilbehörden sie schützen werden. In der Tal tue ich
meinerseits alles, um diese überaus verdienten unschuldigen Ordensschwestern
unseres Bistums Banja Luka zu schützen, und ich werde dies auch
weiter tun.
Lieber Vinko, ich danke Dir für Deine uns trotz Deiner noch größeren
Probleme gewidmete Fürsorge. Gott gebe Dir Kraft und Frieden!
Es grüßt Dich und Deine Mitarbeiter
+
Franjo, Bischof
P.
S. Wenn Du es für erforderlich hältst, informiere bitte, wen Du
willst, denn diesmal können wir niemandem Nachricht geben.

"ES
IST MEIN ANLIEGEN, MIT ALLEN KRÄFTEN DAS LEBEN DER ANGEHÖRIGEN
UNSERER GEMEINSCHAFTEN UND DAS DIESEN GEMEINSCHAFTEN GEHÖRENDE
EIGENTUM ZU SCHÜTZEN"
Brief an Schw. Bernarda Kri¹tiæ, die Beratende Generalbeauftragte
der Schwesterngemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
(Prot. Nr. 443/92 vom 08. Juni 1992)
Geehrte
Schwester Bernarda,
im Nachgang zu unserem heule abend geführten Telefongespräch erhalten
Sie hiermit wunschgemäß schriftlich alle erforderlichen Informationen
über Ihre Schwestern in Bosanski Aleksandrovac (sowie über die
in Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka).
Ich habe bereits zuvor die ehrwürdige Leitung Ihrer Ordensprovinz
in Zagreb sowie die Apostolische Nuntiatur in Belgrad von der
Beilegung der dramatischen Situation im Zusammenhang mit dem
Versuch der gewaltsamen Räumung Ihres Klosters in Bosanski Aleksandrovac
unterrichtet. Anliegend erhalten Sie eine Kopie des Schreibens.
Abgesehen von den Ausführungen in dem erwähnten Schreiben möchte
ich an dieser Stelle auch noch hervorheben, daß das Hauptmotiv
bei dem Vorhaben der Hinaussetzung der Schwestern strenggenommen
der Wunsch einiger jetzt von der Front in Westslawonien zurückkehrender
Kämpfer gewesen war, sich mit anderen Kämpfern in den Räumlichkeiten
des Klosters einzuquartieren bzw. das ganze Eigentum des Klosters
an sich zu reißen. Diese Tatsache, die leider auch die örtlichen
Behörden in Lakta¹i nicht geleugnet haben, hat sowohl mich als
auch den orthodoxen Bischof, Herrn Jefrem, in unseren Gesprächen
mit ihnen besonders aufgebracht.
Bezüglich der derzeitigen Lage kann ich hier die Versicherungen
der Amtsträger der örtlichen Behörden, des Bürgermeisters und
Leiters des Krisenstabs, Dr. Joviæ, des Leiters der Polizeibehörde,
Herrn Dobrijeviæ, des Leiters der Kriminalpolizei, der auch bei
der kriminalpolizeilichen Untersuchung des Klosters die Leitung
hatte, Herrn Jovièiæ, des Vorsitzenden der Ortsverwaltung und
der Territorial Verteidigungsbehörde, Herrn Vujièiæ, und des Vorsitzenden
der Kommission für die Beziehungen zu den religiösen Gemeinschaften,
Herrn Glamoèanin, sowie noch einiger weiterer offizieller, mir
vom Namen her nicht bekannter Vertreter der Einwohner der umliegenden
Dörfer wiedergeben, wonach die Ordensschwestern nicht mehr belästigt
werden bzw. auch weiterhin ungestört in ihrem Kloster leben können.
In ähnlicher Weise hat sich mir gegenüber in Bosanska Gradi¹ka
der Leiter der Polizeidienststelle, Herr Vesiæ, im Namen der
Gemeindebehörde des Ortes hinsichtlich der Ordensschwestern in
den Klöstern Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka verbürgt, denen,
um die Wahrheit zu sagen, keine Gewalt wie in Aleksandrovac gedroht
hat.
In einem Gespräch, das ich zusammen mit dem orthodoxen Bischof
von Banja Luka, Herrn Jefrem, und dem Mufti von Banja Luka, Herrn
Haliloviæ, am Samstag, dem 06. Juni 1992, mit dem Bürgermeister
von Banja Luka, Herrn Radiæ, und dem Kommandanten des l. Krajina-Korps,
Generalmajor Taliæ, führte, habe ich außer den übrigen aktuellen
Problemen auch die Notwendigkeit des Schutzes für die Klöster
der Ordensschwestern Ihrer Gemeinschaft in unserem Gebiet, besonders
für die in Aleksandrovac, Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka, angeschnitten.
Beide Gesprächspartner, insbesondere General Taliæ, haben ihr
Versprechen wiederholt, nicht zuzulassen, daß den Schwestern etwas
zustößt.
Ich nehme alle genannten Herren, die maßgebliche Vertreter der
Behörden und des Militärs in unserem Gebiet sind, beim Wort,
und ich habe ihnen dies auch gesagt. Außerdem habe ich sie wissen
lassen, daß ich sowohl der Hauptverwaltung der Ordensgemeinschaft
als auch dem Heiligen Stuhl über alles Bericht erstatten werde.
Es ist mein Anliegen, mit allen Kräften das Leben der Angehörigen
unserer Gemeinschaften in diesem Gebiet und das diesen Gemeinschaften
gehörende Eigentum zu erhalten, und ich werde jede Möglichkeit
zur Beilegung der Spannungen kriegerisch-aufwieglerischen Charakters
nutzen und friedensfördernde Initiativen und Handlungen ausnahmslos,
gleich, von welcher Seite, moralisch unterstützen.
Möge unser gütiger Gott uns allen wie bisher beistehen, damit
uns Kriegszerstörungen und Todesopfer unter der unschuldigen Bevölkerung
erspart bleiben! Deshalb bitten wir auch weiterhin um Hilfe durch
Gebet auch seitens Ihrer mir besonders teuren Ordensgemeinschaft
"Klanjateljice Krvi Kristove". Gelobt sei Christi Blut!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung und meinen Segenswünschen,
Ihr in Christo ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

DRAMATISCHE
LAGE DER ORDENSSCHWESTERN DER GEMEINSCHAFT "KLANJATELJICE
KRVI KRISTOVE" IM KLOSTER NOVA TOPOLA
Brief an die Provinzialoberin Schw. Tarzicija Medven in Zagreb
(Prot. Nr. 464/92 vom 23. Juni 1992)
Geehrte
Schwester Tarzicija,
wegen der totalen Blockade kann ich Sie erst jetzt von einem vor
einigen Tagen im Kloster Ihrer (und unserer) Ordensschwestern
in Nova Topola geschehenen bösen Vorfall in Kenntnis setzen.
1. Am Dienstag, dem 16. Juni 1992, gegen 09.30 Uhr kamen vier
bewaffnete Uniformierte in den Hof der Pfarrei und des Klosters
von Nova Topola. Sie forderten eine Schwester, die zufällig im
Hof war, auf, ihnen zu sagen, wo der Pfarrer ist. Sie zeigte ihnen
das Pfarrhaus, und sie gingen hin. Auf ihr Klopfen öffnete der
Pfarrer die Tür, und sie brachten ihn in einem Auto in Richtung
des Dorfes Laminci weg.
Man hat mir dies unverzüglich gemeldet, und ich meinerseits setzte
die Polizei in Banja Luka und Bosanska Gradi¹ka in Kenntnis. Ich
bin auch selbst nach Nova Topola gefahren, wo ich auf der Polizeiwache
und bei den (schreckerfüllten) Ordensschwestern im Kloster war,
und außerdem war ich beim Bürgermeister in Bosanska Gradi¹ka.
Keiner meiner Gesprächspartner wußte, von wem und warum der Pfarrei-
weggebracht worden war. Ich habe verlangt, daß man nach dem Pfarrer
sucht und daß die Schwestern besonderen Schutz erhalten. Sowohl
in Nova Topola als auch in Bosanska Gradi¹ka hat man mir versprochen,
dies zu tun. Ich war dann nochmals bei den Schwestern und habe
ihnen alles mitgeteilt, was ich von den maßgeblichen Organen erfahren
hatte. Ich wollte die beiden jüngsten Ordensschwestern. Schw.
Antonia und Schw. Maria, mitnehmen. Die beiden Schwestern (und
dann auch die Schwester Oberin) willigten nicht ein, da sie der
Meinung waren, daß dafür kein Anlaß bestehe, und sie erklärten,
daß sie mit ihren Mitschwestern der Gemeinschaft von Nova Topola
zusammenbleiben wollen. Ich habe am gleichen Abend auch Schwester
Salezija in Bud¾ak über alles informiert.
2. Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr kam Schw. Salezija, die beratende
Provinzialbeauftragte, und berichtete mir aufgeregt, daß sie aus
dem Kloster Nova Topola komme und daß dort in der Nacht zuvor
gegen 22.00 Uhr eine Gruppe von vier bewaffneten Soldaten, die
sich als "Weiße Adler" ausgaben, gewaltsam eingedrungen
sei und einige Stunden lang die Schwestern psychisch - und einige
derselben auch körperlich - mißhandelt habe. Die Schwestern waren,
wie sie sagte, furchtbar erschreckt und hallen Angst vor der kommenden
Nacht. Ich habe mich mit Schw. Salezija sofort zur Zentralstelle
der Schutzpolizei in Banja Luka und zum Krisenstab begeben und
den Vorfall gemeldet. Danach fuhr ich nach Nova Topola, wo ich
zur Polizei ging und die Schwestern aufsuchte, sowie nach Bosanska
Gradi¹ka, wo ich zur Polizeiwache ging und verlangte, daß man
die Schwestern umgehend unter Schutz stellt bzw. ihnen allen die
Möglichkeit gibt, sich nach Banja Luka zu begeben. Nachdem sich
die Schutzpolizeistelle in Banja Luka eingeschaltet hatte, erklärten
die Polizeiorgane in Bosanska Gradi¹ka und Nova Topola, daß sie
garantieren, daß den Schwestern in der folgenden Nacht nichts
geschieht, da sie sie bewachen werden. Ich bin, wie auch Schw.
Salezija, bei den Schwestern geblieben. Die Schwestern hatten
sich bereits ziemlich beruhigt (die beiden jüngsten, Schw. Maria
und Schw. Antonia, hatte Schw. Salezija schon am Nachmittag des
gleichen Tages nach Bud¾ak gebracht).
3. Am Donnerstagmorgen war ich zusammen mit Schw. Salezija und
der Äbtissin Schw. Dominika bei Bürgermeister Vesiæ in Bosanska
Gradi¹ka und brachte meine Empörung, meine Entrüstung und meinen
Protest zum Ausdruck, worauf er sich entschuldigte und versprach,
unverzüglich Maßnahmen zur Ermittlung der Täter und zum zusätzlichen
Schutz der Schwestern und des Klosters zu ergreifen.
Da Fronleichnamstag (zugleich Feiertag der Gemeinschaft) war,
zelebrierten wir in der Kirche von Nova Topola eine Messe, bei
der die Schwestern ganz besonders erkennen ließen, wie sehr sie
vom Glauben beseelt sind, aus dem sie die Kraft für ihr Wirken
in der Treue zu Christus bis hin zum Martyrium schöpfen.
Am Nachmittag war ich erneut bei der regionalen Polizeibehörde
von Banja Luka, wo ich zusätzlichen Schutz für die Schwestern
verlangte, den man mir versprach, und fuhr dann wieder nach Nova
Topola zurück, wo ich im Hinblick auf die Sicherheit der Schwestern
die Nacht verbrachte. Ich stellte mit Schw. Salezija und Schw.
Dominika Überlegungen zu den Fragen an, was mit der Schwesterngemeinschaft
werden und wem man das Kloster überlassen soll.
4. Am Freitag waren wir bereits am Morgen wieder in Banja Luka
und sprachen mit den Chefs der ganzen Region, S. ®upljanin und
S. Markoviæ, wobei wir von dem einen schwache und von dem anderen
viel zuverlässigere Garantien bekamen. Dann eilten wir zu einem
Treffen mit dem Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, N. Iva¹tanin,
wobei wir wegen der abscheulichen Tat, die Bewaffnete in einem
zu seinem Verwaltungsbereich gehörenden Kloster verübt haben,
Protest erhoben und größtmöglichen Schutz für die Schwestern und
das Eigentum des Klosters forderten. Er drückte ebenfalls sein
tiefes Bedauern über die beiden schweren Ausschreitungen in Nova
Topola - die Entführung des Pfarrers und die Mißhandlung der
Schwestern - aus, die, wie die Schwestern versichern, jeweils
von den gleichen Männern begangen wurden, und versprach maximalen
Einsatz sämtlicher für die Gemeinde zuständiger Strukturen (der
Kräfte der Polizei, der Territorial Verteidigung und des Militärs)
zur Aufklärung der bösen Zwischenfalle und zum Schutz der Schwestern.
5. Am Samstag fuhr (wegen der hl. Firmung in einer anderen Pfarrgemeinde)
der Ökonom unseres Bistums, Hochw. B. Prucha, mit Schw. Salezija
nach Nova Topola, um bei der amtlichen Vernehmung der Schwestern
zu dem bösen Vorfall durch einen Vertreter der regionalen Zentralstelle
der Schutzpolizei in Banja Luka, den Leiter der Polizeibehörde
von Bosanska Gradi¹ka, Vesiæ, und den Leiter der Territorial Verteidigungskräfte
für das Gebiet von Bosanska Gradi¹ka zugegen zu sein.
Am Nachmittag begab auch ich mich in das Kloster, wo wir erneut
über das "Schicksal" der Schwestern sprachen, diesmal
eingedenk Ihrer uns über das Päpstliche Sekretariat in Rom und
den Apostolischen Nuntius in Belgrad übermittelten ersten Reaktionen.
Wir beschlossen, auch mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka,
der von dem Vorfall sehr betroffen war, Gespräche zu führen. Dieser
schlug vor, daß wir immerhin versuchen sollten, von General Taliæ,
dem Kommandanten des J. Krajina-Korps, der mir bereits früher
versprochen hatte, daß das Militär nach seiner Rückkehr von der
Front in Westslawonien die Ordensschwestern nicht belästigen wird,
zusätzliche Garantien zu erhalten.
Die Vertreter der Polizei, die weiter oben bereits genannte "Troika",
verbürgten sich bei den Schwestern dafür, daß sie unbesorgt sein
können, da sie sie von nun an, namentlich nachts, besonders bewachen
lassen werden.
Bis heute (Dienstag, den 23. Juni) wurden die Schwestern von niemandem
belästigt.
6. Gestern abend habe ich in den Räumen des orthodoxen Bischofssitzes
und im Beisein des orthodoxen Bischofs Jefrem ein zweieinhalbstündiges
Gespräch mit Generalmajor M. Taliæ geführt, bei dem ich ihm die
schwierige Situation der Klöster in Nova Topola und Bosanski
Aleksandrovac und die allgemeine Lage der Katholiken in dieser
Region schilderte. Bischof Jefrem seinerseits bekräftigte viele
meiner Ausführungen. Der General hörte aufmerksam zu, drückte
hinsichtlich all dessen, was mit "den Linsehuldigen Ordensschwestern
in den beiden Klöstern geschehen ist", höchste Mißbilligung
aus und gab uns beiden mit der Autorität seiner Position sein
Wort und verbürgte sich, "daß jedweder Überfall auf die
Schwestern oder Versuch einer zwangsweisen Aussiedlung der Schwestern
oder Räumung der Klöster mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt,
verhindert wird". Er versprach, mir diese Zusage auch in
schriftlicher Form zu geben, damit ich sie auch Ihnen und der
obersten Verwaltung der Schwesterngemeinschaft zuleiten kann.
Herr Jefrem und auch ich persönlich haben den Eindruck, daß der
General mit den seinem Befehl unierstehenden Streitkräften in
der Lage sein wird, mit den verschiedenen bewaffneten paramilitärischen
Gruppen, die die Sicherheit der Zivilisten in diesem Gebiet bedrohen,
fertig zu werden.
Hinsichtlich Ihrer die Schwestern betreffenden Weisungen, die
uns über Rom zugegangen sind, darf ich Ihnen mitteilen, daß alle
jüngeren Schwestern aus Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac
bereits vor Eingang dieser Weisungen nach Bud¾ak bzw. in das
Bischöfliche Ordinariat gebracht worden sind. Die Ordensschwestern
in den Pfarrgemeinden außerhalb von Banja Luka dürfen ihre Gemeinde
nicht verlassen! Sie sagen mir allerdings alle, daß bei ihnen
im großen und ganzen alles friedlich ist. Dies gilt auch für ©imiæi
und Prnjavor sowie für Bosanska Gradi¹ka (den Stadtbereich).
Verehrte Schwester Tarzicija, auch in diesen Kriegsnöten ist Gott
höchstselbst mit uns! Er macht auch aus zarten menschlichen Geschöpfen
wahre Giganten der Aufopferung, der Liebe und der Vergebung!
Eine Ordensgemeinschaff, ein Bistum und eine Kirche, die solche
Ordensschwestern wie unsere hier in Nova Topola und Bosanski Aleksandrovac
und überhaupt in unserem ganzen Gebiet haben, sind gesegnet und
sind glücklich zu schätzen. Ich tue für die Ordensschwestern,
was ich nur kann, und Gott gewiß noch mehr!
Es grüßt Sie hochachtungsvoll, Ihr
+
Franjo, Bischof

"DAS
STERBEN JESU TRAGEN WIR AN UNSEREM LEIBE"
Brief an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992)
Eure
Exzellenz,
in der Hoffnung, daß endlich bald die Telefonverbindung zwischen
Banja Luka und Belgrad wieder hergestellt wird, möchte ich Ihnen
hiermit eine kurze Übersicht über die derzeitige Lage in meinem
Bistum Banja Luka geben.
Im Gebiet der Bosanska Krajina, wo der größte Teil meines Bistums
liegt, wird die Situation mit jedem Tage schwieriger. Soweit zuverlässige
Informationen vorliegen, befindet sich von der Bevölkerung der
Pfarrgemeinden der Dekanate Prijedor und Jajce ein Teil in Flüchtlingslagern,
während ein anderer Teil verschleppt worden ist. Auch die Pfarrer
sind bis auf einen bei ihren Gläubigen. Besonders schwierig ist
die Lage in drei Pfarrgemeinden von Kotor Varo¹, wo die Bevölkerung
gemischt ist (Muslime) und gekämpft wird; laut Berichten der örtlichen
Rundfunkstationen wurden viele Häuser niedergebrannt, und wir
fürchten, daß auch viele Menschen umgekommen sind. Was die letzten
zehn Tage betrifft, so weiß ich nur über die Lage eines Viertels
meines Bistums genau Bescheid. Von vier im Pfarramt tätigen Geistlichen
weiß ich, daß sie verschleppt worden sind und daß über ihr Schicksal
nichts bekannt ist. Es handelt sich um Marko Sähe aus Dragalovci,
Ratko Grgiæ aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ aus Ljubija und Bruder
Stipiæ aus Stratinska. Von 14 Pfarrern habe ich schon längere
Zeit überhaupt nichts gehört. Ich hoffe, daß sie am Leben sind,
d.h. sich bei ihren Gläubigen befinden, deren Schicksal sie teilen.
Ich habe mich um eine Möglichkeit bemüht, wenigstens einige vom
Krieg erfaßte Pfarrgemeinden aufzusuchen, erhielt aber von den
Militär- und den Zivilbehörden keine Erlaubnis. Ich bin mehrmals
an diese Behörden herangetreten, damit sie mir die Möglichkeit
geben, auf irgendeine andere Weise zu erfahren, wie es um die
Geistlichen und die Gläubigen steht. Leider stieß ich dabei auf
wenig Verständnis.
In den Pfarrgemeinden um Banja Luka selbst (es sind 10) ist es,
Gott sei Dank, im großen und ganzen noch immer friedlich. Die
Menschen haben große Angst vor möglichem großen Unheil, aber vorläufig
können sie sich nirgendwohin wegbegeben. Hinsichtlich der Klöster
der Ordensschwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi
Kristove" ist die Lage noch immer weder klar noch völlig
sicher. Nach schweren Zwischenfällen, wobei der vom 16. Juni 1992,
bei dem in Nova Topola nach der Entführung des Pfarrers Hochw.
Ratko Grgiæ vier bewaffnete Uniformierte eine ganze Nacht lang
die 22 zum Großteil älteren Ordensschwestern mißhandelten, besonders
schwerwiegend ist, habe ich - vor allein bei den örtlichen und
regionalen Zivil- und Militärbehörden - alles versucht, damit
man die Sicherheit der Ordensschwestern noch besser gewährleistet
und dafür sorgt, daß solche Garantien auch in die Tat umgesetzt
werden. Leider wurde trotz der vom Kommandanten des 1. Krajina-Korps,
General M. Taliæ, persönlich abgegebenen Versicherung, daß das
Militär den Schutz der beiden Klöster übernehmen wird, in der
Nacht vom 27. auf den 28. Juni ein größeres Wirtschaftsgebäude
beim Kloster in Nova Topola in Brand gesteckt. In der Zwischenzeit
habe ich in Absprache mit deren Regionaloberin zehn Schwestern
vorläufig bei ihren im Gebiet von Banja Luka befindlichen Gemeinschaften
untergebracht, solange es die Zeiten und die realen Möglichkeiten
beim besten Willen noch nicht erlauben, der Anordnung der General-
und der Provinzialverwaltung der Gemeinschaft in Rom bzw. Zagreb,
alle Schwestern (es sind an die hundert) vom Gebiet der Bosanska
Krajina bzw. des Bistums Banja Luka nach Zagreb bzw. Kroatien
umzusiedeln, Folge zu leisten. Zusammen mit dem orthodoxen Bischof
von Banja Luka, Herrn Jefrem, habe ich in der letzten Zeit mehrfach
bei verschiedenen Institutionen interveniert, um zu erreichen,
daß die Ordensschwestern und die Klöster geschützt werden, und
am Mittwoch, dem 08. Juli d. J., werden wir in Bosanska Gradi¹ka
mit den örtlichen Behörden erneut ein Gespräch führen, um darzulegen,
daß es besserer Garantien bedarf, damit die Schwestern doch in
ihrem über hundert Jahre alten Kloster in Nova Topola und auch
im Kloster von Bosanski Aleksandrovac bleiben. Ich muß hervorheben,
daß der orthodoxe Bischof, Herr Jefrem, bisher während dieser
durch den Krieg herbeigeführten schweren Prüfungen große Bereitschaft
gezeigt hat, uns zu helfen, wo er nur kann. Dies ist wahrlich
eine wertvolle Geste, der man Anerkennung zollen muß, und deshalb
sollten auch wir, die katholischen Bischöfe, uns für die Belange
der Menschen der schwesterlichen serbisch-orthodoxen Kirche einsetzen,
wenn es dessen bedarf, insbesondere in Kroatien bzw. in Gebieten,
wo wir Katholiken die Mehrheit bilden.
Eure Exzellenz, wenn dieser kurze Bericht über die derzeitige
sehr schmerzliche Lage in meinem Bistum zu Ihnen gelangt, wollen
Sie sich bitte auch noch dies vor Augen halten: Wir sind uns bewußt,
daß uns auferlegt ist, zu kämpfen und durchzuhalten - "adversus
principatus, adversus potestates, adversus mundi rectores tenebrarum
harum, adversus spiritalia nequitiae in celestibus" (Eph
6, 12)! "In omnibus tribulationem patimur, sed non angustiamur;
aporiamur, sed non destituimur; persecutionem patimur, sed non
derelinquimur; deicimur, sed non perimur: mortificationem Iesu
in corpore circumferentes, ut et vita Iesu in corpore nostro (et
vita nostra) manifestetur." (2. Kor 4, 8-10).
- OREMUS PRO INVICEM!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung in Christo,
Ihr
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

"MÖGE
UNSER HIMMLISCHER VATER DURCH DIE GEDULD DER HIESIGEN CHRISTLICHEN
GLÄUBIGEN GEPRIESEN SEIN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 501/92 vom 08. Juli 1992)
Erhabene
Exzellenz,
mit meinem Schreiben Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992 habe ich Ihnen
die wesentlichsten Angaben zur gegenwärtigen Lage im größeren
Teil meines Bistums übermittelt. Gott sei Dank, daß es mir endlich
gelungen ist, sie Ihnen per Fax zu übersenden.
Heute war ich mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn
Jefrem, beim Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a
Iva¹tanin. In unserem Gespräch, das volle drei Stunden dauerte,
richteten wir das Augenmerk besonders auf das noch immer Ungewisse
Schicksal der Ordensschwestern und des Klosters der Gemeinschaft
"Klanjateljice Krvi Kristove" in Nova Topola im Gemeindebereich
von Bosanska Gradi¹ka. Es ging auch um das große Leid, das den
Angehörigen der Pfarrgemeinden Dolina, Bosanska Gradi¹ka und Nova
Topola durch verschiedene uniformierte Gruppen und Einzelpersonen
zugefügt wird.
Dies war mein viertes mit dem Herrn Bürgermeister in den letzten
drei Wochen geführtes Gespräch bezüglich des Schicksals der Ordensschwestern
und des Klosters Nova Topola und der katholischen Gläubigen und
natürlich auch der Geistlichen im Gebiet dieser Gemeinde. Herr
Jefrem, der orthodoxe Bischof von Banja Luka, äußerte erneut seine
Besorgnis und sein Bedauern wegen der "offensichtlichen Verbrechen
am Pfarrer und an den Ordensschwestern" in Nova Topola. Er
hat dies selbstverständlich energisch verurteilt, wobei er gemeinsam
mit mir verlangte, daß die rechtmäßigen Behörden alles unternehmen
zum Schutz der Ordensschwestern, des Klosters und des Pfarrers
sowie der unschuldigen Gläubigen. Bürgermeister Iva¹tanin hat
wiederholt, daß sich im Gebiet seiner Gemeinde viele bewaffnete
Serben, nicht nur aus seiner, sondern auch aus anderen Gemeinden,
sowie Flüchtlinge aufhalten, die hier außerhalb der Institutionen
ihre privaten Kriege und Racheakte austragen. Er bedauert das
Verbrechen in Nova Topola, kann jedoch nicht völlige Sicherheit
und Frieden gewährleisten, obwohl er sich dies wünschte. Auf
Befehl des Kommandeurs des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ,
bewacht jetzt das (serbische) Militär die Schwestern in Nova Topola
und in Bosanski Aleksandrovac, aber wir wissen nicht, wie lange
dies sein wird!
Bisher gibt es in keinem der genannten Klöster Anzeichen größerer
Angst unter den Schwestern. Der Bürgermeister hat erneut versprochen
(!), daß er mit dem Militär bzw. dessen Spitzen Kontakt halten
wird, damit er im Falle eines Abzugs des Militärs andere entsprechende
Maßnahmen zum größtmöglichen Schutz der Schwestern und der Klöster
ergreifen kann.
Auch diesmal habe ich keine vollständigen Sicherheitsgarantien
hinsichtlich der Zukunft der Schwestern und der Klöster bekommen,
denn in einer solchen Situation kann natürlich weder der Bürgermeister
noch irgendjemand anderer solche geben! In einigen Teilen unserer
Gegend herrscht völlige Anarchie und in anderen wiederum eine
entsetzliche Diktatur. Was uns Katholiken betrifft, so sind wir
in der Tat allein der Barmherzigkeit und dem Schutz Gottes überlassen!
Wir haben keinerlei anderen rechtlichen Schutz und keine Rechte!
Tagtäglich erleben wir fürchterliche Mißhandlungen, Peinigungen,
Inhaftierungen und Tötungen, alles ohne Gerichtsverfahren und
Nachweis von Schuld. Davon sind unsere Gläubigen, Ordensleute,
Geistlichen und sogar ich betroffen. Ununterbrochen werden Klöster
und Pfarrbüros, sogar das Bischöfliche Ordinariat durchsucht und
geplündert. Ich tue alles, was ich kann, um auf meine Gläubigen,
Ordensleute und Geistlichen beruhigend einzuwirken, auf diese
Menschen, die man ununterbrochen provoziert und mißhandelt, ohne
daß sie jemanden haben, bei dem sie Schutz suchen könnten; Menschen,
denen man sogar die menschlichen Grundrechte nimmt: nicht sehen
sogar das Recht auf Leben, fast regelmäßig das Recht auf Arbeit,
sehr oft das Recht auf Wohnung, das Recht, die eigenen religiösen
Empfindungen zu zeigen, und das Recht auf die eigene religiöse,
nationale und kulturelle Identität. Trotz meiner vielen diesbezüglichen
Ersuchen, Appelle und Bitten, die ich bisher an die Militär- und
Zivilbehörden gerichtet habe, bin ich noch immer ohne gesicherte
Informationen über die Geistlichen: Marko ©aliæ, Pfarrer aus Dragalovci,
Ratko Grgiæ, Pfarrer aus Nova Topola, Stipo ©o¹iæ, Pfarrer aus
Ljubija, Bruder Juro Stipiæ, Pfarrer aus Stratinska, Vlado Tomiæ,
Pfarrer aus Sasina, Adolf Vi¹aticki, Pfarrer und Dekan aus Vrbanjci,
Bruder Ivo Franjiæ, Pfarrer aus Kotor Varo¹, Bruder Mato Pranjiæ,
Kaplan aus Kotor Varo¹, Bruder Toma Buljan, Pfarrer aus Sokoline,
und Anto Marijan, Pfarrer aus Liskovica. Ich werde auch weiterhin
unermüdlich nach ihnen suchen und hartnäckig danach forschen,
wie es um sie steht, und ich bitte auch Sie, darüber nachzudenken,
was Sie unternehmen könnten, damit diesen meinen Geistlichen,
deren Leben in Gefahr ist (sofern nicht schon einige von ihnen
umgebracht wurden!), baldigst geholfen wird.
Wegen der uns umschließenden totalen Blockade ist mir der Weg
zu internationalen humanitären Organisationen, die sich für das
Schicksal dieser Geistlichen verwenden würden, versperrt. (...)
Ich weiß, daß die Pfarrkirchen in Kotor Varo¹ und Liskovica und
die Filialkirchen in Donja Ravska, Kozarac und Bosanska Krupa
niedergebrannt wurden. Hinsichtlich einiger anderer bin ich noch
nicht ganz sicher, aber ich fürchte, daß sie das gleiche Schicksal
ereilt hat. Einige Kirchen und Pfarrwohnungen sind beschädigt,
aber weil es unmöglich ist, vollständige Informationen zu bekommen
(man hat keine Bewegungsfreiheit, aber auch Telefonate sind nicht
möglich!), habe ich diesbezüglich keine genaueren Angaben.
Obwohl im engeren und im weiteren Bereich der Gemeinde Banja Luka
keine schlimmen Kriegszerstörungen zu verzeichnen sind, herrscht
unter unseren völlig entrechteten Gläubigen ungeheure Angst wegen
der Gefahr einer Massenvernichtung oder zumindest einer Zwangsaussiedlung
aus ihren jahrhundertealten Heimstätten. Leider ist diese Angst
nicht unbegründet, da sich dergleichen auch in unserer Umgebung
an vielen Orten ereignet hat! Ich bemühe mich mit allen Kräften,
beruhigend einzuwirken und diese Angst zu mindern, und ich hoffe
und bete zum Herrn, daß wir vor größeren Kriegsgreueln und vor
der völligen Zerstörung aller Möglichkeiten für ein zukünftiges
gemeinsames Leben der jetzigen Bewohner dieser Gegend bzw. Region
bewahrt werden.
Ihnen, verehrte Exzellenz, danke ich für Ihre väterliche Fürsorge
für uns und für mein ganzes Bistum. Ihre Fürsorge und Ihr Gebet
geben uns die notwendige Energie, damit wir bei unserem vom Geist
des Höheren bestimmten Streben, das Böse und die Sünde in uns
und um uns nicht um sich greifen zu lassen, nicht ermatten. Möge
unser himmlischer Vater durch die Geduld der hiesigen christlichen
Gläubigen auch in diesem Teil Seiner Kirche gepriesen sein, und
möge für alle Menschen auch dieses unseres Landes und unserer
Heimat das beglückende Reich Gottes in höchstem Maße seinen Ausdruck
finden, als das Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Vergebung
und des Friedens!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung und einem herzlichen
Gruß an Sie, Eure Exzellenz, sowie auch an alle Ihre tüchtigen
Mitarbeiter. Ihr in Christo ergebener
+ Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka

"ICH
WERDE ALLES TUN, UM DIE GEISTLICHEN UND DIE GLÄUBIGEN ZU SCHÜTZEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 551/92 vom 02. August 1992)
Eure
Exzellenz,
wieder möchte ich mich bei Ihnen melden, in der Hoffnung, daß
es mir gelingt, diese neuesten Nachrichten zu Ihnen zu senden.
1. Gestern, um 01. August 1992, war ich mit zwei Geistlichen zur
Pfarrgemeinde Sasina unterwegs, wo ich die Hl. Firmung erteilen
sollte. Irgendwo in den Bergen. 25 km hinter Banja Luka, haben
uns uniformierte Militärpersonen das Auto weggenommen. Nachdem
ich darauf bestanden hatte, daß sie uns nach Banja Luka zurückbringen,
da wir über alle erforderlichen Passierscheine verfügen, haben
sie dies immerhin getan, uns aber unterwegs schwer mißhandelt.
Ich habe mich bei der Militärpolizei in Banja Luka beschwert,
wobei ich nachdrücklich hervorhob, wie schwerwiegend dieser Vorfall
ist. Man entschuldigte sich und stellte uns eine Militärpatrouille
zur Verfügung, die uns zum Ort des Vorfalls begleitete, wo wir
den weggenommenen Wagen zurückverlangten, der uns dann auf Befehl
der Militärpolizei zurückgegeben wurde. In Begleitung der Militärpolizei
sind wir zur Pfarrgemeinde Sasina weitergefahren, um den Pfarrer
zu besuchen, der wie seine Gläubigen wegen eines eventuellen Massakers
in schrecklicher Angst lebt. Sowohl er wie seine Gläubigen wollen
ihr nacktes Leben in Sicherheit bringen und nach Kroatien gehen,
gleich wohin! In Sasina habe ich auch den Pfarrer der benachbarten
Gemeinde Sanski Most getroffen und seinen traurigen Bericht über
seine Gemeinde und den schwer mißhandelten Dekan von Stara Rijeka,
Ilija Arloviæ, der mit einer großen Gruppe seiner Gläubigen im
Gefängnis von Sanski Most inhaftiert ist, gehört. Ich wollte denselben
unbedingt sehen, aber man hat es mir nicht gestattet.
2. Nachdem ich beharrlich darauf bestanden hatte, ist es mir heute
gelungen, mich mit dem Kommandanten des l. Krajina-Korps der
serbischen Streitkräfte, Generalmajor Momir Taliæ, zu treffen,
mit dem ich ein über einstündiges Gespräch über Probleme führte,
die ich ihm auch schriftlich dargelegt hatte (Kopie in der Anlage).
Es war ein konstruktives Gespräch, in dessen Verlauf mir als erstes
versprochen wurde, daß er mir eine Begleitung zur Verfügung stellt,
damit ich alle Pfarrgemeinden und Geistlichen besuchen kann, von
denen ich keine gesicherten Informationen habe. Über die Zukunft
der Katholiken in dieser Region entscheiden, wie er sagte, andere.
Er hofft jedoch, daß alles ein rasches und gutes Ende nimmt,
und versicherte, daß er gegen jedwede Zwangsaussiedlung sei. Er
äußerte, daß er viele Schwierigkeiten mit verschiedenen bewaffneten
Gruppen habe, die sich von niemandem etwas sagen lassen, er sich
aber bemühe, Ordnung herzustellen und die Grundrechte durchzusetzen,
obwohl es sehr schwierig sei.
Er versprach erneut Hilfe zur Sicherstellung des Transports von
Lebensmitteln und Medikamenten ans Zagreb in die Region unserer
bischöflichen Caritas. Ich habe den Eindruck, daß er sich den
Idealen der Humanität verpflichtet fühlt und helfen möchte, soweit
er kann. Er versprach auch, daß er sich erneut um eine möglichst
baldige Freilassung der inhaftierten Geistlichen bemühen werde.
Gebe es Gott! Ich werde meine Forderungen so lange vortragen,
bis sie erfüll sind!
3. Ich machte von den Zusagen des Generals zunächst Gebrauch,
indem ich darum ersuchte, gleich heute das Gebiet von Kotor Varo¹
besuchen zu können. In Begleitung der Militärpolizei machte ich
mich mit zwei weiteren Geistlichen und einer Ordensschwester
ans der Pfarrgemeinde Kotor Varo¹ (Schwester Xaveria) sowie dem
dortigen Pfarrer, Bruder Ivan Franjiæ, der sich hier in der bischöflichen
Residenz nach medizinischer Behandlung von den erlittenen Mißhandlungen
erholt hat, und einigen Lebensmitteln in einem Kombi der Caritas
auf den Weg. Ich habe die niedergebrannte neue Pfarrkirche, die
so herrlich gewesen war und nun einen sehr traurigen Anblick bot,
sowie ungefähr fünfzig niedergebrannte Häuser längs der Hauptverkehrsstraße
gesehen und mich mit Bruder Mato Pranjiæ, Kaplan in Kotor Varo¹,
unterhalten, der die ganze Zeit über dort gewesen ist und mir
berichtete, daß fast l.000 Menschen der Pfarrgemeinde weggegangen
sind und weitere 2.000 in diesen Tagen unbedingt aufbrechen wollen!
In der Pfarrgemeinde Vrbanjci haben wir Dekan Adolf Vi¹aticki
angetroffen, der, zwischen zwei kriegführenden Parteien eingekeilt,
übermenschliche Strapazen durchlebt hat, aber, Gott sei Dank,
am Leben geblieben ist. Er wurde nur etwas mißhandelt, und sowohl
die noch nicht fertiggestellte Kirche, der nichts geschehen ist.
als auch die Pfarrwohnung wurden geplündert. Dort erhielt ich
auch die erfreuliche Nachricht, daß unsere Theologiestudenten
Marko Vidoviæ und Ivan Grgiæ am Leben sind. Ein Großteil der Pfarrgemeinde
ist in großer Furcht und Panik in die Berge geflüchtet, aber es
gibt auch Fälle, wo die Leute ihr gesamtes Hab und Gut aufgeben
und irgendwohin flüchten. Sowohl in Vrbanjci als auch in Kotor
Varo¹ habe ich die dortigen Militär- und Polizeibehörden ersucht,
der Bevölkerung Sicherheit zu gewährleisten und die Menschen nicht
zu verhaften und nicht zu töten und ihnen nicht die Häuser zu
zerstören, wenn sie doch völlig unschuldig sind! Unter der verbliebenen
katholischen Bevölkerung herrscht große Panik und Angst vor einer
totalen Ausrottung, und es ist ein großer Segen, daß die Geistlichen
unter Gefahr für ihr eigenes Leben noch immer bei ihnen sind!
Ich werde in den kommenden Tagen alles unternehmen, um sowohl
die Geistlichen als auch die Gläubigen weitmöglichst vor größeren
Leiden zu beschützen.
4. Heute erreichte mich die Nachricht, daß letzte Nacht auch die
Pfarrkirche und ein Haus der Pfarrgemeinde Kula¹i sowie die griechisch-katholische
Kirche in Prnjavor gesprengt worden sind. Morgen werde ich versuchen,
hinzufahren, um zu sehen, was geschehen ist, und mich um die
Geistlichen und die Gläubigen zu kümmern!
- Eure Exzellenz, beten Sie für uns, es bedeutet uns viel! Haben
Sie Dank für alles! Ich werde mich bei nächster Gelegenheit wieder
melden!
Ich verleibe im Herrn, mit dem Ausdruck der Hochachtung
+
Franjo Komarica, Bischof

"ES
IST MIR GELUNGEN, EINIGE PFARRGEMEINDEN ZU BESUCHEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 559/92 vom 03. August 1992)
Eure
Exzellenz,
heute habe ich zusammen mit meinem Generalvikar Dr. Auto Orlovac
und meinem Kanzler Dr. Miljenko Anièiæ den Bürgermeister von Banja
Luka, Mag. Predrag Radiæ, aufgesucht. Ich habe ihm in schriftlicher
Form unsere Sorge wegen der schwierigen Lage und der Ungewissen
Zukunft des katholischen Bevölkerungsteils unserer Gemeinde dargelegt
(Text - Anlage 1!).
In einem längeren offenen Gespräch zeigte Bürgermeister Radio
Verständnis für unsere Überlegungen und Bereitschaft, allen Bürgern
die gleichen Rechte zu gewähren und gegen jede An von Gewalt
und Ungerechtigkeit einzuschreiten, soweit es ihm möglich ist.
Er hob erneut den großen Beitrag hervor, den gerade der katholische
Teil der Bevölkerung unserer Gemeinde zum derzeitigen relativen
Frieden in diesem Gebiet geleistet hat. Er versprach, mir auf
die in meinem Schreiben formulierten Fragen eine schriftliche
Antwort zu übermitteln, sobald er die anderen zuständigen Politiker
konsultiert hat, "denn er möchte keine Versprechungen abgeben,
die er nicht halten kann".
Im Anschluß daran habe ich in Begleitung von Militärpolizeiangehörigen
vom Korps Banja Luka, die mir der General selbst zur Verfügung
gestellt hatte (nachdem am Samstag in der Nähe von Banja Luka
einige Uniformierte und Zivilisten mir und den mich begleitenden
Geistlichen gedroht hatten, uns umzubringen), die Pfarrgemeinden
Prnjavor, Kula¹i und Dragalovci und die griechisch-katholische
Pfarrgemeinde in Prnjavor besucht. Die Kirche der griechisch-katholischen
Pfarrgemeinde in Prnjavor ist in der Nacht vom 01. auf den 02.
August durch Sprengladungen völlig zerstört worden! Von der derzeitigen,
sehr traurigen Lage liegt von Pater Petar Ovad, dem Pfarrer und
Dekan aller ukrainischen Katholiken im Gebiet von BiH, eine kurzgefaßte
Beschreibung vor (Text -Anlage 2!). Ich habe Pater Ovad versprochen,
daß ich sie nicht vergessen werde, zumal sie keinerlei Kontakt
mit ihrem Bischof Miklav¹i in Zagreb haben. In der Pfarrgemeinde
Kula¹i wurde zur selben Zeit, als die Kirche in Prnjavor zerstört
wurde, die römisch-katholische Kirche gesprengt und stark zerstört,
und in der Nacht zuvor ist die neue Pfarrwohnung durch eine Sprengladung
zerstört worden. In dieser Pfarrgemeinde hatte es ebenso wie in
Prnjavor keinerlei Kämpfe gegeben. Die Kirche wurde "aus
heiterem Himmel" gesprengt. Die Menschen sind in großer Angst;
als ich ankam, hatten sich fast 200 Männer, Frauen und Kinder
versammelt! Sie weinten und verlangten von mir Schutz! Pfarrer
Nikica Lozanèiæ war vom Leiter der Polizei in Prnjavor sehr unverschämt
beleidigt worden, als er diesem meldete, daß die Kirche vermint
worden sei! Ich habe mit ihnen gemeinsam gebetet und ihnen, soweit
ich konnte, Mut zugesprochen und sie gemistet und ihnen versprochen,
daß ich sie nicht vergessen werde! Sie haben sich sehr gefreut,
als ich ihnen sagte, daß der Heilige Vater selbst für sie betet
und sie segnet, wie auch Sie als sein Vertreter.
In der Kirchengemeinde Dragalovci war die Pfarrkirche durch eine
Sprengladung stark beschädigt; worden, und man hatte sie geplündert.
Es war auch in die Pfarrwohnung eingebrochen worden. Den Pfarrer,
Marko ©aliæ, hat das Militär vor zwei Monaten weggebracht, und
man weiß nicht sicher, wo er sich befindet. Am wahrscheinlichsten
ist, daß er sich in Doboj befindet. Einige Häuser wurden niedergebrannt,
und viele Menschen wurden inhaftiert; das Dorf ist wie ausgestorben.
Hier hatte es keine kriegerischen Zusammenstöße gegeben, aber
die Pfarrei und das Dorf liegen an der einzigen Hauptstraße zwischen
Banja Luka und Belgrad. Einige ältere Menschen, die ich traf,
baten mich weinend, ihnen behilfich zu sein, damit sie irgendwie
den täglichen Quälereien durch Uniformierte, die sie verprügeln
und immer der Reihe nach ausplündern, entrinnen! Wir rafften uns
auf und begaben uns nach Doboj, das einem anderen Kommando und
einer anderen (ebenfalls serbischen!) Behörde untersteht. Ich
ging zum dortigen Pfarrer, Jozo Kudiæ, um ihn nach Pfarrer ©aliæ
zu fragen. Pfarrer ©aliæ war zwei Tage zuvor aus dem Gefängnis
von Doboj entlassen worden und aus Sicherheitsgründen bei Pfarrer
Kudiæ geblieben. Dort befanden sich auch vier Ordensschwestern
der Gemeinschaft "Mägde des Kleinen Jesus" und eine
alte Frau. Das Haus der Schwestern war zwei Monate zuvor von Angehörigen
der "Roten Barette" der serbischen Streitkräfte demoliert
worden. Die Pfarrkirche ist niedergebrannt, viele Katholiken
sind auch in Gefängnishaft umgebracht worden, und ein Teil der
Katholiken ist geflohen. Es sind nur noch sehr wenige von ihnen
geblieben. Diese befinden sich regelrecht im Gefängnis, da sie
nirgendwohin gehen können, und sie haben kaum etwas zu essen.
Alle haben sieh sehr über meinen Besuch gefreut! Ich habe ihnen
versprochen, mich an die Militärbehörden in Banja Luka zu wenden,
um zu ermöglichen, daß ich sie am Mittwoch abholen komme, denn
sie wollen Doboj unbedingt verlassen!
- Auf dem Rückweg war ich in Prnjavor hei Pfarrer Vlado Lukenda,
dem man das Auto weggenommen hat. Ich formulierte einen schriftlichen
Protest und drückte gegenüber dem Bürgermeister der Gemeinde Prnjavor
meine Besorgnis wegen der immer schwieriger werdenden Lage der
Katholiken in dieser Gemeinde aus (Text - Anlage 3!).
Eure Exzellenz, ich werde versuchen, in diesen Tagen noch einige
weitere Teile meines von Krieg und Unglück erfaßten Bistums zu
besuchen. Ich werde mich wieder melden!
Indem ich mich auch für die Zukunft Ihrer geschätzten Fürbitte
anempfehle, verbleibe ich im Herrn, Ihr
+
Franjo Komarica, Bischof

"MÖGE
GOTT UNS DIE KRAFT ZUM WEITEREN DURCHHALTEN GEBEN!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot.-Nr. 562/92 vom 06. August 1992)
Eure
Exzellenz,
ich übersende Ihnen hiermit einen kurzgefaßten Bericht über soeben
beendete Besuche in einigen meiner Pfarrgemeinden, mit denen
ich über mehr als zwei Monate keinerlei Verbindung hatte.
Am Dienstag, dem 04. August d. J., war ich in Prijedor, Stara
Rijeka, Ravska, Ljubija und ©urkovac und in der griechisch-katholischen
Pfarrgemeinde Trnopolje bei Kozarac. In Prijedor ist der Pfarrer,
Mladen Grabovac, im großen und ganzen gut davongekommen: man
hat sein Haus und die Kirche neunmal durchstöbert - ohne jedweden
Grund, aber er wurde nicht mißhandelt. Die Kirche wurde nur unwesentlich
beschädigt, der Turm wurde von einigen Granaten getroffen. In
der Tochtergemeinde Kozarac wurde die Kirche niedergebrannt, ebenso
wie alle katholischen (und muslimischen) Häuser. Viele Angehörige
der Pfarrgemeinde wurden in Lager gebracht. Unter den Menschen
herrscht ungeheure Angst. Es ist eine Massenaussiedlung der nichtserbischen
Bevölkerung im Gange!
Es gelang mir, mit Vertretern der örtlichen Behörden zu sprechen:
dem Bürgermeister, dem Vorsitzenden des Vollzugsrats, dem Leiter
der Polizei und dem für die gesamte dortige Region zuständigen
Militärbefehlshaber. Es war ein schwieriges und hartes Gespräch!
Man ist sehr unzugänglich und intolerant! Ich habe verlangt, daß
Pfarrer Stipo ©o¹iæ aus Ljubija auf freien Fuß gesetzt wird. Ich
wollte ihn und vier weitere im ihrer Zuständigkeit unterstehenden
Lager Omarska besuchen. Sie haben es mir nicht erlaubt, jedoch
versprochen (!), mir binnen zwei Tagen mitzuteilen, wie es um
die Betreffenden steht! Ich habe von ihnen Garantien für die Sicherheit
der nahezu 8.000 Katholiken dieser Gemeinde verlangt. Bei der
Abgabe des Versprechens wirkten sie nicht überzeugend!
- In der Pfarrgemeinde Stara Rijeka fand ich den Pfarrer und Dekan
Ilija Arloviæ, der nach zwölftägiger schwerer Mißhandlung am Abend
zuvor aus dem Lager Sanski Most entlassen worden war. Er hat am
Körper Blutergüsse, klagt über starke Schmerzen im Rippenbereich
und ist physisch und psychisch am Ende seiner Kräfte. Die neue
Pfarrkirche ist gänzlich demoliert, ebenfalls die Pfarrwohnung,
die man außerdem geplündert hat. Einige Dutzend Mitglieder der
Pfarrgemeinde waren oder sind noch immer in Lagern. Am furchtbarsten
ist es in der Tochtergemeinde Bri¹evo, wo am 24. Juli d. J., ohne
daß es irgendwelche Gründe oder Kampfe gegeben hätte, über 90
(!) Zivilisten - Männer, Frauen und Kinder - umgebracht und über
100 Häuser und die neue Kirche sowie die neue Pfarrwohnung niedergebrannt
wurden. All dies hat das Militär - die 6. Krajina-Einheit aus
Sanski Most unter dem Kommando von Oberst Branko Basara, getan,
wie ich am Ort des Geschehens bei meinem Besuch dieses traurigen
Ortes von einem hohen Offizier meiner Begleitung erfahren konnte.
Die übriggebliebenen Menschen sind Gott weiß wohin geflüchtet.
Entsetzlich! (s. Anlage l!)
- In der Pfarrgemeinde Ravska hat man Ivan Grgiæ nicht mißhandelt
- nur das Pfarrhaus und die Kirche wurden mehrmals durchsucht.
In Donja Ravska wurden die Filialkirche und fünf Häuser niedergebrannt,
und in der Tochtergemeinde Ovanjska wurden acht Häuser niedergebrannt.
Die Menschen sind hauptsächlich weit weg, in die Berge, geflüchtet
(die ganze Pfarrgemeinde liegt in einer gebirgigen Gegend). Es
herrschen allgemeine Angst und große Armut!
- In der Pfarrgemeinde Ljubija war Pfarrer Stipo ©o¹iæ am 15.
Juni d. J. in das (berüchtigte!) Lager Omarska gebracht worden.
Lange Zeit wußte man nicht, wo er sich aufhielt. Jetzt weiß man,
daß man ihn schrecklich mißhandelt hat und daß er am Ende seiner
Kräfte und schwer krank ist. Das neue (am 12. Mai d. J. eingesegnete!)
Seelsorgezentrum ist zwischen dem 23. und 25. Juli und dann nochmals
am 30. Juli d. J. vom Militär völlig zerstört und ausgeplündert
worden. Auch die neue Pfarrkirche ist vorsätzlich in Brand gesteckt
worden, aber nicht vollständig ausgebrannt. Es wurde großer Schaden
angerichtet! Die Menschen sind auch hier fast alle geflüchtet.
Die große Angst und die ständige Verfolgung dauern schon zweieinhalb
Monate.
- In der Pfarrgemeinde ©urkovac ist der Pfarrer, Bruder Josip
Bo¾iæ, psychisch total erschöpft. Sowohl er als auch seine Gläubigen
halten sich bereits seil dem 24. Mai d. J. fast ständig außerhalb
ihrer Wohnungen und Häuser, in den Wäldern der umliegenden Berge,
auf! Tagtäglich durchstreifen Militär und Polizei die Dörfer und
nehmen die Häuser unter Maschinengewehrfeuer. Die Angst ist sehr
groß. Die Kirche wurde von etwa 30 Geschossen getroffen, ebenso
die Pfarrwohnung. Zwischen dem 26. und dein 27. Juli wurden in
Kipe (in einer dort befindlichen im Tagebau betriebenen Erzgrube
des Bergwerks Ljubija) fast 150 Menschen, darunter auch eine Anzahl
Muslime, getötet. Am 28. Juli wurden weitere 14 Menschen und danach
noch 9 Menschen (Zigeuner - Roma), denen man befohlen hatte, diese
vierzehn zu begraben, umgebracht! Auch hier wollen die Menschen
irgendwohin emigrieren, weil sie sich unter entsetzlichem Druck
befinden und wie auch alle anderen Katholiken dieses Gebiets keinerlei
Rechte haben! Es mangelt ihnen wie auch den Menschen der anderen
Pfarrgemeinden an allem! Ich habe, wo immer ich hinkam, ein paar
Lebensmittel und ein bißchen Waschpulver von unserer Caritas verteilt.
Es wird viel mehr gebraucht, aber wir haben nichts weiter! Ich
habe auch den griechisch-katholischen Pfarrer in Trnopolje besucht.
Dort halten sich noch einige Familien auf. Die Kirche ist nicht
beschädigt, aber ringsum ist alles verwüstet, man sieht zerstörte
und ausgeplünderte katholische und muslimische Häuser (Ansonsten
sind in der Umgebung von Prijedor und in Prijedor selbst Hunderte
von muslimischen Häusern niedergebrannt und zerstört!). Am Mittwoch,
dem 05. August, habe ich mich nach Erhalt einer entsprechenden
Genehmigung der Militärbehörden zu Pfarrer M. Sähe und zu Pfarrer
Jozo Kudiæ von Doboj sowie, wie ich es diesen auf ihre Bitte versprochen
hatte, zu vier Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde des
Kleinen Jesus" begeben.
- Zuerst habe ich noch in Prnjavor zusammen mit Pfarrer Vlado
Lukenda und dem griechisch-katholischen Pfarrer und Dekan Petar
Ovad den Bürgermeister von Prnjavor aufgesucht und mit ihm über
die Lage der Katholiken in dieser Gemeinde gesprochen. Ich verlangte
von ihm mehr Schutz für das Leben und das Eigentum der Katholiken,
um so mehr, als sich dort schlimme Dinge ereignet hatten und in
der vorangegangenen Nacht die Sprengung der römisch-katholischen
Kirche des Ortes gerade noch im letzten Moment verhindert wurde!
Er versprach, daß er sein Möglichstes tun werde, wie weit jedoch
seine Möglichkeiten gehen, ist eine andere Frage!
- Aus Doboj habe ich dann glücklich (und geschickt) Inhaftierte,
Geistliche und Ordensschwestern herausgeholt und sie alle bei
mir in der bischöflichen Residenz untergebracht. Pfarrer ©aliæ
ist in Doboj über zwei Monate lang an verschiedenen Stellen im
Gefängnis gewesen. Da er ein schwerkranker und schon älterer Mann
ist, hat man ihn "nur" ein paarmal (wohl fünfmal!) schwer
verprügelt. Er will nicht darüber sprechen. Er sagt nur, daß im
Lager über 5.000 (!!!) Menschen interniert sind, daß von den Gefangenen
keine Listen existieren, daß Menschen zu Tode geprügelt werden,
daß es sogar inhaftierte Frauen gibt, daß die Ernährung sehr schlecht
ist und daß sich diese Menschen im großen und ganzen nichts hatten
zuschulden kommen lassen. Man hat die Leute inhaftiert, damit
man ihr Eigentum leichter plündern und vernichten konnte! Aus
der Pfarrgemeinde Doboj sind, soweit bekannt ist, über 5Ü Menschen
ermordet worden, viele andere, deren genaue Anzahl nicht bekannt
ist, hat man inhaftiert. Es herrscht große Furcht! Der Pfarrer
und die Ordensschwestern hatten mit keinem einzigen Geistlichen
der umliegenden Pfarrgemeinden Kontakt und wissen nicht, wie es
um diese steht. Viele katholische Dörfer im Dekanat Doboj sind
zerstört, die Menschen sind geflohen oder ums Leben gekommen!
Pfarrer Kudiæ und die Ordensschwestern würden nach Zagreb gehen,
wenn unsere Caritas in den kommenden Tagen nach über anderthalb
Monaten Blockade dorthin fahren kann!
Heute, am 06. August, habe ich mit dem orthodoxen Bischof von
Banja Luka ein langes Gespräch über die tragischen Ereignisse
in unserer Umgebung geführt. Es wurde auch über die Notwendigkeit
eines Treffens der katholischen und der orthodoxen Bischöfe aller
vom Krieg erfaßten Gegenden gesprochen. Solche Gespräche können
sicherlich sehr nützlich sein!
- In der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka haben die Streitkräfte der
Territorialverteidigung den Katholiken der Pfarrgemeinde Dolina
ein Ultimatum gestellt, wonach diese so bald wie möglich wegzuziehen
und all ihren Besitz zurückzulassen haben. Ich habe mich in diese
Gegend begeben, um zu versuchen, die faschistischen Aktionen ethnischer
Säuberung zu verhindern. Möge Gott sich unser erbarmen und uns
die Kraft zun weiteren Durchhalten geben! Beten Sie auch weiter
für uns! Möge der Herr Ihnen alles, was Sie für uns tun, vergelten!
Ich verbleibe mit einem brüderlichen Gruß in Christo, unserem
Guten Hirten,
Ihr
+ Franjo Komarica

"ES
MÜSSTE BALDMÖGLICHST EIN TREFFEN DER ORTHODOXEN UND KATHOLISCHEN
BISCHÖFE ORGANISIERT WERDEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 574/92 vom 10. August 1992)
Eure
Exzellenz,
trotz unserer vielen Bemühungen gelingt es uns nicht, die totale
Blockade zu durchbrechen und Ihnen Informationen über die tatsächliche
Lage in einigen Pfarrgemeinden meines Bistums, von denen ich
längere Zeit nichts erfahren habe, zu übermitteln. Ich bin Ihnen
sehr dankbar, daß wenigstens Sie uns telefonisch erreicht haben.
Leider ist es mir auch nach dem vor zwei Tagen mit Ihnen geführten
Telefongespräch nicht gelungen, Ihnen schriftliche Nachrichten
über unsere Lage zukommen zu lassen.
Ich schreibe Ihnen noch einige Zeilen über die neueste Entwicklung
der Ereignisse. In Bosanska Gradi¹ka mußte ich auch schriftlich
gegen die zwangsweise, vermutlich illegitime Aussiedlung des
katholischen Bevölkerungsteils intervenieren (Anlage 1!). Jetzt
erfolgen noch größere Repressalien gegenüber den Katholiken bzw.
Kroaten in der Pfarrgemeinde von Bosanska Gradi¹ka bzw. Dolina.
Die Menschen verlangen von den Pfarrern, und diese wiederum von
mir, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wenigstens ihren
Kopf zu retten. Ich habe das Internationale Rote Kreuz hier in
Banja Luka ersucht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einzuschalten.
Man hat mir versprochen, dies zu tun.
Am Samstag bin ich mit dem Caritas-Direktor Dr. Anièiæ beim Kommando
des l. Korps von Banja Luka gewesen und habe endlich die schriftliche
Genehmigung erhalten, daß Lkws nach Zagreb fahren und Lebensmittel
holen. Wann dies sein wird, ist noch nicht bekannt! Von einer
oberen Instanz wurde mir gesagt, daß man weiß, wieviel wir hiesigen
Katholiken zum Frieden und zum friedlichen Zusammenleben beitragen.
Man hat uns gedankt und sowohl dem Bischof als auch den Geistlichen
und den Gläubigen Anerkennung zugesprochen!
Heute war ich beim orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem,
wo einige orthodoxe Bischöfe zusammengekommen waren: die Mitropoliten
Nikolaj von Sarajevo, Vasilije von Tuzla, Hrisostom von Bosanski
Petrovac, Lukijan von Pakrac und ein neuer australischer. Es wurde
ein sehr konstruktives Gespräch geführt. Wie es hieß, müßte baldmöglichst
ein Bischofstreffen der katholischen und der orthodoxen Kirche
in Novi Sad organisiert werden. Ich bitte Sie, dies auch Ihrerseits
zu unterstützen!
Unser Volk ängstigt sich zunehmend wegen der Ungewissen Zukunft,
aber es hungert auch zunehmend! Gott wird aber sicher helfen!
Wir glauben fest daran! Ich verbleibe im Herrn mit einem herzlichen
Gruß an Sie und alle Ihre Mitarbeiter
Ihr
+ Franjo Komarica

"MAN
KANN WEDER WEGGEHEN NOCH BLEIBEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 652/92 vom 03. September 1992)
Eure
Exzellenz,
nach fünfzehn Tagen haben wir wieder elektrisches Licht, und ich
nutze die Gelegenheit, um Ihnen per Fax einige aktuelle Informationen
aus meinem Bistum zu übermitteln. Ich freue mich, daß wir nach
längerer Zeit wieder miteinander telefonieren konnten. Ich danke
Ihnen für Ihre uns allen erwiesene große Fürsorge und Liebe. Der
Herr möge es Ihnen hundertfach vergelten! Ihre Gebete und Ihr
sonstiger Beistand waren in diesen Zeiten schwerer Versuchungen
und großer Nöte für beinahe mein gesamtes Bistum für uns sehr
wertvoll.
Den beiliegenden Schreiben, die ich in den vergangenen Tagen an
die Zivil- und die Militärbehörden geschickt habe, entnehmen Sie
wenigstens teilweise Informationen über unsere Lage. Allgemein
gesehen lebt das Volk noch immer in großer Angst, in einigen Gegenden
werden die Repressalien und das anarchistische Treiben räuberischer
Gruppierungen, die oft auch von Örtlichen Politikern unterstützt
werden, unerträglich. Sehr, sehr viele, mehrere Zehntausend meiner
Gläubigen verlangen von mir Schutz bzw. eine Möglichkeit der Emigration
nach Kroatien oder ins Ausland. Es ist gar nicht leicht zu entscheiden,
auch nicht für uns, wegzugehen oder zu bleiben. Ich tue, was ich
kann, um wenigstens den besonneren und weitsichtigeren Mitarbeitern
der örtlichen Militär- und Zivilbehörden klar zu machen, daß
die sogenannte ethnische Säuberung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit
ist, daß es sich um Faschismus und Genozid handelt. Gelegentlich
stoße ich auch auf Verständnis. Auch hier verspürt man immer mehr
den von der internationalen Öffentlichkeit ausgeübten Druck gegen
derartige Barbarei der Machthaber. Ich bitte Sie, sich auch weiterhin,
soweit es Ihnen möglich ist, für eine menschliche, humane und
christliche Lösung dieser irrsinnigen und inhumanen Situation,
in der sieb Tausende unschuldiger Menschen befinden, einzusetzen!
Pfarrer S. ©o¹iæ befindet sich nach zweieinhalb Monaten der Hölle
in den Lagern Omarska und Manjaèa hier bei mir, und ebenso Pfarrer
M. Grabovac, dessen Pfarrkirche zerstört ist und den man umbringen
wollte. Auch mein Leben ist tagtäglich in Gefahr. Auch heute haben
mir die Militärbehörden, die ich wegen verschiedener Interventionen
zum Schutz meiner Gläubigen aufgesucht hatte, dies gesagt! FIAT
NOB1SCUM VOLUNTAS DEI!
Beten wir füreinander! Ich grüße Sie herzlich und danke Ihnen!
Ihr
+ Franjo, Bischof

"WIR
SIND MIT C. VANCE UND D. OWEN ZUSAMMENGETROFFEN"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad. Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 825/92 vom 25. September 1992)
Eure
Exzellenz,
ich darf mich auch heute kurz an Sie wenden und Trinen eine Kopie
der Bittschrift übersenden, die ich heute den Herren C. Vance
und Lord David Owen zu überreichen die Möglichkeit und Ehre hatte.
Zum Programm ihres Aufenthalts gehörte auch ein Treffen mit mir,
wie mir heute morgen Bürgermeister Radiæ nach Erhalt des Besuchsprotokolls
für die hohen Gäste telefonisch mitteilte. Er selbst hatte angeregt,
daß auch der orthodoxe Bischof von Banja Luka. Herr Jetrem, zugegen
ist, wozu ich meine klare Zustimmung gab, und er hat dann auch,
wie ich es angeregt hatte, den Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ
einbezogen. Wir drei waren in den Nachmittagsstunden fast anderthalb
Stunden lang bei den Herren Vance und Owen im Hotel "Bosna".
Nach Herrn Jetrem und Herrn Haliloviæ habe auch ich meine Sicht
bezüglich der derzeitigen Lage dargelegt, wobei ich die besonderen
Merkmale der Situation beim katholischen Teil der Bevölkerung
der Bosanska Krajina hervorhob. Dies sind in erster Linie die
ausgesprochene Friedfertigkeit und die Bereitschaft zum Zusammenleben
mit anderen Volksgruppen, der Wunsch, in der Heimat sicher zu
leben, der Verzicht auf Vergeltung für die entsetzlichen Ungerechtigkeiten,
die Entrechtung und die soziale Bedrohung und das Bestreben,
das nackte Leben zu retten und wegzugehen, gleich wohin, aber
dahin, wo es sicher ist, jedoch nicht an Orte im Gebiet des heutigen
Bosnien und Herzegowina. Ich habe ebenfalls unterstrichen, daß
ich den Eindruck habe, daß weder Dr. Karad¾iæ noch andere serbische
Politiker (und andere noch viel weniger) das wahre Bild von der
Situation vor Ort kennen, insbesondere der Situation außerhalb
von Banja Luka, wo zwar auf den ersten Blick noch Frieden herrscht,
aber gleichzeitig ständig die Gefahr besteht, daß es unter der
hungernden Bevölkerung zu nicht wünschenswerten Zusammenstößen
kommt. Ich habe an meine Gesprächspartner appelliert, daß man,
wo immer diese Problematik aktuell ist, Unschuldige vor Gesetzlosigkeit
schützt und dafür sorgt, daß die Kampfhandlungen eingestellt
werden, und unter anderem angeregt, daß unbedingt ein internationales
Gremium für die Kontrolle der Durchführung energischer Maßnahmen
mit dem Ziel der Beendigung des Krieges und des dadurch bedingten
Unheils geschaffen wird. In ihrer kurzgefaßten Antwort auf unsere
Darlegungen führten die Herren aus, daß sie für alle von uns erhaltenen
Informationen dankbar seien, daß sie sich darüber Irenen, daß
wir, die Vertreter der drei Glaubensgemeinschaften, nicht nur
untereinander tolerant sind, sondern auch zusammenarbeiten, aber
daß es mehr als offensichtlich sei, daß in unserem Raum ein echter
Holocaust erfolgt und auch weiterhin im Gange sei, den die internationale
Öffentlichkeit nicht ungestraft lassen wird. Die Herren äußerten
ihren Eindruck, daß man durch die ethnische Säuberung soviel wie
möglich erreichen wolle, bevor die UNPROFOR in unser Gebiet kommt,
wobei sie versprachen, in ihren Bemühungen um die Verhinderung
einer Eskalation des Unrechts und der kriegerischen Auseinandersetzungen
nicht nachzulassen, und sie sagten, daß sie überzeugt seien, daß
ebenso wie das Streben, sich so viel Territorium wie nur möglich
anzueignen, auch das Vorhaben der ethnischen Säuberung sehr schnell
an Triebkraft verlieren und sich als ein großer Betrug herausstellen
wird. Beide Heeren sind entschlossen, alles zu unternehmen, damit
der Krieg in Bosnien so bald wie möglich beendet und in unserem
Raum Recht und Ordnung für alle Bewohner wiederhergestellt wird.
Angesichts dessen können wir unserem gütigen Gott danken, daß
diese sehr kompetenten und offensichtlich fähigen Politiker auch
zu uns gekommen sind, damit sich unsere äußerst dramatische Lage
nicht noch mehr verschlimmert und durch ihr Eintreten und das
aller anderen, die auf der internationalen Bühne eine gewichtige
Rolle spielen, zur Verhinderung größeren und unermeßlichen Unheils
für alle Völker und Glaubensgemeinschaften, selbstverständlich
auch besonders für unsere Volksgruppe und die katholische Kirche
in diesem Gebiet meines Bistums beigetragen wird.
Ich spreche Ihnen und über Sie dem Heiligen Stuhl meinen aufrichtigen
Dank für alles aus, was Sie für die Wiederherstellung des Friedens
und des möglichen Zusammenlebens zwischen den verschiedenen Völkern
in diesem Raum tun, was kurzsichtige und unfähige Politiker und
Kriegsprofiteure furchtbar bedroht und zerstört haben.
Auch ich persönlich werde nicht ablassen, mich zu bemühen, daß
sich das Klima des gegenseitigen Vertrauens unter den Menschen
verbessert, und ich werde mit allen Kräften jede konstruktive
Aktion unterstützen. Möge Gott selbst alle edlen Bemühungen und
Anstrengungen all derer, die sich um das wahre Wohlergehen des
Einzelnen und aller Menschen bemühen, segnen!
Sehr geehrte Exzellenz, nehmen Sie nochmals meinen aufrichtigen
Dank für Ihr Bemühen um eine Lösung bei der schwierigen Situation
der Kirche in Banja Luka entgegen! Der Herr möge es Ihnen vergelten!
Ich wünsche es Ihnen und bete dafür, und verbleibe mit einem brüderlichen
Gruß, Ihr in Christo und Maria ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

"IN
VIELEN PFARRGEMEINDEN IST ES SEHR DRAMATISCH!"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 726/92 vom 12. September 1992)
Eure
Exzellenz,
ich möchte Ihnen kurz über die wichtigsten neuesten Ereignisse
in dem Gebiet meines Bistums, über das ich halbwegs informiert
bin, berichten.
Zunächst möchte ich Ihnen danken, daß Sie liebenswürdigerweise
den Text des an alle über das Schicksal von Bosnien und Herzegowina
verhandelnden Persönlichkeilen gerichteten gemeinsamen Appells
des orthodoxen Bischofs von Banja Luka, des Mufti und mir zur
Kenntnis genommen und diesen Appell an die erforderlichen Stellen
weitergeleitet haben. Hier wird diese unsere gemeinsame Stimme
allgemein sehr positiv aufgenommen. Gott sei Dank.
Am Samstag, dem 05. September d. J„ hatte ich ein Treffen
mit den führenden Zivil- und Militärorganen der Gemeinde Banja
Luka sowie mit einer größeren Gruppe von Bürgern (größtenteils
Katholiken), die sich über die Bedrohung der menschlichen Grundrechte
beklagten. Auch bei der Gelegenheit habe ich an die anwesenden
Organe appelliert und von ihnen verlangt, den begründeten Beschwerden
dieser in vieler Hinsicht völlig entrechteten Menschen, die sich
i n keiner Weise schuldig gemacht haben, mehr und energischer
nachzugehen. Es wurde ihnen öffentlich versprochen, daß man sich
bemühen werde, ihren Forderungen Rechnung zu tragen, insbesondere
im Hinblick auf die persönliche Sicherheit, die Verhinderung
von Quälereien, Mißhandlungen und Plünderungen, die Frage der
erneuten Einstellung am Arbeitsplatz und die Respektierung des
Rechts der Eltern auf selbstbestimmte Erziehung ihrer Kinder (es
war eine irrsinnige, wahrhaft rassistische Schulreform eingeführt
worden) sowie auf einige weitere, in jeder zivilisierten Gegend
der Welt gesetzlich anerkannte Rechte.
Am Montag, dem 07. September, habe ich die (an der Grenze zu Kroatien
gelegenen) Pfarrgemeinden Bosanska Gradi¹ka und Dolina besucht,
wo nach der am 03. September d. J. erfolgten Entführung (und nicht
auszuschließenden Ermordung) des Vorsitzenden des Gemeindeseelsorgerats
und Mitglieds des bischöflichen Seelsorgegremiums, Dipl.-Ing.
Marijan Vi¹tica, der gleichzeitig auch für unser gesamtes Gebiet
zuständiges Mitglied des Parlaments von Bosnien und Herzegowina
war, unter den Katholiken eine wahre Panik ausgebrochen ist und
die Menschen um jeden Preis nach Kroatien gehen wollen. Im Verlauf
mehrerer Tage konnten fast 300 Personen wegziehen, aber auch
alle übrigen mochten weggehen - fast 2.000 Katholiken. Sie haben
mir erneut ihre Nöte vorgetragen, und die Pfarrer in Dolina und
Bosanska Gradi¹ka wie auch die Ordensschwestern des Klosters
Bosanska Gradi¹ka sind völlig im Ungewissen darüber, was sie
weiter tun und wohin sie gehen sollen.
Am Dienstag, dem 08. September d. J., hatte ich wieder ein Gespräch
mit Militär Vertretern des 1. Korps von Banja Luka, bei dem ich
erneut die ganze Dramatik der Lage im Gebiet von Bosanska Gradi¹ka
hinsichtlich des Schicksals der Katholiken und der katholischen
Pfarrgemeinden darlegte, meine Besorgnis und meinen Protest angesichts
dessen, daß zum Schulz dieser unschuldigen Menschen nichts Konkreteres
unternommen wird, äußerte und von neuem darauf bestand, daß man
mich über das Schicksal von Ratko Grgiæ, dem bereits am 16. Juni
d. J. verhafteten Pfarrer von Nova Topola, richtig informiert.
Ich habe auch meiner tiefen Bitterkeit wegen der völligen Zerstörung
der Pfarrkirche und der Pfarrwohnung in der Kirchengemeinde Mahovljani
durch das Militär und der Verwüstung des ebenfalls dort gelegenen
bischöflichen Wirtschaftsbetriebs Ausdruck gegeben. Alle haben
dies zur Kenntnis genommen und haben versprochen (!), daß sie
die Lage in Ordnung bringen und weitere Akte des Vandalismus verhindern
werden. Bisher gibt es keinerlei zuverlässige Informationen,
aus denen hervorgeht, daß die Lage sich gebessert hat!
Inzwischen hat mir der Pfarrer von Kljuè, Herr Franjo Kre¹iæ,
mitgeteilt, daß fast seine gesamte Pfarrgemeinde, die dort eine
Minderheit von nahezu 150 Gläubigen bildete, weggegangen sei und
sich auf den Weg nach Kroatien gemacht habe! Diese Pfarrei wurde
damit tatsächlich in Frage gestellt. Nach dem Untergang der umliegenden
Pfarrgemeinden (im letzten Krieg): Drvar, Bosanski Petrovac, Krnjeu¹a,
Zelinovac, droht auch dieser einst großen Gemeinde das völlige
Erlöschen!
Auch die Pfarrer von Sanski Most und Stara Rijeka sowie von ©urkovac
und Sasina melden mir, daß auf die Katholiken in jenen Gegenden
nach wie vor entsetzlicher Druck ausgeübt wird, und sie bitten,
daß der Bischof sie unbedingt rettet, d.h. sie aus der unerträglichen
Umgebung herausbringt! (...)
Den Pfarrern von Kotor Varo¹ und Vrbanjci ist es gelungen, mir
die Mitteilung zukommen zu lassen, daß sich die am dortigen katholischen
Bevölkerungsteil verübten Quälereien trotz dessen ausgesprochener
Friedfertigkeit unerträglich steigern, daß die Menschen die Grenzen
ihrer Durchhaltefähigkeit erreicht, haben, daß sie nicht wagen,
in ihren Carlen Kartoffeln zu ernten oder anderes Gemüse zu holen,
daß ihre Häuser weiterhin in Brand gesteckt werden und daß sie
den Bischof ersuchen, sie unbedingt aus jener Hölle herauszuholen.
Am Donnerstag, dem 10. September d. J., habe ich endlich eine
erste schriftliche Antwort auf meine vielen Schreiben an den Kommandanten
des l. Krajina-Korps, Generalmajor Taliæ, erhalten, wobei es um
die Zerstörung der Pfarrkirche in Prijedor geht. Eine Kopie des
Schreibens erhalten Sie beiliegend (Anlage 1).
Auf mein wiederholtes Drängen hin hat mich gestern, am 11. September,
der Leiter der regionalen, d.h. für die gesamte Bosanska Krajina
zuständigen Polizei, Herr ®upljanin, empfangen. Ich habe ihm auch
die schriftliche Eingabe bezüglich der "ständigen Gefährdung
und höchst Ungewissen Lage der Katholiken im Gebiet der Bosanska
Krajina" überreicht (Anlage 2) und ihm mündlich die ganze
Dramatik der Situation dargelegt, wobei ich ihn fragte, warum
dies geschehe und wie lange es noch andauern werde. Er äußerte
unter anderem, daß der Vatikan am Schicksal Jugoslawiens und der
Serben schuld sei und die Serben sich daher an den Katholiken
rächen - indem sie ihnen die Kirchen zerstören, Zivilisten umbringen
und sie aus diesem Raum vertreiben ... Er versprach trotzdem,
sich um verstärkte Disziplin unter der seinem Befehl unterstehenden
Polizei zu bemühen und, soweit es ihm möglich sei, schwerere Delikte
zu verhindern. Ich verlangte auch eine schriftliche Antwort,
und er hat mir eine solche versprochen! Ich habe ihm versichert,
daß ich nicht nachlassen werde, sowohl von ihm als auch von allen
anderen derzeitigen Vertretern der Obrigkeit zu verlangen, sich
zu so verhalten, wie man es aufgrund ihrer Position von ihnen
erwartet, und alle in diesem Gebiet lebenden Menschen, und selbstverständlich
auch die Katholiken, in gleicher Weise zu schützen.
Am gleichen Tage habe ich auf sein Verlangen auch Herrn Kupre¹anin,
den Vorsitzenden der Autonomen Region Bosanska Krajina, bei mir
empfangen, der vom Führer der Serben von Bosnien und Herzegowina,
Dr. Karad¾iæ, bevollmächtigt war, sich mit mir über den Brief
zu unterhalten, den ich vor einem Monat sowohl an Dr. Karad¾iæ
als auch an den Premierminister der RS, Dr. Ðjeriæ, gerichtet
hatte. Auch ihm habe ich in schriftlicher Form erneut die derzeitige
Lage der Katholiken in der Bosanska Krajina dargelegt (Anlage
3), und ich habe mit ihm in einem längeren Gespräch die heikelsten
Punkte erörtert, d.h. die Aussiedlungen, die Plünderungen, die
Entlassungen aus dem Arbeitsverhältnis, die Inhaftierungen und
Ermordungen, den Fall meines verschwundenen Pfarrers, die Schulreformen,
die Frage der Häftlinge in Manjaèa u.a.m. Er versprach mir, sich
dafür einzusetzen, daß diese Fragen positiv gelöst werden. Wir
werden bald sehen, was daraus wird!
Heute hat mich die Fernsehanstalt Banja Luka um ein Interview
wegen der Antwort von Premierminister Ðjeriæ auf mein Schreiben
bezüglich der Mißhandlungen von Katholiken dieses Gebiets und
der Vertreibungen derselben gebeten! Den Brief, d.h. diese Antwort,
habe ich noch nicht erhalten! Soviel für diesmal! Verehrte Exzellenz,
wir beten und arbeiten, so gut wir nur können, für den Frieden
und das Wohl aller Menschen! Ich verbleibe mit einem brüderlichen
Gruß in Christo
Ihr
+ Franjo Komarica, Bischof

ANGST
UND HOFFNUNG WECHSELN EINANDER AB
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1075/92 vom 19. Oktober 1992)
Eure
Exzellenz,
auf die Elektrizitätsversorgung und den Faxverkehr ist wie bisher
weiterhin kaum Verlaß, und auch mein letzter Brief wartet noch
auf Zustellung. Ich melde mich aber, in der Hoffnung, daß ich Ihnen
trotz allem bald die neuesten Nachrichten über die derzeitige Lage
in meinem Bistum Bari ja Luka zusenden kann.
Ich weiß noch immer nicht, wie es um meine Geistlichen, Ordensleute
und Gläubigen in den Pfarrgemeinden steht, in denen gekämpft wird
- in Jajce und Bihaæ. Ebenso habe ich keinerlei Informationen vom
Dekanat Livno, aber ich hoffe, daß die dortigen Menschen, von wirtschaftlichen
Schwierigkeiten abgesehen, wie sie sie im übrigen die gesamte Bevölkerung
unseres vom Krieg erfaßten Landes ertragen muß, nicht unter größeren
Kriegsnölen zu leiden haben. Hinsichtlich der aktuellen Situation
im restlichen Teil des Bistums kann ich Ihnen folgendes mitteilen:
Nach fast acht Monaten ist es mir gelungen, mich endlich nach Zagreb
zur diesjährigen Tagung der Kroatischen Bischofskonferenz zu begeben
und von dort ohne besondere Schwierigkeiten zurückzukehren. Ein
besonderes Erlebnis war die Begegnung mit den Brüdern im Bischofsamt
und mit dem neuen Apostolischen Nuntius in Zagreb, Msgr. Einaudi,
mit dem ich ein langes Gespräch über die Gesamtsituation sowohl
in meinem Bistum als auch im gesamten BiH führte. Es war ein sehr
konstruktives Treffen!
Den Aufenthalt in Zagreb habe ich auch für eine Zusammenkunft mit
maßgeblichen Persönlichkeiten der Regierung der Republik Kroatien
genutzt, konkret mit dem Vizepremierminister Dr. Graniæ, den ich
bat, daß er unserem entrechteten und völlig verarmten Volk die Beschaffung
von Weizen für die diesjährige Herbstaussaat sowie von Kraftstoff'
für die zur Feldbestellung erforderlichen Traktoren ermöglicht.
Seine entgegenkommende Haltung war für mich Anlaß, in den vergangenen
Tagen erneut nach Zagreb zu fahren und für meine hungernden und
entrechteten Gläubigen direkt bei der politischen Spitze der Republik
Kroatien Hilfe zu erbitten, die ich, Gott sei Dank, auch bekommen
habe! Anstatt an der Spitze einiger Zehntausend meiner katholischen
Gläubigen das Gebiet meines Bistums und des Territoriums von Bosnien
(wie es in der Geschichte dieser Gegend der Fall war) Tür immer
zu verlassen, habe ich beschlossen, für mein unterdrücktes, entrechtetes
und verarmtes Volk Hilfe und Schulz zu erbitten, sowohl um Nahrung,
Kleidung und Schuhwerk als auch um die Erweckung einer begründeten
Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine neue Aussaat und ein neues
Leben! Ich traf, Gott sei Dank, auf Verständnis und erhielt die
Zusicherung, daß man uns nicht vergessen werde! Gleichzeitig habe
ich die Aufnahme von Verbindungen im Bereich des Verkehrs, des Handels
und des Post- und Fernmeldewesens zwischen unserem gesamten Gebiet
und Kroatien bzw. Zagreb verlangt. Auch in dieser Hinsicht traf
ich auf Verständnis, und ich bin effektiv Zeuge einer Verbesserung
der durch den Krieg bedingten gespannten Beziehungen zwischen diesen
beiden Gebieten. Ich werde nicht nachlassen, nach allen nur möglichen
Mitteln und Wegen zur Wiederherstellung des Friedens und der Zusammenarbeit
zwischen den entzweiten Brüdern und Nachbarn zu suchen. Es gibt,
Gott sei Dank, Fortschritte!
Dank unserem gütigen Gott bessert sich die in der letzten Zeit sehr
dramatisch gewesene Lage im Gebiet von Kotor Varo¹. Alle drei Gruppen
- sowohl die Serben und die örtlichen Behörden als auch die Muslime
und die Kroaten -traten ausgerechnet an mich heran, um sich über
meine Person die höchstmögliche Gewahr zu verschaffen, daß es zu
einer Einstellung der kriegerischen Zusammenstöße und einer friedlich
vor sich gehenden Entwaffnung bzw. einem ungefährdeten Weggang derer,
die dieses Gebiet verlassen wollen, kommt. Einige Hundert Katholiken
und eine noch größere Anzahl Muslime haben dieser Tage auf eigenen
Wunsch das Gebiet von Kotor Varo¹ in Richtung Travnik verlassen,
und dabei ist es, Gott sei Dank, nicht zu Mord und Totschlag gekommen,
was sonst in der Vergangenheil bei unorganisierter Flucht aus jenem
Gebiet häufig der Fall gewesen ist.
Ich habe erneut die örtlichen Behörden und die Vertreter der Gläubigen
von Ljubija besucht, ferner die des niedergebrannten Dorfes Bri¹evo,
wo Ende Juli 65 Männer, Frauen und Kinder getötet und 68 Häuser
niedergebrannt wurden. Über 300 Menchen wollen auf jeden Fall wegziehen.
Es gelang mir, von den Örtlichen Behörden die Zusage zu erhalten,
daß alle diese Menschen leiblichen Schutz bekommen, und von den
anwesenden internationalen humanitären Organisationen wurde mir
versprochen, daß die Leute hinsichtlich ihrer Ernährung und Unterbringung
Hilfe erhalten.
Ich war in Mrkonjiæ Grad und auch in Kljuè, wo allgemeine Panik
herrscht und unsere Gläubigen weggehen. Der Pfarrer von Mrkonjiæ
Grad, Hochw. Petar Jurendiæ, ist momentan im Krankenhaus. Die Menschen
sind wegen der ständigen Beschießung ihrer Häuser durch bewaffnete
Soldaten sehr beunruhigt, und in Kljuè ist nur noch ein rundes Dutzend
katholischer Familien verblieben! Die anderen sind, weil man sie
dazu genötigt hatte, bereits emigriert, hauptsächlich nach Kroatien!
Am gestrigen Sonntag, dem 18. Oktober d. J., hat man mir aus Mrkonjiæ
Grad berichtet, daß bewaffnete serbische Soldaten am hellichten
Tage begonnen haben, die Pfarrkirche St. Philipp und St. Jakob in
Brand zu stecken. In Mrkonjiæ Grad gibt es ansonsten keinerlei Gefechte,
und auch diesen ganzen unseligen Krieg über hat es keine gegeben!
Nachdem der Brand gelöscht worden war, wurde die Kirche letzte Nacht
erneut angezündet, worauf sie dann restlos ausbrannte! Es ist traurig,
sehr traurig, daß ohne Grund und Ursache und ohne jedwede Kampfhandlungen
in deren Nähe noch eine unserer Kirchen zerstört worden ist. Nachdem
bereits im Juni in der Nähe von Mrkonjiæ Grad die Pfarrkirche in
Liskovica zusammen mit dem neuen Pfarrhof in Brand gesteckt worden
war, ist sie vor zehn Tagen gänzlich zerstört worden! Es entsteht
der Eindruck, daß man unsere Kirchen systematisch zerstören und
so unsere Gläubigen vertreiben will. Ich bin überzeugt, daß es dennoch
nicht dazu kommt, denn wir werden, so Gott will, unsere Kirchen
nach und nach wieder aufbauen und hier bleiben, damit wir auch vor
kommenden Generationen bezeugen, daß das Christentum nicht zerstört,
sondern etwas erschafft und daß Liebe stärker ist als Haß! Heute
war es mir nicht möglich, nach Mrkonjiæ Grad zu fahren, ich werde
es morgen versuchen (in Begleitung von Militärpolizei wegen der
unterwegs von Bewaffneten drohenden großen Gefahr - einmal wäre
ich fast von einem Geschoß getroffen worden!), heute hatte ich sehr
wichtige Gespräche mit Herrn Kupre¹anin, dem Präsidenten der AR
Bosanska Krajina, und dem Bürgermeister von Banja Luka, Herrn P.
Radiæ, wobei es um die Notwendigkeit größerer Freiheiten für unsere
Gläubigen und die Ermöglichung der Arbeit der bischöflichen Caritas
sowie um von mir in Zagreb angeregte Friedens initiativen mit dem
Ziel einer erneuten Annäherung dieser beiden Regionen bzw. Staaten
und Städte in bezug auf den Verkehr, den Handel und viele andere
Dinge ging. Ich bin überzeugt, daß es bald zu bedeutenden Veränderungen
zum Besseren kommen wird! Ich würde gern Vermittler zwischen den
kriegführenden und entzweiten Parteien sein, damit allen Menschen,
besonders denen unseres so sehr getroffenen Gebiets, geholfen werden
kann! Obwohl diese Nacht wieder, zum siebten Male im Verlauf der
letzten vier Monate, das neue Seelsorgezentrum unserer neuen Pfarrgemeinde
Bud¾ak am Rand von Banja Luka mit Granaten beschossen wurde (Gott
sei Dank, daß der Pfarrer keinen Schaden genommen hat) und obwohl
wir noch immer tagtäglich von neuem, unseren Gläubigen zugefügten
Unrecht hören, bessert sich das allgemeine Klima allmählich, und
ich hoffe, daß man sich hier wird behaupten können und die völlig
unterdrückten menschlichen Grundrechte zurückerhält! Ich glaube
an die Kraft des Gebets und der Opfer unserer Gläubigen, Ordensleute
und Geistlichen und insbesondere des verschwundenen, unter Umständen
getöteten Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, wie auch
von euch allen, die an uns denken und für uns beten, und insbesondere
von unserem verehrten Heiligen Vater Johannes Paul II.! Ich danke
für alles und verbleibe im Gebet und mit brüderlichem Gruß!
P.S.
Gerade sind acht Ordensschwestern aus Nova Topola, acht aus Bosanski
Aleksandrovac, drei aus Bosanska Gradi¹ka und drei aus Banja Luka
nach Zagreb aufgebrochen! Die anderen sind geblieben!
+
Franjo, Bischof

"ICH
HABE MIT UNSERER CARITAS VIELE UNSERER PFARRGEMEINDEN BESUCHT"
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1259/92 vom 03. November 1992)
Eure
Exzellenz,
ich erlaube mir, Sie wieder über das Geschehen in meinem Bistum
Banja Luka während der letzten zwei Wochen zu informieren.
Nach dem Abebben der kriegerischen Zusammenstöße i m Gebiet der
Pfarrgemeinden der Gegend von Kotor Varo¹ ist es mir gelungen, auch
die Pfarrgemeinde Sokoline, aus der alle Bewohner geflüchtet sind,
zu besuchen. Den Pfarrer, Bruder Toma Buljan, der im großen und
ganzen hei guter Gesundheit ist, konnte ich an einem sicheren Ort
verstecken. Die Pfarrkirche und die Pfarrwohnung sind beschädigt,
aber nicht wie viele andere Gebäude niedergebrannt oder zerstört.
Ich war auch in den Dörfern der Pfarrgemeinde Vrbanjci, zu der ich
bisher keinen Zutritt hatte, und habe dort einige Hundert Gläubige
angetroffen, die, Gott sei Dank, noch nicht direkt mißhandelt worden
sind, jedoch in großer Not leben. Ich habe auch einige Dörfer der
Gemeinde bzw. Pfarrgemeinde Kotor Varo¹ besucht, wo sich ein paar
Flüchtlinge aus Sokoline und Vrbanjci versteckt haben, aber die
örtliche katholische Bevölkerung ist geblieben. In alle erwähnten
Dörfer habe ich eine größere Menge Hilfsgüter von unserer bischöflichen
Caritas gebracht. Einige Flüchtlinge aus Banja Luka sind bereits
in jene Gegend zurückgekehrt, weil man dort mit Frieden rechnet,
obwohl in vielen unserer Dörfer verlassene Häuser geplündert und
sogar Gläubige ermordet werden! Ich habe daher beim Bürgermeister
und beim Polizeichef Protest eingelegt, und sie haben mir versprochen,
daß sie sich bemühen werden, mehr Ordnung und Gesetzlichkeit herbeizuführen.
Von den über 10.000 katholischen Gläubigen jener Gegend sind jetzt
noch etwas über 2.000 übrig! Ich habe auch die Pfarrgemeinden ©urkovac,
Ljubija, Stara Rijeka, Ravska, Sanski Most, Sasina, Bosanska Gradi¹ka,
Nova Topola, Dolina, Prijedor und Mrkonjiæ Grad besucht und ihnen
Nahrungsmittel und Kleidung von der Caritas mitgebracht. In Mrkonjiæ
Grad habe ich nach der barbarischen Zerstörung der dortigen Pfarrkirche
mit den Vertretern der örtlichen Obrigkeit - dem Bürgermeister,
dem Vorsitzenden der Serbischen Demokratischen Partei und anderen
Gespräche geführt. Sie haben sich zwar von diesem Verbrechen, das
unsere Gläubigen in keiner Weise provoziert hatten, distanziert,
aber sie sagen, daß sie nicht in der Lage seien, bewaffnete Einzeltäter
daran zu hindern, Verbrechen an unschuldigen Einwohnern und Angehörigen
anderer Völker zu begehen! Dennoch haben sie mir versprochen, sich
um größeren Schutz für unsere Gläubigen zu bemühen, und sie äußerten,
daß das, was mit der Kirche geschehen ist, "eine große Schmach
und Niederlage für sie und ihr Volk" sei. Es ist verständlich,
daß unsere Gläubigen sehr große Angst bekommen haben, weil auch
auf ihre Häuser oft geschossen wird und bereits einige Menschen
getötet wurden! Möge Gott sich unser erbarmen und uns vor größerem
Unheil bewahren! In letzter Zeit haben im Gebiet der Gemeinde Sanski
Most und in den Pfarrgemeinden Sanski Most, Stara Rijeka und Sasina
serbische Extremisten begonnen, unsere Gläubigen stärker zu schikanieren
und zu töten. Die Gläubigen, es sind einige Hundert, verlangen von
mir, daß ich sie irgendwohin wegbringe und sie verstecke, denn sie
fürchten um ihr nacktes Leben! Auch ich selbst weiß nicht, was ich
mit ihnen tun und wie ich ihnen helfen soll! Ich werde wieder bei
den Militär- und Zivilbehörden intervenieren müssen!
Vor einer Woche war ich erneut beim Kommandeur des 1. Krajina-Korps,
Generalmajor Momir Taliæ, der mir gegenüber unter anderem erneut
betonte, daß es mir "gelungen sei, mein Volk - aber gleichzeitig
auch viele Serben - vor einer Vernichtung größeren Ausmaßes zu bewahren".
Er führte aus: "Haben Sie dafür Dank, mein serbisches Volk
wird Ihnen das nie vergessen". Die Frage ist nur, wie viele
unbeherrschte extremistische Führer, militärische wie politische,
es gibt, die unbedingt alle Nichtserben vertreiben wollen! Diesen
Druck und ernsthafte Drohungen haben wir in den letzten paar Tagen
besonders verspürt und registriert, und zwar in unserer gesamten
Region! Da das Leben vieler unserer Gläubigen tatsächlich bedroht
ist, sie aber keine Möglichkeil haben, sich nach Kroatien oder anderswohin
in Sicherheit zu bringen, nimmt ihre panische Angst zu, und sie
drängen mich immer mehr, ihnen zu helfen, weil sie niemanden sonst
um Hilfe bitten können! Auch in Banja Luka selbst fangen von der
Front zurückgekehrte Bewaffnete an, sich wie die Wilden aufzuführen,
wobei sie unsere Kirchen in Barlovci und Motike sowie zahlreiche
Häuser unserer Gläubigen beschießen, und einem älteren Mann aus
der Pfarrgemeinde Barlovci haben sie die Ohren und die Nase abgeschnitten,
bevor sie sich daranmachten, ihn abzuschlachten, und derzeit kämpfen
die Ärzte um sein Leben! In der Zwischenzeit habe ich erneut mit
dem Bürgermeister von Banja Luka und Vertretern der Polizei und
des Militärs gesprochen und mehr Schulz und die Möglichkeit ärztlicher
Behandlung für unsere entrechteten Gläubigen verlangt. Mir wurde
versprochen, daß meinen Forderungen stattgegeben wird! Gebe es Gott!
Ich werde nicht nachlassen, für meine Gläubigen die Gewährung der
Menschen-rechte, die sie derzeit nicht haben, zu verlangen! Bei
alldem habe ich jedoch auch eine erfreuliche Nachricht! Die Regierung
der Republik Kroatien hat 100 Tonnen Weizen und 50 Tonnen Dieselöl
bewilligt, so daß die Leute ihre Äcker bestellen und die Aussaat
vornehmen können und so neue Lebenshoffnung bekommen! Es scheint,
daß ich auf großes Bitten hin noch 100 Tonnen Weizen von der Caritas
aus Österreich und Deutschland bekomme! Gott sei Dank!
Und abermals eine traurige Nachricht: gestern, am 02. November d.
J., ist in einem Zagreber Krankenhaus unser sehr geschätzter Geistlicher,
Hoehw. Petar Jurendiæ, der Pfarrer unserer Gemeinde Mrkonjiæ Grad,
verstorben! Er ruhe in Frieden! Das Leben und der Tod sind unser
Alltag! Ich grüße Sie, Eure Exzellenz, und Ihre gesamte Umgebung
sehr herzlich und verbleibe ergebenst
+ Franjo
Komarica, Bischof

UNSER
VORBILD WURDE UMGEBRACHT - EIN GEISTLICHER, EIN WAHRHAFTIGER MÄRTYRER!
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 1300/92 vom 12. November 1992)
Hochgeehrte
Exzellenz,
da wir wieder Strom haben, nutze ich die Gelegenheit, um Sie über
die letzten Neuigkeiten aus meinem sehr bedrohten Bistum zu informieren.
In den letzten zehn Tagen hat sich die Lage bei uns dramatisch verschlechtert!
Die tragischste Nachricht, die ich Ihnen zu übermitteln habe, ist
die, daß in der Nacht vom Samstag auf Sonntag (d.h. am 08. November
in den Morgenstunden) unser junger, sehr geschätzter und bei den
Leuten sehr beliebter Geistlicher, Hochw. Ivan Grgiæ, Pfarrer in
Ravska bei Ljubija (Dekanat Prijedor), ermordet worden ist. Er wurde
aus seiner Pfarrwohnung weggeführt und am Rande seiner Pfarrgemeinde,
in den Gruben des Bergwerks Ljubija, durch rd. 50 Schüsse getötet!
Wie mir die Vertreter der Zivil- und der Militärbehörden in Ljubija
bei meinem Eintreffen sagten, waren die Täter Angehörige der serbischen
Armee, die bereits inhaftiert sind (wenigstens einige von ihnen).
Unter den furchtbar in Schrecken versetzten und völlig entrechteten
Menschen der Pfarrgemeinde Ravska und der umliegenden Pfarrgemeinden
herrscht tiefe Trauer! Ich habe im Beisein einer großen Anzahl
Menschen in seiner Pfarrkirche eine Totenmesse zelebriert, und am
Tag darauf, also gestern, haben wir den seligen Ivan, unseren jungen
Märtyrer durch seine Treue zu Gott, zur Kirche und zu seiner Herde,
hier in Banja Luka in der Priestergruft beigesetzt! Ihm sei ewiger
Lohn im Herrn! Der selige Ivan war 30 Jahre alt und stand im sechsten
Jahr seines Priesteramtes! Es war seine erste Pfarrgemeinde gewesen,
und er war bei allen Menschen seiner Gemeinde, aber auch bei allen
anderen, die ihn kannten, sehr beliebt. Seine Eltern leben als Flüchtlinge
in der Baranja in Ungarn, ich weiß nicht, ob sie jetzt noch dort
sind. Wir haben vergeblich versucht, ihnen diese schmerzliche Nachricht
zu übermitteln. Ich denke, daß sie dennoch von dem schlimmen Geschehen,
das sie und Ivans gesamte Verwandtschaft getroffen hat, erfahren
werden! Sowohl sie als auch wir alle haben in ihm einen wahren Märtyrer
und ein Vorbild eines Geistlichen und seiner Treue bis zum Ende!
Er wollte sein gequältes Volk nicht im Stich lassen, was im übrigen
auch für alle anderen Geistlichen hier bei uns zutrifft, die wahrhaftig
ihren Glauben und ihre Treue zu Christus und seiner Kirche bezeugen!
Letzte Nacht wurde die große neue Pfarrkirche in Stara Rijeka -
zwischen Sanski Most und Ljubija - in der Nähe von Ravska durch
Sprengladungen völlig zerstört, und die Pfarrwohnung wurde stark
beschädigt. Es ist ein Glück, daß der Pfarrer und Dekan, Ilija Arloviæ,
der in der Haft ein Martyrium durchlitten hat, nach der Beerdigung
unseres seligen Ivan hier war; sonst hätte auch er umkommen können!
Diese ganze Gegend von Prijedor bis Sanski Most, acht Pfarrgemeinden,
ist jetzt besonders betroffen. Zehn unserer Gläubigen im Alter zwischen
22 und 60 Jahren wurden am 02. November d. J. ermordet, als sie
sich auf dem Nachhauseweg von Sanski Most in das zur Pfarrgemeinde
Sasina gehörende Bergdorf ©krljevita befanden. Ich bin danach in
den Pfarrgemeinden Prijedor, Ljubija, ©urkovac, Ravska (der Pfarrer
war zu dem Zeitpunkt noch am Leben), Stara Rijeka, Sanski Most,
Sasina und Stratinska gewesen, um Weizen hinzubringen, damit man
in diesen Tagen an die Aussaat gehen kann. Die Menschen, besonders
die in Sanski Most und Sasina, waren schrecklich verängstigt und
möchten um jeden Preis auswandern, egal wohin! Die Versprechungen
der Politiker sind überhaupt nichts mehr wert, denn die Vertreter
der Behörden und die Polizei haben in Sanski Most, wie sie mir sagten,
die Lage nicht mehr unter Kontrolle, weil Soldaten, die bewaffnet
von der Front kommen, morden, Gebäude in Brand stecken und plündern,
wo sie nur können! - Dies geschieht jetzt auch in den Pfarrgemeinden
Stara Rijeka, Ravska und Ljubija! Eine ähnliche Situation haben
wir auch in den Pfarrgemeinden der Gegend von Prnjavor - in Prnjavor,
in Kula¹i und in Dragalovci! Außerdem erfolgten in der letzten Zeit
auch im Bereich von Banja Luka selbst mehrere bewaffnete Überfälle
auf unsere Leute und auf kirchliche Gebäude in den Pfarrgemeinden
Barlovci und Marija Zvijezda - Trapisti. Ich habe erneut sowohl
mit den Militär- als auch mit den Zivilbehörden der Gemeinde Banja
Luka und unserer gesamten Region Gespräche geführt. Man sagte mir,
daß man alle Exzesse verurteile, aber außerstande sei, sie zu verhindern!
Es scheint, daß wir tatsächlich Opfer entsetzlichen Wahnwitzes
und der Anarchie, zugleich aber auch einer abgekarteten systematischen
Ausrottung unserer Gläubigen geworden sind!!! Einer solchen Solution
kann ich als Mensch und als Christ niemals beipflichten, da sie
ihrem Wesen nach völlig unmenschlich ist! Ich weiß nicht, an wen
außer unserem gütigen Gott ich mich wenden soll, bei wem ich angesichts
dieses entsetzlichen Unrechts und dieser rohen Verbrechen gegenüber
unserem so bewundernswert friedfertigen Volk Hilfe und verständnisvolle
Haltung erwarten könnte! Obwohl viele meiner Gesprächspartner sagen,
daß es uns gelungen sei. das Volk vor dem Zugrundegehen zu bewahren,
wollen sie uns offenbar dennoch unbarmherzig aus unseren jahrhundertealten
Heimstätten herausreißen! Ich habe mich auch mit den hochwürdigsten
Herren, dem orthodoxen Bischof und dem Mufti, über die aktuellen
Probleme unterhalten, aber etwas Positives konnten sie mir weder
sagen noch versprechen! So habe ich Ihnen abermals mein Leid geklagt,
damit Sie Bescheid wissen und damit Sie uns und unsere täglich
größer werdenden Qualen unserem gütigen Gott anempfehlen können,
auf daß Sein heiliger Name gepriesen sei und die unsterblichen
Seelen gerettet werden! Ich danke Ihnen für alles, es ist gut, daß
ich in diesen Tagen doch zu Hause geblieben bin, wie Sie mir geraten
hatten!
Ich wünsche Ihnen allen Frieden und alles Gute, Ihr in Christo ergebener
+
Franjo, Bischof

TUN
SIE ALLES, DAMIT DER ABRISS DER ORTHODOXEN KATHEDRALE IN KARLOVAC
VERHINDERT WIRD (SOFERN DIES JEMAND ZU TUN BEABSICHTIGT)
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreh,
Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 17/93 vom 17. Februar 1993)
Eure
Eminenz,
heute habe ich durch ein Telefongespräch mit dem Bürgermeister von
Banja Luka, Mag. P. Radiæ, erfahren, daß beabsichtigt sei, die im
Krieg beschädigte orthodoxe Kathedrale St. Nikolaus in Karlovac
abzureißen. Ich verfüge über keinerlei Angaben zum Grad der Beschädigung,
auch nicht, daß jemand beabsichtigt, diese Kathedrale - ein kostbares
sakrales und kulturelles Objekt -abzureißen. Ich kann auch den Wahrheitsgehalt
der von Bürgermeister Radiæ erhaltenen Nachricht nicht überprüfen.
Trotzdem erlaube ich mir. Sie zu bitten, daß Sie sich - falls sich
derartiges abzeichnet - bei den örtlichen und sonstigen zuständigen
Behörden dahingehend verwenden, daß alles getan wird, um einen
Abriß der orthodoxen Kathedrale in Karlovac - und im übrigen auch
jeglicher anderen Kirche bzw. jeglichen anderen Gotteshauses der
serbisch-orthodoxen Kirche - zu verhindern.
Sie kennen meine grundsätzliche Einstellung und wissen, daß ich
ein Gegner des Abrisses und der Zerstörung sakraler Gebäude, gleich
welcher Konfession, aber auch aller sonstigen von Menschen zum
eigenen Wohl oder zum Wohle anderer errichteten Gebäude bin. Im
übrigen ist dies ja auch Ihre Einstellung und die aller anderen
Brüder im Bischofsamt. Daher glaube ich, daß Sie auch in diesem
Falle als konsequenter Beschützer der Würde und des Wertes eines
jeden Menschen und jeder bedrohten religiösen oder ethnischen Gemeinschaft
handeln werden.
Indem ich mich Ihrer Fürbitte anempfehle, verbleibe ich mit dem
Ausdruck meiner Hochachtung und herzlichen Grüßen! Ihr Mitbruder
in Christo
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
1. den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
2. den Heiligen Erzpriesterlichen Synod der SPC - Belgrad

DIE
MENSCHEN SIND AUCH WEITERHIN IN ENTSETZLICHER PANIK UND SUCHEN NACH
EINER MÖGLICHKEIT, SICH IRGENDWOHIN IN SICHERHEIT ZU BRINGEN
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr, G. Montalvo
(Prot. Nr. 927/93 vom 27. März 1993)
Eure
Exzellenz,
ich darf Sie hiermit über die Lage in meinem Bistum seit meinem
letzten Bericht informieren, d.h. in diesen vergangenen paar Wochen.
Nachdem ich beim Bürgermeister von Banja Luka, P. Radiæ, erneut
vorstellig geworden bin, damit er der Eskalation der Überfälle und
des Unrechts gegenüber unseren unschuldigen Leuten, durch Bombenwürfe,
Sprengladungen oder Mißhandlungen in Häusern und Wohnungen, ein
Ende setzt, scheint es, als ob einige Schutzmaßnahmen getroffen
würden. Die Menschen sind jedoch auch weiterhin in entsetzlicher
Panik und suchen nach irgendeiner Möglichkeit, sich irgendwohin
in Sicherheit zu bringen und das Leben ihrer Kinder und ihr eigenes
zu schützen. Das Flüchten hält an. besonders in einigen zentralen
Stadtteilen, aber auch in den umliegenden Dörfern, wo in den letzten
Tagen einige (fünf) unserer völlig unschuldigen Menschen ermordet
wurden! - Andererseits hat sich, Gott sei Dank, nach meinen vielen
und sicherlich auch Ihren Interventionen der Konvoi mit humanitärer
Hilfe unserer bischöflichen Caritas wieder in Bewegung gesetzt,
und so können wir die Lage der Menschen wenigstens hinsichtlich
der Ernährung ein wenig erleichtern. Ich habe wieder eine ausreichende
Menge Samen angefordert, damit die Menschen aussäen können, denn
sie selbst könnten es sich nicht leisten, Samen zu kaufen! Was
die kirchlichen Gebäude angeht, so wurde die große Kirche in ©urkovac
völlig zerstört, und die Filialkirchen in Èatrnja (Bosanska Gradi¹ka)
und in Dolina (Prnjavor) wurden vermint. Die ukrainischen Ordensschwestern
der Gemeinschaft "Dienerinnen der Unbefleckten" aus Banja
Luka - Bud¾ak haben ihr Kloster auf Anordnung ihrer Verwaltung vorübergehend
verlassen, weil es einige Male von Sprengkörpern getroffen wurde.
Jetzt wohnen in ihrem Hause gemäß einer Vereinbarung mit der Gemeinde
einige Leute, offenbar Flüchtlinge.
In den letzten Wochen hat man mich in den öffentlichen Medien -
im Fernsehen, im Rundfunk und in den Zeitungen - in meiner Eigenschaft
als Bischof von Banja Luka mehrfach angegriffen und ungeheuerliche
Lügen verbreitet - daß ich Anstifter einer gegen die Serben gerichteten
Intervention sei, indem ich Unwahrheiten erzähle und äußere, daß
die katholische bzw. nichtserbische Bevölkerung im Gebiet des Bistums
Banja Luka bedroht sei. (!) - Auf angebliche Anordnung des Heiligen
Stuhls soll ich alle Katholiken aus dem Gebiet der Bosanska Krajina
herausbringen, damit der Heilige Stuhl und der Heilige Vater noch
stärker gegen die Serben ausholen können! - Leute, die derartige
abscheuliche Lügen und Verleumdungen in die Welt setzen und die
Öffentlichkeil betrugen - aber auch zusätzliche Panik unter den
vielen verängstigten und entrechteten Menschen verbreiten -, verdienen
wirklich unser Mitleid und unser zusätzliches Gebet! - Auch die
telefonischen Drohungen, wonach ich liquidiert, getötet werden
soll, erfolgen in letzter Zeit häufiger! Ich schere mich nicht viel
darum, obwohl ich sie nicht für harmlos halte. Ich habe daher auch
die Militärund die Zivilbehörden der "Republika Srpska"
auf örtlicher und auf höherer Ebene in Kenntnis gesetzt und von
ihnen verlangt, daß sie etwas Konkretes unternehmen und daß dem
Gesetz der Gewalt und der Anarchie endlich ein Ende gesetzt wird!
- In diesem Zusammenhang habe ich als Antwort auf meinen vorletzten
Brief an Herrn Karad¾iæ, den Präsidenten der "Republika Srpska",
eine Antwort seines Kabinetts erhalten, worin ich ersucht werde,
ihm konkretere Informationen über "die angeblichen zur Last
gelegten Handlungen auf dem Gebiet, in dem ich lebe und arbeite
" zu übersenden. (!) Obwohl ich sowohl ihn als auch die Personen
seiner Umgebung regelmäßig und sehr konkret über alles, was mit
uns geschehen ist, informiert habe, habe ich ihm dieser Tage erneut
ein (acht Seilen umfassendes) Antwortschreiben übersandt, das Sie
anliegend erhalten. Im Namen der Wahrheit kann und darf ich nicht
schweigen, wenn man an unschuldigen Menschen offenkundige Verbrechen
verübt, die leider geduldet werden und sich fortsetzen! - So erfolgte
in den letzten zehn Tagen erneut (zum siebten Male) ein bewaffneter
Überfall auf das Franziskanerkloster in Petriæevac (Banja Luka);
der Oberin der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi
Kristove", Schwester Salezija, die sich in Begleitung einer
weiteren Ordensschwester aus dem Kloster "Novi Nazareth"
befand, hat ein bewaffneter Zivilist am 24. d. Mts. gegen Abend
am Eingang in den Klosterhof das Auto und alle Sachen, die wir den
Schwestern aus dem Ordinariat geschickt halten, weggenommen und
die Schwestern aus dem Wagen gejagt! - Trotz unserer Intervention
ist natürlich nicht bekannt, wo der Wagen sich befindet und was
mit ihm geschehen ist! In den letzten drei Tagen wurden in der Pfarrgemeinde
Barlovci fünf völlig unschuldige Menschen ermordet! Unsere Menschen
sind von starker Panik erfaßt! Ich versuche, sie durch Gebet, Appelle
an maßgebliche Leute und Zuspruch zu beruhigen! Gerade heute schicke
ich ihnen einen schriftlichen Aufruf, sich zu beruhigen, trotz
allem, was wir hier alle gemeinsam durchmachen!
Wir verlieren nicht die Hoffnung, daß uns unmittelbar von Gott -
aber auch über den Heiligen Stuhl und andere gute Menschen Hilfe
zuteil wird!
Soviel für diesmal!
Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Fürsorge und Ihre Gebete und
grüße Sie alle herzlich! Ihr in Christo ergebener
+
Franjo, Bischof

WIR
HABEN NOCH NICHT DEN MUT VERLOREN
Schreiben des Bischofs an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof
von Zagreb und Vorsitzenden der HBK
(Prot. Nr. Präs. 35/93 vom 04. April 1993)
Ich danke
Ihnen aufrichtig und von ganzem Herzen für die warmen und tröstlichen
Worte, die Sie mir als Antwort auf meine Eitle und meinen Ruf nach
Hilfe und Schutz für mein gesamtes sehr bedrohtes Bistum zukommen
ließen. Ich habe Ihre Worte auch meinen im geistlichen Amt tätigen
Brüdern, den Ordensleuten und den Gläubigen übermittelt! Alle sind
Ihnen zutiefst dankbar, sowohl für Ihre Worte als auch für alles
andere, was Sie für uns tun - für Ihre Gebete, Appelle und Interventionen!
Wir haben den Mut noch nicht verloren, noch längst nicht, obwohl
die physischen und psychischen Bedrängnisse tagtäglich weitergehen!
Die Geistlichen halten wahrhaft heroisch an ihrem Platz aus und
trösten die Menschen mit Worten und Gebeten und ihrem persönlichen
Beispiel. Ähnlich verhält es sich mit den Ordensschwestern, die
wirklich wertvolle Dienste leisten!
Trotz al ledern ist die Frage der Ungewissen Zukunft für uns alle
hier auch weiterhin offen, und wir verfügen diesbezüglich über keine
Antwort. Wird es für uns Katholiken hier eine Zukunft geben - nach
dem Willen derer, die die Landkarten zuschneiden, und der selbsternannten
Herren über Menschenleben und die Geschichte ganzer Völker?
Ich bemühe mich auch weiterhin, die "Machthaber" auf die
Ungerechtigkeiten, die uns ununterbrochen zugefügt werden, und
die Unterstellungen gegenüber dem Bischof, den Geistlichen und
den Gläubigen aufmerksam zu machen. Ich kann mich nicht damit einverstanden
erklären, daß man uns, die wir uns nichts haben zuschulden kommen
lassen, nur deshalb unterdrückt und vertreibt, weil wir Katholiken
und dazu noch Kroaten sind! Kroatischer Katholik zu sein und hier
in einem Raum zu leben, der jahrhundertelang Heimat war, kann ich
keineswegs als Verbrechen und Sünde ansehen, und ich kann mich auch
nicht einverstanden erklären, wenn andere dies dafür halten! Daß
wir hier sind, ist für mich und für uns alle eine Verpflichtung,
nicht aber ein Verbrechen, für das wir einfach von hier zu verschwinden
hätten!
Ich finde daher, daß man sich bei allen zukünftigen Verhandlungen,
gleich, auf welcher Ebene, bemühen muß, die Heimstätten und die
Zukunftsmöglichkeiten auch der religiösen und nationalen Minderheiten
zu definieren, wobei die Zukunft dieser Minderheiten so sein muß,
daß sie zivilisierter Völker und Menschen würdig ist! Dies verlange
ich, und ich muß es verlangen, zusammen mit meinen Geistlichen,
meinen Ordensleuten und meinem Volk!
Gleichzeitig glaube ich, daß ich auch Sie persönlich und alle meine
anderen lieben und verehrten Brüder im Bischofsamt bitten darf,
daß Sie alle, d.h. sämtliche kroatischen Bischöfe, alle diejenigen,
die über uns entscheiden, auffordern, uns zu schützen und uns alle
menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die uns entzogen
wurden bzw. unterdrückt werden, wieder zurückzugeben. - Ich weiß,
daß Sie uns nicht vergessen haben und daß Sie uns nicht vergessen
und enttäuschen werden und können, denn Sie betrachten uns gewiß
als Teil des kroatischen katholischen Korpus! Dafür danke ich Ihnen
persönlich sowie meinen anderen Brüdern im Bischofsamt aufrichtig!
Christus, der Gute Hirte seiner Kirche, von der er auch uns Teile
anvertraut hat, damit wir sie führen und beschützen "in gelegener
und ungelegener Zeit" (2. Tim 4, 2), möge für Sie alle Trost
und Lohn sein!
Die Situation ist bei uns derzeit so, daß ich mich, solange nicht
irgendeine große Notlage eintritt, nicht von hier wegrühren soll,
also auch nicht zu der Zusammenkunft der BK- die möglicherweise
bald stattfinden wird! Wir sind in Gottes Händen, und Er möge die
Dinge so fügen, wie es Sein heiliger Wille ist!
Wir alle freuen uns auf die angekündigten Besuche der hohen Gäste
der Schweizer BK und des Heiligen Stuhls, Seiner Eminenz Kardinal
Etchegaray. Auch unseren Nachbarn sagen solche Besuche viel, weil
ihnen dadurch m verstehen gegeben wird, daß wir nicht ihrer Ungnade
überlassen, sondern vielmehr Angehörige einer großen Familie sind,
die um uns weiß und der es nicht gleichgültig ist, wie es uns geht!
So Gott will, werden auch Sie wieder zu uns kommen - im Laufe dieses
großen Jubiläumsjahres - das auch wir hier in Banja Luka als unser
Jubiläumsjahr betrachten, da wir ja mehrere Jahrhunderte lang Teil
Ihres (Erz)-Bistums gewesen sind!
Indem ich mich und mein gesamtes gequältes Bistum Ihrem edlen väterlichen
Herzen, Ihren Gebeten und Ihrer Liebe anempfehle, wünsche ich Ihnen
und Ihren geschätzten Mitarbeitern, den Bischöfen Ðuro, Jurje und
Marko, von Freude, Frieden und unerschütterlicher Hoffnung erfüllte
Tage während der Karwoche und der Osterfeiertage, der Zeit des Gedenkens
an das Martyrium, den Tod und die Auferstehung unseres Erlösers,
und verbleibe hochachtungsvoll, mit einem herzlichen und brüderlichen
Gruß!
Ihr im Herrn und der Heiligen Jungfrau, der Königin der Apostel,
ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

WIR
HABEN UNS NICHT ABGESCHRIEBEN, WIR HABEN DIES AUCH NICHT VOR!
Schreiben an den Apostolischen Nuntius in Belgrad, Msgr. G. Montalvo
(Prot. Nr. 970/93 vom 14. April 1993)
Eure
Exzellenz,
ich möchte Sie über das hiesige Geschehen seit meiner letzten Berichterstattung
informieren. Zwar sind wir noch in der Osterwoche (in der man sich
sonst ein wenig von den Anstrengungen der Fastenzeit erholt), aber
ich hoffe, daß ich Sie mit meinem Schreiben nicht allzusehr belästige.
Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt hatte, stand der von den maßgeblichen
(serbischen) Behörden genehmigte Besuch des Vorsitzenden der Schweizer
BK, Bischof P. Mamie, zusammen mit dem Sekretär der BK, Pater R.
B. Trauffer, bevor, der, Gott sei Dank, auch wirklich stattgefunden
hat. Die beiden waren am 06. und am 07. April d. J., d.h. am Dienstag
vor Ostern und am darauffolgenden Mittwoch bis zum Mitlag bei uns.
Wir haben außer Pfarrgemeinden und Klöstern im Gebiet zwischen
Bosanska Gradi¹ka und Banja Luka auch den orthodoxen Bischof, Herrn
Jefrem, und den Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ, sowie den
Bürgermeister von Banja Luka, Herrn P. Radiæ, besucht. Es waren
auch Treffen mit den Geistlichen und den Gläubigen der Umgebung
in unserer Kathedrale vorbereitet worden. Dieser Besuch war unter
verschiedenen Aspekten wertvoll - sowohl für unsere Gläubigen,
Geistlichen und Ordensleute, als auch für die wahrheitsgemäße Informierung
unserer Gaste, die - nach deren eigenem Eingeständnis - über uns
und unsere dramatische Situation falsch informiert waren ... Auf
jeden Fall war es gut, daß auch religiöse und zivile Kreise einiger
unserer Nachbarn zur Kenntnis genommen haben, daß von der großen
kirchlichen Familie, der wir auch selbst angehören, JEMAND zu uns
gekommen ist! Besuche dieser Art haben wir sehr nötig!!
Am 10. April d. J., am Karsamstag, hat uns im Bischöflichen Ordinariat
Herr Momèilo Kraji¹nik, der derzeitige Präsident des Parlaments
der "Republika Srpska", mit vier seiner Minister und Herrn
Radiæ, dem Bürgermeister von Banja Luka, aufgesucht. Die Herren
blieben eine Stunde lang.
Herr Kraji¹nik hat mich gebeten (!), zwecks Verwirklichung einer
Zusammenkunft und eines Gesprächs zwischen den obersten Vertretern
der RS und der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna zu den Fragen
der Beilegung der kriegerischen Konflikte, der Wiederherstellung
des Friedens und der Lösung aller anstehenden Probleme zu vermitteln.
Er hob meine "großen Verdienste hinsichtlich der bisherigen
Befriedung und der Verhinderung größeren Unheils in diesem Gebiet"
hervor, dankte mir für "die objektive Berichterstattung über
die Lage in meinem Bistum" und sprach mir seine Glückwünsche
zu "meinem tatkräftigen Einsatz zur Rettung des eigenen Volkes,
der ihm sehr imponiere" aus. Ich gab ihm unter anderem zur
Antwort, daß ich nicht Politiker bin und auch keiner sein will,
daß ich aber, wenn ich zu einer Beruhigung der Lage und zur Rettung
unschuldiger Menschen, ihres Lebens, ihrer Rechte, ihres Eigentums
usw. beitragen kann, dies im Rahmen meiner Möglichkeiten sehr gerne
tun werde. Er drückte seine Bereitschaft aus, alle Einwohner des
Hoheitsgebiets der "Republika Srpska" zu schützen und
ihnen völlige Gleichberechtigung und eine sichere Zukunft zu garantieren.
Ich antwortete ihm, daß es erforderlich sei, so schnell wie möglich
vom Wort zur Tal zu schreiten, und übergab ihm nochmals eine Liste
aller zerstörten kirchlichen Gebäude und eine Karte meines dezimierten
und devastierten Bistums.
Am 12. d. Mts., am Ostermontag, waren zwei Minister, die Herren
Rosiæ und Dokiæ, zwecks konkreter Absprachen bezüglich eines möglichst
baldigen Treffens von Vertretern der serbischen und der kroatischen
Volksgruppe in BiH bei mir, und heute haben mich wieder der Vizepremier
der RS, Dr. Vitomir Popoviæ, und der Justizminister Jovo Rosiæ um
ein Gespräch gebeten, damit ich wegen eines möglichst baldigen Treffens
der obersten Vertreter der Regierungen der "Republika Srpska"
und der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna vermittle. (Nebenbei
gesagt hat man den Eindruck, daß die Vertreter von Herceg-Bosna
uns außerhalb ihrer Grenzen lebende Katholiken völlig vergessen
und im Grunde genommen bestimmten engeren Interessen "geopfert"
haben! Wir haben uns jedoch noch nicht abgeschrieben, und wir haben
das auch nicht vor! Nach unserer Ansicht müssen die katholische
Kirche und das Evangelium Christi, das sie in diesem Raum seit
siebzehn Jahrhunderten verkündet, hier auch zukünftig "Wohnrecht"
haben, gleich, ob dies den Politikern gefällt oder nicht! Unserer
Kirche darf dies keinesfalls gleichgültig sein!!!). Obwohl ich eigentlich
zu den Politikern von Herceg-Bosna keinerlei Kontakte habe, habe
ich versucht, ihnen irgendwie die Mitteilung zukommen zu lassen,
sich zu Gesprächen mit den Vertretern der Serben zu treffen, damit
viele Menschenleben und Eigentum vor der Vernichtung geschützt werden.
(...) Möge Gott ihnen allen hilfreich zur Seite stehen, damit es
so bald wie möglich für uns alle zu einem Nachlassen der großen
Bedrängnisse kommt! Soviel für jetzt! Ich werde mich wieder melden,
hoffentlich mit erfreulicheren Neuigkeiten. In drei Pfarrgemeinden
(außerhalb von Banja Luka), wo ich dieser Tage war, leben die Menschen
noch immer in Angst! Dafür gibt es Gründe, aber es existiert auch
immer noch Hoffnung!
Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen - Ihr in Christo, dem Auferstandenen,
ergebener
+
Franjo Komarica

NACHDRÜCKLICHER
WUNSCH ZUR FORTSETZUNG DER OFFIZIELLEN ZUSAMMENKÜNFTE DER GEMISCHTEN
KOMMISSIONEN AUS VERTRETERN DER KATHOLISCHEN UND DER SERBISCH-ORTHODOXEN
KIRCHE
Schreiben des Bischofs an den Vorsitzenden der HBK, Franjo Kardinal
Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 56/93 vom 01. Mai 1993)
Eure
Eminenz,
verehrter lieber Bruder in Christo,
ich erlaube mir, mich wieder mit den neuesten Nachrichten aus unserer
Gegend an Sie zu wenden!
Gestern hat mich aus Belgrad der orthodoxe Bischof von Baèa, Herr
Irenej (Irenäus), angerufen, der wissen wollte, wie es mir persönlich
geht und wie hier die Lage der Katholiken ist. Wie er sagte, werden
sie dort von vielen Leuten aus dem Ausland gefragt, wie es dem Bischof
von Banja Luka und dem Bistum Banja Luka gehe und was man seitens
der serbisch-orthodoxen Kirche tun könne, damit wir hier geschützt
werden. Er brachte zum Ausdruck, daß die Bereitschaft besteht,
seitens der serbisch-orthodoxen Kirche für mich - wenn erforderlich
- bei den serbischen Politikern um größere Sicherheit und besseren
Schutz nachzusuchen.
Ich schilderte ihm kurz, wie es uns hier geht, und sagte ihm, daß
ich hinsichtlich meiner persönlichen Sicherheit und meines eigenen
Schutzes nicht mehr und nicht weniger verlange und brauche als meine
völlig entrechteten Gläubigen, die man ohne jeden Grund und jede
Ursache sowohl am hellichten Tage als auch mitten in der Nacht in
ihren eigenen Häusern umbringe, was auch in den letzten Tagen leider
der Fall gewesen sei. In drei meiner Kirchengemeinden, in Petriæevac,
Dolina und ©urkovac, wurden sechs ältere Menschen umgebracht! Ich
sagte ihm auch, daß die Kirche, wann immer diese Problematik aktuell
ist, ihre Stimme energisch zum Schutz der von Gott gegebenen Rechte
und der menschlichen Grundrechte und Freiheiten erheben müsse, wenn
ihr daran liegt, ihrer Berufung nicht untreu zu werden! (Ein ähnliches
Gespräch habe ich gestern abend auch mit Herrn Jefrem, dem orthodoxen
Bischof von Banja Luka, geführt!)
In diesem Zusammenhang hat mich der orthodoxe Bischof Irenej, da
ihm eine direkte Kontaktaufnahme mit Ihnen unmöglich ist, gebeten,
Ihnen wegen eines neuen Termins für die bereits für einen früheren
Zeitpunkt geplante Zusammenkunft der gemischten Kommissionen der
katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche, d.h. derselben,
die sich Ende Januar vergangenen Jahres in St. Gallen in der Schweiz
getroffen hatten, zu schreiben. Da bereits verabredet gewesen war,
ein zweites Treffen in Novi Sad abzuhalten, dieses aber dann verschoben
wurde, bittet er darum, daß die Kommissionen erneut Ende dieses
Monats (Mai) oder Anfang kommenden Monats (Juni) in Novi Sad zusammentreffen.
Das genaue Datum könnte er bis zum 15. d. Mts., wenn die Sitzung
seines Rates beginnt, vorschlagen.
Meine Aufgabe ist also. Ihnen folgende Fragen vorzutragen:
1. Sind Sie damit einverstanden, daß die genannte Kommission (unsere)
- wie die Vertreter der serbisch-orthodoxen Kirche vorschlagen -
Ende Mai oder Anfang Juni in Novi Sad mit ihnen zusammenkommt -
selbstverständlich unter maximalen Sicherheitsbedingungen, die sie,
wie der orthodoxe Bischof Irenej sagt, garantieren?!
2. Bedeutet dies, daß sowohl ich als auch Erzbischof Perko in diesem
Falle, also außerhalb der RH, weiter Mitglieder derselben Kommission
sind?
Persönlich werde ich auch weiterhin stets für konstruktive Treffen
eintreten, natürlich auch zwischen den verschiedenen kirchlichen
Gemeinschaften, und auch in diesem Falle meine ich, daß es von Nutzen
(beiderseitig) sein kann, schaden kann es, glaube ich, jedenfalls
nicht.
Es liegt nun bei Ihnen, verehrte Eminenz, als Vorsitzender der HBK
eine Entscheidung zu treffen und der anderen Seile - über mich oder
vielleicht auch direkt - die Antwort zu übermitteln.
Auch bei dieser Gelegenheit spreche ich Ihnen meinen Dank dafür
aus, daß Sie uns hier nicht vergessen, sondern uns auch weiterhin
als ein lebendiges Glied der Kirche der Kroaten sehen.
Ich grüße Sie herzlich und brüderlich, mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen
grüßen Hochachtung!
Ihr in Christo, dem Auferstandenen, ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

ÜBER
DREITAUSEND FLÜCHTLINGE AUS KAKANJ, HALJINIÆI UND VARE© SIND DURCH
BANJA LUKA GEKOMMEN
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo),
Msgr. Vinko Puljiæ
(Prot. Nr. Präs. 126/93 vom 30. August 1993)
Sehr
geehrter und lieber Vater Erzbischof,
lieber Bruder Vinko,
(...) Gestern (Montag) haben mich hier unsere beklagenswerten Flüchtlinge
aus Kakanj, Haljiniæi und Vare¹ überrascht, über dreitausend übermüdete
Frauen und Kinder sowie einige alte Menschen in dreißig Fahrzeugen.
Unter ihnen ist auch Hochw. Veselko. Wir haben überhaupt nicht gewußt,
daß sie hier durchkommen, als wir es jedoch erfahren haben, sind
wir sofort mit Speisen und Getränken für die Kinder und alle anderen
sowie mit Medikamenten und Windeln für die Kinder und die Kranken
zu Hilfe geeilt. Eine alte Frau ist gestorben, für die wir auch
einen Sarg gefunden haben; jedoch liegen weitere im Sterben, so
daß wir ihnen unseren Kombi mit einem Arzt bis Bosansko Grahovo
bzw. bis zum Æelebiæi, wohin sie sich über Prijedor und Sanski Most
begeben haben, zur Seite gestellt haben. Gott weiß wie und wann
sie ankommen werden. Aufgebrochen sind sie am Samstagmorgen! - Traurig
und bedrückend. Der gütige Gott möge sich ihrer und unser erbarmen!
Man sagt, daß auch alle anderen aus diesem Gebiet in diesen nächsten
Tagen hier werden durchkommen müssen!
Mehr darüber und über andere Dinge, wenn wir uns treffen! Ich wünsche
Dir und allen um Dich Gottes Kraft und Trost in diesen Tagen der
Versuchung - ich grüße Dich brüderlich - Dir im Herrn ergeben -
der uns nicht verläßt!
+
Franjo, Bischof

DIE
MACHTHABER MACHEN VERSPRECHUNGEN, HALTEN ABER FAST NICHTS EIN
Schreiben des Bischofs an die Apostolische Nuntiatur in Belgrad
(Prot. Nr. 196/93 vom 09. Dezember 1993)
Exzellenzen
und Eminenzen, sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
da es für mich nicht leicht ist, auf andere Weise Bericht zu erstatten,
um Sie wenigstens von den wichtigsten Angelegenheiten und Vorfällen
im Leben unserer Gläubigen wahrend der letzten Wochen zu informieren,
erlaube ich mir, wieder ein Schreiben an Sie zu richten. Ich halte
es für erforderlich, daß der Heilige Stuhl von den laufenden Ereignissen
in einem Gebiet, in dem sich momentan dramatische Vorgänge für
die Zukunft der katholischen Kirche abspielen, in Kenntnis gesetzt
wird.
1. Im Gebiet meines Bistums Banja Luka, dessen größter Teil von
den serbischen Behörden kontrolliert wird, hat sich die allgemeine
Lage im Vergleich zu den vorangegangenen, sehr dramatischen Monaten,
als buchstäblich tagtäglich Verbrechen wie Mord, Totschlag, Zerstörung
und Verjagung der unschuldigen Zivilbevölkerung begangen wurden,
ein wenig beruhigt. In den vergangenen zwei Monaten halte es körperliche
Mißhandlungen und sogar Morde in den Pfarrgemeinden Vrbanjci, Dolina,
Nova Topola, Mrkonjiæ Grad, Stara Rijeka, Barlovci, Banja Luka und
Dragalovci gegeben. Auch weiterhin wird auf unsere Gläubigen beharrlich
Druck ausgeübt, um zu erreichen, daß sie wegziehen. Dies betrifft
insbesondere die Pfarrgemeinden Banja Luka, Petriæevac, Barlovci,
Ivanjska, Stratinska, Bud¾ak, Presnaèe, Bosanska Gradi¹ka und Stara
Rijeka. Man versucht, unsere Männer zum serbischen Militär zu schicken,
und zwar sofort an die Front (Doboj, Od¾ak), aber es ist mir dennoch
gelungen, dies rückgängig zu machen. Dafür müssen viele Zwangsarbeit
leisten, wobei man sie auf verschiedenste Weise sehr grob mißhandelt
und demütigt, wie mir viele geklagt haben, besonders Leute aus den
Pfarrgemeinden Banja Luka, Petriæevac, Marija Zvijezda, Barlovci,
Trn, Kotor Varo¹, Sanski Most, Sasina, Ravska, Ljubija, Vrbanjci
und Mrkonjiæ Grad. Bei meinen recht häufigen Kontakten mit den örtlichen
Behörden und auch mit den obersten Vertretern der "Republika
Srpska" verlange ich energisch größeren Schutz, für meine Gläubigen,
die vor Ort effektiv der Ungnade von Tyrannen ausgesetzt sind. Meine
Gesprächspartner versprechen mir zwar, daß sie bestimmte Maßnahmen
ergreifen werden, aber in der Regel wird von diesen Versprechungen
fast nichts realisiert. Bei meinen sehr häufigen Kontakten mit meinen
Geistlichen vor Ort und auch hier im Ordinariat, das sie häufiger
aufzusuchen vermögen, sowie auch mit den Gläubigen der verschiedenen
Pfarrgemeinden, die ich besuchen konnte, war und bin ich bestrebt,
sie aufzumuntern, damit sie den Mut nicht sinken lassen und weiterhin
davon Abstand nehmen, Böses mit Bösem zu vergelten, und sich auch
gegenüber denen, die ihnen Böses antun, wie Christen zu verhalten
- d.h. ihnen Güte zu erweisen und zu vergeben. Es ist ein herrliches
göttliches Wunder, daß sich meine Gläubigen noch immer im großen
und ganzen in diesem Sinne verhalten, aber ich frage mich, wie
lange sie dazu noch in der Lage sein werden! Nicht selten äußern
sie mir gegenüber, daß sie die mannigfachen Ungerechtigkeiten und
die völlige Entrechtung nicht mehr ertragen können und daß sie doch
- wenngleich schweren Herzens - werden wegziehen müssen. Unsere
Gläubigen begeben sich in den meisten Fallen in die Republik Kroatien,
nur sehr selten entschließen sich welche, in die Kroatische Republik
Herceg-Bosna zu gehen. Gemäß den neuesten Angaben, die ich von meinen
vor Ort tätigen Geistlichen erhalten habe, haben bisher - für immer
oder vorläufig - nahezu 41.400 Gläubige das Bistum verlassen, jedoch
dürfte die tatsächliche Anzahl etwas höher sein. Leider setzt sich
wegen des ununterbrochenen Drucks der Trend zum Wegzug, namentlich
im Gebiet von Banja Luka, weiter fort. Wie lange wird es so weitergehen?
Ohne eine stärkere Garantie der derzeitigen Behörden und auch der
Vertreter des kroatischen Volkes in Bosnien und Herzegowina wird
die Zukunft der katholischen Bevölkerung in diesem Gebiet, so fürchte
ich, nur noch schlimmer werden!!
Bezüglich der Pfarrgemeinde Bihaæ, die aufzusuchen mir noch immer
nicht gelungen ist, obwohl ich es mehrfach versuchte, habe ich von
Vertretern des UNHCR gehört, daß die Geistlichen und die Ordensschwestern
soweit im großen und ganzen nicht behelligt werden und daß ein Teil
der Gläubigen weggegangen, aber der größte Teil der Pfarrgemeinde
noch immer dort ist. Angesichts dessen, daß in jener Gegend tagtäglich
gekämpft wird, ist die Zukunft dieser Pfarrgemeinde ungewiß.
Hinsichtlich des Klosters der Sehwesterngemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" in Nova Topola haben wir im Einvernehmen mit
der Provinzial- und der Hauptverwaltung der Ordensgemeinschaft und
unserer Caritas vor, in einem der Gebäude ein Heim für auf soziale
Unterstützung angewiesene ältere Menschen zu eröffnen. Die örtlichen
Behörden haben noch immer nicht ihre Einwilligung für dieses Projekt
erteilt, obwohl ich mit ihnen mehrfach Gespräche geführt habe.
Die Behörden fühlen, daß ein solches Projekt heißen würde, daß unsere
Bestrebungen, in dem Gebiet zu bleiben, weiterhin aufrechterhalten
werden, was nicht zu ihrem vorgefaßten Plan paßt, uns vollständig
zu vertreiben. Im übrigen geht es den in Nova Topola verbliebenen
Schwestern (es sind nur drei!) gut; nachts werden sie von der Polizei
bewacht. In Bosanski Aleksandrovac halten sich noch sechs Schwestern
auf, und auch dort gibt es keine Provokationen und Zwischenfälle
- Gott sei Dank!
2. Hinsichtlich der Heranschaffung dringend notwendiger humanitärer
Hilfe über unsere bischöfliche Caritas legen uns die Behörden der
"Republika Srpska" in letzter Zeit auch verschiedene Steine
in den Weg. So sind uns drei unserer Lkw-Konvois, die normalerweise
einmal wöchentlich Nahrungsmittel herbeischaffen, nicht mehr möglich
gewesen, weil wir (ohne irgendeine Begründung) die Genehmigung
aus Pale nicht bekommen haben. Die Tatsache, daß dies zu einer unregelmäßigen
Versorgung unserer Leute, aber auch vieler anderer (Serben und Muslime),
die zu uns kommen, um Hilfe zu erhalten, niederschlägt, bekümmert
die Machthaber nicht besonders. Ich war bemüht, auch darüber mit
den Vertretern der Behörden zu sprechen, sie machen Versprechungen,
aber da man nicht weiß, wer welche Befugnis hat, geschieht es, daß
eine übergeordnete Stelle etwas genehmigt und eine untergeordnete
die Durchführung dessen, was genehmigt wurde, nicht erlaubt! -
Wir verlieren jedoch nicht die Hoffnung, vielmehr erheben wir beharrlich
Anspruch auf unsere elementaren Grundrechte - auf Leben und auf
die Möglichkeit der Existenz, Dies könnte vielleicht Erfolg haben
- insbesondere dann, wenn auch die internationalen Institutionen,
deren Anliegen die Menschenrechte sind, anfangen, sieh ein wenig
mehr für unseren Raum und die Situation der hier lebenden nationalen
Minderheiten zu interessieren.
3. Auch weiterhin haben wir mehr oder weniger regelmäßig Kontakt,
d.h. häufig, nicht nur telefonisch sondern auch durch persönliche
Besuche - mit dem orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem,
und dem Mufti von Banja Luka, Herrn Haliloviæ. Unsere Gespräche
sind tatsächlich freundschaftlicher Art, im Rahmen meiner Möglichkeiten
versuche ich, über diese Persönlichkeiten und über ihre humanitären
Organisationen auch ihren Gläubigen zu helfen. Denn in der Stadt
und auch im gesamten Gebiet werden Hunger und Mangel mit jedem Tag
spürbarer werden, was die Unzufriedenheit der Menschen nur noch
vergrößert.
4. In Absprache mit dem Erzbischof von Sarajevo, Msgr. Vinko Puljiæ,
habe ich auch einige seiner Kirchengemeinden aufgesucht, weil ihm
dies nicht möglich ist. In diesem Zusammenhang war ich im Gebiet
von ®epèe - zweimal, im Usora-Gebiet - ebenfalls zweimal sowie in
den Gebirgsgemeinden Koriæani, wo noch einige Gläubige ohne Geistlichen
verblieben sind, und Dobretiæi und Podmilaèje, Gemeinden, aus denen
die Gläubigen geflüchtet sind! Während ich für Koriæani und die
Gemeinden des Gebiets von ®epèe humanitäre Hilfe und auch ein wenig
Medikamente mitführen konnte, wurde mir dies im Usora-Gebiet nicht
erlaubt! Ich werde jedoch meine Bemühungen um die Genehmigung, mit
unserer Caritas auch dorthin zu gehen, nicht aufgeben, denn die
dortigen katholischen Gläubigen - es sind fast 15.000 - und auch
andere Menschen, meistenteils Muslime, befinden sich in einer sehr
kritischen Lage. Ich war auch in der Pfarrgemeinde Doboj, wo ich
die örtlichen Behörden um die Genehmigung gebeten habe, daß sich
dort auch ein Geistlicher niederläßt, denn in dieser Pfarrgemeinde
leben nahezu 1.800 Katholiken! Es besteht die Aussicht, daß sich
dies realisieren läßt!
Soviel für jetzt! Ich danke Ihnen für all die Fürsorge, die Sie
uns angedeihen lassen! Hochachtungsvoll
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

DIE
GEGENWÄRTIGEN SCHLIMMEN GESCHEHNISSE HINDERN MICH AM KOMMEN
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreb,
Kardinal F. Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 99/94 vom 14. März 1994)
Eure
Eminenz,
von Herrn Sekretär Msgr. V. Milovan habe ich Ihre Einladung zur
Teilnahme an der Frühjahrssitzung der HBK vom 15. bis zum 17. März
1994 erhalten. Von meiner Dankbarkeit für diese Einladung abgesehen,
habe ich mich auch auf das Treffen mit Ihnen und den anderen Brüdern
im Bischofsamt gefreut.
Leider hindern mich die gegenwärtigen schlimmen Geschehnisse in
einigen meiner Kirchengemeinden - die gerade in diesen letzten
Tagen an Zahl und Umfang zugenommen haben - am Kommen. In dieser
Situation ist es meine Pflicht, bei den derzeitigen hiesigen Politikern
den Versuch zu unternehmen, aufbessere und effektivere Schutzmaßnahmen
für meine faktisch völlig schutzlosen Gläubigen, die trotz der
vielfältigen bisherigen Bedrängnisse in ihrem jahrhundertealten
Zuhause geblieben sind, hinzuwirken.
Ich erlaube mir jedoch, Sie über einige besonders traurige und abscheuliche
Vorfälle in Kenntnis zu setzen, Vorfalle, wie wir sie leider tagtäglich
in den unterschiedlichsten Varianten und an den unterschiedlichsten
Orten erleben, wobei stets ein und dieselbe Absicht zu erkennen
ist - die Katholiken aus diesem Gebiet zu verjagen, wobei man sich
in barbarischster Weise über menschliche Würde und Ehre und alle
menschlichen Grundrechte, sofern von diesen nach all dem, was wir
als nichtserbischer Teil der hiesigen Bevölkerung in den letzten
zwei Jahren durchgemacht haben, überhaupt noch die Rede sein kann,
hinwegsetzt.
l. Bedrohung von Menschenleben
In letzter Zeit haben sich in einigen unserer Kirchengemeinden die
Fälle unmittelbarer Gefährdung des Lebens völlig unschuldiger Menschen
wieder gehäuft.
In der Gemeinde Dragalovci (an der Strecke zwischen Banja Luka und
Doboj) wurde in der Nacht vom 09. auf den 10. Februar der 83jährige
Mato Barukèiæ m seinem Haus (das er allein bewohnte) grausam getötet.
In der gleichen Gemeinde starb am 17. Februar der 66jährige herzkranke
Andro Èanèar an den Folgen schwerer körperlicher Mißhandlungen.
Auf das Haus von Pavle und Ivka Pranjiæ - beide über 80 Jahre alt
- und von Doma Pranjiæ (57 Jahre) wurden in der Nacht vom 10. auf
den 11. Februar Bomben geworfen; diese bedauernswerten Menschen
sind im letzten Moment aus dem Haus gelaufen und haben sich trotz
tiefen Schnees in die Berge geflüchtet. Einige Tage danach wurde
der 52jährige Stipo Barukèiæ zu Tode geprügelt und ausgeraubt.
In all diesen Fällen erwiesen sich die Behördenorgane als "ohnmächtig".
In der Kirchengemeinde Barlovci, in der Siedlung Zalu¾ani, haben
bewaffnete Uniformierte in den Abendstunden des 06. Februar den
47jährigen Slavko Ka¹ljeviæ in dessen eigenem Haus ermordet. Seine
Frau konnte sich retten, indem sie durch ein Fenster flüchtete.
Die Polizei traf ein, als Slavko, schwer verletzt, noch lebte, aber
der Arzt ist, obwohl man ihn gerufen hatte, erst am folgenden Tag
gegen 09.30 Uhr erschienen, als der Mann bereits verblutet und gestorben
war. (...)
Im Zentrum von Banja Luka, in der Kirchengemeinde "Maria Heimsuchung",
sind in den Abendstunden des 10. März zwei bewaffnete uniformierte
Männer gewaltsam in das kleine Häuschen der Rakita (genannt Kate)
Franeliæ, einer armen 72jährigen Frau, eingedrungen, haben sie verprügelt,
ihr die Ohren abgeschnitten und ihr die Augen auszustechen versucht.
Als die Nachbarn die Frau schreien hörten, riefen sie die Polizei,
aber die Täter konnten fliehen. Das Leben der alten Frau wurde gerettet,
aber sie hat ihre Augen verloren, ist entstellt und für immer Invalide.
In der Kirchengemeinde Marija Zvijezda am Rand von Banja Luka sind
einige Personen und Häuser überfallen worden. Am 05. März wurde
Anto Martinoviæ angegriffen (Überfall und versuchter Raub); am 08.
März wurde das Haus von Zvonko Martinoviæ beschossen; am gleichen
Tag wurde mit Schnellfeuerwaffen auf das Haus von Anto Araèiæ geschossen
(Glasscheiben der Fenster und der Türen zertrümmert); am 10. März
um 19.00 Uhr wurde das Auto von Anto Mato¹eviæ entwendet; auf das
Haus von Anto Janjiæ wurde eine Bombe geworfen, und danach wurde
es geplündert; das Haus von Josip Ulmer und das von Tonka und Franjo
Pajiæ wurden geplündert; Ana Keziæ wurde bestohlen; Lada Biliæ wurde
das Heu angezündet; die Fenster des Hauses von Jozo Æosiæ wurden
zertrümmert; das Haus von Ivica Lipovac wurde beschossen; der Stall
und die Nebengebäude der alten Ru¾a Æosiæ wurden in Brand gesteckt...
In letzter Zeit kommen in unser Ordinariat fast jeden Tag Menschen,
die in Tränen aufgelöst und außer sich sind, weil sie selbst oder
ihre nächsten Angehörigen körperlich mißhandelt wurden, ganz zu
schweigen von der Angst und den verschiedenen Bedrohungen. Ebenso
sind die telefonisch geäußerten Bedrohungen (auch gegenüber dem
Bischof) wieder häufiger geworden, daß man uns alle umbringen werde,
daß für uns hier kein Platz sei, daß uns "auch die katholischen
(!) NATO-Flugzeuge nicht retten werden" usw.
Die Bevölkerung ist wirklich verängstigt, und dafür gibt es noch
weitere Gründe! Hier einige davon:
2. Gewaltsamer Hinauswurf aus Wohnungen und auch aus eigenen Häusern
Wie es scheint, ist man nicht gewillt, mit dem gewaltsamen Hinauswurf
aus Wohnungen - häufig aus Eigentumswohnungen und aus Privathäusern
im Gemeindebereich von Banja Luka, aufzuhören, solange noch jemand
von uns da ist. Ich weiß nicht mehr, zum wievielten Male ich in
den vergangenen Tagen wieder beim Bürgermeister von Banja Luka,
Herrn P. Radiæ, interveniert und ihn auf die schweren Verbrechen
an Menschen aufmerksam gemacht habe, die bedauerlicherweise toleriert
werden, ohne daß die amtlichen Organe etwas Wirksames unternehmen,
um diesen Untaten endlich Einhalt zu gebieten. Man wirft Menschen
im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße, ohne daß irgendwelche
möglichen Dispositionen für ihre weitere Unterbringung und Versorgung
getroffen werden. Unter den Betroffenen sind viele ältere Leute,
Menschen die völlig unversorgt und außerdem krank und mittellos
sind!
Man gewinnt den Eindruck, daß es die Waffen sind, die hier die tatsächliche
Macht ausüben und wer eine Waffe hat - der hat auch das Recht! Die
Aktion der Vertreibung von Menschen aus Wohnungen und Häusern ist
eine sehr hinterhältige Art der Durchführung der systematisch angelegten
ethnischen Säuberung gegen den unerwünschten Teil der hiesigen Bevölkerung,
und das ist hauptsächlich der nichtserbische Teil.
Meine bisherigen zahlreichen Interventionen - es gibt niemanden
anderes, der sich für den Schutz dieser bedauernswerten Menschen
verwenden könnte - sind im großen und ganzen erfolglos geblieben.
Angesichts der vielen bejammernswerten Menschen, denen ich nicht
helfen kann, tut mir die Seele weh!
Im Gemeindegebiet von Kotor Varo¹ sind die Bedrängnisse die gleichen,
wo man in letzter Zeit, abgesehen von den körperlichen Mißhandlungen
und Plünderungen - fast jeden Abend - auch die winzige Anzahl von
verbliebenen Katholiken (es sind nur rund ein Dutzend) vertreiben
will! Ende Januar wurden Mato und Ru¾a Mandiæ in ihrem Haus schrecklich
verprügelt, ebenso auch Anto Vujiæ. In der Nacht des 05. Februar
wurden auch Ivka und Kata Maljur in ihrem eigenen Haus verprügelt,
und das Haus wurde geplündert; in der gleichen Nacht wurde auch
Marija Mandalo verprügelt. In der Nacht des 26. Februar wurde Ana
Pranjiæ in ihrem Haus verprügelt, und das Haus wurde geplündert,
und dasselbe geschah am 12. März mit Luka Juriæ.
Alle diese Menschen, aber auch zahlreiche ihrer Nachbarn, trauen
sich nicht, in ihren eigenen Häusern zu schlafen, sondern die Bedauernswerten
quälen sich in Wäldchen, Schuppen und dergleichen, wobei bis vor
kurzem für längere Zeit bei uns hoher Schnee gelegen hat. Über all
dies wissen die örtlichen Behörden genau Bescheid, aber sie unternehmen
nichts, um den Verbrechen Einhalt zu gebieten!
Die übrigen Angehörigen der Pfarrgemeinde leben in großer Angst
und versuchen, irgendwohin zu fliehen, um ihr nacktes Leben zu retten.
Und den Behörden, wie es scheint, paßt es, daß eine ethnische Säuberung
auf dem gesamten Gemeindegebiet durchgeführt wird.
3. Gewaltsame Einziehung zum Militärdienst und unerträgliche Zwangsarbeit
Mitte Februar wurden über 130 Katholiken (hauptsächlich Kroaten)
ab Jahrgang 1938 und darunter - insbesondere aus der Gemeinde Banja
Luka -gewaltsam zum Militärdienst eingezogen. Einberufungsbefehle
gingen auch an diejenigen, die nie in der Armee waren, d.h. untauglich
sind, sowie an Mittelschüler. Es versteht sich, daß ich bei allen
verantwortlichen Stellen - sogar bei den hochrangigsten Vertretern
des kroatischen Volkes - interveniert habe, um zu erreichen, daß
die gewaltsam Eingezogenen nach Hause zurückkehren können. Dies
hat keinen großen Nutzen gebracht, und es wurde vielmehr noch schlimmer.
Auch in diesen Tagen geht eine gewaltsame Einberufungswelle im Gemeindegebiet
von Banja Luka, Prnjavor und Doboj vor sich - man fängt die Leute
wie wilde Tiere ein, wenn es den Armen nicht gelingt, sich zu verstecken.
Menschen können sich aber nicht tagelang verbergen! Ihre Familien
sind in großer Panik, es gibt niemanden, der sie schützen könnte,
der ihnen erklärt, was da vor sich geht und warum man mit ihnen
so umgeht. Sie kommen zu uns ins Ordinariat, weinen, bitten, daß
wir uns einschalten, und wollen sich irgendwo verbergen. Wir tun
unser Möglichstes, um sie zu beruhigen und irgendetwas für sie zu
tun, aber all dies ist von der Gewährleistung eines normalen Zustands
weit entfernt. (...)
Abgesehen von der gewaltsamen Mobilisierung für den Einsatz in den
Kampflinien, hauptsächlich in denen des Kampfgebiets um Doboj und
nach Maglaj zu, wird die nichtserbische Bevölkerung sehr oft zu
unerträglichen Arbeitseinsätzen gezwungen, in letzter Zeit am häufigsten
zum Ausheben von Schützengräben in der Nähe der Kampfplätze um
Doboj, Bosanski ©amac und Ora¹je. Nach Berichten von Augenzeugen
sind die entsetzlichen Demütigungen und die psychischen und physischen
Mißhandlungen für einen normalen Menschen kaum zu ertragen. Die
Leute bitten uns, sie auf irgendeine Weise aus dieser Hölle zu retten.
Ich habe in letzter Zeit mehr als einmal (und in den davorliegenden
Wochen natürlich auch!) interveniert, um zu erreichen, daß man
mit den Leuten nicht in derart sklavenhalterischer Art umspringt.
Mir ist nicht bekannt, ob jemand danach ein leichteres Los hatte.
Diese Mobilisierung für den militärischen Einsatz wie auch der gewaltsame
und äußerst unmenschliche Umgang mit unseren Leuten bei der Zwangsarbeit
sind eine eindeutige und hinterhältige Vorgehensweise, um sie so
stark wie möglich zu demütigen und ihr Leben zu bedrohen. Es ist
daher verständlich, daß sich diese Leute und ihre nächsten Angehörigen
durch Flucht, Emigration und Aufgabe ihrer jahrhundertealten Heimstätten
retten wollen, auch wenn dies ein Weg in die völlige Ungewißheit
ist!
4. Erneute Überfälle auf Seelsorgezentren
Am Rand von Banja Luka sind in den letzten 20 Tagen unsere Seelsorgezentren
zum wer weiß wievielten Male überfallen worden.
In der Nacht des 25. Februar d. J. wurde das Seelsorgezentrum der
Pfarrgemeinde Trn (zum 31. Male!) mit schweren Waffen angegriffen.
Auch diesmal entstand großer Sachschaden.
Am 03. März d. J. gegen Abend wurde das Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde
Barlovci angegriffen, wobei großer Sachschaden entstand. Es handelte
sich gleichzeitig um einen Einbruchsversuch.
Was dort nicht gelungen war, wurde am 12. und am 13. März d.J. beim
Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Banja Luka - Bud¾ak erneut versucht.
Nach rd. zehn bewaffneten Überfällen und schwerer Beschädigung des
neuen Seelsorgezentrums dieser jungen Pfarrgemeinde halte man vor
über einem Jahr alle seelsorgerischen und liturgischen Aktivitäten
ganz einstellen müssen, weil die in der Nachbarschaft wohnenden
Neuzugezogenen, von denen die Katholiken mit Waffengewalt aus ihren
Häusern vertrieben worden waren, die örtliche Polizei derart aufgehetzt
hatten, daß niemand es wagte, sich ihnen zu widersetzen. Einer
jener "Helden" hat dieser Tage sogar das für den Bau der
Pfarrkirche vorgesehene Grundstück widerrechtlich in Besitz genommen.
Alle bisherigen Interventionen haben nicht viel genutzt. Unsere
Gläubigen sind wirklich verstört, niedergeschlagen und zu ohnmächtig,
um etwas für ihren eigenen Schulz zu unternehmen. Diejenigen, die
uns schützen müßten, d.h. die Behörden der örtlichen und der höheren
Ebene, kümmern sich nicht sehr um unsere Nöte und unsere Rechte.
5. Einstellung der durch die "Caritas" durchgeführten
Lieferungen humanitärer Hilfe
Unseren Gläubigen ist es bisher irgendwie gelungen, zu überleben,
hauptsächlich dank des großen Einsatzes der bischöflichen Caritas.
In letzter Zeit haben uns die hiesigen Behörden die Genehmigung
zur Fahrt nach Zagreb und zur Herbeischaffung der dringend notwendigen
humanitären Hilfe, die wir über einen Wohltäter bis Zagreb transportiert
bekommen, verweigert. Obwohl unsere Caritas, während der ganzen
Zeit ihrer Tätigkeil, insbesondere während der kriegsbedingten schwierigen
Lage, auch zahlreichen Serben und Muslimen sowie einer großen Anzahl
hiesiger Einrichtungen, Heime, Krankenhäuser, Schulen, Fürsorgestellen
u.a. hilft, verhindern die Behörden, die von dieser Hilfe sehr wohl
wissen, ohne jede Begründung die dringend notwendige Anlieferung
von lebensnotwendigen Gutem und für die vielen Kranken erforderlichen
Medikamenten und medizinischem Material.
Dies übersteigt wahrlich den gesunden Menschenverstand, aber wir
bekommen trotz unseres Insistierens keine richtige Antwort!
Ich werde nicht nachlassen, auch weiterhin um die erforderliche
Genehmigung für die Anlieferung der Hilfe für die große Zahl gefährdeter
Menschen um uns. ungeachtet deren religiöser oder Volkszugehörigkeit,
zu ersuchen! Besonders bedaure ich, daß man uns nicht gestattet,
dringendst erforderliche Nahrungsmittel und Medikamente zu unseren
Gläubigen (im Erzbistum Sarajevo) sowie auch zu anderen Gefährdeten
im Bereich einiger Pfarrgemeinden im Usora-Gebiet, d. h. zwischen
Doboj und Tesliæ, zu bringen.
6. Schändung von Gräbern und Friedhöfen
Noch eine traurige Tatsache muß ich erwähnen - die sich häufenden
Schändungen von Gräbern und Friedhöfen in vielen unserer Pfarrgemeinden.
Reihenweise werden steinerne Grabmale von Gräbern unserer Gläubigen
fortgeschafft, oft mit Wissen und stillschweigender Billigung der
örtlichen Milizorgane. So sind in den Pfarrgemeinden Marija Zvijezda
und Petriæevac in Banja Luka und in Barlovci und Trn in der Nähe
von Banja Luka sowie ferner in Vrbanjci, Kotor Varo¹, Dragalovci,
Prnjavor, Mahovljani und Bosanska Gradi¹ka viele Gräber geschändet
und entweiht worden - all dies in jüngster Zeit, von früheren Zerstörungen
rede ich gar nicht!
Eure
Eminenz,
in diesen schicksalhaften Tagen für die katholische Glaubensgemeinschaft
im größten Teil meines Bistums Banja Luka ist unser Drama noch nicht
abgeschlossen. Obwohl wir seit dem ersten Anfang des uns aufgezwungenen
Krieges mit allen Kräften bestrebt waren, jedwedem bewaffneten
Zusammenstoß aus dem Wege zu gehen und sowohl auf unserer Seite
als auf der anderer so viele Menschenleben wie nur möglich zu reiten
(was sowohl die serbische als auch die kroatische und die muslimische
Seite mir gegenüber anerkennen), muß ich mit meinen Geistlichen
und Ordensleuten und meinem völlig entrechteten Volk als Belohnung
eine totale Auslieferung an die Gewalt der Gesetzlosigkeit und der
unbarmherzigen Vernichtung erleben! Ich frage jeden, der sich für
einen Menschen hält: "Sind auch wir Menschen? Haben auch wir
hier Anspruch auf die menschlichen Grundrecht?" Das bisherige
Verhalten der Machthaber zeigt klar, daß wir diese Rechte nicht
haben.
Könnte die katholische Kirche des kroatischen Volkes durch einen
Vorstoß bei den obersten Vertretern der kroatischen Behörden oder
der Behörden irgendwelcher anderer einflußreicherer Staaten irgendetwas
Konkreteres bewirken, damit auch wir hier, als Menschen und als
Katholiken, vor Willkür und Anarchie und dem Gesetz der Gewalt und
der Dreistigkeit und vor den Handlungen derer, die ohne uns Katholiken
über die Zukunft dieses Bistums entscheiden, geschützt bzw. bewahrt
werden?! Ich hege die Hoffnung, daß Sie, Eure Eminenz, unser Kardinal,
und auch meine Amtsbrüder, die Bischöfe des kroatischen Volkes und
die anderer Völker, uns mit dieser unserer großen Ungewißheit nicht
ganz und endgültig "ad acta" legen werden. Auch bisher
haben Sie sich für uns und unseren schweren, aber auch glorreichen
Kreuzweg aufrichtig interessiert, und Sie waren für uns der wertvolle
"Simon von Kyrene". Ich bitte Sie im Namen aller, denen
im Gefolge Christi, unseres göttlichen Anführers, das schwere Kreuz
eigener und fremder Sünden aufgeladen wird, uns wie eine "Veronika"
das geschwisterliche Tuch in Gestalt der Solidarität im Gebet und
in anderer wirkungsvoller Gestalt herüberzureichen, damit wir unser
Kreuz zum ewigen Heil der Kirche Christi und vieler anderer Mitmenschen
bis zum Gipfel des Kalvarienberges tragen!
Nehmen Sie bitte auch den Ausdruck meiner tiefsten Dankbarkeit und
meiner aufrichtigen Hochachtung entgegen.
Ich grüße Sie herzlich - wie auch alle meine Brüder im Bischofsamt
- die um Sie versammelt sind - Ihr in Christo dem Leidenden ergebener
Bruder
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

HEILIGER
VATER, DANKE, DASS SIE UNS NICHT VERGESSEN HABEN!
Schreiben an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. 466A/94 vom 25. August 1994)
Heiliger
Vater,
die Glaubensgemeinschaft des Bistums Banja Luka in der vrhbosnischen
Kirchenprovinz, die von den Folgen der jüngsten Kriegstragödie auf
dem Boden von Bosnien und Herzegowina schmerzlich getroffen ist,
ist in diesen Tagen in besonderer Weise in gemeinsamem Gebet und
in gemeinsamer Hoffnung und Freude vereint. Grund ist die Ankündigung
Ihres Pastoralbesuchs in das Zentrum unserer Kirchenprovinz - nach
Sarajevo, und in das Zentrum der katholischen Kirche unseres kroatischen
Volkes - in die alte Stadt Zagreb und das Zagreber Erzbistum aus
Anlaß des 900. Jahrestages seiner Gründung.
Wir danken dem gütigen Gott, der es uns ermöglicht, daß wir wenigstens
die teilweise Erfüllung "unserer inbrünstigen Bitte, daß Sie
unsere Partikularkirchen besuchen" (aller unserer Bistümer)
erwarten dürfen, die wir am 12. Januar 1993 anläßlich des gemeinsamen
Besuchs im Namen der gesamten Kirchen-provinz "ad limina"
an Sie gerichtet hatten.
Wir wissen sehr wohl um Ihren aufrichtigen und innigen Wunsch, zu
uns zu kommen, dem hiesigen gequälten, aber getreuen Volk besonderen
göttlichen Segen und Trost zu bringen und gleichzeitig energisch
zu einer Versöhnung beizutragen und das Fundament für den dringend
notwendigen gerechten Frieden für alle Bewohner unserer Heimat
zu legen.
Wir wissen ebenfalls, daß Sie sich, ebenso wie in anderen Teilen
der Welt, auch in unserer Heimat als unbestrittener moralischer
Führer der Menschheit unermüdlich und energisch für den Schulz
der Menschenwürde und der Menschenrechte eingesetzt haben und einsetzen.
Für all dies sagen wir Ihnen auch bei dieser Gelegenheit unseren
tiefempfundenen und aufrichtigen Dank.
Die Tatsache, daß Sie betontermaßen auch für die "von schweren
und andauernden Verletzungen der menschlichen Grundrechte"
getroffene Gemeinschaft der Gläubigen unseres Bistums beständig
Sorge tragen und "mit dem Hirten und der Herde des Bistums
Banja Luka väterlich verbunden" sind, war für uns eine wertvolle
Ermutigung und ein starker Ansporn, die schweren Prüfungen und dramatischen
Augenblicke der vergangenen drei Jahre zu überstehen.
Wir sind Gott dankbar, daß wir Ihnen auch bei dieser Gelegenheit
bezeugen können, wie es uns mit deutlicher Hilfe Gottes gelungen
ist, trotz der großen Gesetzlosigkeit, der verschiedensten Formen
der Entrechtung und des über uns gekommenen (und Ihnen nicht unbekannt
gebliebenen) Unheils Böses nach wie vor nicht mit Bösem zu vergelten.
Ganz im Gegenteil bemühen wir uns beharrlich, getreu dem Gebot Christi
"unsere Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die uns hassen
und verfolgen, und für die zu beten, die uns mißhandeln" (Lk
6, 27-28).
Unser konsequentes friedfertiges Verhalten ist unseren Nachbarn,
aber auch vielen anderen, die ohne uns über unsere Zukunft entscheiden,
bekannt. Durch diese unsere auf dem Evangelium gründende Haltung
ist es uns gelungen, eine noch größere Katastrophe und Tragödie
für die Gemeinschaft unserer Gläubigen und für viele unserer Nachbarn,
Angehörige anderer religiöser oder nationaler Gemeinschaften, zu
verhindern. Auch weiterhin wollen wir beharrlich unserem entschiedenen
Vorsatz, lieber Unrecht zu ertragen, als anderen Unrecht zuzufügen,
treu bleiben!
Auch gegenwärtig herrschen nach wie vor Unrecht und Gesetzlosigkeit!
Tagtäglich flehen wir zu Gott, daß er bei denen, die in der Lage
sind und die Verpflichtung haben, die Respektierung der menschlichen
und bürgerlichen Grundrechte und Freiheiten nicht nur für uns, sondern
überhaupt für alle in unserem Raum lebenden Menschen sicherzustellen,
eine Erleuchtung des Geistes und eine Wandlung des Herzens bewirken
möge!
Einigen tapfer die schwere Last des Flüchtlingsschicksals tragenden
Zehntausend unserer Gläubigen, das ist mehr als die Hälfte der
Angehörigen unseres Bistums, gelingt es mit der Kraft des überkommenen
und bewährten Glaubens an Christus, den göttlichen Dulder, noch
immer, den Anwandlungen der Verbitterung und des Hasses zu widerstehen.
Von ihren Geistlichen ermutigt, suchen und finden sie Trost und
seelische Stärke im Gebet und in den gespendeten Sakramenten, immer
bemüht, auf diese Weise ihr vielgestaltiges Leid in Segen und den
Geist der Feindseligkeit in den der Versöhnung zu verwandeln. Dies
ist ihre Vorbereitung auf die Wiederaufnahme eines friedlichen Zusammenlebens
mit anderen in ihren uralten Heimstätten, und sie meinen begründetermaßen,
daß sie Anspruch darauf haben, daß man sie dorthin zurückkehren
läßt.
Heiliger Vater, wir wissen, daß Sie persönlich die Worte "Stärke
deine Brüder", die Christus an den ersten seiner Apostel, St.
Petrus, richtete (Lk 22, 32), auch im Hinblick auf uns hier im "vergessenen"
Bistum Banja Luka, das Sie weder vergessen noch in der Karte der
Kirche Christi, der Sie in Seinem Namen vorstellen, gestrichen haben,
als Ihre Aufgabe sehen. Wir danken Ihnen dafür von ganzem Herzen!
Ein klares Zeichen Ihrer väterlichen Sorge um uns und unsere Zukunft
ist auch dieser sehnsüchtig erwartete Besuch Eurer Heiligkeit in
Orten unserer nächsten Umgebung, in Zagreb, dem Zentrum uralter
Bistümer der Kirche der Kroaten, zu dem während mehrerer Jahrhunderte
auch der größere Teil unseres Bistums gehörte, und in Sarajevo,
im vrhbosnischen Raum, mit dem wir in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten
eine kirchliche Einheit bildeten. Wir haben die feste Hoffnung,
daß uns der Herr auch angesichts Ihrer Gebete und Ihrer Sorge in
den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten in diesem unserem historischen
Raum weiterhin den Namen Christi rühmen und das wahrhafte Antlitz
der katholischen Kirche, zu der wir uns rechnen dürfen, zeigen läßt.
Obwohl wegen der objektiv gegebenen Schwierigkeiten angesichts der
Vielzahl von Gläubigen aus anderen Bistümern leider nur ein kleinerer
Teil unserer vielen Vertriebenen Sie aus nächster Nahe wird erleben
können, jubeln wir alle Ihnen - wenigstens auf diesem Wege - aus
vollem Herzen und ganzer Seele als Christi Stellvertreter zu: "Sei
gesegnet, der du im Namen des Herrn kommst, du ersehnter Verkünder
von Gottes Gerechtigkeit, Liebe, Hoffnung und Frieden! Im Gebet
und in der Sehnsucht und dem Streben danach, daß das Gesetz Gottes
hier bei uns, auf unserem ganzen Kontinent und in der ganzen Welt
die Oberhand gewinnt, sind wir mit Ihnen verbunden."
Gleichzeitig bitten wir Sie innig, auch bei dieser Gelegenheit sämtliche
Angehörigen unseres Bistums, sowohl all jene, die noch immer in
ihren jahrhundertealten Heimstätten ausharren und dort bleiben
wollen, als auch jene, die dorthin zurückkehren wollen, mit Ihrem
Gebet im Glauben an die Liebe Christi zu allen Menschen, im Bekennen
zum christlichen Glauben gegenüber allen Menschen und in der weiteren
unermüdlichen Verfolgung und Festigung der Einheit, der Eintracht,
der Liebe und des Friedens im Verhältnis zu allen Menschen unserer
Umgebung zu stärken. Wir bitten Eure Heiligkeit demütig, sowohl
uns als auch alle unsere Mitbürger und Nachbarn zu segnen, damit
auch wir selbst füreinander ein Segen sein können!
Ihr Eurer Heiligkeit in Christo ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

EURE
HEILIGKEIT, WAS IST JETZT UND WEITERHIN ZU TUN, DAMIT DAS KIRCHENVOLK
MEINES BISTUMS ZUM GRÖSSEREN RUHM GOTTES BEITRÄGT?
Schreiben des Bischofs an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 110/94 vom 27. November 1994)
Eure
Heiligkeit,
als Bischof von Banja Luka und Suffragan des vrhbosnischen Metropoliten
danke ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre besondere väterliche
Sorge um unsere schwer geprüfte Kirchenprovinz, die Sie bisher so
viele Male zum Ausdruck gebracht haben. Auch für die jüngste Geste
Ihrer unablässigen Fürsorge für uns, die Ernennung unseres Erzbischofs
und Metropoliten Msgr. Vinko Puljiæ zum Kardinal, sind wir Ihnen
alle unendlich dankbar.
Anläßlich eines mir in diesen Tagen von Gott gewährten Aufenthalts
in der Ewigen Stadt erlaube ich mir, Eurer Heiligkeit in knapper
Form über die gegenwärtige Lage in meinem Bistum Bericht zu erstatten.
1. Seit dem Beginn der tragischen Zusammenstöße in Bosnien und Herzegowina
habe ich mich zusammen mit meinen Geistlichen bemüht, auf eine Milderung
der Spannung hinzuwirken, indem ich die Gläubigen unermüdlich gemahnt
habe, keine Waffe in die Hand zu nehmen und weder das eigene Leben,
noch das anderer zu gefährden. Mit Gottes deutlicher Hilfe ist es
uns so gelungen, blutige Zusammenstöße und Verfolgungen, wie sie
sich an anderen Orten zugetragen haben, zu vermeiden.
2. Unser ausgeprägtes und stetiges friedliches Verhalten gegenüber
allen unseren Nachbarn, sowohl den Serben, als auch den Muslimen,
ist gut bekannt, und dieselben erkennen dies uns gegenüber regelmäßig
an. Es ist eine Gnade Gottes, daß wir als Angehörige unseres Volkes
und unserer Kirche vor unseren Nachbarn und vor Ihnen, Heiliger
Vater, aber auch vor unserem Volk und vor der gesamten internationalen
Gemeinschaft mit reinem Gewissen dastehen. Wir wollen lieber Unheil
ertragen, als anderen solches zuzufügen, und wir leben danach! Darüber
hinaus versuchen wir täglich bewußt, Christi Gebot in die Tat umzusetzen,
das uns auffordert: "Liebet eure Feinde; betet für die, die
euch verfolgen; tut wohl denen, die euch hassen" (Mt 5. 44..).
3. Ich für meinen Teil habe mich beharrlich bemüht, mit den Bischöfen
der serbisch-orthodoxen Kirche sowie mit dem muslimischen Mufti
in Banja Luka gute und freundschaftliche Beziehungen herzustellen.
Ich konnte erreichen, daß wir uns mit gemeinsamen Appellen - an
unsere Gläubigen und an politische Verantwortungsträger - fruchtbringend
dafür einsetzen, daß die entsetzliche kriegerische Zerstörung nicht
noch größer wird.
4. Trotz alledem wird in dem von den Serben kontrollierten Gebiet
meines Bistums - das sind fast 80% des Gebiets und der Bevölkerung
- planmäßig die ethnische Säuberung betrieben. Bis zur Stunde mußten
über zwei Drittel meiner Gläubigen das Bistum verlassen; 50% der
Kirchen sind zerstört, obwohl es keine bewaffneten Zusammenstöße
gegeben hat; weitere 23% wurden schwer und 20% leichter beschädigt.
Zwei Geistliche wurden ermordet, und einer ist nach Gefängnisaufenthalt
und Folterungen gestorben, obwohl sie alle laut den Versicherungen
der örtlichen Behörden völlig unschuldig waren! Dank der heldenhaften
Haltung der Geistlichen und Ordensleute gibt es hier noch rd. 26.000
Gläubige. Sie sind jedoch völlig entrechtet, weitestgehend entwürdigt,
in ihrer Existenz bedroht und ohne jede klare politische Perspektive.
Als Bischof muß ich für sie sorgen, und zwar nicht nur auf geistiger
Ebene: ich bin der einzige Mensch, der sie schützt, verteidigt und
ernährt und für medizinische Hilfe, Kleidung und Schulunterricht
sorgt (...) Trotz sehr großen Engagements meiner Caritas, die in
letzter Zeit über immer weniger Mittel verfügt, kann ich diesen
Menschen eine menschenwürdige Zukunft und den Verbleib an ihren
uralten Heimstätten nicht garantieren. Keiner der Politiker - gleich,
ob in Sarajevo oder i n Zagreb- hat sich bisher spürbar um uns gekümmert.
Es scheint, als ob wir zu niemandem gehören?!!
5. In letzter Zeit zeigen die Vertreter der SPC - der serbische
Patriarch Herr Pavle sowie auch die anderen orthodoxen Bischöfe
von Bosnien und Kroatien - ein größeres Interesse an Zusammenkünften
mit unserer Seite und an der Lösung schwieriger Probleme der Gläubigen
beider Seiten. Ich bin selbstverständlich für alle konstruktiven
Aktionen offen! Tagtäglich suchen mich viele hilfesuchende Serben
und Muslime auf!!! (...)
6. Ich gestatte mir gegenüber Eurer Heiligkeit die Bitte um Anregungen
hinsichtlich der Fragen, was jetzt und weiterhin zu tun ist, damit
das Kirchenvolk meines Bistums zum größeren Ruhm Gottes beiträgt
und das Bistum qualitativ und zahlenmäßig wie bisher bewahrt bleibt
und hier bei uns der dringend notwendige Geist der Ökumene im Verhältnis
zu den orthodoxen Serben und der fruchtbare Dialog mit den bosnischen
Muslimen auch weiterhin und noch wirksamer gefördert werden. Bisher
haben wir alle, die Geistlichkeit, die Ordensleute und unser übriges
Gottesvolk, gezeigt, daß wir in der Lage sind, mit anderen in Frieden
zu leben. Ich bitte Sie, helfen Sie uns, damit wir dazu auch zukünftig
in der Lage sind! Ich stehe zur Verfügung, um mündlich konkrete
Einzelheiten zu erörtern und bestimmte Schritte vorzuschlagen!
Indem ich Sie demütigst um Ihren apostolischen Segen für alle Angehörigen
meines schwer geprüften Bistums bitte, verbleibe ich im Herrn ergebenst
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

UNSERE
LEUTE DIENEN ALS LEBENDER SCHILD
Schreiben des bischöflichen Vikars in Zagreb. Dr. M. Anièiæ, an
Msgr. J. Uhaè,
den Sekretär der Kongregation für Glaube n s Verbreitung
(Zagreb, den 21. Dezember 1994)
Eure
Exzellenz,
im Namen des Bischofs von Banja Luka, Msgr. Komarica, und in seinem
Auftrag informiere ich Sie hiermit über die sehr schwierige Lage
im Bistum Banja Luka. Zu all den anderen bisherigen Methoden des
Terrors kommt jetzt, daß die Serben in den letzten fünfzehn Tagen
fast 300 unserer Zivilisten, Männer zwischen 16 und 65 Jahren,
verhaftet und in das Kampfgebiet von Glamoè und Bosansko Grahovo
verbracht haben. Unsere Männer dienen dort als Schild im Kampf zwischen
den Serben und den Kroaten aus dem Gebiet von Livno, und sie werden
gezwungen, Waffen in die Hand zu nehmen.
Wir haben erfahren, daß die Männer unter unerträglichen Bedingungen
leben und psychischen und physischen Mißhandlungen ausgesetzt sind.
Jede Nacht werden Gruppen von ihnen mit unbekanntem Ziel weggebracht.
Sie beschwören uns, dafür zu sorgen, daß sie aus jener Hölle befreit
werden.
Die Vertreter von Herceg-Bosna hüben vor einer Woche mit der serbischen
Seite über einen Gefangenenaustausch verhandelt. Da unsere Männer
nicht Militärangehörige irgendeiner der Parteien waren, haben wir
von den Vertretern von Herzegbosna verlangt, sich für ihre bedingungslose
Freilassung und ihre Heimkehr einzusetzen. Die serbische Seite hat
dies auch versprochen, aber bis jetzt nur acht Schwerkranke, für
die sie keine Medikamente hatte, freigelassen.
Wir machen uns Sorgen wegen der schwierigen Lage unserer gefangenen
Zivilisten in Glamoè und Bosansko Grahovo, aber auch wegen gewisser,
wenn auch inoffizieller, Meldungen der serbischen Seite, wonach
diese in Gefangenschaft befindlichen Leute unserer Seile am 23.
Dezember ausgetauscht werden. Dies bedeutet, daß die Betreffenden
ihr Zuhause aufgeben müssen, und es ist zu erwarten, daß dann auch
ihre Familien weggehen müssen. Dies ist für uns völlig unannehmbar.
Es ist zu erwarten, daß die Serben mit dieser Praxis fortfahren
und uns als Kroaten und Katholiken so vollständig aus diesem Gebiet
vertreiben.
(...) Wir fordern ständig von unseren Politikern in Bosnien und
Herzegowina, bei ihren Verhandlungen mit den Serben die Interessen
der katholischen Kroaten in Bosnien und Herzegowina in ihrer Gesamtheit
im Auge zu behalten. Dies ist jedoch einigen unserer Politiker weder
vom Versland noch vom Gemüt her beizubringen.
Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen im Namen des Bischofs, Msgr. Komarica,
der Geistlichkeit, der Ordensleute und der Gläubigen Glückwünsche
zum Weihnachtstest und die besten Wünsche für ein gesegnetes Neues
Jahr übermittle und Ihnen herzlich für Ihr bisheriges Eintreten
und Ihre Hilfe danke. Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner besonderen
Hochachtung Ihr in Christo ergebener
Dr.
Miljenko Anièiæ, bischöflicher Vikar

AUSDRUCKLICHER
WUNSCH ZWEIER BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE NACH EINEM
TREFFEN MIT DEN KATHOLISCHEN BISCHÖFEN KROATIENS
Schreiben des Bischofs an Franjo Kardinal Kuhariæ, den Erzbischof
und Metropoliten von Zagreb
(Prot. Nr. 2/95 vom 02. Januar 1995)
Eure
Eminenz,
anläßlich des Neuen Jahres der Erlösung 1995 wünsche ich von Herzen
reichen göttlichen Segen und Trost - Ihnen persönlich und allen
Ihrer väterlichen Fürsorge und Führung anvertrauten Gläubigen der
Kirche Christi. Zugleich danke ich Ihnen von ganzem Herzen für die
tröstenden Worte voller Hoffnung und Liebe, die Sie mir und allen
anderen Menschen in meinem schwer geprüften Bistum zu unserem lieben
Weihnachtsfest übermittelt haben. Der Herr möge Ihnen dies hundertfach
vergelten!
Ich erlaube mir. Sie über das gestern (unverhoffterweise) am orthodoxen
Bischofssitz von Banja Luka erfolgte Treffen mit dem orthodoxen
Mitropoliten des Gebiets Zagreb-Ljubljana, Herrn Jovan, und dem
orthodoxen Bischof von Banja Luka, Herrn Jefrem, zu informieren.
Gegen Abend hatte mich Herr Jefrem angerufen und mich gebeten, zu
ihm zu kommen. Bei ihm befand sich bereits Mitropolit Jovan in Begleitung
zweier orthodoxer Mönche aus Italien (einer von ihnen ist Italiener,
der andere ein Serbe aus Italien). Die Gespräche dehnten sich über
volle zwei Stunden aus. Der Mitropolit sprach lange von seinem kürzlichen
Aufenthalt in Zagreb und von der merklich besseren Atmosphäre, die
er dabei angetroffen hat, sowie davon, daß er einen sicheren Ort
benötigt, wo er Wohnung nehmen könnte, wenn er nach Zagreb kommt
bzw. den innerhalb des Hoheitsgebiets der Republik Kroatien gelegenen
Teil seiner Kirchenprovinz besucht, in diesem Zusammenhang trug
er die Bitte vor, daß auch ich mich - wenn es irgendwie möglich
ist - für sein Ersuchen verwende, ihm die in dem Stockwerk unterhalb
des Sitzes der orthodoxen Kirchengemeinde in der Ilica-Straße Nr.
7 gelegenen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, in einem Gebäude,
das außerdem Eigentum der SPC ist. Ich habe ihm versprochen, mich
schriftlich an den Premierminister der Republik Kroatien, Herrn
Nikica Valentiæ, zu wenden und dieses Ersuchen zu befürworten. Eine
Kopie des betreffenden Schreibens finden Sie in der Anlage. Nach
den Worten meiner beiden Gesprächspartner wäre eine positive Entscheidung
hinsichtlich dieses Problems des Mitropoliten "ein großer und
sehr wertvoller Schritt in Richtung auf eine gegenseitige Annäherung
und einen Abbau des bisherigen Mißtrauens".
Mitropolit Jovan hat meine Anregung aufgegriffen, wieder auf den
"auf Eis gelegten" Wunsch und Entschluß der obersten Vertreter
unserer beiden Kirchen zurückzukommen und die Treffen der bereits
auf beiden Seiten gegründeten Kommissionen wieder aufzunehmen.
Er regt an, daß Sie dem orthodoxen Patriarchen Herrn Pavle eine
Wiederbelebung dieser Treffen vorschlagen und daß Sie dies in schriftlicher
Form tun, und er möchte sich gern am Tag des H1. Sava, am 27. Januar
d. J., mit Bischof Kok¹a in Zagreb treffen, bei welcher Gelegenheit
Bischof Kok¹a ihm Ihren an den Patriarchen Pavle gerichteten, schriftlich
formulierten Vorschlag übergeben könnte, den er dann persönlich
mitnehmen würde. Er sagt auch, daß er bedaure, daß sich bisher keinerlei
Treffen arrangieren ließ, und daß er ein solches Treffen im Hotel
"Grad" in Otoèac für den 08. Mai vorgeschlagen und sogar
einen vollen Tag gewartet habe, aber niemand gekommen sei. Er meint
jetzt, daß es nicht gut wäre, wenn die Politiker den Kirchenleuten
hinsichtlich friedensfördernder Kontakte zuvorkämen und sich träfen
und miteinander verhandelten, die Kirchenleute aber weiterhin in
ihren "Hinterhalten" verharrten.
Ich habe mich bemüht, meinen beiden Gesprächspartnern zur Kenntnis
zu bringen, daß unsere Seite immer zu konstruktiven Kontakten bereit
gewesen ist, wir aber von der anderen Seite keine adäquaten Antworten
erhalten haben. Es hat jedoch keinen Sinn, nur einander vorzuwerfen,
wer mehr und wer weniger Schuld trägt; vielmehr sollten wir auf
die Eingebungen des Geistes, die uns auch über den Heiligen Vater
erreichen, hören und mit der nötigen Demut alles in unserer Macht
Stehende tun, um gemeinsam für die Heilung der hei den Angehörigen
beider Kirchen festzustellenden schweren Verwundungen des Geistes
und der Seele, die, wie es scheint, viel schwerwiegender als die
körperlichen Verletzungen sind, zu arbeiten und zu beten.
Anders ausgedrückt, obwohl nur Gott allein jedem Menschen ins Herz
sehen kann (Ps 44, 22), meine ich persönlich, daß wir diese neuesten
Signale der anderen Seite und deren zum Ausdruck gebrachten Wünsche,
sich zu treffen, zur Kenntnis nehmen und miteinander in Kontakt
treten und Gespräche führen sollten, ohne auf irgendwelche anderen
"Vermittler" aus Europa zu warten. Gott sieht es und
gibt seinen Segen!
Nach den jüngsten unseligen Ereignissen, unter denen meine Gläubigen,
insbesondere im Gemeindegebiet von Banja Luka, zu leiden hatten,
sind unsere Leute von großer Angst und Ungewißheit erfüllt. Von
keiner Seite gibt es eine konkrete Zusage, daß die Unseren vor der
Willkür einiger hiesiger "Potentaten" geschützt werden.
Wir vertrauen auf Gott und darauf, daß Er die Dinge fügt, und selbst
tun wir, was wir nur können, um die Menschen zu beruhigen und ihnen
irgendeine Hoffnung zu vermitteln, obwohl unsere Gegner unter unseren
Gläubigen erhebliche Propaganda betreiben und sie durch Hetze dazu
bringen wollen, nicht auf die Geistlichen und den Bischof zu hören.
Tatsächlich geben uns die ganze Zeit nur unser Glaube und unser
Vertrauen auf Gott Halt, und trotz der schwierigen Lage haben wir
bisher noch nicht den Mut verloren, und die große Mehrheit ist auch
noch nicht in Depressionen und Hoffnungslosigkeit versunken. Gott
wird die Dinge fügen, dessen bin ich sicher! Haben Sie nochmals
Dank für die Zeichen Ihrer Liebe zu uns, für alle Ihre Gebete und
Ihre Fürsorge, mit der Sie uns zur Seite stehen, und Ihre Bemühungen,
andere dahingehend zu motivieren, daß sie uns nicht den Kräften
des Bösen überlassen!
Noch immer haben wir - weder einer der Geistlichen noch ich selbst
- die Genehmigung zum Verlassen dieses Gebiets erhallen. Ich hoffe,
daß diese Schreiben trotzdem in Ihre Hände gelangen! (...)
Mit aufrichtiger Hochachtung grüße ich Sie brüderlich und herzlich!
Ihr in Jesu und Maria ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

SCHON
VOLLE DREI JAHRE ERTRÄGEN WIR VÖLLIG UNSCHULDIGER WEISE DAS ÜBER
UNSER HEIMATLAND HEREINGEBROCHENE UNGLÜCK
Schreiben des Bischofs an Josef Kardinal Tomko, den Leiter der Kongregation
für Glaubens Verbreitung
(Prot. Nr. Präs. 44/95 vom 27. März 1995)
Eure
Eminenz,
die Gläubigen meines Bistums in Bosnien ertragen bereits volle drei
Jahre das tragische Geschehen des Krieges, der über unser Heimatland
hereingebrochen ist. Wir wollten niemals Krieg und haben nicht
gekämpft, aber trotz alledem haben wir Brutalitäten, Ungerechtigkeiten,
Morde, Zerstörungen von Eigentum und den Verlust von Menschenlehen
durchgemacht. Täglich wird uns Eigentum weggenommen, müssen wir
physische und psychische Mißhandlungen über uns ergehen lassen
und unsere Leute werden gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Orte,
in denen wir seit Jahrhunderten ansässig sind.
Dem Schutz, Gottes und der Kraft des Glaubens verdanken wir, daß
es uns gelungen ist, nicht bösen Versuchungen des Hasses, des Tötens,
der Rache und des Zerstörens zu unterliegen. Wir ertragen vielmehr
das Unrecht. Wir versuchen, das Gebot Christi, das Gebot der Liebe
und der Vergebung gegenüber denen, die uns Böses antun, zu verkünden
und beharrlich danach zu leben.
Viele unserer kirchlichen Gebäude (Kirchen, Seelsorgezentren, Pfarrhäuser)
sind vollständig zerstört oder schwer beschädigt, obwohl es in unserem
Gebiet keine kriegerischen Zusammenstöße gegeben hat. Drei Viertel
der Gläubigen unseres Bistums wurden verjagt oder vertrieben. Der
Exodus unserer Brüder und die ihnen zugefügten Mißhandlungen gehen
täglich weiter. Wir haben den Eindruck, daß uns tatsächlich eine
schwere Strafe auferlegt worden ist und daß uns die Mächtigen dieser
Welt, die eigenen wie die anderer Länder, zum Tode verurteilt haben.
Von den Politikern will uns keiner schützen.
Nicht einmal die Standhaftesten und Zähesten von uns können dies
länger aushallen. Wohin sollen wir aber gehen, wenn uns niemand
haben will? Die Geistlichen und die Ordensleute, die ich hier habe,
sind unter großen Opfern bei den Gläubigen geblieben und tun alles,
um diesen zu helfen.
Es ist uns bewußt, daß wir keinen Exodus der Gläubigen, einen Exodus
in ein unbekanntes Land, organisieren können, aber wir können die
Gläubigen nicht mit Gewalt halten, denn sehr viele von ihnen wollen
weggehen. Wir haben schon unzählige Male wiederholt, wie sehr uns
das Volk, das derart Schlimmes durchmacht, leid tut.
Für uns ist es eine große Hilfe, wenn dann und wann jemand kommt
und uns besucht, besonders, wenn es sich um Persönlichkeiten der
Kirche handelt. Leider sind solche Besuche nicht so sehr zahlreich.
Wir hoffen zumindest, daß die Menschen der Kirche willens sind,
durch Zeichen christlicher Solidarität an unserer großen und schwerwiegenden
Prüfung Anteil zu nehmen.
Dürfen wir an Eure Eminenz die Bitte richten, trotz Ihrer vielen
Verpflichtungen und Aufgaben auch für uns einige freie Tage zu
erübrigen und uns zu besuchen, ehe es zu spät ist
Tagtäglich vergießen wir Blut. Wenn die Lage sich nicht bald ändert,
könnte es für uns, die wir keinerlei Schutz haben, zu spät sein.
Unser Bistum wird verschwinden, obwohl wir niemandem etwas zuleide
getan, niemanden vertrieben und niemanden bedroht haben. Wir können
nicht glauben, daß es so sein muß, daß dies Gottes Wille ist. Wir
glauben im Gegenteil, daß wir es mit sträflicher Handlungsweise
zu tun haben, dem Tatbestand der Unterlassung auf selten derer,
die nicht geholfen haben, als sie dies konnten.
Uns bleibt die Aufgabe, uns bittend an alle unsere Brüder, insbesondere
an unsere Brüder im Glauben, zu wenden und ihre Aufmerksamkeit auf
unsere dramatische Situation zu lenken. Gott hat uns nicht vergessen!
Aber die Brüder?
Ich garantiere Ihnen, daß für Sie als Leiter unserer Kongregation,
als unser kirchliches Oberhaupt, keinerlei Gefahr bestünde, falls
Sie uns zu besuchen wünschen.
Wir bitten unseren gütigen Gott darum, daß Er Eure Eminenz so bald
wie möglich zu uns kommen läßt, denn für uns ist jeder einzelne
Tag sehr wichtig.
Wir danken Ihnen für alles, was Sie bis jetzt für uns getan haben,
für Ihre Fürsorge und für die uns geleistete Hilfe, und wir werden
den Herrn in unseren Gebeten bitten, Sie auf allen Ihren apostolischen
Reisen zu beschützen.
Ich schließe mit dem Ausdruck meiner tiefen Verehrung und brüderlichen
Liebe in Christo und grüße Sie herzlich
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

VERWENDEN
SIE SICH DAFÜR, DASS DIE BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE
DIE GENEHMIGUNG ZUM BESUCH DER ORTHODOXEN BISTÜMER IN KROATIEN ERHALTEN!
Schreiben des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal
Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 45/95 vom 28. März 1995)
Eure
Eminenz,
trotz der Blockade des Kommunikationssystems möchte und muß ich
mich wenigstens mit einigen Worten an Sie wenden.
Vergangenen Donnerstag war ich mit drei Geistlichen in den zum vrhbosnischen
Erzbistum (Sarajevo) gehörenden Pfarrgemeinden Bijeljina und Brèko.
In diesen Gemeinden befinden sich laut inoffiziellen Angaben jeweils
noch einige Hundert Gläubige. Nach drei Jahren sollten wir zum ersten
Male wieder eine Messe zelebrieren und die Sakramente spenden. Für
unser Kommen hatte sich auch der orthodoxe Bischof für den Bereich
Zvornik-Tuzla, Herr Vasilije Kaèavenda, eingesetzt. Auf sein Drängen
hin hatten wir die Genehmigung zum Kommen erhalten, und außerdem
hatte man "amtlich" veranlaßt, daß heruntergefallener
Putz, Müll und zerbrochenes Fensterglas aus den Kirchen entfernt
wurden, und es waren sogar neue Türen eingesetzt worden...
Wegen der derzeitigen Offensive und der vielen Toten und Verwundeten
in Bijeljina wagten unsere Gläubigen nicht, sich in die Nähe der
Kirche zu begeben, von einem Besuch der Messe ganz zu schweigen.
Der orthodoxe Bischof hatte wegen der sehr gespannten Lage i m
letzten Moment unseren Besuch absagen wollen, aber die Telefonleitungen
sind unterbrochen. Ich war bei ihm. Er wirkte sehr deprimiert. Wir
unterhielten uns über die Notwendigkeit einer Begegnung der Kirchenvertreter.
Er zögerte mit der Antwort. Er sagte, daß auch sie bald ihr Treffen
haben und besprechen werden, ob und wann sie mit uns zusammentreffen,
er denkt an BiH. Er hat mich aber gebeten. Ihnen den Wunsch zu übermitteln,
daß orthodoxe Bischöfe aus dem Gebiet von Kroatien die Genehmigung
erhalten, das Gebiet ihrer Bistümer zu besuchen. Zwei orthodoxe
Bischöfe, der von Pakrac, Herr Lukijan, und ein weiterer, ich glaube,
ein australischer, sind vom Heiligen Synod beauftragt worden, das
Gebiet der in Kroatien gelegenen orthodoxen Bistümer zu besuchen.
Wie er mir versicherte, haben diese beiden Bischöfe keine Einreisevisa
erhalten. Er würde persönlich gern nach Slavonski Brod fahren, um
das Grab seiner kürzlich verstorbenen Mutter zu besuchen, aber er
bittet, daß man sich zuerst um eine Genehmigung für die genannten
Bischöfe bemühen möge, erst danach würde er sein eigenes Gesuch
einreichen. Er erwartet von mir und von Ihnen, daß Sie sich bei
den Behörden in Zagreb für das Besuchsanliegen der beiden orthodoxen
Bischöfe einsetzen.
Sie, Eure Eminenz, werden sehen, was Sie erreichen können, zum Ruhme
Gottes und der Ausbreitung von Christi Reich!
Ich schließe Sie in meine Gebete ein und verbleibe mit einem herzlichen
Gruß
+
Franjo, Bischof

VERTREIBUNG
AUCH DER LETZTEN ORDENSSCHWESTERN AUS DEN KLÖSTERN IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC
UND NOVA TOPOLA
Schreiben an die Oberin der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi
Kristove".
Schwester Tarzicija Medven (Prot. Nr. 306/95 vom 06. Mai 1995)
Sehr
geehrte Schwester Tarzicija,
1. Was vor zwei Tagen, am 04. Mai d. T., mit den Ordensschwestern
der Klöster Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola geschehen ist,
wurde Ihnen von den Schwestern bereits mitgeteilt, und wir haben
auch mündlich die nötigsten Informationen ausgetauscht. Gott sei
Dank, daß alles gut ausgegangen ist, wie ich zu meiner Beruhigung
von Ihnen persönlich und von meinem Vikar in Zagreb, Dr. Miljenko
Anièiæ, und Seiner Eminenz Franjo Kardinal Kuhariæ, die von den
Schwestern informiert wurden, erfahren habe.
Da das Leben der Kirche auch in diesem Gebiet weitergehen muß, ist
es erforderlich, daß wir uns jeweils im Rahmen unserer Rolle und
unserer Vollmachten mit der Frage befassen, wie wir dazu beitragen
können, daß das Leben und die Tätigkeit der Kirche sich so fruchtbar
wie möglich gestalten. Ich halle es daher für notwendig, Sie über
die augenblickliche Situation in den erwähnten Klöstern zu informieren.
2. Zunächst jedoch gebe ich Ihnen die völlig falsche, angeblich
vom Religionsminister der RS, Herrn Dragan Davidoviæ, stammende
Nachricht zur Kenntnis - daß die ehrwürdigen Schwestern auf eigenes
Verlangen auf das Hoheitsgebiet der Republik Kroatien übergesetzt
worden sein sollen und daß er angeblich dem Bischof (!) darüber
berichtet hat. Wie mir bekannt ist, haben dies auch einige internationale
Agenturen als wahre Tatsache verbreitet, aber es handelt sich in
Wirklichkeit um eine große Lüge! Ich bitte daher darum, daß die
Schwestern ein Dementi formulieren und es an die erreichbaren Agenturen
IKA und HINA (die es dann hoffentlich weitergeben) schicken, und
an uns, damit wir es an die hiesigen Institutionen weiterleiten
können.
3. Laut den Informationen, die ich während meines "Hausarrests"
bekommen konnte, kommen in das Kloster Nova Topola mit Wissen und
Genehmigung der örtlichen Behörden von Bosanska Gradi¹ka eine Ambulanz
und ein Krankenhaus für kranke Flüchtlinge aus Westslawonien. Tm
Kloster sind jetzt ein Arzt und zwei Krankenschwestern. Herr Stipo
ist dort gewesen; er hat sich vorgestellt und hat geholfen, die
Schlüssel für die Schlösser usw. zu finden. Er berichtet, daß man
sich ihm gegenüber gut benommen habe. Herr Ðuro kümmert sich nun
um das Klostergut, die Tiere und den Garten. Herrn Stipo wurde gesagt,
daß er alle Sachen der Schwestern in Schachteln verpacken und sie
an einem bestimmten Ort bereitstellen solle. Wir bemühen uns, das
Heilige Altarsakrament wegzubringen. Bis auf weiteres kann in der
dortigen Kirche keine Messe zelebriert werden. Mir, den Geistlichen
und den Ordensschwestern ist es nicht gestattet, das Kloster aufzusuchen.
In meinem gestrigen Schreiben an den Religionsminister der RS, Herrn
Davidoviæ, habe ich darum gebeten, eine möglichst rasche Kontaktaufnahme
mit den Amtspersonen der Gemeinden Bosanska Gradi¹ka und Lakta¹i,
die die genannten Klöster widerrechtlich übernommen haben, zu ermöglichen.
Eine Kopie des Schreibens erhalten Sie anliegend.
4. Trotz meiner zahlreichen Interventionen war es erst heute mittag
möglich, Bosanski Aleksandrovac aufzusuchen. Schw. Melitta, Schw.
Xaveria, Hochw. Dr. K. Vi¹aticki, Hochw. Blahomir Prucha, Bruder
Dujo Ljevar und Herr Jovo Turanjanin, der stellvertretende Religionsminister
und Polizeikommandant von Lakta¹i sind hingefahren. Es gibt Informationen,
wonach das Kloster offengestanden hat, und niemand hat es bis heute
bewacht. Herr Rudi kümmert sich um das Vieh, eine Nachbarin der
Schwestern (Frau Peæar) melkt die Kühe, und zwei Wächter bewachen
das Kloster, das jetzt verschlossen ist. Eine Inspektion des Klosters
war nicht möglich, aber es scheint, daß in den Zimmern alles in
Ordnung ist. Die Ortsverwaltung Bosanski Aleksandrovac wurde von
der Gemeinde Lakta¹i beauftragt, sich um das Kloster zu kümmern.
Am Montag wird angeblich zu erfahren sein, was weiter geschieht.
Die für das weitere Schicksal des Klosters zuständigen Schlüsselpersonen
sind der Vertreter des Militärs, Herr Milorad Vrhovac, Militärbereichschef
in Lakta¹i, der Vertreter der Gemeinde, Herr Stevo Joviæ, Bürgermeister
von Lakta¹i, und der Gemeindevorstand von Bosanski Aleksandrovac,
Herr Stojan Lukaè.
5. Sie bitte ich um die nötigen Anweisungen hinsichtlich Ihrer Wünsche,
Absichten, Forderungen usw. zur Frage der Zukunft dieser beiden
Klöster, damit ich bei allen zukünftigen Gesprächen mit Behördenvertretern
und im Zusammenhang mit Forderungen und Plänen entsprechend im Bilde
bin. Ebenfalls erwarte ich, daß Sie eine oder mehrere der hiesigen
Ordensschwestern benennen, die im Namen der Provinzialverwaltung
mit allen Vorkommnissen in Zusammenhang mit diesen beiden Klöstern
ständig auf dem lautenden sein werden.
Ich werde mich bemühen, Sie regelmäßig über alle Entwicklungen bezüglich
der Klöster und anderer Schwesterngemeinschaften zu unterrichten,
und ich erwarte, daß uns bald jemand von Ihrer Verwaltung bzw. Generalverwaltung
einen Besuch abstattet.
Gestern habe ich entsprechend der mit Ihnen getroffenen Vereinbarung
ein Fahrzeug und einen Geistlichen geschickt, um die Schwestern
der Pfarrei ©imiæi zu ihrer Sicherheit in das Kloster "Nazareth"
und ins Ordinariat bringen zu lassen. Sie haben nicht Folge geleistet,
wobei sie als Begründung anführten: "Wenn der Bischof sich
nicht sicher fühlt, kann er sich zu uns in Sicherheit begeben".
Ich nehme an, daß die Lage in jenem Gebiet derzeit nicht so dramatisch
ist, daß sie sich in Sicherheit bringen müssen. Wenn die Lage schlimmer
wird, werde ich verlangen, daß sie sich "an einen sicheren
Ort" begeben.
In Erwartung Ihrer baldigen Antwort verbleibe ich mit herzlichen
Grüßen.
Ich möchte Sie bitten, unsere ältesten "Vertriebenen"
besonders zu grüßen und ihnen zu sagen, daß wir sie nicht vergessen!
Der Herr möge sie und überhaupt Sie alle segnen!
In Christo Ihr
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
die Generalverwaltung der Schwesterngemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove"
den Apostolischen Nuntius in BiH - Rom
den Vorsitzenden der BK BiH, Vinko Kardinal Puljiæ - Sarajevo

HEILIGER
VATER, UNSERE AGONIE ERREICHT IHREN HÖHEPUNKT!
Schreiben des Bischofs an den Heiligen Vater Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 64/94 vom 13. Mai 1995)
Heiliger
Vater,
in diesen Tagen der neuesten sehr schweren Prüfung der gesamten
Familie des mir anvertrauten Bistums sind die Gebete und die Hilfe
Eurer Heiligkeit und die enge Solidarität des Heiligen Stuhls für
uns besonders wertvoll.
Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für die jüngsten uns allen hier
im Bistum Banja Luka zuteil gewordenen Zeichen Ihrer väterlichen
Fürsorge und Ihrer Liebe anläßlich der völlig grundlosen Vertreibung
unserer Ordensschwestern aus ihren alten Klöstern in Bosanski Aleksandrovac
und Nova Topola, der Zerstörung von Kirchen in Petriæevac, Vujnoviæi,
©argovac und Majdan sowie eines uralten Franziskanerklosters, der
Vertreibung von Franziskanerbrüdern, der Mißhandlung von Ordensleuten
und des gewaltsamen Todes des betagten kranken Ordensbruders und
Geistlichen Alojzije Atlija, aber zugleich habe ich Ihnen in frischem
Schmerz bereits wieder von einem soeben auf uns niedergegangenen
Schlag, einer neuen Heimsuchung. Mitteilung zu machen.
Es handelt sich um den gewaltsamen Tod und die anschließende Verbrennung
in den Räumen des Pfarrbüros der Pfarrei Banja Luka - Presnaèe,
wo sich auch das Heiligtum des Bistums "Hl. Theresa des Jesuskindes"
befindet, und zwar des Pfarrers und Hüters des Heiligtums, Hochw.
FILIP LUKENDA, und der Seelsorgemitarbeiterin, einer Ordensschwester
der Gemeinschaft des Hl. Vinzenz von Paul, Schwester CÄCILIA GRGIÆ,
am Freitag, dem 12. Mai 1995, in den frühen Morgenstunden. (Die
andere Seelsorgemitarbeiterin, Schwester Agnes, hatte sich zu dem
Zeitpunkt wegen Erkrankung im Kloster aufgehalten). Das Seelsorgezentrum
wurde niedergebrannt, und die neue großartige Pfarrund Wallfahrtskirche
völlig zerstört.
Erst jetzt haben wir vollständige Nachrichten über den Märtyrertod
dieser sehr wertvollen und getreuen Gesandten im Acker des Herrn,
wahren Zeugen des Glauben an Christus und der Treue zu Seiner Kirche.
Wie auch alle anderen Geistlichen und Ordensleute meines in der
Tat sehr hart geprüften Bistums waren Pfarrer Filip und Schwester
Cäcilia entschlossen in ihrer Aufopferung - "selbst wenn das
eigene Blut vergossen werden muß" - für die ihrer Fürsorge
und Liebe anvertrauten Gläubigen, aber auch für alle anderen, Nichtkatholiken,
die sie um geistliche oder materielle Hilfe baten. Für diese beiden
jüngsten Opfer, diesen Pfarrer und diese Ordenschwester, kann ich
ebenso wie für die anderen früher getuteten Geistlichen meines Bistums
(es sind vier) bezeugen, daß sie ohne Unterschied wirklich völlig
unschuldige Opfer sind, die in Liebe und Treue zu Gott und in Hingabe
für die ihnen in der Kirche Christi aufgetragene Mission ihr Leben
gegeben haben.
In letzter Zeit beobachten wir besonders, wie die Worte Christi:
"Ich werde den Hirten erschlagen, und die Schafe werden sich
zerstreuen" (Mk 14, 27) sich konkret bewahrheiten. Man will
unsere Gläubigen um jeden Preis führerlos machen, indem man ihre
Hirten tötet und mißhandelt und ihre Kirchen, Klöster und Seelsorgezentren
zerstört. Man hat den Eindruck, daß dies alles wahrhaftig das Werk
des Satans ist. Unsere Gläubigen sind sehr bedrückt und verstört,
weil die an ihnen verübten Gewaltakte kein Ende nehmen und weil
ihre Zukunft völlig ungewiß ist. Ihr einziger Halt sind die ständige
Gegenwart und die Liebe der Geistlichen und der Ordensleute, und
wie man sieht, will man auch diese gewaltsam vertreiben und liquidieren.
Auch wir könnten mit den Worten der Klagelieder (Klgl 5, 2.5.7.8.10)
unser Leid hinausweinen, aber wir dürfen es nicht! Sie, Heiliger
Vater, sollen aber wissen, wenn es Gottes Wille ist, daß es zusätzlich
zu all den bisherigen Opfern und Heimsuchungen noch zu weherem Blutvergießen
auf seilen unserer wirklich friedfertigen Gläubigen, Geistlichen
und Ordensleute und auch des Bischofs selbst kommt - versichern
wir Ihnen, daß wir getreu verharren in Christi Gebot der Vergebung,
Versöhnung und Liebe. Wir alle, die wir noch immer hier, in unserer
jahrhundertealten Heimat sind, wobei wir niemandem etwas zuleide
tun, sondern sogar Böses mit Gutem vergelten, glauben, daß Christus
uns eben gerade hier braucht, als seine Zeugen und Gesandten in
seinem Weinberg. Wir können nicht wahrhaben, daß unsere orthodoxen
Brüder, die hiesigen serbischen (und einige andere) Politiker, uns
in diesem Gebiet, wo wir als (kroatische und andere) Katholiken
schon über ein Jahrtausend präsent sind und wo wir uns unbeirrt
bemühen, mit allen Menschen der Umgebung in Frieden, Eintracht und
Liebe zu leben, wirklich ausrotten wollen.
Trotz häufiger Stürme unterschiedlichster Art, deren Zerstörungswerk
bis an die Wurzeln unserer katholischen Präsenz in diesem Gebiet
ging, was auch jetzt der Fall ist, wage ich, auf die gesamte Gemeinschaft
meines Bistums die Psalmworte anzuwenden, die da lauten: "Man
stößt mich, daß ich fallen soll, aber der Herr hilft mir. Der Herr
ist meine Stärke und mein Lied, er ist mein Retter. Der Herr züchtigt
mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis" (Ps 118,
13-14.18).
Heiliger Vater, dies sind wirklich schicksalhafte Tage für uns,
die Katholiken des Bistums Banja Luka, und für unsere Zukunft in
diesem Gebiet! Unsere Agonie, die bereits drei volle Jahre andauert,
erreicht jetzt, wie es scheint, ihren Höhepunkt. Wir fragen uns
wirklich, ob uns denn von den einflußreicheren Persönlichkeiten
der humanen, zivilisierten Welt wirklich niemand helfen will? Während
wir uns in unseren Gebeten mit aller Inbrunst der Güte und dem Schutz
Gottes empfehlen, rufen wir zugleich zum wer weiß wievielten Male
voller Hoffnung auch unsere Brüder der gleichen Kirche Christi an,
uns mit Gebet und Taten zu helfen, damit wir im Kampf gegen das
Böse, das auch unsere Herzen übermannen und über uns ganz triumphieren
will, nicht ermüden und der Ruhm Gottes durch unsere Standhaftigkeit
noch größer wird und möglichst viele Menschen Seine Güte und Seine
Bereitschaft zur Vergebung kennenlernen und ihre Seelen retten
können.
Im Namen aller Geistlichen, Ordensleute und übriggebliebenen Angehörigen
der Gemeinschaft meines Bistums, die ihren bitteren Karfreitag durchleben,
und von mir persönlich sage ich Ihnen von ganzem Herzen Dank für
Ihre wahrhaft große und väterliche Liebe, Ihre Gebete und Ihren
Segen. Wir alle bitten Sie demütig, uns auch in Zukunft in Ihren
apostolischen Segen einzuschließen.
Eurer Heiligkeit im Herrn, dem Guten Hirten, aufrichtig ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

AUCH
WEITERHIN VERNICHTEN UNS DIE ZERSTÖRERISCHEN KRÄFTE DES BÖSEN
Schreiben des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr.
F. Monterisi
(Prot. Nr. 596/95 vom 25. August 1995)
Eure
Exzellenz,
in diesen dramatischen Tagen gibt es aus unserem Bistum tagtäglich
neue und leider nur tragische Nachrichten.
Aus den meisten unserer verbliebenen Pfarrgemeinden des Großraums
Banja Luka mußten in den letzten zehn Tagen fast alle Gläubigen
weggehen. Im Gemeindegebiet von Prijedor, in den Pfarrgemeinden
Prijedor, Ljubija, ©urkovac und Ravska, waren jeweils noch einige
Hundert verblieben, die in den letzten Tagen mit einigen Bussen
abtransportiert wurden. Jetzt sind die Gemeinden Sanski Most und
Mrkonjiæ Grad an der Reihe.
Unsere Pfarrer haben gestern und heute sehr unangenehme Stunden
durchlebt. So wurde der Pfarrer und Dekan von Mrkonjiæ Grad, Hochw.
Adolf Vi¹aticki, auf Anordnung der Gemeindebehörden gewaltsam aus
seiner Pfarrwohnung vertrieben, in der nach der Zerstörung der Pfarrkirche
auch Räume für den Gottesdienst und die Caritas der Pfarrgemeinde
eingerichtet worden waren. Er wurde buchstäblich auf die Straße
gejagt. Er befindet sich noch immer unter seinen Gläubigen, für
die er - wie alle unsere Geistlichen - in all diesen Tagen der einzige
Trost ist. Wie wir erfahren haben, hatte er noch andere Unannehmlichkeiten.
Möge der Herr ihm auch weiterhin beistehen.
Gestern hatte auch der Pfarrer von Kotor Varo¹, Bruder Ivan Franjiæ,
in seiner Gemeinde Unannehmlichkeiten mit den dortigen örtlichen
Amtspersonen, und dies nicht zum ersten Mal. Alles hat jedoch auch
seine Grenzen. Er hatte zu einem früheren Zeitpunkt die Gefängnisfolter
durchgemacht, und es ist keineswegs verwunderlich, daß er jetzt
nicht mehr in der Lage ist, auf seinem Posten durchzuhalten. Der
Rest der Gläubigen jener einstmals großen Pfarrgemeinde muß in
diesen Tagen seine Heimat verlassen und den anderen ins Exil folgen.
Wir erfahren soeben, daß heute nacht das noch nicht fertiggestellt
gewesene Seelsorgezentrum der Pfarrgemeinde Prijedor, das auch
für religiöse Zusammenkünfte und die Verteilung der Caritas-Hilfe
gedient hatte, mit schwerem Gerät zerstört worden ist. Ich weiß
nicht, was alles mit dem dortigen Pfarrer Hochw. Tomislav Matanoviæ
geschehen ist, aber ich werde alles tun, um dies baldigst zu erfahren.
Die zerstörerischen Kräfte des Bösen zerstören auch weiterhin die
dem Frieden dienende Präsenz, der Kirche Christi in diesem Gebiet!
Möge Gottes Wille geschehen! Ich verbleibe mit einem brüderlichen
Gruß, hochachtungsvoll
+
Franjo, Bischof

ALLE
UNSERE HIESIGEN PFARRGEMEINDEN WERDEN PLANMÄSSIG DURCH GEWALTSAMES
UND WIDERRECHTLICHES VORGEHEN AUSGEMERZT
Schreiben des Bischofs an den Erzbischof und Metropoliten von Zagreb,
Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 119/95 vom 28. August 1995)
Eure
Eminenz,
volle zwei Wochen sind verstrichen, seit ich Ihnen zum letzten Male
schriftlich über die derzeitige Lage der Katholiken meines Bistums
im Großraum Banja Luka berichtet habe. Diese beiden Wochen zusammen
mit der jetzt beginnenden dritten werden in die Geschichte als die
für die Angehörigen der katholischen Kirche dieses Gebiets dramatischste
Periode der letzten drei Jahrhunderte eingehen. Was den Katholiken
in den letzten zwei Wochen widerfahren ist - eine radikale Massendeportation
von ihren jahrhundertealten Heimstätten - haben sie seit den Zeilen
der Wiener Kriege Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr durchgemacht!
Soweit ich unterrichtet bin, werden alle unsere hiesigen Pfarrgemeinden
des Dekanats Banja Luka eine nach der anderen gewaltsam völlig ausgemerzt:
Petriæevac, Motike, Barlovci, Ivanjska, ©imiæi, Stratinska, Presnaèe,
Bud¾ak und "Marija Zvijezda" - die Trappistengemeinde,
und in der zentralen Pfarrgemeinde gibt es, soweit wir erfahren
haben, noch ein paar Hundert Katholiken. Im Dekanat Prnjavor sind
die Gemeinden Sokoline, Vrbanjci und Kula¹i völlig leer, in der
Gemeinde Dragalovci und der einstmals großen Gemeinde Kotor Varo¹
ist noch eine sehr kleine Anzahl Katholiken verblieben, und nur
noch einige Hundert in der Gemeinde Prnjavor.
Im Dekanat Bosanska Gradi¹ka gehen in diesen Tagen die letzten übriggebliebenen
Gläubigen der Pfarrgemeinden Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Nova Topola
und Bosanski Aleksandrovac weg, während sich in der Pfarrgemeinde
Trn in der Nähe von Banja Luka noch ein paar Dutzend Gläubige aufhallen.
In den vergangenen Tagen haben die hiesigen Zivilbehörden (bzw.
das hiesige Rote Kreuz) mit der Registrierung und der Deportation
der Gläubigen der Pfarreien des Dekanats Prijedor: ©urkovac, Ljubija,
Prijedor, Ravska sowie Sanski Most und Sasina, begonnen. Die Pfarrgemeinden
Bosanska Dubica, Bosanska Kostajnica und Bosanski Novi sind schon
früher verödet.
Wie es um die letzten verblichenen Reste unserer Gläubigen des Dekanats
Jajce aus den verbliebenen Pfarrgemeinden Mrkonjiæ Grad, Kljuè und
Liskovica steht, ist völlig unklar!
Zwischenzeitlich ist in der Nacht vom 18. auf den 19. August die
große Pfarrkirche "Himmelfahrt der Gebenedeiten Jungfrau Maria"
in Sanski Most, die einzige noch vorhanden gewesene Kirche in der
gesamten dortigen Gegend, durch Sprengung zerstört worden. Obwohl
es sowohl an Treibstoff als auch an schwerem Gerät mangelt, hatte
man Treibstoff und Maschinen zur Verfügung, um das zerstörte Gebäude
in den letzten Tagen vollständig zu beseitigen und sogar seine Fundamente
aus dem Boden zu graben! In der Nacht vom 24. auf den 25. August
wurde dann der junge Pfarrer Tomislav Matanoviæ aus seinem Pfarrbüro
geholt und "an einen sicheren Ort" gebracht, und in derselben
Nacht wurde das große (noch nicht fertiggestellte) Seelsorgezentrum,
in dem nach der im September 1992 erfolgten Zerstörung der Pfarrkirche
St. Josef die regulären Gottesdienste stattgefunden hatten, mit
schwerem Gerät zerstört, und die Überreste wurden anschließend
beseitigt. Pfarrer Matanoviæ befindet sich noch immer in Hausarrest
in seinem Elternhaus, das, wie auch die Pfarrwohnung, vollständig
ausgeplündert worden ist!
In Mrkonjiæ Grad wurde am 25. d. Mts. "auf Anordnung der Gemeindebehörden"
der Pfarrer und Dekan Hochw. Adolf Vi¹aticki aus seiner Pfarrwohnung
vertrieben. Da in den Kellerräumen des Hauses für die verbliebenen
Gläubigen des Ortes ein Raum für den Gottesdienst hergerichtet war,
haben dieselben nunmehr keinerlei Möglichkeit für religiöse Zusammenkünfte.
Auch Pfarrkirchen sowie Pfarrwohnungen (und Wirtschaftsgebäude)
in den Gemeinden Motike, Barlovci, Kula¹i und Stratinska sind in
den letzten Tagen verwüstet und ausgeplündert worden.
Wir fürchten, daß auch mit unseren anderen verbliebenen kirchlichen
Gebäuden Ähnliches geschieht. Die katholische Kirche wird in diesem
Gebiet planmäßig und vollständig ausgerottet, obwohl ihre Angehörigen
diese ganze unglückselige Zeit über beharrlich waren in Friedfertigkeit,
Vergebung und Liebe gegenüber ihren Widersachern.
Wegen dieser Entwicklung der Dinge sind nun auch unsere Geistlichen,
die unter zahllosen persönlichen Opfern und ständiger Gefahr für
ihr eigenes Leben bei den ihnen anvertrauten Menschen geblieben
waren, de facto gezwungen, ihre verödeten Pfarreien zu verlassen
und sich auf den gleichen Weg zu begeben wie fast alle unsere Gläubigen
- ins Exil.
In den letzten Tagen hat man in den hiesigen öffentlichen Medien
unsere Geistlichen bzw. die katholische Kirche wiederholt beschuldigt,
die Aussiedlung unserer Gläubigen aus Heim und Pfarrgemeinde zu
organisieren. So schreibt das Blatt "Kozarski vjesnik"
in Prijedor auf Seite 2 seiner Ausgabe vom 25. August 1995 unter
anderem folgendes: "Die Rede ist von neuen Intrigen des katholischen
Klerus aus der Kuhariæ - Kanzlei... Sie (d.h. die Geistlichen) sind
vom allerhöchsten Kapitel angewiesen worden, ihre Pfarrgemeinden
und ihre Wohnorte unverzüglich und augenblicklich, oder wie sie
es ausdrücken, aus gegebenem Anlaß zu verlassen. Dies ist wieder
einer der schmutzigen Tricks des erhabenen Herrn Franjo Kuhariæ,
denn mit der Aufgabe ihrer Kirchengemeinden bringen die Geistlichen
katholischer Provenienz die verbliebene katholische Bevölkerung
in Richtung 'ihres Schönen' auf die Beine."
Ähnliches wird auch in Prnjavor und in Kotor Varo¹ öffentlich gesagt
(...). In diesen drei Jahren haben wir schon viele Male ähnliche
Unterstellungen uns gegenüber gehört. Wir haben das alles ertragen,
da wir uns bewußt waren, daß wir Diener Christi, des am meisten
Gepeinigten, sind, der erniedrigt, entrechtet, bespuckt, ausgestoßen
und niedergetreten wurde. Dankbar für Seine große Barmherzigkeit
sind wir auch weiter bereit, da, wo Er uns in Seiner Kirche braucht,
mit allen Kräften für Sein Reich zu wirken!
Abgesehen von einer Gruppe Ordens- und Diözesangeistlicher, die
bereits vor einer Woche im Gefolge einer Anzahl von Gläubigen weggegangen
sind, schickt sich auch in diesen Tagen eine weitere Gruppe an,
unser Gebiet bzw. unser Bistum zu verlassen (wir hoffen, daß es
nur ein vorübergehender Weggang ist).
Abgesehen von der Angelegenheit der Franziskanerbrüder, bezüglich
welcher ich deren Provinzialoberen, den hochgeehrten Bruder Petar
Anðeloviæ, gebeten hatte, sie weiterhin für die Gemeindeseelsorge
einzuteilen und den örtlichen Bischof um die erforderliche rechtliche
Regelung zu ersuchen, erlaube ich mir, Eurer Eminenz die Namen meiner
bereits bei Ihnen eingetroffenen bzw. i n den kommenden Tagen im
Gebiet Ihres Erzbistums eintreffenden Geistlichen zur Kenntnis zu
geben. Gleichzeitig bitte ich Sie, in Absprache mit meinem für vertriebene
und geflüchtete Kondiözesane zuständigen Vikar, Hochw. Dr. Miljenko
Anièiæ, und dem Generalvikar Hochw. Dr. Anto Orlovac, die Möglichkeiten
des Einsatzes der Geistlichen in der seelsorgerischen Arbeit unter
unseren Gläubigen, die jetzt (und früher) im Raum Ihres Erzbistums
eintreffen, zu erörtern und die erforderlichen Verfügungen auszuhändigen.
Hier führe ich die Geistlichen auf: Hochw. Dr. Anto Orlovac, Hochw.
Blahomir Blago¹ Prucha, Hochw. Berislav Grgiæ, Hochw. Josip Jerkoviæ,
Hochw. Bo¾o Pinjuh, Hochw. Milan Begiæ, Hochw. Vladimir Tomiæ, Hochw.
Anto Marijan, Hochw. Marijan Stojanoviæ und Hochw. Kazimir Vi¹aticki.
Wer von ihnen im Gebiet Ihres Erzbistums bleiben wird, kann ich
jetzt noch nicht sagen! Man wird sehen!
Eure Eminenz, wir alle, die wir in unserem Bistum Banja Luka inkadiniert
sind, würden uns wünschen, daß unser Bistum auch weiterhin besteht,
und sei es auch nur in verkleinerter Form. Es wäre unserer Meinung
nach ein großer und verhängnisvoller Fehler mit weittragenden Folgen,
wenn die maßgebendsten Persönlichkeiten der katholischen Kirche
und des kroatischen Volkes ausgerechnet in diesen kritischen Zeiten
ihre Aufmerksamkeit nicht in ausreichendem Maße der Zukunft des
Katholizismus im hiesigen Gebiet widmeten!
Was mich persönlich angeht, so habe ich vor, unbedingt an meinem
Platz zu bleiben, wenngleich ich für mich und all das, was den Kern
des Bistums als Institution ausmacht, keine Garantie habe.
Im Moment sind hier noch sechs Diözesangeistliche, fünf Franziskaner,
drei Trappistengeistliche und zwei ehrwürdige Trappistenbrüder.
Außerdem sind hier noch zehn Ordensschwestern. All das - nach Gottes
Wille!
Eurer Eminenz danke ich auch bei dieser Gelegenheit von Herzen dafür,
daß Sie unsere Leiden und Hoffnungen mit echtem inneren Engagement
mitempfinden! Möge der Herr es Ihnen reich vergelten!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Verehrung und
einem brüderlichen und herzlichen Gruß, Ihr in Christo, dem Guten
Hirten, ergebener
+
Franjo, Bischof von Banja Luka

ICH
BETRACHTE ES ALS MEINE PFLICHT, HIER,IM HERZEN MEINES BISTUMS, ZU
BLEIBEN
Brief des Bischofs an den Staatssekretär beim Heiligen Stuhl, A.
Kardinal Sodano
(Prot. Nr. 698/95 vom 04. September 1995)
Eure
Eminenz,
ich erlaube mir, Ihnen über die jüngste Lage in meinem Bistum zu
berichten. Schon volle drei Wochen geht im größten Teil meines
Bistums, das sich unter der Kontrolle der bosnischen Serben befindet,
eine gegen die verbliebenen Katholiken (und die übrige nichtserbische
Bevölkerung) gerichtete umfassende ethnische Säuberung vor sich.
Gemäß ziemlich gesicherter Angaben wurden in diesem Zeitraum über
15.000 unserer Gläubigen zum Weggang gezwungen. Von unseren Gläubigen
haben auch jene, die in diesen drei Jahren bereitwillig vielfältige
Ungerechtigkeiten und Mißhandlungen hingenommen haben, die besonders
standhaft waren, jetzt keine andere Wahl und müssen ihre Häuser,
ihre Dörfer, ihre Siedlungen und Pfarrgemeinden verlassen. Auch
hochbetagte Menschen und Schwerkranke müssen weggehen. Der größte
Teil ihrer Häuser wird unverzüglich ausgeplündert; niemand zieht
darin ein. Die aus Kroatien (aus der Krajina) bzw. aus einigen Gemeinden
Westbosniens hierher gekommenen Flüchtlinge serbischer Nationalität
bleiben zum geringeren Teil hier, sie dienen den Behörden i n erster
Linie als Vorwand, um auch unsere übrigen Gläubigen gewaltsam von
hier zu vertreiben. Unsere Gläubigen müssen gehen, weil die derzeitigen
politischen Machthaber so über sie beschlossen haben, bzw. "weil
unsere Regierungen es so vereinbart haben", wie mich der Chef
des für die Aufnahme von Flüchtlingen zuständigen Stabes der RS,
Herr Gojko Klièkoviæ, am 05. August d. J. ausdrücklich wissen ließ.
Die internationalen Organisationen sehen diesem hochgradig unmenschlichen
Verbrechen an der unschuldigen Bevölkerung zu, als oh es sich um
ein "humanes" Vorgehen handelte.
Seitens der zuständigen politischen Persönlichkeiten oder Institutionen
protestiert meines Wissen niemand gegen diese jüngste eindeutige
Verletzung eines der menschlichen Grundrechte der unschuldigen und
friedfertigen kroatischen oder sonstigen Katholiken dieses Gebiets,
des Rechts auf ihr Zuhause und ihre Heimat. Wir als offizielle Vertreter
der katholischen Kirche stehen leider allein da, der vernichtenden
Lawine der Unmenschlichkeit völlig ausgeliefert. Unsere Bitten um
Hilfe und den Schutz der Grundwerte der europäischen Zivilisation
und die Hilferufe, die wir unablässig an alle richteten, die uns
hatten helfen können und müssen, stießen gewöhnlich auf taube Ohren
und selbstsüchtige Herzen, mit Ausnahme unserem Heiligen Vaters
Johannes Paul II., des Heiligen Stuhls und einiger Bischofskonferenzen
bzw. unserer Brüder im Bischofsamt. All den Letztgenannten, und
ganz besonders Seiner Heiligkeit, schulden wir unendlichen Dank
für die stetige und überaus wertvolle Hilfe, besonders für die,
die uns in Gestalt des Gebets zuteil wurde, aber auch für alle sonstige
Hilfe. Diese Hilfe spürten und spüren unsere Geistlichen, Ordensleute
und Gläubigen bei ihren übermenschlichen Anstrengungen, gegenüber
denen, die uns Böses tun, das Evangelium und - gemäß des Aufrufs
des Heiligen Vaters anläßlich seines geplanten Besuchs in Sarajevo
und seines durchgeführten Besuchs in Zagreb -, den Geist der Liebe,
der Vergebung und der Versöhnung zu verkünden und vorzuleben.
Wegen der von den amtlichen Organen aller hiesigen Gemeinden systematisch
betriebenen gewaltsamen Vertreibung unserer verbliebenen Gläubigen
aus ihren Häusern und ihrer anschließenden Deportation aus dem Gebiet
unseres Bistums wird ihre Anzahl tagtäglich geringer. In den einzelnen
Pfarrgemeinden befinden sich derzeit jeweils ungefähr zehn bis
hundert Gläubige, wobei diese Anzahl je nach Gemeinde unterschiedlich
ist.
In den Pfarrgemeinden Prnjavor, Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Kljuè,
Ivanjska und ©imiæi und im Bereich von Banja Luka in den Pfarrgemeinden
Bud¾ak und "Marija Zvijezda" (dort die Trappisten) sowie
in der Dorngemeinde sind unsere Geistlichen noch immer bei ihren
Gläubigen. Ab kommender Woche wird sich die Lage bei einigen der
genannten Pfarrgemeinden mit Bestimmtheit verschlechtern.
Der Pfarrer in Prijedor befindet sich bereits 12 Tage im Hause seiner
Eltern unter Hausarrest und hat keine Möglichkeit, mit uns und seinen
Pfarrkindern, deren Anzahl sich mit jedem Tage rasant vermindert,
Kontakt aufzunehmen. Wir tun alles, um ihn freizubekommen und ins
Bischöfliche Ordinariat zu bringen.
Am gestrigen Sonntag ist es Pfarrern, die ihre Pfarrgemeinden hatten
verlassen müssen und sich im Bischöflichen Ordinariat aufhalten,
gelungen, ihre Gemeinden aufzusuchen und so in Trn, Ljubija, ©urkovac,
Stara Rijeka und Sasina, wo die Kirchen schon seit langem zerstört
sind, mit den übriggebliebenen Gläubigen die Heilige Messe zu feiern.
Heute hat sich eine weitere Gruppe von fünf Pfarrern nach Kroatien
begeben - drei Diözesangeistliche und zwei Franziskaner. Sie haben
sich in den Seelsorgedienst für unsere vertriebenen Gläubigen an
deren jeweiligen Aufenthaltsorten in der Emigration eingereiht.
Auch zwei Ordensschwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" sind weggegangen. Hier bei uns gibt es noch
neun Diözesangeistliche, sechs Franziskaner und fünf Angehörige
des Trappistenordens, sowie elf Ordensschwestern der Gemeinschaft
"Klanjateljice Krvi Kristove". Ein Teil unserer vertriebenen
Gläubigen wird sich jetzt vorläufig - auf Beschluß der kroatischen
Politiker - im Bereich unserer Pfarrgemeinde Glamoè im Dekanat Livno,
dem einzigen, das sich derzeit unter der Kontrolle der bosnischen
Kroaten befindet, niederlassen. Aus jener Pfarrgemeinde waren bereits
1992 alle unsere Gläubigen vertrieben worden; der Pfarrer, der schwer
gefoltert worden ist, war im Gefängnis in Knin inhaftiert und die
Pfarrkirche sowie die Pfarrwohnung sind zerstört worden. In den
letzten Tagen sind dort erneut einige Hundert Katholiken eingetroffen,
bei denen es sich um ehemalige Gemeindemitglieder sowie um Menschen
aus den Reihen unserer hiesigen Vertriebenen handelt, und es scheint,
daß noch mehr hingehen werden.
Wir haben die feste Hoffnung, daß bei zukünftigen politischen Entscheidungen
zur Zukunft von Bosnien und Herzegowina zwangsläufig auch verbindlich
festgelegt wird, daß zum einen die hiesigen politischen Vertreter
auf örtlicher und höherer Ebene allen Vertriebenen und Flüchtlingen
und somit auch unseren Gläubigen, wenn diese es wünschen, die Rückkehr
in ihre Heimat, ihre Geburts- und ihre bisherigen Aufenthaltsorte
gestatten und ermöglichen müssen, und zum anderen, daß die internationale
Gemeinschaft eine entsprechende Kontrolle ausüben kann. Ich denke,
daß es auch dem Geist unserer kirchlichen Lehre entspricht, energisch
für die Respektierung und den Schulz der Grundprinzipien unserer
Zvilisation, d.h. der menschlichen und bürgerlichen Rechte und Freiheiten
jedes Einzelnen und jeder ethnischen, religiösen oder anderen sonstigen
Gruppe einzutreten.
Ich betrachte es als meine Pflicht, hier, im Herzen meines Bistums,
zu bleiben - wegen der verbliebenen Gläubigen und der notwendigen
und wünschenswerten, möglichst baldigen Rückkehr vieler unserer
vertriebenen Gläubigen in ihre Pfarrgemeinden, aber auch wegen der
erforderlichen moralischen Unterstützung all meiner anderen Mitbürger,
die geistlicher und materieller Hilfe bedürfen und deshalb tagtäglich
an meine Tür klopfen. Wie dem auch sei - ich lege mein Leben und
mein Tun in die Hände Gottes, wobei ich Ihn um Seinen Segen und
Seinen Schutz für alle Angehörigen meines dezimierten Bistums bitte,
und empfehle mich gleichzeitig Ihrer Fürbitte im Memento!
Hochachtungsvoll verbleibe ich Eurer Eminenz, im Herrn ergeben!
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

TROTZ
DER VÖLLIGEN UNGEWISSHEIT SIND WIR BEHARRLICH IM GLAUBEN UND IN
DER HOFFNUNG
Brief des Bischofs an den Staatssekretär beim Heiligen Stuhl, Angelo
Kardinal Sodano (Prot. Nr. 137/95 vom 07. Oktober 1995)
Eure
Eminenz,
Ihr liebenswürdiger Brief vorn 05. September 1995 hat nicht nur
mir, sondern auch den Geistlichen und Ordensleuten meiner Umgebung,
denen ich seinen Inhalt mitgeteilt habe, große Freude bereitet..
Ich danke Ihnen von Herzen, daß Sie sich wegen der derzeitigen
Lage und der weiteren Zukunft der verbliebenen Angehörigen der katholischen
Kirche im von den bosnischen Serben kontrollierten Gebiet meines
Bistums Banja Luka so sehr sorgen.
Da wegen der militärischen Operationen im September d. J. alle unsere
Verbindungen mit der Außenwelt unterbrochen waren, konnte ich Ihnen
bisher noch nicht antworten bzw. über unsere momentane Lage berichten.
Ich tue dies jetzt, wobei ich Sie bitte, meinen Bericht zur Kenntnis
zu nehmen und davon - wenn es angemessen ist - auch den Heiligen
Vater selbst zu unterrichten. Ich sage Ihnen schon im voraus meinen
herzlichsten Dank.
l. In der zweiten Augusthälfte und in den ersten Septembertagen
wurden - soweit wir in Erfahrung bringen konnten - aus unseren Pfarrgemeinden
des Großraums Banja Luka annähernd 20.000 zurückgebliebene Katholiken
deportiert.
Derzeit halten sich in 11 Pfarrgemeinden des Dekanats Banja Luka
noch 4.926 Katholiken auf, deren Namen uns bekannt sind; im Dekanat
Bosanska Gradi¹ka befinden sich in fünf Pfarrgemeinden 370 Katholiken
und im Dekanat Prnjavor in vier Pfarrgemeinden rd. 750 (in zwei
Pfarrgemeinden dieses Dekanats ist niemand mehr!). Über neun Pfarrgemeinden
des Dekanats Prijedor liegen uns keine genauen Angaben dazu vor,
wie viele Katholiken nach dieser letzten Welle der Verfolgung verblieben
sind, da wir zu der ganzen Gegend absolut keinen Kontakt aufnehmen
können. Es müßten sich dort mindestens noch mehrere Hundert unserer
Gläubigen aufhalten. Im ebenfalls unter der Kontrolle der bosnischen
Serben befindlichen Gebiet des Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo), in
der Pfarrgemeinde Tesliæ, wo sich noch immer der einzige im gesamten
besetzten Gebiet verbliebene Geistliche des Erzbistums aufhält,
sind noch rd. 1.200 Katholiken. Wir verfügen über keine Angaben
darüber, wie viele Katholiken von den wenigen, die noch in anderen
Orten des Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo), in Doboj, Brod, Derventa,
Modrièa, Od¾ak und ©amac sowie in Brèko und Bijeljina geblieben
waren, bei dieser letzten Welle ethnischer Säuberung weggehen mußten.
Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß sich in diesem Gebiet noch immer
7.300 Menschen römisch-katholischen Glaubens befinden, hinzu kommen
annähernd 5.000 Menschen griechisch-katholischen Glaubens, die
in sieben Pfarrgemeinden des zum Bistum Kri¾evac gehörenden Bosnischen
Dekanats leben.
In unserem Gebiet gibt es außer mir und den übrigen Katholiken noch
neun Diözesangeistliche, neun Ordensgeistliche (sechs Franziskaner
und drei Trappisten), einen Diözesangeistlichen im Ruhestand und
zwei Trappistenbrüder. Wir haben auch noch elf Ordensschwestern
der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" hier.
Gottesdienste dürfen wir nur in acht von insgesamt 40 Pfarrgemeinden
dieser Region (darin eingeschlossen auch einige des Erzbistums Vrhbosna
(Sarajevo)), wo sich nach unseren Informationen Katholiken befinden,
abhalten. Auch in den fünf griechischkatholischen Gemeinden halten
fünf griechischkatholische Geistliche, die fünf, die es hier gibt,
Gottesdienste ab.
2. Ich bedaure, sagen zu müssen, daß die Tätigkeit der katholischen
Kirche in unserem Raum systematisch lahmgelegt wird. Abgesehen
davon, daß viele unserer kirchlichen Gebäude zerstört sind, unsere
Bevölkerung vertrieben wurde und die übriggebliebenen kirchlichen
Gebäude verwüstet, vernichtet und gewaltsam enteignet wurden, wird
den Geistlichen nicht gestattet, die verbliebenen Gläubigen aufzusuchen,
und den Gläubigen wird nicht erlaubt, sich zum Sonntagsgottesdienst
zu versammeln, nicht einmal auf Friedhöfen. Wohin diese ausgeprägt
antireligiöse Haltung der derzeitigen staatlichen Stellen führen
wird, weiß ich nicht, aber meine Erfahrung sagt mir, daß sie zu
nichts Gutem führt! Wäre denn auf einer höheren zwischenkirchlichen
oder politischen Ebene wirklich nichts zu machen, damit erreicht
wird, daß für uns hier wenigstens die menschlichen Grundrechte einschließlich
der uns als religiöser und ethnischer Gruppe zustehenden Rechte
bzw. Minderheitsrechte geschützt sind?!
3. Einen der Geistlichen meines Bistums, Tomislav Matanoviæ, Pfarrer
in Prijedor, hat die Polizei bereits vor anderthalb Monaten aus
seinem Pfarrbüro abgeführt, wobei er zuerst in seinem Elternhaus
unter Hausarrest gestellt und danach zusammen mit seinen Eltern
am 19. September d. J. fortgeschafft wurde, ohne daß bekannt wäre,
wohin man diese Menschen gebracht hat. Alle meine Bemühungen bei
den örtlichen Behörden und beim IRK, mit denen ich die Freilassung
des Geistlichen, der ein völlig unschuldiger Mensch ist, erreichen
wollte, sind bislang fruchtlos gewesen! Könnte der Heilige Stuhl
über unsere Nuntiatur irgendwelche Schritte bei den serbischen Behörden
bzw. Politikern unternehmen, damit unser Geistlicher so bald wie
möglich auf freien Fuß kommt? Sind denn nicht schon viel zu viele
unserer Geistlichen, bei denen es sich um völlig unschuldige Menschen
handelte, mißhandelt und getötet worden? Vor kurzem, am 15. September,
wurde der Pfarrer der Gemeinde ©imiæi, Hochw. Pero Èoliæ, auf dem
Weg zu seinen verbliebenen Gläubigen von einem Scharfschützen am
Kopf getroffen. Nur durch ein göttliches Wunder ist er am Leben
geblieben! Dies ist wohlgemerkt die Wirklichkeit, in der wir leben;
tagtäglich sind wir den Hieben des Bösen und der Ungerechtigkeit
ausgeliefert! Wir danken Gott, daß er uns bei der Verfolgung unseres
entschlossenen Vorsalzes, gerade hier, wo Haß und Unrecht herrschen,
Tag für Tag den Geist der Liebe und das göttliche Gesetz der Gerechtigkeit
und der Vergebung zu verkünden und vorzuleben, Kraft verleiht.
4. Wir haben Informationen bekommen, die allerdings inoffiziell
sind, wonach geplant sein soll, demnächst auch unsere noch verbliebene
katholische Bevölkerung aus dem Gebiet auszuweisen, das der Verwaltung
der bosnischen Serben unterstellt wird. Wir können nicht glauben,
daß dies auch wirklich geschehen wird und daß die verantwortlichen
internationalen politischen und humanitären Personen dazu ihre
Zustimmung erteilen würden. Das Recht auf das eigene Heim und auf
die Heimat, d.h. auch die Möglichkeit der Rückkehr aller Vertriebenen
und Flüchtlinge, müßte in allen internationalen Vereinbarungen über
die Zukunft unseres gequälten Landes unbedingt verankert werden!
In jedem Falle will ich persönlich als in Banja Luka Gebürtiger
und als jetziger katholischer Bischof von Banja Luka in dieser Stadt
bleiben, es sei denn, daß der Heilige Vater etwas anderes beschließt
oder daß ich durch Gewalt und Gesetzlosigkeit zum Aufgeben gezwungen
würde! Heute sind es schon 157 Tage, seit ich - als Bürger dieser
Stadt - unter Hausarrest stehe. Während dieser ganzen Zeit habe
ich mein Haus und den Hof des Hauses und der Kathedrale nicht verlassen,
mit einer einzigen Ausnahme, als ich beim Besuch des Apostolischen
Nuntius Msgr. Francesco Monterisi ein paar Schritte weit durch den
benachbarten Garten zum orthodoxen Bischof ging. Nur Gott weiß,
wie schwer mir wegen dieser zwangsweisen Behinderung, die mich
von der Ausübung meines Amtes als Bischof im Bereich meiner übriggebliebenen
Pfarrgemeinden abhält, zumute ist! Falls es jedoch Gottes Wille
ist, daß ich auch auf diese Weise - als Leidender - zu Frieden
und Aussöhnung beitrage, nehme ich dies gerne auf mich! Anderenfalls,
glaube ich, würde sich der Heilige Stuhl bei den serbischen Behörden
für mich verwenden, damit mir die Bewegungsfreiheit und die ungehinderte
Ausübung meines Bischofsamts in allen Pfarrgemeinden, in denen keine
bewaffneten Auseinandersetzungen stattfinden, ermöglicht und garantiert
werden.
5. Obwohl wir bereits über lange Zeit Tage und Nächte durchleben,
die zunehmend schlimmer werden, beharren wir im Glauben und in der
Hoffnung, daß unser gütiger Gott uns schützt und uns hier auch weiter
beschützen und als Sein Werkzeug gebrauchen will. Es ist mit Gewißheit
ein Geschenk. Gottes, daß wir bisher hier bleiben konnten und daß
wir dabei niemandem getrotzt, sondern der Kirche und im Namen der
Kirche allen unseren Nachbarn gedient haben. Wir spüren die Unterstützung
sowohl des Heiligen Vaters als auch des Heiligen Stuhls und die
vieler anderer Brüder und Schwestern in der ganzen Welt, die uns
mit ihren Gebeten helfen, damit wir mit dem Licht des Evangeliums
Christi vor Augen in dieser schrecklichen Finsternis des Bösen,
der Gesetzlosigkeit und der Sünde durchhalten und damit wir nicht
selbst von dieser verderbenbringenden Finsternis übermannt werden!
Wir sind überzeugt, Eure Eminenz, daß die Worte Ihres letzten Briefes,
"unser Gott bleibt immer der Herrscher der Geschichte, der
es vermag, Machthaber zu demütigen und Gedemütigte zu erhöhen,
sogar in einem Augenblick, da man dies nicht erwartet", zur
Realität werden.
Nehmen Sie auch diesmal den Ausdruck meiner ergebensten Hochachtung
entgegen!
In Christo, unserem Guten Hirten, Ihr
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

ICH
STEHE WEITERHIN UNTER HAUSARREST
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. R,
Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 138/95 vom 07. Oktober 1995)
Eure
Exzellenz,
ich darf Ihnen hiermit die neuesten Informationen zu unserer derzeitigen
Lage übermitteln und Sie gleichzeitig um Weiterleitung meiner Antwort
auf den Brief Seiner Eminenz Kardinal Sodano vom 05. September d.
J. bitten, der uns durch Ihre Vermittlung zugegangen ist und über
den wir uns sehr gefreut haben.
1. Wir sind noch immer auf unseren Plätzen: außer mir und vier Geistlichen
sowie einem Klostervorsteher befinden sich mit mir in diesem Hause
noch ein Rentner, zwei Ordensschwestern, 14 vertriebene Katholiken,
drei Muslime und eine Frau orthodoxen Glaubens. Vier Franziskaner,
die ihre Pfarreien in der Umgebung von Banja Luka verlassen haben,
befinden sich im Kloster "Nazareth", wo sich außerdem
noch fünf Ordensschwestern und einige unserer katholischen Vertriebenen
aufhalten. Fünf Trappisten sind in ihrem Kloster "Marija Zvijezda".
Es kann sein, daß sich noch immer Pfarrer mit zurückgebliebenen
Gläubigen in Ivanjska am Rand von Banja Luka sowie in Bosanska Gradi¹ka
und in Prnjavor aufhalten. Ein Pfarrer aus Prijedor, Tomislav Matanoviæ,
der ebenfalls hei seinen Pfarrkindern geblieben war, wurde zuerst
im elterlichen Haus unter Hausarrest gestellt und dann, soweit wir
in Erfahrung bringen konnten, am 19. September zusammen mit seinen
Eltern an einen unbekannten Ort verbracht. Alle meine Bemühungen,
ihn freizubekommen, waren leider fruchtlos. Könnten Sie vielleicht
auf offiziellem Wege im Namen des Heiligen Stuhls serbische oder
kroatische Politiker ersuchen, für eine möglichst baldige Freilassung
unseres Geistlichen zu sorgen, denn er ist völlig unschuldig und
hat allen, besonders den vor Ort lebenden Serben, geholfen!?
2. Nach dem gewaltsam erzwungenen Weggang unserer Pfarrer aus einigen
unserer Pfarreien wurden die übriggebliebenen kirchlichen Gebäude
konfisziert (Motike, Kotor Varo¹, Bud¾ak-Dervi¹i, Kula¹i, Dolina
und ©imiæi) oder verwüstet (Barlovci, Dragalovci, Vrbanjci, Dolina
- das Pfarrhaus, ©imiæi - die Kirche, Mrkonjiæ Grad - das Pfarrhaus)
und hinsichtlich des gesamten Dekanats von Prijedor sind wir ohne
jede Nachricht, da wir keinen Zugang haben. Jetzt verlangt man von
uns, daß wir in unseren beiden übriggebliebenen Klöstern "Nazareth"
und "Marija Zvijezda" Flüchtlinge unterbringen. Ob dies
auch bedeutet, daß uns der zwangsweise Auszug aus diesen einzigen
verbliebenen kirchlichen Gebäuden bevorsteht, wissen wir nicht!
3. Vor 20 Tagen haben die örtlichen Behörden in Banja Luka bei unserer
bischöflichen Caritas die zwei einzigen Lkws mit den Anhängern beschlagnahmt.
Der Caritas ist nach wie vor jede Möglichkeit genommen, gespendete
Lebensmittel oder andere humanitäre Hilfssendungen zu bringen.
Wir hängen ganz und gar von Hilfe ab, die vom UNHCR oder IRK kommen
kann, aber wenn die, die hier ihre Büros haben, uns etwas liefern,
können wir es an unsere völlig von uns abhängenden Gläubigen, jedoch
auch an andere, die tagtäglich Hilfe brauchen, verteilen. Selbstverständlich
helfen wir unterschiedslos allen, soviel wir nur können! Es ist
nicht auszudenken, was für ein Glück es wäre, wenn wir allen, die
sich an uns wenden, mehr helfen könnten.
4. Da ich persönlich weiterhin unter Hausarrest stehe und den Hof
meines Hauses und der Kathedrale nicht verlassen, geschweige denn
mich nach Zagreb oder weiter weg begeben kann, bedaure ich, dem
väterlichen Ruf des Heiligen Vaters zu dem am Dienstag, dem 17.
Oktober d. J. stattfindenden Treffen aller Diözesanbischöfe des
Gebiets des früheren Jugoslawien, von dem ich dieser Tage durch
Eure Exzellenz unterrichtet wurde, nicht persönlich Folge leisten
zu können. Ich habe bereits meinen Generalvikar, Dr. Ante Orlovac,
der während der Zeit der Deportation unserer Gläubigen mit der letzten
Gruppe von Geistlichen nach Zagreb gegangen war, gebeten, mich
bei dieser wichtigen Zusammenkunft zu vertreten. Ich kann Sie nur
im Gebet begleiten und mich auf den ersehnten gerechten Frieden
für alle gequälten Menschen und Völker unserer geschundenen Heimat
freuen. Unsere Bereitschaft, auch in Zukunft trotz der vielen von
uns erduldeten Bedrängnisse und Ungerechtigkeiten in unseren jahrhundertealten
Pfarrgemeinden und da, wo wir zu Hause sind, zu bleiben und allen
unseren Nachbarn zu zeigen, daß wir friedfertig sind und sie achten,
ist Ihnen persönlich hinlänglich bekannt. Wir haben auch bisher
gezeigt, daß wir mit allen in Frieden und Achtung leben können.
Wir verlangen nur, daß man dies auch uns ermöglicht. Daß man uns
erlaubt, in Frieden zu leben und uns die menschlichen und bürgerlichen
Rechte und Freiheiten einschließlich der religiösen und ethnischen
Rechte bzw. Minderheitsrechte zugesteht. Dies müßte sowieso allen
Menschen und nationalen und religiösen Gruppen garantiert werden,
und es müßte eine entsprechende Kontrolle durch internationale Mechanismen
erfolgen.
5. Ich möchte Ihnen, liebe, sehr verehrte Exzellenz, meinen tiefempfundenen
Dank für die herzlichen Glückwünsche zum Namenstag sagen. Ich danke
Ihnen für Ihre Gebete für alle Angehörigen meines gequälten Bistums
und Ihre hochherzigen Wünsche, daß "der Kreuzweg meines Bistum
sehr bald enden möge, damit, es wieder in Frieden leben und sich
zum Ruhme Gottes und zum Wühle aller Menschen entwickeln kann".
Möge der Herr Ihre Gebete und Wünsche erhören! Ich verbleibe auch
diesmal - zugleich im Namen aller geistlichen Mitbrüder und Ordensleute
und der Schar der übrigen Gläubigen - mit dem Ausdruck meiner von
Herzen kommenden Dankbarkeit in Christo, unserem Retter, Ihr
+
Franjo Komarica

NOCH
IMMER STEHEN WIR BEHARRLICH ZU UNSERER ENTSCHEIDUNG, HIER ZU BLEIBEN
Brief des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 158/95 vom 03. November 1995)
Eure
Eminenz,
hochgeschätzter teurer Vater Erzbischof,
im letzten Moment kam mir zu Ohren, daß eine Möglichkeit besteht,
Ihnen wenigstens ein paar Zeilen über unsere derzeitige Lage zu
schreiben.
Zunächst möchte ich Ihnen für Ihre stetige echte Fürsorge und Ihr
Eintreten für dieses durch uns repräsentierte "letzte Überbleibsel"
des Katholizismus in der Region Banja Luka herzlich danken. Jede
zu uns durchdringende Nachricht, die besagt, daß jemand für uns
eintritt, daß jemand sich konkret einsetzt, damit unsere Agonie
so bald wie möglich ein Ende findet und eine Zeit des Respekts gegenüber
Gott und den Mitmenschen eintritt, ist für uns sehr tröstlich.
Ich kann nur wiederholen, was ich Ihnen auch früher bereits berichtet
habe, nämlich, daß unsere Gläubigen - und davon können wir uns täglich
überzeugen - noch immer beharrlich zu der Entscheidung stehen,
hier zu bleiben, jedoch nicht mit Haß oder dem Wunsch nach irgendeiner
Rache im Herzen - was Gott verhüten möge -, sondern mit der Bereitschaft,
zu vergeben und über die vielen Ungerechtigkeiten und Greuel, die
sie ertragen haben und noch immer Tag für Tag ertragen, hinwegzusehen.
Wir bleiben standhaft im gemeinsamen Gebet und in der Hoffnung,
daß die göttliche Güte gewiß die Kräfte der Finsternis, des Bösen
und der Zerstörung überwinden wird und daß der Geist der Liebe und
der Vergebung und das Leben letztendlich siegen werden. Bisher sind
wir beharrlich unserem Wunsch treugeblieben, als Katholiken einen
konstruktiven Beitrag zu einem erstrebenswerten Zusammenleben mit
anderen, die die Vorsehung unsere Mitmenschen werden ließ, zu leisten.
Wir haben unseren Nachbarn und der ganzen Welt gezeigt, daß wir
willens und imstande sind, andere mit ihren spezifischen Eigenheiten
und ihrer Verschiedenartigkeit anzunehmen, und daß wir sogar fähig
sind, ihnen auch ihren Egoismus und ihre gesellschaftliche Absonderung
zu verzeihen. Von den anderen erwarten wir, daß sie uns wenigstens
als Menschen annehmen.
Vor einer Woche hat mich zum ersten Male Herr Nikola Koljeviæ, der
stellvertretende Präsident der RS, angerufen. Bei dem mit ihm geführten
Gespräch habe ich ihn unter anderem gefragt: "Was mangelt
noch in unserem Verhalten Ihnen gegenüber, und was hätten wir für
Sie z« tun versäumt, daß Sie uns noch immer nicht als Menschen
betrachten, mit denen sich leben läßt und mit denen zu leben sogar
wünschenswert ist?" Er sagte mir, daß er hoffe, daß nach den
Verhandlungen in Amerika bessere Zeiten eintreten. Gott allein weiß,
was die Mächtigen der Welt (und unsere hier) vorbereiten! Überlassen
wir die Dinge dem Willen Gottes! Wie auch bisher bin ich überzeugt,
und ich sage es immer wieder von neuem, daß Gott durch seine Kirche
auch zukünftig ein "Wohnrecht" sowohl in Banja Luka als
auch in dieser ganzen Region gebührt, einer Region, wo es schon
lange vor der Ankunft der Kroaten, bereits seit dem 4. Jahrhundert,
Christen gegeben hat.
Die Lage ist immer noch unverändert, d.h. auch jetzt werden die
Unseren tagtäglich aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben, im
wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gejagt. Die Herrschaft
der Gesetzlosigkeit und das Recht des Stärkeren bestehen nach wie
vor weiter, dies zeigt sich in Taten, nicht nur in Banja Luka, sondern
auch im Gebiet von Kotor Varo¹, wo es einige Fälle von Totschlag
und schweren Verletzungen gegeben hat, von psychischer Angst und
Traumen ganz zu schweigen. Ich weiß mit völliger Gewißheit, daß
die derzeitigen Behörden - die der örtlichen und die der höheren
Ebene - dahinterstehen und daß alles mit Wissen oder unter der Leitung
der Sicherheitsorgane geschieht. Uns geht es tatsächlich wie Mäusen
Inder Pfote einer grimmigen Katze, die auf äußerst grausame Weise
mit ihnen spielt. Es ist nicht möglich, auch nur einen kleinen Bruchteil
unseres Alltags mit wenigen Worten zu beschreiben. Besonders leid
tun mir unsere armen Gläubigen, die den Kirchgang in die einzige
übriggebliebene Kirche, hier bei uns in die Kathedrale, wagen und
denen man regelmäßig folgt, wie während der schlimmsten UDBA - Zeiten.
Wenn sie dann wieder nach Hause kommen, nimmt man sie, weil sie
in der Kirche waren, in Empfang und verprügelt sie oder wirft sie
aus der Wohnung. Nur weil sie Katholiken sind - sie müssen nicht
unbedingt Kroaten sein - sind sie Zielscheiben (...)
Bei den härtesten und schwersten Fällen versuchen wir, für eine
Unterbringung zu sorgen, aber es sind so viele, daß unsere Möglichkeilen
nicht ausreichen. Wie Sie wissen, haben die Serben den größten
Teil (fünfzehn) unserer kirchlichen Gebäude, der Klöster und der
25 Gebäude umfassenden Seelsorgezentren gewaltsam konfisziert,
wobei sie in die einen ihre Leute einquartierten und die anderen
ausplünderten und zerstörten. In der letzten Zeit wurden an die
zehn kirchliche Wohngebäude vernichtet, und wir haben einige unserer
Gebäude, die wir unter dem Druck der Gewalt hatten aufgeben müssen,
auf der Basis einer Vereinbarung serbischen Flüchtlingen zur Verfügung
gestellt, in der Hoffnung, diese Gebäude so erhallen zu können.
In einem kürzlich erfolgten Gespräch mit einem Vertreter der Behörden
(nachdem sechs Monate ohne jeden Kontakt mit ihnen vergangen waren)
erwähnte ich das Problem der widerrechtlich konfiszierten kirchlichen
Gebäude. Der Betreffende sagte mir, daß diese Frage zusammen mit
der der enteigneten bzw. verlassenen kirchlichen Gebäude der serbisch-orthodoxen
Kirche im von den Kroaten kontrollierten Gebiet geregelt werde!?
So vergilt man uns, wie Sie sehen, unsere Friedfertigkeit. Man stellt
uns mit denen auf ei ne Stufe, die viele andere ihrer Nachbarn -
Kroaten -verjagt und deren Heiligtümer und Besitz zerstört haben.
Ich bin froh, daß unsere Kirche beharrlich auf dem Schutz des Eigentums
der in Kroatien und in Herceg-Bosna lebenden serbischen Bürger und
namentlich ihrer sakralen Gebäude besteht. Möge dies so bleiben.
(...)
Ich sage Ihnen, verehrte Eminenz, nochmals von ganzem Herzen Dank
für alles, was Sie für uns tun! Der Herr möge es Ihnen vergelten!
Er sei durch Ihren Dienst an der Wahrheit gepriesen!
+
Franjo, Bischof von Banja Luka

SETZEN
SIE SICH DAFÜR EIN, DASS DIE BEVÖLKERUNG DER REGION BANJA LUKA DIE
DRINGEND BENÖTIGTE ELEKTRISCHE ENERGIE ERHÄLT
Brief des Bischofs an den Zagreber Erzbischof, Franjo Kardinal Kuhariæ
(Prot. Nr. Präs. 1599/95 vom 04. November 1995)
Eure
Eminenz,
gestatten Sie mir, daß ich mich an Sie wende, um Sie um Ihre geschätzte
Vermittlung zu bitten, sofern dies irgendwie möglich ist. Heute
haben mich im Bischöflichen Ordinariat offizielle Vertreter der
Behörden der RS aufgesucht. In einem offenen Gespräch Über die hiesigen
aktuellen Probleme baten sie, mich an Sie als die einflußreichste
Person der katholischen Kirche in der Republik Kroatien zu wenden
und Sie zu bitten, bei den zuständigen Behörden der Republik Kroatien
wegen eines unser gesamtes Gebiet, d.h. die gesamte hiesige Bevölkerung
betreffenden, sehr dringenden Problems zu intervenieren. Es handelt
sich um die Frage der Möglichkeit des Bezugs von Elektrizität vom
zwischen Banja Luka und Jajce gelegenen Wasserkraftwerk Boèac. Im
Zusammenhang mit den aktuellen Gesprächen in Amerika, bei denen
es, wie man mir sagte, auch um die Überlassung elektrischer Energie
als dringend notwendige humanitäre Hilfe für die Bevölkerung geht,
appellieren meine heutigen Gesprächspartner an mich und an Sie
als einflußreiche (!?) Vertreter der Kirche, damit Sie bei den Vertretern
der Regierung der Republik Kroatien so schnell wie möglich das entsprechende
wünschenswerte und notwendige Treffen der beiden politischen Delegationen
in die Wege leiten und diese sich daranmachen, eine für beide Seiten
zufriedenstellende Lösung des genannten Problems wie auch der anderen
aktuellen Probleme herbeizuführen.
Eure Eminenz weiß um meine entschiedene, grundsätzliche Bereitschaft,
zu helfen, wo immer ich kann und soviel ich kann, und zwar im Geiste
des Gebotes Christi (Lk 6, 27), d.h. unterschiedslos allen, und
Unheil und Unglück, soweit es mir möglich ist, einzudämmen und auf
diese Weise so gering wie möglich zu halten. Dies habe ich auch
gegenüber meinen geehrten Gesprächspartnern geäußert, nachdem ich
ihnen versprochen halte, Ihnen sofort zu schreiben und Sie persönlich
und über Sie auch die zuständigen Politiker in Zagreb zu bitten,
uns und allen Menschen dieser Region, die Hilfe brauchen, zu helfen.
Die Lage ist hier gerade wegen des Strommangels zusätzlich dramatisch.
Es handelt sich nicht nur darum, daß wir alle im Dunkeln sitzen;
vielmehr leiden besonders Kinder, Kranke und Alte.
Als ich meinen Gesprächspartnern die nicht beneidenswerte Lage der
in diesem Gebiet verbliebenen kleinen Anzahl von kroatischen und
anderen Katholiken darlegte und sie informierte, daß zwei meiner
Geistlichen, Hochw. Ratko Grgiæ, der Pfarrer von Nova Topola, der
bereits im Juni 1992 (!) verschwunden ist, und Hochw. Tomislav Matanoviæ,
der Pfarrer von Prijedor, der im August 1995 verschwunden ist, in
unbekannte Richtung entführt worden sind, gaben sie mir die teste
Zusage, daß sie alles unternehmen werden, damit die beiden Fälle
so rasch wie möglich aufgeklärt werden und die Lage der in unserem
Gebiet verbliebenen Katholiken hinsichtlich der Sicherheit und ganz
allgemein besser wird.
In der Erwartung, daß meine Gesprächspartner ihre Versprechen auch
wirklich in die Tat umsetzen, bitte ich Sie nochmals, sich bei den
zuständigen Persönlichkeiten zu verwenden, damit der Prozeß des
Abklingens der kriegerischen Zusammenstöße und der Aussöhnung auch
zwischen den Politikern, den Vertretern sowohl des kroatischen als
auch des serbischen Volkes, so bald wie möglich und auch auf dieser
konkreten Ebene (und nicht nur mit der Hilfe der Amerikaner und
auf deren Boden) in Gang kommt.
Eure Eminenz weiß sehr wohl, daß wir hier den Geist der Gewaltlosigkeit.
beharrlicher Friedfertigkeit und christlicher Liebe gegenüber allen
verbreitet haben, und trotz alledem sind wir stets Opfer. Dürfen
wir endlich - außer auf die göttliche, die uns auch bisher gewährt
wurde - auch auf die menschliche Barmherzigkeit hoffen? Die Hoffnung
hat uns noch nicht völlig verlassen!
Ich danke Ihnen im voraus aufrichtig für Ihre Unterstützung auch
in dieser Angelegenheil!
Mit dem Ausdruck meiner Hochachtung verbleibe ich, Ihr in unserem
Herrn Jesus, unserem guten Hirten, ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Übermittelt
an:
den Stellvertretenden Präsidenten der RS, Prof. Dr. Nikola Koljeviæ

MEIN
BISTUM IST AUF DIE "RELIQUIAE RELIQUIARUM" REDUZIERT
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. F.
Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 167/95 vom 11. November 1995)
Hochwürdigster
Apostolischer Nuntius,
wieder melde ich mich mit den neuesten Nachrichten vom Sitz meines
Bistums, das leider auf die "Reliquiae reliquiarum" reduziert
ist. Ich hoffe, daß Sie mit der gütigen Unterstützung der ehrwürdigen
Apostolischen Nuntiatur in Belgrad auch einige meiner Schreiben
und Mitteilungen, die ich an dieselbe gerichtet hatte, zur Kenntnis
nehmen konnten.
1. Auch weiterhin werden unsere verbliebenen Gläubigen leider tagtäglich
systematisch und unter schweren körperlichen und psychischen Quälereien
aus ihren Wohnungen und Häusern in Banja Luka und Kotor Varo¹ gejagt.
Auch diese Woche ist einer unserer älteren verdienstvollen Gläubigen
aus der Stadtmitte von Banja Luka (I.S. Jahrgang 1912) seinen schweren
Verletzungen erlegen, und einige Opfer kamen mit schweren Verletzungen
ins Krankenhaus. Hier herrscht noch immer das Recht des Stärkeren,
und wir haben nicht einmal das Recht, uns zu beschweren! Wenn wir
das tun, wird es für uns nur noch schlimmer! Das, was völlig unschuldigen
und friedfertigen Menschen unserer Stadt (und unserer Gegend) unaufhörlich
angetan wird, übersteigt wahrhaftig alle Grenzen sadistischen Auslebens
niedriger Instinkte! Die bedauernswerten Menschen tun mir leid,
aber ich kann ihnen nicht viel helfen! Was könnte man nur tun?
2. In den vergangenen zwei Wochen haben mich zweimal Vertreter öffentlicher
Stellen der RS aufgesucht. Es ging um die Möglichkeit der Unterbringung
von Vertriebenen und Verfolgten aus Banja Luka und anderen Gemeinden
in den verbliebenen Räumlichkeiten unserer drei einzigen Gebäude,
in meinem Hause und in zwei übriggebliebenen Klöstern in Banja Luka.
Ich habe von diesen Behördenvertretern den nötigen Schutz für diese
Häuser und die darin unterzubringenden Menschen verlangt. In meinem
Hause habe ich bereits 22 Vertriebene, und ich mußte zwei Zimmer
unserer Ambulanz freimachen und sie diesen bedauernswerten Menschen
zur Verfügung stellen. In den zwei Klöstern sind momentan 25 geflüchtete
Gläubige, hauptsächlich Menschen aus den Pfarrgemeinden Sasina und
Sanski Most, untergebracht. Es gibt noch viele unversorgte Vertriebene
aus unseren Reihen, die mit dem Problem der Unterbringung in unterschiedlichster
Weise zu Rande kommen, und wir helfen ihnen, so gut wir können,
mit Lebensmitteln und Kleidung (...) In den vergangenen Tagen wurde
eine Gruppe von 184 unserer Gläubigen "ausgelauscht" und
hat sich nach Süden, in das Gebiet von Herceg-Bosna, begeben, und
einige Dutzend von ihnen sind über die Sava in die Republik Kroatien
gegangen. Wir wissen von einer größeren Anzahl Menschen, die momentan
obdachlos sind, und diese müßten die Möglichkeit erhalten, entweder
in ihre Häuser zurückzukehren oder sich an irgendeinen Ort zu begeben,
wo für sie das Existenzminimum gewährleistet wäre. Wer könnte ihnen
in dieser Situation helfen, wenn sich alle zuständigen Einrichtungen,
sowohl die politischen als auch die staatlichen und humanitären,
taub stellen?
3. Bei den erwähnten Gesprächen mit Vertretern öffentlicher Stellen
der RS haben diese mich unter anderem gebeten, über Kardinal Kuhariæ
in Zagreb bei den Behörden der Republik Kroatien zu intervenieren,
damit Banja Luka und dieses ganze Gebiet humanitäre Hilfe in Form
von Stromlieferungen erhält. Ich habe dies gern getan und gleichzeitig
meine Gesprächspartner gebeten, daß sie ihrerseits uns hier ein
menschenwürdiges Leben ermöglichen. Insbesondere habe ich von ihnen
(zum wer weiß wievielten Male!) verlangt, daß man unseren ohne jedes
Gerichtsverfahren bzw. Urteil inhaftierten Pfarrer Hochw. Tomislav
Matanoviæ aus Prijedor freiläßt. Gleichzeitig habe ich verlangt,
daß man uns endlich mitteilt, wo sich unser vor langer Zeit entführter
Pfarrer Hochw. Ratko Grgiæ aus Nova Topola befindet und wie es um
ihn steht. Meine Gesprächspartner haben versprochen, alles zu unternehmen,
was sie können, jedoch hat sich diesbezüglich noch nichts ergeben!
4. Vor drei Tagen (am 08. November d. J.) mußten unsere Ordensschwestern
der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove" auf Anordnung
des Zivilschutzes der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka ihr dortiges (l
898 gegründetes) Kloster St. Anton verlassen. Sie durften nur ihre
persönlichen Sachen mitnehmen. Jetzt sind sie bei mir, und in den
Räumen ihres Klosters soll Militär einquartiert werden. Die Behörden
haben bezüglich dieser Frage (der gewaltsamen Konfiszierung des
Klosters) weder mit mir noch mit der Verwaltung dieser Ordensgemeinschaft
gesprochen.
5. Gestern hat mich der für Menschenrechte zuständige Sonderbotschafter
der US-Regierung, der stell vertretende Außenminister John Shattuck,
zu Hause besucht. In einem zwanzigminütigen Gespräch ließ er mich
wissen, daß man über uns im Bilde sei und uns unbedingt bei unseren
friedlichen Bemühungen und unserem Eintreten für die grundlegenden
menschlichen und bürgerlichen Freiheiten unterstützen wolle. Er
betonte ausdrücklich, daß "auch der Bischof und alle seine
Gläubigen hier bleiben müssen" und "allen gewaltsam Vertriebenen
die Rückkehr und das Leben ermöglicht werden muß - nicht als Sklaven,
sondern als Menschen". - Gebe Gott, daß dies auch Wirklichkeit
wird!
6. Lassen Sie mich Ihnen, Eure Exzellenz, nochmals meinen tiefempfundenen
Dank für Ihre ständige Sorge um uns alle, die zum Bistum Banja Luka
gehörenden Menschen, sagen. Ich möchte über Sie auch Seiner Heiligkeit
Johannes Paul II. sowie allen Persönlichkeiten beim Heiligen Stuhl,
denen wir am Herzen liegen und die für uns beten und uns unablässig
ermutigen, trotz der derzeitigen Heimsuchungen nicht nachzugeben,
sondern auch weiterhin standhaft das Unrecht zu ertragen, um Vergebung
und Versöhnung bemüht zu sein und danach zu streben, daß das Reich
Christi in diesem Gebiet nicht vernichtet wird, von ganzem Herzen
danken! "Viribus unitis" - gemeinsam und mit Gott, wird
uns dies sicher auch gelingen! Gepriesen sei Gott, jetzt und immerdar!
- Ich verbleibe auch diesmal mit dem Ausdruck meiner Hochachtung.
Ihr in Christo ergebener
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

DANK
SEI UNSEREN "WEISSEN SCHWESTERN"
Sehreiben des Bischofs an die Generaloberin der Ordensgemeinschaft
"Hl. Vinzenz von Paul", Schw. A. T. ©utra
(Prot. Nr. Präs. 170/95 vom 13. November 1995)
Sehr
geehrte würdige Mutter Agneta,
soeben habe ich erfahren, daß Sie sich auf die Reise begeben haben,
um Ihre gütigen, um die Kirche in der Diaspora verdienten Schwestern
zu besuchen. Ich nutze diese Gelegenheit, um Sie wenigstens auf
diese Weise "zu erreichen".
Da leider die Verbindungen und Wege zwischen uns und Ihnen noch
immer sehr erschwert, fast unmöglich sind, ist es mir nicht gelungen,
Ihnen früher zu schreiben. In jedem Falle möchte ich nochmals von
ganzem Herzen danken, Ihnen persönlich und unseren lieben "weißen
Schwestern", die hier "bis zum Letzten" bei uns waren
und uns dann verlassen haben - körperlich, aber, wie ich glaube,
nicht im Geiste. Ich weiß, daß Sie persönlich und Ihre ganze Ordensgemeinschaft
uns nicht vergessen, besonders nicht im Angesicht des Herrn. Wie
könnten Sie auch, wo doch hier bei uns in dieser unserer Zeit unsere
unvergeßliche und gütige Schwester Cäcilia, eine wahrhaftige Märtyrerin
der Liebe und Aufopferung, ihre Treue zu Christus und seiner Kirche
durch den Dienst in Ihrer Ordensgemeinschaft sogar mit dem eigenen
Blut bezeugt hat! - Ihr Opfer ist für uns alle Heiligtum und Verpflichtung!
Ihre Gestalt und ihr Werk darf nicht dem Vergessen preisgegeben
werden! - Ich bin überzeugt, daß aus ihrem unschuldigen, für Christus
gegebenen Opfer, sowohl für die Ordensgemeinschaft, die sie "geboren
hat", wie auch für die Kirche, der sie gedient und für die
sie sich geopfert hat, kostbare geistige Früchte sprießen werden!
- Es werden, wenn es des Herrn Wille ist, bald Zeiten kommen, wo
wir all das nachholen können, was wir der lieben verstorbenen Märtyrerin
(und unseren Pfarrern - Märtyrern) schuldig sind.
Bis dorthin beharren wir in Glaube, Hoffnung und Liebe zum Herrn
und zu den Menschenbildern! - Darin leisten besondere, für uns kostbare
Unterstützung gerade Ihre wundervollen Schwestern hier, wo Sie
sich jetzt befinden! Gott möge es ihnen hundertfach vergelten! Wir
können es ihnen nicht ausreichend danken!
Ihr hiesiges Haus-Kloster steht wie es steht. Es sind jene Menschen
darin - wielange dies so bleibt weiß nur Gott allein. Wenn
es zu irgenwelchen Parteiänderungen oder ähnlichem kommt, werde
ich mich bemühen, Ihnen dies in jedem Falle zu melden.
Ich bitte Sie, alle lieben Schwestern Ihrer Ordensgemeinschaft,
besonders die dort, sowie auch jene, die hier bei uns waren, sehr
zu grüßen! Indem ich mich, wie auch alle anderen um mich, auch weiterhin
Ihren heiligen Gebeten und Opfern anempfehle, grüße ich Sie persönlich
von ganzem Herzen!
Im Herrn ergeben
+
Franjo, Bischof

ALLE
HABEN UNS DER UNGNADE VON TYRANNEN UND GESETZLOSEN ÜBERLASSEN!
Brief des Bischofs an den Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), V.
Kardinal Puljiæ
(Port. Nr. Präs. 177/95 vom 17. November 1995)
Eure
Eminenz, lieber Bruder im Bischofsamt,
ich habe (per Fax) von Dir einige Schreiben erhalten: vom 29. und
31. Oktober sowie Nr. 190, 191 und 192, alle vom 08. November d.
J. Ich bedanke mich und nehme alles zur Kenntnis. Ich wünsche für
alle in diesen Schreiben genannten Projekte und Vorhaben, daß sie
auch bestmöglich gelingen, d.h. Gott zum Ruhm gereichen und der
Seelenrettung dienen!
Ich nutze diese Gelegenheit, um Dich kurz über unsere derzeitige
Lage zu informieren. Sie hat sich leider nicht zum Besseren verändert.
Auch weiterhin verfolgt man die wenigen Menschen, die von uns übriggeblieben
sind, wobei man sie körperlich (und insbesondere seelisch) quält.
Infolge solch bestialischer Mißhandlungen ist dieser Tage der auch
Dir bekannte Ratsherr und vorbildliche Christ, Herr Skoèibu¹iæ,
gestorben. Viele unserer Leute, die schwer verletzt wurden, befinden
sich in ärztlicher Behandlung! Möge Gott sich erbarmen.
Unsere drei Häuser sind voll mit unseren Verfolgten und Flüchtlingen,
teils hiesige, teils aus dem Gebiet von Sanski Most und Sasina.
Es ist zu wenig Platz da, um alle unterzubringen, die kein Dach
über dem Kopf haben! Dabei kümmert sich niemand wirklich um diese
bedauernswerten Menschen; weder die hiesigen Behörden noch die Politiker
des kroatischen Volkes tun etwas! Man quält uns wahrhaft sadistisch!
Alle haben uns der Ungnade von Tyrannen und Gesetzlosen überlassen!
Möge Gott sich unser erbarmen!
Vor einer Woche wurden Ordensschwestern aus ihrem Haus in Bosanska
Gradi¹ka vertrieben.
Deinen Nachfolger haben vor drei Tagen erneut bewaffnete Uniformierte
in dessen eigenem Haus überfallen, sie haben ihn mißhandelt und
ihm das Auto weggenommen.
Bezüglich des Pfarrers T. Matanoviæ besagt die jüngste "amtliche"
Nachricht, daß er am 10. Oktober d. J. über Tesliæ (!) die RS verlassen
habe! Davon ist niemandem etwas bekannt! In den vergangenen Tagen
hat mich zunächst Herr Shattuck im Auftrag der USA und dann auch
Herr Pedoaye im Auftrag der UNPROFOR aufgesucht. Gebe Gott, daß
diese Besuche denen, die dies am nötigsten haben, etwas bringen!
Ich weiß nicht, ob Du kommende Woche zur Ratssitzung nach Rom reisen
kannst. Meine Bewegungsfreiheit beschränkt sich noch immer auf den
Weg vom Haus zur Kathedrale! Wenn Du nach Rom kommst, grüße bitte
alle - jawohl, alle! Danke ihnen, daß sie an uns denken! Mit brüderlichen
Gruß
+
Franjo, Bischof

HEILIGER
VATER, ICH BIN TIEF BEWEGT ANGESICHTS IHRER VÄTERLICHEN LIEBE UND
IHRER STETIGEN SOLIDARISIERUNG MIT UNS!
Brief des Bischofs an den Heiligen Vater, Johannes Paul II.
(Prot. Nr. Präs. 183/95 vom 28. November 1995)
Heiliger
Vater,
über die ehrwürdige Apostolische Nuntiatur in Belgrad hat mich die
erfreuliche Nachricht erreicht, daß Seine Exzellenz. Msgr. Francesco
Monterisi, der Apostolische Nuntius in Bosnien und Herzegowina,
auf ausdrücklichen Wunsch Eurer Heiligkeit demnächst zu einem Besuch
unserer übriggebliebenen getreuen "kleinen Herde" entrechteter
Angehöriger meines von schwerem Unheil heimgesuchten Bistums nach
Banja Luka kommen soll.
Ich bete zu unserem gütigen Gott, daß dieser Besuch auch wirklich
zustandekommt!
Wie schon vielmals in der Vergangenheit bin ich auch diesmal angesichts
Ihrer väterlichen Liebe und Ihrer stetigen Solidarisierung mit uns
und allen Menschen, die wegen der Kräfte der Dunkelheit und des
Bösen entsetzlich leiden, tiefbewegt. Trotz unzähliger Sorgen bei
der Lösung der großen aktuellen Probleme sowohl der Kirche als Ganzem
als auch der Menschheit fühlt Ihr väterliches Herz auch mit uns,
die wir von vielen, die uns physisch viel näher sind, wie es scheint,
"abgeschrieben" und von anderen, die von Amts wegen die
Menschenrechte und Freiheiten Einzelner und ethnischer und religiöser
Gemeinschaften schützen sollen, fast ganz vernachlässigt worden
sind.
Heiliger Vater, mir fehlen die Worte, um die tiefe Dankbarkeit und
Liebe auszudrücken, die wir alle hier im Bistum Banja Luka, Ihnen
gehorsam als unersetzlichem Stellvertreter Christi auf Erden folgende
Menschen, empfinden. Im Namen aller Gott zuliefst dankbaren Angehörigen
der gequälten, aber getreuen Gemeinde meines Bistums kann ich Eurer
Heiligkeit auch diesmal berichten, daß wir weiterhin beharrlich
Tag für Tag bemüht sind, die Gebote der Heiligen Schrift, insbesondere
das aus Lk 6, 27 "Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die
euch hassen" und das aus 1. Joh 3, 18 "Wir wollen nicht
mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheil", sowie
den letztes Jahr in Sarajevo und in Zagreb in den Botschaften an
uns alle zum Ausdruck gebrachten Wunsch Eurer Heiligkeit nach Vergebung
und Versöhnung in die Tat umzusetzen!
Indem ich meine Sohnestreue gegenüber Eurer Heiligkeit zum Ausdruck
bringe, bitte ich Sie hiermit um Ihren heiligen apostolischen Segen
für meine hingebungsvoll bemühten und treuen Mitarbeiter, Geistlichen
und Ordensleute, die uns echte Treue gegenüber Christus und der
Kirche vorleben, und alle anderen Angehörigen der Gemeinde meines
Bistums, gleich, ob sie sich dortselbst befinden oder im Exil leben,
in der sehnsüchtigen Erwartung, wieder in ihre Pfarrgemeinden und
ihre jahrhundertealten Heimstätten zurückkehren zu können.
Ihr in Christo, unserem Guten Hirten, Eurer Heiligkeit stets dankbarer
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

WIR
KÖNNEN NICHT NUR SCHWEIGEND ZUSEHEN, WIE ANDERE ÜBER UNSERE ZUKUNFT
ENTSCHEIDEN
Brief des Bischofs an den Apostolischen Nuntius in BiH, Msgr. F.
Monterisi
(Prot. Nr. Präs. 188/95 vom 01. Dezember 1995)
Eure
Exzellenz,
die Ankündigung, daß Sie in Kürze zu uns nach Banja Luka kommen
werden, hat uns sehr erfreut. Ich habe sofort die erforderlichen
Schritte bei den hiesigen zuständigen Behörden unternommen, damit
diese rechtzeitig informiert sind und die notwendige Genehmigung
erteilen. Wir erhielten den Ihnen aufgrund unserer Mitteilung an
die Nuntiatur in Belgrad wahrscheinlich bereits bekannten Bescheid,
daß man die Erlaubnis für Ihr Kommen an die Bedingung knüpft, daß
der orthodoxe Bischof, Herr Atanasije, die Möglichkeit zur Einreise
in das Gebiet von Herceg-Bosna erhält, um Orten, Heiligtümern und
Gläubigen einen Pastoralbesuch abzustatten. Dies erinnert uns an
ein ähnliches "Spiel" aus der Zeit vor sechs Monaten,
als Sie auch kommen wollten, aber keine Genehmigung erhielten.
Ich habe die zuständigen Persönlichkeiten bei der Regierung von
Herceg-Bosna gebeten, ihrerseits alles zu tun, damit Sie keine unnötigen
Schwierigkeiten hinsichtlich der Verwirklichung Ihres Vorhabens
und des ausdrücklichen Wunsches des Heiligen Vaters haben. Noch
immer habe ich keinerlei Antwort erhalten, weder von Herceg-Bosna
noch von der RS bzw. Pale. Dennoch hoffe ich, daß in Bälde eine
positive Antwort kommt und daß wir, so Gott will, Sie mit Ihren
geschätzten Begleitern bald begrüßen und uns mit Ihnen freuen können.
Gestern hat uns Frau Elisabeth Rehn, die Sonderberichterstatterin
der UN zu Fragen der Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien, besucht.
Sie erwähnte, daß sie nach dem Besuch in Mostar nach Rom reisen
wird und daß sie gern mit Persönlichkeiten beim Heiligen Stuhl Verbindung
aufnehmen mochte. Ich habe sie unter anderem gebeten, auch ihrerseits
darauf zu drängen, daß unser völlig harmloser und unschuldiger
Geistlicher Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor, freigelassen
wird und man endlich vom Schicksal unseres seit langem entführten
Pfarrers von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, erfährt. Ich hoffe,
daß sie wirklich die erforderlichen Schritte unternimmt, damit aufgeklärt
wird, wie es um unsere beiden Geistlichen steht, die große Märtyrer
sind. Vor zwei Tagen habe ich auch in einem Gespräch mit einem der
hiesigen serbischen Politiker (einem Abgeordneten des Parlaments
der RS) darauf gedrungen, daß man unsere unrechtmäßig weggebrachten
Geistlichen freigibt. Er versprach, daß er sehen wolle, was sich
für dieselben tun läßt. Es gibt keinerlei Zweifel, daß an der schlimmen
Tragödie unserer bezeugtermaßen friedfertigen Geistlichen, die allen
Menschen ihres Umfelds Gutes getan haben, die derzeitigen örtlichen
Behörden schuld sind. Diese wissen, was mit den Geistlichen geschehen
ist und wo diese sich befinden, so, wie sie auch über das Unglück
im Bilde waren, das weitere unserer Geistlichen, unsere Gläubigen
und unsere kirchlichen Einrichtungen getroffen hat.
In den letzten Tagen sind in den hiesigen Medien auf Meldungen ausländischer
Agenturen basierende Behauptungen häufiger geworden, wonach im Gebiet
der Gemeinden Mrkonjiæ Grad und ©ipovo, die sich derzeit unter der
Kontrolle der Föderation BiH befinden, aber der RS zurückgegeben
werden sollen, das Eigentum der serbischen Bevölkerung zerstört
wird. Ich habe die Bestätigung bekommen, daß dies zutrifft. Ich
betrachte es als meine Pflicht, gegen die von unverantwortlich handelnden
Einzeltätern bzw. Gruppen begangenen Verbrechen zu protestieren;
solche Taten sind sehr schädlich für unsere dort verbliebene friedliche
Bevölkerung bzw. unsere Gläubigen, die diese ganze Zeit über große
Leiden erduldeten, aber unbedingt in ihrer jahrhundertealten Heimat
und in ihrer Pfarrei bleiben wollten. Jetzt kann es geschehen, daß
eigenmächtig oder mit Duldung der für Öffentliche Ruhe und Ordnung
Zuständigen begangene Greueltaten irgendwelcher - von außerhalb
gekommener - Leute ein weiteres Verbleiben unserer Gläubigen in
dem Gebiet vereiteln. Ich habe den Eindruck, daß einige politische
Vertreter des kroatischen Volkes in Herceg-Bosna wahrlich rücksichtslos
über die Zukunft der katholischen Kirche in diesem Raum, in dem
es sie seit Jahrhunderten gibt, Entscheidungen treffen. Wir können
nicht nur schweigend zusehen, wie andere - unbefugte - Leute über
unsere Zukunft entscheiden. Wenn wir doch bisher in der Praxis gezeigt
haben, daß wir willens und imstande sind, mit unseren Nachbarn in
Frieden zu leben, und daß wir fähig und bereit sind, zu vergeben
und mit ihnen von neuem eine bessere Zukunft zu erbauen, fragen
wir uns, warum man dies vorsätzlich mit solchen und ähnlichen höchst
unstatthaften Methoden und "Aktionen" unmöglich machen
will! Vielleicht müßte doch auch seitens einer höheren kirchlichen
Instanz, d.h. des Heiligen Stuhls, bei den maßgebenden politischen
Vertretern angefragt werden, warum so verfahren wird!
Diese Problematik habe ich heute auch Seiner Eminenz, Kardinal Puljiæ,
dargelegt, für den eine Kontaktaufnahme mit den maßgeblichen Politikern
leichter ist als für mich, damit er verhindert, daß es zu weiteren
negativen "Aktionen" kommt, die der Zukunft der katholischen
Kirche in unserem Raum bzw. in Bosnien und Herzegowina nur abträglich
sein können.
Verehrte Exzellenz, in der festen Hoffnung, daß wir uns, so Gott
will, demnächst hier sehen und die Möglichkeit haben werden, alles
zu besprechen, sage ich Ihnen nochmals meinen Dank für alles, was
Sie für uns tun, und grüße Sie herzlich im Herrn! Ihr
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
|
|
AN
KIRCHLICHE WÜRDENTRÄGER |
|
ÜBERFÄLLE AUF
KATHOLISCHE GEISTLICHE, ORDENSSCHWESTERN UND GLÄUBIGE UND
ANGRIFFE GEGEN KIRCHLICHE GEBÄUDE IM BISTUM BANJA LUKA |
|
DER PFARRER
VON GLAMOÈ, HOCHW. ZVONIMIR MATIJEVIÆ, WURDE KÖRPERLICH SCHWER
MIßHANDELT UND WARTET IM KRANKENHAUS VON KNIN DARAUF, AUSGETAUSCHT
ZU WERDEN |
|
BEWAFFNETER
ÜBERFALL AUF DAS KLOSTER IN BOSANSKI ALEKSANDROVAC |
|
"ES IST
MEIN ANLIEGEN, MIT ALLEN KRÄFTEN DAS LEBEN DER ANGEHÖRIGEN
UNSERER GEMEINSCHAFTEN UND DAS DIESEN GEMEINSCHAFTEN GEHÖRENDE
EIGENTUM ZU SCHÜTZEN" |
|
DRAMATISCHE
LAGE DER ORDENSSCHWESTERN DER GEMEINSCHAFT "KLANJATELJICE
KRVI KRISTOVE" IM KLOSTER NOVA TOPOLA |
|
"DAS STERBEN
JESU TRAGEN WIR AN UNSEREM LEIBE" |
|
"MÖGE UNSER
HIMMLISCHER VATER DURCH DIE GEDULD DER HIESIGEN CHRISTLICHEN
GLÄUBIGEN GEPRIESEN SEIN!" |
|
"ICH WERDE
ALLES TUN, UM DIE GEISTLICHEN UND DIE GLÄUBIGEN ZU SCHÜTZEN" |
|
"ES IST
MIR GELUNGEN, EINIGE PFARRGEMEINDEN ZU BESUCHEN!" |
|
"MÖGE GOTT
UNS DIE KRAFT ZUM WEITEREN DURCHHALTEN GEBEN!" |
|
"ES MÜSSTE
BALDMÖGLICHST EIN TREFFEN DER ORTHODOXEN UND KATHOLISCHEN
BISCHÖFE ORGANISIERT WERDEN" |
|
"MAN KANN
WEDER WEGGEHEN NOCH BLEIBEN" |
|
"WIR SIND
MIT C. VANCE UND D. OWEN ZUSAMMENGETROFFEN" |
|
"IN VIELEN
PFARRGEMEINDEN IST ES SEHR DRAMATISCH!" |
|
ANGST UND HOFFNUNG
WECHSELN EINANDER AB |
|
"ICH HABE
MIT UNSERER CARITAS VIELE UNSERER PFARRGEMEINDEN BESUCHT" |
|
UNSER VORBILD
WURDE UMGEBRACHT - EIN GEISTLICHER, EIN WAHRHAFTIGER MÄRTYRER! |
|
TUN SIE ALLES,
DAMIT DER ABRISS DER ORTHODOXEN KATHEDRALE IN KARLOVAC VERHINDERT
WIRD (SOFERN DIES JEMAND ZU TUN BEABSICHTIGT) |
|
DIE MENSCHEN
SIND AUCH WEITERHIN IN ENTSETZLICHER PANIK UND SUCHEN NACH
EINER MÖGLICHKEIT, SICH IRGENDWOHIN IN SICHERHEIT ZU BRINGEN |
|
WIR HABEN NOCH
NICHT DEN MUT VERLOREN |
|
WIR HABEN UNS
NICHT ABGESCHRIEBEN, WIR HABEN DIES AUCH NICHT VOR! |
|
NACHDRÜCKLICHER
WUNSCH ZUR FORTSETZUNG DER OFFIZIELLEN ZUSAMMENKÜNFTE DER
GEMISCHTEN KOMMISSIONEN AUS VERTRETERN DER KATHOLISCHEN UND
DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE |
|
ÜBER DREITAUSEND
FLÜCHTLINGE AUS KAKANJ, HALJINIÆI UND VARE© SIND DURCH BANJA
LUKA GEKOMMEN |
|
DIE MACHTHABER
MACHEN VERSPRECHUNGEN, HALTEN ABER FAST NICHTS EIN |
|
DIE GEGENWÄRTIGEN
SCHLIMMEN GESCHEHNISSE HINDERN MICH AM KOMMEN |
|
HEILIGER VATER,
DANKE, DASS SIE UNS NICHT VERGESSEN HABEN! |
|
EURE HEILIGKEIT,
WAS IST JETZT UND WEITERHIN ZU TUN, DAMIT DAS KIRCHENVOLK
MEINES BISTUMS ZUM GRÖSSEREN RUHM GOTTES BEITRÄGT? |
|
UNSERE LEUTE
DIENEN ALS LEBENDER SCHILD |
|
AUSDRUCKLICHER
WUNSCH ZWEIER BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE NACH
EINEM TREFFEN MIT DEN KATHOLISCHEN BISCHÖFEN KROATIENS |
|
SCHON VOLLE
DREI JAHRE ERTRÄGEN WIR VÖLLIG UNSCHULDIGER WEISE DAS ÜBER
UNSER HEIMATLAND HEREINGEBROCHENE UNGLÜCK |
|
VERWENDEN SIE
SICH DAFÜR, DASS DIE BISCHÖFE DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE
DIE GENEHMIGUNG ZUM BESUCH DER ORTHODOXEN BISTÜMER IN KROATIEN
ERHALTEN! |
|
VERTREIBUNG
AUCH DER LETZTEN ORDENSSCHWESTERN AUS DEN KLÖSTERN IN BOSANSKI
ALEKSANDROVAC UND NOVA TOPOLA |
|
HEILIGER VATER,
UNSERE AGONIE ERREICHT IHREN HÖHEPUNKT! |
|
AUCH WEITERHIN
VERNICHTEN UNS DIE ZERSTÖRERISCHEN KRÄFTE DES BÖSEN |
|
ALLE UNSERE
HIESIGEN PFARRGEMEINDEN WERDEN PLANMÄSSIG DURCH GEWALTSAMES
UND WIDERRECHTLICHES VORGEHEN AUSGEMERZT |
|
ICH BETRACHTE
ES ALS MEINE PFLICHT, HIER,IM HERZEN MEINES BISTUMS, ZU BLEIBEN |
|
TROTZ DER VÖLLIGEN
UNGEWISSHEIT SIND WIR BEHARRLICH IM GLAUBEN UND IN DER HOFFNUNG |
|
ICH STEHE WEITERHIN
UNTER HAUSARREST |
|
NOCH IMMER
STEHEN WIR BEHARRLICH ZU UNSERER ENTSCHEIDUNG, HIER ZU BLEIBEN |
|
SETZEN SIE
SICH DAFÜR EIN, DASS DIE BEVÖLKERUNG DER REGION BANJA LUKA
DIE DRINGEND BENÖTIGTE ELEKTRISCHE ENERGIE ERHÄLT |
|
MEIN BISTUM
IST AUF DIE "RELIQUIAE RELIQUIARUM" REDUZIERT |
|
DANK SEI UNSEREN
"WEISSEN SCHWESTERN" |
|
ALLE HABEN
UNS DER UNGNADE VON TYRANNEN UND GESETZLOSEN ÜBERLASSEN! |
|
HEILIGER VATER,
ICH BIN TIEF BEWEGT ANGESICHTS IHRER VÄTERLICHEN LIEBE UND
IHRER STETIGEN SOLIDARISIERUNG MIT UNS! |
|
WIR KÖNNEN
NICHT NUR SCHWEIGEND ZUSEHEN, WIE ANDERE ÜBER UNSERE ZUKUNFT
ENTSCHEIDEN |
|
|
|
..::Dragalovci::.. |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|
 |
|