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IV -
AN VERTRETER
DER ANDEREN GLAUBENSGEMEINSCHAFTEN
HELFEN SIE, DAMIT DER GOLGATHAWEG DER VERHAFTETEN GEISTLICHEN
EIN ENDE NIMMT
Brief an den orthodoxen Episkopus von Bihaæ-Petrovac, Herrn Chrisostomos
(Prot. Nr. 307/92 vom 29. April 1992)
Hochwürdigster
Herr Episkopus, lieber Bruder in Christo,
ich danke Ihnen aufrichtig für Ihren gestrigen freundlichen Anruf!
Noch mehr danke ich Ihnen für Ihre von hoher Gesinnung zeugende
pastorale Fürsorge hinsichtlich der verhafteten Geistlichen und
Gläubigen unserer beiden Schwesterkirchen. Möge Jesus Christus,
unser Guter Hüte, Ihnen dies hundertfach vergelten!
Nach vielen Versuchen ist es mir vor kurzem gelungen, den Erzbischof
von Vrhbosna (Sarajevo) telefonisch zu erreichen, der wegen des
Beschusses von Sarajevo ab dem frühen Abend im Keller zu sitzen
pflegt. Er setzte mich von einer Nachricht in Kenntnis, die er erhalten
hat, bevor er sich in den Schulzraum begab. Es wurde ihm mitgeteilt,
daß der Austausch der Geistlichen Don Zvonimir und Pater Perkoviæ
sowie des orthodoxen Pfarrers aus Tomislavgrad morgen, am Donnerstag,
den 30. d. Mts. um 11.00 Uhr erfolgen soll. Deshalb hat sich auch
der Leiter der europäischen Beobachtermission in Split, Herr Voltman,
heute nach Knin begeben. Nach den Worten des Erzbischofs liegt indessen
noch immer keine Rückantwort zu der Frage vor, ob General Mladic
dem Austauschtermin zustimmt.
Ich bitte nun, daß Sie, sofern Sie Verbindung mit Knin haben, versuchen,
auf General Mladic dahingehend einzuwirken, daß er sich mit dem
vereinbarten Termin einverstanden erklärt und endlich dem Golgatha
unserer Geistlichen ein Ende setzt. Ich hoffe, daß Ihnen dies auch
gelingt.
Ich werde morgen abend versuchen, mich bezüglich des Ausgangs der
morgigen Auslauschaktion mit Ihnen in Verbindung zu setzen.
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung
Ihr Mitbruder in Christo
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

"VIELE
UNSERER KIRCHLICHEN GEBÄUDE HABEN SCHADEN GENOMMEN, UND DIE GLÄUBIGEN
LEBEN IN VÖLLIGER UNGEWISSHEIT HINSICHTLICH IHRER ZUKUNFT"
Begleitschreiben des Bischofs an den
orthodoxen Episkopus von Banja Luka, Herrn Jefrem, zu dem Informationsschreiben
"Zerstörungen katholischer Gebäude im Bistum Banja Luka
(September 1991 - Februar 1993)"
(Prot. Nr. 569/93 vom 18. Februar 1993)
Hochwürdigster
Herr Episkopus, lieber Bruder in Christo,
ich erlaube mir, Sie an meiner großen Besorgnis hinsichtlich des
mir anvertrauten Teils der Kirche Christi im Bistum Banja Luka
teilhaben zu lassen. Dieser unselige Krieg hat leider auch mein
Bistum nicht verschont, obwohl ich persönlich zusammen mit den Geistlichen,
den Ordensleuten und den Gläubigen alles unternommen habe, damit
sich das Böse, das sich unserer Zeitgenossen bemächtigt hat, nicht
ausbreitet!
Viele unserer kirchlichen Gebäude haben Schaden genommen, was aus
der Ihnen hier übermittelten Anlage ersichtlich ist, und die Gläubigen
leben hinsichtlich ihrer Zukunft in völliger Ungewißheit!
Ich danke Ihnen für Ihre Verständnisbereitschaft und für jedwede
brüderliche Hilfe Ihrerseits!
Ihr in Christo ergebener
+ Franjo,
Bischof von Banja Luka

"AUCH
IN UNSERER STADT SIND SKRUPELLOSE ZERSTÖRER UND VANDALEN AUFGETRETEN!"
Schreiben des Bischofs an die Muslime, in dem er anläßlich der Zerstörung
der wichtigsten
Moschee von Banja Luka sein Mitgefühl zum Ausdruck bringt
(Prot. Nr. 1071A/93 vom 07. Mai 1993)
Sehr
geehrter Herr Mufti von Banja Luka, Had¾i Haliloviæ,
sehr geehrte muslimische Gläubige,
die traurigste Nachricht, die ich heute neben der von der Zerstörung
des katholischen Gotteshauses in der hiesigen Siedlung Novakoviæi
hören mußte, war die der heute nacht erfolgten verbrechen sehen
Wahnsinnstat der Zerstörung Ihres jahrhundertealten Gotteshauses,
der Prachtmoschee Ferhadija und Arnaudija, eines kostbaren Schatzes
nicht nur Ihrer islamischen Glaubensgemeinschaft, sondern auch
aller Bewohner unserer Stadt und unseres ganzen Landes.
Ich bin in tiefstem Herzen schwer erschüttert, nicht nur wegen der
schrecklichen Tatsache, daß die ältesten existierenden Gotteshäuser
unserer Stadt und unserer ganzen Gegend und des Umlands vernichtet
worden sind, sondern auch deshalb, weil in unserer Mitte leider
skrupellose Zerstörer auftreten, Vandalen, die fähig sind, ohne
Grund und Anlaß vorsätzlich, planmäßig und niederträchtig derartige
Verbrechen zu begehen.
Durch diese Vandalenakte, die nach Ihren Aussagen leider trotz der
Polizeistunde offenbar nach längerdauernden Vorbereitungen und
synchron erfolgt sind, ist schwere, nicht wieder gutzumachende Schande
auf alle diejenigen gefallen, deren Aufgabe die Verhinderung derartiger
Taten ist, die im Schutz der Dunkelheit in unserer Stadt und im
umliegenden Gebiet geschehen.
Im Namen der katholischen Kirche des Bistums Banja Luka, im Namen
des Bischöflichen Ordinariats in Banja Luka und in meinem eigenen
Namen verurteile ich dieses neueste Verbrechen an religiösen Gebäuden
und den Religionsgemeinschaften unserer Stadt und Gemeinde aufs
Schärfste!
Im Namen der Gerechtigkeit und der Gesetze, im Namen unserer Kultur
und Zivilisation, im Namen des gesunden Menschenverstands und im
Namen all unserer Mitbürger edler Gesinnung, die sich gegenseitig
ohne Ansehen des jeweiligen Glaubensbekenntnisses oder der Zugehörigkeit
zu unterschiedlichen Völkern aufrichtig achten und schätzen, fordere
und erwarte ich von allen zuständigen Institutionen und Personen
unserer Stadt und Gemeinde, daß sie dafür sorgen, daß diejenigen,
die diese neuen Verbrechen begangen haben, ermittelt werden und
daß weiteren unmenschlichen Vorhaben dieser An ein Riegel vorgeschoben
wird!
Indem wir es der Justiz dieser Welt überlassen, die Verbrechen zu
bestrafen, bitten wir unseren gnädigen und barmherzigen Gott, daß
er uns alle davor bewahren möge, daß wir selbst zu Sklaven derartiger
teuflischer Ideen oder zu Objekten eventueller neuer teuflischer
Aktionen werden!
Ihnen persönlich wie auch den geschätzten Gläubigen der islamischen
Religionsgemeinschaft wünsche ich aufrichtig, daß Sie in diesen
schweren Augenblicken in den Worten des ehrwürdigen Koran Trost
finden:
"Und wenn die Zeit einer zweiten Bedrohung kommt, werden wir
sie schicken, damit eure Gesichter frei von Kummer und Leid bleiben,
mögen sie auch abermals wie das erste Mal in den Tempel einbrechen
und alles, was sie erobern, zerstören.
Und euer Herr wird sich wieder euer erbarmen; wenn ihr einen neuen
Anfang macht, werden auch wir einen neuen Anfang machen. Und mit
der Hölle haben wir für die Ungläubigen einen Kerker bereitet"
Al-Isra’ XVII, 7-8.
Während ich in meinem tiefsten Innern mit Ihnen allen den großen
Kummer und zugleich die unerschütterliche Hoffnung teile und Sie
der selbstverständlichen Solidarität unserer Seite, der katholischen
Gläubigen, versichere, grüße ich Sie in freundschaftlicher Verbundenheit!
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka

BITTE
UM EIN TREFFEN MIT EINEM DER MITGLIEDER DES HEILIGEN SYNOD DER SERBISCH-ORTHODOXEN
KIRCHE
Schreiben an den Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, Herrn
Pavle
(Prot. Nr. 130/95 vom 20. Februar 1995)
Eure
Heiligkeit,
ich wende mich an Sie auf Ersuchen Seiner Eminenz Vinko Kardinal
Puljiæ, des Erzbischofs und Metropoliten von Vrhbosna (Sarajevo)
und Vorsitzenden der Bischofskonferenz für Bosnien und Herzegowina.
Er hält sich in diesen Tagen in Rom auf, müßte aber am Samstag,
dem 25. Februar 1995, zusammen mit dem Bischof von Mostar und Duvno,
Msgr. Ratko Periæ, in Banja Luka eintreffen, wo eine Sitzung unserer
Bischofskonferenz stattfinden wird. Als Abgesandte der kroatischen
Bischofskonferenz müßten auch Msgr. Sreæko Badurina, Bischof von
©ibenik und stellvertretender Vorsitzender der kroatischen Bischofskonferenz,
und Msgr. ®elimir Puljiæ, Bischof von Dubrovnik und Mitglied des
Ständigen Rates der kroatischen Bischofskonferenz, kommen.
Kardinal Puljiæ ist es trotz vieler Versuche nicht gelungen, sich
mit dem Hochwürdigsten Herrn Episkopus Nikolaj, dem Mitropoliten
von Sarajevo, zwecks Verabredung des bereits im vergangenen Jahr
geplanten Treffens der orthodoxen und der katholischen Bischöfe
von Bosnien und Herzegowina in Verbindung zu setzen. Er hat mich
daher beauftragt, meinerseits zu versuchen, mit dem Hochwürdigsten
Herrn Episkopus Nikolaj in Verbindung zu treten, der in diesen Tagen
noch immer unterwegs ist und, wie ich erfuhr, Mittwoch abend zurückkommt.
Da Kardinal Puljiæ mitteilt, daß er "eine besondere Botschaft
für den Mitropoliten bzw. den Heiligen Synod und noch höhere kirchliche
Würdenträger" hat, bittet er gleichzeitig darum, daß eines
der Mitglieder des Heiligen Synod kommt, um sich mit Kardinal Puljiæ
und den anwesenden Bischöfen zu treffen.
Nach einem Gespräch mit dem orthodoxen Episkopus von Banja Luka,
Herrn Jefrem, erlaube ich mir, als Zeitpunkt für unser Treffen den
Nachmittag des 27. Februar 1995 (Montag) oder den 28. Februar 1995
(Dienstag) vorzuschlagen. Die konkreten Einzelheiten werden der
orthodoxe Episkopus, Herr Jefrem, und ich vereinbaren.
Ich hoffe, daß unser Herr in seiner Liebe dieses wünschenswerte
und notwendige brüderliche Treffen hochrangiger Vertreter unserer
beiden Schwesterkirchen ermöglicht, zum Ruhme seines heiligen Namens
und als Beitrag auf dem Wege zu echtem Frieden in diesem Gebiet
und zur Rettung der unsterblichen Seelen!
Ich sage Eurer Heiligkeit im voraus meinen Dank für den Geist der
Friedensliebe, den Sie ausstrahlen, und verbleibe mit einem herzlichen
und brüderlichen Gruß im Geiste Jesu Christi, unseres Guten Hirten
Ihr Mitbruder
+ Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka,
Stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz für Bosnien
und Herzegowina
Schreiben
übermittelt an:
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
P. S.
Ich erlaube mir, Eurer Heiligkeit auch eine Kopie meines an den
Hochwürdigsten Herrn Mitropoliten Nikolaj gerichteten Schreibens
zu übermitteln.

ERHEBEN
SIE ABERMALS IHRE STIMME UND SCHÜTZEN SIE UNS!
Schreiben an den Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, Herrn
Pavle
(Prot. Nr. 312/95 vom 09. Mai 1995)
Eure
Heiligkeit,
als in Banja Luka Gebürtiger und katholischer Bischof des Bistums
Banja Luka möchte ich Sie anläßlich Ihres Besuchs in Banja Luka
und unserer Gegend als Nachfolger der Apostel Christi und Heben
Bruder in Christo willkommen heißen. Wie alle anderen steht auch
dieser Ihr Besuch bei Ihrer hiesigen Gemeinde, der serbisch-orthodoxen
Kirche, im Zeichen des Dienstes an der göttlichen Wahrheit, der
Liebe, der Vergebung und des Friedens, und Wahrheit, Liebe, Vergebung
und Frieden brauchen in diesem Augenblick alle Menschen dieser Stadt
und dieser Gegend mehr als alles andere.
Haß und Rache haben sich leider in letzter Zeit erneut wie ein Vulkanausbruch
auf unseren Alltag ergossen.
Im Gebiet von Westslawonien wurden viele unschuldige Menschen, orthodoxe
Serben und ihre engsten Angehörigen, vom Sturm der kriegerischen
Auseinandersetzungen betroffen. Die Untaten, deren Opfer sie wurden,
haben uns tief erschüttert! Auch diesmal empfinden wir tiefes Mitgefühl
mit allen diesen unschuldigen Opfern, wir beten für sie und haben
den aufrichtigen Wunsch, ihnen zu helfen.
Leider überflutet die zerstörerische Woge schon einige Jahre lang
unseren hiesigen Raum. Während wir, die Katholiken des Bistums
Banja Luka, mit allen Kräften beharrlich und konsequent um Frieden,
Vergebung und Wohlwollen - sogar gegenüber jenen, die uns in ihrer
seelischen Blindheit Böses antun -bemüht waren, wurde uns, besonders
in den letzten Tagen, erneut durch Aktionen des Hasses und der
Zerstörung schwer zugesetzt. Wir haben dies durch nichts provoziert,
außer vielleicht durch unseren passiven Widerstand, unsere friedliche
Anwesenheit, unsere Gutherzigkeit und unsere Bereitschaft zur Ver-gebung!
Zuerst wurden am 04. Mai 1995 aus zwei unserer uralten großen Klöster
in Bosanski Aleksandrovac und in Nova Topola, für die sich noch
im Jahre 1992 mein verehrter Mitbruder, der orthodoxe Episkopus
von Banja Luka, Herr Jefrem, eingesetzt hatte, die dort verbliebenen
Ordensschwestern brutal entführt und dann vertrieben. Bezüglich
dieser schweren und durch nichts gerechtfertigten Untat gegenüber
unschuldigen Ordensschwestern, bei denen es sich hauptsachlich
um ältere Frauen und große Wohltäterinnen der in der Umgebung lebenden
serbischen Bevölkerung handelte, sowie der unbegreiflichen Täuschung
der Öffentlichkeit seitens des Religionsministers der Regierung
der RS, wonach die ehrwürdigen Schwestern angeblich auf eigenes
Verlangen auf kroatisches Staatsgebiet übergesetzt wurden, darf
ich Euer Heiligkeit in der Anlage ein energisches offizielles Dementi
der Provinzialverwaltung der Schwesterngemeinschaft in Zagreb übermitteln.
Bis heute (!) erhielten weder ich noch meine Geistlichen Zugang
zu den Klostergebäuden und der diesen benachbarten Pfarrkirche,
und wir bekamen auch keine Möglichkeit. Kontakt zu einem Vertreter
der örtlichen oder der entsprechenden übergeordneten Behörden aufzunehmen!
In den Abendstunden des gleichen Tages hat das Studio Banja Luka
der Serbischen Rundfunk- und Fernsehanstalt seinen Zuschauern -
zum wer weiß wievielten Male schon! - schwere Verleumdungen und
Unterstellungen bezüglich des Bischofs von Banja Luka und seiner
angeblichen Tätigkeit vorgesetzt. Dies war, jetzt ist es klar, das
Vorspiel zu den schlimmen Vorfällen, die unmittelbar danach erfolgen
sollten!
Am 05. Mai 1995 wurde die Filialkirche in Vujnoviæi (Pfarrei Petriæevac)
am Rand von Banja Luka in Brand gesteckt.
Am darauffolgenden Tage, am 06. Mai 1995, wurde eine weitere zur
Pfarrei Petriæevac gehörende Filialkirche in der Ortschaft ©argovac
durch Sprengung zerstört.
In der Nacht vom 06. auf den 07. Mai 1995 wurden Franziskanerbrüder
und Ordensschwestern im historischen Kloster Petriæevac brutal mißhandelt,
wobei ein betagter kranker Ordensbruder, der Geistliche Alojzije
Atlija, den Tod erlitt. Er ist das vierte völlig unschuldige Opfer
unter den Geistlichen meines Bistums in diesem Krieg! Danach wurden
die Ordensleute vertrieben. Ihr Kloster wurde in Brand gesteckt,
und die neue große Kloster- und Pfarrkirche St. Anton, ein Heiligtum
für die gesamte Gegend von Banja Luka, sowie der große Glockenturm
wurden durch Sprengung völlig zerstört.
So hat eine unserer größten Pfarrgemeinden von Banja Luka innerhalb
von drei Tagen ihre sämtlichen Räumlichkeiten für den Gottesdienst
(Gotteshäuser) und die katholische Kirche im Raum Banja Luka ein
weiteres großes Kloster, einen kulturellen Mittelpunkt dieser Region,
verloren.
Bereits am darauffolgenden Tag, in der Nacht vom 07. auf den 08.
Mai 1995, wurde die einzige bis jetzt heilgebliebene Kirche meines
Bistums in der südlich von Banja Luka gelegenen Ortschaft Majdan
bei Mrkonjiæ Grad in Brand gesteckt.
All dies hinterlaßt den Eindruck, als ob gewisse eindeutig teuflische
Kräfte den Vorsatz hätten, die Vernichtung der katholischen Kirche
in meinem Bistum fortzusetzen, und dies schließlich auch direkt
in seinem Zentrum, in meiner Geburtsstadt Banja Luka. Eurer Heiligkeit
dürfte bekannt sein, wie schwer nicht nur die orthodoxen, sondern
auch die katholischen Christen unseres Gebiets bereits im 2. Weltkrieg,
als ein Drittel der Pfarrgemeinden des Bistums Banja Luka für immer
vernichtet wurde, gelitten haben. Während des jetzigen schrecklichen
Krieges in Bosnien und Herzegowina haben wir trotz des ausgesprochen
friedfertigen Wirkens unserer Geistlichen und Ordensleute und des
friedfertigen Verhaltens des größten Teils der Gläubigen meines
Bistums entsetzliche und unerträgliche Mißhandlungen erfahren und
erfahren sie weiter. Man hat uns fast alle menschlichen und bürgerlichen
Grundrechte und Freiheiten genommen. Es wurden über 400 katholische
Zivilisten in ihren Häusern ermordet, über zwei Drittel der Katholiken
(mehr als 55.000) verjagt, 39 Kirchen und vier große Klöster (deren
Gemeinschaften über hundert Ordensleute umfaßten!) völlig zerstört,
über 40 Kirchen leichter oder schwerer beschädigt und viele Gräber
geschändet.
Trotz des von uns schon volle drei Jahre lang durchlebten Golgatha
sind wir nicht müde geworden, unsere Gläubigen zu Vergebung, Friedfertigkeil
und praktischer Nächstenliebe (Caritas) aufzurufen. Unermüdlich
haben wir unsere Stimme für den Schutz der menschlichen und bürgerlichen
Grundrechte und Freiheiten jedes einzelnen Menschen und jeder religiösen
oder ethnischen Gemeinschaft erhoben. Gemeinsam mit unseren Geistlichen,
Ordensleuten und Gläubigen haben wir zu Gott gebetet und die verbindlichen
Maximen unseres christlichen Glaubens in die Praxis umgesetzt. Nur
Gott der Herr, der jedes Menschenherz kennt, weiß, daß wir das Gute
wollten und Gutes getan haben, nicht nur für uns selbst, sondern
auch für die anderen Menschen unserer Umgebung.
Bei keinem einzigen Anlaß haben wir den alttestamentlichen Grundsatz
"Auge um Auge, Zahn um Zahn" (vgl. Lev 24, 20) gepredigt,
geschweige denn - da sei Gott vor - angewandt!
Auch bei den kürzlichen dramatischen Vorfällen mit der orthodoxen
serbischen Bevölkerung im Gebiet von Westslawonien habe ich, wie
auch schon früher viele Male während dieses Krieges, mehrere Appelle
und Ersuchen an Politiker, Vertreter der Kirche und humanitäre Organisationen
gerichtet, in denen ich um Schulz für alle Menschen, insbesondere
die schutzlosen und unschuldigen Zivilisten, bat. In der Anlage
übermittle ich Ihnen die Antworten der maßgeblichsten Vertreter
der katholischen Kirche und der staatlichen Behörden der Republik
Kroatien vom 05. Mai 1995, in denen das entschiedene Eintreten der
katholischen Kirche "für die Achtung der Menschenrechte der
Bürger serbischer Nationalität" und die Entschlossenheit der
führenden politischen und staatlichen Kräfte der Republik Kroatien,
"den Serben in Westslawonien vollen Schutz zu garantieren",
betont werden.
In unserer Region Banja Luka, wo jahrzehntelang das weithin bekannte
ausgeprägt ökumenische und freundschaftliche Verhältnis zwischen
den katholischen und orthodoxen Christen, sowohl zwischen den offiziellen
Vertretern unserer beiden Schwesterkirchen als auch zwischen den
Gläubigen allgemein, gepflegt wurde, liegt die gesamte Macht seit
drei Jahren in den Händen von Politikern des orthodoxen serbischen
Volkes. Um so unbegreiflicher und tragischer sind daher diese fortgesetzte
entsetzliche Verfolgung der Katholiken und die Ausschreitungen gegenüber
denselben und die vollständige Auslöschung der Spuren der katholischen
Kirche, obwohl es keinerlei Provokationen von unserer Seite gegeben
hatte. Ist es wirklich möglich, daß die gleichen serbischen Politiker,
die von sich behaupten, daß sie "entschlossene Kämpfer für
die Rettung der orthodoxen Kirche" seien und "bei Entscheidungen
regelmäßig auch die Erzpriester der serbisch-orthodoxen Kirche zu
Rate ziehen'", die Appelle und energischen Interventionen dieser
Priester in bezug auf den Schutz der fundamentalen Menschenrechte
und somit auch der religiösen Rechte und Freiheiten auch der hiesigen
katholischen Gläubigen, die sich ausgesprochen für den Frieden einsetzen,
nicht gelten lassen wollen? Kann es wahr sein, daß sie im Namen
der Orthodoxie mit der katholischen Kirche im Gebiet meines Bistums
das vorhaben, was Nichtchristen und Ungläubigen in den vielen Jahrhunderten
fortgesetzter Anwesenheit unserer Kirche nicht gelungen ist, d.h.
daß sie sie völlig ausrotten wollen? Wäre dies nicht eine furchtbare
Schande für die serbische Orthodoxie und gleichzeitig eine noch
furchtbarere Sünde vor Gott, der unser aller Vater und Richter ist?
Ich erinnere mich noch immer an Ihre väterlichen Worte, auf dem
Evangelium Jesu Christi gründende Hirtenworte, die ich vergangenen
Herbst bei unserem brüderlichen Treffen in unserer Stadt hörte.
Ich war erfreut und Gott dankbar, daß wir damals eines Sinnes waren
(vgl. Phil 2, 2). Ich bin überzeugt, daß Eure Heiligkeit auch jetzt
ebenso vom Geist Christi, dem Geist der Gottes-und der Menschenliebe,
erfüllt ist und daß Eure Heiligkeit nicht müde geworden ist, die
von Gott verliehene Würde in allen ihren Formen und die von Gott
und den Menschen verliehenen Rechte, die für alle Menschen und für
jeden Einzelnen allgemeingültig sind, zu beschützen.
Ich erlaube mir daher, Eure Heiligkeit zu bitten, im Geiste Jesu
Christi, unseres Guten Hirten, abermals sowohl im Gebet zu Gott
als auch in klaren Appellen an die hiesigen maßgebenden Politiker
Ihre Stimme zum Schutz der völlig entrechteten und dezimierten katholischen
Bevölkerung im Gebiet des Bistums Banja Luka und zum Schutz auch
aller anderen hiesigen Entrechteten sowie der im religiösen Dienst
stehenden Personen und Einrichtungen der katholischen Kirche zu
erheben, so, wie auch die Vertreter der katholischen Kirche entschieden
und konsequent für den vollen Schutz aller Rechte der Angehörigen
der serbisch-orthodoxen Kirche und aller anderen Menschen eintreten,
wo auch immer diese bedroht sind. Ich bin überzeugt, daß Sie, der
Sie an den Leiden Ihres orthodoxen serbischen Volkes teilnehmen,
nicht gefühllos gegenüber den um nichts geringeren Leiden Ihrer
völlig unschuldigen katholischen Brüder in meinem Bistum Banja Luka
sind, denn wir alle sind Kinder ein und desselben himmlischen Vaters!
Möge uns auch weiterhin die Liebe Jesu Christi, der für uns Sünder
gemartert, getötet und gekreuzigt wurde, erleuchten und verbinden!
Unabhängig davon, wie sich unsere orthodoxen christlichen Brüder,
unsere serbischen Nachbarn, in Zukunft uns gegenüber verhalten,
werden wir auch weiterhin bestrebt sein, ihnen unsere Liebe entgegenzubringen
und ihnen nur Gutes zu tun!
Indem ich Eurer Heiligkeit meine Hochachtung ausspreche und mich
und alle Angehörigen der fast zur Gänze vernichteten Gemeinschaft
der Gläubigen meines Bistums Ihren frommen Gebeten anempfehle. entbiete
ich Ihnen meinen herzlichen Gruß und verbleibe in Christo, unserem
Erlöser, Ihr Bruder
+
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Anlagen
(3)
Schreiben
übermittelt an:
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

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