Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- IX -
AN PERSÖNLICHKEITEN UND INSTITUTIONEN DER INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT


"TROTZ UNSERES FRIEDLICHEN VERHALTENS WURDEN UNS DIE MENSCHLICHEN GRUNDRECHTE GENOMMEN"
Eingabe des Bischofs an die internationalen Vermittler C. Vance und D. Owen
(Prot. Nr. 822/92 vom 25. September 1992)

Sehr geehrte Exzellenzen, Herr C. Vance und Herr David Lord Owen,
als religiöses Oberhaupt von fast 120.000 Katholiken des sich über den nordwestlichen Teil Bosniens erstreckenden Bistums Banja Luka danke ich Ih­nen aufrichtig für Ihren Einsatz bei der humanen Mission der Schaffung eines gerechten Friedens zwischen den Völkern dieses Gebiets und dafür, daß Sie eigens zu uns nach Banja Luka gekommen sind.
Im Gebiet meines Bistums Sehen seit dem fernen fünften Jahrhundert Katholiken. Außer Kroaten, die den größten Teil der katholischen Bevölkerung ausmachen, betreue ich hier auch kleinere Gruppen katholischer Italiener, Po­len, Tschechen und Slowenen sowie auch ukrainische Katholiken.
Die Anzahl der Katholiken meines Bistums hat sich während des 2.Welt­kriegs um mehrere Zehntausend vermindert, genauer gesagt wurde ein Drittel des Bistums völlig vernichtet.
Die Politik der Gewalt und der Gesetzlosigkeit, die zu dem wahnwitzi­gen Bruderkrieg in ganz Bosnien und Herzegowina und damit auch im Gebiet des Bistums Banja Luka führte, hat bereits entsetzliche Folgen hervorgebracht.
Die ausgeprägte Friedfertigkeit des größten Teils der Gläubigen meines Bistums und ihre Bereitschaft zu einem humanen Zusammenleben mit Angehö­rigen anderer Religionen und Völker in diesem Gebiet haben viele führende Persönlichkeiten der Zivil- und der Militärbehörden bei den in den vergangenen drei Monaten mit mir geführten Gesprächen hervorgehoben, wobei sie dem sehr konstruktiven Beitrag der katholischen Kirche zur Verhinderung kriegerischer Zusammenstöße in diesem Gebiet ihre Anerkennung zollten.
Es ist jedoch aufgrund meiner eigenen Einblicke und gesicherter Infor­mationen aus dem größeren Teil meines Bistums im Gebiet der Bosanska Krajina festzustellen, daß die hiesige katholische Bevölkerung dieses Gebiets, bei der es sich größtenteils um Kroaten handelt, trotz dieses friedfertigen Verhaltens fast alle menschlichen Grundrechte verloren hat.
Insbesondere habe ich den Entzug und die Unterdrückung folgender Rechte und Freiheiten hervorzuheben:
1. das Recht auf Gleichberechtigung ohne Ansehen der nationalen und religiösen Zugehörigkeit
2. das Recht auf die Versorgung mit für die Existenz und die Ernährung unverzichtbaren Gütern
3. das Recht auf Arbeit und eine redliche Verteilung der Früchte der Arbeit
4. die Gewissensfreiheit, die verletzt und bedroht wurde und wird
5. das Recht auf Gedanken- und Redefreiheit
6. das Recht auf Unantastbarkeit der Person
7. das Recht auf freie Berufswahl
8. das Recht auf selbstbestimmte Erziehung und Bildung der eigenen Kinder
9. das Recht auf die Bildung freier Zusammenschlüsse und auf Mitbe­stimmung im öffentlichen Leben und in der Gesellschaft 10. das Recht auf einen guten Leumund
Da es ihnen nicht möglich ist, ihre legitimen Rechte bei ihren gewählten politischen Vertretern einzufordern, weil denselben ausnahmslos die Tätigkeit unmöglich gemacht wurde, - sie wurden verhaftet, und einige von ihnen wurden sogar ermordet (Kotor Varo¹, Prijedor, Ljubija, Sanski Most, Mrkonjiæ Grad, Bosanska Gradi¹ka), verlangen diese Menschen von mir als Bischof, d.h. als ihrem geistlichen Oberhaupt, daß ich sie vor der (im gesamten Gebiet der Bosanska Krajina herrschenden) offenkundigen Gesetzlosigkeit, vor unerträgli­chen Quälereien, Vertreibungen, mehrmonatigen Zwangsaufenthalten in Lagern und Plünderungen ihrer gesamten Habe (insbesondere in Prijedor, Ljubija, Bosanska Gradi¹ka, Lakta¹i, Kljuè, Kotor Varo¹, Sanski Most und Mrkonjiæ Grad), schütze.
In einigen Teilen meines Bistums, besonders in den Gemeinden Bosanska Gradi¹ka, Prijedor, Sanski Most, Kljuè, Kotor Varo¹, Lakta¹i und Mrkonjiæ Grad sowie auch in Banja Luka, können Tausende von Menschen nicht mehr den seit Monaten andauernden fürchterlichen psychischen und häufig auch physischen Druck ertragen und verlangen von mir, daß ich ihnen über die Bischöfliche Caritas oder irgendeine andere Einrichtung ermögliche, dieser Hölle zu entrin­nen, meistens mit leeren Händen (Bosanska Gradi¹ka, Prijedor, Sanski Most und Kotor Varo¹) damit sie wenigstens ihr nacktes Leben reiten.
Ihre Anzahl wächst täglich, zum einen wegen totaler sozialer Bedrohung und Gefährdung von Leib und Leben und zum anderen wegen der Ungewißheit hinsichtlich eines zukünftigen Lebens und einer weiteren Existenz in ihrer jahr­hundertealten Heimat.
Ohne Grund und Ursache sind viele Zivilisten umgebracht worden (die mir bekannte Anzahl beläuft sich auf 150). Unter ihnen sind leider auch der Pfarrer von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, der am 16. Juni 1992 aus seiner Pfarrwohnung entführt worden war, sowie ein Mitglied des Diözesanrats und des Parlaments von Herceg-Bosna, der am 03. August 1992 entführte Dipl.-Ing. Marijan Vi¹tica aus Bosanska Gradi¹ka.
In den letzten drei Monaten wurden in meinem Bistum mehr als 40% der kirchlichen Gebäude zerstört bzw. niedergebrannt, und weitere 50% derselben wurden mehr oder weniger beschädigt, obwohl es in der Nähe keinerlei Kämpfe gegeben hat! Fünf meiner Pfarrer waren, ohne daß sie sich nachweislich etwas hätten zuschulden kommen lassen, über Zeiträume von 12 bis 80 Tagen in La­gern und wurden entsetzlich mißhandelt, und jetzt sind sie mehr oder weniger Invaliden. Vielen meiner Geistlichen droht man offen mit Mord und mit der Zerstörung der übriggebliebenen kirchlichen Gebäude.
Die seit mehreren Monaten andauernden bewaffneten Überfälle auf Frau­enklöster in Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola sowie die unmittelbare Bedrohung des Lebens der dortigen Ordensschwestern und die ihnen für den Weggang gestellten Ultimaten zwingen Dutzende von Ordensschwestern, ihre jahrhundertealten Klöster endgültig zu verlassen.
Obwohl die örtlichen staatlichen Stellen - die Zivil- und die Militärbe­hörden - offiziell erklären, daß sie gegen die ethnische Säuberung und die Be­drohung von Leib, Leben und Besitz der nichtserbischen Bevölkerung sind, unterlassen sie es in der Praxis, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit der Gesetzlosigkeit und der von Bewaffneten ausgeübten Gewaltanwen­dung ein Ende gesetzt wird. Sie tolerieren solche Aktionen sogar (und unterstüt­zen sie auch, wie z.B. in Prijedor!). Dazu gehört auch, daß sie sich nicht dafür einsetzen, daß die Betroffenen wieder in den Genuß der Rechte kommen, die man ihnen genommen hat bzw. die gefährdet sind, ein Umstand, der Zehntau­sende entrechteter Menschen (ich spreche im Namen der katholischen Bevölkerung) unmittelbar an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Widerstands­kraft bringt.
Die dramatische Lage dieser Menschen wird zudem dadurch verstärkt, daß sie nicht in andere Staaten, in die sie sich gern begeben würden, gehen können, insbesondere nicht nach Kroatien oder Slowenien bzw. Österreich und Deutschland oder in die Schweiz (die Einreise nach Kroatien ist derzeit ganz verboten).
Ich erlaube mir, Ihnen, sehr geehrte Exzellenzen, im Namen aller bedroh­ten katholischen Gläubigen vorzuschlagen, daß folgendes veranlaßt wird:
1. daß unverzüglich auf ultimativem Wege alle Kämpfenden gezwungen werden, jegliche Kampfhandlungen einzustellen,
2. daß aus allen Lagern und Gefängnissen in Bosnien und Herzegowina die dort unschuldigerweise Einsitzenden ausnahmslos entlassen und an sichere Orte verbracht werden,
3. daß unverzüglich alle nicht der Kontrolle legaler Institutionen unterlie­genden Bewaffneten entwaffnet werden,
4. daß alte örtlichen Behörden, die nicht imstande bzw. willens sind, die unschuldige Bevölkerung zu schützen, abgelöst werden,
5. daß mit konkreten Aktionen zur Rückgabe der menschlichen Grund­rechte an alle, denen sie genommen wurden, geschritten wird und daß unver­züglich jedweder ethnischen Säuberung ein Ende gesetzt wird,
6. daß für die ganze hiesige Region wieder eine normale Stromversor­gung ermöglicht und der Straßen-, Eisenbahn- und Post- und Fernmeldeverkehr wieder eröffnet und gesichert wird,
7. daß internationale humanitäre Organisationen sich noch mehr für die Herbeischaffung dringend notwendiger Hilfe für alle sozial und gesundheitlich Bedrohten in der Bosanska Krajina einsetzen,
8. daß die führenden kroatischen Politiker in Sarajevo bzw. in Zagreb sich mit der dramatischen Situation und der völlig Ungewissen Zukunft ihres Volkes in diesem Teil des Staates Bosnien und Herzegowina mehr befassen und
9. daß unbedingt eine internationale Kommission (Institution) geschaffen wird, deren Aufgabe es ist, die Durchführung aller vereinbarten konkreten Aktionen zur Beendigung der dramatischen Situation der nichtserbischen Be­völkerung der Bosanska Krajina zu kontrollieren.
Ich selbst war, auch zusammmen mit den Oberhäuptern der orthodoxen Kirche und der islamischen Glaubensgemeinschaft in diesem Gebiet, bemüht, alles in meinen Kräften Siebende zu tun, um das große Unheil des uns aufge­zwungen Krieges, an dem sich die Mehrheit meiner katholischen Gläubigen nicht beteiligen will, weitmöglichst zu verringern.
Ich bin bereit, jede dem gemeinsamen Wohl aller Einwohner dieser Regi­on und des gesamten Gebiets von Bosnien und Herzegowina dienende kon­struktive Aktion zu unterstützen.
Ich danke Ihnen und all den anderen, die Sie uns mehr und wirksamer helfen können!

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

"BELASTEN SIE IHR GEWISSEN NICHT DURCH GLEICHGÜLTIGKEIT GEGENÜBER UNSEREM UNGLÜCK!"
Dramatischer Appell des Bischofs und der Geistlichen des Bistums Banja Luka an alle zuständigen Persönlichkeiten des kirchlichen und des politischen Lebens im In- und Ausland
(Banja Luka, den 17. Februar 1993)

Der Bischof und die Geistlichen des Bistums Banja Luka, die sich am 17. Februar 1993 zu einem dem Gebet und der Pastoralarbeit gewidmeten Treffen im Bischöflichen Ordinariat in Banja Luka versammelt haben, haben sich auch gemeinsam mit der derzeit gegebenen Lage des Bistums befaßt. Angesichts der konkreten Informationen über die dramatische, sich täglich drastisch verschlech­ternde Lage, in der sich der größte Teil des Bistums befindet, richten wir im Bewußtsein unserer Verantwortung für die unserer Obhut anvertrauten Gläubi­gen vor Gott, der Kirche und der Geschichte unseres Volkes und alle in diesem Gebiet lebenden Menschen im Geiste des Glaubens, der Liebe und der Hoff­nung neben unseren an Gott den Herrn gerichteten Gebeten auch an alle zustän­digen Persönlichkeiten des kirchlichen und des politischen Lebens im In- und Ausland einen gemeinsamen Appell und die inständige Bitte um Hilfe und Schutz.
1. Eingedenk dessen, daß wir als Jünger Christi im Verhältnis zu unseren Mitmenschen die gegenseitige Achtung, die Eintracht, den Dialog und den Frie­den pflegen müssen, forderten und fordern wir weiter, unermüdlich und beharr­lich in leiser und friedlicher Form, dafür zu sorgen, daß jeder einzelnen religiö­sen und nationalen Gruppe ihre Würde zugestanden und diese respektiert wird, damit in den hiesigen Gebieten, wo unterschiedliche Völker, Kulturen, Religio­nen und Sitten zusammengetroffen sind, für alle, die die entsetzlichen Kriegs­leiden, die grausame Vertreibung von Heim und Hof und die von Zerstörungs­wut diktierte Vernichtung aller für Menschen wertvollen Dinge überstehen, in Zukunft noch ein harmonisches Zusammenleben möglich ist.
2. Es ist bekannt, daß wir alle zusammen seit Beginn der kriegerischen Zusammenstöße im Gebiet von Bosnien und Herzegowina mit all unseren Kräf­ten darauf hingewirkt haben, daß die unserer pastoralen Fürsorge anvertrauten Gläubigen nicht in Versuchung kamen, gegen ihre Nachharn, seien sie Angehö­rige des eigenen oder eines anderen Volkes, die Waffe zu erheben und so außer Leben und Eigentum anderer auch das eigene zu bedrohen. Es ist eine Gnade Gottes, daß uns dies auch in fast allen unseren Pfarrgemeinden gelungen ist.
3. Dennoch haben wir alle, unsere Geistlichen, Ordensleute und insbesondere unsere Gläubigen, trotz des ausgesprochen friedfertigen Verhaltens der weitaus größten Zahl der Gläubigen unseres Bistums und ihrer aufrichtigen Be­reitschaft zu einem gemeinsamen Leben mit anderen im Geiste der Eintracht, des Friedens und der gegenseitigen Wertschätzung und Achtung, am eigenen Leib vielfältige und schwere Verletzungen unserer menschlichen Grundrechte und die Unterdrückung derselben erfahren.
Lassen Sie uns die traurigsten Vorfälle anführen:
- die Ermordung und Niederknüppelung von schuldlosen Zivilisten: Alte, Frauen, Kinder und Männer; die Verschleppung von einigen Hundert Zivilisten sowie von fünf Geistlichen in Lager, wobei einer nach der in der Gefangen­schaft erlittenen Folter gestorben ist und zwei weitere erst mißhandelt und dann getötet worden sind;
- die schweren psychischen und physischen Mißhandlungen von Ordens­schwestern und der mit Gewalt erzwungene Weggang derselben aus ihren Klö­stern und die Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen,
- die grundlos erfolgten Schändungen und Zerstörungen sowie die schwe­reren oder leichteren Beschädigungen von über 93% der Gesamtheit unserer Kirchen und 33% anderer kirchlicher Gebäude,
- die ständigen Brandstiftungen und Zerstörungen von zahlreichen Wohn- und Geschäftsgebäuden unserer Gläubigen, die dramatische Vertreibung von einigen Zehntausend Gläubigen aus vielen unserer Pfarrgemeinden (einige Pfarr­gemeinden wurden bis auf das letzte Mitglied zum Weggang gezwungen) und die andauernde Praxis ethnischer Säuberung, mit der man unser Volk aus seinen jahrhundertealten Heimstätten entfernte,
- die allgemeine Praxis der Entlassung unserer Menschen aus ihrem Arbeitsverhältnis und die totale existentielle Bedrohung des größten Teils unserer Gläubigen, insbesondere im städtischen Bereich, die häufigen Zwangseinberufungen derselben durch die derzeitigen Behörden und die gewaltsame Art und Weise, mit der sie zürn Kampf gegen das eigene oder ein anderes Volk gezwungen werden, ihr Ausschluß beim Ergehen politischer Entscheidungen über ihr eigenes Schicksal und die Tatsache, daß dem größten Teil der erwach­senen Männer die Bewegungsfreiheit genommen wurde,
- die gesundheitliche Bedrohung wegen der Unmöglichkeit, Untersuchun­gen oder sonstige medizinische Leistungen (Operationen, Krankenhauspflege) sowie Medikamente usw. zu bezahlen.
4. Trotz der bisherigen, bereits zehn Monate lang andauernden Gesetzlosigkeit und der auf uns lastenden Entrechtung hat unser Volk Böses nicht mit Bösem vergolten. Wir möchten uns wünschen, daß es auch in Zukunft keine Vergeltung übt. Wir sind allerdings inzwischen bereits mehr oder weniger am Ende unserer Kräfte angelangt! Viele unserer Gläubigen sind physisch und in noch höherem Maße psychisch ausgepumpt. Wir fürchten, daß es schließlich doch zu dem kommt, wogegen wir bis jetzt alle Kräfte aufgeboten haben - zu einem verzweifelten Versuch, um jeden Preis aus der jetzigen, in vielen Fällen tatsächlich unerträglichen Situation herauszukommen. Derartiges könnte leicht noch dramatischere und gefährlichere Folgen für uns alle hier heraufbeschwö­ren.
5. Im 2. Weltkrieg ist ein Drittel unserer Pfarreien zugrunde gegangen, und diese sind nie wieder auferstanden. Nunmehr wird durch Gewalt und poli­tische Entscheidungen, die andere ohne uns treffen, der Prozeß der völligen Ausrottung der katholischen Kirche im Gebiet unseres Bistums, wo es sie schon seit mehr als 17 Jahrhunderten gibt, fortgesetzt!
- In diesem für uns schicksalhaften Augenblick appellieren wir an alle zuständigen kirchlichen und staatlichen Oberhäupter in den Reihen unseres kroa­tischen Volkes und in der freien Welt und bitten sie, unsere dramatische Situati­on ernsthafter zur Kenntnis zu nehmen und eine Sanktionierung und Fortset­zung der entsetzlichen Verbrechen gegenüber einzelnen Menschen, einem Volk und der Menschheit nicht zuzulassen!
6. Wir können nicht akzeptieren, daß Gesetzlosigkeit und Anarchie, Ge­walt und Bosheit Gesetz und Maßstab für das Leben und das Verhalten und für Beschlüsse über das Schicksal von einzelnen Menschen oder Angehörigen ei­nes Volkes oder einer religiösen Gemeinschaft werden!
- Im Namen der göttlichen Gerechtigkeit, im Namen der Menschenliebe und im Namen der heiligsten christlichen Grundsätze und der Humanitätsgrundsätze unserer europäischen Zivilisation appellieren wir an alle, die sich als Menschen betrachten und konstruktiv helfen können, und beschwören sie: Be­lasten Sie Ihr Gewissen nicht durch Gleichgültigkeit gegenüber unserem Un­glück! Wir möchten nicht, daß unser Unglück zu Ihrem Unglück wird, wenn der Allmächtige, vor dem wir uns alle verantworten müssen, über uns richtet.
Schützen Sie uns, und helfen Sie uns, solange es noch nicht zu spät ist!

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka, mit seinen Geistlichen

 anfang der seite

OHNE GEGENSEITIGE ACHTUNG UND OHNE ZURÜCKGABE DER RECHTE AN JEDES DER IN BOSNIEN BEHEIMATETEN VÖLKER WIRD ES AUF DEM BODEN VON BOSNIEN UND HERZEGOWINA KEINEN GERECHTEN FRIEDEN GEBEN
Schreiben des Bischofs an den Präsidenten des IKRK, Herrn Cornelio Samaruga
(Prot. Nr. Präs. 189/93 vom 24. November 1993)

Sehr geehrter Herr Präsident,
mit aufrichtiger Freude und Dankbarkeit begrüße ich Sie in meiner Hei­matstadt Banja Luka. Zu meinem liefen Bedauern kann ich mich nicht mit Ih­nen treffen um mich wenigstens kurz mit Ihnen zu unterhalten, da ich während Ihres geschätzten Aufenthalts in Banja Luka in amtlicher Eigenschaft abwesend und einige Hundert Kilometer von Banja Luka entfernt bin. Ich konnte diese Reise zu einem bereits geplanten Treffen mit anderen Bischöfen unter keinen Umständen verschieben. Daher erlaube ich mir, Ihnen diesen kurzen schriftli­chen Bericht über meine Vertreter zugehen zu lassen.
1. Ich möchte Ihnen zunächst meinen tiefempfundenen Dank für die wert­volle Präsenz des IRK-Büros in unserer Stadt, im Zentrum, sagen. Ich bitte Sie, Sorge zu tragen, daß es uns, abgesehen von einer möglichen und empfehlens­werten Eröffnung von Zweigstellen desselben in Nachbarorten (Doboj, Te¹anj, ®epèe ...), auch in Zukunft erhalten bleibt.
2. Mein Bistum Banja Luka umfaßt den nordwestlichen Teil von Bosnien und Herzegowina, ein Gebiet von 27 Gemeinden bzw. 15.600 qkm. Vor diesem Krieg lebten in diesem Gebiet, auf 47 Pfarrgemeinden verteilt, rd. 120.000 Ka­tholiken, hauptsächlich Kroaten nebst einigen Minderheiten (Italienern, Polen, Tschechen). Während des Krieges kam der größte Teil meines Bistums, ein Ge­biet von 38 Pfarrgemeinden, unter serbische Hoheit. Acht Pfarrgemeinden be­finden sich auf kroatischem und eine liegt auf muslimischem Hoheitsgebiet. Etwas über 41.000 Gläubige mußten das serbischer Hoheit unterstehende Ge­biet, in dem vor dem Kriege über 71.000 von ihnen ansässig waren, verlassen; sie wurden vertrieben, ausgesiedelt oder, obwohl es keine kriegerischen Zusam­menstöße gegeben hatte, getötet. Die Tendenz zu ethnischer Säuberung hat System, und der Prozeß setzt sich unaufhaltsam fort! Trotz all meiner friedlichen Bemühungen, dieses faschistische Vorgehen gegen unser völlig unschuldiges Volk aufzuhalten, setzt sich das unmenschliche Geschehen fort, wobei viele Indizien auf sorgfältige Ausarbeitung und Planung des Ganzen hindeuten! Von meinen Kirchen wurden über 40% völlig zerstört und weitere gut 50% schwerer oder leichter beschädigt, mit dem eindeutig erkennbaren Bestreben, die Gegend dadurch rascher von der gläubigen Bevölkerung zu "säubern"! Fast 100% unse­rer Menschen wurden bereits aus dem Arbeitsverhältnis entlassen, und sie wer­den ununterbrochen sowohl physisch als auch psychisch gedrängt, aus ihren Wohnungen und Häusern, von ihren jahrhundertealten Heimstätten, wegzuzie­hen.
3. Ich bin sehr froh und danke Gott, Ihnen berichten zu können, daß mein Volk und die katholischen Gläubigen dieses Gebiets keiner der anderen Grup­pen, weder den orthodoxen Serben noch den Moslems, etwas Böses angetan und niemanden bedroht haben! Sie können jedermann als Menschen von Ehre offen ins Gesicht sehen!
Ais Teil des auf dem Boden von Bosnien und Herzegowina lebenden Staatsvolks halten wir es sowohl unter geschichtlichen Gesichtspunkten als auch im heutigen Rahmen für unser natürliches Recht, in dem Gebiet und den Heim­stätten, wo wir jahrhundertelang ansässig waren, zu bleiben und dort auch in Zukunft friedlich und würdig zu leben! Bei der jetzigen Entwicklung der Dinge - unter den Bedingungen der ethnischen Säuberung und der Gesetze der Gewalt und der Macht des Stärkeren - wird sich dies schwer verwirklichen lassen! Auch vor Ihnen und der durch Sie vertretenen Institution erhebe ich hiermit meine Stimme entschieden gegen jedwede ethnische Säuberung und alle sonstigen Formen der Unterdrückung fundamentaler Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten, gleich, wo und durch wen dies geschieht! Die internationale Öffent­lichkeit muß über ihre zuständigen Institutionen einen Weg finden, um die, die sich in der Mehrheit befinden und stärker sind, zur Achtung gegenüber Minder­heiten und Schwächeren zu zwingen. Anders ausgedrückt: ohne gegenseitige Achtung und ohne Rechtsgarantien für ein jedes der in Bosnien beheimateten Völker wird es auf dem Boden von Bosnien und Herzegowina, auf dem, wie Sie sehr gut wissen, Völker, Kulturen, Religionen und Zivilisationen ineinander verwoben sind, keinen gerechten Frieden geben!
Ich appelliere an Sie, Herr Präsident, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, damit einzelne Menschen und Minderheiten wieder ihre fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten zurückbekommen und diese garan­tiert werden, daß der ethnischen Säuberung ein Ende gesetzt wird und alle Vertriebenen und Flüchtlinge wieder zurückkehren und in ihrer Heimat ein friedli­ches Leben führen können!
4. Zur katholischen Bevölkerung, um die ich mich auch materiell küm­mern muß, vor allem über die Caritas des Bistums Banja Luka, zählen die hier verbliebenen Gläubigen meines Bistums sowie Gläubige aus dem Gebiet des benachbarten Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo), insgesamt nahezu 65.000 Men­schen! Bis jetzt konnte ich durch mein Bemühen und mit der Hilfe, die wir vom TRK und vom UNHCR erhielten, Tausenden von Menschen das Leben retten! In letzter Zeit geschieht es immer häufiger, daß die Behörden der RS nicht gestatten, daß Konvois unserer Caritas nach Zagreb fahren, um dringend not­wendige Lebensmittel zu holen! Ich bitte Sie, uns diesbezüglich durch entspre­chende Interventionen behilflich zu sein! Ich danke Ihnen aufrichtig für alles!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

TROTZ IHRES EINTRETENS FÜR DEN FRIEDEN WERDEN DIE KATHOLIKEN IN BANJA LUKA ENTSETZLICH BESTRAFT
Schreiben des Bischofs an den Präsidenten der Kommission der Europäischen Union, Jacques Santer
(Prot. Nr. Präs. 37/95 vom 13. März 1995)

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sie hatten die Güte, mir als Termin für ein Gespräch in Brüssel Donners­tag, den 09. März anzubieten. Zu meinem großen Bedauern überschneidet sich dieser Termin jedoch mit bereits früher festgelegten Terminen in Bonn.
Ich hatte vor, Sie und die zuständigen europäischen Politiker um Hilfe zu bitten, damit ein Weg zu einer gerechten Beilegung des Kriegsdramas in meiner Heimat Bosnien und Herzegowina und zur Wiederherstellung der menschlichen Grundrechte auch für die entrechteten Menschen im Bistum Banja Luka gefun­den wird. Wir Katholiken in Banja Luka werden trotz unseres Eintretens für den Frieden entsetzlich bestraft und von allen einflußreichen Politikern - sowohl des In- als auch des Auslands - im Stich gelassen.
Ich betrachte es als meine Pflicht, alle diejenigen, die sich für die Wah­rung der Grundsätze unserer europäischen Zivilisation verantwortlich fühlen, über die äußerst unmenschliche Entwicklung des Geschehens in meiner Hei­matstadt und in dem unter der Kontrolle der bosnischen Serben stehenden Ge­biet zu informieren.
Ich bin sicher, daß Sie sich, soweit ich Sie kenne, entschieden für eine internationale Kontrolle auch dieses bisher vernachlässigten Gebiets in meiner Heimat Bosnien und Herzegowina einsetzen werden.
Für alle Schritte, die Sie diesbezüglich noch unternehmen werden, möch­te ich Ihnen hiermit im Namen alter entrechteten Menschen in meinem Bistum, in meiner Heimat Bosnien und Herzegowina und im ganzen ehemaligen Jugo­slawien von ganzem Herzen danken.
Für Ihre schwere und verantwortungsvolle Arbeit im Dienste des europäischen Menschen werde ich Gott um reichen Segen bitten.
Ich übermittle Ihnen meine Grüße in dankbarer Erinnerung an Ihr gütiges Herz und Ihre christliche Gesinnung und verbleibe hochachtungsvoll, Ihr

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

MEINE HILFERUFE WAREN MEIST DIE STIMME EINES EINSAMEN RUFERS IN DER WÜSTE
Schreiben an das UNHCR und das IKRK über deren Büros in Banja Luka
(Prot. Nr. 299/95 vom 04. Mai 1995)

Sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
Ihnen ebenso wie der Öffentlichkeit ist bekannt, daß ich als katholischer Bischof von Banja Luka viele Male, und besonders in der jüngsten Zeit, meine Stimme zum Schutz entrechteter und schutzloser Menschen sowie zum Schutz jedes einzelnen Menschenlebens, ohne Ansehen der Person, erhoben habe.
Leider blieben meine Hilferufe meistens eine einsame Stimme in der Wüste, die kaum jemand hören wollte. Trotzdem bleibt es mein Anliegen, auch weiterhin an alle Menschen humaner Gesinnung im In- und Ausland, seien es Angehörige humanitärer Organisationen. Mitglieder politischer Parteien oder Staatsmacht in den Händen haltende Persönlichkeiten, zu appellieren, sich für den Schutz aller schutzlosen Menschen sowohl auf dem Territorium der Republik Kroatien als auch auf dem von Bosnien und Herzegowina einzusetzen.
Die jüngsten dramatischen Ausschreitungen gegen die serbische Bevöl­kerung des Gebiets Westslawonien in Kroatien und gegen die kroatische Bevöl­kerung der Region Banja Luka - Bosanska Gradi¹ka in Bosnien, hier besonders die heutige gewaltsame Entführung katholischer - zum größten Teil hochbetag­ter - Ordensschwestern aus den uralten Klöstern in Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola in unbekannte Richtung, wovon unser Bischöfliches Ordina­riat Sie und die hiesigen Behörden in Kenntnis gesetzt hat, dürfen keinen hu­man gesinnten Menschen gleichgültig lassen!
Ich appelliere daher nochmals an alle zuständigen Persönlichkeiten und Institutionen, sicherzustellen, daß allen Menschen, insbesondere den völlig schutzlos dastehenden, die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten zugestanden werden, vor allem das Recht auf Leben, auf eine Wohnstätte, auf die Heimat und auf Eigentum!
Werden Sie in Ihrem humanen Kampf zum Schutz eines jeden bedrohten und entrechteten Menschen ohne Ansehen der jeweiligen religiösen oder natio­nalen Zugehörigkeit nicht müde! 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
die Öffentlichen Medien

 anfang der seite

DRAMATISCHE VERSCHLECHTERUNG DER SITUATION FÜR DIE KATHOLIKEN IN BANJA LUKA UND UMGEBUNG
Appell des Bischofs Komarica an die Politiker und an die kirchlichen und Humanitären Organisationen nach der Zerstörung des Klosters und der Kirche in Petriæevac, der Kirche in ©argovac und der Ermordung des Franziskanerpaters Alojzije Atlija
(Prot. Nr. 309/95 vom 07. Mai 1995)

Nach der am 04. Mai d. J. erfolgten gewaltsamen Vertreibung aller Ordensschwestern aus zwei uralten Klöstern in Bosanski Aleksandrovac und Nova Topola erfolgte ein Brandanschlag auf die Kirche des am Rande von Banja Luka gelegenen Dorfes Vujnoviæi.
In der Nacht vom 06. auf den 07. Mai wurde die neue große Pfarr- und Klosterkirche in Petriæevac, welches Teil von Banja Luka ist, durch eine große Menge Sprengstoff völlig zerstört, sowie das Franziskanerkloster in Brand ge­steckt.
Einer der Klosterbrüder starb an einem Infarkt. In der gleichen Nacht wurde die Kirche des am Rande von Banja Luka gelegenen Dorfes ©argovac völlig zerstört.
Die hiesigen Katholiken wurden von Furcht und Panik ergriffen, da sie den einheimischen und neu hinzugekommenen serbischen Extremisten schutz­los ausgeliefert sind. Da sie zu Geiseln geworden sind, droht ihnen die reale Gefahr eines sie direkt betreffenden Pogroms und einer Massenvertreibung.
Die Lage ist in der Tat dramatisch, weil das Verhalten der hiesigen Behör­den den Eindruck vermittelt, daß sie hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit in Banja Luka und der Region Banja Luka die Lage nicht mehr voll unter Kontrol­le haben.
Wir beschwören alle Politiker des In- und Auslands sowie die Vertreter der Kirche und der humanitären Organisationen, diesen großen und schweren neuen Verbrechen an der schutzlosen katholischen Bevölkerung in Form von Mordtaten und ethnischer Säuberung so schnell und so energisch wie möglich ein Ende zu machen.

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DIE AGONIE DER IM NORDWESTLICHEN BOSNIEN LEBENDEN NICHTSERBISCHEN BEVÖLKERUNG WÄHRT INZWISCHEN SCHON DREI JAHRE!
Schreiben des Bischofs an den deutschen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl
(Prot. Nr. Präs. 67/95 vom 17. Mai 1995)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
gestatten Sie mir, daß ich mich erneut an Sie wende. Die schreckliche Agonie der nichtserbischen Bevölkerung, vor allem der Kroaten und der Bosni­er, in diesem von den bosnischen Serben besetzten Gebiet um Banja Luka im nordwestlichen Teil Bosniens währt inzwischen schon drei Jahre.
Wegen der unerträglichen Schikanen und des Entzugs fast aller Grund­rechte und Freiheiten durch die Serben waren sehr viele Menschen (80 bzw. 90%) gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und als Flüchtlinge und Vertriebene ohne sichere Zukunft in verschiedenen europäischen Ländern einschließlich Deutschlands zu leben.
Hier bei uns hat es keine kriegerischen Zusammenstöße gegeben, wir haben uns absolut friedlich verhalten und unseren Nachbarn nichts Böses angetan. Trotzdem verhält man sich uns gegenüber so, als ob wir keine Menschen seien. Während dieser ganzen Zeit unserer Agonie hat sich trotz unserer lauten Hilferufe niemand für uns eingesetzt! Alle Politiker und alle Menschenrechtskämpfer haben uns allein gelassen!
Außerdem muß ich als katholischer Bischof in meiner Heimatstadt hilflos mit ansehen, wie meine Gläubigen, Geistlichen und Ordensleute, völlig unschuldige Menschen, brutal ermordet und Kirchen, Klöster sowie andere kirch­liche Einrichtungen vollständig zerstört werden, mein Bistum also einfach verschwindet. Allein in den letzten zehn Tagen wurden zwei meiner Geistlichen sowie eine Ordensschwester in ihren Pfarreizentren bzw. einem Kloster ermordet und Ordensschwestern aus zwei Klöstern brutal verjagt und die Klostergebäude beschlagnahmt. Aus einem weiteren Kloster wurden die Ordensbrüder vertrieben; ihr Kloster wurde angezündet und zerstört. Ebenso zerstörte man eine große Pfarrkirche, vier Tochterkirchen und schließlich noch eine große Pfarr- und Wallfahrtskirche und ein Seelsorgezentrum! Man will auch den Rest der katholischen kirchlichen und kulturellen Institutionen in diesem Gebiet gänzlich auslöschen, nachdem die Mehrzahl der anderen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen schon früher völlig vernichtet worden ist. Absolut ohne jeden Anlaß betreibt man hier unbehelligt Genozid, Ethnozid, Kulturausrottung und die vorsätzliche Vernichtung der katholischen Kirche - in einem Gebiet, wo dieselbe als älteste religiöse Gemeinschaft im Laufe der Jahrhunderte die Einfälle der Mongolen und der Tataren und die Ottomanische Invasion und schließ­lich auch die atheistischen Kommunisten überdauert hat! Jetzt wollen blinde extremistische Führer der bosnischen Serben "im Namen der serbischen Ortho­doxie" (!) uns Katholiken und selbstverständlich auch die muslimischen Bosni­er brutal vertreiben und vernichten.
Durch unser friedfertiges Verhalten und unsere im Verhältnis zu unseren Nachbarn, orthodoxen Serben und Muslimen, praktizierte ökumenische Ein­stellung haben wir den Beweis erbracht, daß wir willens und imstande sind, friedlich und mit Respekt für die anderen in der einzigen Heimat, die wir haben, zusammenzuleben! Warum werden wir derart brutal bestraft? Warum will uns in unseren unerträglichen Nöten keiner der "Mächtigen" helfen? Warum läßt man zu, daß sich bei uns brutaler Faschismus und Rassismus austoben, ohne wirklich danach zu fragen, was sich hier tatsächlich abspielt? Viele Male habe ich versucht, hohe Politiker in Kroatien und in Europa für unsere hoffnungslose Lage zu interessieren (die bosnischen Politiker haben mir schon vor längerer Zeit gesagt, daß sie für uns "nichts tun können"!). Leider ist bisher alles um­sonst gewesen!
Jetzt ist es für uns zu einer Situation gekommen, in der wir sagen müs­sen: Es muß uns jemand schützen und die uns genommenen Menschenrechte und Freiheiten zurückgeben oder diesen unseren psychisch erschöpften Men­schen endlich die Möglichkeit geben, auszuwandern und sich irgendwo eine neue Heimat zu schaffen! Es geht um fast 35.000 Katholiken (Kroaten und an­dere) und ungefähr 40.000 Bosnier!
Ich bitte Sie, Herr Bundeskanzler, diesem Hilferuf eines katholischen Bi­schofs, des Bischofs eines europäischen (!) Bistums, Ihre Beachtung zu schen­ken, auch deshalb, weil Sie mir vergangenes Jahr auf dem Katholikentag in Dresden versprochen haben, unser Anwalt zu sein! Es ist hierfür höchste Zeit! Ich bitte Sie, sich zu verwenden, damit von internationaler Seite so schnell wie möglich eine Untersuchung unserer Lage erfolgt! Im Namen der vielen Ent­rechteten in Banja Luka und Umgebung sage ich Ihnen hiermit im voraus Dank!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

SETZEN SIE SICH ENERGISCH FÜR UNS EIN!
Schreiben an den Menschenrechts-Sonderbotschafter der Vereinten Nationen, Herrn T. Mazowiecki
(Prot. Nr. 407/95 vom 01. Juni 1995)

Eure Exzellenz,
ich danke Ihnen für das heutige Telefongespräch. Haben Sie Dank für Ihre Bereitschaft, der Problematik der äußerst dramatischen, fast unerträglichen Lage der Katholiken (Kroaten und andere) der unter Kontrolle der bosnischen Serben befindlichen Region Banja Luka ernsthaft entgegenzutreten.
Die übriggebliebenen Gläubigen meines Bistums in der Gemeinde Banja Luka (es sind nahezu 12.000), die trotz aller Schikanen und trotz Entrechtung hiergeblieben sind, werden jetzt von serbischen Extremisten gezwungen, die Häuser zu verlassen. Einige Hundert davon stehen im Wortsinn auf der Straße, und fast allen Familien wird Gewalt angedroht, um sie zum Verlassen ihres Heims und ihrer Heimat zu zwingen. Die offiziellen politischen Gremien tun nichts für den Schutz dieser Menschen.
Die politischen Führer der hiesigen Serben erlauben vielen Serben aus Westslawonien nicht, dorthin zurückzukehren, um einen Vorwand für die restlo­se Vertreibung der übriggebliebenen Kroaten zu haben!
Ich bitte Sie, Eure Exzellenz, sich gemeinsam mit anderen Institutionen wie der Europäischen Gemeinschaft, dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes und dem UNHCR, aber auch über politische Institutionen (die kroati­sche Regierung, die Regierung der Föderation Bosnien und Herzegowina, die Kontaktgruppe u.a.m.) energisch einzusetzen! Die friedlichen und nach Frieden strebenden kroatischen und anderen Katholiken wie auch die Bosnier in unserer Region Banja Luka müssen auch zukünftig ein menschenwürdiges Leben ha­ben. Lassen Sie es nicht zu, daß mit dein augenblicklich herrschenden Recht des Stärkeren, das von einer relativ kleinen Gruppe von Extremisten des serbi­schen Volkes ausgeübt wird, die unschuldige nichtserbische Bevölkerung der Region Banja Luka in faschistischer Manier vollständig ausgemerzt wird!
Wir erwarten von Ihnen, wie von allen einflußreichen Persönlichkeiten, daß Sie an unserem Beispiel Ihre humane Gesinnung und Ihr Eintreten für die fundamentalen Menschenrechte zeigen! Lassen Sie es nicht zu, daß hier bei uns die Schändung des Menschen triumphiert, daß es dazu kommt, daß morgen niemand mehr hier leben will. Sie können dies verhindern, und Sie können nicht umhin, es verhindern zu wollen. Im Namen der entrechteten Menschen in meiner Heimatstadt Banja Luka und im übrigen Gebiet meines Bistums sage ich Ihnen im voraus meinen Dank und verbleibe mit dem Ausdruck meiner besonderen Hochachtung

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
- den Präsidenten der Republik Kroatien
- den Präsidenten der Föderation BiH
- den Präsidenten des Europäischen Parlaments
- die Apostolische Nuntiatur
- das Sekretariat der BK BiH

 anfang der seite

WIR WERDEN AUCH WEITERHIN BEHARRLICH DEN WEG DER VERGEBUNG BESCHREITEN
Schreiben des Bischofs an den für Bürgerrechtsangelegenheiten zuständigen Leiter bei den Vereinten Nationen, Herrn M. Moussali
(Prot.-Nr. Präs. 82/95 vom 15. Juni 1995)

Eure Exzellenz,
ich danke Ihnen aufrichtig für Ihr geschätztes Schreiben vom 01. Juni 1995. Ich bin sicher, daß alle darin an mich gerichteten, von humaner Gesin­nung und Edelmut zeugenden Worte Ausdruck aufrichtiger Menschenliebe und entschiedenen Eintretens für den Schutz der fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten sind, eines Eintretens, mit dem man rechnen kann, wo und wann auch immer diese Rechte und Freiheiten (wie eben auch in unse­rem tragischen Fall) entzogen oder unterdrückt wurden und werden.
Sie führen in Ihrem Schreiben an, daß es Ihnen "möglich war, die unbe­sonnene Verletzung der Menschenrechte gegenüber der kroatischen Volksgrup­pe in der Region (der Region von Banja Luka) genau zu verfolgen und darüber mit Nachdruck zu berichten", und daß "die unbesonnenen und demütigenden Verletzungen der Menschenrechte trotz unserer (d.h. Ihrer) scharf formulierten Aufrufe und leiderfüllt vorgebrachten Bitten weitergehen".
Ihre Bereitschaft und die Ihrer geschätzten Kollegen, der hiesigen ent­rechteten Bevölkerung, wie Sie in ihrem Schreiben hervorheben, auch zukünf­tig in der für den Zweck geeignetsten Weise zu helfen, vermittelt uns zusätzlich Hoffnung, daß auch diesem zum Himmel schreienden gesetzlosen Vorgehen der Machthaber gegenüber ihren völlig unschuldigen Mitbürgern in der Region Banja Luka, aber auch im weiteren Umkreis, bald ein Ende gesetzt wird. All jenen Tätern, die hier schon längere Zeit Verbrechen gegen die Menschlichkeit bege­hen, und insbesondere jenen sehr wohl bekannten, die diese Verbrechen planen und andere beauftragen, sie auszuführen, muß auch vom Generalstab der UN-Friedenstruppe klar, in aller Öffentlichkeit und nicht nur einmal zu verstehen gegeben werden, daß sie sich für ihre Untaten vor der Völkergemeinschaft zu verantworten und die entsprechenden Folgen zu tragen haben werden. Keinem normalen Menschen kann es gleichgültig sein, wenn sein Name öffentlich als der eines möglichen Verbrechers genannt wird und er zu verstehen bekommt, daß seine Untaten früher oder später vor einem internationalen Gericht bewiesen werden könnten!
Wir selbst tun unser Möglichstes, um zu verhindern, daß es unter uns nicht zu noch mehr Verbrechen kommt. Als Gläubige und Katholiken stützen wir uns auf unseren Glauben an Christus und Sein Evangelium. Wir werden auch weiterhin beharrlich bemüht sein, denen, die uns quälen, zu vergeben, und auf friedliches Verhalten gegenüber unseren Nachbarn hinzuarbeiten. Es ist eine Gnade Gottes, daß wir bisher niemandem etwas zuleide getan haben. Daher meinen wir, daß man uns, nur weil wir in unserer jahrhundertealten Heimat nicht als Sklaven, sondern als Menschen friedlich und einander achtend und respektierend mit den Angehörigen anderer Völker, Religionen und Kulturen zusammenleben wollen, nicht derart drastisch bestrafen dürfte.
Wir appellieren deshalb erneut an Sie alle, die Sie autorisiert und ver­pflichtet sind, in diesem Teil des europäischen Kontinents internationales Recht anzuwenden, daß Sie nicht müde werden, dieses entschieden und konsequent in alten Fällen offensichtlicher Unterdrückung der Menschen- und Bürgerrechte und der menschlichen und bürgerlichen Freiheiten und fortgesetzter Verbrechen an der unschuldigen Zivilbevölkerung anzuwenden! Das Opfer ist vor der rück­sichtslosen Willkür des Gesetzlosen und des Gewalttäters zu schützen! Auch in diesem unseren Gebiet dürfen die Grundsätze der europäischen Zivilisation und der Menschlichkeit nicht in Frage gestellt, geschweige denn außer Kraft gesetzt werden! Sie und alle Persönlichkeiten Ihrer Umgebung müssen als klare und sichere Garantie dafür stehen!
Gestatten Sie mir bitte, für all die um mich geschälten Entrechteten, in deren Namen ich Ihnen diese Zeilen schreibe, und für meine Person unseren aufrichtigen Dank und unsere Hochachtung zum Ausdruck zu bringen.

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DAS DRINGLICHSTE IST FÜR UNS DAS RECHT AUF LEBEN
Schreiben des Bischofs an die Internationale Menschenrechtskommission - Deutsche Sektion
(Prot. Nr. Präs. 80/95 vom 16. Juni 1995)

Liebe hochgeehrte Menschenfreunde,
ich möchte Ihnen von ganzem Herzen für Ihr geschätztes Schreiben vom 31. Mai 1995 danken, in dem Sie Ihre so wertvolle Solidarität und ihre Bereit­schaft, uns in unserer großen Bedrängnis zu helfen, zum Ausdruck bringen.
Wie Sie selbst vermuten, benötigen wir hier Nahrung, Lebensmittel und Medikamente für einige Zehntausend notleidende Menschen, nicht nur für ka­tholische Kroaten, sondern auch für andere (Bosnier, Serben u. a. m.), die von uns Hilfe erwarten!
Noch mehr aber brauchen wir das Recht auf unser Leben als solches, auf unser Eigentum, auf unsere Häuser und Wohnungen, auf unsere Heimat und auf ein menschenwürdiges Leben! Sie wollen bitte verzeihen, aber Nahrung und medizinische Hilfe brauchen selbst Tiere; uns geht es darum, wie Menschen zu leben! Nahrung brauchen selbst Sklaven; uns geht es darum, keine Sklaven zu sein! Darüber hinaus ist es aufgrund unserer religiösen Überzeugung und unse­rer kulturellen Zugehörigkeit unser Anliegen, uns als unermüdliche Anwälte und friedliche Kämpfer für die Durchsetzung der obersten Maximen einzuset­zen, die unsere europäische Zivilisation tragen!
Wir bitten Sie daher, uns in unserer Entschlossenheit, dem Guten zu die­nen und die menschlichen Grundrechte und Freiheiten zu verteidigen, wirksam zu unterstützen!
Was nun die angebotene materielle Hilfe angeht, darf ich Sie bitten, sich mit meinem Vikar in Zagreb, Herrn Dr. Miljenko Anièiæ, in Verbindung zu set­zen, der gleichzeitig Leiter der bischöflichen Caritas ist. Er wird Ihnen genaue Angaben bezüglich "dringend erforderlicher Sachen, Medikamente und Lebensmittel" machen können. Seine Telefon- und Faxnummer in Zagreb ist:
003851 454-934 bzw. 275-695 bzw. 426-767 (privat).
Ich bitte Sie, sofern es Ihnen recht ist, den beigefügten Appell an alle Politiker usw. entsprechend weiterzusenden.
Haben Sie herzlichen Dank dafür!
Ich verbleibe dankend mit einem herzlichen Gruß

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ERNEUT WENDE ICH MICH AN SIE - ZUM WER WEISS WIEVIELTEN MAL?!
Appell des Bischofs Komarica an alle politische Verantwortung tragenden Persönlichkeilen Europas und der Welt, alle Mitglieder humanitärer Organisationen, alle Vertreter religiöser Gemeinschaften und alle Menschen humaner und edler Gesinnung
(Prot. Nr. Präs. 79/95 vom 16. Juni 1995)

Liebe Mitmenschen, meine Brüder,
ich wende mich an Sie genau als solche, als meine menschlichen Brüder!
Der Tag, an dem ich dies tue, ist der dritte Jahrestag der gewaltsamen Entführung von Hochw. Ratko Grgiæ aus dem Gemeindeseelsorgezentrum in Nova Topola (Region Banja Luka), eines als Verfechter des Friedens bekannten Geistlichen, und noch immer wollen uns die amtlichen Stellen keinerlei Infor­mationen über sein Grab geben!
Ich wende mich erneut an Sie, zum wer weiß wievielten Male, im Namen einiger Hunderttausend Landsleute und anderer, die unsere Nachbarn sind, im Namen von Menschen, denen man bereits mehr als tausend Tage lang grundlos das Recht streitig macht, Menschen zu sein!
Dies geschieht vor Ihrer Tür, vor Ihren Augen, vor ihrem Gewissen!
Es geschieht hier in Bosnien, in meiner Heimat, wo wir keinen Krieg wollten, geschweige denn einen gegen unsere Nachbarn geführt haben, wo wir uns beharrlich, mit übermenschlicher Anstrengung und Gottes Hilfe für Frie­den, Vergebung, Respektierung aller fundamentalen Menschen- und Bürger­rechte unserer Nachbarn und überhaupt aller Menschen und für den Schutz und die Bewahrung der menschlichen Würde und all der Errungenschaften einge­setzt haben, die wir dem gemeinsamen Schaffen vieler Generationen von Men­schen unseres Gebiets verdanken; Errungenschaften, die trotz verständlicher eth­nischer, kultureller oder religiöser Verschiedenheiten dieser Menschen erreicht wurden!
Mit einer Wiedergeburt des Faschismus und der Einführung des Rassis­mus in diesem Teil unseres europäischen Kontinents können wir uns niemals abfinden, weil Derartiges in unseren Augen am Ende des 20. Jahrhunderts für keines unserer Völker bzw. für keine unter uns lebende ethnische, religiöse oder ideologisch ausgerichtete Gruppe annehmbar ist!
Leider haben viele politische Persönlichkeiten und andere einflussreiche Personen, die uns bei unseren humanen und friedlichen Bestrebungen, die auch Ihnen nicht unbekannt geblieben sind, hallen helfen können und müssen, nichts unternommen!
Obwohl es nun schon vier Jahre her ist, daß man uns fast alle unsere Rechte (besonders das Recht auf unser Leben, auf Eigentum, auf Wohnung, auf Heimat, auf Arbeit, auf sozialen Schutz, auf Gleichberechtigung, auf zum Le­ben notwendige Güter, auf religiöse Zugehörigkeit usw.) entzogen hat bzw. be­droht, und obwohl wir ungezählte Male an alle auf politischem und humanitä­rem Gebiet führenden Persönlichkeiten des In- und Auslands appelliert haben, wendet sich unsere äußerst dramatische Lage nicht zum Besseren!
Im Bewußtsein unserer Unschuld fragen wir erneut alle unsere Peiniger und auch Sie, die Sie beobachten, was mit uns geschieht:
- Warum veranlassen Sie und warum dulden Sie, daß an uns, Ihren fried­fertigen Brüdern, entsetzliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt wer­den?
- Was ist Ihr Ziel, wenn Sie veranlassen bzw. dulden, daß der Nazismus, der Faschismus und der Rassismus, mit denen wir es derzeit zu tun haben, er­neut ins Werk gesetzt werden, während Sie andererseits den 50. Jahrestag des Sieges über den Faschismus feiern?
- Haben Sie wirklich alles getan, was Sie konnten, um diese unschuldi­gen und ausgesprochen friedfertigen Menschen hinsichtlich ihrer Würde und ihrer Rechte wirksamer und energischer zu schützen und ihnen bei ihren friedli­chen Bestrebungen zu helfen?
- Wollen Sie wahrhaftig bewußt zulassen, daß auch in Zukunft unschuldi­ge Männer, Kinder, Frauen, alte Menschen und unermüdliche Kämpfer für ei­nen gerechten Frieden und ein gemeinsames Leben hier in unserem Gebiet dif­famiert, verjagt, mißhandelt und ermordet werden?
- Die unschuldigen Mordopfer, sieben Geistliche und Ordensleute, die sich nachdrücklich für den Frieden eingesetzt hatten, und über 400 Zivilisten, Gläubige meines Bistums Banja Luka, die in ihren Häusern brutal umgebracht wurden, sowie die vielen anderen unschuldigen Opfer aus unserer Bevölkerung im Gebiet von Banja Luka und Nordwestbosnien (das Gebiet meines Bistums) erlegen mir die Verpflichtung auf, in ihrem Namen mögliche weitere Opfer des durch nichts provozierten wilden Wütens der Gesetzlosigkeit und des Rechts des Stärkeren zu verhindern!
Ich beschwöre auch diesmal alle diejenigen unter Ihnen, denen ihre menschliche Würde etwas wert ist, daß sie persönlich energischer darauf hin­wirken, daß alle Entrechteten und Unterdrückten in meiner Heimat und meinem Vaterland Bosnien und Herzegowina und überall sonst, wo dies nötig ist, die Menschenrechte und die Würde, die man ihnen genommen hat, wiederbekom­men!
Ihnen allen, die Sie sich auch bisher schon energisch und beharrlich, sei es hier bei uns oder sonstwo, für Entrechtete und für Vergebung, Versöhnung und einen gerechten Frieden unter den Menschen und den Völkern eingesetzt haben, spreche ich hiermit meinen aufrichtigen Dank aus!
"Wahrlich, ich sage euch, was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan! ... Was immer ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan!" (Mt 25, 40.45) 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DIE DRAMATISCHE SITUATION UND DIE VÖLLIG UNSICHERE ZUKUNFT DER KROATISCHEN UND SONSTIGEN KATHOLIKEN IM UNTER SERBISCHER KONTROLLE STEHENDEN GEBIET DER REGION BANJA LUKA
Schreiben an Franz Bogen, den Botschafter der Republik Osterreich in BiH
(Prot. Nr. 473/95 vom 22. Juni 1995)

Eure Exzellenz, sehr geehrter Herr Botschafter,
im Namen der Katholiken des Bistums Banja Luka begrüße ich Sie hier bei uns in Banja Luka. Ihre Präsenz ist für uns ein Lichtstrahl der Hoffnung, der zeigt, daß wir immerhin nicht gänzlich vergessen und der Willkür der faschisto­iden Machthaber, die mit uns oft schlimmer als mit Sklaven umgehen, überlas­sen sind!
Wie Sie bereits wissen, sind die Katholiken, vor allem Kroaten, aber auch andere, die älteste religiöse Gemeinschaft und ethnische Gruppe in dieser Regi­on. Infolge verhängnisvoller Ereignisse in Glaubensdingen mußten unsere Vor­fahren die Ungerechtigkeit stärkerer und brutaler Nachbarn ertragen. Aber trotz der Vernichtung unserer kulturellen und religiösen Wurzeln und trotz Verfol­gungen und Vertreibung ist es uns durch unser friedliches Verhalten und auf unseren christlichen Glauben gestützt gelungen, uns zu behaupten und die Wer­te der europäischen Lebensführung und Zivilisation in dieser Region erneut aufleben zu lassen!
Dies möchten wir auch für die Zukunft! Wie aber ist dies realisierbar?
Wie Sie wissen, haben die bosnischen Serben, gestützt auf ihre militäri­sche Übermacht, aber auch auf die Indifferenz einflußreicher Machthaber in Europa und in der Welt, eine faschistische und rassistische ethnische Säuberung und eine umfassende Ausrottung der Angehörigen unserer ethnischen Gruppe und religiösen Gemeinschaft in allen bereits 1992 von ihnen besetzten Gebieten durchgeführt.
Drei Viertel des Bistums Banja Luka in Nordwestbosnien (ein rd. 16.000 qkm umfassendes Gebiet mit nahezu 120.000 Gläubigen) befinden sich in der Gewalt radikaler serbischer Extremisten. Wenn es nach den Worten, aber auch den Taten öffentlicher Vertreter der bosnischen Serben ginge, hätten Nichtserben hier nichts zu suchen!
Wenn Nichtserben trotzdem in ihren Wohnungen und Häusern und an ihren Geburtsorten bleiben wollen, wobei sie entschlossen sind, mit den ande­ren in Frieden und gegenseitiger Achtung zusammenzuleben, bekommen sie zu spüren, daß sie nicht einmal zweitrangige Menschen sind. Oft behandelt man sie schlimmer als Tiere! Es erscheint unglaublich, aber es ist wahr!
Es ist nun schon das vierte Jahr, daß wir in unserer einzigen Heimat nicht als Fremde, sondern vielmehr als völlig Entrechtete leben. Obwohl wir unschul­dige und friedfertige Menschen sind, bereit, jedem zu helfen, sogar denjenigen, die uns grundlos hassen, schikaniert, entehrt und mißhandelt man uns in vielfältiger Weise. Dafür gibt es zahllose Beweise!
Oft mußte ich, weil es niemanden anderes gibt, der uns politisch vertre­ten könnte, als Bischof sowohl vor den serbischen als auch vor den kroatischen und bosnischen, aber auch vor den europäischen Politikern meine Stimme zum Schutz und für die Wiedererlangung der fundamentalen Menschen- und Bürger­rechte und Freiheiten erheben. Obwohl unsere wirklich unerträgliche Situation und die völlige Unsicherheit unserer Zukunft allen politischen Vertretern des In-und Auslands zur Genüge bekannt sind, wird noch immer nichts unternommen!
Warum?
Warum sollen wir hier, in dem Gebiet, wo wir schon seit Jahrhunderten unsere Wurzeln haben, nicht auch zukünftig gleichberechtigt als Katholiken und Kroaten leben? Will hier jemand Rassismus und Faschismus aktiv ins Werk setzen oder zulassen, damit er einen Vorwand für ähnliches Vorgehen andern­orts in den Nachbarländern und auf unserem europäischen Kontinent hat?
Falls dem tatsächlich so wäre, wären ich und viele Menschen meiner Umgebung niemals damit einverstanden!
Auch in Zukunft werden wir von allen Machthabern das fordern, worauf sie für sich selbst Anspruch erheben - die Achtung der allgemeinen Menschen­rechte und Freiheilen, die Beendigung des Genozids und der Kulturvernichtung und die Einstellung der vollständigen Ausrottung der hiesigen alten Religions­gemeinschaften!
Wir verlangen ein menschenwürdiges Leben für alle, die Ermöglichung der Rückkehr aller Flüchtlinge und den Schutz der religiösen, nationalen und kulturellen Identität jedes einzelnen Menschen und jeder religiösen, ethnischen und kulturellen Gruppe!
Wir verlangen, daß die Völkergemeinschaft, vor allem die Europäische Gemeinschaft, sich entsprechend einsetzt und hilft, damit auch in unsere Hei­mat alle humanen und positiven Errungenschaften der europäischen Zivilisati­on und Kultur Eingang finden.
Wir hoffen, daß Europäer edler, aufrichtiger und humaner Gesinnung uns verstehen und uns bei unserem entschlossenen Streben, eine Zivilisation der Liebe und des gemeinsamen Lebens gerade in diesem komplexen Teil des euro­päischen Kontinents zu verwirklichen, unterstützen werden!
Ich bin Ihnen dankbar für diese Möglichkeit, Ihnen vertrauensvoll meine Gedanken vorzutragen!
Ich verbleibe mit einem herzlichem Gruß und dem Ausdruck meiner be­sonderen Hochachtung

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

KANN MAN IRGENDETWAS TUN, UM DER VERFOLGUNG DER KATHOLIKEN VON BANJA LUKA EINHALT ZU GEBIETEN?
Schreiben an V. Èurko, den Leiter des UNHCR-Büros in Banja Luka
(Prot. Nr. 539/95 vom 06. August 1995)

Sehr geehrter Herr Èurko,
anliegend übersende ich Ihnen ein an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Mag. P. Radiæ, gerichtetes Schreiben mit einer positiven Antwort der Regierung der Republik Kroatien, in dem mitgeteilt wird, daß alle humanitären Organisationen humanitäre Hilfe über Zagreb nach Banja Luka bringen können.
Sie wissen bereits aus unseren Telefongesprächen darüber Bescheid.
Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß nach unseren Informationen (vom Sonntag, dem 06. August 1995, 18.00 Uhr) in den vergangenen zwei Tagen einige Hundert kroatische Familien der Gemeinde Banja Luka aus ihren Häu­sern gejagt worden sind, und daß die Vertreibung weitergeht!
Die offiziellen Behörden (Herr Klièkoviæ) versichern, daß keinerlei amt­liche Anordnungen für dieses inhumane Vorgehen gegen alteingesessene Bür­ger der RS, Bürger kroatischer Nationalität, ergangen seien.
Was wird mit diesen kroatischen Vertriebenen? Kann man irgendetwas tun, um sie zu retten und der Verfolgung Einhalt zu gebieten, die engstens mit der dringend erforderlichen Unterstützung für eine große Anzahl von Flüchtlin­gen serbischer Nationalität zusammenhängt?
Ich bitte Sie, alles in Ihren Kräften Stehende zu tun, damit beiden Seiten geholfen wird. Ich stehe Ihnen (und Ihren Mitarbeitern) gern zu Diensten.
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

        Übermittelt an:
               das IKRK, Banja Luka

        Anlage (1)

 anfang der seite

DIE VERTREIBUNG DER KATHOLIKEN ERFOLGT MIT WISSEN UND UNTER DER LEITUNG DER OFFIZIELLEN BEHÖRDEN
Schreiben an das UNHCR und das IKRK in Banja Luka
(Prot. Nr. 542/95 vom 09. August 1995)

Sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
vor drei Tagen habe ich Ihnen mitgeteilt, daß nach unseren Informationen in jüngster Zeit einige hundert Familien der Gemeinde Banja Luka, Familien kroatischer Nationalität, gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben worden sind.
Nunmehr habe ich Ihnen mitzuteilen, daß sich diese Zahl gemäß unvoll­ständiger Angaben auf über tausend Familien erhöht hat!
Nach Aussagen der Vertriebenen erfolgt die Vertreibung mit Wissen und unter Leitung von Amtspersonen der örtlichen Stellen. Die als Bürger dieser Stadt aus ihren Häusern geworfenen Menschen sind völlig unversorgt und schutz­los.
Unsere bischöfliche Caritas verfügt weder über Nahrungsmittel noch über Möglichkeiten, diese Menschen an einem sicheren und geschützten Ort unter­zubringen.
Ich appelliere an Sie, Ihrem Programm entsprechend etwas zur Lösung dieses offenen und sehr schweren Problems zu unternehmen!
Ich danke Ihnen im Namen aller! 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ZU WEM GEHÖREN WIR ÜBERHAUPT?
Schreiben des Bischofs an das IKRK
(Prot. Nr. Präs. 150/95 vom 20. Oktober 1995)

Sehr geehrte Damen und Herren,
als in Banja Luka gebürtig und als Bischof des Bistums Banja Luka er­laube ich mir, Ihnen über die unsichere Lage der im Großraum Banja Luka verbliebenen annähernd 7.000 Katholiken zu berichten und Sie zu bitten, uns zu helfen und uns zu schützen.
1. Die gegen die nichtserbische Bevölkerung und die verbliebenen Ka­tholiken gerichtete ethnische Säuberung geht weiter. Soweit uns bekannt ist, wurden allein in der Stadt Banja Luka einige hundert friedfertige Katholiken gewaltsam aus ihren Wohnungen bzw. Häusern gejagt. Diesen Menschen wol­len die örtlichen Behörden keinerlei Schutz gewähren!
Was soll mit diesen unschuldigen Menschen passieren? Wer soll und kann sich ihrer annehmen? Zu wem gehören wir überhaupt?
2. In den vergangenen zehn Tagen sind in Banja Luka drei völlig unschul­dige Personen ermordet worden: ein 83jahriger Mann, eine 61jährige Frau und ein 18jähriger junger Mann. Davon abgesehen besteht Ungewißheit bezüglich einiger Männer. Laut ernstzunehmender Gerüchte sind auch diese ermordet worden!
Viele unserer nichtserbischen Mitbürger leben in großer Angst und mit dem Gefühl der Schutzlosigkeit.
Viele Menschen fragen sich verzweifelt, was sie tun sollen. Vielleicht sind sie ja als nächste an der Reihe!
3. Besonders besorgt sind wir wegen einiger hundert unserer Gläubigen (kroatische Katholiken) aus unseren Pfarrgemeinden in Sanski Most, Sasina, Stara Rijeka, Ravska, Ljubija, ©urkovac, Prijedor, Stratinska und Bosanski Novi - Novi Grad. Wir wissen, daß sich einige Dutzend dieser Menschen in serbi­schen Flüchtlingslagern in Banja Luka aufhalten und daß sich eine Anzahl von Katholiken (Kroaten) im Flüchtlingslager Omarska befindet. Nach Aussagen von Augenzeugen sind aus diesem Lager viele Männer weggebracht (und er­mordet?) worden.
Was passiert mit diesen Menschen? Wie soll man ihnen helfen, damit sie überleben - Schutz, Nahrung ...
4. Mit großer Sorge wiederhole ich unser Anliegen bezüglich unseres entführten Geistlichen Tomislav Matanoviæ, des Pfarrers von Prijedor, der schon vor nunmehr zwei Monaten mit Gewalt aus seinem Pfarrzentrum entführt wur­de und nach einer gewissen Zeit, die er unter Hausarrest bei seinen Eltern ver­brachte, seit dem 19. September verschwunden ist. Wir wissen nur, daß hinter der Entführung unseres Geistlichen die örtlichen Behörden (der Bürgermeister und der Polizeichef) stehen. Wir ersuchen Sie, sich bei den serbischen Behörden für diesen entführten Geistlichen zu verwenden.
Wir machen uns auch große Sorgen wegen anderen Geistlicher! So sind der Pfarrer von ©imiæi, P.C. und der Pfarrer von Ivanjska, P.T.J. nur wie durch ein Wunder der Ermordung durch Bewaffnete entronnen.
Wie bisher haben wir den Wunsch, in unseren Heimatorten friedlich zu leben und zu arbeiten. Wollen und können Sie uns dabei behilflich sein? Wir hoffen sehr, daß dies möglich ist!
Ich grüße Sie mit besonderer Hochachtung. 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

DIE LAGE IST SCHWER UND UNERTRÄGLICH
Schreiben an A. W. Bijeleveld, den für das ehemalige Jugoslawien zuständigen Sonderberichterstatter des UNHCR in Genf
(Prot. Nr. 753/95 vom 01. November 1995)

Sehr geehrter Herr Bijeleveld,
wie ich erfahre, befinden Sie sich in Belgrad, und so bitte ich Sie, auch unserer Stimme aus Banja Luka Gehör zu schenken. Wir sind Ihnen nicht unbe­kannt, und wir kennen Sie. Dank Ihres persönlichen Engagements und der gro­ßen Anstrengungen der Einrichtungen des UNHCR insgesamt, für die Sie hier in diesem Gebiet zuständig sind, konnten viele Menschen dieser Region und in Banja Luka selbst irgendwie überleben. Nehmen Sie hierfür nochmals herzli­chen Dank entgegen.
1. Viele Menschen befinden sich hier derzeit in einer schweren und unsi­cheren Lage. Viele Flüchtlinge in dieser Region brauchen unbedingt entspre­chende Hilfe, um zu überleben.
2. Außerdem sind viele zur einheimischen Bevölkerung gehörende Nicht­serben wie bisher der Gewalt ausgeliefert. Tagtäglich werden sie aus ihren Häu­sern und Wohnungen geworfen, ohne die Möglichkeit zu haben, von ihrer Habe irgendetwas mitzunehmen, und sie wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen! Viele unserer übriggebliebenen kirchlichen Gebäude haben wir serbischen Flücht­lingen zur Verfügung gestellt (außerdem haben uns die serbischen Behörden viele unserer kirchlichen Gebäude weggenommen und unsere Geistlichen und Ordensleute daraus vertrieben, und leider sind viele unserer kirchlichen Gebäu­de völlig zerstört worden); in die verbliebenen Räumlichkeiten zweier Klöster und des Gebäudes des Ordinariats wollen wir vertriebene Nichtserben aufneh­men, aber die Voraussetzung muß sein, daß wir Sicherheit haben, die von den örtlichen Behörden zu garantieren ist.
Um diesen Flüchtlingen die erforderliche materielle Hilfe zukommen las­sen zu können, benötigen wir dringend die Hilfe humanitärer Organisationen in Form von Nahrungsmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln. Ein besonderes Kapitel sind die Heizungsprobleme: es fehlt an Heizöl bzw. Holz/Kohle. Wenn wir kein Heizmaterial beschaffen, wird der Winter für die Menschen noch schwe­rer und unerträglicher, da es sich größtenteils um Alte und Schwache handelt. Ihre Hilfe ist um so notwendiger, als die Tätigkeit unserer bischöflichen Caritas eingeschränkt ist bzw. die örtlichen Behörden dieselbe nicht arbeiten lassen.
Ich möchte Sie daher bitten, unsere äußerst unsichere und dramatische Situation in Ihre Überlegungen einzubeziehen und auch in entsprechender Wei­se Abhilfe zu schaffen.
Ich möchte Sie nochmals, und zwar an erster Stelle, bitten, uns behilflich zu sein, damit wir unsere fundamentalen Menschenrechte einschließlich des Minderheitenrechts zurückerhalten, vor allem das Recht auf unser Leben, auf eine eigene Wohnung, auf ein eigenes Heim, auf Heimat, auf Freizügigkeit, auf Sozial- und Krankenversicherung usw.
Sie wissen bereits, daß wir uns bisher gegenüber unseren Nachbarn aus­schließlich friedlich verhalten haben und entschlossen sind, auch weiterhin hier zu bleiben und friedlichen Einfluß auszuüben, damit das ersehnte gemeinsame Leben wieder Zustandekommen kann. Wir erwarten in diesem Bestreben mit Recht auch Ihre Unterstützung.
Nehmen Sie unseren aufrichtigen Dank für alles entgegen, was Sie bisher für uns getan haben.
Ich verbleibe mit dem Ausdruck besonderer Hochachtung

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

ICH BITTE SIE, SICH FÜR DIE FREILASSUNG ALLER INHAFTIERTEN EINZUSETZEN
Schreiben des Bischofs an J. Shattuck, den stellvertretenden US-Außenminister
(Prot. Nr. Präs, 166/95 vom 11. November 1995)

Eure Exzellenz,
gestatten Sie mir, Ihnen nochmals meinen aufrichtigen Dank für Ihren Besuch auszusprechen, den Sie meiner Geburtsstadt Banja Luka und mir per­sönlich abgestattet haben.
Besonders danke ich Ihnen für Ihre klare Zustimmung und Unterstützung hinsichtlich unseres Eintretens für die Respektierung der fundamentalen Men­schen- und Bürgerrechte und Freiheiten aller Menschen, sowohl in der Region Banja Luka als auch überall sonst, wo diese entzogen wurden oder unterdrückt werden.
Ihr klares Versprechen, daß Sie uns hier in Banja Luka und in dieser ganzen Region nicht vernachlässigen werden, verpflichtet mich wie auch die Menschen meiner Umgebung noch mehr, unermüdlich für die Wahrung der menschlichen Würde und die Behauptung der Prinzipien der Humanität und aller anderen positiven Errungenschaften der europäischen Kultur und Zivilisa­tion zu kämpfen.
Ich gestatte mir, Sie nochmals zu bitten, sich für eine möglichst rasche Freilassung all jener Personen kroatischer und anderer Nationalität dieser Regi­on, über deren Schicksal leider noch immer nichts bekannt ist, zu verwenden! Ich erwähne an dieser Stelle nur die Namen zweier meiner Geistlichen, die von den bosnischen Serben aus ihren Gemeindeseelsorgezentren entfuhrt und an einen unbekannten Ort verbracht worden sind. Es handelt sieh um Hochw. Ratko Grgiæ (Jahrgang 1944), Pfarrer in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka), der um 16. Juni 1992 (!) entführt wurde, und Hochw. Tomislav Matanoviæ (Jahr­gang 1962), Pfarrer in Prijedor, der am 24. August 1995 entführt wurde. Alle unsere bisherigen Bemühungen, in Erfahrung zu bringen, was mit den entführ­ten Geistlichen, die für ihr Eintreten für den Frieden bekannt sind, geschehen ist, sind ohne Erfolg geblieben!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

HELFEN SIE UNS BEI UNSEREM HUMANEN STREBEN!
Schreiben des Bischofs an Elizabeth Rehn, Sonderberichterstatterin der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen
(Prot. Nr. Präs. 189/95 vom 01. Dezember 1995)

Sehr geehrte Frau Rehn,
gestatten Sie mir, daß ich Ihnen und Ihren Mitarbeitern für Ihren gestri­gen Besuch bei mir und bei der von mir als katholischem Bischof vertretenen katholischen Glaubensgemeinschaft (Kroaten und anderen) meinen Dank sage. Ihre Bemühungen, sich direkt über unsere bisherige und gegenwärtige Lage zu informieren und Ihre Absicht, dafür zu sorgen, daß die Zukunft für uns und für alle Bürger von Banja Luka friedlicher und humaner wird, verdienen unsere besondere Dankbarkeit.
Gewiß haben Sie unseren Kummer und unsere Enttäuschung, aber auch unsere Hoffnung und den von uns allen gefaßten Vorsatz verstanden, nicht zu­zulassen, daß die den einzelnen Menschen, aber auch unsere Gesellschaft ver­nichtende Macht des Bösen und der Zerstörung, sei es für kurze Zeit oder auf Dauer, die Oberhand bekommt.
Ich möchte erneut betonen, daß wir als Gläubige bereit und imstande sind, in positiver Weise hei der Gestaltung einer besseren Zukunft für das Volk unserer Region und unseres Landes mitzuwirken. Wir haben dies schon prakti­ziert, indem wir uns um Frieden und Vergebung bemühten, wobei wir versuch­ten, auf einen Versöhnungsprozeß zu drängen, womit wir bereits angefangen haben, als der Krieg noch andauerte.
Wir erwarten von Ihnen und von allen Menschen humaner und friedlicher Gesinnung in Europa und der übrigen Welt Unterstützung bei unserem huma­nen Streben nach dauerhafter Respektierung der menschlichen Würde und der Grundrechte und Freiheiten einschließlich der ethnischen und religiösen Frei­heit für jeden einzelnen Menschen in unserer gequälten Heimat.
Ich bitte Sie nochmals im Namen all derer, denen man die menschliche Würde nimmt und deren Grundrechte man nicht respektiert - vergessen Sie uns nicht!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung

 Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 anfang der seite

IM NAMEN DER UNSCHULDIGEN OPFER DES WAHNSINNS UND DER GESETZLOSIGKEIT BITTE ICH SIE, UNS ZU HELFEN!
Schreiben des Bischofs an Amnesty International in London
(Prot. Nr. Präs 205/95 vom 08. Dezember 1995)

Sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
als katholischer Bischof des Bistums Banja Luka in Nordwestbosnien wende ich mich an Sie mit der Bitte, mir zu helfen, zwei Geistliche, Pfarrer meines Bistums, ausfindig zu machen und zu befreien. Meine vielen bisherigen Interventionen und Ersuchen sowohl bei den Behörden der bosnischen Serben als auch bei den verantwortlichen kroatischen Politikern von Bosnien und Her­zegowina haben nicht das geringste Ergebnis erbracht. Ich will und kann die Suche nach meinen völlig unschuldigen und ohne jeden berechtigten Grund entführten Geistlichen nicht aufgeben! Im Unterschied zu fünf anderen Geistli­chen und einer Ordensschwester, die, obwohl sie völlig unschuldig waren, er­mordet wurden bzw. nach schweren Mißhandlungen gestorben sind, hoffen wir im Falle dieser beiden entführten Geistlichen, daß sie noch am Leben sind!
1. Hochw. RATKO GRGIÆ, geboren 1944 in Vare¹, Pfarrer der Pfarrei Nova Topola, Gemeinde Bosanska Gradi¹ka, wurde am 16. Juni 1992 gegen 09.30 Uhr von vier uniformierten Bewaffneten gewaltsam aus der Pfarrwohnung weggebracht. Obwohl ich am gleichen Tage beim Bürgermeister der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a Iva¹tanin, beim Leiter der Polizeibehörde, Herrn V. Vesiæ, und heim Kommandanten der örtlichen Militärbehörde, Herrn Raca, interveniert habe, bestätigten die Genannten mir gegenüber nur, daß "Pfarrer Grgiæ ein sehr friedfertiger Mensch" ist und daß "für seine Festnahme und In­haftierung keinerlei Grund" vorliege. Alle meine späteren Interventionen bei den Zivilbehörden und beim Militär der "Republika Srpska" stießen auf Schwei­gen bzw. erbrachten Antworten wie: "Wir untersuchen den Fall und suchen nach dem entführten Pfarrer".
Ich bin der tiefen Überzeugung, daß die genannten serbischen Amtsper­sonen wissen, wo der entführte Pfarrer Hochw. Grgiæ sich befindet und was mit ihm passiert ist.
Ich bitte Sie sehr herzlich, helfen auch Sie uns, indem Sie zusätzliche Ersuchen an die Behörden der bosnischen Serben richten, damit diese uns endlich unseren völlig unschuldigen Geistlichen zurückgehen, der sich bereits fast dreieinhalb Jahre zu Unrecht in Gefangenschaft, in den Händen von Gesetzlo­sen und Gewalttätern befindet!
2. Hochw. TOMISLAV MATANOVIÆ, geboren 1962 in Prijedor, Pfarrer der Pfarrei Prijedor, wurde am 24. August 1995 gegen 23.00 Uhr von der örtli­chen Polizei gewaltsam aus der Pfarrwohnung weggebracht, zuerst auf die Po­lizeiwache in Prijedor und danach in sein Geburtshaus, wo er unter Hausarrest gestellt und zusammen mit seinen Eltern von der Polizei bewacht wurde, bis man ihn am 18. September 1995 mit seinen Eltern in unbekannte Richtung, an einen unbekannten Ort brachte.
Auch gegen Pfarrer Matanoviæ ist keinerlei Gerichtsverfahren angestrengt worden, und ebensowenig haben die offiziellen Behördenorgane irgendeinen "offiziellen" Verdacht, daß er gegen irgendein Gesetz "verstoßen" hat. Auch ihn kennen alle, die Behörden wie die Bürger, als eine Persönlichkeit von humaner Gesinnung, die sich ausgesprochen für Frieden einsetzt, als Menschen, der wäh­rend des ganzen Krieges unermüdlich allen in Not Geratenen geholfen hat.
Die Hauptverantwortung für seine Entführung und gewaltsame Freiheits­beraubung tragen Herr Simo Drljaèa, der Leiter der Polizeibehörde in Prijedor, und der Vorsitzende der Kriegsverwaltung der Gemeinde Prijedor, Herr Srðo Srdiæ. Meine vielen Interventionen bei den Behörden der bosnischen Serben, bei den kroatischen Politikern von Bosnien und Herzegowina, beim Internatio­nalen Roten Kreuz und beim Heiligen Stuhl haben zu keinem positiven Ergeb­nis geführt. Die offiziellen Behörden der Gemeinde Prijedor wissen, wo sich der entführte und gesetzwidrig inhaftierte Pfarrer Matanoviæ und seine Eltern befinden. Diese Behörden tragen die ganze Verantwortung für dieses schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit!
Ich bitte Sie, uns hier wie im Falle des Pfarrers Grgiæ zu helfen, damit wir diese unschuldigen Menschen, Pfarrer Matanoviæ und seine Eltern, schnellstens aus dem Lager Prijedor befreien, in dem sich, wie wir erfahren haben, eine bestimmte Anzahl völlig unschuldiger bosnischer und kroatischer Geiselhäftlinge befindet.
Außer diesen beiden Fällen gibt es in der Region Banja Luka noch viele unaufgeklärte Fälle entführter, inhaftierter und verschwundener Zivilpersonen! Bisher hatten, wie Sie wissen, internationale Organisationen, die für Menschen- und Bürgerrechte und bürgerliche Freiheiten eintreten, keinen freien Zutritt zu unserer Region. Wir hoffen, daß nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens in Paris am 14. Dezember 1995 all diese Organisationen endlich auch in unserem Gebiet die wahren Tatsachen hinsichtlich der vielen und anhalten­den Verletzungen fast aller Menschen- und Bürgerrechte und bürgerlichen Frei­heilen feststellen können!
Ich bitte Sie nochmals im Namen unschuldiger Opfer des Wahnsinns und der Gesetzlosigkeit, meiner inhaftierten Geistlichen, sowie auch im Namen al­ler anderen unschuldigen und weitgehendst entrechteten Menschen - HELFEN SIE UNS! Möge Ihr Eintreten für unsere entrechteten Menschen nicht umsonst sein, sondern bewirken, daß all jene, denen man sie ohne Grund und Rechtferti­gung genommen hat, ihre Würde und alle anderen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten zurückerhalten!
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

anfang der seite
 

AN PERSÖNLICHKEITEN UND INSTITUTIONEN DER INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT

"TROTZ UNSERES FRIEDLICHEN VERHALTENS WURDEN UNS DIE MENSCHLICHEN GRUNDRECHTE GENOMMEN"

"BELASTEN SIE IHR GEWISSEN NICHT DURCH GLEICHGÜLTIGKEIT GEGENÜBER UNSEREM UNGLÜCK!"

OHNE GEGENSEITIGE ACHTUNG UND OHNE ZURÜCKGABE DER RECHTE AN JEDES DER IN BOSNIEN BEHEIMATETEN VÖLKER WIRD ES AUF DEM BODEN VON BOSNIEN UND HERZEGOWINA KEINEN GERECHTEN FRIEDEN GEBEN

TROTZ IHRES EINTRETENS FÜR DEN FRIEDEN WERDEN DIE KATHOLIKEN IN BANJA LUKA ENTSETZLICH BESTRAFT

MEINE HILFERUFE WAREN MEIST DIE STIMME EINES EINSAMEN RUFERS IN DER WÜSTE

DRAMATISCHE VERSCHLECHTERUNG DER SITUATION FÜR DIE KATHOLIKEN IN BANJA LUKA UND UMGEBUNG

DIE AGONIE DER IM NORDWESTLICHEN BOSNIEN LEBENDEN NICHTSERBISCHEN BEVÖLKERUNG WÄHRT INZWISCHEN SCHON DREI JAHRE!

SETZEN SIE SICH ENERGISCH FÜR UNS EIN!

WIR WERDEN AUCH WEITERHIN BEHARRLICH DEN WEG DER VERGEBUNG BESCHREITEN

DAS DRINGLICHSTE IST FÜR UNS DAS RECHT AUF LEBEN

ERNEUT WENDE ICH MICH AN SIE - ZUM WER WEISS WIEVIELTEN MAL?!

DIE DRAMATISCHE SITUATION UND DIE VÖLLIG UNSICHERE ZUKUNFT DER KROATISCHEN UND SONSTIGEN KATHOLIKEN IM UNTER SERBISCHER KONTROLLE STEHENDEN GEBIET DER REGION BANJA LUKA

KANN MAN IRGENDETWAS TUN, UM DER VERFOLGUNG DER KATHOLIKEN VON BANJA LUKA EINHALT ZU GEBIETEN?

DIE VERTREIBUNG DER KATHOLIKEN ERFOLGT MIT WISSEN UND UNTER DER LEITUNG DER OFFIZIELLEN BEHÖRDEN

ZU WEM GEHÖREN WIR ÜBERHAUPT?

DIE LAGE IST SCHWER UND UNERTRÄGLICH

ICH BITTE SIE, SICH FÜR DIE FREILASSUNG ALLER INHAFTIERTEN EINZUSETZEN

HELFEN SIE UNS BEI UNSEREM HUMANEN STREBEN!

IM NAMEN DER UNSCHULDIGEN OPFER DES WAHNSINNS UND DER GESETZLOSIGKEIT BITTE ICH SIE, UNS ZU HELFEN!

 

..::Petriæevac::..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

..::©argovac::..

 

 

 

..::Stara Rijeka::..

 

Copyright © 2005 all rights reserved - webmaster@biskupija-banjaluka.org