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- I -
MIT DEN BRÜDERN IM BISCHOFSAMT
GEFAHR DER
AUFOKTROVIERUNG EINER KOMMUNISTISCHEN DIKTATUR
Schreiben
der kroatischen Bischöfe an alle Bischöfe der Welt
Die
politischen und ideologischen Spannungen, die zur Zeit den europäischen
Süden, insbesondere die Jugoslawien angegliederten Völker erschüttern,
haben uns bewogen, uns mit diesem Brief an sie zu wenden und Ihnen
die Verhältnisse, unter denen unsere Kirche und unser Volk leben,
zu schildern.
Fast 4.500.000 kroatische Katholiken leben überwiegend in der Republik
Kroatien und der Republik Bosnien und Herzegowina. Ein kleinerer
Teil der katholischen Kroaten lebt in der Republik Serbien und der
Republik Montenegro.
Die Kroaten in Kroatien stellen fast 80 Prozent der Bevölkerung,
etwas mehr als 11 Prozent sind serbischer Nationalität und der Rest
sind nationale Minderheiten überwiegend katholischen Glaubens. In
Bosnien und Herzegowina bilden die Kroaten fast 20 Prozent der
Bevölkerung (das sind über 800.000), die Muslime mehr als 40 Prozent
und die Serben etwas über 30 Prozent.
Die katholische Kirche in Kroatien besteht aus 11 Bistümern, darunter
ein griechischkatholisches, und in Bosnien und Herzegowina sind
4 katholische Bistümer tätig. Außer wegen gemeinsamer Fragen, die
auf der Ebene der Bischofskonferenz für Jugoslawien behandelt werden,
treffen sowohl die kroatischen, als auch die slowenischen Bischöfe
insbesondere wegen der pastoralen Fragen ihrer Gebiete zusammen.
Diesen Brief richten wir an Sie von eben einem solchen Treffen der
kroatischen Bischöfe.
Im
"Gefängnis der Nationen"
Die Gebiete, in denen wir wirken, hörten im Jahre 1918 auf, zum
Bestandteil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie zu gehören,
und traten bald in den gemeinsamen Staat mit dem Königreich Serbien
ein, dem sich zuvor das Königreich Montenegro angeschlossen hatte.
So fanden wir uns zu ersten Mal in der Geschichte unter der orthodoxen
serbischen Dynastie und mit der orthodoxen Kirche als "staatstragender"
Kirche. Mehr noch: es war, als ob eine Brükke über die geschichtliche
Grenze zwischen dem Östlichen und westlichen Römischen Reich, zwischen
der byzantinischen Kultur, die den serbischen Staat gekennzeichnet
hatte und unserer Gebiete, die sich in der Atmosphäre der lateinischen
Kultur formiert haben, gelegt worden wäre.
Die Politiker des ehemals österreichisch-ungarischen Teil s des
neuen Staates waren der Meinung, daß der neue Staat auf dem Grundsatz
der Gleichberechtigung der sich ihm angeschlossenen Teile und Völker
gebildet werden soll. Die serbische Politik gebärdete sich, als
sei der neue Staat die Erweiterung Serbiens. Diese gegensätzlichen
Konzeptionen erschütterten das Königreich Jugoslawien während der
gesamten Dauer seines etwas mehr als 20-jährigen Bestehens. Die
Kroaten waren wegen der Verteidigung ihrer kulturellen und nationalen
Identität in schwerer Bedrängnis. Die Gefängnisse füllten sich und
zahlreiche Opfer kamen infolge staatlicher Gewalt ums Leben. Der
tragischste Vorfall ereignete sich im Jahre 1928, als im Belgrader
Parlament die kroatischen Volksvertreter ermordet wurden, unter
ihnen auch der damalige politische Führer des kroatischen Volkes
Stjepan Radiæ. Die Kirche litt mit ihrem Volk, setzte sich bei den
Behörden für die Verfolgten ein, unterstützte geistig das berechtigte
Streben des Volkes.
Nach der Ermordung des Königs Alexander in Marseille, im Jahre 1934,
versuchte das Regime zuerst die Verhältnisse durch Schließung des
Konkordats mit dem Heiligen Stuhl (1937) zu ordnen und danach durch
Gewähren einer gewissen Autonomie für die Kroaten (Banovina Hrvatska,
1939). Aber das Konkordat wurde wegen der heftigen antikatholischen
Demonstrationen, die von der orthodoxen Kirche angeführt wurden,
nie ratifiziert und die Banovina Hrvatska hat erst mit der Konsolidierung
nach anderthalb Jahren ihres Bestehens begonnen.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte das Königreich Jugoslawien in nur
zehn Tagen, im April 1941. Die Völker, die diesen Staat als "Völkergefängnis"
erlebt haben, empfanden sein Auseinanderfallen als Befreiung, Aber
das alles hat sich wahrend der Okkupation durch die Achsenmächte
ereignet. So wurde auch der kroatische Staat ausgerufen, aber an
seiner Spitze standen nicht seine damaligen demokratisch gewählten
Politiker, sondern eine Gruppe, die von den Achsenmächten abhängig
war.
Das Volk wurde mit einem Bürgerkrieg überzogen, der auf dem Gebiet
des damaligen Kroatien besonders brutal geführt wurde. Die kroatische
Bevölkerung hat unter den bewaffneten serbischen Verbänden ("Tschetniks")
gelitten und die serbische unter der Rache des kroatischen Regimes
("Ustascha"). Die kommunistische Guerilla trat auf, als
Deutschland sich mit der Sowjetunion bekriegte. Die Kommunisten
haben sich, als Widerstandsbewegung, mit eigenen Methoden die Kräfte
des demokratischen aktiven und passiven Widerstands untergeordnet
oder diese marginalisiert und auf diese Weise ihr Programm der Errichtung
eines kommunistischen Systems nach dem Vorbild der Sowjetunion durchgeführt.
Von den Bemühungen der Kirche zur Rettung von Leben zeugen die Dokumente,
welche die offizielle Politik bislang ignorierte und sogar ihre
Veröffentlichung verhinderte.
Besondere
Schärfe der kommunistischen Gewalt
Die westlichen Verbündeten erwiesen sich als unfähig, den Widerstand
der ihnen Zugeneigten zu unterstützen und das demokratische System
bei uns 7,u errichten. Die Kommunisten haben mit der Unterstützung
der Sowjetunion alle geschlossenen Vereinbarungen gebrochen und
alle demokratischen Kräfte eliminiert. Die Erneuerung Jugoslawiens,
nicht mehr als einen unitaristischen, sondern föderalistischen Staat,
war motiviert durch die Lösung der nationalen Frage, so daß in den
Republiken die Souverenität jedes einzelnen Volkes realisiert und
auf Bundesebene ihre Zusammenarbeit organisiert werden sollte. Da
aber das Machtmonopol der Kommunisten, zentralistisch und Iota!
Statistisch geführt, die Demokratie und die humanistischen Grundrechte
ausschloß, blieb die Lösung der nationalen Rechte eine Fiktion.
Was die katholische Kirche und das kroatische Volk betrifft, können
wir bezeugen, daß sie der kommunistischen Gewalt während des Krieges
und danach mit besonderer Schärfe unterworfen wurden. Wegen allgemeiner
ideologischer Gründe und insbesondere wegen des Grundsatzes der
Kollektivschuld für die Allianz der Kriegsregierung in Kroatien
mit den Achsenmächten, kam es zu Massenexekutionen, Lagern, Zwangsemigration
und danach zur atheistischen Indoktrinierung, besonders durch das
Schulsystem. Das alles hat der katholischen Kirche und dem kroatischen
Volk, sowohl in biologischer, als auch in geistiger Hinsicht, schwere
Schläge zugefügt. Die Übernahme der byzantinischen Grundsätze in
die kommunistische Politik gegenüber der Kirche zeigte sich auch
in der Bemühung, die katholische Kirche von dem Nachfolger Petri
zu trennen, damit das Volk seine kulturelle Identität verliert und
mit dem Kulturkreis des östlichen Modells verschmolzen wird. Das
gelang zwar nicht, aber die katholische Kirche fand sich auf Dauer
auf der Anklagebank als Inspiratorin des Selbstbewußtseins des kroatischen
Volkes und als Agentur einer fremden westlichen Macht (des Vatikans).
Das berühmteste Opfer, aber auch das Symbol des geistigen Widerstandes,
wurde der Zagreber Erzbischof, Alojzije Kardinal Stepinac, einer
von einigen Hundert Bischöfen und Priestern, die von den Kommunisten
verhaftet oder getötet wurden.
In diesen Zeiten haben wir mit besonderer Dankbarkeit die Unterstützung
des Heiligen Stuhls und der Ortskirchen in Europa und Amerika angenommen,
insbesondere durch karitative Einrichtungen, die uns geholfen haben.
Es sollte gesagt werden, daß auch das kommunistische System in seiner
Strenge nachgelassen hatte, so daß es möglich wurde, einige Reformen
des II. Vatikanischen Konzils im inneren kirchlichen Leben durchzuführen.
Die Ereignisse, die kürzlich die geschichtliche Kehrtwendung in
Mitteleuropa erbrachten, haben auch bei uns im Jahre 1990 die freien
Mehrparteienwahlen ermöglicht, zum ersten Mal nach dem Krieg. Das
Achten der menschlichen Grundrechte, das Verwirklichen der bürgerlichen
Freiheiten, das demokratische System nach westlichem Modell des
Staatsaufbaus - das sind solche Neuheiten, von denen wir vor einigen
Jahren kaum zu träumen wagten.
Unsere Kirche hat die Gläubigen ermutigt, sich von Angst und Apathie
freizumachen und mit der Teilnahme an den freien Wahlen ihre bürgerlichen
Freiheiten zu verwirklichen. Wir sind der Meinung, damit zu dem
gewaltfreien Übergang in das neue, demokratische System auf unserem
Gebiet beigetragen zu haben. Dafür sind wir Gott dankbar.
Die freien Wahlen haben den Weg zu der weiteren Entwicklung der
bürgerlichen Freiheiten, insbesondere der religiösen, aber auch
der Verwirklichung der Freiheit und der Selbstbestimmung der Völker,
freigemacht. Es kam die Frage einer neuen geschichtlichen Vereinbarung
auf, die zeigen sollte, ob auf dem Gebiet, auf dem 1918 Jugoslawien
geschaffen wurde, endlich die Gleichberechtigung verwirklicht werden
kann oder ob sich die Völker verselbständigen und als solche einzeln
der Europäischen Gemeinschaft beitreten sollten. Die Kirche, die
eine schwere geschichtliche Erfahrung mit dem ersten und zweiten
Jugoslawien gemacht hatte, betrachtet den neuen politischen Rahmen,
aufgrund der Selbständigkeit des Volkes, als die Möglichkeit für
das freiere Wirken und ruhigere Zusammenleben in einer pluralistischen
Gesellschaft, einschließlich, der ökumenischen Beziehungen.
Die
Gefahr einer "Libanonisierung"
Wir haben jedoch einen zähen Widerstand gegenüber den demokratischen
Veränderungen bemerkt. Der Widerstand ist in dem politischen Programm
ersichtlich, durch welches der Sozialismus des kommunistischen
Typs erhalten werden soll, damit Jugoslawien zentralistisch organisiert
bleibt und die Dominanz der serbischen Interessen nicht in Frage
gestellt werden würde. Die Fürsprecher dieses Programms sind führende
serbische Politiker, Offizierskader (mehrheitlich serbisch) und
leider einige führende Persönlichkeiten der serbischen-orthodoxen
Kirche. So finden die kommunistische Ideologie, großserbische Ansprüche
und die Militärmacht gemeinsam angestrebte Ziele und widersetzen
sich heftig der westlichen Kulturtradition, den Republiken mit ausgeprägter
westeuropäischer Tradition.
Diese Kräfte führen einen unbarmherzigen Propagandakrieg und drohen
mit militärischer Intervention. Die Propaganda richtet sich mit
besonderer Vulgarität gegen die katholische Kirche, sowohl gegen
die einheimische als auch allgemein, gegen den Heiligen Vater persönlich,
gegen den Vatikan als Symbol allen Übels. Sowohl die weltliche,
als auch, was uns besonders traurig macht, die kirchliche serbische
Presse wiederholt hartnäckig eine monströse Formel, die unfaßbar
ist. Es wird geschrieben und öffentlich ausgesprochen, daß sich
gegen das Serbentum der Vatikan, die Kominterna, der islamische
Fundamentalismus und die CIA verschworen haben. Sogar die Mitglieder
der Hierarchie wählen aufgrund unseres Bemühens, in diesem schwer
gestörten ökumenischen Klima die Worte sorgfältig zu wählen und
auch bei der Zurückweisung der Vorwürfe die Personen und das christliche
Wesen der Orthodoxie nicht zu verletzen, in ihren offiziellen Mitteilungen,
wenn die katholische Kirche angeklagt werden soll, nicht solche
Worte. Aber der Haß gegenüber dem Katholizismus hat sich in den
Massen schon so festgesetzt, weil er mit dem Bemühen von Slowenien
und Kroatien um die Selbständigkeit in Verbindung gebracht wird,
daß jeglicher tragischer Ausgang möglich erscheint. Unserer Gläubigen
hat sich nach der Vorjahresfreude wegen des Sieges der nichtkommunistischen
Parteien bei den freien Wahlen die Angst bemächtigt, und der Wille
zur Verteidigung, ja sogar zu Bewaffnung, kommt zum Vorschein. Die
Unausgewogenheit der Kräfteverhältnisse zwischen der militärischen
Spitze, die das bisherige System vertritt und der republikanischen
Polizeiämter, die das neue demokratische System schützen, erhöht
nur die Gefahr, daß der politische Dialog unterbrochen wird und
daß es zur gewalttätigen Aufzwingung der kommunistischen Diktatur
kommt, um so mehr als in der Republik Serbien und der Republik Montenegro
auch nach den Wahlen die Kommunisten (manchmal umbenannt in Sozialisten)
an der Macht geblieben sind und weil die Wahlen auf Bundesebene
noch nicht abgehalten wurden und die alte Bundesgesetzgebung Überwiegend
noch in Kraft ist. Die Drohung einer "Kosowisierung",
d.h. der gewalttätigen Unterdrückung der nationalen Rechte, wie
sie seit Jahren im Kosowo an den Albanern praktiziert wird, hängt
über uns als tatsächliche Möglichkeit. Von da ist es bis zur eigenartigen
"Libanonisierung" unseres Gebietes nicht mehr weit.
Wir haben Gebete für Frieden und Gerechtigkeit angeordnet, wozu
wir unsere Gläubigen oft aufrufen. Wir begrüßen das Engagement der
demokratischen Weltöffentlichkeit, die zu erreichen versucht, daß
die derzeitige Verfassungskrise durch Verhandlungen gelöst wird
und nicht unter Anwendung von Gewalt. Die katholischen Kreise in
der Welt könnten dabei behilflich sein.
Es wäre für uns ein besonderer Trost, wenn sich der Besuch des Heiligen
Vaters bei unserer Kirche verwirklichen könnte. Aber trotz der wiederholten
offiziellen Einladung der Regierung ist es den antikatholischen
Kräften bisher gelungen, das zu vereiteln. Auch das ist eines der
vielsagenden Zeichen für die Lage unserer Kirche in diesem Jugoslawien.
Mit diesem Brief wollten wir unseren Brüdern im Bischofsamt die
Lage der katholischen Kirche im kroatischen Volk aufzeichnen. Wir
waren der Meinung, daß dies nötig war, weil wir gemeinsam eine
Kirche bilden und "wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder
mit, und wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit
ihm" (1. Kor 12, 26). Ebenso möchten wir eventuelle Versäumnisse
nachholen, aufgrund derer das Verständnis für unsere Lage unter
den Katholiken in aller Welt nicht besonders wahrnehmbar war.
Mit den Grüßen im Herrn anempfehlen wir uns Ihrer Fürbitte und Ihrer
brüderlichen Solidarität.
Franjo
Kardinal Kuhariæ, Erzbischof von Zagreb, Metropolit,
Msgr. Ante Juriæ, Erzbischof von Split-Makarska, Metropolit,
Msgr. Vinko Puljiæ, Erzbischof von Sarajevo, Metropolit,
Msgr. Antun Tamarut, Erzbischof von Rijeka-Senj, Metropolit,
Msgr. Marijan Oblak, Erzbischof von Zadar,
Msgr. Sreæko Badurina, Bischof von ©ibenik,
Msgr. Antun Bogetiæ, Bischof von Poreè und Pula,
Msgr. Josip Bozaniæ, Bischof von Krk,
Msgr. Ivo Gugiæ, Bischof von Kotor,
Msgr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka,
Msgr. Æiril Kos, Bischof von Ðakovo und Srijem,
Msgr. Slavomir Miklov¹, Bischof von Kri¾evac,
Msgr. ®elimir Puljiæ, Bischof von Dubrovnik,
Msgr. Slobodan ©tambuk, Bischof von Hvar,
Msgr. Pavao ®aniæ, Bischof von Mostar,
Msgr. Ðuro Kok¹a, Weihbischof von Zagreb,
Msgr. Ivan Prenða, Koadjutor des Erzbischofs von Zadar,
Msgr. Marin Srakiæ, Weihbischof von Ðakovo
In
Zagreb, den 1. Februar 1991

"WIR
BETEN FÜR DIE UNSCHULDIGEN OPFER DIESES JAHRHUNDERTS IN UNSEREM
GEBIET"
Brief der BK BiH zum 50. Jahrestag des Endes des II. Weltkriegs
Die
Völker Europas begehen jetzt im Mai den fünfzigste« Jahrestag
des Endes des Tl. Weltkriegs. Auch wir, die katholischen Bischöfe,
Geistlichen und Gläubigen als Kirche von Bosnien und Herzegowina,
schließen uns der Kirche von Kroatien an, die sich am 28. April
1995 über ihre Bischofskonferenz mit einem Brief an die Öffentlichkeit
gewandt hat. Als Bischöfe dieser Kirche möchten wir diese Gedanken
und einen gemeinsamen Aufruf veröffentlichen.
1.
Die Zeit fast des gesamten 20. Jahrhunderts ist auch hier auf unserem
Boden durch Ungerechtigkeiten, Konflikte, Blut und Schuld gekennzeichnet.
In dieser Gegend haben sich zwei Weltkriege abgespielt. Der erste
wurde 1914 sogar in Sarajevo ausgelöst. Auch dieser jetzige dritte
Konflikt zwischen den Völkern bzw. Aggressionskrieg wird, seit September
1991 bis jetzt in Bosnien und Herzegowina ausgetragen. Und noch
ist leider ein Ende nicht in Sicht.
2.
Das kroatische Volk in Bosnien und Herzegowina machte einst bis
zum Beginn der türkischen Okkupation 80 Prozent der Gesamtbevölkerung
aus, und danach hat es jahrhundertelang zusammen mit anderen Völkern
in diesem Gebiet gelebt. Obwohl unser Volk das Recht auf staatliche
Selbstbestimmung und seine Souveränität und Freiheit hat, wurde
es, oft gegen seinen Willen, in verschiedene historische Staatsgebilde
eingebunden. Das Leben unter Bedingungen der Intoleranz bzw. der
Sklaverei konnte sich hinsichtlich der menschlichen, religiösen
und nationalen Rechte und Freiheiten nicht positiv auswirken. So
ist es gekommen, daß zwischen den Völkern dieses Raums grausame
Konflikte ausbrachen, bei denen es zu Blutbädern und Genozid kam
und menschlicher Wesen unwürdige Grausamkeiten begangen wurden.
Solche Ereignisse waren zum einen Ausfluß staatlicher Politik, zum
anderen das Werk im Alleingang handelnder rebellischer Gruppierungen.
Ähnliche Grausamkeiten werden leider bis zum heutigen Tage vor den
Augen der ganzen Welt begangen.
3.
Abgesehen davon sind aber diese gleichen Menschen und Völker zugleich
auch Angehörige verschiedener Kirchen oder anderer religiöser Gemeinschaften.
Hinzu kommt, daß für unser Gebiet auch nicht alle jeweiligen historischen
Gründe, Ursachen und Anlässe sowie die unwiderlegbaren Tatsachen
hinsichtlich der jeweiligen kriegerischen Ereignisse, der Mörder
und Opfer genauer erforscht sind. Es wurden jedoch ganze Büchereien
füllende Bücher verfaßt, in denen nicht nur das kroatische Volk,
sondern auch die katholische Kirche dieses Volkes angeklagt, verurteilt
und verleumdet werden. Nicht nur die weltlichen, sondern auch die
kirchlichen Historiker haben die Verpflichtung, die Daten sachkundig
zu erforschen, zu sammeln und unparteiisch zu bewerten und bei allen
Geschehnissen die echte Wahrheit herauszufiltern, denn unserer Ansicht
nach ist es nur an Hand der wahren Tatsachen möglich, die entstandenen
Ungerechtigkeiten zu beseitigen bzw. zu korrigieren und auf der
Basis der Gerechtigkeit zu einem dauerhaften Frieden zu kommen.
4.
Als Angehörige der katholischen Kirche und Söhne des kroatischen
Volkes rufen wir hiermit alle Brüder und Schwestern, die Gläubigen
und unsere Landsleute in diesem Gebiet auf, gemeinsam mit uns Bischöfen
am Samstag, dem 13., oder am Sonntag, dem 14. Mai, an unseren himmlischen
Vater ein christliches Gebet für alle unschuldigen Opfer zu richten,
die durch die Gewalttaten und Grausamkeiten im I. Weltkrieg (1914-18),
im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen, im II. Weltkrieg (1941-45)
und in der Zeit nach dem Krieg, insbesondere bei der Tragödie von
Bleiburg, und auf dem großen Kreuzweg unter dem kommunistischen
Regime im Wege von Schauprozessen oder ohne jedes Verfahren und
schließlich bis heute als eines der zahlreichen Opfer dieses Krieges
umgekommen sind.
5.
Hier beten wir nicht nur für die vielen katholischen Kroaten - Bischöfe,
Geistliche, Ordensleute und viele Gläubige - sondern auch für alle
unschuldigen Opfer aus anderen Volksgruppen, die der Grausamkeit
des Kriegssturms zum Opfer gefallen sind. Während wir in Ehrfurcht
dieser Opfer gedenken, wollen wir auch für jene beten, die diese
Opfer getötet oder Schuld an deren Tod haben. Mit unserem Gebet
wollen wir nicht anklagen, sondern aufrichtig darum bitten, daß
der Geist des Herrn das Gesicht dieses Landes und noch viel mehr
alle Menschenlieben erneuert.
6.
Wir sind überzeugt, daß die Zeit kommen wird, wo man die ganze Tragödie,
die für unschuldige Menschen unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer
Volkszugehörigkeit allgemein heraufbeschworen wurde, aufzeichnet.
Daher dürfen durch das Gedenken an diese Opfer keine neuen Wunden
verursacht werden. Im Geiste der Botschaft, die der Heilige Vater,
wenn ihm sein Besuch möglich gewesen wäre, in der Kathedrale von
Sarajevo am 08. September 1994 verkündet haben würde, wollen wir
die Bitte aus unserem Vaterunser verwirklichen: Vergib uns unsere
Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigem. "Mit diesen
Worten", so hat der Papst geschrieben, "haben wir die
Schlüsselfrage berührt. Christus selbst hat uns daraufhingewiesen,
als er, während er am Kreuz starb, bezüglich seiner Mörder sagte:
'Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun' (Luk 23,
34). Die menschliche Geschichte, die Geschichte der Völker und
Nationen, ist voll des gegenseitigen Hasses und Unrechts (...).
Heute wollen wir darum beten, daß es noch einmal zu der gleichen
Geste 'wir wollen vergeben und bitten, daß man uns vergibt' für
unsere Brüder auf dem Balkan kommt! Ohne eine solche Einstellung
ist es schwer, den Frieden zu erbauen. Einmal muß verziehen werden,
da sonst die Kette aus aneinandergereihter 'Schuld' und 'Strafe'
nie ein Ende findet. Vergeben bedeutet nicht vergessen! Während
Erinnerung notwendigerweise zur Geschichte gehört, entspringt Vergebung
göttlicher Kraft, der Kraft Christi, die in den Ereignissen unter
den Menschen und Völkern wirkt. Führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Bösen. Welches sind die Versuchungen, von denen
uns zu befreien wir unseren Vater heule bitten? Es sind die, die
das menschliche Herz in einen Stein verwandeln, der gegenüber dem
Aufruf zu Vergebung und Eintracht kalt bleibt. Es sind Versuchungen
ethnischer Vorurteile, die den Menschen gegenüber den Rechten anderer
und ihrer Leiden gefühllos machen. Es sind die Versuchungen der
verschiedenen Formen eines aufgeheizten Nationalismus, die zu Übergriffen
auf die Mitmenschen und zu Rachegelüsten führen. Dies alles sind
Versuchungen, die man als Ausdruck einer Zivilisation des Todes
bezeichnen kann (...). All die in Gottes Licht stehenden Opfer dieses
grausamen Krieges bitten für die Überlebenden und flehen um Frieden
und Versöhnung" (GK, 387 94, 7).
In diesem Geist beten wir für alle unschuldigen Opfer dieses Jahrhunderts
in unserem Gebiet. Wir sind voll Trauer über all die begangenen
Ungerechtigkeiten und Untaten. Wir möchten, daß jeder Mensch sein
Leben in Frieden und Freiheit mit menschlicher Würde und mit seiner
religiösen und nationalen Identität führen kann, andere respektierend
und zugleich stolz auf die eigenen Werte. Möge unsere menschliche
und religiöse Aussöhnung mit allen anderen als Unterpfand für einen
dauerhaften Frieden dienen!
Sarajevo,
den 3. Mai 1995
Vinko
Kardinal Puljiæ, Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo) und Vorsitzender
der BK BiH,
Msgr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka,
Msgr. Ratko Periæ, Bischof von Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan,
Msgr. Pero Sudar, Weihbischof von Vrhbosna (Sarajevo)

ERNEUT
BRINGEN WIR UNSERE SOLIDARITÄT MIT ALLEN ENTRECHTETEN ZUM AUSDRUCK
Appell an die in- und ausländische Öffentlichkeit
Anläßlich
meines ersten Aufenthalts als Kardinal in meiner Geburtsstadt Banja
Luka und im Bistum Banja Luka wende ich mich gemeinsam mit dem örtlichen
Bischof, Msgr. Franjo Komarica, mit folgendem Appell an die in-
und ausländische Öffentlichkeit:
1.
Den Katholiken und anderen Menschen in der Region Banja Luka gehen
leider bereits volle drei Jahre lang viele fundamentale Menschenrechte
und Freiheiten ab: das Recht auf ein Heim, das Recht auf Heimat,
das Recht auf eine Möglichkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts,
das Recht auf Sicherheit für das Eigentum, das Recht auf sozialen
Schulz, das Recht auf Bewegungsfreiheit und nicht selten auch das
Recht auf Leben. Solche äußerst unmenschlichen Verhältnisse werden
auch für die Ausdauerndsten schließlich unerträglich.
2.
Da die Katholiken sich schon seit Anfang des Krieges in Kroatien
und in Bosnien und Herzegowina ausgesprochen friedfertig verhalten
haben, müßten sich nicht nur ihre Nachbarn, sondern auch die inländische
Öffentlichkeit und die internationale Gemeinschaft intensiver einsetzen
und sie hinsichtlich ihrer fundamentalen Rechte und Freiheiten schützen.
3.
Die gleichgültige und passive Haltung der führenden Politiker -
der in-und der ausländischen - , die, obwohl sie wissen, was hier
mit unschuldigen friedlichen Zivilisten geschieht, nichts Wirksames
unternehmen, um den schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit
ein Ende zu machen, ist unbegreiflich. Die Mitarbeiter der Medien
erleichtern es den Tätern durch Desinformation der Öffentlichkeit
beträchtlich, ihre Verbrechen und Gewalttaten ungehindert und ungestraft
zu begehen. Durch ihr Nichteintreten für den Schutz der hiesigen
unschuldigen und völlig schutzlosen Bevölkerung - der katholischen
und der übrigen - stellen sich diese Leute (wenn auch vielleicht
ungewollt) auf die Seite der Verbrecher. Als Gläubige und zugleich
Lehrer des Glaubens und der Moral in der Kirche Christi in diesem
Gebiet sind wir vor Gott und unserem Gewissen verpflichtet, uns
für die Verteidigung der Gebote Gottes und der menschlichen Würde
eines jeden Einzelnen einzusetzen. Wir haben die Pflicht, all jene,
die über die Schicksale dieser entrechteten Menschen entscheiden,
darauf aufmerksam zu machen, daß sie vor Gott und der Geschichte
schwere Verantwortung tragen.
4.
Wir erheben erneut energischst unsere Stimme zur Bekundung unserer
Solidarität und unseres Eintretens für den Schutz der menschlichen
Würde und der fundamentalen menschlichen und bürgerlichen Rechte
und Freiheilen aller mit Füßen Getretenen und Entrechteten, wobei
wir alle Menschen edler Gesinnung aufrufen, sich uns bei der Rettung
des bedrohten Geschöpfs Mensen hier in unserem Gebiet wie auch in
allen anderen Gebieten von Bosnien und Herzegowina, der Balkanregion
und des europäischen Kontinents anzuschließen.
5.
Wir dürfen von allen Angehörigen der katholischen Kirche wie auch
von allen anderen Christen und anderen an den Einen Glaubenden im
Gebiet des Bistums Banja Luka und des Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo),
Europas und der ganzen Welt erwarten, daß sie sich uns noch entschiedener
im Gebet zu Gott, dem einzigen wahren Friedensstifter, sowie auch
bei allen sonstigen friedensstiftenden Aktionen für die möglichst
baldige Herstellung eines gerechten Friedens in diesem Gebiet und
in allen anderen vom Krieg erfaßten Gebieten anschließen.
Banja
Luka, den 28. Februar 1995
Vinko
Kardinal Puljiæ, Erzbischof und Metropolit von Vrhbosna (Sarajevo)
Msgr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Msgr. Ratko Periæ, Bischof von Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan

DER
FRIEDENSVERTRAG ENTHÄLT SELTSAME WIDERSPRÜCHE UND GEFÄHRLICHE UNSICHERHEITEN
Offener Brief an die Unterzeichner und die Mitwirkenden des Vertrags
von Dayton
Wir,
die dieses Schreiben unterzeichnenden Mitglieder der Bischofskonferenz
für Bosnien und Herzegowina, die wir uns seit einigen Monate bereits
nicht einmal mehr treffen können, bringen hiermit entsprechend den
von der Kirche zu Krieg und Frieden in Bosnien und Herzegowina bezogenen
Standpunkten am Vorabend der in diesem Monat in Paris stattfindenden
Unterzeichnung des Vertrags von Dayton nochmals unsere Auffassung
zum Ausdruck, die wir mehrfach und in verschiedener Weise auch dem
Heiligen Stuhl und den Bischofskonferenzen der Welt sowie auch den
einheimischen und ausländischen Politikern, die schon wesentlich
früher das Feuer des Angriffskriegs hallen löschen und einen gerechten
und dauerhaften Frieden in Bosnien und Herzegowina herstellen können,
übermittelt haben. In den letzten vier Jahren haben wir uns mit
unseren Erklärungen gemeinsam oder in Zusammenarbeit mit den Bischöfen
der Republik Kroatien mindestens fünfundzwanzigmal an die Öffentlichkeit
gewandt. Hier geben wir Ausschnitte aus 12 unserer Erklärungen wieder:
Aus dem Schreiben der Bischöfe von Bosnien und Herzegowina an den
Heiligen Vater vom 18. Dezember 1992: "Obwohl die Weltorganisationen,
der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Europäische Gemeinschaft
und die KSZE, zur Frage des Aggressors und Eroberers eindeutig erklärt
haben, daß es sich um Serbien und Montenegro und die ehemalige jugoslawische
Armee, die ihre Waffen den Serben von Bosnien und Herzegowina überlassen
hat, handelt, sieht es in der konkreten Praxis dennoch so aus, als
ob nicht unterschieden würde, wer Haupturheber und Verbrecher und
wer Opfer, bzw. wer Angreifer und wer Überfallener ist (...). Wir
richten an Eure Heiligkeit die Bitte, daß der Heilige Stuhl im Rahmen
seiner Möglichkeilen darauf hinwirkt, daß die Regierungen der mächtigeren
Staaten gemäß der ihnen durch die internationalen Dokumente zur
Wahrung der menschlichen Grundrechte übertragenen Aufgabe und Verantwortung
tätig werden und den Aggressor und Usurpator zwingen, daß er allen
Vertriebenen und Flüchtlingen die Rückkehr nach Hause ermöglicht,
wobei nicht die Rede von irgendwelchen Veränderungen von Staatsgrenzen
sein darf" ("Glas Koncila", 2/1993, 3).
Aus der Grußbotschaft der Bischöfe von Bosnien und Herzegowina an
den Heiligen Vater vom 12. Januar 1993: "Heiliger Vater, wir
sind uns Ihres moralischen Gewichts und der Autorität, die sowohl
Sie persönlich als auch der Heilige Stuhl in der ganzen Welt genießen,
bewußt. Daher bitten wir Sie, mit uns zu sein. Wir meinen, daß es
nicht der Wille Gottes sein kann, daß wir aus diesen Gebieten verschwinden,
wo wir schon 13 Jahrhunderte lang leben, wo es uns trotz dramatischer
geschichtlicher Prüfungen mit göttlicher Hilfe gelungen ist, unseren
Glauben an Jesus Christus, unsere Verbundenheit mit dem Nachfolger
Petri und unsere nationale Identität zu bewahren. Auch heute sind
wir trotz aller Wechselfälle und tragischen Ereignisse wie bisher
zum friedlichen Zusammenleben sowohl mit orthodoxen Christen als
auch mit Muslimen und Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften
bereit" (GK, 4/93, 3).
Aus dem in Mostar veröffentlichten Appell der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 02. August 1993: "Erneut appellieren wir
an alle für die Politik maßgeblichen Persönlichkeiten der Öffentlichkeit
unseres Landes und der Welt, intensiver auf eine gerechte Lösung
des Problems des gegenwärtigen und zukünftigen Lebens aller Einwohner
von Bosnien und Herzegowina hinzuarbeiten. (...) Wir bitten alle,
die an den Herrn der Geschichte und den Friedensfürsten glauben,
sich unseren Gebeten zum Allmächtigen Gott anzuschließen und ihn
mit uns zu bitten, die Tage dieser Verfolgung zu beenden und uns
ein friedliches und glückliches Leben gemeinsam mit den übrigen
Volksgruppen in dieser unserer Kirchenprovinz Bosnien und Herzegowina
zu ermöglichen" (GK, 33/93, 4).
Aus der in Zagreb ergangenen Botschaft der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 01. September 1993: "Als Bischöfe der katholischen
Diözesen in Bosnien und Herzegowina betonen wir, daß die Kirche
gemäß ihrem Wirken im Dienste des Evangeliums die Erlösung durch
Christus und Frieden für die Menschen ungeachtet irgendeiner Grenze
verkündet. Wir freuen uns über alle gerechten Friedenslösungen,
die für jeden einzelnen Menschen und jedes einzelne Volk den Schutz
seiner menschlichen, religiösen und nationalen Rechte gewährleisten.
Wir sind tief beunruhigt durch verschiedene Nachrichten und Ereignisse,
die schlußfolgern lassen, daß die geplanten Grenzfestlegungen unter
Umständen zu dem göttlichen Gebot und dem Menschenrecht widersprechenden
gewaltsamen kriegerischen Auseinandersetzungen und Säuberungen führen.
Unter diesem Blickwinkel können wir niemals dem eventuellen Wegfall
eines mehrheitlichen Gebietsteils der organisierten katholischen
Kirche, d.h. unserer auf dem heutigen Gebiet von Bosnien und Herzegowina
liegenden, dort im Laufe der Geschichte gewachsenen Bistümer, zustimmen.
Das Glück eines Menschen oder eines Volkes baut man nicht, indem
man die menschliche Würde und die Grundrechte eines anderen Menschen
oder anderen Volkes niederwälzt. Zu solchen Grundrechten gehört,
auch, in der jahrhundertealten eigenen Heimat leben zu dürfen"
(GK, 37/93, 3).
Aus der in Bol veröffentlichten Erklärung der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 29. September 1993: "Wir verurteilen alle
in diesem Krieg begangenen Ungerechtigkeiten und unmenschlichen
Verbrechen, und wir verurteilen im Namen des göttlichen Gebots und
der menschlichen Würde jedwedes Mittel und jedwede Praxis der Entrechtung
von Menschen und Völkern, der Verfolgung von Einwohnern, der ethnischen
Säuberung und der Zerstörung von Gotteshäusern, gleich, von welcher
Gruppierung oder nationalen politischen Struktur dies jeweils ausgeht.
Wir, die Vertreter des Erzbistums Vrhbosna (Sarajevo) und der Bistümer
Banja Luka, Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan, lehnen jedwede Neuziehung
unserer jahrhundertealten Bistumsgrenzen und auch die Absehreibung
unserer Kirchengebiete ab, wenn nicht die Zustimmung und Billigung
unserer katholischen Geistlichkeit und unserer katholischen Bevölkerung,
die in Bosnien und Herzegowina als kroatisches Volk jahrhundertslang
ein grundlegender und wesentlicher Faktor gewesen ist, vorliegt.
Wir verurteilen die in diesem Krieg von Medien geübte Parteilichkeit,
alle Manipulationen, die der Wahrheit und dem Recht abträglich sind,
und Rache und Hass fördernde journalistische Impulse" (GK,
50/93, 1.)
Aus dem in Sarajevo veröffentlichten Appell der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 06. Januar 1994: "Daher richten wir im
Namen der Kirche, die wir vertreten, den nachdrücklichen Appell
an alle Politiker, alle Verhandlungsteilnehmer und alle Militärbefehlshaber,
vor sich selbst darüber Rechenschaft abzulegen, als was sie jetzt
in die Geschichte der Menschheit und der europäischen Zivilisation
eingehen! Sie sollten sich fragen, ob sie sich an den Grundsatz
der Wahrung der unveräußerlichen Rechte jedes Einzelnen und jedes
einzelnen Volkes einschließlich des Rechts, in gerechtem Frieden
zu leben, halten oder ob sie die Verhandlungen nach dem Grundsatz,
daß Zwang und Waffengewalt über Recht und Gerechtigkeit entscheiden,
führen?!" (GK, 3/94, 1)
Aus der in Zagreb an den Präsidenten der Republik Kroatien gerichteten
Denkschrift vom 12. Januar 1994: "Die im Namen des kroatischen
Volkes an diesen Verhandlungen teilnehmenden kroatischen Politiker
mit Ihnen an der Spitze stimmen der Teilung von Bosnien und Herzegowina
zu. Wir bedauern sehr, daß diese Unterhändler unsere bisherigen
Appelle ignoriert haben und weiter ignorieren, Appelle, i»
denen die Bischöfe von Bosnien und Herzegowina erklärt haben, daß
sie weder einer Veränderung gleich welcher Art der Grenzen ihrer
Bistümer noch dem Verschwinden des größeren Teils des kroatischen
Volkes und der katholischen Kirche, die im übrigen durch die Jahrhunderte
hindurch die getreueste Führerin und Beschützerin dieses Volkes
gewesen ist, aus diesem Gebiet zusammen (...). Ein Grundsatz, gegen
den verstoßen wurde, ist folgender: Europa hat anfangs versichert,
daß es für keinen Zoll eroberten Landes seine Anerkennung geben
wird, und jetzt werden unter seinem Druck und aufgrund der durch
Usurpation und Aggression angeeigneten Gebiete Verhandlungen geführt.
Man gewinnt den Eindruck, daß die Unterhändler den Usurpator befriedigen
wollen, wobei die Lebensinteressen der anderen Seite geschädigt
werden. Ein anderer unbilliger Grundsatz, der angewandt wird, ist
folgender: Eine Teilung von Bosnien und Herzegowina führt praktisch
und real (obwohl sich jemand auf theoretischer Ebene auch in entgegengesetzter
Richtung verwendet) nicht nur zur Sanktionierung der bisherigen
ethnischen Verfolgungen, sondern in der Folge auch zur kompletten
Durchführung der ethnischen Säuberung. Bei diesen während des Krieges
erfolgten "Umsiedlungen" und sonstigen Aktionen handelt
es sich jedoch um nichts anderes als Verbrechen! (...) Abgesehen
von allen möglichen Vorschlägen zur Regelung der Dinge in Bosnien
und Herzegowina halten wir es für unsere Pflicht und unser Recht,
noch einmal alle, die im Namen des kroatischen Volkes verhandeln,
mit allem Nachdruck darum zu ersuchen, unter allen Umständen für
alle katholischen Kroaten sowie auch für die Angehörigen anderer
Volksgruppen und Glaubensbekenntnisse die Wahrung der menschlichen
und bürgerlichen Grundrechte und Freiheiten einschließlich der
religiösen Rechte und der Rechte als ethnische Gruppe sicherzustellen"
(GK, 4/1994, 3).
Aus dem in Banja Luka veröffentlichten Appell der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 13. Februar 1994: "Als kirchliche Vertreter
haben wir nicht die Aufgabe, definitive Entscheidungen bezüglich
interner politischer Regelungen in Bosnien und Herzegowina ergehen
zu lassen. Uns an den historischen räumlichen Rahmen unserer vrhbosnischen
(Sarajevo) Metropolie haltend, dessen Gestalt sich im großen und
ganzen in die historischen Grenzen von Bosnien und Herzegowina einfügt,
das vom Heiligen Stuhl und von der ganzen Welt diplomatisch anerkannt
ist, sind wir für jede vernünftige politische Option, die den allgemeinen
Normen des Rechts und der Gerechtigkeit Rechnung trägt, offen. Erneut
betonen wir die Notwendigkeit der Einstellung der sinnlosen kriegerischen
Auseinandersetzung, der Durchsetzung sämtlicher Menschen-und Bürgerrechte
und bürgerlichen Freiheilen, der Gleichberechtigung aller drei Staatsvölker
auf dem Boden von Bosnien und Herzegowina, der Beendigung der Verfolgung
und der Rückkehr der Vertriebenen in ihre Heimat und des unbehinderten
Antransports humanitärer Hilfe für alle, die ihrer bedürfen, um
zu überleben" (GK. 8/1994, 1).
Aus der in Bol veröffentlichten Erklärung der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vorn 06. Mai 1994: "Bedauerlicherweise wird
unsere Metropolie durch die erwähnte (Washingtoner) Vereinbarung
in ein unter der Kontrolle der Kroaten und der Muslime und ein unter
der Kontrolle der bosnischen Serben stehendes Gebiet aufgeteilt.
Wir stellen mit innerem Schmerz fest, daß aus vielen unter der
Kontrolle der Serben befindlichen Gegenden bereits Zehntausende
Muslime und Kroaten verjagt worden oder geflüchtet sind und daß
bei denen, die trotz erheblicher Schwierigkeiten noch immer da sind
und in ihrem Zuhause bleiben, die schwere Diskriminierung und ethnische
Säuberung fortgesetzt wird. Dies führt zur Infragestellung der weiteren
Ansässigkeit von über 40% der Gläubigen des Erzbistums von Vrhbosna
(Sarajevo), was rd. 80% des Bistums Banja Luka und rd. der Hälfte
des Gebiets der Bistümer Mostar-Duvno und Trebinje entspricht. Das
können wir als Bischöfe dieser Bistümer ebenso wie die gesamte
katholische Kirche nicht akzeptieren! Wir erheben erneut mit aller
Entschiedenheit unsere seelsorgerische Stimme für den Schutz bzw.
die Rückgabe der fundamentalen menschlichen und bürgerlichen Rechte
und Freiheiten, sowohl im Blick auf die katholischen Gläubigen als
auch im Blick auf alle anderen entrechteten Menschen im Gebiet unseres
gesamten Erzbistums" (GK, 21/94, 3).
Aus dem aus Sarajevo von den Bischöfen von Bosnien und Herzegowina
an den Heiligen Vater gerichteten Brief vom 07. September 1994:
"In dieser all gemein menschlichen Tragödie wurde die katholische
Kirche in Bosnien und Herzegowina derart getroffen, daß sie ständig
in Gefahr ist, zu verschwinden. Unsere Gläubigen verlassen in ihrer
Not massenhaft ihre Heimat. Die Nachricht, daß nicht einmal Sie,
Heiliger Vater, als Oberhaupt der katholischen Kirche und größter
Friedensstifter dieser Zeit Ihren geplanten Besuch bei uns realisieren
konnten, hat die Ängste unserer getreuen Menschen beträchtlich anwachsen
lassen. (...) Die katholische Kirche der Kroaten dieses Gebiets
wird hier schon dreizehn Jahrhunderte lang gekreuzigt und blutet,
aber sie ist nicht verschwunden! Wie kann man sich damit abfinden,
daß sie heute, im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert, und zwar
in nur drei Jahren, hier verschwindet! Trotzdem glauben wir, daß
die Liebe Gottes die Kraft ist, die uns helfen wird, uns hier zu
behaupten. Deshalb bitten wir Sie, uns Segen vom Grab des Heiligen
Petrus zu spenden" (GK, 38/94, 6).
Aus dem in Rom veröffentlichten Appell der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 30. September 1994: "Eine kriegerische
Aggression wurde und wird noch immer im Gebiet von Bosnien und Herzegowina
durchgeführt. Die Reaktionen auf diese Aggression mit ihren blutigen
Folgen waren in den Kreisen der politischen Mächte - in den Vereinten
Nationen, insbesondere im Sicherheitsrat, bei der Europäischen Union
und bei der US-Administration - wegen der jeweiligen individuellen
Interessen bisher unterschiedlich und reichten von menschlicher
und moralischer Unsensibilität über politisches Nachgeben und offene
Unterstützung sehr unmenschlicher Projekte des eindeutigen Aggressors
über verschiedene "Friedens "-Pläne bis hin zur jetzigen
Kontaktgruppe. Und jetzt scheint es, als ob alle dabei seien, den
praktischen Sieg des Kriegs Wahnsinn s, des Bösen und der Verstöße
gegen sittliche Prinzipien, menschliche, nationale und religiöse
Rechte sowie Bürgerrechte zu billigen. Wir, die Bischöfe der katholischen
Kirche in Bosnien und Herzegowina, wissen, daß zahlreiche unserer
Katholiken zur geistlichen Bedeutung und zum geistlichen Wachstum
der Kirche, Christi Leib, deshalb beigetragen haben, weil sie während
stürmischer Jahrhunderte Leiden, Martyrium und Unrecht ertragen
mußten, aber es geht zu weit, wenn heute, vor den Augen der ganzen
zivilisierten Welt, von uns verlangt wird, im Wege einer ethnischen
Säuberung aus unseren historischen Gebieten ganz zu verschwinden.
Wir rufen daher die Bischofskonferenzen Europas und der Welt auf,
ihre Vertreter zu uns zu entsenden, wo sie sieh dann von der Echtheit
und Dramatik dieses unseres Hilferufs überzeugen werden. Wir bitten
sie ebenfalls, bei den Regierungen ihrer Staaten darauf hinzuwirken,
daß Bosnien und Herzegowina, das bereits ein international anerkannter
Staat ist, als vollständiger Staat erhalten bleibt;
- daß die ethnischen Säuberungen im Gebiet von Bosnien und Herzegowina
nicht legalisiert, sondern beendet und daß normale Zustände hergestellt
werden,
- daß das Menschenrecht nicht in Abhängigkeit von jemandes Kriegsmacht
und Waffen gerät;
- daß alle Vertriebenen unter voller Gewährleistung der gleichen
Rechte auf ihre menschliche, nationale und religiöse Identität nach
Hause zurückkehren können" (GK, 50/94, 1).
Aus der in Mostar veröffentlichten Erklärung der Bischöfe von Bosnien
und Herzegowina vom 29. Januar 1995: "Die vier katholischen
Bistümer in Bosnien und Herzegowina: Vrhbosna (Sarajevo), Banja
Luka, Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan, erleben nunmehr bereits seit
einigen Jahren jedes auf sei ne Weise ihren blutigen Golgathaweg.
Abgesehen davon, daß ihre Gebiete zwischen den in den Krieg hineingezogenen
Völkern aufgeteilt sind, bei denen im Zusammenhang mit dem Kriegszustand
verschiedene politische Regelungen geschaffen wurden, zeigt allein
schon die Lage an den verschiedenen Bischofssitzen die ganze Tragik
der Zeiten und des Krieges als solchem: Sarajevo ist heute schon
1.000 Tage vom Feind eingeschlossen. In Banja Luka läuft insbesondere
in diesen letzten Wochen zwecks ethnischer Säuberung in noch ausgeprägterer
und hinterlistiger Weise als bisher eine beispiellose Vertreibung
der verbliebenen nichtserbischen Bevölkerung. Mostar ist in zwei
Teile geteilt. Trebinje ist für den Apostolischen Verwalter unzugänglich.
Trotz alledem danken wir Gott, daß wir diese erste Sitzung in Mostar,
im Gebiet unserer Bischofs-Konferenz, abhalten konnten (...). Diese
Tragödie unseres kroatischen und katholischen Volkes wird uns besonders
dadurch vor Augen geführt, daß mehr als die Hälfte der Unseren (über
400.000 Menschen) von ihren jahrhundertealten Heimstätten fliehen
mußte, daß wir keine Perspektive für ihre Rückkehr innerhalb eines
absehbaren Zeitraums sehen können und daß Ängste und böse Ahnungen
sowohl wegen der Vertriebenen als auch der Hiergebliebenen wie schwarze
Wolken über uns hängen. Die caritative und humanitäre Hilfe von
Gläubigen und Menschen guten Willens aus der übrigen Welt ist umsonst,
wenn man uns nicht die Menschen- und Bürgerrechte und bürgerlichen
Freiheiten gewährleistet und wir nicht in unseren Heimatorten,
den Dörfern und Städten von Bosnien und Herzegowina, leben und
arbeiten können. Es ist uns gleichgültig, ob wir hungrig oder satt
sind, wenn die gegen die einzelnen Menschen und das Volk vorgehenden
Aggressoren uns zum Tode verurteilt haben und uns tagtäglich verfolgen
und umbringen. Wir sind tieftraurig wegen unmöglicher Unterlassungen
seitens der internationalen politischen Gemeinschaft, die eine unbegreifliche
Nachsicht gegenüber der Aggression und der Kraft des Stärkeren an
den Tag gelegt hat, sich aber gegenüber einer Bevölkerung, die unermeßliches
Unrecht, Gewalttätigkeit, Zerstörungen, Verfolgungen und Ermordungen
erduldet, gleichgültig zeigt. Mit den "Stärkeren" verhandelt
sie auf den Knien, mit den "Schwächeren" unter Erpressungen!
Wir fragen uns erschüttert, wie es sein kann, daß politische Interessen
und Prestigeaspekte unendlich wichtiger als der Mensch sind, als
Menschen und Völker, die ohne irgendwelche Schuld nach so vielen
Jahrhunderten der nationalen Existenz und Ausübung ihrer Religion
in diesem Gebiet und erwiesener kultureller Offenheit gegenüber
allen hier lebenden Menschen vor der Ausrollung durch einen Genozid
stehen" (GK. 6/95, l .3).
Wie aus diesen bruchstückweisen Zitaten aus unseren Erklärungen
usw. ersichtlich ist, haben wir, die diesen Brief unterzeichnenden
Mitglieder der Bischofskonferenz für Bosnien und Herzegowina, eine
klare und konsequente Haltung gezeigt, und zwar seit dem Beginn
des Krieges bis heute, und uns für die Beendigung dieses Aggressionskriegs
und die Herstellung eines stabilen, dauerhaften und gerechten Friedens
eingesetzt, wobei wir für das Recht eines jeden Menschen und eines
jeden Volkes in diesem Land eintraten. Deshalb begrüßen wir die
Beendigung dieses Aggressionskriegs nach erfolgtem Abschluß dieses
Friedens Vertrags. Wir bitten Gott darum, daß er diesen Krieg wirklich
enden läßt. Wir haben jedoch ernste Zweifel, daß auf der Basis eines
so zustandegekommenen Friedensvertrags der innig ersehnte gerechte
Frieden tatsächlich triumphiert und von Dauer ist. Dieser Friedensvertrag
enthält, soweit er uns bekannt ist. etliche sehr seltsame Widersprüche
und gefährliche Unsicherheiten:
1. Das proklamierte vollständige Bosnien und Herzegowina wird durch
diesen Vertrag in zwei Teile geteilt.
2. Wie kann es sein, daß ein Staat drei Armeen hat?
3. Was für eine Art Gerechtigkeit ist es, wenn die Hälfte eines
Landes einem Volk gegeben wird, das ein Drittel ausmacht?
4. Wer kann befugt sein, einen Vertrag zu unterschreiben, gemäß
welchem das Gebiet der mehrheitlichen Bevölkerung der bosnischen
Posavina der Herrschaft einer minderheitlichen Bevölkerung überlassen
wird?
5. Durch diesen Vertrag werden die ethnische Säuberung und das Recht
des Stärkeren offiziell bestätigt und sanktioniert und das Opfer
und der Aggressor auf die gleiche Ebene gestellt.
6. Wer in aller Welt soll die in diesem Friedensvertrag vorgesehene
Rückkehr von Hunderttausenden von Vertriebenen und Flüchtlingen
in ihr Zuhause und ihre Heimatorte ins Werk setzen und diesen dort
den Genuß aller Menschen- und Bürgerrechte und bürgerlichen Freiheiten
gewährleisten?
Es ist offensichtlich, daß dieser in Dayton zustandegekommene Friedensvertrag,
der in Paris unterzeichnet werden soll, anstelle des so sehr ersehnten
Friedens neuen Unfrieden und Unsicherheiten hinsichtlich der Rückkehr
der Menschen und des Schutzes der menschlichen Grundrechte und Freiheilen,
zu denen die religiösen und ethnischen Rechte und Freiheiten aller
Einwohner von Bosnien und Herzegowina gehören, mit sich bringt.
Als Bischöfe der katholischen Gläubigen, auf deren Zukunft sich
dieser Vertrag ebenfalls bezieht, erwarten wir zu Recht, daß alle
maßgeblichen Persönlichkeiten und Institutionen sowohl des Aus-
als auch des Inlands, die an seiner Ausarbeitung beteiligt waren,
sich unbedingt zur Ausmerzung der Ungerechtigkeiten und zur Schaffung
eines möglichst gerechten Friedens für alle friedliebenden Einwohner
dieses Landes verpflichten. Als offizielle Vertreter der katholischen
Kirche eines der drei Staatsvölker von Bosnien und Herzegowina,
des kroatischen Volkes, bringen wir auch diesmal unsere Bereitschaft
zum Ausdruck, auch selbst bei der Ausführung aller konstruktiven
und durchführbaren Lösungen zur Beendigung dieses grauenhaften Krieges
und zur Herstellung echten Friedens im Gebiet unserer Bischofskonferenz,
d.h. im Gebiet von ganz Bosnien und Herzegowina, zu helfen.
Sarajevo
- Banja Luka - Mostar, den 08. Dezember 1995
Vinko
Kardinal Puljiæ, Erzbischof, Sarajevo
Msgr. Franjo Komarica, Bischof, Banja Luka
Msgr. Ratko Periæ, Bischof, Mostar
Msgr. Pero Sudar, Weihbischof, Sarajevo

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