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VIII -
AN DIE POLITIKER DES KROATISCHEN VOLKES
IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJINA GEHT EINE SYSTEMATISCHE ETHNISCHE
SÄUBERUNG VOR SICH
Schreiben an den stellvertretenden Ministerpräsidenten der RH, Herrn
Dr. M. Graniæ
(15. Oktober 1992)
Sehr
geehrter Herr Stellvertretender Ministerpräsident,
nachdem ich nach über einem halben Jahr die Bosanska Krajina wieder
einmal verlassen habe, um an der Kroatischen Bischofskonferenz in
Zagreb teilzunehmen, nutze ich diese Gelegenheit, um Sie auf die
sehr schwere Situation meiner 120.000 Gläubigen (hauptsächlich
Kroaten) im Gebiet der Bosanska Krajina hinzuweisen.
Ich habe dies auch schon bisher, wann immer es möglich war, getan.
Ich habe verschiedene Institutionen im Ausland, die ich mit meiner
Stimme erreichen konnte, aufmerksam gemacht, mich aber gleichzeitig
auch um Gespräche mit den derzeitigen serbischen Zivil- und Militärbehörden,
sowohl mit denen in Banja Luka selbst als auch mit den höchsten
Vertretern des serbischen Volkes in Bosnien und Herzegowina, bemüht.
Ich hielt dies für das einzig richtige Vorgehen, um das Volk zu
retten, das seine legalen Vertreter verloren hatte und in gesteigertem
Maße Hilfe seitens der Kirche erwartete. Ich darf mit Befriedigung
hervorheben, daß es uns gelungen ist, dieses Volk, wenigstens im
größeren Teil der Bosanska Krajina, vor dem Krieg zu bewahren.
Dies erkennen auch die serbischen Behörden uns gegenüber an, die
zugeben, daß sie mit den katholischen Kroaten keine größeren Probleme
haben.
Die Tatsache, daß sich unser Volk trotz großer Provokationen betont
friedfertig verhalten hat, hat es jedoch nicht vor Terror, Mord
und Zerstörung bewahrt. Ich habe die Zivil- und die Militärbehörden
der Gemeinden der Bosanska Krajina darauf aufmerksam gemacht. Diese
haben im großen und ganzen auf die Gespräche reagiert, trotzdem
aber ist eine systematische ethnische Säuberung des Gebiets erfolgt.
Mit Hilfe der Militärpolizei habe ich alle nicht von Kriegshandlungen
betroffenen Orte mit kroatischer und anderer katholischer Bevölkerung
besucht. Aufgrund des mir möglich gewesenen Einblicks kann ich sagen,
daß die ethnische Säuberung im großen und ganzen abgeschlossen ist,
was bedeutet, daß ein großer Teil der katholischen Gläubigen in
dieser oder jener Weise sein Heim verlassen hat. Die übrigen werden
dies weitgehendst ebenfalls tun, sowie sie dazu Gelegenheit bekommen.
In der Gemeinde Banja Luka seihst, wo vor dem Kriege fast 30.000
Kroaten lebten, ist die Lage insoweit gut, als es keine massenweisen
Tötungen oder Zerstörungen gibt, aber das Ziel ethnischer Säuberung
wird beharrlich verfolgt, und es wird durch individuellen Terror,
Verhaftungen und Vernichtung oder Konfiszierung von Eigentum, aber
auch durch die Ermordung von Zivilpersonen erreicht. Eine spezielle,
bereits seit Monaten zu beobachtende Form des Drucks ist der wirtschaftliche
Druck. Fast alle Kroaten wurden aus ihrem Arbeitsverhältnis entlassen,
und es gibt bisher keine Anzeichen dafür, daß diese Ungerechtigkeit
und diese Unterdrückung des fundamentalen Menschen rechts auf Arbeit
und Einkommen ein Ende finden.
Kroatische Lehrer werden entlassen, und es wird nur das serbische
Unterrichtsprogramm gelehrt. Im Gesundheitswesen geschieht das gleiche
mit kroatischen Ärzten und kroatischem medizinischen Hilfspersonal.
Außerhalb des Gemeindegebiets von Banja Luka, in den Gemeinden Prijedor,
Sanski Most, Kljuè, Mrkonjiæ Grad, Kotor Varo¹, Prnjavor, Bosanska
Gradi¹ka und Lakta¹i, ist die Lage für die kroatische Bevölkerung
viel schwerer. Fast 200 Zivilpersonen wurden in ihren Häusern umgebracht,
die Zahl der Verhafteten und der in Lager verbrachten Personen ist
groß, und das Eigentum dieser Bevölkerung wird massenweise vernichtet
oder weggenommen. So gibt es beispielsweise zerstörte Dörfer wie
Bri¹evo, wo 68 Häuser zusammen mit der Kirche niedergebrannt wurden,
oder völlig ausgeplünderte Dörfer wie ©urkovac, wo aus den Häusern
alles weggeschleppt wurde. Diese Bevölkerung hat den "Wunsch",
wegzuziehen, da sie keinerlei Möglichkeit eines zukünftigen gemeinsamen
Lebens in diesem Gebiet sieht. Bei Treffen der Menschen mit hochrangigen
Vertretern der derzeitigen serbischen Obrigkeit, die wir in letzter
Zeit organisieren konnten, bringt unser kroatisches Volk solche
Stellungnahmen offen vor. Für die angeführten und sonstigen Untaten
an unserem kroatischen Volk gab es weder einen Grund noch eine
Ursache, denn die Kroaten der betreffenden Gebiete hatten keine
Waffen, und sie haben auch nicht gekämpft. Als Täler im Zusammenhang
mit den genannten Verbrechen werden irgendwelche wilde paramilitärische
Formationen genannt, die von den Zivil- und den Militärbehörden
angeblich bekämpft werden. Es scheint jedoch, daß keine nennenswerten
Resultate Zustandekommen.
Eine spezielle Form des Drucks auf das Volk zeigt sich in Gestalt
der Verhaftung von Geistlichen und der Zerstörung von kirchlichen
Gebäuden. Der größere Teil der Geistlichen ist in Lagern gewesen.
Einige von ihnen werden zeitlebens Invaliden bleiben. Von einem
Geistlichen, Hochw. Ratko Grgiæ, weiß man auch nach über drei Monaten
nichts. Im Bistum wurden von den kirchlichen Gebäuden 40 % zerstört
und 50 % mehr oder weniger beschädigt.
Bei der Darlegung dieser Tatsachen, die Ihnen teilweise schon bekannt
sind, möchten wir auch Ihnen unsere Fragen und Erwartungen vortragen:
Sind wir uns selbst überlassen? Kann Kroatien, 7,u dessen Bevölkerung
viele aus unserem Gebiet stammende Menschen gehören, den Kroaten
in der Bosanska Krajina helfen, weiter dort leben zu können? Es
sei gesagt, daß die Bemühungen der Kirche, das Volk an seinen Heimstätten
zu hallen, vergebens sind, wenn wir keine größere Unterstützung
durch die kroatischen Behörden bekommen. Völlig umsonst jedoch wäre
unser Bemühen, falls irgendein Plan "X" existiert, falls
nicht mehr vorgesehen ist, daß wir uns in diesem Gebiet weiter behaupten.
Derartige Gedanken und Befürchtungen liegen dem kroatischen Menschen
der Bosanska Krajina tagtäglich auf der Seele, denn die bisherige
Entwicklung der Geschehnisse gibt ihm Grund, so zu denken.
Außer den tagtäglichen Gewalttaten an unserem Volk, die auch der
gewichtigste auslösende Faktor für den Wegzug der Menschen sind,
(wenn es so weitergeht, kann Kroatien mit dem Zuzug von weiteren
Zehntausenden von Kroaten rechnen), besorgt uns auch die völlige
wirtschaftliche Verarmung unserer Menschen. Wie sollen solche Menschen
den Winter überleben, und was können sie, selbst wenn sie dies
scharfen, von der Zukunft erwarten?
Abgesehen von der Hilfe, die wir dem Volk zum größten Teil über
die Caritas zukommen lassen, möchten wir den staatlichen kroatischen
Stellen noch einen konkreten Vorschlag bzw. eine konkrete Bitte
unterbreiten: Kann den Kroaten in der Bosanska Krajina mit zum
Pflügen der Felder notwendigem Treibstoff und mit Saalgut geholfen
werden? Wir meinen, daß damit nicht nur die Ernährung der Bevölkerung
für das kommende Jahr gesichert wäre, sondern wir glauben auch,
daß so der tagtägliche, durch Furcht und Spannung bedingte Verkrampfungszustand
dieser Menschen, die ständig auf dem Sprung sind, ihr Bündel zu
greifen und davonzulaufen, teilweise nachlassen würde. Wenn unsere
Menschen wenigstens ihre Felder bestellen könnten, würde es ihnen
vielleicht gelingen, die schwarzen Gedanken zu verdrängen.
Ich darf Ihnen meinen Dank aussprechen und verbleibe
hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

ERNEUTE
MOBILMACHUNG VON KROATEN IM GEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben des bischöflichen Vikars in Zagreb, Dr. M. Anièiæ, an
den Ministerpräsidenten der HR HB, Dr. J. Prliæ
(Prot. Nr. V-1334/94 vom 28. Februar 1994)
Sehr
geehrter Herr Ministerpräsident,
vor einer Stunde habe ich aus Banja Luka die Nachricht von der erneuten
Mobilmachung unserer Leute erhalten. Der Hof der Bischofsresidenz
ist voller in Panik geratener Männer, Frauen und Kinder.
Der Bischof von Banja Luka hatte Ihnen seinerzeit von der vor rund
15 Tagen von den Serben durchgeführten Mobilmachung unter dem Vorwand,
daß sie vom Bischof gutgeheißen worden sei, schriftlich Mitteilung
gemacht. Einige dieser Leute waren nach ®epèe, die anderen Gott
weiß wohin geschickt worden. Wir hatten damals Grund zu der Vermutung,
daß die Serben dies in Absprache mit gewissen führenden Leuten aus
Herceg-Bosna, namentlich aus ®epèe, getan hauen. Diese Vermutung
erweist sich nunmehr als zutreffend. Einige unserer eingezogenen
Männer wurden dieser Tage als untauglich aus ®epèe zurückgeschickt.
Sie haben uns berichtet, daß dortige Offizielle, I. Lozanèiæ, A.
Marinèiæ und andere, behaupten, daß sie diese Mobilmachung zusammen
mit den Serben und mit Wissen des Bischofs durchführen. Hat es der
Bischof nach soviel Einsatz für unser Volk etwa verdient, daß ihn
Angehörige desselben Volkes mit Lügen in den Schmutz ziehen?
Lozanèiæ hat unseren Männern sogar von einigen seiner Wahnsinnspläne
einer Umsiedlung unserer Familien aus dem Gebiet Banja Luka erzählt.
Wohin? Er hat sich nicht näher geäußert. Hat er es vielleicht Ihnen
gesagt? Es ist seltsam, Herr Ministerpräsident, daß solche Leute
Posten innehaben, von denen aus sie derart rücksichtslos über das
Schicksal so vieler Menschenleben entscheiden.
Der Bischof ängstigt sich auch um die Familien der Männer, die auf
derart kriminelle Weise mobilgemacht und nach ®epèe geschickt wurden.
Daß diese Angst berechtigt ist, hat sich auch vor zwei Tagen gezeigt,
als im Fernsehprogramm des Senders Banja Luka die Frage gestellt
wurde, was die Kroaten aus dem Gebiet Banja Luka in ®epèe tun und
in wessen Armee sie kämpfen. Eine neue Ungewißheit für unser Volk
- für die zu Hause zurückgebliebenen Alten, Frauen und Kinder!
Ich wende mich im Namen des momentan verhinderten Bischofs an Sie.
Ich wende mich an Sie als einen der höchsten Amtsträger von Herceg-Bosna,
in der Überzeugung, daß Sie sich Ihrer Verantwortung vor unserem
gesamten Volk bewußt sind und vor den Hilferufen dieses Volkes nicht
Ihr Ohr verschließen, sondern alles tun werden, um uns zu helfen.
Ich danke Ihnen für Ihren bisherigen Einsatz und verbleibe mit dem
Ausdruck meiner aufrichtigen Hochachtung.
Dr. Miljenko
Anièiæ, bischöflicher Vikar
Schreiben
übermittelt an:
- Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb
- Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Zagreb

WAS
IST DAS SCHICKSAL DER KATHOLIKEN IN DEM VON DEN BOSNISCHEN SERBEN
KONTROLLIERTEN GEBIET UND IN WESSEN HÄNDEN (AUSSER IN GOTTES) LIEGT
ES?
Bischöfliches Promemoria an Prof. Dr. Pejo Æo¹koviæ, Abgeordneter
des Parlaments von BiH
(Prot. Nr. Präs. 47/94 vom 26. März 1994)
Sehr
geehrter Herr Prof. Æo¹koviæ,
ich erlaube mir, mich an Sie in Ihrer Eigenschaft als Abgeordneter
der Region Banja Luka im Parlament von BiH zu wenden. Da Sie, wie
ich hoffe, an der am 28. d. Mts. in Sarajevo stattfindenden Sitzung
der verfassunggebenden Versammlung teilnehmen werden, erwarte ich,
daß Sie sich als legitimer Vertreter der hiesigen kroatischen Bevölkerung
zu Wort melden und so die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf unsere
dramatische Situation und unsere ungewisse Zukunft lenken werden.
- Sie wissen im großen und ganzen um unsere völlige Schutzlosigkeit
und Entrechtung: die Unterdrückung unserer menschlichen Freiheiten
und des Rechts auf Leben, eine Wohnung, ein Haus, Hei mal, Arbeit,
gerechte Verteilung der Früchte der Arbeit, uneingeschränkte Bewegungsfreiheit,
Gedankenfreiheit, Versammlungsfreiheit und den Abschluß von Vertragen,
selbstbestimmte Erziehung der eigenen Kinder usw...
- Sie wissen ebenfalls, daß wir in diesem Gebiet als ethnische und
insbesondere auch als religiöse Gemeinschaft sicherlich das älteste
und alteingesessenste Element darstellen!
- Sie wissen um die schwere und dramatische Geschichte der Katholiken
dieses Gebiets, besonders um die Tragödie des Bistums Banja Luka
während des 2.Weltkriegs, als ein Drittel der Diözese vernichtet
und nie wieder hergestellt wurde!
Was Sie in diesem Augenblick freilich gut wissen müssen, ist, daß
- trotz unseres ausgesprochen friedfertigen Verhaltens - laut den
unseren Geistlichen vorliegenden Beweisen bis jetzt 43.000 Katholiken
das von der RS kontrollierte Gebiet unserer Diözese verlassen haben
(davon nicht weniger als 99,5 % Kroaten, Menschen, die vertrieben
wurden, die aus Angst um ihre Sicherheit geflüchtet oder schlicht
weggezogen sind). NOCH IMMER BEFINDEN SICH HIER - laut den Mitte
März vorliegenden Angaben - 27.000 Katholiken in 37 Pfarrgemeinden,
verteilt auf 15 Kommunen! Der größte Teil davon (15.381, ohne die
Grenzpfarrei Trn mit 1.372 Personen) entfallt auf das Gemeindegebiet
Banja Luka. Kroaten gibt es noch mehr, sie sind jedoch nicht alle
in unseren Verzeichnissen aufgeführt!
Von denen, die sich derzeit außerhalb des Bistums aufhalten, haben
bis jetzt rund 8.000 ihre Häuser bzw. Wohnungen gegen welche in
der RH oder der HR HB eingetauscht. Alle anderen, d.h. fast 35.000
unserer Menschen - vertriebene oder geflüchtete kroatische Katholiken
-, sind potentielle Anwärter für die Rückkehr in ihr hiesiges Heim.
Viele unserer Flüchtlinge und Vertriebenen fragen ungeduldig, wann
sie bzw. ob sie überhaupt in ihre Heimat zurückkehren werden!
Wer entscheidet darüber? Was wird mit jenen Menschen, und was mit
denen, die sich noch hier befinden und - entrechtet und in ihrer
menschlichen Würde schwer erniedrigt - beim Warten darauf, daß sich
von den kroatischen Politikern jemand energischer und wirksamer
für sie einsetzt, am Rande ihrer Geduld angelangt sind?
Wie Ihnen gewiß bekannt ist, wurde hier bis jetzt eine sehr hinterhältige
Politik ethnischer Säuberung in Form eines Abschneidens der "führenden
Köpfe" betrieben, d.h. es wurde besonders auf die angeseheneren,
wohlhabenderen und einflußreicheren Menschen, auf unsere Intelligenz
gezielt, um das wirtschaftliche Fundament und die intellektuelle
Führung zu beseitigen. Wenn wir auch weiterhin den anderen um uns
herum überlassen bleiben und da, wo man über unser politisches,
wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Schicksal entscheidet,
nicht selbst alles in unseren Kräften Stehende ins Werk setzen,
darf es uns nicht wundern, wenn uns andere eine Mütze zuschneiden,
die ganz und gar nicht auf unseren Kopf paßt!
Daher bitte ich Sie als legitimen Volksvertreter dieser Region,
daß Sie sich auf der nächsten Sitzung im Namen aller von Ihnen Vertretenen
- sowohl derjenigen, die noch hier sind, als auch jener, die sich
momentan zwangsweise außerhalb aufhalten - unbedingt zu Wort melden.
Sie müssen für unsere hiesigen Menschen DAS RECHT AUF EIN NORMALES
MENSCHLICHES LEBEN UND EINE MENSCHLICHE ZUKUNFT IN IHREN JAHRUNDERTALTEN
HEIMSTÄTTEN fordern! Es muß, eventuell auf Basis der Wechselseitigkeit,
ein Modus gefunden werden, durch den die hiesigen entrechteten Menschen
wieder zu ihren fundamentalen Menschen- und Bürgerrechten und Freiheiten,
einschließlich der religiösen und der ethnischen kommen.
Diese Tage sind Tage weittragender Entscheidungen hinsichtlich der
Zukunft unserer Menschen! Diese Entscheidungen werden von anderen
getroffen - ohne uns! Wir waren bestrebt, als die Ehre sowohl ihrer
eigenen Person als auch ihres Volkes und ihrer Kirche bewahrende
Menschen aufzutreten. Sollen wir für diese Haltung mit völliger
Ausradierung aus allen zukünftigen Geschichts- und Geographiekarten
bestraft werden?
Ich habe für den Schutz der Menschen, denen ich von Amts wegen zu
helfen verpflichtet bin und denen ich auch zu helfen wünsche, bei
den Vertretern des serbischen Volkes und insbesondere bei unserem
kroatischen Volk alles, wozu ich fähig und in der Lage war, ins
Werk gesetzt. Und Gott der Herr ist Zeuge (aber auch viele Menschen
wissen), daß ich mich bemüht habe, auch allen anderen zu helfen
und sie vor größerem Unheil zu retten!
Ich weiß, daß meine Möglichkeiten sehr begrenzt sind, wenn es um
die politischen Entscheidungen anderer über uns und unser Schicksal
geht. Gleichwohl habe ich nicht geschwiegen, und ich will auch
nicht schweigen, will mich nicht wie ein Hund verhalten, der nicht
bellt, obwohl Diebe in den Hof eindringen und das Haus zerstören!
Ich erwarte insbesondere von den derzeitigen politischen Vertretern
meines kroatischen Volkes, daß sie sich endlich klarer und energischer
für alle ihre Landsleute einsetzen und nicht zuletzt für jene, die
ihnen bei freien Wahlen ihr Vertrauen ausgesprochen haben, damit
sie nicht als kurzsichtige Egoisten und große Verräter an den Interessen
des Volkes in die Geschichte eingehen! Zu denen, die für uns hier
Verantwortung tragen, gehören auch Sie!
Ich bin überzeugt, daß Sie sich für uns einsetzen und uns sowohl
diesmal als auch in der Zukunft würdig vertreten werden!
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung und einem herzlichen
Gruß
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

"WIR
WOLLEN HIER BLEIBEN! DAS IST, WIE ICH WEISS, AUCH IHR STANDPUNKT"
Bischöfliches Schreiben an den Präsidenten der RH, Dr. F. Tuðman
(Prot. Nr. Präs. 54/94 vom 07. April 1994)
Sehr
geehrter Herr Präsident,
ich erlaube mir, mich diesmal auch auf schriftlichem Wege an Sie
zu wenden - im Namen der in dem von den serbischen Behörden kontrollierten
Gebiet verbliebenen (annähernd 27.000) Gläubigen meines dezimierten
Bistums.
Die bisherigen Geschehnisse und die Entwicklung unserer Situation
sind Ihnen im großen und ganzen von unseren wiederholten Gesprächen
der vergangenen Monate her bekannt. Ich danke Ihnen im Namen aller
unserer entrechteten Menschen für Ihre Bereitschaft, unsere nicht
beneidenswerte Lage zur Kenntnis zu nehmen und uns, soweit dies
möglich ist, zu helfen.
Ihnen ist nicht unbekannt, daß wir mit der Geduld eines Hiob, für
die uns Gott allein die Kraft gegeben hat, bestrebt gewesen sind,
unzählige, durch nichts provozierte Ungerechtigkeiten, Erniedrigungen,
Quälereien, Mißhandlungen, Vertreibungen und sogar Mordtaten in
den eigenen Häusern zu ertragen, Dinge, die man uns nur deshalb
angetan hat, weil wir Kroaten bzw. Katholiken sind! Ihnen ist auch
nicht unbekannt, daß wir hier in unserem Gebiet weder Leib und Leben
unserer Nachbarn - seien es Serben, Muslime oder sonstige - bedroht
noch diesen irgendwelche Ungerechtigkeiten zugefügt haben. Wir haben
ganz im Gegenteil die über unsere bischöfliche Caritas von anderen
guten Menschen erhaltenen Hilfssendungen, von denen wir uns einen
Teil vom Munde absparten, noch mit unseren Nachbarn geteilt, sogar
mit denen, die uns schikanierten!
In unzähligen Gesprächen mit den hiesigen Vertretern der staatlichen
Behörden und des Militärs habe ich auf die von jenen ausgeübte
Unterdrückung unserer fundamentalen Menschenrechte stets von neuem
taktvoll hingewiesen und sie gebeten, sich von gegen unsere Menschen
gerichteten verbrecherischen Aktionen und Anordnungen zu distanzieren.
Ferner habe ich zum Ausdruck gebracht, daß bei Fortführung dieser
Praxis der schwere Makel der Unmenschlichkeit auf sie fallen werde.
Ich möchte nicht sagen, daß meine Interventionen keinerlei positives
Ergebnis gebracht haben. Die erzielten Ergebnisse sind jedoch gegenüber
dem programmierten Vorsatz, unsere Existenz als nationale und religiöse
Gruppe hier in diesem Gebiet, in dem wir seit Jahrhunderten ansässig
sind, auf das kleinstmögliche Maß zu reduzieren (sofern man sie
jetzt nicht gar völlig auslöschen will), nicht der Rede wert!
Sie wissen um unsere Entschlossenheit, trotz all der bisherigen
Bedrängnisse beharrlich an unseren uralten Heimstätten festzuhalten,
wobei wir die unerschütterliche Hoffnung hegen, daß uns bei diesem
unserem Wunsch, bei dem es um eines unserer fundamentalen Menschenrechte
geht, auch die derzeitigen politischen Vertreter unseres kroatischen
Volkes wirkungsvoll beistehen werden!
In den letzten Wochen habe ich mich mehrmals an die führenden politischen
Vertreter der Kroaten des Gebiets Bosnien und Herzegowina bzw. Herceg-Bosna
gewandt und sie gebeten, sich bei allen nationalen und internationalen
Institutionen energischer für uns einzusetzen. Wir haben diesen
unseren Politikern den Wunsch unterbreitet, daß jemand sich herbemühen
möge, um sowohl mit Vertretern der serbischen Behörden als auch
mit unserem entrechteten, in die Enge getriebenen und sehr verängstigten
Volk Gespräche über unser Schicksal zu führen.
Ich persönlich versuche hier, auch weiterhin alles zu tun, um die
verängstigten Gemüter zu beruhigen und zugleich die hiesigen Behörden
darauf aufmerksam zu machen, daß sich das, was sie tun, nicht gehört.
All dies ist aber nicht ausreichend, und es kann nicht ausreichend
sein!
Die tagtägliche Bedrohung des Lebens unserer Menschen durch Bombardierung
ihrer Häuser, die körperlichen Mißhandlungen der Menschen - auch
alter Menschen - bis hin zur Bewußtlosigkeit (Gebiet der Gemeinden
Banja Luka, Prnjavor, Kotor Varo¹, Lakta¹i), die Ermordung unschuldiger
Zivilisten in ihren Häusern (Prijedor, Prnjavor), die tagtäglichen
Fälle gewaltsamer Ergreifung und Mobilmachung zum Dienst in den
Streitkräften der RS, das sadistische Ausleben niedriger Instinkte
an vielen unserer Menschen, die zu äußerst inhumanen "Arbeitseinsätzen",
meist in der Nähe der Kampfplätze in den Regionen von Doboj, Donji
Vakuf und Bihaæ sowie im Gebiet von Bosanski Brod, ©amac und Ora¹je
gezwungen werden, die Entlassung selbst der minimalen Anzahl bis
jetzt noch tätig gewesener Grund- und Oberschullehrer, Ärzte und
anderer Arbeitnehmer, die sehr häufigen telefonischen Provokationen
wie "Wieso wartet ihr noch hier, ihr Ustaschas?!" oder
"Wir werden euch alle wie Ungeziefer totschlagen!", die
ständigen Vertreibungen aus Wohnungen und in steigendem Maße auch
ans den eigenen Häusern, wobei die Menschen im wahrsten Sinne des
Wortes auf die Straße gejagt werden, und ähnliches, sowie die Tatsache,
daß die Betroffenen niemanden haben, an den sie sich wenden könnten,
um auch nur den geringsten Schutz zu bekommen, weil Politiker aus
unseren Reihen sozusagen nicht existent sind und es serbischen
Politikern nicht der Mühe wert ist, sich zu rühren - all dies führt
zu einer wirklich nicht beneidenswerten Situation für unsere Menschen!
Ihr einziger Beistand ist die Kirche, ihren einzigen Trost finden
sie im Glauben an Gott und im Einhalten des Gesetzes Gottes!
Es liegt mir absolut fern, die Lage zu dramatisieren, denn sie ist
an sich schon dramatisch genug! Seien Sie sich auch bitte weiterhin
darüber im klaren, sehr geehrter Herr Präsident, daß unsere Option
hinsichtlich unserer Zukunft in den hiesigen Gebieten auch weiter
unverändert dieselbe bleibt: wir wollen unbedingt hier bleiben!
Mir ist bekannt, daß dies auch Ihr Standpunkt ist! Viele unserer
Menschen, die diese Gegend unter dem Druck der Gewalt verlassen
haben (es sind fast 49.000), haben den Wunsch, zurückzukehren, und
sie bitten mich, mich sowohl bei Ihnen bzw. der Regierung der RH
als auch bei den hiesigen Behörden dahingehend für sie einzusetzen!
Mir scheint, daß die allgemeine politische Lage für uns momentan
immerhin günstiger ist als in den vergangenen Monaten! Ich gestatte
mir deshalb, Sie inständigst zu bitten, konkrete Schritte zu unternehmen.
Könnte man jetzt für unsere Leute hier in dieser Gegend etwas mehr
und etwas konkreteres unternehmen? Könnte man die Eröffnung einer
Vertretung des kroatischen Volkes hier in Banja Luka in Erwägung
ziehen? Könnte die neueröffnete Vertretung der Republik Kroatien
in Belgrad irgendetwas für uns hier tun? Könnten sich endlich politische
Vertreter des kroatischen Volkes in Bosnien und Herzegowina aufraffen,
mit den staatlichen Vertretern der Serben auch über uns und unsere
derzeitige wirklich sehr schwere Lage bzw. unsere Zukunft zu verhandeln?
Ich bitte Sie, diesen Hilferuf Ihrer Landsleute zur Kenntnis zu
nehmen. Sie haben Ihnen bisher nicht übermäßige Kopfschmerzen bereitet,
und ich weiß, daß Sie nicht nur für diese Menschen wie auch für
alle übrigen Kroaten, gleich, wo diese leben, ein Herz haben, sondern
daß Sie auch willens sind, ihnen zu helfen!
Ich sage Ihnen im Namen aller meinen aufrichtigen Dank!
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka

WIR
SIND DER LAUNE UND DER ANMASSUNG DERER ÜBERLASSEN, FÜR DIE DIE KEULE
DAS GESETZ IST! HELFEN SIE UNS!
Schreiben des Bischofs an den Vorsitzenden des Präsidialrats der
HR HB, Dr. J. Prliæ
(Prot. Nr. 61/94 vom 18. April 1994)
Sehr
geehrter Herr Vorsitzender,
ich danke Ihnen aufrichtig für Ihren Brief vom 14. April d. J.,
in dem Sie auf meine verschiedenen Schreiben Bezug nehmen und anführen,
was Sie in der letzten Zeit bei den Vertretern der serbischen Behörden
alles unternommen haben, damit uns ein Mindestmaß an Schutz zuteil
wird.
Ich bedanke mich im Namen vieler für Ihre Interventionen. Es steht
außer Zweifel, daß es uns ohne dieselben schlechter gehen würde,
als dies jetzt der Fall ist. Dadurch findet man bestätigt, daß sich
nur JEMAND wirklich auch für diesen Teil unseres Volkes, der völlig
unschuldigerweise der Laune und der Anmaßung derer überlassen ist,
für die die Keule das Gesetz ist, einsetzen muß. Solche Leute dürften
überhaupt nicht an der Spitze der offiziellen Politik eines Volkes
oder eines Gebildes, das einmal ein Staat und sogar ein Rechtsstaat
werden soll, stehen! Niemand hat das Recht, durch sein Handeln
die Ehre des Volkes, dem er durch Geburt oder eigene Entscheidung
angehört, zu besudeln!
Gestalten Sie mir, daß ich Ihnen in Beantwortung Ihrer Nachricht
nachfolgend Angaben zur derzeitigen Situation unserer Bevölkerung
in dem unter serbischer Hoheit stehenden Gebiet meines Bistums mache.
1. Ich zweifele nicht, daß Ihre Gesprächspartner versichert haben,
daß sie sich gegenüber unserer Bevölkerung korrekt verhalten. Vor
Ort ist die Situation nicht so, wie sie sie darstellen wollen! Wenn
an unseren völlig unschuldigen Menschen unablässig Verbrechen verübt
werden, geschieht dies mit Wissen und stillschweigender Billigung
der derzeitigen staatlichen Stellen, es sei denn, daß nicht dieser
"Staat", sondern jemand anderes die tatsächliche Macht
in den Händen hält! Warum hat sich bis jetzt seitens der staatlichen
Stellen niemand öffentlich von den begangenen und ständig neu verübten
Verbrechen distanziert? Die staatlichen Stellen müßten wissen, was
vor sich geht, und wenn dieser Staat sauber dastehen möchte und
es ihm um wirklichen Frieden und eine glücklichere Zukunft geht,
fragt man sich, warum er dies dann nicht durch die Tat beweist!
Dieser Staat macht den Eindruck, als ob er staatlichen Terror an
der nichtserbischen Bevölkerung dieser ganzen Region akzeptiere
und billige. Kann man über diese Tatsache einfach so hinweggehen?
2. Nach den mir vorliegenden Angaben wurde ein großer Teil der eingezogenen
"Pfarrkinder" erneut nach Hause geschickt, "auf Urlaub,
mit der Auflage, nach einer bestimmten Anzahl von Tagen zu den
Militärformationen zurückzukehren". Mir ist nicht bekannt,
wie viele der Leute tatsächlich zurückgekehrt sind, aber es ist
so, daß mich viele Ehefrauen und Mütter erneut aufgesucht und um
Schutz gebeten haben, damit ihre Ehemänner bzw. Söhne nicht gewaltsam
in den Krieg gestoßen werden, nachdem sie doch seit Beginn des Krieges
gegen niemanden eine Waffe erheben wollten.
Unterdessen ist aus dem Gebiet des (zwischen Banja Luka und Doboj
gelegenen) Dorfes Kula¹i dieser Tage, gestern und heute, wiederum
eine Gruppe von neun und danach noch eine von weiteren drei Männern
gewaltsam mobilisiert und nach Aussage ihrer engsten Angehörigen
in das Kampfgebiet der Kriegszone um Doboj gebracht worden. Den
Männern war gesagt worden, daß sie "Militäruniformen anziehen
müssen und Waffen erhalten werden". Aus dem Nachbardorf Dragalovci
(Gemeinde Doboj) sind vor über einem Monat rund fünfzig Männer weggebracht
und zum Einsatz in Formationen der Truppen der RS eingezogen worden,
und von ihnen weiß man noch immer nichts! Im Gebiet der Gemeinde
Banja Luka geht in der letzten Zeit eine offizielle Mobilisierung
vor sich, aber einige Gruppen, die als Militärpolizei auftreten
(?!), machen beharrlich in unseren Dörfern im Umkreis von Banja
Luka die Runde und "machen Jagd" auf die Männer. Diejenigen,
die sie mit Gewalt ergreifen, verschleppen sie in unbekannte Richtung.
Wie mir die Ehefrauen und die Mütter der Betroffenen klagen, behaupten
die polizeilichen und die militärischen Stellen auf ihre Eingaben
hin, daß sie mit der Sache nichts zu tun haben. Die Menschen versichern
mir, daß sie nicht wissen, wer schlimmer ist: die unverschämten
Häscher oder die offizielle Polizei, die im Namen des Staates alle
Menschen vor Gesetzlosigkeit schützen müßte! Sie beklagen sich besonders
über die Polizeistationen in Bud¾ak und Ivanjska! Wenn unsere Menschen
um ein Mindestmaß an Schulz nachsuchen, hilft ihnen bei den Zivilbehörden
niemand! Tagtäglich greift man unsere Menschen frech und beharrlich
an und fordert sie auf, diese Gegend zu verlassen, d.h. alles, was
sie haben, hier zu lassen, und irgendwohin - zu "ihren Ustaschas"
- zu gehen. Wenn man nur den Jammer anhört, tut es einem weh! Wie
stehen diese Menschen dies alles nur durch? Noch immer halten sich
in den Dörfern Dragocaj, Barlovci, Kuljani, ©argovac, Prijeèani,
Èesma, Deliba¹ino Selo und Debeljaci viele der Männer in Verstecken
auf; andernfalls würden sie von einer Streife mitgenommen und in
unbekannte Richtung verbracht.
3. Die neuesten Nachrichten aus dem Gebiet der Pfarreien Mrkonjiæ
Grad und Kotor Varo¹, die mir heute aus absolut zuverlässigen Quellen
zugegangen sind, zeigen tatsächlich, daß das unmenschliche Verhalten
der Machthaber gegenüber unserer Bevölkerung weitergeht! In Mrkonjiæ
Grad müßte wirklich schnellstens etwas unternommen werden, damit
unsere wenigen dort verbliebenen Leute vor der sadistischen Willkür
der dortigen Machthaber, die sie wie Vieh behandeln, gerettet werden.
Es ist traurig und zivilisierter Menschen un-würdig!
Die heute aus dem Gebiet von Kotor Varo¹ eingegangene Nachricht
gebe ich nachstehend vollständig wieder:
"In der letzten Zeit sind die Überfalle auf Wohnhäuser und
Menschen häufiger geworden. Es kommt oft zu schwereren Verletzungen,
man verlangt Geld, schleppt alles weg und fordert die Leute regelmäßig
unter Androhung des Todes auf, die RS zu verlassen. Die Überfälle
gehen in merkwürdiger Weise, fast planmäßig, vor sich. Das Verfahrensmuster
ist, daß jeweils in einem Dorf eine oder zwei Familien überfallen
werden und die Täter anschließend in einem anderen Dorf wieder eine
oder zwei Familien überfallen usw. Auf diese Weise wird unter allen
katholischen Kroaten Furcht verbreitet.
- Allen Kroaten wurde ohne jede Begründung das Telefon gesperrt.
- Alle Kroaten wurden zur Zwangsarbeit eingezogen, ohne irgendein
Entgelt zu erhalten. Sie müssen selbst Essen, Werkzeuge und Kleidung
mitbringen. Oft müssen sie verlassene kroatische Häuser ausschlachten
und Steine und Baumaterial herausholen.
- Plünderungen sind fast legal geworden. Am hellichten Tage werden
öffentlich Möbel, Baumaterial und sonstige Dinge durch die Stadt
gefahren, und die Miliz hält niemanden an. Was der Ernährung dient
- Kartoffeln, Salat, Getreide, Vieh - wird regelmäßig geplündert,
und die Menschen haben Glück, wenn man ihnen nur dies wegnimmt.
Für sie ist die Hauptsache, daß man nicht auch noch in ihre Häuser
eindringt.
- Der jüngste Vorfall in Novo Selo: Marko (Markan) und Ljubica Grgiæ
sind schlimm verprügelt worden. In der Nacht vom 13. auf den 14,
April wurden sie nach Mitternacht zum Nähen der Kopf- und der anderen
Wunden nach Banja Luka gefahren. Man hatte von ihnen Geld verlangt
und gefordert, daß sie das Haus verlassen und wegziehen, wobei man
die ganze Zeit über unbarmherzig mit. Holzprügeln und speziellen
hakenförmigen Metallstangen, die schwere Verletzungen hervorrufen,
auf sie eindrosch.
- Breitmachen in verlassenen Häusern: man zieht ein, plündert das
betreffende Haus aus und sucht sich danach ein anderes.
- Aus den Häusern wird alles ausgeschlachtet (Steine, Baumaterial)
- alles wird weggeschleppt (Möbel, sanitäre Einrichtungsgegenstände,
Stromkabel, Parkettfußböden, Dielen usw.).
- Gräber werden geschändet, Grabmäler gestohlen (Friedhöfe Rokovo
Groblje, Èepak, Bilice). Wie lange geht das noch weiter? Von keiner
Seite Schutz!"
4. Aus dem Gemeindegebiet von Bosanska Gradi¹ka hat mich dieser
Tage aus sicherer Quelle folgende Nachricht vom 12. April 1994 erreicht,
die ich auszugsweise wiedergebe:
"Am Freitag, dem 08. April, zwischen 21.00 und 22.00 Uhr, wurde
Viktor Kalizan, Sohn von Ivo, geb. 1957 in Gornja Dolina, ermordet,
ein aufgeweckter junger Mensch, der die Taubstummen-Mittelschule
in Sarajevo absolviert hatte. Ein Taubstummer...! Er ist das fünfte,
völlig unschuldige Opfer in der Pfarrgemeinde! Unter den Ortsbewohnern
haben sich Furcht und Panik verbreitet, und es wäre nötig, den
Leuten eine Garantie für ihre Sicherheit zu geben, umso mehr, als
es hier keine bewaffneten Auseinandersetzungen gegeben hat und die
Leute den ganzen Krieg über niemals eine Waffe in die Hand genommen
haben. Die Pfarrgemeinde umfaßt ungefähr zweihundert katholische
Kroaten, bei denen es sich größtenteils um alte und kranke Menschen
handelt.
Vierundzwanzig Jugendliche bzw. junge Menschen sind zur Zwangsarbeit
herangezogen worden. In den letzten Tagen sind vier davon erkrankt,
aber für sie gibt es keinerlei Möglichkeit einer Behandlung.
- Auch früher hat es Diebstähle und Plünderungen gegeben, aber seit
Mitte Juli d. J. hat dies überhandgenommen und ist unerträglich
geworden. Jede Nacht und jeden Tag wird gestohlen, weggeschleppt
und geplündert, und es werden aus verlassenen und aus von neuen
Leuten in Beschlag genommenen Häusern Sachen herausgeholt. Relativ
gut dastehenden Haushalten sind oft nur zwei bis drei Hühner verblieben
...
Es ist schon üblich geworden, daß neben einem katholischen Kroaten,
der von der Caritas Hilfe bekommt, auch noch zwei orthodoxen Serben
geholfen wird. Regelmäßig läßt man Sozialfällen in Laminci (serbisches
Dorf) Hilfe zukommen. Es wird auch erhebliche Hilfe in Form von
Medikamenten geleistet ... Trotz dieser Tatsachen protestiert das
Rote Kreuz in Gradi¹ka, "daß man zu den Serben ungerecht sei
und die Hilfe nicht gerecht verteile"... Wenn wir auf unserem
Besitz, auf dem wir uns mit unserer Arbeit und Mühe ernähren, unerwünscht
sind, sollen die maßgeblichen Organe uns dies offen sagen und uns
den Weg auftun, und wir ziehen weg. Wenn man uns das Recht auf Leben
und die übrigen Grundrechte gewährleistet, sollen die militärischen
und die zivilen Organe dies dem Volk öffentlich bekanntgeben, damit
hier endlich einmal Sicherheit und Ordnung die Oberhand bekommen,
soweit dies in einer Kriegssituation möglich ist. Die Menschen dieser
Pfarrgemeinde wie auch dieser ganzen Gegend haben keine Waffe in
die Hand genommen, und sie haben gemäß allen internationalen Gesetzen
ein Recht auf ein friedliches Leben."
Herr Vorsitzender, dies ist lediglich ein Teil des Alltags meiner
in diesem Gebiet lebenden katholischen Gläubigen! Sie wissen Bescheid,
und es liegt bei Ihnen, zu handeln! Die Hoffnung auf ein besseres
Morgen ist noch da, aber bei vielen schwindet sie zusehends! Helfen
Sie!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka

WIR
VERLANGEN NUR EINES - DASS DIE ANDEREN UNS WIE MENSCHEN BEHANDELN!
Schreiben an den Präsidenten der RH, Dr. F. Tuðman
(Prot. Nr. 689/94 vom 12. Dezember 1994)
Sehr
geehrter Herr Präsident,
wieder wende ich mich in dieser allerneuesten, für die kroatischen
Katholiken in der Region Banja Luka sehr dramatischen Situation
an Sie.
In den vielen seit Ausbruch des Krieges in Bosnien und Herzegowina
mit Ihnen und Ihren nächsten Mitarbeitern geführten Gesprächen wurde
mir stets die Zuversicht vermittelt, daß wir durchhalten und in
unserer Heimat bleiben werden, was auch wir mit allen Kräften wünschten.
Zugleich haben Sie mir wiederholt fest versprochen, daß Sie uns
nicht vergessen und uns bestmöglich schützen werden. Sie wissen,
daß ich gern bereit war, Ihnen zu glauben und nicht an der Aufrichtigkeit
der mir Zuversicht eingebenden Äußerungen zu zweifeln.
Unsere Menschen, die starkes Vertrauen in ihren Bischof und seine
Geistlichen haben und im allgemeinen für die durch uns vermittelten
Gedanken und Überzeugungen aufnahmebereit sind, waren sogar zu vielen
Opfern bereit und wollten Erniedrigungen und die verschiedensten
Formen der Entrechtung ertragen, nur um in ihrer angestammten Heimat
zu bleiben und auch für die Zukunft sicherzustellen, daß ihre Volksgruppe
und ihre Kirche hier kräftig wurzeln. Sie machten sich die Überzeugung
zu eigen, daß sie mit ihrem friedfertigen Verhalten und ihren Opfern
sowohl der katholischen Glaubensgemeinschaft in diesem Gebiet als
auch ihrem kroatischen Volk als ganzem einen Dienst erweisen.
Sie kennen gewiß den klaren Standpunkt des Heiligen Vaters und des
Heiligen Stuhls, daß das Bistum Banja Luka erhallen bleiben muß,
und zwar in seinem größtmöglichen Umfang, Sowohl ich als derzeitiger
Bischof von Banja Luka als auch meine Geistlichen und unsere Ordensbrüder
und Ordensschwestern waren und sind, wie Sie wissen, noch immer
zu den größten Opfern bereit, sogar zur Hingabe des Lebens, was
auch unsere ermordeten Geistlichen bewiesen haben, um die uns von
der Kirche Christi übertragene Aufgabe zu erfüllen.
Mit unserem bisherigen Verhalten haben wir alle, die wir in diesem
derzeit von den serbischen Behörden kontrollierten Gebiet geblieben
sind, unseren Nachbarn, Ihnen, der Kirche und der Welt gezeigt,
daß wir friedfertig sind, daß wir imstande und bereit sind, mit
den Menschen um uns in Frieden zusammenzuleben. Wir erwarten lediglich,
daß dies kein Frieden ist, in dem wir wie unerträglich gequälte
Sklaven in völliger Entrechtung und Perspektivelosigkeit leben.
Über uns haben bis jetzt andere entschieden, ohne uns zu fragen,
was wir wollen und wie es uns geht. Gab es wirklich keine Alternative
dazu? Wenngleich wir für gewisse ausländische Politiker und Planer
nicht einmal Menschen sind, so glauben wir doch, daß wir es für
die Politiker unseres kroatischen Volkes sind, an dessen Spitze
Sie stehen! Mit ihrem bisherigen Vorgehen uns gegenüber haben die
hiesigen serbischen Behörden alles getan, um dem größten Teil unserer
Landsleute das Dasein in dieser Gegend wirklich zu verleiden. Es
war ihnen aber wohl nicht genug, was unter anderem die jüngste gegen
uns gerichtete sehr unmenschliche Aktion zeigt. Einige Hundert unserer
Männer, die nach gewaltsamer Mobilisierung an den vordersten Frontlinien
der Kriegsschauplätze bei Doboj, Ora¹je, Bihaæ und Kupres eingesetzt
waren - die einen rund zwanzig, die anderen sogar rund hundert und
einige nicht weniger als fünfhundert Tage lang -, sind psychisch
und physisch derart zerstört und ausgelaugt worden, daß über 90
% von ihnen für immer zu einem selbständigen Leben unfähige Invaliden
bleiben werden. Ich habe in vielen Appellen sowohl die hiesigen
Machthaber als auch Sie und Ihre nächsten Mitarbeiter beschworen,
sich einzuschalten, damit man uns menschlicher behandelt. Bis jetzt
hat leider niemand etwas Wirksames unternommen! Warum? Und was
hat man mit uns eigentlich vor, wenn man uns derart brutal behandelt?
Die neueste "Hatz" der letzten Wochen auf unsere Männer,
die zu Geiseln auf den Schlachtfeldern um Glamoè und Grahovo wurden,
und das furchtbare Ausleben niedriger Instinkte an ihnen und ihren
Nächsten, obwohl sich keiner dieser Menschen in irgendeiner Weise
schuldig gemacht hatte, veranlaßt nun, so fürchte ich, viele dieser
Menschen, dieses Gebiet, wo Gott sie zur Welt kommen ließ, zu verlassen,
selbst wenn sie ursprünglich unbedingt Weihen wollten. Die mehrtägige
völlige Ungewißheit über das Schicksal einiger Hundert Entführter
aus unserer Bevölkerung, darunter auch Alte, Kranke, Behinderte
und nur halb Bekleidete, die Verzweiflung ihrer Angehörigen und
das Ausbleiben jeglicher Zeichen eines Interesses unserer Politiker,
sowohl derer von Bosnien und Herzegowina als auch derer von Kroatien,
an unserer sehr dramatischen und äußerst kritischen Situation wird
mit Sicherheit sehr negative Folgen hinsichtlich eines weiteren
Verbleibens einer solchen Anzahl unserer Bevölkerung in diesem Gebiet
nach sich ziehen. Man gewinnt den Eindruck, daß all dies inszeniert
wurde, damit wir bis zum Wahnsinn getrieben und einfach zum Weggang
(wenn auch in die völlige Ungewißheit) gezwungen werden. Daß einige
unserer "Nachbarn" dies so wollen, und zwar beharrlich,
wissen wir langst, und auch bei ihrer letzten Razzia haben diese
zu vielen unserer Leute, während sie sie vor ihren Familienangehörigen
verprügelten (so auch meinen Bruder vor unserer alten Mutter!)
und mit Gewalt in die Nacht und in die Ungewißheit hinausschleppten,
gesagt: "Wenn ihr nicht jetzt endlich wegzieht und zu eurem
Tuðman geht, bleibt uns nichts anderes übrig, als euch alle totzuschlagen!"
Noch viel größer aber wäre unser Schmerz, wenn hinter einem solchen
"Projekt" irgendeiner der offiziellen kroatischen Politiker
stünde!
Sehr
geehrter Herr Präsident,
ich frage Sie als die maßgeblichste für das gesamte kroatische Volk
zuständige politische Persönlichkeit, was man wirklich mit uns
vorhat. Wer wird endlich diesem Teil unseres kroatischen Volkes,
der bisher den kroatischen Namen in keiner Weise beschmutzt hat,
die volle Wahrheit bezüglich der ihm von den hiesigen Machthabern
zugedachten Zukunft sagen'.' Hat auch dieser Teil unseres Volkes
einen Anspruch darauf, daß die derzeitigen kroatischen Politiker,
seien es solche aus Bosnien und Herzegowina oder solche aus Kroatien,
beginnen, ihm offiziell ihr Interesse zu widmen? Wie lange noch
werden wir Stiefkinder des eigenen Volkes sein, unwillkommene Fremde
im eigenen Haus, obwohl wir für jeden normalen Menschen wünschenswerte
Nachbarn sind? Wie lange noch wird man uns unterdrücken, ohne daß
wir auch nur das Recht zur Beschwerde haben? Für wessen und für
welche Ziele werden unsere Männer auf Kriegsschauplätzen getötet
und begraben? Wann wird endlich ein offizieller Vertreter aus den
oberen politischen Rängen auch in diese Gegend kommen und unsere
Menschen fragen, wie es ihnen geht, was ihnen fehlt und was sie
sich wünschen? Was müssen wir noch tun, damit Sie, die kroatischen
Politiker, uns als Ihre Landsleute begreifen und annehmen, als Landsleute,
die nicht weniger wert sind als die an anderen Orten und in anderen
Gebieten lebenden Kroaten?
Ich bitte Sie, sich vor Augen zu halten, daß ich im Namen von mindestens
35.000 entrechteten Kroaten, vor allem Katholiken aus meinem Bistum
Banja Luka und aus Teilen des vrhbosnischen Erzbistums, spreche,
von Menschen, die in dem sich derzeit in serbischer Hand befindenden
Gebiet (einem Gebiet, in dem, wie Sie wissen, weitaus mehr von ihnen
gelebt haben) ansässig sind und die keinen einzigen anderen Sprecher
haben und deren Hilferufe auch nicht weithin hörbar sind. Wir verlangen
nur eines, etwas, was sicher auch Ihnen am Herzen liegt: daß man
uns als Menschen mit einem Anrecht auf die fundamentalen Menschen-
und Bürgerrechte und Freiheiten und den Genuß derselben behandelt!
Wir erwarten, daß in allen zukünftigen Verhandlungen über uns und
unsere Zukunft in den hiesigen Gebieten diese unsere Forderungen
eindeutig berücksichtigt werden. Sagen Sie bitte nicht, daß wir
zuviel verlangen und daß alle über uns entscheidenden Persönlichkeiten
Ihrer Umgebung alles ihnen möglich Gewesene getan haben und alles
ihnen Mögliche tun! Gott der Herr und die Geschichtsschreibung unseres
Volkes werden uns alle nach unseren Taten bzw. nach dein, was wir
unterlassen haben, richten! Bemühen wir uns, daß das Urteil möglichst
günstig ausfällt!
Auch bei dieser Gelegenheit spreche ich Ihnen meinen aufrichtigen
Dank für alles aus, was Sie für uns getan und unternommen haben!
Ich bin überzeugt, daß ich auch in Zukunft Anlaß finden werde. Ihnen
zu danken!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
Msgr. Francesco Monterisi, Apostolischer Nuntius in BiH - Rom
die Apostolische Nuntiatur - Zagreb
Msgr. Vinko Kardinal Puljiæ, Erzbischof und Metropolit von Sarajevo
- Sarajevo
Msgr. Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb
- Zagreb

EMPFEHLUNGSSCHREIBEN
FÜR DIE ZUWEISUNG VON RÄUMLICHKEITEN ALS VORÜBERGEHENDE UNTERKUNFT
FÜR DEN ZAGREBER MITROPOLITEN HERRN JOVAN (PAVLOVIÆ)
Schreiben des Bischofs an Herrn Nikica Valentiæ, den Ministerpräsidenten
der RH
(Prot. Nr. Präs. 4/95 vom 02. Januar 1995)
Sehr
geehrter Herr Ministerpräsident,
bei unserem kürzlich geführten Gespräch haben Sie mir versichert,
daß die Regierung der Republik Kroatien bereit ist, die beschädigte
Residenz des Zagreber Mitropoliten in Zagreb instandsetzen und ihren
ursprünglichen Zustand wieder herstellen zu lassen.
Ich danke Ihnen nochmals für dieses Versprechen!
Gestern, am Neujahrstag, hatte ich die Möglichkeit, hier in Banja
Luka, in der Residenz des orthodoxen Episkopus, Herrn Jefrem, mit
dem Zagreber orthodoxen Mitropoliten, Herrn Jovan, ein Gespräch
zu führen, unter anderem auch über die gemeinsamen Bemühungen der
Vertreter der beiden Kirchen und unserer beiden Völker um eine möglichst
schnelle Normalisierung der Lage in der Republik Kroatien und in
Bosnien und Herzegowina. Herr Jovan hob die Tatsache der sich bessernden
Atmosphäre, von der er sich auch bei seinem kürzlichen Aufenthalt
in Zagreb am Nikolaustag (am 19. Dezember 1994) überzeugen konnte,
hervor, und er hofft fest darauf, daß sie noch besser wird.
Er brachte dabei auch zum Ausdruck, daß er häufiger nach Zagreb
bzw. in das Gebiet seiner in der Republik Kroatien gelegenen Kirchenprovinz
kommen und sich dort aufhalten möchte und müßte. Dafür besteht jedoch,
wie er sagt, in Zagreb noch immer keine konkrete Möglichkeit, weil
sich seine dortige Residenz in einem Zustand befindet, der einen
Einzug ohne vorherige größere bauliche Maßnahmen, für die Fachkräfte
erforderlich wären, nicht gestattet.
Er hat daher einen anderen Lösungsvorschlag und bittet die Behörden
der RH bzw. der Stadt Zagreb über mich, diesem stattzugeben.
In dem Gebäude in der Ilica-Straße 7 in Zagreb (das übrigens der
serbisch-orthodoxen Kirche gehört), in dessen 1. Stock die Zagreber
orthodoxe Kirchengemeinde ihren Sitz hat, befindet sich im Erdgeschoß
ein Lager mit irgendwelchen Gegenständen für den Sport. Die Räume,
in denen sich jetzt dieses Lager befindet, könnten erneut der serbisch-orthodoxen
Kirche in Zagreb zugewiesen bzw. dem Zagreber Mitropoliten zur Verfügung
gestellt werden, solange dessen Residenz nicht für den normalen
Gebrauch hergerichtet ist. Diese Örtlichkeit wäre, wie der Mitropolit
versichert, wegen ihrer unmittelbaren Nähe zur Kathedrale und der
zu dieser gehörenden Kirchengemeinde sowohl im Hinblick auf seine
persönliche Sicherheil als auch auf seine seelsorgerische Tätigkeit,
die nötig (und wünschenswert) ist, die geeignetste. Er hat bereits
Ende November 1993 an den damaligen Parlamentspräsidenten ein Gesuch
um Zuweisung der genannten Räumlichkeiten gerichtet, jedoch bis
jetzt keine Antwort erhalten.
Nachdem mich der Hochwürdigste Mitropolit von Zagreb, Herr Jovan,
über dies alles informiert und gleichzeitig gebeten hat, mich bei
den Behörden der Republik Kroatien für sein Gesuch zu verwenden,
erlaube ich mir hiermit, Sie direkt anzusprechen, da Sie mir seinerzeit,
wie ich bereits anführte, persönlich versichert haben, daß die
Behörden der Republik Kroatien effektiv bereit sind, den Vertretern
der serbisch-orthodoxen Kirche entgegenzukommen, wo immer dies möglich
ist. Ein positives Echo Ihrerseits auf dieses Gesuch wäre ein weiteres
sichtbares Zeichen der Glaubwürdigkeit der höchsten politischen
und staatlichen Vertreter der Republik Kroatien und ihrer Bereitschaft
zur wünschenswerten und erforderlichen Normalisierung der Beziehungen
zur serbischorthodoxen Kirche im gesamten Staatsgebiet der Republik
Kroatien, ein Signal, das gewiß auch nicht ohne - durch ein solches
Eintreten Ihrerseits mögliche -positive Auswirkungen für die Angehörigen
der katholischen Kirche im allgemeinen bleiben würde!
Indem ich meiner Überzeugung Ausdruck gebe, daß Sie den Hochwürdigsten
Mitropoliten bald wissen lassen werden, daß über sein Gesuch positiv
entschieden wurde, möchte ich Ihnen auch persönlich meinen aufrichtigen
Dank aussprechen, mit dem Wunsch im Herzen, daß auch diese Geste
Ihrerseits zum sehnsüchtig erwarteten gerechten Frieden für alle
Einwohner der Republik Kroatien (und ebenso für die Menschen meines
dezimierten Bistums Banja Luka!) beitragen möge.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb,
Vorsitzender der HBK
- Herrn Jovan, Mitropolit für das Gebiet Zagreb, Ljubljana und ganz
Italien
- den Heiligen Synod der SPC - Belgrad
- Herrn Jefrem, orthodoxer Episkopus von Banja Luka

"WELCHE
KONKRETEN SCHRITTE HABEN DIE KROATISCHEN POLITIKER UNTERNOMMEN,
DAMIT WIR IN UNSERER HEIMAT BLEIBEN KÖNNEN"
Schreiben des Bischofs an K. Zubak, den Vorsitzenden des Präsidialrats
der HR HB
(Prot. Nr.: Präs. 24/95 vom 07. Februar 1995)
Sehr
geehrter Herr Vorsitzender,
angesichts der neuesten Nachrichten, die mich aus einzelnen Pfarrgemeinden
der Region Banja Luka, insbesondere aus ©imiæe und Ivanjska erreichen,
sehe ich mich gezwungen, mich erneut an Sie zu wenden. Aus vielen
Dörfern dieser beiden am Rand des Gemeindegebiets von Banja Luka
gelegenen Pfarrgemeinden (aber auch aus einigen anderen hiesigen
Pfarrgemeinden) wollen die Leute weggehen und ihre jahrhundertelange
Heimat aufgehen. Bisher haben sie noch irgendwie durchgehalten und
aufbessere Zeiten gehofft. Infolge der völligen Schutzlosigkeit,
der häufigen Plünderungen, der Angriffe auf Leib und Leben und
der Drohungen bewaffneter Gruppen sowie des beharrlichen Schweigens
kroatischer Politiker zu unserer dramatischen Situation hier in
diesem Gebiet sind nunmehr viele unserer Menschen, wie es scheint,
von Furcht und Panik erfaßt.
Viele Male haben mir führende Politiker des kroatischen Volkes (Politiker
aus der Republik Kroatien) versichert, daß die kroatische Politik
allgemein von der Vorstellung ausgeht, daß unsere Menschen in Bosnien
und Herzegowina in ihrer Heimat bleiben. Ich bringe meinen Schmerz
offen zum Ausdruck und frage auch Sie wie zuvor meine anderen Gesprächspartner:
Welche konkreten Schritte haben die kroatischen Politiker unternommen,
damit wir wirklich in unserer Heimat, auf die wir sowohl vor unserem
Volk als auch vor der internationalen Gemeinschaft ein Anrecht
haben, bleiben können? Wie viele Male haben die kroatischen Politiker
in diesen drei Jahren ihre Stimme öffentlich zum Schutz unserer
hier lebenden, völlig schutzlosen Menschen erhoben? Wer vertritt
uns überhaupt, und wo, und auf wen sollen wir hören? In letzter
Zeit sind Sie die betreffende bevollmächtigte Person! Ihnen gebührt
unser Dank!
Ich habe nicht die Absicht, Ihnen nur Fragen zu stellen, bei denen
ich bereits im voraus weiß, welche Antworten Sie mir geben können.
Als hiesiger Bischof (und Angehöriger des kroatischen Volkes) habe
ich nicht den Mut verloren, und ich werde nicht aufhören, meine
Stimme zu erheben, sei es im Gebet zu Gott dem Herrn, sei es durch
Appelle an alle Menschen guten Willens, uns zur Wiedererlangung
der fundamentalen Menschenrechte zu verhelfen! Deshalb wende ich
mich erneut an die führenden Politiker der HR HB und fordere sie
auf, das Versprechen zu erfüllen, das sie mir bei meinem kürzlichen
Aufenthalt in Mostar anläßlich der Tagung der Bischofskonferenz
für Bosnien und Herzegowina über drei ihrer Vertreter, die Herren
Bender, Markoviæ und Kordiæ, gegeben haben, d.h. daß sie nach einem
Modus suchen werden, damit eine sachlich kompetente Delegation
zu uns kommt und mit unseren hier verbliebenen Politikern und unseren
Menschen in den einzelnen Pfarrgemeinden sowie auch mit den Vertretern
der hiesigen serbischen Behörden über unsere jetzige Lage und unsere
Zukunft Gespräche führt...
Ich erwarte jedenfalls, daß Sie diesem Appell nicht Ihr Ohr verschließen,
da es hier um wirklich schicksalsträchtige Schritte für die hier
lebenden katholischen Kroaten geht!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- die BK BiH - Sarajevo
- die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo

DROHT
DEN IM GROSSRAUM BANJA LUKA VERBLIEBENEN MEHREREN ZEHNTAUSEND KATHOLIKEN
- KROATEN (UND ANDEREN), DASS SIE MIT IHREM EINVERSTÄNDNIS DORT
EIN FÜR ALLEMAL AUSGEROTTET WERDEN?!
Schreiben des Bischofs an den Präsidenten der RH, Dr. Franjo Tuðman
(Prot. Nr. 332/95 vom 22. Mai 1995)
Sehr
geehrter Herr Präsident,
durch die vielen Gespräche, die ich in den letzten drei Jahren mit
Ihnen und Ihren engsten Mitarbeitern geführt habe, sowie die Botschaften
und Appelle, die ich schriftlich bzw. mündlich über meine engsten
Mitarbeiter an die oberste Staatsführung der RH und die politischen
Vertreter des kroatischen Volkes in BiH gerichtet habe, wurden Sie
von 1991 bis jetzt fortgesetzt über die jeweils aktuelle Situation
der Katholiken - kroatischer und anderer - im Gebiet meines Bistums
Banja Luka informiert Insbesondere in dem Gebiet, in dem diese ganze
Zeit über die Behörden der bosnischen Serben das Sagen hatten und
haben (d.h. im größten Teil meiner Diözese), und im Gebiet der Region.
Bihaæ, die unter bosnisch-muslimischer Kontrolle steht, ist unsere
Situation indessen völlig ungewiß, und während einzelner Phasen
ist sie auch sehr dramatisch gewesen. Diese Dramatik erreicht jetzt
ihren Höhepunkt!
Ihnen ist bekannt, daß die hier lebenden Kroaten - fast 80.000 -
den größten Teil ihrer gewählten politischen Vertreter verloren
haben und dadurch bedingt auch ohne konkreten elementaren Schutz
und ohne Orientierung dastehen. Die politischen Vertreter, die
nicht getötet oder vertrieben worden oder geflüchtet sind, hatten,
soviel mir bekannt ist, keine Verbindung zu Kreisen ihrer Parteien
bzw. politischen oder staatlichen Organen und Institutionen des
kroatischen Volkes im Gebiet der HR HB bzw. BiH oder auf dem Territorium
der RH (!), und schon gar keine Unterstützung von denselben.
Für unsere entrechteten und schutzlosen Menschen haben die Geistlichen,
die Ordensbrüder und Ordensschwestern und der Bischof von Banja
Luka die ganze Last und die ganze Verantwortung übernommen. Durch
ihre standhafte Aufopferung für ihre Gläubigen und Landsleute, trotz
direkter Bedrohung von Leib und Leben (aus den Reihen der Geistlichen
bzw. Ordensmitglieder war das erste Opfer am 16. Juni 1992, das
letzte, das sechste, am 12. Mai 1995 zu beklagen), und durch ihr
unermüdliches Mahnen zu friedfertigem Verhalten, Gewaltlosigkeit
und Vergebung wurde das Leben vieler Menschen, nicht nur von Kroaten,
sondern auch von Serben und anderen in diesem Gebiet Ansässigen,
bewahrt.
Trotz unseres ausgesprochen friedfertigen Verhaltens - eine Tatsache,
die sowohl unseren Nachbarn und unseren Landsleuten in den anderen
Teilen von Bosnien und Herzegowina und in der Republik Kroatien
als auch Ihnen bekannt ist - waren wir seit dem Überfall auf die
Republik Kroatien im Sommer 1991 bis heute verschiedenartigstem
brutalen Terror ausgesetzt, der von der furchtbaren Bedrängung,
uns an dem Eroberungskrieg gegen unsere Landsleute zu beteiligen,
bis zur Entziehung fundamentaler Menschenrechte wie des Rechts auf
Leben, Wohnung, Arbeit, sozialen Schutz, Gesundheitsschutz u.a.m.
reichte. Unter schwerem, nicht selten auch unerträglichem Druck
mußten schon über 55.000 Katholiken vorübergehend ihr Heim und ihre
Heimat verlassen und sich in das Gebiet der Republik Kroatien, aber
auch in andere europäische Länder und sogar nach Übersee begeben.
Viele von ihnen wollen unbedingt in die Heimat ihrer Vorväter zurückkehren,
und sie erkundigen sich täglich beim Vikariat des Bistums Banja
Luka in Zagreb über die Entwicklung der Lage in ihrer Heimat und
die Möglichkeit einer Rückkehr.
Über die Caritas unseres Bistums haben wir maximale Anstrengungen
unternommen, um unsere hier verbliebenen Menschen (aber auch andere)
wenigstens in bescheidenem Maße mit den grundlegenden lebenswichtigen
Dingen und medizinischer Hilfe zu versorgen. Dank des außerordentlichen
Einsatzes der verbliebenen kroatischen Ärzte und Mitarbeiter des
Gesundheitsdienstes (wobei keine einzige staatliche oder politische
Institution des kroatischen Volkes sich bereitgefunden hat, auch
nur ein minimales Entgelt zu zahlen!) haben wir in den Räumlichkeiten
des Bischöflichen Ordinariats allein im vergangenen Jahr (1994)
über 70.000 medizinische Untersuchungen bzw. Eingriffe ermöglicht.
- Dennoch verschlechtert sich unsere Lage dramatisch, und zwar nicht
durch unsere Schuld, sondern durch den gut geplanten, beharrlichen
Druck der hiesigen serbischen Behörden mit dem Ziel, uns in diesem
Gebiet, wo wir jahrhundertelang ansässig waren, auszurotten!
- Viele, wirklich viele Male habe ich die Behörden der bosnischen
Serben sowie die politischen Vertreter des kroatischen Volkes in
Bosnien und Herzegowina und in der Republik Kroatien, führende Politiker
Europas und der übrigen Weit und Vertreter humanitärer Organisationen,
auf ihre Verpflichtung zu humanem und zivilisiertem Verhalten hinsichtlich
der hiesigen, ausgesprochen friedliebenden kroatischen Bevölkerung
hingewiesen und sie gleichzeitig gebeten, an unseren Menschen keine
Verbrechen gegen die Menschlichkeil und keine Verstöße gegen die
fundamentalen Menschen- und Bürgerrrechte und Freiheiten zu begehen
bzw. nicht zuzulassen, daß unseren Menschen derartiges zugefügt
wird.
- Das größte Verständnis und die größte Unterstützung wurden uns
vom Heiligen Vater Johannes Paul II. und vom Heiligen Stuhl sowie
von Vertretern der katholischen Kirche einzelner Länder zuteil.
Alle anderen haben mehr oder weniger versprochen, nicht aber zugleich
wirksam gehandelt und das getan, was sie nach unserer Überzeugung
hätten tun können und sollen!
- So wiederholt sich leider wieder die bewegte und dramatische Geschichte
der kroatischen Katholiken dieses Gebiets! Aus Gleichgültigkeit
und wegen eigener Interessen haben die Nachbarn unserer Vorfahren
in der zweiten Hälfte (den sechziger Jahren) des 15. Jahrhunderts
den dramatischen Hilferufen der damaligen Führer unseres Volkes
angesichts der Invasion der Eroberer und Ausrotter der Katholiken
dieses ganzen Gebiets kein Gehör geschenkt.
Dadurch kam es, wie Sie wissen, zu sehr tragischen, jahrhundertelangen
Folgen für das kroatische Volk und die katholische Kirche. Wir wurden
in diesem Gebiet fast völlig ausgerottet, was seit jenen fernen
Tagen bis in unsere Zeit hinein auch direkten Einfluß auf die Situation
des kroatischen Volkes und der katholischen Kirche im Gebiet von
Kroatien hatte.
- Die nahezu 27.000 noch immer hier wohnenden Katholiken (hauptsächlich
Kroaten) des Großraums Banja Luka sehen sich in den letzten Monaten
wegen der andauernden völligen Schutzlosigkeit und des zur Erzwingung
ihrer Auswanderung ausgeübten unbarmherzigen Drucks, wegen der Zerstörung
auch der wenigen übriggebliebenen Kirchen, Klöster und Heiligtümer,
also gerade der Spuren unserer religiösen, nationalen und kulturellen
Vergangenheit und Identität, und wegen der Vertreibung und Ermordung
unserer einzigen Anführer, Erhalter und Verteidiger - der Geistlichen
und Ordensleute - vor dem erzwungenen Weggang aus ihrer Heimat,
in der sie jahrhundertelang ansässig waren.
Die bisherige beharrliche und friedliche hiesige Präsenz dieser
Menschen hat auch allen schon früher Vertriebenen, die den sehnlichen
Wunsch nach Rückkehr in ihre Heimat haben, Hoffnung eingeflößt.
Diese Hoffnung schwindet nun schnell! Dafür droht eine weitreichende,
verhängnisvolle Ausrottung der katholischen Kirche und des kroatischen
Volksteils im Gebiet meines Bistums Banja Luka, d.h. Nordwestbosniens,
das während der letzten Jahrhunderte unter dem bezeichnenden Namen
CROATIA TURCICA - TÜRKISCHES KROATIEN bekannt war.
Wir wollen noch immer da bleiben, wo wir ansässig sind, in Banja
Luka und im umliegenden Gebiet, und zwar als Menschen, die hinsichtlich
aller fundamentalen Menschenrechte und Freiheiten, also auch unserer
religiösen-katholischen und nationalen Identität, gleichberechtigt
mit der übrigen Bevölkerung leben. Wir betrachten dies als eines
unserer unveräußerlichen Rechte, die durch keine staatliche oder
politische Entscheidung oder Anordnung in Frage gestellt werden
können und dürfen!
Wenn uns unsere die gleiche Sprache sprechenden Glaubens- und Blutsbrüder
nicht helfen, dieses unser legitimes Recht durchzusetzen, müssen
wir fürchten, daß auch andere uns nicht helfen werden!
Herr Präsident, nach dem ersten furchtbaren, schon im vorhinein
geplant gewesenen Schlag gegen unsere Existenz in den hiesigen Gebieten
(1992) bin ich nicht an der Spitze einer Vertriebenenkolonne von
Landsleuten und Angehörigen meiner Diözese auf Sie oder irgendeine
andere Persönlichkeit zugekommen. Die, die schon damals unter Zwang
ihre jahrhundertealte Heimat verlassen mußten, wurden von meinen
engsten Mitarbeitern aufgenommen, die ihnen geholfen und sie anderen
Glaubens- und Blutsbrüdern - bei Ihnen im freien Kroatien und an
anderen Orten - anempfohlen haben.
Ich bin für meine hiesigen verbliebenen "Waisen" an Sie
und den Sie umgebenden Personenkreis und andere Personen überall
in der Welt herangetreten und habe für meine Schützlinge um Nahrung
und Kleidung gebeten, vor allem aber um Verständnis und Unterstützung
für unseren beharrlichen Wunsch, in unserer jahrhundertelangen Heimat
bleiben zu dürfen, jedoch nicht als Sklaven und nicht als bereits
Begrabene, sondern als Menschen mit Würde und mit den Rechten und
Freiheiten, die allen Menschen der zivilisierten Welt garantiert
sind.
Auch jetzt will ich für sie nichts anderes! Das Steuer meines Lebensschiffs
ist hier, und ich gedenke nicht, es loszulassen, es sei denn, daß
höhere Gewalt, der Tod oder anderes mich dazu zwänge! Zusammen mit
meinen opferbereiten Geistlichen und Ordensleuten will ich wie
bisher das Schicksal mit meinem gequälten und entrechteten Volk
tragen und gleichzeitig Friedfertigkeit, Vergebung und die Kultur
des Zusammenlebens verschiedener Ethnien und Religionen fördern,
Werte, die auch unserem kroatischen Volk und insbesondere den Angehörigen
der katholischen Kirche eigen sind. Wir werden auch weiterhin mit
unserem Volk, unseren Gläubigen verbleiben und zwar als Menschen
von Ehre und unverbrüchlicher Treue!
Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch dies alles nicht mehr ausreichend!
Der Kelch der schweren Ungerechtigkeiten und der ständigen Entrechtung,
Schutzlosigkeit und Ungewißheit ist schon übervoll! Wir brauchen
DRINGEND konkrete und wirksame Hilfe, damit wir die uns genommenen
und zertretenen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten wiederbekommen!
Es ist notwendig, daß ein kompetenter kroatischer Politiker diesem
Volk sagt, was er mit ihm zu tun gedenkt - ob er es opfern oder
retten will!
Erneut beschwöre ich Sie, zum wer weiß wievielten Male: HELFEN SIE
UNS! Es geht um Tage! Finden Sie einen Weg, damit sich endlich ein
bewährter politischer Führer des kroatischen Volkes auf Dauer unser
annimmt und sich um unser derzeitiges und zukünftiges Schicksal
kümmert, und zwar, bevor es sowohl für uns als auch für Sie zu
spät ist, was Gott verhüten möge!
Ich vertraue darauf, daß Sie uns helfen werden, nicht nur deklarativ,
sondern auch durch konkrete positive Maßnahmen! Dafür danke ich
Ihnen aufrichtig im Namen aller um mich geschälten Menschen!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Übermittelt
an:
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
den Vorsitzenden der HBK, F. Kardinal Kuhariæ - Zagreb
den Vorsitzenden der BK BiH, V. Kardinal Puljiæ - Sarajevo

"WO
SIND HIER DIE TATEN ALL DIESER BESCHÜTZER DER MENSCHLICHEN GRUNDRECHTE
RINGSUM IN DER WEITEN WELT?"
Bischöfliches Schreiben an den Vorsitzenden des Präsidialrats der
HR HB, Herrn K. Zubak
(Prot. Nr. Präs. 152/95 vom 23. Oktober 1995)
Sehr
geehrte Empfänger dieses Schreibens,
1. Sicherlich haben Sie bereits über das Vikariat meines Bistums
in Zagreb erfahren, daß unser Geistlicher, Hochw. Tomislav Matanoviæ,
Pfarrer in Prijedor, in der Nacht vom 24. auf den 25. August d.
J. von Organen der offiziellen Polizei der RS gewaltsam von seiner
Pfarrwohnung zu seinen Eltern gebracht und unter Hausarrest gestellt
wurde. Seitdem 19. September d. J. gibt es von ihm und seinen Eltern
keine Spur mehr. All unsere Bemühungen und zahlreichen Interventionen
bei den zuständigen Behörden und Vertretern internationaler humanitärer
Organisationen ergaben nur dürftige Antworten behördlicher Mitarbeiter
der RS (Jovo Turanjanin bzw. Srðo Srdiæ): "Der Pfarrer befindet
sich in Sicherheit", "der Pfarrer wurde bereits ausgetauscht"
d.h. befindet sieh in der Obhut der kroatischen Behörden. Hiervon
hat uns Ihrerseits niemand unterrichtet! Ich bitte Sie daher nochmals,
bei den Gesprächen, die Sie wegen des Austauschs von Festgenommenen,
Gefangenen und gewaltsam Entführten mit Behördenvertretern der RS
fuhren, unbedingt darauf zu bestehen, daß dieser Pfarrer, ein sehr
verdienstvoller und friedliebender Menschenfreund, freigelassen
wird.
Wir wissen noch immer nichts über den bereits am 16. Juni 1992 gewaltsam
aus seiner Pfarrwohnung weggebrachten Pfarrer von Nova Topola, Hochw.
Ratko Grgiæ! Viele Male habe ich die Behörden Vertreter der HR HB
gebeten, bei den serbischen Behörden die Herausgabe unseres Pfarrers
zu verlangen, aber noch immer keinerlei Antwort bekommen! Ich richte
daher erneut mein Ersuchen sowohl bezüglich des Geistlichen Grgiæ
als auch bezüglich des Geistlichen Matanoviæ an Sie! Ich bin überzeugt,
daß in dieser Frage mehr getan werden kann als das, was diejenigen,
die offiziell über das Schicksal der unter der Herrschaft der bosnischen
Serben stehenden Katholiken, Kroaten usw. verhandeln, bisher bewirkt
haben!
2. Ich mochte Sie außerdem bitten, an die derzeit bestehende völlige
Ungewißheit hinsichtlich einiger Hundert unserer Gläubigen - kroatischer
Katholiken - in den Gemeindegebieten von Sanski Most und Prijedor
zu denken, die sich während der in jenem Gebiet kürzlich erfolgten
bewaffneten Zusammenstoße zwischen der serbischen und der bosnisch-muslimischen
Armee in ihren Häusern aufhielten. Zu uns hier sind lediglich unbestätigte
Nachrichten durchgedrungen, wonach sich eine bestimmte Anzahl dieser
beklagenswerten Menschen unter äußerst schweren Bedingungen in
Flüchtlingslagern in der Omarska-Region und in Bronzani Majdan aufhalten
soll. Ein Teil dieser Menschen befindet sich auch hier und da in
Banja Luka und in der Umgebung der Stadt. Um zu erreichen, daß man
uns, den Geistlichen bzw. der Caritas, eine Kontaktaufnahme mit
diesen Menschen ermöglicht, haben wir die hiesigen Vertreter internationaler
humanitärer Organisationen gebeten, sich entsprechend zu verwenden,
aber daraufhin keinerlei Informationen erhalten. Wir sorgen uns
besonders um das Schicksal jener in diesem Gebiet verbliebenen Gläubigen,
die zu unseren Pfarrgemeinden Sasina, Sanski Most, Stara Rijeka,
Ljubija, Ravska, ©urkovac, Prijedor und Bosanski Novi gehören. Ich
bitte Sie daher, über die offiziellen Kontakte mit der serbischen
Seite bezüglich des vorgesehenen Austausch« aller Gefangenen
und Vermißten alles Erforderliche zu unternehmen, damit auch diese
bedauernswerten Menschen gerettet werden! Wenn Sie dies nicht tun,
wird ihnen leider niemand anderes helfen können!
3. Die gewaltsame Vertreibung der im Gebiet der Stadt (und der Gemeinde)
Banja Luka verbliebenen geringen Anzahl unserer Bevölkerung aus
ihren Wohnungen und Häusern hat in letzter Zeit stark zugenommen
und geht noch brutaler und rücksichtsloser als bisher vor sich.
Einige Hundert unserer hiesigen bedauernswerten Menschen haben kein
Heim und nicht die geringste Sicherheit, und es fehlen ihnen die
Grundvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Allein am heutigen
Tage bemühten sich bei uns etwa 20 Personen, hauptsächlich ältere
Menschen, um ärztliche Hilfe, weil sie bei der gewaltsamen Vertreibung
aus Wohnungen oder Häusern "binnen fünf Minuten" sehr
grob behandelt und körperlich schwer mißhandelt worden waren. Zwei
unserer Gläubigen sind dabei gestorben, und weitere drei, darunter
ein 17-jähriger junger Mann, wurden umgebracht! Wir konnten nur
ein paar Dutzend dieser Menschen in einigen unserer übriggebliebenen
kirchlichen Gebäude halbwegs sicher unterbringen (obwohl wir eigentlich
selbst nicht sicher sind!). Was sollen wir mit den übrigen dieser
armen Menschen tun, die keinerlei Schutz haben und auch nirgendwohin
gehen können, um diesen schweren Leiden zu entgehen?! Ich habe die
Vertreter internationaler humanitärer Organisationen gebeten, etwas
zu tun, ohne daß dies etwas bewirkt hätte!
Wo sind hier die Taten all dieser Beschützer der menschlichen Grundrechte
ringsum in der weiten Welt, die auch andere Gebiete in BiH und in
der RH besuchen? Warum verlangt und ermöglicht man nicht von öffentlicher
Seite, daß jemand zu uns kommt, damit er unsere schon allzulang
andauernde Agonie sieht und auch in uns menschliche Wesen erkennt,
deren einzige "Schuld" darin besteht, daß sie sich hier
in ihrer jahrhundertealten Heimat befinden und noch immer bemüht
sind, niemandem etwas zuleide zu tun?!
Ich bitte Sie, etwas Praktisches und Konkretes zu unternehmen, damit
unseren hier verbliebenen Landsleuten - kroatischen Katholiken -
(im weiteren Umkreis der Region Banja Luka sind wir nahezu 7.500)
wirksamer geholfen wird! Wenn Sie dies wollen, werden Sie sicher
auch helfen können! Wir möchten nicht an Ihrer Bereitschaft zweifeln,
auch uns hier zu helfen, damit wir als Menschen überleben, bis friedlichere
Zeiten mit mehr Gesetzlichkeit und größerer Achtung für die fundamentalen
Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten kommen!
Ich bedanke mich im voraus und verbleibe hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
P.S.
Da wir aus bisherigen sehr negativen Erfahrungen gelernt haben,
bitten wir Sie im Interesse der Sicherheit aller unserer hier lebenden
Menschen, dieses Schreiben nicht an die öffentlichen Medien weiterzugeben!
Schreiben
übermittelt an:
den Stellvertretenden Ministerpräsidenten der RH, Prof. Dr. Ivica
Kostoviæ - Zagreb
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

"FORDERN
SIE, DASS MAN UNS GARANTIERT, EIN MENSCHLICHES DASEIN FÜHREN ZU
KÖNNEN!"
Bischöfliches Schreiben an den Vorsitzenden des Präsidialrats der
HR HB, Herrn K. Zubak
(Prot. Nr. Präs. 172/95 vom 15. November 1995)
Sehr
geehrter Herr Vorsitzender Zubak,
erneut ersuche ich Sie, zum wer weiß wievielten Male, in Ihrer Eigenschaft
als oberster Politiker in BiH für uns, die wir noch immer unter
der Herrschaft der bosnischen Serben in unserer jahrhundertelangen
Heimat durchhalten, energischer und wirksamer einzutreten.
1. Zwei unserer als Pfarrer tätigen Geistlichen sind, (neben fünf
anderen Geistlichen und einer Ordensschwester, die ermordet wurden),
aus ihren Pfarrhäusern geholt, in unbekannte Richtung verbracht
worden, und man weiß noch immer nichts von ihnen! Es handelt sich
um Hochw. Ratko Grgiæ, Pfarrer in Nova Topola (Gemeinde Bosanska
Gradi¹ka), und Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor. Die serbischen
Behörden wissen, wo sich diese Geistlichen befinden, und sie sind
für sie verantwortlich. Sowohl wir als auch die Behörden wissen,
daß diese Geistlichen völlig unschuldige Menschen sind, daß es sich
bei ihnen um große Wohltäter gegenüber allen Mitmenschen und bekannte
Friedensstifter handelt! Alle meine bisherigen Bemühungen haben
zu keinem praktischen Ergebnis geführt!
2. Auch weiterhin werden von unseren verbliebenen Gläubigen (hauptsächlich
alte und hilflose Menschen) tagtäglich einige gewaltsam aus ihren
Wohnungen und Häusern vertrieben. Die Behörden treffen keine wirkungsvollen
Maßnahmen, um dies zu verhindern! In der vergangenen Woche haben
wir wieder ein unschuldiges Opfer rücksichtsloser Gewaltanwendung,
einen alteingesessenen bekannten Bürger von Banja Luka, zu Grabe
getragen! Von mehreren Hundert Gläubigen, die in einem Gebiet,
in dem es keinerlei bewaffnete Zusammenstöße gegeben hatte, ermordet
wurden, ist er das 80. Opfer unter der Zivilbevölkerung der Gemeinde
Banja Luka! Was sollen wir mit unseren Menschen, die Einwohner
von Banja Luka sind und jetzt auf der Straße liegen, tun, wenn wir
doch keine Möglichkeit einer Unterbringung für sie finden können?
Hier am Ort hallen sich auch einige Dutzend unserer Leute auf, die
aus den Gebieten von Sanski Most und Prijedor vertrieben worden
sind und um die wir uns ebenfalls kümmern!
Ich bitte Sie, uns zu helfen! Fordern Sie, daß man uns garantiert,
in den hiesigen Gebieten, die wir als unsere Heimat betrachten und
wo wir unsere Nachbarn in keiner Weise bedrohen, sondern ihnen unermüdlich
helfen, ein menschliches Dasein führen zu können, auch, wenn sie
uns Böses antun!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

DIE
ZUKUNFT DER KROATEN (KATHOLIKEN) DES IM GEBIET DER "REPUBLIKA
SRPSKA" GELEGENEN BISTUMS BANJA LUKA - NACH ABSCHLUSS DES FRIEDENSVERTRAGS
Bischöfliches Schreiben an Herrn Dr. Mate Graniæ, den Stellvertretenden
Ministerpräsidenten und Außenminister von Kroatien
(Prot. Nr. Präs. 182/95 vom 25. November 1995)
Sehr
geehrter Herr Stellvertretender Ministerpräsident,
gemäß dem nettesten Friedensvertrag von Dayton (USA), der in Bälde
auch offiziell ratifiziert werden soll, werden auch mehr als zwei
Drittel der Pfarrgemeinden meines Bistums Banja Luka definitiv (bis
zu einer womöglich in Zukunft zu treffenden anderen Übereinkunft)
der direkten Verwaltung der bosnischen Serben unterstehen.
Unser bisheriges ständig friedfertiges Verhalten, das sich für unsere
serbischen Nachbarn sehr erfreulich auswirkte, weil ihr Leben,
ihr Eigentum, ihre Gotteshäuser und ihre Identität zu keiner Zeit
durch uns bedroht waren, ist Ihnen gut bekannt. Wir haben in der
Praxis beharrlich gezeigt, daß wir fähig sind, mit anderen unter
voller Respektierung ihrer andersgearteten Eigenheiten und ihrer
Rechte und Freiheiten zusammenzuleben.
Was aber war die Folge dieser unserer Bemühungen, wie hat man sie
uns vergolten? Vor den Augen der in- und ausländischen Öffentlichkeit
hat man uns zu einer in einen Pferch gesperrten Schaf- bzw. Viehherde
gemacht, die man auszumerzen beschlossen hat, wobei es nicht nur
um unsere biologische Ausrottung, sondern auch um die Ausrottung
unserer Spuren geht, Spuren, die beweisen, daß wir hier als organisierte
kirchliche Gemeinschaft und als Teil des kroatischen Volkes existiert
haben!
Vor seiner Abreise zu den Verhandlungen in Dayton hat mich (zum
ersten Male!) der Stellvertretende Präsident der RS, Prof. Dr. Nikola
Koljeviæ, angerufen. In dem kurzen Gespräch habe ich ihn u. a.
gefragt, was man serbischerseits mit uns vorhabe, was wir kroatischen
Katholiken, sofern wir etwas unterlassen hätten, noch zu tun haben
und wie wir uns verhalten müssen, damit uns unsere serbischen Mitbürger
und Nachbarn endlich als Menschen anzusehen beginnen, mit denen
zu leben wünschenswert ist. Er blieb mir die Antwort schuldig, wie
er sagte "bis zur Rückkehr aus den USA". Der geschlossene
Friedensvertrag sieht, wie ich weiterhin erfahren konnte, "weilgehenden
Schutz für alle Menschenrechte und menschlichen Freiheiten im gesamten
Territorium von Bosnien und Herzegowina", also auch im Hoheitsgebiet
der "Republika Srpska", vor. Da man uns im Gebiet der
RS jedoch in der Praxis eigentlich gar nicht als Menschen an sich
gelten ließ, kann es leicht geschehen, daß dieser Teil des Vertrags
hier keine Anwendung findet! Ich nehme das Handeln all jener in-
und ausländischen Politiker und Staatsmänner, die mit ihrer Unterschrift
und ihrer Autorität die Wiederzuerkennung und den Schutz der menschlichen
Grundrechte und Freiheilen für alle Menschen dieses Gebiets garantieren,
als etwas absolut Ernstzunehmendes zur Kenntnis. Logisches Nachdenken
veranlaßt mich jedoch, angesichts der bisherigen bitteren Erfahrungen
im Namen all der Entrechteten um mich herum die Frage zu stellen,
wie das Ganze Gestalt annehmen soll und ob aus den Worten auch greifbare
Praxis werden wird. Wenn sich für die in diesem Gebiet, der Bosanska
Krajina, und im Gebiet der RS insgesamt lebenden Kroaten kein einziger
politischer Vertreter des kroatischen Volkes einsetzt, frage ich,
wer dies dann wohl tun soll! Etwa ein Politiker, der Bosnier ist,
eine internationale Kommission oder am Ende unsere serbischen Nachbarn?
Unsere Menschen hier sagen mir, daß sie auch weiter gewillt sind,
sich friedfertig zu verhalten, zu vergeben und zusätzliche Opfer
zu bringen, aber sie fühlen sich nicht berufen (und auch nicht verpflichtet),
als "eingepferchtes Vieh herzuhalten, das an der Reihe ist,
geschlachtet, ausgemerzt und ganz ausgerottet zu werden". Sie
bitten, daß ich mich erneut an die führenden Politiker des kroatischen
Volkes wende und sie frage, was jetzt mit uns werden wird. Wer wird
die elementarsten Interessen der hier verbliebenen kroatischen Bevölkerung
vertreten sowie die derjenigen, die von hier vertrieben worden
sind, die aber unbedingt in ihre Heimstätten, ihre Pfarrgemeinden,
ihre Häuser und Städte zurückkehren wollen?
Ich erlaube mir die Bitte an Sie, uns mitzuteilen, an welchen derzeitigen
kroatischen Politiker, der willens und imstande wäre, uns zu schützen
und unsere elementarsten Interessen zu vertreten, wir uns wenden
sollen. Die uns von sehr angesehenen und einflußreichen europäischen
und außereuropäischen Politikern und Staatsmännern gemachten Versprechungen,
die von unserer Lage wissen und uns helfen wollen, sind lobenswert.
Diese notwendige Hilfe läßt sich jedoch am effektivsten über die
offiziellen kroatischen Politiker verwirklichen. Wird man nach
der demnächst erfolgenden Ratifizierung des Friedensvertrags endlich
ein normales Lehen führen können? Obwohl unter uns noch immer Skepsis
herrscht, wird sie doch von unseren Hoffnungen weitaus übertroffen
! Wir bitten Sie (bzw. die anderen Persönlichkeilen Ihrer Umgebung),
unsere Hoffnungen nicht zunichte zu machen.
Ich verbleibe mit Dank für alles, was Sie für uns getan haben und
zukünftig tun werden, wieder mit dem Ausdruck der Hochachtung
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka

ICH
ERHEBE MEINE STIMME ENERGISCH GEGEN VERBRECHEN - GLEICH, WER SIE
BEGANGEN HAT
Schreiben des Bischofs an den Präsidialrat der HR HB in Mostar
(Prot. Nr. Präs. 184/95 vom 28. November 1995)
Sehr
geehrte Empfänger dieses Schreibens,
in diesen Tagen verbreiten die öffentlichen Medien von Banja Luka
Behauptungen ausländischer Agenturen, wonach "kroatische Militärformationen
im von ihnen kontrollierten Gebiet der Gemeinden Mrkonjiæ Grad und
©ipovo verlassenes Eigentum der serbischen Bevölkerung zerstören".
Von hier, aus Banja Luka, können wir nicht überprüfen, ob dies zutrifft
oder nicht.
In logischer Konsequenz unseres friedfertigen Verhaltens und unseres
entschiedenen Eintretens dafür, daß unterschiedslos die Person und
das Eigentum eines jeden Menschen geachtet und geschützt werden,
erheben wir auch diesmal öffentlich und entschlossen unsere Stimme
zum Schutz der Menschen und des Eigentums der serbischen Bevölkerung
in den genannten Gebieten und sonstwo, wenn diese Menschen und ihr
Eigentum bedroht sind.
Sie wissen, daß die katholischen Bischöfe sowohl von Bosnien und
Herzegowina als auch von Kroatien auch bisher schon jedesmal, wenn
es aktuell war, klar und äußerst energisch ihre Stimmme gegen Verbrechen,
gleich, von welcher Seite, und zum Schutz eines jeden einzelnen
bedrohten Menschen und einer jeden ethnischen oder religiösen Gemeinschaft
erhoben haben.
Ich gehe davon aus, daß es Ihr Anliegen ist, in dem Ihnen unterstehenden
Gebiet jegliche Verletzung menschlicher und bürgerlicher Rechte
und Freiheiten zu unterbinden. Ich bitte Sie daher, die vorgenannten,
von ausländischen und einheimischen Medien verbreiteten Beschuldigungen
entweder zu widerlegen oder aber energischst gegen das Tun sich
hinter kroatischen Militärformationen verbergender verantwortungsloser
Individuen oder Gruppen einzuschreiten, die durch ihre Handlungen
die Ehre des eigenen Volkes besudeln.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Übermittelt
an:
die Regierung der HR HB - Mostar
die Regierung der RS - Sarajevo (Pale)
die öffentlichen Medien
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

SIE
HABEN NICHT DAS RECHT, SICH IM NAMEN ALLER UNSERER VERTRIEBENEN
ZU ÄUSSERN
Offener Brief des Bischofs an Herrn Ivan Milas
(Prot. Nr. Präs. 197/95 vom 06. Dezember 1995)
Sehr
geehrter Herr Milas,
in einer gestern abend um 21.00 Uhr ausgestrahlten von Herrn Jozo
Æuriæ moderierten Fernsehsendung der HRT "Im großen Plan",
die auch hier in Banja Luka zu sehen war, haben Sie als Teilnehmer
derselben auf die (hier sinngemäß wiedergegebene) Frage eines Zuschauers:
"Was wird mit jenen Vertriebenen aus BiH, die gemäß des Vertrages
von Dayton in ihre innerhalb des Hoheitsgebiets der RS gelegenen
Häuser und Heimatgebiete zurückkehren müßten?" sinngemäß behauptet:
"Keiner der vertriebenen Kroaten wird unter einer fremden Regierung
bzw. unter einem fremden Militär und einer fremden Polizei leben
wollen." Aus dem Zusammenhang Ihrer Worte ergibt sich die Vorstellung,
daß Sie, Herr Milas, besser als die Betroffenen selbst und ihre
Geistlichen und Bischöfe, die Tag und Nacht bei ihnen sind und
Gutes und Böses mit ihnen teilen und für sie auch ihr Blut vergießen
und ihr Leben hingeben, wissen, was unsere Menschen - die katholischen
Kroaten aus jenen unter die Hoheit der örtlichen serbischen Behörden
fallenden Gebieten des Bistums Banja Luka sowie des vrhbosnischen
Erzbistums, des Bistums Mostar-Duvno und des Bistums Trebinje -
wollen oder nicht wollen!
Ich übernehme die Verantwortung, wenn ich hiermit feststelle, daß
Sie nicht das Recht haben, sich im Namen all jener unserer Vertriebenen
zu äußern, die auf ein bestimmtes fundamentales Menschenrecht, das
Recht auf eine eigene Heimat, nicht verzichten wollen! Wir, die
wir diesen ganzen unseligen Krieg hindurch zu Hause ausgeharrt haben,
und auch die Zehntausende unserer Gläubigen, katholischer Kroaten
aus der Bosanska Krajina, die an ihre Geistlichen tagtäglich die
Frage richten, wann sie wohl in ihre Heimat zurückkehren werden,
widersprechen mit klarer Entschiedenheit dieser von Ihnen abgegebenen
Öffentlichen Stellungnahme hinsichtlich der Frage, ob wir "willens"
oder "nicht willens" sind, mit anderen friedlich, würdig
und einander achtend zusammenzuleben!
Wenngleich Sie ein hochrangiger und sehr angesehener Amtsträger
der Republik Kroatien sind, glaube ich nicht, daß diese Ihre öffentlichen
Aussagen der offiziellen Einstellung der Spitzen des kroatischen
Staates entsprechen, da mir völlig entgegengesetzte Versicherungen
und Suggestionen aus höchsten staatlichen Kreisen der Republik
Kroatien bekannt sind.
Wenn uns also Fremde eine Mütze zuschneiden, ohne an unserem Kopf
Maß genommen zu haben, müssen dann dasselbe auch Sie als unser Landsmann
tun, von dem wir mit Recht erwarten, daß er uns als Menschen anerkennt,
die finden, daß sie Anspruch auf die menschlichen Grundrechte haben,
zu denen auch das Recht auf ein Zuhause, eine Heimat, ein Vaterland,
sowie das Recht auf Bewegungsfreiheit und das Recht, eigenverantwortlich
über sich selbst zu entscheiden, gehören!
Wir völlig schuldlosen Menschen sind nun schon länger als genug
von den einen unterdrückt und mißhandelt und von den "eigenen
Leuten" ins Abseits der Vergessenheit geschoben worden. Wenigstens
Sie sollten uns bereits genug Gemarterte nicht noch weiter entrechten
und uns den Rest geben und ganz zerstören! Dies würde Ihnen wie
auch denen, die Sie in Ihrer Stellung vertreten, weder Glück noch
Segen bringen!
Auch wenn Sie uns nicht als Menschen, die Würde haben und bemüht
sind, sowohl ihrem kroatischen Volk ah auch ihrer katholischen Kirche
Ehre zu machen, helfen wollen, bitte ich Sie im Namen von vielen
Zehntausend Gläubigen meines Bistums (sowie auch im Namen vieler
anderer), uns wenigstens nicht mit Äußerungen wie der von gestern
abend zu schaden!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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