Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- VIII -
AN DIE POLITIKER DES KROATISCHEN VOLKES


IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJINA GEHT EINE SYSTEMATISCHE ETHNISCHE SÄUBERUNG VOR SICH
Schreiben an den stellvertretenden Ministerpräsidenten der RH, Herrn Dr. M. Graniæ
(15. Oktober 1992)

Sehr geehrter Herr Stellvertretender Ministerpräsident,
nachdem ich nach über einem halben Jahr die Bosanska Krajina wieder einmal verlassen habe, um an der Kroatischen Bischofskonferenz in Zagreb teilzunehmen, nutze ich diese Gelegenheit, um Sie auf die sehr schwere Situati­on meiner 120.000 Gläubigen (hauptsächlich Kroaten) im Gebiet der Bosanska Krajina hinzuweisen.
Ich habe dies auch schon bisher, wann immer es möglich war, getan. Ich habe verschiedene Institutionen im Ausland, die ich mit meiner Stimme errei­chen konnte, aufmerksam gemacht, mich aber gleichzeitig auch um Gespräche mit den derzeitigen serbischen Zivil- und Militärbehörden, sowohl mit denen in Banja Luka selbst als auch mit den höchsten Vertretern des serbischen Volkes in Bosnien und Herzegowina, bemüht. Ich hielt dies für das einzig richtige Vorge­hen, um das Volk zu retten, das seine legalen Vertreter verloren hatte und in gesteigertem Maße Hilfe seitens der Kirche erwartete. Ich darf mit Befriedi­gung hervorheben, daß es uns gelungen ist, dieses Volk, wenigstens im größe­ren Teil der Bosanska Krajina, vor dem Krieg zu bewahren. Dies erkennen auch die serbischen Behörden uns gegenüber an, die zugeben, daß sie mit den katho­lischen Kroaten keine größeren Probleme haben.
Die Tatsache, daß sich unser Volk trotz großer Provokationen betont fried­fertig verhalten hat, hat es jedoch nicht vor Terror, Mord und Zerstörung be­wahrt. Ich habe die Zivil- und die Militärbehörden der Gemeinden der Bosanska Krajina darauf aufmerksam gemacht. Diese haben im großen und ganzen auf die Gespräche reagiert, trotzdem aber ist eine systematische ethnische Säube­rung des Gebiets erfolgt. Mit Hilfe der Militärpolizei habe ich alle nicht von Kriegshandlungen betroffenen Orte mit kroatischer und anderer katholischer Bevölkerung besucht. Aufgrund des mir möglich gewesenen Einblicks kann ich sagen, daß die ethnische Säuberung im großen und ganzen abgeschlossen ist, was bedeutet, daß ein großer Teil der katholischen Gläubigen in dieser oder jener Weise sein Heim verlassen hat. Die übrigen werden dies weitgehendst ebenfalls tun, sowie sie dazu Gelegenheit bekommen. In der Gemeinde Banja Luka seihst, wo vor dem Kriege fast 30.000 Kroaten lebten, ist die Lage inso­weit gut, als es keine massenweisen Tötungen oder Zerstörungen gibt, aber das Ziel ethnischer Säuberung wird beharrlich verfolgt, und es wird durch individu­ellen Terror, Verhaftungen und Vernichtung oder Konfiszierung von Eigentum, aber auch durch die Ermordung von Zivilpersonen erreicht. Eine spezielle, be­reits seit Monaten zu beobachtende Form des Drucks ist der wirtschaftliche Druck. Fast alle Kroaten wurden aus ihrem Arbeitsverhältnis entlassen, und es gibt bisher keine Anzeichen dafür, daß diese Ungerechtigkeit und diese Unter­drückung des fundamentalen Menschen rechts auf Arbeit und Einkommen ein Ende finden.
Kroatische Lehrer werden entlassen, und es wird nur das serbische Unterrichtsprogramm gelehrt. Im Gesundheitswesen geschieht das gleiche mit kroa­tischen Ärzten und kroatischem medizinischen Hilfspersonal.
Außerhalb des Gemeindegebiets von Banja Luka, in den Gemeinden Prijedor, Sanski Most, Kljuè, Mrkonjiæ Grad, Kotor Varo¹, Prnjavor, Bosanska Gradi¹ka und Lakta¹i, ist die Lage für die kroatische Bevölkerung viel schwe­rer. Fast 200 Zivilpersonen wurden in ihren Häusern umgebracht, die Zahl der Verhafteten und der in Lager verbrachten Personen ist groß, und das Eigentum dieser Bevölkerung wird massenweise vernichtet oder weggenommen. So gibt es beispielsweise zerstörte Dörfer wie Bri¹evo, wo 68 Häuser zusammen mit der Kirche niedergebrannt wurden, oder völlig ausgeplünderte Dörfer wie ©urkovac, wo aus den Häusern alles weggeschleppt wurde. Diese Bevölkerung hat den "Wunsch", wegzuziehen, da sie keinerlei Möglichkeit eines zukünftigen gemeinsamen Lebens in diesem Gebiet sieht. Bei Treffen der Menschen mit hochrangigen Vertretern der derzeitigen serbischen Obrigkeit, die wir in letzter Zeit organisieren konnten, bringt unser kroatisches Volk solche Stellungnah­men offen vor. Für die angeführten und sonstigen Untaten an unserem kroati­schen Volk gab es weder einen Grund noch eine Ursache, denn die Kroaten der betreffenden Gebiete hatten keine Waffen, und sie haben auch nicht gekämpft. Als Täler im Zusammenhang mit den genannten Verbrechen werden irgendwel­che wilde paramilitärische Formationen genannt, die von den Zivil- und den Militärbehörden angeblich bekämpft werden. Es scheint jedoch, daß keine nen­nenswerten Resultate Zustandekommen.
Eine spezielle Form des Drucks auf das Volk zeigt sich in Gestalt der Verhaftung von Geistlichen und der Zerstörung von kirchlichen Gebäuden. Der größere Teil der Geistlichen ist in Lagern gewesen. Einige von ihnen werden zeitlebens Invaliden bleiben. Von einem Geistlichen, Hochw. Ratko Grgiæ, weiß man auch nach über drei Monaten nichts. Im Bistum wurden von den kirchli­chen Gebäuden 40 % zerstört und 50 % mehr oder weniger beschädigt.
Bei der Darlegung dieser Tatsachen, die Ihnen teilweise schon bekannt sind, möchten wir auch Ihnen unsere Fragen und Erwartungen vortragen: Sind wir uns selbst überlassen? Kann Kroatien, 7,u dessen Bevölkerung viele aus unserem Gebiet stammende Menschen gehören, den Kroaten in der Bosanska Krajina helfen, weiter dort leben zu können? Es sei gesagt, daß die Bemühun­gen der Kirche, das Volk an seinen Heimstätten zu hallen, vergebens sind, wenn wir keine größere Unterstützung durch die kroatischen Behörden bekommen. Völlig umsonst jedoch wäre unser Bemühen, falls irgendein Plan "X" existiert, falls nicht mehr vorgesehen ist, daß wir uns in diesem Gebiet weiter behaupten. Derartige Gedanken und Befürchtungen liegen dem kroatischen Menschen der Bosanska Krajina tagtäglich auf der Seele, denn die bisherige Entwicklung der Geschehnisse gibt ihm Grund, so zu denken.
Außer den tagtäglichen Gewalttaten an unserem Volk, die auch der ge­wichtigste auslösende Faktor für den Wegzug der Menschen sind, (wenn es so weitergeht, kann Kroatien mit dem Zuzug von weiteren Zehntausenden von Kroaten rechnen), besorgt uns auch die völlige wirtschaftliche Verarmung unse­rer Menschen. Wie sollen solche Menschen den Winter überleben, und was kön­nen sie, selbst wenn sie dies scharfen, von der Zukunft erwarten?
Abgesehen von der Hilfe, die wir dem Volk zum größten Teil über die Caritas zukommen lassen, möchten wir den staatlichen kroatischen Stellen noch einen konkreten Vorschlag bzw. eine konkrete Bitte unterbreiten: Kann den Kroa­ten in der Bosanska Krajina mit zum Pflügen der Felder notwendigem Treib­stoff und mit Saalgut geholfen werden? Wir meinen, daß damit nicht nur die Ernährung der Bevölkerung für das kommende Jahr gesichert wäre, sondern wir glauben auch, daß so der tagtägliche, durch Furcht und Spannung bedingte Verkrampfungszustand dieser Menschen, die ständig auf dem Sprung sind, ihr Bündel zu greifen und davonzulaufen, teilweise nachlassen würde. Wenn unse­re Menschen wenigstens ihre Felder bestellen könnten, würde es ihnen vielleicht gelingen, die schwarzen Gedanken zu verdrängen.
Ich darf Ihnen meinen Dank aussprechen und verbleibe
hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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ERNEUTE MOBILMACHUNG VON KROATEN IM GEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben des bischöflichen Vikars in Zagreb, Dr. M. Anièiæ, an den Ministerpräsidenten der HR HB, Dr. J. Prliæ
(Prot. Nr. V-1334/94 vom 28. Februar 1994) 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
vor einer Stunde habe ich aus Banja Luka die Nachricht von der erneuten Mobilmachung unserer Leute erhalten. Der Hof der Bischofsresidenz ist voller in Panik geratener Männer, Frauen und Kinder.
Der Bischof von Banja Luka hatte Ihnen seinerzeit von der vor rund 15 Tagen von den Serben durchgeführten Mobilmachung unter dem Vorwand, daß sie vom Bischof gutgeheißen worden sei, schriftlich Mitteilung gemacht. Eini­ge dieser Leute waren nach ®epèe, die anderen Gott weiß wohin geschickt wor­den. Wir hatten damals Grund zu der Vermutung, daß die Serben dies in Absprache mit gewissen führenden Leuten aus Herceg-Bosna, namentlich aus ®epèe, getan hauen. Diese Vermutung erweist sich nunmehr als zutreffend. Einige un­serer eingezogenen Männer wurden dieser Tage als untauglich aus ®epèe zu­rückgeschickt. Sie haben uns berichtet, daß dortige Offizielle, I. Lozanèiæ, A. Marinèiæ und andere, behaupten, daß sie diese Mobilmachung zusammen mit den Serben und mit Wissen des Bischofs durchführen. Hat es der Bischof nach soviel Einsatz für unser Volk etwa verdient, daß ihn Angehörige desselben Vol­kes mit Lügen in den Schmutz ziehen?
Lozanèiæ hat unseren Männern sogar von einigen seiner Wahnsinnspläne einer Umsiedlung unserer Familien aus dem Gebiet Banja Luka erzählt. Wohin? Er hat sich nicht näher geäußert. Hat er es vielleicht Ihnen gesagt? Es ist selt­sam, Herr Ministerpräsident, daß solche Leute Posten innehaben, von denen aus sie derart rücksichtslos über das Schicksal so vieler Menschenleben entschei­den.
Der Bischof ängstigt sich auch um die Familien der Männer, die auf der­art kriminelle Weise mobilgemacht und nach ®epèe geschickt wurden. Daß die­se Angst berechtigt ist, hat sich auch vor zwei Tagen gezeigt, als im Fernsehpro­gramm des Senders Banja Luka die Frage gestellt wurde, was die Kroaten aus dem Gebiet Banja Luka in ®epèe tun und in wessen Armee sie kämpfen. Eine neue Ungewißheit für unser Volk - für die zu Hause zurückgebliebenen Alten, Frauen und Kinder!
Ich wende mich im Namen des momentan verhinderten Bischofs an Sie. Ich wende mich an Sie als einen der höchsten Amtsträger von Herceg-Bosna, in der Überzeugung, daß Sie sich Ihrer Verantwortung vor unserem gesamten Volk bewußt sind und vor den Hilferufen dieses Volkes nicht Ihr Ohr verschließen, sondern alles tun werden, um uns zu helfen.
Ich danke Ihnen für Ihren bisherigen Einsatz und verbleibe mit dem Aus­druck meiner aufrichtigen Hochachtung.

Dr. Miljenko Anièiæ, bischöflicher Vikar

Schreiben übermittelt an:
- Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb - Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Zagreb

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WAS IST DAS SCHICKSAL DER KATHOLIKEN IN DEM VON DEN BOSNISCHEN SERBEN KONTROLLIERTEN GEBIET UND IN WESSEN HÄNDEN (AUSSER IN GOTTES) LIEGT ES?
Bischöfliches Promemoria an Prof. Dr. Pejo Æo¹koviæ, Abgeordneter des Parlaments von BiH
(Prot. Nr. Präs. 47/94 vom 26. März 1994)

Sehr geehrter Herr Prof. Æo¹koviæ,
ich erlaube mir, mich an Sie in Ihrer Eigenschaft als Abgeordneter der Region Banja Luka im Parlament von BiH zu wenden. Da Sie, wie ich hoffe, an der am 28. d. Mts. in Sarajevo stattfindenden Sitzung der verfassunggebenden Versammlung teilnehmen werden, erwarte ich, daß Sie sich als legitimer Vertre­ter der hiesigen kroatischen Bevölkerung zu Wort melden und so die Aufmerk­samkeit der Anwesenden auf unsere dramatische Situation und unsere ungewisse Zukunft lenken werden.
- Sie wissen im großen und ganzen um unsere völlige Schutzlosigkeit und Entrechtung: die Unterdrückung unserer menschlichen Freiheiten und des Rechts auf Leben, eine Wohnung, ein Haus, Hei mal, Arbeit, gerechte Verteilung der Früchte der Arbeit, uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, Gedankenfreiheit, Versammlungsfreiheit und den Abschluß von Vertragen, selbstbestimmte Erzie­hung der eigenen Kinder usw...
- Sie wissen ebenfalls, daß wir in diesem Gebiet als ethnische und insbe­sondere auch als religiöse Gemeinschaft sicherlich das älteste und alteingesessenste Element darstellen!
- Sie wissen um die schwere und dramatische Geschichte der Katholiken dieses Gebiets, besonders um die Tragödie des Bistums Banja Luka während des 2.Weltkriegs, als ein Drittel der Diözese vernichtet und nie wieder herge­stellt wurde!
Was Sie in diesem Augenblick freilich gut wissen müssen, ist, daß - trotz unseres ausgesprochen friedfertigen Verhaltens - laut den unseren Geistlichen vorliegenden Beweisen bis jetzt 43.000 Katholiken das von der RS kontrollierte Gebiet unserer Diözese verlassen haben (davon nicht weniger als 99,5 % Kroa­ten, Menschen, die vertrieben wurden, die aus Angst um ihre Sicherheit ge­flüchtet oder schlicht weggezogen sind). NOCH IMMER BEFINDEN SICH HIER - laut den Mitte März vorliegenden Angaben - 27.000 Katholiken in 37 Pfarrgemeinden, verteilt auf 15 Kommunen! Der größte Teil davon (15.381, ohne die Grenzpfarrei Trn mit 1.372 Personen) entfallt auf das Gemeindegebiet Banja Luka. Kroaten gibt es noch mehr, sie sind jedoch nicht alle in unseren Verzeichnissen aufgeführt!
Von denen, die sich derzeit außerhalb des Bistums aufhalten, haben bis jetzt rund 8.000 ihre Häuser bzw. Wohnungen gegen welche in der RH oder der HR HB eingetauscht. Alle anderen, d.h. fast 35.000 unserer Menschen - vertrie­bene oder geflüchtete kroatische Katholiken -, sind potentielle Anwärter für die Rückkehr in ihr hiesiges Heim. Viele unserer Flüchtlinge und Vertriebenen fra­gen ungeduldig, wann sie bzw. ob sie überhaupt in ihre Heimat zurückkehren werden!
Wer entscheidet darüber? Was wird mit jenen Menschen, und was mit denen, die sich noch hier befinden und - entrechtet und in ihrer menschlichen Würde schwer erniedrigt - beim Warten darauf, daß sich von den kroatischen Politikern jemand energischer und wirksamer für sie einsetzt, am Rande ihrer Geduld angelangt sind?
Wie Ihnen gewiß bekannt ist, wurde hier bis jetzt eine sehr hinterhältige Politik ethnischer Säuberung in Form eines Abschneidens der "führenden Köp­fe" betrieben, d.h. es wurde besonders auf die angeseheneren, wohlhabenderen und einflußreicheren Menschen, auf unsere Intelligenz gezielt, um das wirt­schaftliche Fundament und die intellektuelle Führung zu beseitigen. Wenn wir auch weiterhin den anderen um uns herum überlassen bleiben und da, wo man über unser politisches, wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Schicksal ent­scheidet, nicht selbst alles in unseren Kräften Stehende ins Werk setzen, darf es uns nicht wundern, wenn uns andere eine Mütze zuschneiden, die ganz und gar nicht auf unseren Kopf paßt!
Daher bitte ich Sie als legitimen Volksvertreter dieser Region, daß Sie sich auf der nächsten Sitzung im Namen aller von Ihnen Vertretenen - sowohl derjenigen, die noch hier sind, als auch jener, die sich momentan zwangsweise außerhalb aufhalten - unbedingt zu Wort melden. Sie müssen für unsere hiesi­gen Menschen DAS RECHT AUF EIN NORMALES MENSCHLICHES LEBEN UND EINE MENSCHLICHE ZUKUNFT IN IHREN JAHRUNDERTALTEN HEIMSTÄTTEN fordern! Es muß, eventuell auf Basis der Wechselseitigkeit, ein Modus gefunden werden, durch den die hiesigen entrechteten Menschen wieder zu ihren fundamentalen Menschen- und Bürgerrechten und Freiheiten, einschließlich der religiösen und der ethnischen kommen.
Diese Tage sind Tage weittragender Entscheidungen hinsichtlich der Zu­kunft unserer Menschen! Diese Entscheidungen werden von anderen getroffen - ohne uns! Wir waren bestrebt, als die Ehre sowohl ihrer eigenen Person als auch ihres Volkes und ihrer Kirche bewahrende Menschen aufzutreten. Sollen wir für diese Haltung mit völliger Ausradierung aus allen zukünftigen Geschichts- und Geographiekarten bestraft werden?
Ich habe für den Schutz der Menschen, denen ich von Amts wegen zu helfen verpflichtet bin und denen ich auch zu helfen wünsche, bei den Vertretern des serbischen Volkes und insbesondere bei unserem kroatischen Volk alles, wozu ich fähig und in der Lage war, ins Werk gesetzt. Und Gott der Herr ist Zeuge (aber auch viele Menschen wissen), daß ich mich bemüht habe, auch allen anderen zu helfen und sie vor größerem Unheil zu retten!
Ich weiß, daß meine Möglichkeiten sehr begrenzt sind, wenn es um die politischen Entscheidungen anderer über uns und unser Schicksal geht. Gleich­wohl habe ich nicht geschwiegen, und ich will auch nicht schweigen, will mich nicht wie ein Hund verhalten, der nicht bellt, obwohl Diebe in den Hof eindrin­gen und das Haus zerstören!
Ich erwarte insbesondere von den derzeitigen politischen Vertretern mei­nes kroatischen Volkes, daß sie sich endlich klarer und energischer für alle ihre Landsleute einsetzen und nicht zuletzt für jene, die ihnen bei freien Wahlen ihr Vertrauen ausgesprochen haben, damit sie nicht als kurzsichtige Egoisten und große Verräter an den Interessen des Volkes in die Geschichte eingehen! Zu denen, die für uns hier Verantwortung tragen, gehören auch Sie!
Ich bin überzeugt, daß Sie sich für uns einsetzen und uns sowohl diesmal als auch in der Zukunft würdig vertreten werden!
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung und einem herzli­chen Gruß

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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"WIR WOLLEN HIER BLEIBEN! DAS IST, WIE ICH WEISS, AUCH IHR STANDPUNKT"
Bischöfliches Schreiben an den Präsidenten der RH, Dr. F. Tuðman
(Prot. Nr. Präs. 54/94 vom 07. April 1994)

Sehr geehrter Herr Präsident,
ich erlaube mir, mich diesmal auch auf schriftlichem Wege an Sie zu wenden - im Namen der in dem von den serbischen Behörden kontrollierten Gebiet verbliebenen (annähernd 27.000) Gläubigen meines dezimierten Bis­tums.
Die bisherigen Geschehnisse und die Entwicklung unserer Situation sind Ihnen im großen und ganzen von unseren wiederholten Gesprächen der vergan­genen Monate her bekannt. Ich danke Ihnen im Namen aller unserer entrechte­ten Menschen für Ihre Bereitschaft, unsere nicht beneidenswerte Lage zur Kennt­nis zu nehmen und uns, soweit dies möglich ist, zu helfen.
Ihnen ist nicht unbekannt, daß wir mit der Geduld eines Hiob, für die uns Gott allein die Kraft gegeben hat, bestrebt gewesen sind, unzählige, durch nichts provozierte Ungerechtigkeiten, Erniedrigungen, Quälereien, Mißhandlungen, Vertreibungen und sogar Mordtaten in den eigenen Häusern zu ertragen, Dinge, die man uns nur deshalb angetan hat, weil wir Kroaten bzw. Katholiken sind! Ihnen ist auch nicht unbekannt, daß wir hier in unserem Gebiet weder Leib und Leben unserer Nachbarn - seien es Serben, Muslime oder sonstige - bedroht noch diesen irgendwelche Ungerechtigkeiten zugefügt haben. Wir haben ganz im Gegenteil die über unsere bischöfliche Caritas von anderen guten Menschen erhaltenen Hilfssendungen, von denen wir uns einen Teil vom Munde abspar­ten, noch mit unseren Nachbarn geteilt, sogar mit denen, die uns schikanierten!
In unzähligen Gesprächen mit den hiesigen Vertretern der staatlichen Be­hörden und des Militärs habe ich auf die von jenen ausgeübte Unterdrückung unserer fundamentalen Menschenrechte stets von neuem taktvoll hingewiesen und sie gebeten, sich von gegen unsere Menschen gerichteten verbrecherischen Aktionen und Anordnungen zu distanzieren. Ferner habe ich zum Ausdruck gebracht, daß bei Fortführung dieser Praxis der schwere Makel der Unmensch­lichkeit auf sie fallen werde. Ich möchte nicht sagen, daß meine Interventionen keinerlei positives Ergebnis gebracht haben. Die erzielten Ergebnisse sind je­doch gegenüber dem programmierten Vorsatz, unsere Existenz als nationale und religiöse Gruppe hier in diesem Gebiet, in dem wir seit Jahrhunderten ansässig sind, auf das kleinstmögliche Maß zu reduzieren (sofern man sie jetzt nicht gar völlig auslöschen will), nicht der Rede wert!
Sie wissen um unsere Entschlossenheit, trotz all der bisherigen Bedräng­nisse beharrlich an unseren uralten Heimstätten festzuhalten, wobei wir die un­erschütterliche Hoffnung hegen, daß uns bei diesem unserem Wunsch, bei dem es um eines unserer fundamentalen Menschenrechte geht, auch die derzeitigen politischen Vertreter unseres kroatischen Volkes wirkungsvoll beistehen wer­den!
In den letzten Wochen habe ich mich mehrmals an die führenden politi­schen Vertreter der Kroaten des Gebiets Bosnien und Herzegowina bzw. Herceg-Bosna gewandt und sie gebeten, sich bei allen nationalen und internationalen Institutionen energischer für uns einzusetzen. Wir haben diesen unseren Politi­kern den Wunsch unterbreitet, daß jemand sich herbemühen möge, um sowohl mit Vertretern der serbischen Behörden als auch mit unserem entrechteten, in die Enge getriebenen und sehr verängstigten Volk Gespräche über unser Schick­sal zu führen.
Ich persönlich versuche hier, auch weiterhin alles zu tun, um die veräng­stigten Gemüter zu beruhigen und zugleich die hiesigen Behörden darauf auf­merksam zu machen, daß sich das, was sie tun, nicht gehört. All dies ist aber nicht ausreichend, und es kann nicht ausreichend sein!
Die tagtägliche Bedrohung des Lebens unserer Menschen durch Bombar­dierung ihrer Häuser, die körperlichen Mißhandlungen der Menschen - auch alter Menschen - bis hin zur Bewußtlosigkeit (Gebiet der Gemeinden Banja Luka, Prnjavor, Kotor Varo¹, Lakta¹i), die Ermordung unschuldiger Zivilisten in ihren Häusern (Prijedor, Prnjavor), die tagtäglichen Fälle gewaltsamer Er­greifung und Mobilmachung zum Dienst in den Streitkräften der RS, das sadi­stische Ausleben niedriger Instinkte an vielen unserer Menschen, die zu äußerst inhumanen "Arbeitseinsätzen", meist in der Nähe der Kampfplätze in den Re­gionen von Doboj, Donji Vakuf und Bihaæ sowie im Gebiet von Bosanski Brod, ©amac und Ora¹je gezwungen werden, die Entlassung selbst der minimalen Anzahl bis jetzt noch tätig gewesener Grund- und Oberschullehrer, Ärzte und anderer Arbeitnehmer, die sehr häufigen telefonischen Provokationen wie "Wieso wartet ihr noch hier, ihr Ustaschas?!" oder "Wir werden euch alle wie Ungezie­fer totschlagen!", die ständigen Vertreibungen aus Wohnungen und in steigen­dem Maße auch ans den eigenen Häusern, wobei die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gejagt werden, und ähnliches, sowie die Tatsa­che, daß die Betroffenen niemanden haben, an den sie sich wenden könnten, um auch nur den geringsten Schutz zu bekommen, weil Politiker aus unseren Rei­hen sozusagen nicht existent sind und es serbischen Politikern nicht der Mühe wert ist, sich zu rühren - all dies führt zu einer wirklich nicht beneidenswerten Situation für unsere Menschen! Ihr einziger Beistand ist die Kirche, ihren einzi­gen Trost finden sie im Glauben an Gott und im Einhalten des Gesetzes Gottes!
Es liegt mir absolut fern, die Lage zu dramatisieren, denn sie ist an sich schon dramatisch genug! Seien Sie sich auch bitte weiterhin darüber im klaren, sehr geehrter Herr Präsident, daß unsere Option hinsichtlich unserer Zukunft in den hiesigen Gebieten auch weiter unverändert dieselbe bleibt: wir wollen un­bedingt hier bleiben! Mir ist bekannt, daß dies auch Ihr Standpunkt ist! Viele unserer Menschen, die diese Gegend unter dem Druck der Gewalt verlassen haben (es sind fast 49.000), haben den Wunsch, zurückzukehren, und sie bitten mich, mich sowohl bei Ihnen bzw. der Regierung der RH als auch bei den hie­sigen Behörden dahingehend für sie einzusetzen!
Mir scheint, daß die allgemeine politische Lage für uns momentan im­merhin günstiger ist als in den vergangenen Monaten! Ich gestatte mir deshalb, Sie inständigst zu bitten, konkrete Schritte zu unternehmen.
Könnte man jetzt für unsere Leute hier in dieser Gegend etwas mehr und etwas konkreteres unternehmen? Könnte man die Eröffnung einer Vertretung des kroatischen Volkes hier in Banja Luka in Erwägung ziehen? Könnte die neueröffnete Vertretung der Republik Kroatien in Belgrad irgendetwas für uns hier tun? Könnten sich endlich politische Vertreter des kroatischen Volkes in Bosnien und Herzegowina aufraffen, mit den staatlichen Vertretern der Serben auch über uns und unsere derzeitige wirklich sehr schwere Lage bzw. unsere Zukunft zu verhandeln?
Ich bitte Sie, diesen Hilferuf Ihrer Landsleute zur Kenntnis zu nehmen. Sie haben Ihnen bisher nicht übermäßige Kopfschmerzen bereitet, und ich weiß, daß Sie nicht nur für diese Menschen wie auch für alle übrigen Kroaten, gleich, wo diese leben, ein Herz haben, sondern daß Sie auch willens sind, ihnen zu helfen!
Ich sage Ihnen im Namen aller meinen aufrichtigen Dank!

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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WIR SIND DER LAUNE UND DER ANMASSUNG DERER ÜBERLASSEN, FÜR DIE DIE KEULE DAS GESETZ IST! HELFEN SIE UNS!
Schreiben des Bischofs an den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Dr. J. Prliæ
(Prot. Nr. 61/94 vom 18. April 1994) 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
ich danke Ihnen aufrichtig für Ihren Brief vom 14. April d. J., in dem Sie auf meine verschiedenen Schreiben Bezug nehmen und anführen, was Sie in der letzten Zeit bei den Vertretern der serbischen Behörden alles unternommen ha­ben, damit uns ein Mindestmaß an Schutz zuteil wird.
Ich bedanke mich im Namen vieler für Ihre Interventionen. Es steht außer Zweifel, daß es uns ohne dieselben schlechter gehen würde, als dies jetzt der Fall ist. Dadurch findet man bestätigt, daß sich nur JEMAND wirklich auch für diesen Teil unseres Volkes, der völlig unschuldigerweise der Laune und der Anmaßung derer überlassen ist, für die die Keule das Gesetz ist, einsetzen muß. Solche Leute dürften überhaupt nicht an der Spitze der offiziellen Politik eines Volkes oder eines Gebildes, das einmal ein Staat und sogar ein Rechtsstaat wer­den soll, stehen! Niemand hat das Recht, durch sein Handeln die Ehre des Vol­kes, dem er durch Geburt oder eigene Entscheidung angehört, zu besudeln!
Gestalten Sie mir, daß ich Ihnen in Beantwortung Ihrer Nachricht nach­folgend Angaben zur derzeitigen Situation unserer Bevölkerung in dem unter serbischer Hoheit stehenden Gebiet meines Bistums mache.
1. Ich zweifele nicht, daß Ihre Gesprächspartner versichert haben, daß sie sich gegenüber unserer Bevölkerung korrekt verhalten. Vor Ort ist die Situation nicht so, wie sie sie darstellen wollen! Wenn an unseren völlig unschuldigen Menschen unablässig Verbrechen verübt werden, geschieht dies mit Wissen und stillschweigender Billigung der derzeitigen staatlichen Stellen, es sei denn, daß nicht dieser "Staat", sondern jemand anderes die tatsächliche Macht in den Hän­den hält! Warum hat sich bis jetzt seitens der staatlichen Stellen niemand öffent­lich von den begangenen und ständig neu verübten Verbrechen distanziert? Die staatlichen Stellen müßten wissen, was vor sich geht, und wenn dieser Staat sauber dastehen möchte und es ihm um wirklichen Frieden und eine glückliche­re Zukunft geht, fragt man sich, warum er dies dann nicht durch die Tat beweist! Dieser Staat macht den Eindruck, als ob er staatlichen Terror an der nichtserbischen Bevölkerung dieser ganzen Region akzeptiere und billige. Kann man über diese Tatsache einfach so hinweggehen?
2. Nach den mir vorliegenden Angaben wurde ein großer Teil der einge­zogenen "Pfarrkinder" erneut nach Hause geschickt, "auf Urlaub, mit der Aufla­ge, nach einer bestimmten Anzahl von Tagen zu den Militärformationen zu­rückzukehren". Mir ist nicht bekannt, wie viele der Leute tatsächlich zurückge­kehrt sind, aber es ist so, daß mich viele Ehefrauen und Mütter erneut aufge­sucht und um Schutz gebeten haben, damit ihre Ehemänner bzw. Söhne nicht gewaltsam in den Krieg gestoßen werden, nachdem sie doch seit Beginn des Krieges gegen niemanden eine Waffe erheben wollten.
Unterdessen ist aus dem Gebiet des (zwischen Banja Luka und Doboj gelegenen) Dorfes Kula¹i dieser Tage, gestern und heute, wiederum eine Grup­pe von neun und danach noch eine von weiteren drei Männern gewaltsam mobi­lisiert und nach Aussage ihrer engsten Angehörigen in das Kampfgebiet der Kriegszone um Doboj gebracht worden. Den Männern war gesagt worden, daß sie "Militäruniformen anziehen müssen und Waffen erhalten werden". Aus dem Nachbardorf Dragalovci (Gemeinde Doboj) sind vor über einem Monat rund fünfzig Männer weggebracht und zum Einsatz in Formationen der Truppen der RS eingezogen worden, und von ihnen weiß man noch immer nichts! Im Gebiet der Gemeinde Banja Luka geht in der letzten Zeit eine offizielle Mobilisierung vor sich, aber einige Gruppen, die als Militärpolizei auftreten (?!), machen be­harrlich in unseren Dörfern im Umkreis von Banja Luka die Runde und "ma­chen Jagd" auf die Männer. Diejenigen, die sie mit Gewalt ergreifen, verschlep­pen sie in unbekannte Richtung. Wie mir die Ehefrauen und die Mütter der Betroffenen klagen, behaupten die polizeilichen und die militärischen Stellen auf ihre Eingaben hin, daß sie mit der Sache nichts zu tun haben. Die Menschen versichern mir, daß sie nicht wissen, wer schlimmer ist: die unverschämten Hä­scher oder die offizielle Polizei, die im Namen des Staates alle Menschen vor Gesetzlosigkeit schützen müßte! Sie beklagen sich besonders über die Polizeistationen in Bud¾ak und Ivanjska! Wenn unsere Menschen um ein Mindestmaß an Schulz nachsuchen, hilft ihnen bei den Zivilbehörden niemand! Tagtäglich greift man unsere Menschen frech und beharrlich an und fordert sie auf, diese Gegend zu verlassen, d.h. alles, was sie haben, hier zu lassen, und irgendwohin - zu "ihren Ustaschas" - zu gehen. Wenn man nur den Jammer anhört, tut es einem weh! Wie stehen diese Menschen dies alles nur durch? Noch immer hal­ten sich in den Dörfern Dragocaj, Barlovci, Kuljani, ©argovac, Prijeèani, Èesma, Deliba¹ino Selo und Debeljaci viele der Männer in Verstecken auf; andernfalls würden sie von einer Streife mitgenommen und in unbekannte Richtung ver­bracht.
3. Die neuesten Nachrichten aus dem Gebiet der Pfarreien Mrkonjiæ Grad und Kotor Varo¹, die mir heute aus absolut zuverlässigen Quellen zugegangen sind, zeigen tatsächlich, daß das unmenschliche Verhalten der Machthaber ge­genüber unserer Bevölkerung weitergeht! In Mrkonjiæ Grad müßte wirklich schnellstens etwas unternommen werden, damit unsere wenigen dort verbliebe­nen Leute vor der sadistischen Willkür der dortigen Machthaber, die sie wie Vieh behandeln, gerettet werden. Es ist traurig und zivilisierter Menschen un-würdig!
Die heute aus dem Gebiet von Kotor Varo¹ eingegangene Nachricht gebe ich nachstehend vollständig wieder:
"In der letzten Zeit sind die Überfalle auf Wohnhäuser und Menschen häufiger geworden. Es kommt oft zu schwereren Verletzungen, man verlangt Geld, schleppt alles weg und fordert die Leute regelmäßig unter Androhung des Todes auf, die RS zu verlassen. Die Überfälle gehen in merkwürdiger Weise, fast planmäßig, vor sich. Das Verfahrensmuster ist, daß jeweils in einem Dorf eine oder zwei Familien überfallen werden und die Täter anschließend in einem anderen Dorf wieder eine oder zwei Familien überfallen usw. Auf diese Weise wird unter allen katholischen Kroaten Furcht verbreitet.
- Allen Kroaten wurde ohne jede Begründung das Telefon gesperrt.
- Alle Kroaten wurden zur Zwangsarbeit eingezogen, ohne irgendein Ent­gelt zu erhalten. Sie müssen selbst Essen, Werkzeuge und Kleidung mitbringen. Oft müssen sie verlassene kroatische Häuser ausschlachten und Steine und Bau­material herausholen.
- Plünderungen sind fast legal geworden. Am hellichten Tage werden öffentlich Möbel, Baumaterial und sonstige Dinge durch die Stadt gefahren, und die Miliz hält niemanden an. Was der Ernährung dient - Kartoffeln, Salat, Getreide, Vieh - wird regelmäßig geplündert, und die Menschen haben Glück, wenn man ihnen nur dies wegnimmt. Für sie ist die Hauptsache, daß man nicht auch noch in ihre Häuser eindringt.
- Der jüngste Vorfall in Novo Selo: Marko (Markan) und Ljubica Grgiæ sind schlimm verprügelt worden. In der Nacht vom 13. auf den 14, April wur­den sie nach Mitternacht zum Nähen der Kopf- und der anderen Wunden nach Banja Luka gefahren. Man hatte von ihnen Geld verlangt und gefordert, daß sie das Haus verlassen und wegziehen, wobei man die ganze Zeit über unbarmher­zig mit. Holzprügeln und speziellen hakenförmigen Metallstangen, die schwere Verletzungen hervorrufen, auf sie eindrosch.
- Breitmachen in verlassenen Häusern: man zieht ein, plündert das betref­fende Haus aus und sucht sich danach ein anderes.
- Aus den Häusern wird alles ausgeschlachtet (Steine, Baumaterial) - al­les wird weggeschleppt (Möbel, sanitäre Einrichtungsgegenstände, Stromka­bel, Parkettfußböden, Dielen usw.).
- Gräber werden geschändet, Grabmäler gestohlen (Friedhöfe Rokovo Groblje, Èepak, Bilice). Wie lange geht das noch weiter? Von keiner Seite Schutz!"
4. Aus dem Gemeindegebiet von Bosanska Gradi¹ka hat mich dieser Tage aus sicherer Quelle folgende Nachricht vom 12. April 1994 erreicht, die ich auszugsweise wiedergebe:
"Am Freitag, dem 08. April, zwischen 21.00 und 22.00 Uhr, wurde Vik­tor Kalizan, Sohn von Ivo, geb. 1957 in Gornja Dolina, ermordet, ein aufge­weckter junger Mensch, der die Taubstummen-Mittelschule in Sarajevo absol­viert hatte. Ein Taubstummer...! Er ist das fünfte, völlig unschuldige Opfer in der Pfarrgemeinde! Unter den Ortsbewohnern haben sich Furcht und Panik ver­breitet, und es wäre nötig, den Leuten eine Garantie für ihre Sicherheit zu ge­ben, umso mehr, als es hier keine bewaffneten Auseinandersetzungen gegeben hat und die Leute den ganzen Krieg über niemals eine Waffe in die Hand ge­nommen haben. Die Pfarrgemeinde umfaßt ungefähr zweihundert katholische Kroaten, bei denen es sich größtenteils um alte und kranke Menschen handelt.
Vierundzwanzig Jugendliche bzw. junge Menschen sind zur Zwangsar­beit herangezogen worden. In den letzten Tagen sind vier davon erkrankt, aber für sie gibt es keinerlei Möglichkeit einer Behandlung.
- Auch früher hat es Diebstähle und Plünderungen gegeben, aber seit Mit­te Juli d. J. hat dies überhandgenommen und ist unerträglich geworden. Jede Nacht und jeden Tag wird gestohlen, weggeschleppt und geplündert, und es werden aus verlassenen und aus von neuen Leuten in Beschlag genommenen Häusern Sachen herausgeholt. Relativ gut dastehenden Haushalten sind oft nur zwei bis drei Hühner verblieben ...
Es ist schon üblich geworden, daß neben einem katholischen Kroaten, der von der Caritas Hilfe bekommt, auch noch zwei orthodoxen Serben gehol­fen wird. Regelmäßig läßt man Sozialfällen in Laminci (serbisches Dorf) Hilfe zukommen. Es wird auch erhebliche Hilfe in Form von Medikamenten geleistet ... Trotz dieser Tatsachen protestiert das Rote Kreuz in Gradi¹ka, "daß man zu den Serben ungerecht sei und die Hilfe nicht gerecht verteile"... Wenn wir auf unserem Besitz, auf dem wir uns mit unserer Arbeit und Mühe ernähren, uner­wünscht sind, sollen die maßgeblichen Organe uns dies offen sagen und uns den Weg auftun, und wir ziehen weg. Wenn man uns das Recht auf Leben und die übrigen Grundrechte gewährleistet, sollen die militärischen und die zivilen Or­gane dies dem Volk öffentlich bekanntgeben, damit hier endlich einmal Sicher­heit und Ordnung die Oberhand bekommen, soweit dies in einer Kriegssituation möglich ist. Die Menschen dieser Pfarrgemeinde wie auch dieser ganzen Ge­gend haben keine Waffe in die Hand genommen, und sie haben gemäß allen internationalen Gesetzen ein Recht auf ein friedliches Leben."
Herr Vorsitzender, dies ist lediglich ein Teil des Alltags meiner in diesem Gebiet lebenden katholischen Gläubigen! Sie wissen Bescheid, und es liegt bei Ihnen, zu handeln! Die Hoffnung auf ein besseres Morgen ist noch da, aber bei vielen schwindet sie zusehends! Helfen Sie!
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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WIR VERLANGEN NUR EINES - DASS DIE ANDEREN UNS WIE MENSCHEN BEHANDELN!
Schreiben an den Präsidenten der RH, Dr. F. Tuðman
(Prot. Nr. 689/94 vom 12. Dezember 1994)

Sehr geehrter Herr Präsident,
wieder wende ich mich in dieser allerneuesten, für die kroatischen Katho­liken in der Region Banja Luka sehr dramatischen Situation an Sie.
In den vielen seit Ausbruch des Krieges in Bosnien und Herzegowina mit Ihnen und Ihren nächsten Mitarbeitern geführten Gesprächen wurde mir stets die Zuversicht vermittelt, daß wir durchhalten und in unserer Heimat bleiben werden, was auch wir mit allen Kräften wünschten. Zugleich haben Sie mir wiederholt fest versprochen, daß Sie uns nicht vergessen und uns bestmöglich schützen werden. Sie wissen, daß ich gern bereit war, Ihnen zu glauben und nicht an der Aufrichtigkeit der mir Zuversicht eingebenden Äußerungen zu zwei­feln.
Unsere Menschen, die starkes Vertrauen in ihren Bischof und seine Geist­lichen haben und im allgemeinen für die durch uns vermittelten Gedanken und Überzeugungen aufnahmebereit sind, waren sogar zu vielen Opfern bereit und wollten Erniedrigungen und die verschiedensten Formen der Entrechtung ertra­gen, nur um in ihrer angestammten Heimat zu bleiben und auch für die Zukunft sicherzustellen, daß ihre Volksgruppe und ihre Kirche hier kräftig wurzeln. Sie machten sich die Überzeugung zu eigen, daß sie mit ihrem friedfertigen Verhal­ten und ihren Opfern sowohl der katholischen Glaubensgemeinschaft in diesem Gebiet als auch ihrem kroatischen Volk als ganzem einen Dienst erweisen.
Sie kennen gewiß den klaren Standpunkt des Heiligen Vaters und des Heiligen Stuhls, daß das Bistum Banja Luka erhallen bleiben muß, und zwar in seinem größtmöglichen Umfang, Sowohl ich als derzeitiger Bischof von Banja Luka als auch meine Geistlichen und unsere Ordensbrüder und Ordensschwe­stern waren und sind, wie Sie wissen, noch immer zu den größten Opfern bereit, sogar zur Hingabe des Lebens, was auch unsere ermordeten Geistlichen bewie­sen haben, um die uns von der Kirche Christi übertragene Aufgabe zu erfüllen.
Mit unserem bisherigen Verhalten haben wir alle, die wir in diesem der­zeit von den serbischen Behörden kontrollierten Gebiet geblieben sind, unseren Nachbarn, Ihnen, der Kirche und der Welt gezeigt, daß wir friedfertig sind, daß wir imstande und bereit sind, mit den Menschen um uns in Frieden zusammen­zuleben. Wir erwarten lediglich, daß dies kein Frieden ist, in dem wir wie uner­träglich gequälte Sklaven in völliger Entrechtung und Perspektivelosigkeit le­ben.
Über uns haben bis jetzt andere entschieden, ohne uns zu fragen, was wir wollen und wie es uns geht. Gab es wirklich keine Alternative dazu? Wenn­gleich wir für gewisse ausländische Politiker und Planer nicht einmal Men­schen sind, so glauben wir doch, daß wir es für die Politiker unseres kroatischen Volkes sind, an dessen Spitze Sie stehen! Mit ihrem bisherigen Vorgehen uns gegenüber haben die hiesigen serbischen Behörden alles getan, um dem größten Teil unserer Landsleute das Dasein in dieser Gegend wirklich zu verleiden. Es war ihnen aber wohl nicht genug, was unter anderem die jüngste gegen uns gerichtete sehr unmenschliche Aktion zeigt. Einige Hundert unserer Männer, die nach gewaltsamer Mobilisierung an den vordersten Frontlinien der Kriegs­schauplätze bei Doboj, Ora¹je, Bihaæ und Kupres eingesetzt waren - die einen rund zwanzig, die anderen sogar rund hundert und einige nicht weniger als fünf­hundert Tage lang -, sind psychisch und physisch derart zerstört und ausgelaugt worden, daß über 90 % von ihnen für immer zu einem selbständigen Leben unfähige Invaliden bleiben werden. Ich habe in vielen Appellen sowohl die hie­sigen Machthaber als auch Sie und Ihre nächsten Mitarbeiter beschworen, sich einzuschalten, damit man uns menschlicher behandelt. Bis jetzt hat leider nie­mand etwas Wirksames unternommen! Warum? Und was hat man mit uns ei­gentlich vor, wenn man uns derart brutal behandelt?
Die neueste "Hatz" der letzten Wochen auf unsere Männer, die zu Geiseln auf den Schlachtfeldern um Glamoè und Grahovo wurden, und das furchtbare Ausleben niedriger Instinkte an ihnen und ihren Nächsten, obwohl sich keiner dieser Menschen in irgendeiner Weise schuldig gemacht hatte, veranlaßt nun, so fürchte ich, viele dieser Menschen, dieses Gebiet, wo Gott sie zur Welt kommen ließ, zu verlassen, selbst wenn sie ursprünglich unbedingt Weihen wollten. Die mehrtägige völlige Ungewißheit über das Schicksal einiger Hundert Entführter aus unserer Bevölkerung, darunter auch Alte, Kranke, Behinderte und nur halb Bekleidete, die Verzweiflung ihrer Angehörigen und das Ausbleiben jeglicher Zeichen eines Interesses unserer Politiker, sowohl derer von Bosnien und Her­zegowina als auch derer von Kroatien, an unserer sehr dramatischen und äußerst kritischen Situation wird mit Sicherheit sehr negative Folgen hinsichtlich eines weiteren Verbleibens einer solchen Anzahl unserer Bevölkerung in diesem Ge­biet nach sich ziehen. Man gewinnt den Eindruck, daß all dies inszeniert wurde, damit wir bis zum Wahnsinn getrieben und einfach zum Weggang (wenn auch in die völlige Ungewißheit) gezwungen werden. Daß einige unserer "Nachbarn" dies so wollen, und zwar beharrlich, wissen wir langst, und auch bei ihrer letz­ten Razzia haben diese zu vielen unserer Leute, während sie sie vor ihren Fami­lienangehörigen verprügelten (so auch meinen Bruder vor unserer alten Mut­ter!) und mit Gewalt in die Nacht und in die Ungewißheit hinausschleppten, gesagt: "Wenn ihr nicht jetzt endlich wegzieht und zu eurem Tuðman geht, bleibt uns nichts anderes übrig, als euch alle totzuschlagen!" Noch viel größer aber wäre unser Schmerz, wenn hinter einem solchen "Projekt" irgendeiner der offi­ziellen kroatischen Politiker stünde!

Sehr geehrter Herr Präsident,
ich frage Sie als die maßgeblichste für das gesamte kroatische Volk zu­ständige politische Persönlichkeit, was man wirklich mit uns vorhat. Wer wird endlich diesem Teil unseres kroatischen Volkes, der bisher den kroatischen Na­men in keiner Weise beschmutzt hat, die volle Wahrheit bezüglich der ihm von den hiesigen Machthabern zugedachten Zukunft sagen'.' Hat auch dieser Teil unseres Volkes einen Anspruch darauf, daß die derzeitigen kroatischen Politi­ker, seien es solche aus Bosnien und Herzegowina oder solche aus Kroatien, beginnen, ihm offiziell ihr Interesse zu widmen? Wie lange noch werden wir Stiefkinder des eigenen Volkes sein, unwillkommene Fremde im eigenen Haus, obwohl wir für jeden normalen Menschen wünschenswerte Nachbarn sind? Wie lange noch wird man uns unterdrücken, ohne daß wir auch nur das Recht zur Beschwerde haben? Für wessen und für welche Ziele werden unsere Männer auf Kriegsschauplätzen getötet und begraben? Wann wird endlich ein offizieller Vertreter aus den oberen politischen Rängen auch in diese Gegend kommen und unsere Menschen fragen, wie es ihnen geht, was ihnen fehlt und was sie sich wünschen? Was müssen wir noch tun, damit Sie, die kroatischen Politiker, uns als Ihre Landsleute begreifen und annehmen, als Landsleute, die nicht weniger wert sind als die an anderen Orten und in anderen Gebieten lebenden Kroaten?
Ich bitte Sie, sich vor Augen zu halten, daß ich im Namen von minde­stens 35.000 entrechteten Kroaten, vor allem Katholiken aus meinem Bistum Banja Luka und aus Teilen des vrhbosnischen Erzbistums, spreche, von Men­schen, die in dem sich derzeit in serbischer Hand befindenden Gebiet (einem Gebiet, in dem, wie Sie wissen, weitaus mehr von ihnen gelebt haben) ansässig sind und die keinen einzigen anderen Sprecher haben und deren Hilferufe auch nicht weithin hörbar sind. Wir verlangen nur eines, etwas, was sicher auch Ihnen am Herzen liegt: daß man uns als Menschen mit einem Anrecht auf die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freiheiten und den Genuß derselben behandelt! Wir erwarten, daß in allen zukünftigen Verhandlungen über uns und unsere Zukunft in den hiesigen Gebieten diese unsere Forderun­gen eindeutig berücksichtigt werden. Sagen Sie bitte nicht, daß wir zuviel ver­langen und daß alle über uns entscheidenden Persönlichkeiten Ihrer Umgebung alles ihnen möglich Gewesene getan haben und alles ihnen Mögliche tun! Gott der Herr und die Geschichtsschreibung unseres Volkes werden uns alle nach unseren Taten bzw. nach dein, was wir unterlassen haben, richten! Bemühen wir uns, daß das Urteil möglichst günstig ausfällt!
Auch bei dieser Gelegenheit spreche ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank für alles aus, was Sie für uns getan und unternommen haben! Ich bin überzeugt, daß ich auch in Zukunft Anlaß finden werde. Ihnen zu danken!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
Msgr. Francesco Monterisi, Apostolischer Nuntius in BiH - Rom
die Apostolische Nuntiatur - Zagreb
Msgr. Vinko Kardinal Puljiæ, Erzbischof und Metropolit von Sarajevo - Sarajevo
Msgr. Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb - Zagreb

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EMPFEHLUNGSSCHREIBEN FÜR DIE ZUWEISUNG VON RÄUMLICHKEITEN ALS VORÜBERGEHENDE UNTERKUNFT FÜR DEN ZAGREBER MITROPOLITEN HERRN JOVAN (PAVLOVIÆ)
Schreiben des Bischofs an Herrn Nikica Valentiæ, den Ministerpräsidenten der RH
(Prot. Nr. Präs. 4/95 vom 02. Januar 1995)

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
bei unserem kürzlich geführten Gespräch haben Sie mir versichert, daß die Regierung der Republik Kroatien bereit ist, die beschädigte Residenz des Zagreber Mitropoliten in Zagreb instandsetzen und ihren ursprünglichen Zu­stand wieder herstellen zu lassen.
Ich danke Ihnen nochmals für dieses Versprechen!
Gestern, am Neujahrstag, hatte ich die Möglichkeit, hier in Banja Luka, in der Residenz des orthodoxen Episkopus, Herrn Jefrem, mit dem Zagreber orthodoxen Mitropoliten, Herrn Jovan, ein Gespräch zu führen, unter anderem auch über die gemeinsamen Bemühungen der Vertreter der beiden Kirchen und unserer beiden Völker um eine möglichst schnelle Normalisierung der Lage in der Republik Kroatien und in Bosnien und Herzegowina. Herr Jovan hob die Tatsache der sich bessernden Atmosphäre, von der er sich auch bei seinem kürz­lichen Aufenthalt in Zagreb am Nikolaustag (am 19. Dezember 1994) überzeu­gen konnte, hervor, und er hofft fest darauf, daß sie noch besser wird.
Er brachte dabei auch zum Ausdruck, daß er häufiger nach Zagreb bzw. in das Gebiet seiner in der Republik Kroatien gelegenen Kirchenprovinz kommen und sich dort aufhalten möchte und müßte. Dafür besteht jedoch, wie er sagt, in Zagreb noch immer keine konkrete Möglichkeit, weil sich seine dortige Resi­denz in einem Zustand befindet, der einen Einzug ohne vorherige größere bau­liche Maßnahmen, für die Fachkräfte erforderlich wären, nicht gestattet.
Er hat daher einen anderen Lösungsvorschlag und bittet die Behörden der RH bzw. der Stadt Zagreb über mich, diesem stattzugeben.
In dem Gebäude in der Ilica-Straße 7 in Zagreb (das übrigens der serbisch-orthodoxen Kirche gehört), in dessen 1. Stock die Zagreber orthodoxe Kirchengemeinde ihren Sitz hat, befindet sich im Erdgeschoß ein Lager mit irgendwelchen Gegenständen für den Sport. Die Räume, in denen sich jetzt dieses Lager befindet, könnten erneut der serbisch-orthodoxen Kirche in Zagreb zugewiesen bzw. dem Zagreber Mitropoliten zur Verfügung gestellt werden, solange dessen Residenz nicht für den normalen Gebrauch hergerichtet ist. Diese Örtlichkeit wäre, wie der Mitropolit versichert, wegen ihrer unmittelbaren Nähe zur Kathedrale und der zu dieser gehörenden Kirchengemeinde sowohl im Hinblick auf seine persönliche Sicherheil als auch auf seine seelsorgerische Tä­tigkeit, die nötig (und wünschenswert) ist, die geeignetste. Er hat bereits Ende November 1993 an den damaligen Parlamentspräsidenten ein Gesuch um Zu­weisung der genannten Räumlichkeiten gerichtet, jedoch bis jetzt keine Ant­wort erhalten.
Nachdem mich der Hochwürdigste Mitropolit von Zagreb, Herr Jovan, über dies alles informiert und gleichzeitig gebeten hat, mich bei den Behörden der Republik Kroatien für sein Gesuch zu verwenden, erlaube ich mir hiermit, Sie direkt anzusprechen, da Sie mir seinerzeit, wie ich bereits anführte, persön­lich versichert haben, daß die Behörden der Republik Kroatien effektiv bereit sind, den Vertretern der serbisch-orthodoxen Kirche entgegenzukommen, wo immer dies möglich ist. Ein positives Echo Ihrerseits auf dieses Gesuch wäre ein weiteres sichtbares Zeichen der Glaubwürdigkeit der höchsten politischen und staatlichen Vertreter der Republik Kroatien und ihrer Bereitschaft zur wün­schenswerten und erforderlichen Normalisierung der Beziehungen zur serbisch­orthodoxen Kirche im gesamten Staatsgebiet der Republik Kroatien, ein Signal, das gewiß auch nicht ohne - durch ein solches Eintreten Ihrerseits mögliche -positive Auswirkungen für die Angehörigen der katholischen Kirche im allge­meinen bleiben würde!
Indem ich meiner Überzeugung Ausdruck gebe, daß Sie den Hoch­würdigsten Mitropoliten bald wissen lassen werden, daß über sein Gesuch posi­tiv entschieden wurde, möchte ich Ihnen auch persönlich meinen aufrichtigen Dank aussprechen, mit dem Wunsch im Herzen, daß auch diese Geste Ihrerseits zum sehnsüchtig erwarteten gerechten Frieden für alle Einwohner der Republik Kroatien (und ebenso für die Menschen meines dezimierten Bistums Banja Luka!) beitragen möge.
Hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Schreiben übermittelt an:
- Franjo Kardinal Kuhariæ, Erzbischof und Metropolit von Zagreb, Vorsitzender der HBK
- Herrn Jovan, Mitropolit für das Gebiet Zagreb, Ljubljana und ganz Italien
- den Heiligen Synod der SPC - Belgrad
- Herrn Jefrem, orthodoxer Episkopus von Banja Luka

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"WELCHE KONKRETEN SCHRITTE HABEN DIE KROATISCHEN POLITIKER UNTERNOMMEN, DAMIT WIR IN UNSERER HEIMAT BLEIBEN KÖNNEN"
Schreiben des Bischofs an K. Zubak, den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB
(Prot. Nr.: Präs. 24/95 vom 07. Februar 1995)

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
angesichts der neuesten Nachrichten, die mich aus einzelnen Pfarrgemein­den der Region Banja Luka, insbesondere aus ©imiæe und Ivanjska erreichen, sehe ich mich gezwungen, mich erneut an Sie zu wenden. Aus vielen Dörfern dieser beiden am Rand des Gemeindegebiets von Banja Luka gelegenen Pfarr­gemeinden (aber auch aus einigen anderen hiesigen Pfarrgemeinden) wollen die Leute weggehen und ihre jahrhundertelange Heimat aufgehen. Bisher haben sie noch irgendwie durchgehalten und aufbessere Zeiten gehofft. Infolge der völli­gen Schutzlosigkeit, der häufigen Plünderungen, der Angriffe auf Leib und Le­ben und der Drohungen bewaffneter Gruppen sowie des beharrlichen Schwei­gens kroatischer Politiker zu unserer dramatischen Situation hier in diesem Ge­biet sind nunmehr viele unserer Menschen, wie es scheint, von Furcht und Pa­nik erfaßt.
Viele Male haben mir führende Politiker des kroatischen Volkes (Politi­ker aus der Republik Kroatien) versichert, daß die kroatische Politik allgemein von der Vorstellung ausgeht, daß unsere Menschen in Bosnien und Herzegowi­na in ihrer Heimat bleiben. Ich bringe meinen Schmerz offen zum Ausdruck und frage auch Sie wie zuvor meine anderen Gesprächspartner: Welche konkreten Schritte haben die kroatischen Politiker unternommen, damit wir wirklich in unserer Heimat, auf die wir sowohl vor unserem Volk als auch vor der interna­tionalen Gemeinschaft ein Anrecht haben, bleiben können? Wie viele Male ha­ben die kroatischen Politiker in diesen drei Jahren ihre Stimme öffentlich zum Schutz unserer hier lebenden, völlig schutzlosen Menschen erhoben? Wer ver­tritt uns überhaupt, und wo, und auf wen sollen wir hören? In letzter Zeit sind Sie die betreffende bevollmächtigte Person! Ihnen gebührt unser Dank!
Ich habe nicht die Absicht, Ihnen nur Fragen zu stellen, bei denen ich bereits im voraus weiß, welche Antworten Sie mir geben können. Als hiesiger Bischof (und Angehöriger des kroatischen Volkes) habe ich nicht den Mut ver­loren, und ich werde nicht aufhören, meine Stimme zu erheben, sei es im Gebet zu Gott dem Herrn, sei es durch Appelle an alle Menschen guten Willens, uns zur Wiedererlangung der fundamentalen Menschenrechte zu verhelfen! Des­halb wende ich mich erneut an die führenden Politiker der HR HB und fordere sie auf, das Versprechen zu erfüllen, das sie mir bei meinem kürzlichen Aufent­halt in Mostar anläßlich der Tagung der Bischofskonferenz für Bosnien und Herzegowina über drei ihrer Vertreter, die Herren Bender, Markoviæ und Kordiæ, gegeben haben, d.h. daß sie nach einem Modus suchen werden, damit eine sach­lich kompetente Delegation zu uns kommt und mit unseren hier verbliebenen Politikern und unseren Menschen in den einzelnen Pfarrgemeinden sowie auch mit den Vertretern der hiesigen serbischen Behörden über unsere jetzige Lage und unsere Zukunft Gespräche führt...
Ich erwarte jedenfalls, daß Sie diesem Appell nicht Ihr Ohr verschließen, da es hier um wirklich schicksalsträchtige Schritte für die hier lebenden katho­lischen Kroaten geht!
Hochachtungsvoll

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

 Schreiben übermittelt an:
- die BK BiH - Sarajevo
- die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo

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DROHT DEN IM GROSSRAUM BANJA LUKA VERBLIEBENEN MEHREREN ZEHNTAUSEND KATHOLIKEN - KROATEN (UND ANDEREN), DASS SIE MIT IHREM EINVERSTÄNDNIS DORT EIN FÜR ALLEMAL AUSGEROTTET WERDEN?!
Schreiben des Bischofs an den Präsidenten der RH, Dr. Franjo Tuðman
(Prot. Nr. 332/95 vom 22. Mai 1995)

Sehr geehrter Herr Präsident,
durch die vielen Gespräche, die ich in den letzten drei Jahren mit Ihnen und Ihren engsten Mitarbeitern geführt habe, sowie die Botschaften und Appel­le, die ich schriftlich bzw. mündlich über meine engsten Mitarbeiter an die ober­ste Staatsführung der RH und die politischen Vertreter des kroatischen Volkes in BiH gerichtet habe, wurden Sie von 1991 bis jetzt fortgesetzt über die jeweils aktuelle Situation der Katholiken - kroatischer und anderer - im Gebiet meines Bistums Banja Luka informiert Insbesondere in dem Gebiet, in dem diese gan­ze Zeit über die Behörden der bosnischen Serben das Sagen hatten und haben (d.h. im größten Teil meiner Diözese), und im Gebiet der Region. Bihaæ, die unter bosnisch-muslimischer Kontrolle steht, ist unsere Situation indessen völlig ungewiß, und während einzelner Phasen ist sie auch sehr dramatisch gewe­sen. Diese Dramatik erreicht jetzt ihren Höhepunkt!
Ihnen ist bekannt, daß die hier lebenden Kroaten - fast 80.000 - den größ­ten Teil ihrer gewählten politischen Vertreter verloren haben und dadurch be­dingt auch ohne konkreten elementaren Schutz und ohne Orientierung daste­hen. Die politischen Vertreter, die nicht getötet oder vertrieben worden oder geflüchtet sind, hatten, soviel mir bekannt ist, keine Verbindung zu Kreisen ihrer Parteien bzw. politischen oder staatlichen Organen und Institutionen des kroatischen Volkes im Gebiet der HR HB bzw. BiH oder auf dem Territorium der RH (!), und schon gar keine Unterstützung von denselben.
Für unsere entrechteten und schutzlosen Menschen haben die Geistlichen, die Ordensbrüder und Ordensschwestern und der Bischof von Banja Luka die ganze Last und die ganze Verantwortung übernommen. Durch ihre standhafte Aufopferung für ihre Gläubigen und Landsleute, trotz direkter Bedrohung von Leib und Leben (aus den Reihen der Geistlichen bzw. Ordensmitglieder war das erste Opfer am 16. Juni 1992, das letzte, das sechste, am 12. Mai 1995 zu bekla­gen), und durch ihr unermüdliches Mahnen zu friedfertigem Verhalten, Gewaltlosigkeit und Vergebung wurde das Leben vieler Menschen, nicht nur von Kroaten, sondern auch von Serben und anderen in diesem Gebiet Ansässigen, be­wahrt.
Trotz unseres ausgesprochen friedfertigen Verhaltens - eine Tatsache, die sowohl unseren Nachbarn und unseren Landsleuten in den anderen Teilen von Bosnien und Herzegowina und in der Republik Kroatien als auch Ihnen bekannt ist - waren wir seit dem Überfall auf die Republik Kroatien im Sommer 1991 bis heute verschiedenartigstem brutalen Terror ausgesetzt, der von der furchtba­ren Bedrängung, uns an dem Eroberungskrieg gegen unsere Landsleute zu be­teiligen, bis zur Entziehung fundamentaler Menschenrechte wie des Rechts auf Leben, Wohnung, Arbeit, sozialen Schutz, Gesundheitsschutz u.a.m. reichte. Unter schwerem, nicht selten auch unerträglichem Druck mußten schon über 55.000 Katholiken vorübergehend ihr Heim und ihre Heimat verlassen und sich in das Gebiet der Republik Kroatien, aber auch in andere europäische Länder und sogar nach Übersee begeben. Viele von ihnen wollen unbedingt in die Hei­mat ihrer Vorväter zurückkehren, und sie erkundigen sich täglich beim Vikariat des Bistums Banja Luka in Zagreb über die Entwicklung der Lage in ihrer Hei­mat und die Möglichkeit einer Rückkehr.
Über die Caritas unseres Bistums haben wir maximale Anstrengungen unternommen, um unsere hier verbliebenen Menschen (aber auch andere) we­nigstens in bescheidenem Maße mit den grundlegenden lebenswichtigen Din­gen und medizinischer Hilfe zu versorgen. Dank des außerordentlichen Einsat­zes der verbliebenen kroatischen Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitsdien­stes (wobei keine einzige staatliche oder politische Institution des kroatischen Volkes sich bereitgefunden hat, auch nur ein minimales Entgelt zu zahlen!) ha­ben wir in den Räumlichkeiten des Bischöflichen Ordinariats allein im vergan­genen Jahr (1994) über 70.000 medizinische Untersuchungen bzw. Eingriffe ermöglicht.
- Dennoch verschlechtert sich unsere Lage dramatisch, und zwar nicht durch unsere Schuld, sondern durch den gut geplanten, beharrlichen Druck der hiesigen serbischen Behörden mit dem Ziel, uns in diesem Gebiet, wo wir jahr­hundertelang ansässig waren, auszurotten!
- Viele, wirklich viele Male habe ich die Behörden der bosnischen Serben sowie die politischen Vertreter des kroatischen Volkes in Bosnien und Herzegowina und in der Republik Kroatien, führende Politiker Europas und der übrigen Weit und Vertreter humanitärer Organisationen, auf ihre Verpflichtung zu humanem und zivilisiertem Verhalten hinsichtlich der hiesigen, ausgesprochen friedliebenden kroatischen Bevölkerung hingewiesen und sie gleichzeitig gebeten, an unseren Menschen keine Verbrechen gegen die Menschlichkeil und keine Verstöße gegen die fundamentalen Menschen- und Bürgerrrechte und Frei­heiten zu begehen bzw. nicht zuzulassen, daß unseren Menschen derartiges zu­gefügt wird.
- Das größte Verständnis und die größte Unterstützung wurden uns vom Heiligen Vater Johannes Paul II. und vom Heiligen Stuhl sowie von Vertretern der katholischen Kirche einzelner Länder zuteil. Alle anderen haben mehr oder weniger versprochen, nicht aber zugleich wirksam gehandelt und das getan, was sie nach unserer Überzeugung hätten tun können und sollen!
- So wiederholt sich leider wieder die bewegte und dramatische Geschichte der kroatischen Katholiken dieses Gebiets! Aus Gleichgültigkeit und wegen ei­gener Interessen haben die Nachbarn unserer Vorfahren in der zweiten Hälfte (den sechziger Jahren) des 15. Jahrhunderts den dramatischen Hilferufen der damaligen Führer unseres Volkes angesichts der Invasion der Eroberer und Ausrotter der Katholiken dieses ganzen Gebiets kein Gehör geschenkt.
Dadurch kam es, wie Sie wissen, zu sehr tragischen, jahrhundertelangen Folgen für das kroatische Volk und die katholische Kirche. Wir wurden in die­sem Gebiet fast völlig ausgerottet, was seit jenen fernen Tagen bis in unsere Zeit hinein auch direkten Einfluß auf die Situation des kroatischen Volkes und der katholischen Kirche im Gebiet von Kroatien hatte.
- Die nahezu 27.000 noch immer hier wohnenden Katholiken (hauptsäch­lich Kroaten) des Großraums Banja Luka sehen sich in den letzten Monaten wegen der andauernden völligen Schutzlosigkeit und des zur Erzwingung ihrer Auswanderung ausgeübten unbarmherzigen Drucks, wegen der Zerstörung auch der wenigen übriggebliebenen Kirchen, Klöster und Heiligtümer, also gerade der Spuren unserer religiösen, nationalen und kulturellen Vergangenheit und Identität, und wegen der Vertreibung und Ermordung unserer einzigen Anfüh­rer, Erhalter und Verteidiger - der Geistlichen und Ordensleute - vor dem er­zwungenen Weggang aus ihrer Heimat, in der sie jahrhundertelang ansässig waren.
Die bisherige beharrliche und friedliche hiesige Präsenz dieser Menschen hat auch allen schon früher Vertriebenen, die den sehnlichen Wunsch nach Rück­kehr in ihre Heimat haben, Hoffnung eingeflößt. Diese Hoffnung schwindet nun schnell! Dafür droht eine weitreichende, verhängnisvolle Ausrottung der katholischen Kirche und des kroatischen Volksteils im Gebiet meines Bistums Banja Luka, d.h. Nordwestbosniens, das während der letzten Jahrhunderte unter dem bezeichnenden Namen CROATIA TURCICA - TÜRKISCHES KROATIEN bekannt war.
Wir wollen noch immer da bleiben, wo wir ansässig sind, in Banja Luka und im umliegenden Gebiet, und zwar als Menschen, die hinsichtlich aller fun­damentalen Menschenrechte und Freiheiten, also auch unserer religiösen-katholischen und nationalen Identität, gleichberechtigt mit der übrigen Bevölke­rung leben. Wir betrachten dies als eines unserer unveräußerlichen Rechte, die durch keine staatliche oder politische Entscheidung oder Anordnung in Frage gestellt werden können und dürfen!
Wenn uns unsere die gleiche Sprache sprechenden Glaubens- und Bluts­brüder nicht helfen, dieses unser legitimes Recht durchzusetzen, müssen wir fürchten, daß auch andere uns nicht helfen werden!
Herr Präsident, nach dem ersten furchtbaren, schon im vorhinein geplant gewesenen Schlag gegen unsere Existenz in den hiesigen Gebieten (1992) bin ich nicht an der Spitze einer Vertriebenenkolonne von Landsleuten und Angehö­rigen meiner Diözese auf Sie oder irgendeine andere Persönlichkeit zugekom­men. Die, die schon damals unter Zwang ihre jahrhundertealte Heimat verlas­sen mußten, wurden von meinen engsten Mitarbeitern aufgenommen, die ihnen geholfen und sie anderen Glaubens- und Blutsbrüdern - bei Ihnen im freien Kroatien und an anderen Orten - anempfohlen haben.
Ich bin für meine hiesigen verbliebenen "Waisen" an Sie und den Sie umgebenden Personenkreis und andere Personen überall in der Welt herangetre­ten und habe für meine Schützlinge um Nahrung und Kleidung gebeten, vor allem aber um Verständnis und Unterstützung für unseren beharrlichen Wunsch, in unserer jahrhundertelangen Heimat bleiben zu dürfen, jedoch nicht als Skla­ven und nicht als bereits Begrabene, sondern als Menschen mit Würde und mit den Rechten und Freiheiten, die allen Menschen der zivilisierten Welt garantiert sind.
Auch jetzt will ich für sie nichts anderes! Das Steuer meines Lebens­schiffs ist hier, und ich gedenke nicht, es loszulassen, es sei denn, daß höhere Gewalt, der Tod oder anderes mich dazu zwänge! Zusammen mit meinen opfer­bereiten Geistlichen und Ordensleuten will ich wie bisher das Schicksal mit meinem gequälten und entrechteten Volk tragen und gleichzeitig Friedfertig­keit, Vergebung und die Kultur des Zusammenlebens verschiedener Ethnien und Religionen fördern, Werte, die auch unserem kroatischen Volk und insbesondere den Angehörigen der katholischen Kirche eigen sind. Wir werden auch weiterhin mit unserem Volk, unseren Gläubigen verbleiben und zwar als Men­schen von Ehre und unverbrüchlicher Treue!
Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch dies alles nicht mehr ausreichend! Der Kelch der schweren Ungerechtigkeiten und der ständigen Entrechtung, Schutzlosigkeit und Ungewißheit ist schon übervoll! Wir brauchen DRINGEND kon­krete und wirksame Hilfe, damit wir die uns genommenen und zertretenen Men­schen- und Bürgerrechte und Freiheiten wiederbekommen! Es ist notwendig, daß ein kompetenter kroatischer Politiker diesem Volk sagt, was er mit ihm zu tun gedenkt - ob er es opfern oder retten will!
Erneut beschwöre ich Sie, zum wer weiß wievielten Male: HELFEN SIE UNS! Es geht um Tage! Finden Sie einen Weg, damit sich endlich ein bewährter politischer Führer des kroatischen Volkes auf Dauer unser annimmt und sich um unser derzeitiges und zukünftiges Schicksal kümmert, und zwar, bevor es so­wohl für uns als auch für Sie zu spät ist, was Gott verhüten möge!
Ich vertraue darauf, daß Sie uns helfen werden, nicht nur deklarativ, son­dern auch durch konkrete positive Maßnahmen! Dafür danke ich Ihnen aufrich­tig im Namen aller um mich geschälten Menschen!
Hochachtungsvoll

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Übermittelt an:
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
den Vorsitzenden der HBK, F. Kardinal Kuhariæ - Zagreb
den Vorsitzenden der BK BiH, V. Kardinal Puljiæ - Sarajevo

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 "WO SIND HIER DIE TATEN ALL DIESER BESCHÜTZER DER MENSCHLICHEN GRUNDRECHTE RINGSUM IN DER WEITEN WELT?"
Bischöfliches Schreiben an den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak
(Prot. Nr. Präs. 152/95 vom 23. Oktober 1995)

Sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
1. Sicherlich haben Sie bereits über das Vikariat meines Bistums in Za­greb erfahren, daß unser Geistlicher, Hochw. Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor, in der Nacht vom 24. auf den 25. August d. J. von Organen der offizi­ellen Polizei der RS gewaltsam von seiner Pfarrwohnung zu seinen Eltern ge­bracht und unter Hausarrest gestellt wurde. Seitdem 19. September d. J. gibt es von ihm und seinen Eltern keine Spur mehr. All unsere Bemühungen und zahl­reichen Interventionen bei den zuständigen Behörden und Vertretern internatio­naler humanitärer Organisationen ergaben nur dürftige Antworten behördlicher Mitarbeiter der RS (Jovo Turanjanin bzw. Srðo Srdiæ): "Der Pfarrer befindet sich in Sicherheit", "der Pfarrer wurde bereits ausgetauscht" d.h. befindet sieh in der Obhut der kroatischen Behörden. Hiervon hat uns Ihrerseits niemand unterrichtet! Ich bitte Sie daher nochmals, bei den Gesprächen, die Sie wegen des Austauschs von Festgenommenen, Gefangenen und gewaltsam Entführten mit Behördenvertretern der RS fuhren, unbedingt darauf zu bestehen, daß dieser Pfarrer, ein sehr verdienstvoller und friedliebender Menschenfreund, freigelas­sen wird.
Wir wissen noch immer nichts über den bereits am 16. Juni 1992 gewalt­sam aus seiner Pfarrwohnung weggebrachten Pfarrer von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ! Viele Male habe ich die Behörden Vertreter der HR HB gebeten, bei den serbischen Behörden die Herausgabe unseres Pfarrers zu verlangen, aber noch immer keinerlei Antwort bekommen! Ich richte daher erneut mein Ersu­chen sowohl bezüglich des Geistlichen Grgiæ als auch bezüglich des Geistlichen Matanoviæ an Sie! Ich bin überzeugt, daß in dieser Frage mehr getan werden kann als das, was diejenigen, die offiziell über das Schicksal der unter der Herr­schaft der bosnischen Serben stehenden Katholiken, Kroaten usw. verhandeln, bisher bewirkt haben!
2. Ich mochte Sie außerdem bitten, an die derzeit bestehende völlige Un­gewißheit hinsichtlich einiger Hundert unserer Gläubigen - kroatischer Katholiken - in den Gemeindegebieten von Sanski Most und Prijedor zu denken, die sich während der in jenem Gebiet kürzlich erfolgten bewaffneten Zusammen­stoße zwischen der serbischen und der bosnisch-muslimischen Armee in ihren Häusern aufhielten. Zu uns hier sind lediglich unbestätigte Nachrichten durchgedrungen, wonach sich eine bestimmte Anzahl dieser beklagenswerten Men­schen unter äußerst schweren Bedingungen in Flüchtlingslagern in der Omarska-Region und in Bronzani Majdan aufhalten soll. Ein Teil dieser Menschen befin­det sich auch hier und da in Banja Luka und in der Umgebung der Stadt. Um zu erreichen, daß man uns, den Geistlichen bzw. der Caritas, eine Kontaktaufnah­me mit diesen Menschen ermöglicht, haben wir die hiesigen Vertreter interna­tionaler humanitärer Organisationen gebeten, sich entsprechend zu verwenden, aber daraufhin keinerlei Informationen erhalten. Wir sorgen uns besonders um das Schicksal jener in diesem Gebiet verbliebenen Gläubigen, die zu unseren Pfarrgemeinden Sasina, Sanski Most, Stara Rijeka, Ljubija, Ravska, ©urkovac, Prijedor und Bosanski Novi gehören. Ich bitte Sie daher, über die offiziellen Kontakte mit der serbischen Seite bezüglich des vorgesehenen Austausch« aller Gefangenen und Vermißten alles Erforderliche zu unternehmen, damit auch die­se bedauernswerten Menschen gerettet werden! Wenn Sie dies nicht tun, wird ihnen leider niemand anderes helfen können!
3. Die gewaltsame Vertreibung der im Gebiet der Stadt (und der Gemein­de) Banja Luka verbliebenen geringen Anzahl unserer Bevölkerung aus ihren Wohnungen und Häusern hat in letzter Zeit stark zugenommen und geht noch brutaler und rücksichtsloser als bisher vor sich. Einige Hundert unserer hiesigen bedauernswerten Menschen haben kein Heim und nicht die geringste Sicher­heit, und es fehlen ihnen die Grundvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Allein am heutigen Tage bemühten sich bei uns etwa 20 Personen, haupt­sächlich ältere Menschen, um ärztliche Hilfe, weil sie bei der gewaltsamen Vertreibung aus Wohnungen oder Häusern "binnen fünf Minuten" sehr grob behan­delt und körperlich schwer mißhandelt worden waren. Zwei unserer Gläubigen sind dabei gestorben, und weitere drei, darunter ein 17-jähriger junger Mann, wurden umgebracht! Wir konnten nur ein paar Dutzend dieser Menschen in einigen unserer übriggebliebenen kirchlichen Gebäude halbwegs sicher unter­bringen (obwohl wir eigentlich selbst nicht sicher sind!). Was sollen wir mit den übrigen dieser armen Menschen tun, die keinerlei Schutz haben und auch nirgendwohin gehen können, um diesen schweren Leiden zu entgehen?! Ich habe die Vertreter internationaler humanitärer Organisationen gebeten, etwas zu tun, ohne daß dies etwas bewirkt hätte!
Wo sind hier die Taten all dieser Beschützer der menschlichen Grund­rechte ringsum in der weiten Welt, die auch andere Gebiete in BiH und in der RH besuchen? Warum verlangt und ermöglicht man nicht von öffentlicher Sei­te, daß jemand zu uns kommt, damit er unsere schon allzulang andauernde Ago­nie sieht und auch in uns menschliche Wesen erkennt, deren einzige "Schuld" darin besteht, daß sie sich hier in ihrer jahrhundertealten Heimat befinden und noch immer bemüht sind, niemandem etwas zuleide zu tun?!
Ich bitte Sie, etwas Praktisches und Konkretes zu unternehmen, damit unseren hier verbliebenen Landsleuten - kroatischen Katholiken - (im weiteren Umkreis der Region Banja Luka sind wir nahezu 7.500) wirksamer geholfen wird! Wenn Sie dies wollen, werden Sie sicher auch helfen können! Wir möch­ten nicht an Ihrer Bereitschaft zweifeln, auch uns hier zu helfen, damit wir als Menschen überleben, bis friedlichere Zeiten mit mehr Gesetzlichkeit und grö­ßerer Achtung für die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte und Freihei­ten kommen!
Ich bedanke mich im voraus und verbleibe hochachtungsvoll 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

P.S. Da wir aus bisherigen sehr negativen Erfahrungen gelernt haben, bitten wir Sie im Interesse der Sicherheit aller unserer hier lebenden Menschen, dieses Schreiben nicht an die öffentlichen Medien weiterzugeben!

Schreiben übermittelt an:
den Stellvertretenden Ministerpräsidenten der RH, Prof. Dr. Ivica Kostoviæ - Zagreb
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

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 "FORDERN SIE, DASS MAN UNS GARANTIERT, EIN MENSCHLICHES DASEIN FÜHREN ZU KÖNNEN!"
Bischöfliches Schreiben an den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak
(Prot. Nr. Präs. 172/95 vom 15. November 1995)

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Zubak,
erneut ersuche ich Sie, zum wer weiß wievielten Male, in Ihrer Eigen­schaft als oberster Politiker in BiH für uns, die wir noch immer unter der Herr­schaft der bosnischen Serben in unserer jahrhundertelangen Heimat durchhal­ten, energischer und wirksamer einzutreten.
1. Zwei unserer als Pfarrer tätigen Geistlichen sind, (neben fünf anderen Geistlichen und einer Ordensschwester, die ermordet wurden), aus ihren Pfarr­häusern geholt, in unbekannte Richtung verbracht worden, und man weiß noch immer nichts von ihnen! Es handelt sich um Hochw. Ratko Grgiæ, Pfarrer in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka), und Tomislav Matanoviæ, Pfarrer in Prijedor. Die serbischen Behörden wissen, wo sich diese Geistlichen befin­den, und sie sind für sie verantwortlich. Sowohl wir als auch die Behörden wissen, daß diese Geistlichen völlig unschuldige Menschen sind, daß es sich bei ihnen um große Wohltäter gegenüber allen Mitmenschen und bekannte Frie­densstifter handelt! Alle meine bisherigen Bemühungen haben zu keinem prak­tischen Ergebnis geführt!
2. Auch weiterhin werden von unseren verbliebenen Gläubigen (haupt­sächlich alte und hilflose Menschen) tagtäglich einige gewaltsam aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben. Die Behörden treffen keine wirkungsvol­len Maßnahmen, um dies zu verhindern! In der vergangenen Woche haben wir wieder ein unschuldiges Opfer rücksichtsloser Gewaltanwendung, einen altein­gesessenen bekannten Bürger von Banja Luka, zu Grabe getragen! Von mehre­ren Hundert Gläubigen, die in einem Gebiet, in dem es keinerlei bewaffnete Zusammenstöße gegeben hatte, ermordet wurden, ist er das 80. Opfer unter der Zivilbevölkerung der Gemeinde Banja Luka! Was sollen wir mit unseren Men­schen, die Einwohner von Banja Luka sind und jetzt auf der Straße liegen, tun, wenn wir doch keine Möglichkeit einer Unterbringung für sie finden können? Hier am Ort hallen sich auch einige Dutzend unserer Leute auf, die aus den Gebieten von Sanski Most und Prijedor vertrieben worden sind und um die wir uns ebenfalls kümmern!
Ich bitte Sie, uns zu helfen! Fordern Sie, daß man uns garantiert, in den hiesigen Gebieten, die wir als unsere Heimat betrachten und wo wir unsere Nachbarn in keiner Weise bedrohen, sondern ihnen unermüdlich helfen, ein menschliches Dasein führen zu können, auch, wenn sie uns Böses antun!
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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DIE ZUKUNFT DER KROATEN (KATHOLIKEN) DES IM GEBIET DER "REPUBLIKA SRPSKA" GELEGENEN BISTUMS BANJA LUKA - NACH ABSCHLUSS DES FRIEDENSVERTRAGS
Bischöfliches Schreiben an Herrn Dr. Mate Graniæ, den Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Außenminister von Kroatien
(Prot. Nr. Präs. 182/95 vom 25. November 1995)

Sehr geehrter Herr Stellvertretender Ministerpräsident,
gemäß dem nettesten Friedensvertrag von Dayton (USA), der in Bälde auch offiziell ratifiziert werden soll, werden auch mehr als zwei Drittel der Pfarrgemeinden meines Bistums Banja Luka definitiv (bis zu einer womöglich in Zukunft zu treffenden anderen Übereinkunft) der direkten Verwaltung der bosnischen Serben unterstehen.
Unser bisheriges ständig friedfertiges Verhalten, das sich für unsere ser­bischen Nachbarn sehr erfreulich auswirkte, weil ihr Leben, ihr Eigentum, ihre Gotteshäuser und ihre Identität zu keiner Zeit durch uns bedroht waren, ist Ih­nen gut bekannt. Wir haben in der Praxis beharrlich gezeigt, daß wir fähig sind, mit anderen unter voller Respektierung ihrer andersgearteten Eigenheiten und ihrer Rechte und Freiheiten zusammenzuleben.
Was aber war die Folge dieser unserer Bemühungen, wie hat man sie uns vergolten? Vor den Augen der in- und ausländischen Öffentlichkeit hat man uns zu einer in einen Pferch gesperrten Schaf- bzw. Viehherde gemacht, die man auszumerzen beschlossen hat, wobei es nicht nur um unsere biologische Aus­rottung, sondern auch um die Ausrottung unserer Spuren geht, Spuren, die be­weisen, daß wir hier als organisierte kirchliche Gemeinschaft und als Teil des kroatischen Volkes existiert haben!
Vor seiner Abreise zu den Verhandlungen in Dayton hat mich (zum ersten Male!) der Stellvertretende Präsident der RS, Prof. Dr. Nikola Koljeviæ, angeru­fen. In dem kurzen Gespräch habe ich ihn u. a. gefragt, was man serbischerseits mit uns vorhabe, was wir kroatischen Katholiken, sofern wir etwas unterlassen hätten, noch zu tun haben und wie wir uns verhalten müssen, damit uns unsere serbischen Mitbürger und Nachbarn endlich als Menschen anzusehen beginnen, mit denen zu leben wünschenswert ist. Er blieb mir die Antwort schuldig, wie er sagte "bis zur Rückkehr aus den USA". Der geschlossene Friedensvertrag sieht, wie ich weiterhin erfahren konnte, "weilgehenden Schutz für alle Menschen­rechte und menschlichen Freiheiten im gesamten Territorium von Bosnien und Herzegowina", also auch im Hoheitsgebiet der "Republika Srpska", vor. Da man uns im Gebiet der RS jedoch in der Praxis eigentlich gar nicht als Men­schen an sich gelten ließ, kann es leicht geschehen, daß dieser Teil des Vertrags hier keine Anwendung findet! Ich nehme das Handeln all jener in- und ausländi­schen Politiker und Staatsmänner, die mit ihrer Unterschrift und ihrer Autorität die Wiederzuerkennung und den Schutz der menschlichen Grundrechte und Frei­heilen für alle Menschen dieses Gebiets garantieren, als etwas absolut Ernstzu­nehmendes zur Kenntnis. Logisches Nachdenken veranlaßt mich jedoch, ange­sichts der bisherigen bitteren Erfahrungen im Namen all der Entrechteten um mich herum die Frage zu stellen, wie das Ganze Gestalt annehmen soll und ob aus den Worten auch greifbare Praxis werden wird. Wenn sich für die in diesem Gebiet, der Bosanska Krajina, und im Gebiet der RS insgesamt lebenden Kroa­ten kein einziger politischer Vertreter des kroatischen Volkes einsetzt, frage ich, wer dies dann wohl tun soll! Etwa ein Politiker, der Bosnier ist, eine internatio­nale Kommission oder am Ende unsere serbischen Nachbarn?
Unsere Menschen hier sagen mir, daß sie auch weiter gewillt sind, sich friedfertig zu verhalten, zu vergeben und zusätzliche Opfer zu bringen, aber sie fühlen sich nicht berufen (und auch nicht verpflichtet), als "eingepferchtes Vieh herzuhalten, das an der Reihe ist, geschlachtet, ausgemerzt und ganz ausgerottet zu werden". Sie bitten, daß ich mich erneut an die führenden Politiker des kroa­tischen Volkes wende und sie frage, was jetzt mit uns werden wird. Wer wird die elementarsten Interessen der hier verbliebenen kroatischen Bevölkerung vertre­ten sowie die derjenigen, die von hier vertrieben worden sind, die aber unbe­dingt in ihre Heimstätten, ihre Pfarrgemeinden, ihre Häuser und Städte zurück­kehren wollen?
Ich erlaube mir die Bitte an Sie, uns mitzuteilen, an welchen derzeitigen kroatischen Politiker, der willens und imstande wäre, uns zu schützen und unse­re elementarsten Interessen zu vertreten, wir uns wenden sollen. Die uns von sehr angesehenen und einflußreichen europäischen und außereuropäischen Po­litikern und Staatsmännern gemachten Versprechungen, die von unserer Lage wissen und uns helfen wollen, sind lobenswert. Diese notwendige Hilfe läßt sich jedoch am effektivsten über die offiziellen kroatischen Politiker verwirkli­chen. Wird man nach der demnächst erfolgenden Ratifizierung des Friedensvertrags endlich ein normales Lehen führen können? Obwohl unter uns noch im­mer Skepsis herrscht, wird sie doch von unseren Hoffnungen weitaus übertrof­fen ! Wir bitten Sie (bzw. die anderen Persönlichkeilen Ihrer Umgebung), unsere Hoffnungen nicht zunichte zu machen.
Ich verbleibe mit Dank für alles, was Sie für uns getan haben und zukünftig tun werden, wieder mit dem Ausdruck der Hochachtung 

Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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ICH ERHEBE MEINE STIMME ENERGISCH GEGEN VERBRECHEN - GLEICH, WER SIE BEGANGEN HAT
Schreiben des Bischofs an den Präsidialrat der HR HB in Mostar
(Prot. Nr. Präs. 184/95 vom 28. November 1995)

Sehr geehrte Empfänger dieses Schreibens,
in diesen Tagen verbreiten die öffentlichen Medien von Banja Luka Be­hauptungen ausländischer Agenturen, wonach "kroatische Militärformationen im von ihnen kontrollierten Gebiet der Gemeinden Mrkonjiæ Grad und ©ipovo verlassenes Eigentum der serbischen Bevölkerung zerstören".
Von hier, aus Banja Luka, können wir nicht überprüfen, ob dies zutrifft oder nicht.
In logischer Konsequenz unseres friedfertigen Verhaltens und unseres entschiedenen Eintretens dafür, daß unterschiedslos die Person und das Eigen­tum eines jeden Menschen geachtet und geschützt werden, erheben wir auch diesmal öffentlich und entschlossen unsere Stimme zum Schutz der Menschen und des Eigentums der serbischen Bevölkerung in den genannten Gebieten und sonstwo, wenn diese Menschen und ihr Eigentum bedroht sind.
Sie wissen, daß die katholischen Bischöfe sowohl von Bosnien und Herzegowina als auch von Kroatien auch bisher schon jedesmal, wenn es aktuell war, klar und äußerst energisch ihre Stimmme gegen Verbrechen, gleich, von welcher Seite, und zum Schutz eines jeden einzelnen bedrohten Menschen und einer jeden ethnischen oder religiösen Gemeinschaft erhoben haben.
Ich gehe davon aus, daß es Ihr Anliegen ist, in dem Ihnen unterstehenden Gebiet jegliche Verletzung menschlicher und bürgerlicher Rechte und Freihei­ten zu unterbinden. Ich bitte Sie daher, die vorgenannten, von ausländischen und einheimischen Medien verbreiteten Beschuldigungen entweder zu widerle­gen oder aber energischst gegen das Tun sich hinter kroatischen Militär­formationen verbergender verantwortungsloser Individuen oder Gruppen ein­zuschreiten, die durch ihre Handlungen die Ehre des eigenen Volkes besudeln.
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

Übermittelt an:
die Regierung der HR HB - Mostar
die Regierung der RS - Sarajevo (Pale)
die öffentlichen Medien
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

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SIE HABEN NICHT DAS RECHT, SICH IM NAMEN ALLER UNSERER VERTRIEBENEN ZU ÄUSSERN
Offener Brief des Bischofs an Herrn Ivan Milas
(Prot. Nr. Präs. 197/95 vom 06. Dezember 1995)

Sehr geehrter Herr Milas,
in einer gestern abend um 21.00 Uhr ausgestrahlten von Herrn Jozo Æuriæ moderierten Fernsehsendung der HRT "Im großen Plan", die auch hier in Banja Luka zu sehen war, haben Sie als Teilnehmer derselben auf die (hier sinngemäß wiedergegebene) Frage eines Zuschauers: "Was wird mit jenen Vertriebenen aus BiH, die gemäß des Vertrages von Dayton in ihre innerhalb des Hoheitsge­biets der RS gelegenen Häuser und Heimatgebiete zurückkehren müßten?" sinn­gemäß behauptet: "Keiner der vertriebenen Kroaten wird unter einer fremden Regierung bzw. unter einem fremden Militär und einer fremden Polizei leben wollen." Aus dem Zusammenhang Ihrer Worte ergibt sich die Vorstellung, daß Sie, Herr Milas, besser als die Betroffenen selbst und ihre Geistlichen und Bi­schöfe, die Tag und Nacht bei ihnen sind und Gutes und Böses mit ihnen teilen und für sie auch ihr Blut vergießen und ihr Leben hingeben, wissen, was unsere Menschen - die katholischen Kroaten aus jenen unter die Hoheit der örtlichen serbischen Behörden fallenden Gebieten des Bistums Banja Luka sowie des vrhbosnischen Erzbistums, des Bistums Mostar-Duvno und des Bistums Trebinje - wollen oder nicht wollen!
Ich übernehme die Verantwortung, wenn ich hiermit feststelle, daß Sie nicht das Recht haben, sich im Namen all jener unserer Vertriebenen zu äußern, die auf ein bestimmtes fundamentales Menschenrecht, das Recht auf eine eige­ne Heimat, nicht verzichten wollen! Wir, die wir diesen ganzen unseligen Krieg hindurch zu Hause ausgeharrt haben, und auch die Zehntausende unserer Gläu­bigen, katholischer Kroaten aus der Bosanska Krajina, die an ihre Geistlichen tagtäglich die Frage richten, wann sie wohl in ihre Heimat zurückkehren wer­den, widersprechen mit klarer Entschiedenheit dieser von Ihnen abgegebenen Öffentlichen Stellungnahme hinsichtlich der Frage, ob wir "willens" oder "nicht willens" sind, mit anderen friedlich, würdig und einander achtend zusammen­zuleben!
Wenngleich Sie ein hochrangiger und sehr angesehener Amtsträger der Republik Kroatien sind, glaube ich nicht, daß diese Ihre öffentlichen Aussagen der offiziellen Einstellung der Spitzen des kroatischen Staates entsprechen, da mir völlig entgegengesetzte Versicherungen und Suggestionen aus höchsten staat­lichen Kreisen der Republik Kroatien bekannt sind.
Wenn uns also Fremde eine Mütze zuschneiden, ohne an unserem Kopf Maß genommen zu haben, müssen dann dasselbe auch Sie als unser Landsmann tun, von dem wir mit Recht erwarten, daß er uns als Menschen anerkennt, die finden, daß sie Anspruch auf die menschlichen Grundrechte haben, zu denen auch das Recht auf ein Zuhause, eine Heimat, ein Vaterland, sowie das Recht auf Bewegungsfreiheit und das Recht, eigenverantwortlich über sich selbst zu entscheiden, gehören!
Wir völlig schuldlosen Menschen sind nun schon länger als genug von den einen unterdrückt und mißhandelt und von den "eigenen Leuten" ins Ab­seits der Vergessenheit geschoben worden. Wenigstens Sie sollten uns bereits genug Gemarterte nicht noch weiter entrechten und uns den Rest geben und ganz zerstören! Dies würde Ihnen wie auch denen, die Sie in Ihrer Stellung vertreten, weder Glück noch Segen bringen!
Auch wenn Sie uns nicht als Menschen, die Würde haben und bemüht sind, sowohl ihrem kroatischen Volk ah auch ihrer katholischen Kirche Ehre zu machen, helfen wollen, bitte ich Sie im Namen von vielen Zehntausend Gläubi­gen meines Bistums (sowie auch im Namen vieler anderer), uns wenigstens nicht mit Äußerungen wie der von gestern abend zu schaden!
Hochachtungsvoll

 Dr. Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

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AN DIE POLITIKER DES KROATISCHEN VOLKES

IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJINA GEHT EINE SYSTEMATISCHE ETHNISCHE SÄUBERUNG VOR SICH

ERNEUTE MOBILMACHUNG VON KROATEN IM GEBIET VON BANJA LUKA

WAS IST DAS SCHICKSAL DER KATHOLIKEN IN DEM VON DEN BOSNISCHEN SERBEN KONTROLLIERTEN GEBIET UND IN WESSEN HÄNDEN (AUSSER IN GOTTES) LIEGT ES?

"WIR WOLLEN HIER BLEIBEN! DAS IST, WIE ICH WEISS, AUCH