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VI -
AN DIE LOKALEN POLITIKER
ERNEUTER BEWAFFNETER ÜBERFALL AUF DAS KATHOLISCHE GEMEINDESEELSORGEZENTRUM
IN DER PFARREI BANJA LUKA - BUD®AK
Sehreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 450/92 vom 15. Juni 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
mit großer Betrübnis und Sorge sehe ich mich gezwungen, wegen des
Schutzes von Leib und Leben der im Dienste des Glaubens tätigen
kirchlichen Mitarbeiter sowie des Schutzes von Besitztümern der
katholischen Kirche, mich erneut an Sie als die oberste Persönlichkeit
unserer Gemeinde Banja Luka zu wenden.
Anliegend erhalten Sie einen Bericht des Pfarrers Dr. Karlo Vi¹aticki
über den bereits dritten bewaffneten Überfall, der innerhalb der
vergangenen drei Wochen auf ihn, das Pfarrei personal und den Besitz
der Pfarrei Banja Luka - Bud¾ak verübt wurde.
Ich hatte Sie seinerzeit darum gebeten, zu veranlassen, daß amtliche
Organe für den Schutz von Personen und Gebäuden religiöser Gemeinschaften
sorgen oder daß den Gläubigen gestattet wird, sich selbst legal
zu verteidigen. Sie hatten gesagt, daß es besser sei, wenn dieser
Schulz durch von Amis wegen zuständige Personen erfolgt, womit ich
einverstanden war. Nach den wiederholten Überfällen auf religiöse
Gebäude und Mitarbeiter der katholischen Kirche entsieht der Eindruck,
daß das von Ihnen Verlangte und Angeordnete nicht in die Tat umgesetzt
wird. Was sollen wir tun, um uns vor größerem Unheil mit unabsehbaren
negativen Folgen für unsere Stadt und unsere Gemeinde zu schützen?
Auch haben wir Informationen erhalten, wonach gemäß irgendjemandes
Anordnungen aus Dienststellen oder Institutionen unserer Gemeinde
(nach meiner Überzeugung sicher ohne Ihr Wissen und Ihre Genehmigung)
vorgesehen ist, in unserem Gemeindegebiet 700 (siebenhundert) Gebäude
abzureißen, zu beschädigen oder zu zerstören?!! Wie Sie wissen,
sind bereits einige religiöse Gebäude der katholischen Kirche Ziel
vernichtender Überfälle unkontrollierter Einzeltäter oder Gruppen
gewesen. Dieser letzte peinliche Zwischenfall am Vorabend des großen
katholischen Dreifaltigkeitsfestes und der Firmungsfeierlichkeiten
in der Pfarrei Banja Luka - Bud¾ak hat alle zu dieser Pfarrei gehörenden
Katholiken und die der ganzen Gegend sehr erbittert!
Herr Bürgermeister, wir müssen den in seinen Grundfesten bedrohten
Frieden unter der katholischen Bevölkerung dieses Teils unserer
Gemeinde mit allen Kräften der Vernunft bewahren.
Ich bitte Sie, mir baldmöglichst Gelegenheit zu einem Gespräch mit
Ihnen zu geben. Die Gemeindemitglieder der Pfarrei Banja Luka -
Bud¾ak wünschen und verlangen dies.
Ich danke Ihnen im voraus für alles, was Sie unternehmen, damit
die unmenschliche Heizjagd auf Einzelpersonen und die Gemeinschaft
der katholischen Kirche in unserer Stadt und Gemeinde endlich aufhört.
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Anlage:
Bericht des Pfarrers über den bewaffneten Überfall.

ENTFÜHRUNG
DES PFARRERS IN NOVA TOPOLA, HOCHW. R. GRGIÆ, BESTIALISCHE MIßHANDLUNG
KATHOLISCHER NONNEN UND GEFÄHRDUNG DES BESITZES IM KLOSTER NOVA
TOPOLA
Schreiben an die Polizeiwachen in Banja Luka und Bosanska Gradi¹ka
(Prot. Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992)
Obwohl
Ihnen diese Sache durch unsere wiederholten mündlichen Interventionen
der letzten Zeit bereits gut bekannt ist, wurde sie leider bislang
weder aufgeklart noch abgeschlossen. Ich bin daher genötigt, mich
schriftlich an Sie zu wenden, um Sie zu ersuchen, den entführten
kranken Geistlichen ausfindig zu machen und zu veranlassen, daß
die für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Organe alle nur
möglichen Maßnahmen für die Sicherheit der Nonnen und ihres Besitzes
im Kloster Nova Topola ergreifen.
Hier zur Erinnerung eine Zusammenfassung der schlimmen Ereignisse
in der Pfarrei und im Kloster von Nova Topola:
1. Am 16. Juni gegen 09.20 Uhr haben vier unbekannte Bewaffnete
den Pfarrer Ratko Grgiæ aus dem Pfarrbüro in Nova Topola in Richtung
des Dorfes Laminci entführt. Auf meine am gleichen Tage bei der
Polizeiwache Nova Topola sowie beim Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka,
Herrn Neboj¹a Iva¹tanin, erfolgte Intervention hin wurde mir bestätigt,
daß den behördlichen Organen in der Gemeinde keinerlei Gründe für
eine Festnahme oder eine Vorführung des Pfarrers vorliegen. Es wurde
mir gleichzeitig zugesichert, daß unverzüglich alles unternommen
werde, damit der entführte Pfarrer so bald wie möglich aufgefunden
und nach Hause gebracht wird, und daß die für die öffentliche Sicherheit
zuständigen Beamten der Polizeiwache beauftragt seien, sich noch
mehr um die Sicherheit der Nonnen des Klosters, die durch die Entführung
des Pfarrers deutlich verängstigt waren, zu kümmern.
2. Am Abend desselben Tages gegen 22.00 Uhr ist die gleiche Vierergruppe
gewaltsam in das Kloster eingedrungen. Die Eindringlinge verlangten,
daß sich alle Nonnen (es sind 22), zum großen Teil ältere Frauen
im Alter zwischen 70 und 90 Jahren, in einen Raum begeben. Dort
begannen sie, die Ordensschwestern zusammen und dann auch einzeln
- mit Waffen, Händen und Schimpfworten - zu mißhandeln. Insbesondere
fielen die Eindringlinge in sadistischer Weise und äußerst brutal
über einige jüngere Ordensschwestern her, so schlimm, daß dies uneingeschränkte
Verurteilung verdient! In den Annalen der jahrhundertelangen Geschichte
der katholischen Kirche in diesem Raum ist zu keiner Zeit ein ähnliches
Geschehnis vermerkt worden!
Diese unmenschlichen Mißhandlungen der wehrlosen und harmlosen Ordensschwestern
und das Ausleben niedriger Instinkte an denselben dauerte bis 04.30
Uhr am folgenden Morgen! In der Zwischenzeit ist keine Polizeistreife
erschienen, obwohl die Beamten einen entsprechenden dienstlichen
Auftrag hatten.
Über diese äußerst rohe und durch nichts gerechtfertigte schwere
Untat habe ich die für die öffentliche Sicherheit zuständigen Organe
in Banja Luka, Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka an jenem Tage,
dem 17. Juni, gegen Abend, gleich nachdem ich von dem bösen Zwischenfall
Kenntnis erhalten hatte, informiert. Erneut wurde stärkerer Schutz
für die Nonnen und das Kloster zugesichert. Es bedarf keiner besonderen
Erwähnung, daß alle Nonnen unter schwerem Schock standen, einige
von ihnen haben körperliche und psychische Schäden davongetragen.
In der gleichen Nacht wurden, nachdem man dort gewaltsam eingedrungen
war, das Pfarrbüro und die Pfarrwohnung in Nova Topola verwüstet
und ausgeraubt.
3. Trotz aller gegebenen Garantien sind in der Nacht vom 22. auf
den 23. Juni Unbekannte in den Hof des Klosters eingedrungen und
haben den verschlossenen Deckel auf dem Tank für das Heizöl (für
die Zentralheizung des Klosters) abgerissen und das übriggebliebene
Heizöl mitgenommen, nachdem Beamte der Polizeibehörde von Bosanska
Gradi¹ka einige Tage zuvor eine größere Menge Heizöl entnommen
hatten.
4. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni hat ein unbekannter Täter
(bzw. haben mehrere unbekannte Täter) das Wirtschaftsgebäude des
Klosters angezündet (die Kuh-, Schweine- und Geflügelställe), wobei
eine große Menge Heu und Heizmaterial (Holz) für das Kloster verbrannten.
Über all diese Ausschreitungen und Delikte l legen Ihnen die Meldungen
Ihrer Mitarbeiter vor, da wir diese mehrfach mündlich informiert
haben.
Da ich als kirchlicher Würdenträger für das Leben und den Besitz
der erwähnten Ordensschwestern und des Pfarrers verantwortlich bin,
muß ich Sie erneut darauf aufmerksam machen, daß mir bis zur Stunde
keinerlei positive Ergebnisse der Ermittlungen der amtlichen Stellen
von Bosanska Gradi¹ka und Banja Luka vorliegen, was das Schicksal
von Pfarrer Grgiæ und die zukünftige Sicherheit der Nonnen in Nova
Topola, einem Ort, wo seit über 100 Jahren Nonnen in Frieden und
Eintracht mit der dortigen Bevölkerung leben und arbeiten, angebt.
Ich bitte Sie daher, geschätzte Empfänger dieses Schreibens, um
kompetente Anleitung hinsichtlich dessen, was ich, die Nonnen und
der entführte Pfarrer Grgiæ zu tun haben.
Ich verbleibe in Erwartung Ihrer Antwort.
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Eingabe
zugestellt an:
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

BEWAFFNETER
ÜBERFALL AUF DAS NONNENKLOSTER "MARJANOVAC" IN BOSANSKI
ALEKSANDROVAC
Schreiben an die Polizei- und Militärbehörden in Banja Luka und
Lakta¹i
(Prot. Nr. 523/92 vom 22. Juli 1992)
Wie uns
die Vorsteherin des Klosters "Marjanovac" in Bosanski
Aleksandrovac Schw. Maristela Heæimoviæ mitgeteilt hat, ereignete
sich in der Nacht des 22. Juli d. J. in der Zeit zwischen 00.30
und 01.00 Uhr und um 03.00 Uhr ein bewaffneter Angriff aus einer
leichten Feuerwaffe auf das Kloster und die Pfarrkirche St. Johannes
der Täufer in Bosanski Aleksandrovac.
Zahlreiche Schüsse trafen die Fassade und das Dach des Klosters
und der Kirche, und einige zerschlugen die Zimmerfenster der Ordensschwestern
und bedrohten unmittelbar das Leben der hochbetagten Ordensschwestern.
Da sich nicht weit vom Kloster, an der Landstraße Banja Luka - Bosanska
Gradi¹ka, eine Wache der Polizei und der Militärpolizei befindet,
konnten die Diensthabenden zweifellos alles hören und sehen und
den Zivil- und den Militärbehörden von dem bösen Vorfall Meldung
machen.
Wir bitten Sie erneut, energisch zu handeln, damit verhindert wird,
daß noch trag i schere Attacken gegen diese uralte Institution der
katholischen Kirche erfolgen, eine Institution, die niemandem etwas
zuleide getan, sondern vielmehr zahlreichen Menschen, sowohl Ortsbewohnern
als auch anderen, auf vielfältigste Weise geholfen hat.
Wir erwarten mit Recht, daß im Gemeindegebiet von Lakta¹i Ordnung
und Gesetzlichkeit für alle, auch für uns Katholiken und die Ordensschwestern
im - allzuoft attackierten - Kloster "Marjanovac" in Bosanski
Aleksandrovac, garantiert werden.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Eingabe
zugestellt an:
- die Provinzial Verwaltung - Zagreb
- die General Verwaltung - Rom, Italien

IMMER
GRÖSSERE RECHTLOSIGKEIT UND IMMER UNGEWISSERE ZUKUNFT FÜR DEN KATHOLISCHEN
TEIL DER BEVÖLKERUNG DER GEMEINDE BANJA LUKA
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 552/92 vom 03. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
es sind bereits anderthalb Monate vergangen, seit ich Sie um ein
Gespräch über die derzeitige Situation der katholischen Gläubigen
im Gebiet unserer Gemeinde gebeten hatte. Ich danke Ihnen, daß
Sie mir jetzt die Möglichkeit gegeben haben, mich persönlich mit
Ihnen zu treffen, um Ihnen als oberster Persönlichkeit unserer Gemeinde
die ganze Schwere der Problematik hinsichtlich Gegenwart und Zukunft
der Katholiken darzulegen.
In den vergangenen anderthalb Monaten hat sich die Lage im ganzen
verschlechtert, obwohl Sie durch Ihren Einsatz gewissen unnormalen,
anarchischen Abwegen von Einzelnen oder bewaffneten Gruppen entgegengewirkt
haben. Wie Sie sicher wissen, war die katholische Kirche in dieser
Stadt und Gemeinde diese ganze Zeit über bestrebt, den zerbrechlichen
Frieden zu bewahren, sowohl innerhalb der Reihen ihrer Gläubigen
als auch im gesamten Gebiet unter unseren geschätzten Mitbürgern
und Nachbarn. Gewiß sind Ihnen auch die vielen Fälle von Provokation,
Schikane und Gefährdung des Besitzes und des Lebens unserer katholischen
Gläubigen nicht unbekannt. Soweit ich weiß, ist es nicht zu Vergeltungsakten
wegen angetanen Unrechts gekommen. Gott sei Dank! Dennoch gibt es
aber viele brennende Fragen, von denen Sie wahrscheinlich wissen,
Fragen, zu denen Sie, von allen politischen und sonstigen Aufgaben
abgesehen, befriedigende und nicht nur kurzfristige Lösungen suchen
müssen. Dies stelle ich auf dem Hintergrund Ihrer mir bekannten
und lobenswerten Erklärung fest, in der Sie zum Ausdruck brachten,
daß Sie, solange Sie Ihre jetzige Position innehaben, bemüht und
bestrebt sein werden, daß Ihr Wort Gehör findet und gewürdigt wird.
Im sicheren Bewußtsein Ihres menschenfreundlichen Einsatzes für
alle Ihnen anvertrauten und unter Ihre Zuständigkeit fallenden Menschen
bin ich überzeugt, daß Sie auch den nachfolgend genannten Problemen,
die ich Ihnen im Namen der katholischen Gläubigen unserer Gemeinde
Banja Luka vortrage, ausreichend Gehör schenken werden und daß Sie
bestrebt sein werden, sie in befriedigender Weise zu lösen.
1. In den vergangenen zwei Monaten ist es in unserem Gemeindegebiet
häufiger zu direkter Bedrohung des Lebens von Geistlichen, Mönchen
und Nonnen (der Pfarrer in Bud¾ak, die Mönche des Klosters auf
dem Petriæevac, die Nonnen des Klosters in der Martiæevastraße)
gekommen.
2. Beschädigungen und Schändungen religiöser Gebäude (das Gemeindeseelsorgezentrum
in Bud¾ak viermal; das Kloster Petriæevac; dann das Nonnenkloster,
die Pfarrkirche und die Garage des Pfarrbüros - alle in der Martiæevastraße;
Schüsse aus einer Feuerwaffe auf den Turm der Kathedrale) sind häufiger
geworden.
3. Es hat eigenmächtig (ohne Anordnung) vorgenommene Durchsuchungen
kirchlicher Räumlichkeiten (des Gemeindeseelsorgezentrums in Bud¾ak,
des Klosters Petriæevac, des Trappistenklosters, des Bischöflichen
Ordinariats und der Bischöflichen Residenz, der Räume der Caritas)
gegeben.
4. Es sind Medikamente und bei Caritas International beschafftes,
für Gesundheitseinrichtungen in Banja Luka und in der gesamten Region
bestimmtes Sanitätsmaterial geraubt worden.
5. Die Arbeit der Bischöflichen Caritas wurde durch die Wegnahme
von acht Lkws, die Nahrungsmittel und Medikamente holen sollten,
unmöglich gemacht.
6. Das Personal der Caritas und Menschen (mehrere Hundert), denen
die Caritas behilflich sein wollte und sollte, Banja Luka auf legale
Weise zu verlassen (Flüchtlinge, Studenten, Kranke, als Gastarbeiter
im Ausland tätige Menschen), wurden schikaniert.
7. Ein bereits geschlossener Vertrag zwischen dem Bischöflichen
Ordinariat, der Gemeinde und der Baufirma "Vrbas" aus
Lakta¹i über die Errichtung eines Caritas-Gebäudes auf dem Grundstück
eines ehemaligen Gebäudes, eines Besitzes des Bischöflichen Ordinariats
in der Martiæevastraße, wurde aufgehoben.
Außerdem muß ich, gemeinsam mit vielen Mitgliedern der katholischen
Kirche in dieser Gemeinde, feststellen, daß man einer großen Anzahl
dieser Kirchenmitglieder gewisse menschliche Grundrechte und die
persönliche Freiheit vorübergehend entzogen bzw. diese bedroht
hat. Es handelt sich um folgende Rechtsverletzungen;
1. Verletzungen des Rechts auf Gleichberechtigung ohne Unterschiede
wegen Nationalität und religiöser Überzeugung;
2. Verletzungen des Rechts auf für das Leben und den persönlichen
Unterhalt notwendige Güter;
3. Verletzungen des Rechts auf Arbeit und gerechte Verteilung der
Früchte der Arbeit (mehr als 90% der Katholiken wurden aus dem
Arbeitsverhältnis entlassen);
4. Verletzungen des Rechts auf Privateigentum;
5. Verletzungen und Gefährdung der Gewissensfreiheit sowie Verletzungen
des Rechts auf Freiheit des Denkens und der Rede;
6. Verletzungen des Rechts auf Unantastbarkeit der Person;
7. Verletzungen des Rechts auf freie Berufswahl;
8. Verletzungen des Rechts auf Erziehung und Ausbildung der eigenen
Kinder;
9. Verletzungen des Rechts auf freien Zusammenschluß und Mitbestimmung
im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben;
10. Verletzungen des Rechts auf einen guten Ruf.
Für jeden einzelnen der angeführten Punkte haben wir viele konkrete
Beweise, für einzelne Punkte (Recht auf Arbeit, auf Gewissensfreiheit,
auf Privateigentum, auf Erziehung und Ausbildung der Kinder) haben
wir leider sogar zu viele!
Diese ganze Gesetzlosigkeit im Verhalten gegenüber dem katholischen
Teil der Bevölkerung, zum größten Teil Kroaten (neben Ukrainern,
Slowenen, Italienern, Tschechen, Österreichern und anderen), trotz
der ausgeprägten Friedfertigkeit im Benehmen und in der Haltung
dieser Menschen führte zu starker sozialer Gefährdung und berechtigter
Unzufriedenheit. Angesichts unserer bei allen religiösen Zusammenkünften
unermüdlich vorgetragenen Ermahnungen, daß man sich christlich verhalten
müsse und zugefügtes Unrecht nicht mit gleicher Münze vergelten
dürfe, verlangen unsere Gläubigen von uns, ihren geistlichen Führern,
zunehmend Hilfe und Schulz. Da den politischen Strukturen des kroatischen
Volkes das Handeln verwehrt ist, kommen die Menschen zum Bischof
und verlangen von ihm, daß er sich für mehr als 2.800 nachweislich
wegen Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen von der Arbeitsstelle
Entlassene einsetzt! Hinter diesen Menschen stehen, wie sie versichern,
mehr als 12.000 sozial völlig unversorgte Familienmitglieder! -
Herr Bürgermeister, an dieser schwerwiegenden Tatsache können und
dürfen Sie nicht vorbeigehen, ohne sich dafür einzusetzen, daß für
die Lage dieser bedrohten Menschen eine positive Lösung zustande
kommt!
Eine größere Zahl dieser existentiell bedrohten Menschen, Katholiken,
möchte, da sie all diese Willkürakte nicht mit Aufruhr erwidern
wollen, der (wie es scheint!) wachsenden Willkür irgendwie ausweichen,
und sie gehen ganz weg! Herr Bürgermeister, als geistliches Oberhaupt
aller Katholiken unserer Gemeinde (es sind über 30.000 Personen)
muß ich auch Sie und ebenso alle zum Schutz und zur Achtung aller
Grundrechte unserer Bürger verpflichteten behördlichen Organe unserer
Gemeinde darauf aufmerksam machen, daß das, was augenblicklich mit
den Katholiken geschieht, (bezüglich anderer bin ich zu Äußerungen
nicht befugt), eine spezifische Form von Rassismus und eine Art
Genozid ist! Die katholischen Gläubigen, die gezwungen sind, die
Orte zu verlassen, an denen sie jahrhundertelang heimisch waren,
erleben dies als eine Vertreibung der katholischen Kirche aus dieser
Stadt, einer Stadt, in der sie es, selbst in den schweren Zeiten
der osmanischen Herrschaft, immer geschafft haben, sich zu behaupten,
in der sie aufbauend, zivilisatorisch und kulturell zur Entwicklung
der ganzen Gegend beigetragen haben. Dies ist augenblicklich ganz
gewiß ein sehr schweres und ein sehr weittragendes Problem, das
positiv gelöst werden muß! Ich bin überzeugt, daß Sie persönlich
und neben Ihnen viele andere weitblickende und verantwortliche
Menschen in unserer Stadt und in der hiesigen Gegend alles tun werden,
was in ihren Kräften steht, damit der Alptraum, der die Katholiken
unserer Gemeinde niederdrückt, so bald wie möglich weicht.
Ich erlaube mir, Ihnen nur noch einige Fragen zu stellen:
- Was planen Sie bzw. was plant man für die nächste Zukunft hinsichtlich
der Katholiken (der kroatischen und der anderen Katholiken)?
- Welche Rechte gewährleistet man uns hier?
- Können Sie - als oberste Persönlichkeit unserer Gemeinde - schnellstens
ein gemeinsames Gespräch mit Vertretern der katholischen Kirche,
anderen Institutionen des kroatischen (und des ukrainischen) Volkes
und maßgeblichen Vertretern anderer verantwortlicher Institutionen
in unserer Gemeinde organisieren?
- Was wäre von ans, von mir als Bischof, von den Geistlichen, von
den Ordensbrüdern und -Schwestern und von allen anderen der katholischen
Kirche angehörenden Gläubigen noch zu tun, damit wir unsererseits
zu einer allseitig zufriedenstellenden vernünftigen Lösung der uns
alle bedrückenden aktuellen Probleme beitragen?
In der Hoffnung, daß Sie unsere Nöte, aber auch unseren aufrichtigen
Wunsch, gemeinsam mit Ihnen alle Probleme der Bevölkerung unserer
Stadt und Gemeinde zu lösen, sehr gut verstanden haben, sage ich
Ihnen meinen Dank, und ich grüße Sie, auch im Namen der vielen Menschen,
die mich bitten, sie vor Ihnen zu vertreten!
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad

STOPPEN
SIE DIE GEWALTTATEN GEGEN DIE MITGLIEDER UND DEN BESITZ DER KATHOLISCHEN
KIRCHE IN DER GEMEINDE PRNJAVOR!
Schreiben an den Bürgermeister von Prnjavor, Ing. Nemanj Vasiæ
(03. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
in letzter Zeit hatte ich in meiner Eigenschaft als Oberhaupt der
Katholiken im Bereich der Bosanska Krajina einige Treffen mit den
höchsten Repräsentanten der Zivil- und der Militärbehörden in Banja
Luka und der Bosanska Krajina. Grund dieser Treffen sind die vielen
Probleme, mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen, zugleich
aber auch unser Wunsch, als Gläubige zur Besänftigung der ausgebrochenen
Leidenschaften und zur Erhaltung des Friedens in dieser Gegend beizutragen.
Mit diesem Ziel, und in Zusammenarbeit mit anderen religiösen Gemeinschaften,
sind wir bemüht, auf einem Terrain, wo zwar der Frieden einigermaßen
halt, aber auf Schritt und Tritt große Angst und Spannung spürbar
sind, etwas auszurichten.
Ich kann - die Spitzen der Zivil- und der Militärbehörden haben
mir gegenüber diese Tatsache bestätigt - mit Befriedigung und Freude
hervorheben, daß die Katholiken in dieser Gegend niemandem irgendwelche
Probleme machen und ein Vorbild für friedliches Zusammenleben geben.
Gleiches gilt auch für die Katholiken und die im religiösen Dienst
tätigen Mitarbeiter der katholischen Kirche in Ihrer Gemeinde.
Gleichzeitig haben mir dieselben Amtsträger den Schutz der Rechte
und die Gewährleistung der Sicherheit der Gläubigen und der im religiösen
Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter und den Schutz der Gebäude
und des übrigen Besitzes der religiösen Gemeinschaften zugesichert.
Um so mehr bin ich daher über die in Ihrer Gemeinde herrschende
Gewalttätigkeit gegenüber Gläubigen, im religiösen Dienst tätigen
kirchlichen Mitarbeitern und religiösen Gebäuden bestürzt. Konkrete
Zwischenfälle jüngsten Datums sind die Zerstörung der griechisch-katholischen
Kirche in Prnjavor und der römisch-katholischen Kirche in Kula¹i,
das gewaltsame Eindringen in die Filialkirche in ©tivor und die
Beschlagnahme des Autos des römisch-katholischen Pfarrers in Prnjavor
usw.
Noch mehr erstaunt mich, daß die von Amts wegen zuständigen Ordnungsbehörden
kein Interesse zeigen, die Probleme zu lösen und die Täter zu ermitteln
und zu bestrafen. Im Falle der Zerstörung der Kirche in Kula¹i haben
die Polizisten den Pfarrer, der den Zwischenfall bei ihnen zur Anzeige
brachte, sogar bedroht(!).
Ich frage Sie: "Womit haben die Gläubigen Ihrer Gemeinde und
die dort im religiösen Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter solche
Behandlung verdient? Was können die in Angst versetzten Gläubigen
bzw. im religiösen Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter nach
diesen Zwischenfällen erwarten? Bleibt ihnen letztlich nur die Aussicht
auf physische Vernichtung oder Vertreibung? Was tun die von Amts
wegen Zuständigen zur Beruhigung dieser Menschen?"
Wir möchten gern glauben, daß die erwähnten Zwischenfälle nicht
im Sinne der von Amts wegen zuständigen Behörden sind und es sich
vielmehr um das Werk verantwortungsloser Einzeltäter oder Gruppen
handelt. Deshalb erwarten wir mit Recht, daß diese Behörden alle
erforderlichen Maßnahmen zur Ergreifung und Bestrafung der Täter
treffen und derartige Zwischenfälle mit allen möglichen legalen
Mitteln verhindern. Wenn es hier in diesem Gebiet jemals zu einem
Rechtsstaat kommt, und es muß dazu kommen, müssen seine Fundamente
jetzt gelegt werden. Eine derartige Anarchie liegt nicht im Interesse
irgendeines Volkes.
Als verantwortungsvolle Persönlichkeit muß Ihnen gegenüber nicht
betont werden, welche ungeheuren negativen Folgen solche Geschehnisse
für ein zukünftiges Miteinander haben können. Ein Miteinander aber
ist unverzichtbar.
Deshalb richte ich an Sie, und über Sie an alle übrigen verantwortlichen
Behörden in Ihrer Gemeinde, diesen Appell, wobei ich von Ihnen konkretes
Handeln und Ihrer Stellung entsprechende Maßnahmen erwarte. Wir
sind überzeugt, daß Sie bereit und in der Lage sind, es mit den
Problemen der Menschen, die Ihnen anvertraut sind und für die Sie
Verantwortung tragen, aufzunehmen.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- CSB - Banja Luka
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad,
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

ZWANGSAUSSIEDLUNG
VON KATHOLIKEN DER PFARREI DOLINA DURCH DIE GEMEINDEBEHÖRDEN
Schreiben an den Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a
Iva¹tanin
(Prot. Nr. 566/92 vom 07. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
ich habe die dienstliche Mitteilung erhalten, daß am 05. August
1992 in der Pfarrei Dolina eine größere Gruppe Militärpolizisten
der Territorialverteidigungskräfte von Bosanska Gradi¹ka durch
alle drei Dörfer der genannten Pfarrei - Gornja Dolina, Donja Dolina
und Novo Selo - die Runde gemacht und der Bevölkerung ein Ultimatum
gestellt hat, welches besagt, daß sie diese Gegend unverzüglich,
spätestens jedoch bis zum 01. September d. J., verlassen müsse und
daß dieses Gebiet ethnisch rein zu bleiben habe. Man sagte den Menschen,
daß man sie, falls sie diese Gelegenheit, die Sava lebend auf der
Brücke zu überqueren, nicht nutzen, alle in den Fluß treiben werde.
Einigen Leuten wurde die Anordnung erteilt, ein Verzeichnis der
Haushalte zu erstellen und die Aussiedlung zu organisieren.
In der vorgenannten Mitteilung heißt es noch, daß man für den Fall,
daß nicht unverzüglich etwas unternommen wird, davon ausgehe, daß
den Menschen Schlimmstes droht. Daher wünscht man auch, daß ich
eiligst interveniere.
Da ich Sie leider nicht angetroffen habe, obwohl ein Treffen zur
Erörterung dieser Problematik vereinbart gewesen war, konnte ich
nach meinem Besuch in der Pfarrei Dolina nur mit dem Sekretär des
Gemeindeparlaments Bosanska Gradi¹ka, Herrn Du¹an Radiæ, sprechen.
Er teilte mir mit, daß bei den Gemeindeorganen von Bosanska Gradi¹ka
keinerlei gesetzliche Verfügungen vorliegen, auf deren Grundlage
irgendjemand zur Durchführung der erwähnten ungeheuerlichen Aktion
der Aussiedlung einer ganzen katholischen Pfarrei, die schon seit
mehreren Jahrhunderten an dieser Stelle existiert, legitimiert wäre.
Da ich mich persönlich davon überzeugen konnte, daß der katholischen
Bevölkerung der Pfarrei Dolina im Verlauf dieser Kriegszeit mannigfaltiges
Unrecht zugefügt worden ist, erstaunt es nicht, daß diese letzte
Drohung bei den Menschen eine derartige Beunruhigung hervorgerufen
hat. Ich erwarte daher von Ihnen, Herr Bürgermeister, daß Sie als
höchster Verantwortungsträger Ihrer Gemeinde bis Montag, den 10.
August 1992 an den öffentlichsten Stellen vor der Bevölkerung der
genannten Dörfer der Pfarrei Dolina das gestellte Ultimatum dementieren,
das sich nur als rein faschistisch und der heutigen Zeit und dieser
Breiten absolut unwürdig charakterisieren läßt und das wir und die
gesamte zivilisierte Welt niemals billigen könnten und würden.
Ich erwarte von Ihnen eine offizielle Antwort, die ich an General
Taliæ, den Kommandanten des l. Krajina-Korps, weiterleiten werde,
der mich persönlich gebeten hat, daß ich beruhigend auf meine Gläubigen
einwirke, wo immer dies nötig ist.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- CSB - Banja Luka,
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad.

VERHINDERN
SIE WEITERE VERBRECHEN AN SCHUTZLOSEN KATHOLIKEN IM GEBIET VON LJUBIJA
(GEMEINDE PRIJEDOR)!
Schreiben an General Momir Taliæ, den Kommandeur des 1. Krajina-Korps
(Prot. Nr. 623/92 vom 22. August 1992)
Geehrter
Herr Kommandeur,
wie Ihnen Ihr bevollmächtigter Stellvertreter, Oberst Vojinoviæ,
sicher schon nach dem am 21. August 1992 abgehaltenen Treffen, an
dem als Vertreter der Zivilbehörden aus Ljubija Herr Ðoko Taranjac
und Herr Milenko Jelisavac, ferner der Geistliche von ©urkovac,
Pfarrer Josip Bo¾iæ, und der Unterzeichner, der Bischof von Banja
Luka, teilgenommen haben, berichtet hat, sind über 500 Gläubige
der Pfarrei ©urkovac bei Ljubija zu "freiwilliger"(!)
Zwangsaussiedlung verurteilt worden.
Da Oberst Vojinoviæ Ihre ablehnende Haltung hinsichtlich jedweder
Aussiedlung, insbesondere hinsichtlich Zwangsaussiedlungen, sehr
klar darlegte, hat ihm die Abordnung aus Ljubija - ©urkovac die
Bitte vorgetragen, daß man schnellstens ein Treffen zur Erörterung
dieser sehr aktuellen Problematik mit ihren weittragenden Folgen
organisieren möge, bei dem neben Ihnen bzw. Ihrem Stellvertreter
auch Oberst Arsiæ, der Chef der Polizeibehörde Drljaèa, Bataillonskommandeur
Bilbija, Bürgermeister Dr. Stakiæ und der Kommandeur des Polizeipostens
in Ljubija, Bajiæ, sowie die beiden Vertreter der Zivilbehörden
aus Ljubija (Taranjac und Jelisavac) anwesend sein sollten.
Ich wurde gebeten, heute zu kommen und den Vertretern der bereits
für eine Aussiedlung mobilisierten Bevölkerung klarzumachen, daß
die Leute in ihren Häusern bleiben und daß die Behörden, die Zivil-
und die Militärbehörden, ihre volle Sicherheil gewährleisten werden.
Auf dem heutigen Treffen sind die beiden gestrigen Vertreter der
Zivilbehörden aus Ljubija nicht erschienen (mir wurde gesagt, daß
sie sich vor den Leuten aus den eigenen Reihen fürchten!), dafür
waren aber rd. 200 sehr verängstigte, um ihr Schicksal besorgte
Leute da. Sie übernachten schon volle drei Monate lang nicht in
ihren Häusern, weil sie von Uniformierten von irgendeiner Einheit
aus Bosanski Novi, die sieh "Suha Rebra" nennen, ständig
beschossen werden. Über 200 Häuser sind völlig ausgeplündert. Die
Menschen haben einfach nichts mehr, wovon sie leben könnten. Sie
sind wegen des an der unschuldigen Bevölkerung des benachbarten
Dorfes Bri¹evo verübten schrecklichen Massakers, bei dem einige
Dutzend Menschen, Frauen und Kinder umgekommen sind, in Panik geraten.
Noch mehr wurden sie durch die Äußerungen der Zivilbehörden vor
zwei Tagen verängstigt, bei denen es hieß: "Bis jetzt sind
wir mit euch auf diese Art umgegangen, aber demnächst kommt die
Zeit, wo die "Hunde" von der Kette gelassen werden, und
dann ist es aus mit euch. Dies ist (man denkt dabei an die Möglichkeit
der Aussiedlung!) für euch der letzte Zug! Ihr habt gesehen, was
mit Bri¹evo passiert ist!"
Diese Leute haben mir gesagt, daß es ihnen mit all den Versprechungen
reiche und daß sie niemandem mehr Glauben schenken können. Nach
dem Gespräch mit mir haben sie immerhin geäußert, von einem Umzug
Abstand nehmen 7,u wollen, jedoch unter der Bedingung, daß ihnen
eine Militäreinheit Sicherheit gibt, und zwar eine Einheit, die
unter dem Kommando von General Taliæ stehen müßte und seine Befehle
auszuführen hätte. Dies ließe sich, nebenbei bemerkt, angesichts
der gestrigen Aussage der beiden Vertreter der Zivilbehörden sowie
der gleichzeitig erklärten prinzipiellen Bereitschaft von Oberst
Vojinoviæ relativ leicht realisieren.
Ich möchte Ihnen, Herr Kommandeur, noch kürz mitteilen, daß mir
das zumindest befremdende, um nicht zu sagen arrogante Verhallen
des Bataillonkommandeurs, Herrn Bilbija, Sorge macht, der heute
mir gegenüber seltsamerweise behauptet hat, daß es in dem unter
seine Zuständigkeit fallenden Gebiet und so auch in ©urkovac keine
Probleme gebe und daß in diesem Gebiet kein einziges religiöses
Gebäude Schaden erlitten habe. Als ich ihn darauf aufmerksam machte,
daß er offenbar nicht über die Lage in dem seiner Zuständigkeit
unterstehenden Gebiet im Bilde sei, da die Situation der Bevölkerung
in der Pfarrei ©urkovac den Höhepunkt der Dramatik erreicht habe
und auch die Situation in der Pfarrei Ljubija und Stara Rijeka
ähnlich sei und ferner die Kirche und das Pfarrhaus auf dem Bri¹evo
völlig niedergebrannt und die neue Kirche in Ljubija und das neue
Pfarrhaus schon vor mehr als 20 Tagen angezündet und völlig ausgeplündert
worden seien, entgegnete er mir, daß er von all dem heute zum ersten
Male höre.(!!!) Angesichts des Verhaltens von Kommandeur Bilbija
und einigen Personen seiner unmittelbaren Umgebung ist mir in der
Tat angst, wenn ich denke, daß es vielleicht schon diese Nacht oder
in den kommenden Tagen zu Verbrechen und unheilvollen Geschehnissen
kommt, die noch entsetzlicher als die bisher geschehenen sind.
Ich bitte Sie und appelliere an Sie, Herr Kommandeur General Taliæ,
unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die zur
Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie all der
anderen von den Katholiken im Gebiet Ljubija, d.h. in den Pfarreien
©urkovac, Ljubija, Stara Rijeka und Ravska, in keiner Weise provozierten
unheilvollen Geschehnisse nötig sind.
Ich bin überzeugt, daß Sie (auch mit meiner bescheidenen Hilfe)
auch in diesem konkreten Falle unschuldige Menschen schützen und
damit zugleich eine sicherere und freudvollere gemeinsame Zukunft
für alle Einwohner des genannten Gebiets ermöglichen werden.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

SCHON
DIE FÜNFZEHNTE KATHOLISCHE KIRCHE ZERSTORT, IN EINEM GEBIET OHNE
KRIEGSHANDLUNGEN - WARUM?
Schreiben an Generalmajor M. Taliæ, den Kommandeur des 1. Krajina-Korps
(Prot. Nr. 640/92 vom 29. August 1992)
Geehrter
Herr General,
in der Nacht vom 28. auf den 29. August d. J. wurde die vor 100
Jahren erbaute römisch-katholische Pfarrkirche St. Josef in Prijedor
vermint und völlig zerstört. Der 1970 gebaute Kirchturm ist stark
beschädigt, und es besteht die Gefahr, daß er einstürzt. In der
Kirche waren künstlerische liturgische Gegenstände (Altäre, Skulpturen,
Gemälde usw.) von unschätzbarem Wert. Alles ist vollkommen vernichtet.
- Heute habe ich den Unglücksort in Begleitung der Militärpolizei
Ihres Korps aufgesucht und mich von der durch einen Akt des Vandalismus
hervorgerufenen Zerstörung dieses sehr wertvollen sakralen Gebäudes
in Prijedor sowie von dem großen Sachschaden an den Gebäuden des
Gemeindeseelsorgezentrums im Hof neben der Kirche sowie Gebäuden
der ganzen Umgebung überzeugt.
- Nach Augenzeugenberichten sind die Täter nach 22.30 Uhr gekommen.
Zuerst wollten sie die Tür zerschlagen, um in die Kirche zu gelangen.
Als der Pfarrer das Gepolter hörte, fragte er sie, wer sie seien
und was sie da machen, worauf ihm geantwortet wurde: "Mach1
dich ins Haus, Pope, sonst bringen wir dich auf der Stelle um!".
Der Pfarrer informierte sofort die Polizei, die die Meldung entgegennahm
und versprach, den gemeldeten Zwischenfall sofort zu untersuchen.
Der Pfarrer hat dann, weil niemand kam, noch dreimal die Polizei
gerufen, und schließlich erhielt er die Antwort: "Ist gut,
wir wissen schon von diesem Fall!". Die Täter hatten in der
Zwischenzeit die gläserne Wand bei der Eingangstür zerschlagen und
Sprengstoff in die Kirche gebracht. Auch die Bewohner der benachbarten
Gebäude hatten das Gepolter und die Personen, die mit zwei Autos
gekommen waren, bemerkt und die Polizei informiert. Es ist niemand
gekommen! - Auch die Diensthabenden des ein paar Dutzend Meter von
der Kirche entfernten Militärpostens wußten von den Tätern. Nach
Aussage eines dieser Diensthabenden hat einer der Vandalen zu ihnen
gesagt: "Lassen Sie uns in Ruhe, wir haben hier etwas zu erledigen!"
- Die Explosion erfolgte dann gegen 01.00 Uhr. - Der Pfarrer hat
zuvor telefonisch versucht, wenigstens die Feuerwehr zu rufen, jedoch
hat sich am Telefon niemand gemeldet!
- Ich stelle also fest, daß sowohl die Polizei als auch die Leute
vom in der Nähe der Kirche befindlichen Militärposten von der Zerstörung
unserer Kirche wußten. Die Polizei ist in jener Nacht mehrfach um
Intervention gebeten worden, hat aber nicht reagiert!
- Ich stelle auch fest, daß bis 14.00 Uhr des gleichen Tages kein
Vertreter behördlicher Organe den Pfarrer aufgesucht hat, um zu
sehen, wie es ihm und den übrigen Hausbewohnern geht, einen dienstlichen
Bericht aufzunehmen, den Unglücksort zu inspizieren und dem Pfarrer
als Hausherrn hinsichtlich der erforderlichen Schritte Anleitungen
zu geben - auch im Blick auf die Gemeindemitglieder, die wegen
der Zerstörung des wichtigsten und einzigen in der Pfarrei übriggebliebenen
religiösen Gebäudes logischerweise sehr erschreckt und beunruhigt
sind.
Ebenso stelle ich fest, daß ein bewaffneter Uniformierter, der sich
als im Namen der Stadt "zur Bewachung der Kirchenruine"
(?!) bestellte Person ausgab, vor dem Eingang ins Pfarrbüro, wo
auch ich mich zusammen mit meiner offiziellen Begleitung befand,
über den Pfarrer des Ortes lästerte und ihn mit den bösesten Schimpfworten
verunglimpfte und laut rief: "Man muß den Popen umbringen!
Ich werde den Popen umbringen!"
- Auf dem Revier der öffentlichen Sicherheitsbehörde in Prijedor
wollte mir niemand einen Kommentar zur Zerstörung der Kirche und
zur Lage hinsichtlich der Sicherheit des Pfarrers und des Hauspersonals
des Pfarrhauses geben, "weil der Genosse Chef streng verboten
hat, daß außer ihm selbst sonst irgendjemand Erklärungen gleich
welcher Art abgibt." - Als ich nach Ablauf von zwei Stunden
erneut versuchte, mit dem Chef in Kontakt zu treten, konnte ich
mit ihm nur telefonisch vom Büro des Diensthabenden aus sprechen.
Der Chef, Herr Simo Drljaèa, sagte mir in sehr unklarer Redeweise
wörtlich, "daß er sich von diesem Vandalenakt, den er verurteile,
distanziere" und "daß er im Falle der Ermordung des Pfarrers
eine Untersuchung anordnen werde" (!!).
- Am Ausgang des Reviers fragte ein bewaffneter Uniformierter, der
ebenfalls aus dem Revier gekommen war, einen zu meiner offiziellen
Begleitung gehörenden Polizisten: "Du fährst doch diesen Popen
- den Bischof?" Der Polizist antwortete: "Ich begleite
ihn in dienstlicher Eigenschaft", worauf der gleiche Uniformierte
sagte: "Warum bringst du das Miststück nicht um?!"
- Herr General, die von mir erwähnten Amtspersonen trugen die Uniform
der Polizei und des Militärs! Ich bin ehrlich betroffen, nicht so
sehr wegen der Verunglimpfung und Erniedrigung meiner Person, des
Pfarrers oder meiner Gläubigen, sondern vor allem darüber, daß
die Polizei- und die Militärbehörde, zumindest jene Vertreter derselben,
so lief gefallen sind! Ist es so, daß diese unschuldigen Menschen
tatsächlich Gewalttätern total ausgeliefert sind und daß es sogar
bei amtlichen Öffentlichen Stellen niemanden gibt, der der Gesetzlosigkeit
ein Ende setzen und sich von ihr öffentlich distanzieren würde?!
- Was bleibt mir angesichts einer solchen Anzahl zerstörter Kirchen
und anderer kirchlicher Gebäude in Prijedor, Bosanska Dubica, Bosanska
Kostajnica, Bosanski Novi, Kozarac, Donja Ravska, Bri¹evo, Bosanska
Krupa und Ljubija, ohne daß dort in der Nahe Kriegshandlungen stattgefunden
hätten, zu tun? Man hat mir gesagt, daß für die Pfarrkirchen in
©urkovac wie auch in Prijedor sogar 300 kg Sprengstoff bereitgestellt
worden sind!!?! Wird überhaupt auch nur eine unserer katholischen
Kirchen verschont bleiben? Ich gestatte mir. Sie als Kommandeur
des 1. Krajina- Korps zu fragen: "Für wen haben Sie seinerzeit
(am 23. Juni d. J.) den Befehl erlassen, daß kein einziges religiöses
Gebäude zerstört oder geschändet werden darf, wenn in meinem Bistum
- ohne daß es in diesen Gebieten Kampfhandlungen gegeben hätte(!),
nach dem Ergehen Ihres Befehls(!) nicht weniger als 15 Kirchen zerstört
bzw. völlig unbenutzbar gemacht worden
Herr General, können Sie in Absprache mit den für öffentliche Ruhe
und Ordnung zuständigen Organen irgendetwas tun, damit in unserer
Gegend die furchtbaren Gewaltakte gegen die unschuldige Bevölkerung
nicht noch mehr eskalieren? Werden sich eines Tages auch in diesem
unserem Gebiet, in dem leider anstelle des Rechts die Gesetze der
Anmaßung, Rücksichtslosigkeit Bosheit und Hinterlist und der Waffen
herrschen, schließlich erste Umrisse eines Rechtsstaats am Horizont
abzeichnen?
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Leiter des SJ- Zentrums für Bosnien, Prijedor
- die Apostolische Nuntiatur, Belgrad
- das Sekretariat der BK BiH, Sarajevo
- das Sekretariat der HBK, Zagreb

FORTGESETZTE
VERBRECHEN AN MITGLIEDERN DER KATHOLISCHEN KIRCHE IM GEBIET DER
BOSANSKA KRAJINA
Schreiben an den Kommandeur des 1. Krajina-Korps. Generalmajor Momir
Taliæ
(Prot. Nr. 650/92 vom 03. September 1992)
Geehrter
Herr General,
gemäß der mit Ihnen sowie mit Ihren Stellvertretern getroffenen
Vereinbarung gestatte ich mir wieder, Ihnen von einigen besonders
dringlichen Fällen Mitteilung zu machen, welche die Situation der
katholischen Gläubigen einiger innerhalb Ihres territorialen Zuständigkeitsbereichs
liegender Pfarren meines Bistums betreffen.
1. Bereits am 16. Juni, also vor mehr als zweieinhalb Monaten, haben
vier Bewaffnete am hellichten Tag Pfarrer Ratko Grgiæ aus dem Pfarrhaus
in Nova Topola in Richtung des Dorfes Laminci entführt. Nachbarn
aus der Umgebung haben sowohl den Wagen als auch die Leute gesehen.
Obwohl einige Hinweise vorliegen, wissen wir bis heute noch nicht,
was mit dem entführten Pfarrer geschehen ist. Man gewinnt den Eindruck,
daß die zuständigen Zivil-und Militärbehörden nicht die Absicht
haben, ihrer Aufgabe nachzukommen und den entführten Pfarrer Grgiæ
ausfindig zu machen. Ich bitte Sie, Herr General, diese schmerzliche
Tatsache erneut zur Kenntnis zu nehmen und mit einer energischen
Aktion Ihrer Organe diesen Fall aufzuklären, der diejenigen, die
bis jetzt die Obrigkeitsbefugnisse - die militärischen und die zivilen
- in dieser Gegend bzw. dieser Gemeinde besaßen, mit Schande bedeckt.
2. Was die Lage der Katholiken in der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka
betrifft, wird trotz meiner zahlreichen Interventionen bei den
örtlichen Behörden bezüglich eines Minimums an Schulz für ihre menschlichen
Grundrechte nach wie vor echte Unterdrückung betrieben, die auch
einer wenig menschenfreundlichen Obrigkeit unwürdig ist. Ich bin
überzeugt, daß Sie noch immer nicht die wahre Sachlage in Bosanska
Gradi¹ka, Nova Topola und den Dörfern der Pfarrei Dolina- Gornja
und Donja Dolina und Novo Selo - kennen, wo einige Militäreinheiten
stationiert sind und wo die Bevölkerung die Grenze ihrer Geduld
erreicht hat und von mir verlangt, daß ich sie um jeden Preis aus
jener- wie sie sagt - "Hölle" heraushole und irgendwohin
bringe. Ich bitte Sie, baldigst Ihren Vertreter dorthin zu beordern,
damit er die wahre Sachlage untersucht und die Leute beruhigt, denn
ich selbst bin dazu nicht mehr in der Lage, obwohl ich alles mir
Mögliche unternommen habe. Ebenso sollte etwas zum Schutz von Leib
und Leben der Pfarrer in Dolina und Bosanska Gradi¹ka getan werden,
denen man bereits einige Male gedroht hat, man werde ihnen "den
Kopf abschneiden, wie dem von Nova Topola"!
3. Im Gemeindegebiet von Lakta¹i befinden sich zwei unserer Pfarrkirchen,
eine in Mahovljani und eine in Bosanski Aleksandrovac. In Bosanski
Aleksandrovac befindet sich auch ein sehr altes Nonnenkloster. Obwohl
in Bosanski Aleksandrovac, an der Landstraße Banja Luka - Bosanska
Gradi¹ka (in der Nähe des Klosters und der Kirche) ein Wachposten
stationiert ist, wird häufig auf das Kloster und die Nonnen geschossen.
Zusätzlich werden die Gläubigen, die in die Kirche oder zu den
Nonnen gehen, von dem Wachposten regelmäßig schikaniert, und so
traut sich kaum noch jemand an diesen Ort. Wie lange wird dieser
abnormale Zustand noch andauern? Wird sich die Lage der Nonnen tatsächlich
so zuspitzen, daß sie unter dem Druck, der nun schon mehrere Monate
lang - seit Sommer vergangenen Jahres - anhält, ihr Kloster, eines
der bedeutendsten und ältesten in Bosnien und Herzegowina, aufgeben
müssen, wodurch die Existenz der Pfarrei Bosanski Aleksandrovac
in Frage gestellt würde?
Auf die sogenannte "italienische Kirche" in Mahovljani
wurden am 23. September 1991 drei Sprengkörper - militärischer Herkunft
- abgefeuert, die einen Schaden in Höhe von über DM 20.000,-- verursachten.
Seit jenem Zeitpunkt ist es dann bis Mitte Juli d. J., als sich
in der Nähe der Kirche Militär einrichtete, im großen und ganzen
ruhig geblieben. Einige Häuser unserer Gläubigen wurden vermint,
und einige Gläubige sind mißhandelt worden. Nach Ablauf des genannten
Zeitraums aber wurden die Kirche und das Pfarrhaus zusammen mit
dem dort befindlichen Verwalter der Diözese (um die Kirche herum
liegt auch der Landwirtschaftsbetrieb der Diözese Banja Luka) mehrfach
von Uniformierten überfallen, und darauf folgte - wegen der Abwesenheit
des Verwalters - in der letzten Zeit eine regelrechte Ausplünderung,
wobei alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggeschleppt wurde.
Und wenn man etwas nicht wegschleppte, bemühte man sich, es vollständig
zu vernichten. Die Innenausstattung der restaurierten Pfarrkirche
wurde vollständig vernichtet, sämtliche Fenster und die Fassade
wie auch das Kirchendach wurden beschädigt. Es wurden über 15 Kubikmeter
fertigen Baumaterials für die vorgesehene Erweiterung der Wirtschaftsgebäude
abtransponiert. Der Obst- und der Gemüsegarten wurden zerstört
und die Bäume wurden gefällt. - All dies ereignete sich unter den
Augen des Militärs, das alle Zufahrten zur Kirche, zum Pfarrhaus
und zu unserem Landwirtschaftsbetrieb bewachte. - Ist es möglich,
daß auch das Militär bei einer solch niederträchtigen Tat mitgewirkt
hat? Womit haben wir das verdient? Und können wir wenigstens die
wenigen übriggebliebenen kleinen Sachen mit Genehmigung der Militärbehörden
an einen sicheren Ort bringen? - Wird diese Kirche wieder das gleiche
Schicksal erleiden wie 1942, als sie zusammen mit dem Pfarrhaus
und der Pfarrschule in Brand gesteckt wurde?
4. Im Gemeindegebiet von Prijedor wurde vor einigen Tagen die Pfarrkirche
von Prijedor vollständig zerstört, davor war es die Kirche in Kozarac.
In Ljubija wurde die Kirche in Brand gesteckt, jedoch ist sie nicht
ganz ausgebrannt, das neue Gemeindeseelsorgezentrum wurde innen
zur Gänze zerstört. In Donja Ravska wurde die Filialkirche niedergebrannt.
Der tragischste Zwischenfall ereignete sich in Bri¹evo, wo, außer
rd. 100 Häusern, die Kirche und das Pfarrhaus niedergebrannt, aber
auch neunzig unschuldige Zivilisten - hauptsächlich Kinder und
ältere Menschen - umgebracht wurden, wie mir außer einigen Augenzeugen
auch Vertreter des Militärs sagten. Sowohl bei den in Bri¹evo als
auch bei den in Ljubija begangenen Verbrechen sind sicher Militäreinheiten
am Werk gewesen, was dem dortigen Bataillonskommandeur, Herrn Bilbija,
sehr wohl bekannt ist. Die katholische Bevölkerung der ganzen dortigen
Gegend ist in furchtbarer Panik, einerseits wegen all der vorerwähnten
Ereignisse und andererseits wegen der ständigen Überfälle bewaffneter
Personen und der Plünderung ihrer gesamten Habe. Die Leute verlangen
von mir, daß ich sie, gleich, in welcher Weise, aus dieser unerträglichen
Lage befreie. Ich kann das nicht bewerkstelligen, aber ich verlange
den Schutz der unschuldigen Bevölkerung durch die Militär- und
die Zivilbehörden. Gibt es irgendjemanden, der in dieser Gegend
tatsächlich diesen von Einzelnen oder von Gruppen verübten Willkürakten
wenigstens teilweise ein Ende setzen könnte? - Ist es möglich, daß
Ihr Militärkommando von all dem weiß und nichts unternimmt, obwohl
mir in der letzten Zeit auf meine mündlichen Interventionen hin
mehrmals ein Eingreifen versprochen worden ist?
5. Ähnlich, mit Vertreibung und Ermordung der katholischen Bevölkerung
und Niederbrennung ihres Besitzes, ist die Situation in der Gemeinde
Kljuè. Wer hat dort das Sagen? Gibt es eine Möglichkeit, daß auch
dort die unschuldige Bevölkerung geschützt und die unmenschliche
ethnische Säuberung verhindert wird?
Herr General, dies sind nur die allerdringlichsten Fälle, die eine
eilige Intervention Ihrerseits erfordern. Es gibt leider noch weitere
Fälle, aber davon ein anderes Mal. Ich erwarte mit Recht und mit
Hoffnung ein konkretes Einschreiten Ihrerseits, und diese Erwartung
teilen viele Tausend Katholiken meines Bistums Banja Luka mit mir.
Im voraus Dank!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

WARUM
ERGREIFEN SIE NICHT ENERGISCHERE MASSNAHMEN ZUM SCHUTZ IHRER FRIEDLIEBENDEN
KATHOLISCHEN MITBÜRGER, DER KIRCHLICHEN MITARBEITER UND GEBÄUDE
IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJNA?
Schreiben an den Chef der öffentlichen Sicherheitsorgane in Banja
Luka, Herrn Stojan ®upljanin
(Prot. Nr. 715/92 vom 11. September 1992)
Geehrter
Herr Direktor,
in meiner Eigenschaft als Bischof von Banja Luka wende ich mich
erneut an Sie, den ranghöchsten Verantwortlichen für die öffentliche
Ruhe und Ordnung im gesamten Gebiet der Bosanska Krajina, auf das
sich auch der größte Teil meines Bistums Banja Luka erstreckt.
Seit die Greuel des leider noch immer andauernden sinnlosen Krieges
auch auf unser Gebiet überzugreifen begannen, hat sich die unmittelbare
Gefahrdung von vielen katholischen Gläubigen in diesem ganzen Gebiet
verstärkt.
Sie wissen sicher sehr gut, daß die Mehrheit der Katholiken dieses
Gebiets weder Waffen noch einen Krieg wünschte und daß wir bemüht
sind, uns dem mit allen Kräften dagegenzustemmen. Dennoch wurden
viele völlig unschuldige Menschen entsetzlich mißhandelt, gequält
und schikaniert, und nach meinen Informationen wurden sogar mehr
als 150 Katholiken getötet. Dies bezieht sich besonders auf die
Gegenden von Prijedor, Kljuè, Kotor Varo¹ und Bosanska Gradi¹ka.
- Ihnen ist bekannt, daß am 16. Juni 1992, am hellichten Tage, der
Pfarrer von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, von uniformierten Bewaffneten
aus dem Pfarrhaus entführt worden ist und daß trotz all meiner Interventionen
bei den Zivil- und den Militärbehörden und selbstverständlich auch
bei Ihnen persönlich bis zur Stunde (!) weder Spuren noch Informationen
von ihm vorliegen!
- Es mußte Ihnen bekannt sein, daß mir unterstehende Geistliche:
der Pfarrer von Kotor Varo¹. Bruder Ivan Franjiæ, der Pfarrer von
Dragalovci, Hochw. Marko ©aliæ, und der Pfarrer und Dekan von Stara
Rijeka, Hochw. Ilija Arloviæ, sowie der Pfarrer von Ljubija, Hochw.
Stipo ©o¹iæ, ohne nachgewiesene Schuld für 12 bis 80 Tage in Lagern
und Gefängnissen physisch und psychisch entsetzlich mißhandelt wurden
und jetzt mehr oder weniger Invaliden bzw. Kandidaten für einen
baldigen Tod sind.
- Ihnen ist bekannt, daß die Ordensschwestern in den Klöstern Bosanski
Aleksandrovac und Nova Topola die Bevölkerung der Umgebung, mit
der sie mehr als 100 Jahre lang friedlich zusammengelebt haben,
in keiner Weise störten oder belästigten, daß aber vor einigen
Monaten trotzdem uniformierte Personen ihr Leben direkt bedroht
und in bestialischer und sadistischer Weise ihr Mütchen an ihnen
gekühlt haben, und dies trotz der ausdrücklichen Zusicherung der
Polizei, daß sie die Schwestern gemäß Befehl ihrer Vorgesetzten
bewachen werde!
- Ihnen ist bekannt, daß ohne jeden Anlaß oder Grund, denn in der
Nähe hatten keinerlei Kampfhandlungen stattgefunden, in den vergangenen
drei Monaten trotz ausdrücklichen Verbots des Kommandeurs des 1.
Krajina-Korps in meinem Bistum viele Kirchen, genauer gesagt 40%
aller Kirchen dieses Gebiets, zerstört worden sind und daß außerdem
noch mehr als 50% aller Kirchen dieses Gebiets leichter oder schwerer
beschädigt sind.
- Es mußte Ihnen auch bekannt sein, daß innerhalb Ihres Zuständigkeitsgebiets
in vielen Dörfern mit katholischer Bevölkerung bewaffnete Uniformierte
entsetzliche Plünderungen begehen (Zerstörung von zivilen Objekten,
von Häusern und Besitz...), wobei die Bevölkerung nichts hat, womit
sie sich verteidigen könnte, und meistens Hals über Kopf, wie gejagtes
Wild, die Flucht ergreift. Dies bezieht sich besonders auf die Gegend
von Prijedor, Ljubija, Kljuè, Kotor Varo¹, Bosanska Gradi¹ka und
Sanski Most.
- Es mußte Ihnen bekannt sein, daß "Amtspersonen", uniformiert
und bewaffnet, Durchsuchungen durchführen, besonders bei Gläubigen,
die mehr Kontakt zu ihrer Pfarrei haben oder Mitglieder von kirchlichen
Beiräten und Kirchenchören oder Mitarbeiter des Caritas-Dienstes
ihrer Pfarrei sind. Dabei werden diese Menschen schikaniert, und
ihre Verbundenheit mit der Kirche wird ihnen geradewegs als Straftat
angelastet, damit man sie mißhandeln und ausplündern und sogar
entführen oder umbringen kann?! - In diesem Zusammenhang möchte
ich nur den Fall des Pfarrei- und Diözesanrates Dipl.-Ing. Marijan
Vi¹tica, eines wahrhaft großen Friedensstifters aus Bosanska Gradi¹ka,
anführen, der von einigen Zivilisten (!?), augenscheinlich Polizisten,
aus einem Bus gezerrt und in unbekannter Richtung weggeführt wurde,
und es heißt, daß er sofort getötet und in die Sava geworfen worden
sei!
Interessant ist jedenfalls, darauf hinzuweisen, daß Ihre Mitarbeiter
meistens nur halb interessiert oder sogar völlig desinteressiert
waren, irgendeinen bösen Zwischenfall, wenn er angezeigt wurde,
zu lösen oder aufzuklären. Ich möchte dabei nur die Fälle der Zerstörung
der Pfarrkirchen in Prijedor und Kula¹i bzw. die Überfälle auf die
Kirchen erwähnen - die Kathedrale in Banja Luka, die Pfarrkirchen
in Mahovljani, in Nova Topola und in Ljubija...
Täglich klagen viele meiner Gläubigen, denen es gelungen ist, zu
mir zu kommen, darüber, daß sie in ihrem eigenen Zuhause nicht sicher
sind, und viele andere rufen mich an und verlangen, daß ich sie
vor den ständigen Plünderungen und der Bedrohung des öffentlichen
Lebens schütze (!). Auch wurden dieser Tage im Gebiet der Pfarreien
Ljubija und ©urkovac wieder einige Zivilisten getötet. Viele, genauer
gesagt Zehnlausende meiner Gläubigen bedrängen mich, für ihre Aussiedlung,
gleich, an welchen Ort, zu sorgen, weil die Quälereien und das Gefühl
vollständiger Ungeschütztheit so groß sind, daß diese Menschen es
psychisch nicht mehr aushallen. Auch dies bezieht sich besonders
auf die erwähnten Gegenden - Prijedor, Bosanska Gradi¹ka, Kotor
Varo¹, Kljuè, Sanski Most und Mrkonjiæ Grad und zunehmend auch Banja
Luka.
Geehrter Herr Direktor, in seiner Antwort auf eine meiner zahlreichen
Beschwerden wegen der ständigen Bedrohung von Katholiken, kirchlichen
Mitarbeitern und Gebäuden in dieser Gegend schreibt der Kommandeur
des l. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, unter anderem folgendes:
"Meiner Ansicht nach treffen die Behördenorgane leider nicht
ausreichend energische Maßnahmen. Ich bitte Sie daher, sich unter
Berufung auf mich mit Herrn Stojan ®upljanin, dem Chef der Öffentlichen
Sicherheitsorgane, in Verbindung zu setzen, damit dieser sich schnellstens
einschaltet und alles Nötige veranlaßt".
So wende ich mich also hiermit an Sie, nachdem ich - mit Hilfe der
mich begleitenden Militärpolizei - den größten Teil der erwähnten
Gegenden meines zerstörten und ausgeplünderten Bistums bereisen
und mich an Ort und Stelle von der wahren Lage überzeugen konnte!
- Ich bitte Sie, genauer gesagt ich verlange von Ihnen, daß Sie
sich persönlich oder durch Ihre bevollmächtigten Mitarbeiter über
die wahre Lage eines Teils der unter Ihre Zuständigkeit fallenden
Bevölkerung, konkret der Katholiken, informieren und effektiv für
Schutz-und Sicherheitsmaßnahmen sorgen, die gewährleisten, daß die
Menschen sich endlich vor den verschiedenen Einzelgängern oder Gruppen,
die zerstören, plündern oder löten, geschützt fühlen! Entweder
streben wir nach Gerechtigkeit und Wahrheit und bauen auf dem Zerstörten
dennoch eine sicherere und für alle Menschen in dieser Gegend würdigere
Zukunft auf, oder die Dinge bleiben anderen überlassen! Solange
wir in verantwortlicher Position und in verantwortlichen Ämtern
sind, müssen wir uns auch verantwortungsvoll verhalten - sowohl
ich als auch Sie!
Ich erwarte Ihre Antwort und konkrete Maßnahmen!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
zugestellt an:
- den Kommandeur des 1. Krajina-Korps - Banja Luka
- den Bürgermeister von Banja Luka
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

DRAMATISCHE
VERSCHLECHTERUNG DER SITUATION DER KATHOLIKEN IM GEBIET DER BOSANSKA
KRAJINA
Schreiben an Herrn Voja Kupre¹anin, den bevollmächtigten Vertreter
des Präsidenten der RS
(Prot. Nr. 1379/92 vom 15. November 1992)
Sehr
geehrter Herr Kupre¹anin,
als Antwort auf mein Schreiben vom 12. August 1992 bezüglich der
schwierigen Situation der Katholiken meines Bistums Banja Luka im
Gebiet der Bosanska Krajina hat der Präsident der "Republika
Srpska", Dr. R. Karad¾iæ, wie er mir persönlich mitteilte,
die entsprechende Möglichkeit geschaffen und Sie mit der Aufgabe
betraut, alles zutun, damit Ungerechtigkeit und Verletzungen der
menschlichen Grundrechte der unschuldigen katholischen Bevölkerung
im Gebiet der Bosanska Krajina verhindert werden. Sie haben die
Ihnen übertragene Aufgabe gewissenhaft in Angriff genommen, und
es gab positive Ergebnisse.
Leider nur für kurze Zeit!
Ich sehe mich erneut gezwungen, einen dringenden Appell an Sie zu
richten, damit die derzeitigen Behörden in diesem Gebiet tatsächlich
das tun, was sie müssen - und Sie versichern auch, daß sie es können
- damit eine weitere dramatische Verschlechterung der Lage der Katholiken
in vielen unserer Pfarreien verhindert und aufgehalten wird.
Leider muß ich sagen, daß wir als Katholiken in diesem Gebiet augenblicklich
der bisher größten Gefahr für unsere weitere Existenz ausgesetzt
sind, seit es das Bistum Banja Luka überhaupt gibt, und gewiß einer
der größten Gefahren und einer der verhängnisvollsten Aktionen,
seit die katholische Kirche überhaupt in diesem Gebiet existiert
- und sie existiert hier schon viele Jahrhunderte!
1. Die schweren mehrmonatigen Ungerechtigkeiten uns gegenüber nehmen
von Tag 7.u Tag dramatisch zu, mit folgenden Resultaten:
- Massaker und Tötung von Zivilpersonen (Sanski Most – ©krljevita,
Poljak, Kruhari, ©imiæi und Kotor Varo¹ - Ba¹æina) und auch die
Ermordung des Geistlichen in Ravska bei Ljubija, Hochw. Pfarrer
Ivan Grgiæ. Sie konnten sich persönlich von der völligen Unschuld
dieser Leute überzeugen!
- physische Mißhandlung und Verstümmelung jüngerer und älterer Menschen
und auch Kranker (Stara Rijeka, Prijedor, Sasina, Toma¹ica, Stranjani,
Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Èatrnja, Ljubija, Banja Luka, Kula¹i,
Dragalovci);
- Verminung der neuen großen Pfarrkirche in Stara Rijeka, Niederbrennung
der Pfarrkirche in Mrkonjiæ Grad, Beschuß von kirchlichen Gebäuden
in Sanski Most, Barlovci, Bud¾ak, Prnjavor, ©tivor, Ralutinac, Kula¹i,
Majdan, Kljuè, Bosanski Aleksandrovac, Trn, Èelinac aus Feuerwaffen
- wobei oft auch Menschenleben gefährdet waren;
- Inbrandsetzung von Häusern und Wirtschaftsgebäuden und Besitz
sowie die Plünderung von Besitz (Stara Rijeka, Sasina, Sanski Most,
Bri¹evo, ©urkovac, Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Kula¹i, Kotor Varo¹,
Liskovica, Kljuè, Prijedor, Bosanska Dubica, Petriæevac, Barlovci,
Nova Topola und Prnjavor).
- All dies sind leider schwerwiegende und bittere Tatsachen, sowohl
für die direkt Betroffenen und Bedrohten als auch für diejenigen,
die die sinnlose und gewalttätige Bedrohung und Zerstörung des Lebens
anderer Menschen und fremder Habe zulassen oder nicht energisch
genug verhindern. In keinem einzigen der angeführten Fälle läßt
sich auch nur die geringste Provokation, geschweige denn ein Verschulden
von unserer Seite nachweisen!
Sie, Herr Kupre¹anin, konnten sich gemeinsam mit mir persönlich
in einigen Pfarreien in der Gegend von Sanski Most, Prijedor und
Kotor Varo¹ von der Lage und der Haltung meiner Gläubigen und meiner
Priester überzeugen und auch davon, wie wenig diese Menschen fordern!
Sie persönlich wie auch die örtlichen Behörden und das Militär haben
ihnen versprochen, man werde "maximale Anstrengungen unternehmen,
damit alle Bürger dieser Gemeinden geschützt werden, gleich, welchem
Volk bzw. welcher Religion sie angehören...". Es gab einige
sehr beachtenswerte Resultate, zumindest sporadisch. Das allgemeine
Resultat ist leider negativ, nachgerade entsetzlich, und die Folge
ist eine Massenflucht meiner Gläubigen, insbesondere aus der Gegend
von Sanski Most und Prijedor, die wenigstens das nackte Leben retten
wollen.
2. Zusätzliche Unruhe und gerechtfertigte Besorgnis hinsichtlich
der nackten Existenz brachte für die Katholiken der gesamten Bosanska
Krajina, vor allem Angehörige der kroatischen Volksgruppe, aber
auch anderer Völker (kleinerer nationaler Gruppen), die erneute
zwangsweise (in der Reihenfolge wohl die fünfte) Mobilmachung und
Bewaffnung, obwohl auch Ihnen und allen Zuständigen bekannt ist,
daß wir keinerlei Bewaffnung gewollt hatten, daß wir in diesem Punkt
auch jetzt eine entschiedene Haltung einnehmen und auch in Zukunft
nicht davon abweichen werden! Bei wiederholten Gesprächen mit dem
Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, sowie seinen
Vertretern, aber auch in den mit Ihnen persönlich und anderen führenden
politischen Persönlichkeiten unserer Region geführten Gesprächen
habe ich stets nur Worte des Lobes über unsere friedensstiftende
und friedliebende Haltung, sowohl gegenüber dem serbischen Brudervolk
als auch gegenüber anderen Volksgruppen und gegenüber der eigenen
kroatischen Volksgruppe, gehört. Aufgrund welcher Kriterien bzw.
welchen Mandats tyrannisieren dann, so frage ich, gewisse Staats-
oder Gemeindeorgane oder die verschiedener Unternehmen so viele
Menschen, und nicht nur die Wehrpflichtigen, sondern auch deren
nächste Verwandtschaft (die Eltern, die Ehefrauen und sogar den
Bischof!!!), weil den bisherigen Mobilmachungen nicht nachgekommen
wurde?! Man entläßt solche Menschen (sofern das nicht schon früher
geschehen ist) regelmäßig aus dem Arbeitsverhältnis, wirft sie aus
den Wohnungen und bedroht direkt ihre nackte Existenz.
3. Wegen des bisherigen monatelangen brutalen physischen und psychischen
Drucks und der Vorenthaltung und Verletzung vieler menschlicher
und bürgerlicher Grundrechte und des Rechts auf Freiheit sahen sich
- soweit wir davon Kenntnis haben - einige Zehntausend Gläubige
meines verwüsteten und niedergebrannten Bistums (mehr als ein Drittel
der Gläubigen!) gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Sie selbst haben
mir gesagt, daß die Katholiken, Kroaten und andere, in der Bosanska
Krajina während der ganzen Zeit der kriegerischen Tollheiten keinerlei
Gefahr für die Behörden der "Republika Srpska" darstellten!
Dennoch aber führt man mit uns direkt oder noch häufiger auf heimtückische
Weise und zwar mit gesteigerter Intensität ein faschistoides Programm
der ethnischen Säuberung durch - die Vertreibung von unseren jahrhundertealten
Heimstätten!
Insbesondere will mir nicht in den Kopf, daß es den derzeit verantwortlichen
Persönlichkeiten des serbischen Volkes, mit denen wir schon einige
Jahrhunderte lang zusammenleben, wie es scheint wirklich darum
geht, daß die kroatische katholische Einwohnerschaft aus diesem
Gebiet der Bosanska Krajina verschwindet, weil dies, wie formuliert
wird, "der Wille des serbischen Volkes ist"!
Trotz lobenswerter Aktionen einzelner führender Persönlichkeiten
der Zivilbehörden und des Militärs, die Schutz bringen und auch
Menschen nichtserbischer Nationalität das Leben ermöglichen sollten,
sind im allgemeinen entweder mangelnder Wille oder objektive(!)
Tatsachen zu verzeichnen, die es unmöglich machen, daß die an uns
verüble Gewalt verhindert und ihr ein Ende gesetzt wird! Glaubt
man denn wirklich, daß ein Volk, im konkreten Falle das serbische,
mit einer derart unmenschlichen Verfahrensweise - unter ausschließlicher
Anwendung des Gesetzes der Gewalt und der Intoleranz - Verständnis
und Unterstützung der übrigen zivilisierten Völker Europas und der
übrigen Welt sowie den Segen, Gedeih und Glück von Gott, unserem
gemeinsamen Schöpfer, Retter und Richter, erreichen wird?
Herr Kupre¹anin, das, was ich für mein Volk und die Gläubigen meines
Bistums verlange, wünsche ich aufrichtig auch jedem anderen Volk
und jeder anderen religiösen Gemeinschaft! Ich glaube noch immer,
daß die Forderungen meines Volkes und meiner Gläubigen an die derzeitigen
Träger der Staatsgewalt nicht erfolglos sein werden! Ein anderer
Ausgang wäre für uns verhängnisvoll, aber für Sie alle wäre er eine
Schmach und eine totale Niederlage!
Ich bete zu Gott, daß er dies nicht zulassen möge - nicht Ihnen
und nicht uns!
Ich sehe Ihrer Antwort entgegen und verbleibe hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Appell
weitergeleitet an:
- den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Pale
- den Präsidenten des Parlaments der RS, Mag. M. Kraji¹nik - Pale
- das Sekretariat der BK
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad

VERHINDERN
SIE DIE UNGESETZLICHE WEGNAHME VON KIRCHENEIGENTUM IN DER PFARREI
PRIJEDOR
Schreiben an den Bürgermeister von Prijedor, Dr. M. Stakiæ
(Prot. Nr. 2030/92 vom 23. Dezember 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
nach dem Vandalenakt der Zerstörung der katholischen Kirche in Prijedor
haben Sie mir "den Ausdruck des Bedauerns und schärfster Verurteilung
des bösen Vorfalls" übermittelt und versprochen, daß "die
Strafverfolgungsbehörden alle Maßnahmen zur Ergreifung der Täter
und zur verdienten Bestrafung derselben ergreifen werden".
Sie haben sogar Ihre Bereitschaft ausgedrückt, "nach der Wiederherstellung
des Friedens in diesem Gebiet beim Wiederaufbau der katholischen
Kirche in Prijedor zu helfen und bis dahin eine entsprechende Unterkunft
für den Pfarrer bereitzustellen".
Nach dem großen Unrecht und echten Verbrechen, das mit der völlig
grundlosen Zerstörung der Pfarrkirche, eines sehr wertvollen Bauwerks,
und der schweren Beschädigung des Pfarrhauses und des Gemeindeseelsorgezentrums
im Gebiet Ihrer Gemeinde an der Religionsgemeinschaft der Katholiken
begangen worden ist, habe ich diese Ihre menschlichen Worte sehr
ernsthaft zur Kenntnis genommen.
Bedauerlicherweise haben Ihre Worte als führende Persönlichkeit
der Gemeinde Prijedor keine konkreten positiven Aktionen gezeitigt.
Vielmehr wurde hernach, noch bevor die Gläubigen unter den Trümmern
der zerstörten Kirche befindliche wertvolle Dinge aufsammeln konnten,
außerdem noch der neue Glokkenturm zerstört. Von der Zerstörung
des Glockenturms wurde dem bischöflichen Ordinariat in Banja Luka
keinerlei schriftliche Mitteilung gemacht. Es bedarf keiner Erwähnung,
daß sich durch diesen zusätzlichen zerstörerischen Akt der ohnehin
große Schaden an der zerstörten Kirche noch erhöht hat, da in dem
neuen Turm mehrere große Glocken gehangen hatten.
Die neuesten Nachrichten, die uns aus der Pfarrei Prijedor erreichten,
werfen noch zusätzlich schlechtes Licht auf die zuständigen Gemeindeinstitutionen
und die örtlichen Behörden, was deren Haltung gegenüber der dortigen
katholischen Bevölkerung betrifft. Ohne jegliche vorhergehende Inkenntnissetzung
des römisch-katholischen Pfarrbüros in Prijedor oder des bischöflichen
Ordinariats hier in Banja Luka transportiert irgendein Unternehmen
Ihrer Stadt, trotz Mißbilligung und wachsender Unzufriedenheit des
ohnedies bereits in Panik geratenen und rechtlosen katholischen
Teils der Bevölkerung, mit angeblicher (oder tatsächlicher) Genehmigung
der örtlichen Behörden Ziegelsteine und sonstiges noch verwendbares
Material ab.
Mit diesem jüngsten, möglicherweise mit Zustimmung der offiziellen
örtlichen Obrigkeit erfolgten Verbrechen, der Plünderung von Eigentum
der katholischen Kirche, hat man zum höchsten und freudigsten Feiertag
aller Christen, nicht allein der Katholiken, sondern auch unserer
orthodoxen Bruder, zum Weihnachtsfest, einen schmählichen "Glückwunsch"
an uns Katholiken adressiert.
Wir können und wollen uns nicht mit der Tatsache abfinden, daß wir
Katholiken auch in Ihrer Stadt, wo wir mindestens genauso lange
ansässig sind wie unsere orthodoxen Brüder und wo unsere Beziehungen
untereinander stets beneidenswert gut waren, jetzt zum Verlust des
Heiligsten und Kostbarsten, das wir hatten, verurteilt sind - indem
zur Zerstörung unserer Pfarrkirche und kirchlichen Eigentums nun
auch noch unsere Freundschaft gegenüber dem serbischen Brudervolk
aufgerieben wird.
Herr Bürgermeister, ich frage Sie zum Schluß als Menschen, der sicher
bestrebt ist, human zu sein - Ist es tatsächlich möglich, daß sich
all dies mit Ihrem Wissen und Ihrer Billigung abspielt? Ist es
tatsächlich möglich, daß Sie als Bürgermeister von Prijedor nicht
einmal genügend Macht und Kompetenzen haben, um auch diese neuesten
uns zugefügten Ungerechtigkeiten zu verhindern, die der anderen
Seite mitnichten zur Ehre gereichen? Darf ich, und mit mir alle
Katholiken der Pfarrei Prijedor, trotzdem darauf hoffen, daß Ihre
zu Beginn dieses Schreibens zitierten Worte nicht nur wirkungslos
auf dem Papier stehen?
Ich erwarte zusammen mit einer großen Anzahl von Gläubigen der Pfarrei
Prijedor, die zugleich auch Ihre Mitbürger sind, von Ihnen eine
Antwort.
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Präsidenten des Parlaments der RS, Mag. M. Kraji¹nik - Pale
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der BK

DIE
PFARRKIRCHE IN KLJUÈ WURDE AUF ANORDNUNG DER BEHÖRDEN VERMINT
Schreiben an den Bürgermeister von Kljuè, Herrn Jovo Banjac
(Prot. Nr. 470/93 vom 11. Februar 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister Banjac,
trotz meiner Versuche, schriftlich oder mündlich mit Ihnen Kontakt
aufzunehmen, ist mir dies leider nicht gelungen. Dennoch gebe ich
die Hoffnung nicht auf, daß Sie als führende Persönlichkeit der
Gemeinde Kljuè die Güte haben werden, den beharrlichen Bitten des
Vertreters der katholischen Kirche Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Sie wissen sehr wohl, daß die Katholiken im Gebiet Ihrer Gemeinde
in keinem einzigen Falle irgendeinen ihrer Mitbürger behelligt,
geschweige denn bedroht haben. Dennoch sind einige Dutzend von ihnen
entweder nach und nach ermordet oder in Lager geschickt oder unter
Druck aus ihrem Zuhause verjagt worden, was Ihnen sicher ebenfalls
bekannt ist. Auf unsere wiederholte schriftliche Bitte, uns zu
erklären, warum und im Namen welcher Behörde dies getan wird, folgte
nur Schweigen, was für uns auch eine bestimmte Antwort darstellt!
Der Eindruck, der sich unvermeidlich aufdrängte, daß es sich nämlich
um eine planmäßige, äußerst unmenschliche und in der Welt im Grunde
genommen als faschistoid bekannte ethnische Säuberung handelt, wurde
durch die in der Nacht vom 01. auf den 02. Januar 1993 erfolgte
sinnlose, durch nichts gerechtfertigte und durch nichts provozierte
Inbrandsetzung der Pfarrkirche "Presvete Bogorodice Marije"
bestärkt. Alles, was nur verbrennen konnte, ist niedergebrannt.
Zuvor hatten Kinder (sicher keine katholischen!), die offenbar aufgehetzt
worden waren, mehrmals nach und nach die Scheiben der Kirchenfenster
zerschlagen, die der Pfarrer immer von neuem zu beschaffen und in
die Fenster dieses einzigen Gotteshauses in Ihrer Gemeinde einzusetzen
bemüht war.
Am 10. Februar d. J. haben einige Uniformierte, Soldaten und Polizisten,
in den Nachmittagsstunden mehrmals mit Dynamit Sprengungen vorgenommen
und den Kirchturm und die Mauern zerstört. Alles Ersuchen des Pfarrers
und von mir eingesetzten Verwalters, Hochw. F. Kre¹iæ, davon abzulassen,
sind umsonst gewesen. Nicht genug, daß niemand dem Pfarrer irgendeinen
Befehl vorgewiesen hat, aufgrund dessen ein solches Verbrechen begangen
werden sollte, der Pfarrer wurde auch noch mißhandelt! Alle seine
Bemühungen, die Zivil-und die Militärbehörden in Kljuè telefonisch
in Kenntnis zu setzen und Schutz für die von ihm vertretene Institution
zu erhallen, blieben ohne positives Resultat. Auf unsere hier von
Banja Luka aus erfolgte Intervention bei den zuständigen Zivil-
und Militärbehörden, darunter auch bei dem Vorsitzenden des IO SO
Kljuè, Herrn Tomiæ, und bei dem Vertreter des Militärs, Herrn Marjanoviæ,
war die Antwort nur Erstaunen darüber, daß ein solcher Akt des Vandalismus
geschehen konnte.
Als Bischof des Bistums Banja Luka, das 23 Gemeinden in der Bosanska
Krajina umfaßt, mußte ich zwecks Beilegung oft dramatischer, durch
die kriegerischen Auseinandersetzungen im weiteren Bereich unserer
Heimat hervorgerufener Situationen in letzter Zeit häufig mit den
örtlichen Behörden in Kontakt treten. Von meinen Gesprächspartnern,
sowohl Angehörigen der Zivil- als auch der Militärbehörden, horte
ich regelmäßig, daß die Katholiken durch ihre friedliebende Haltung
in diesem Gebiet viel dazu beigetragen haben, daß es nicht zu noch
größerem kriegerischen Unheil für alle Menschen gekommen ist. So
ist das, was leider nicht nur in Ihrer Gemeinde mit uns Katholiken
passiert ist und noch passiert, um so unbegreiflicher und schmerzlicher
für jeden von uns Katholiken und umso unmenschlicher und entwürdigender
für Sie, die derzeitige Behörde. Ich kann nicht glauben, daß an
der Spitze der Gemeinde Kljuè Leute stehen, die, wenn auch stillschweigend,
derartige unzivilisierte und unmenschliche Untaten an ihren erwiesenermaßen
unschuldigen Mitbürgern unterstützen.
Herr Bürgermeister, dürfen wir von Ihnen erwarten, daß Sie sich
öffentlich von all den abscheulichen Verbrechen, die während der
letzten Monate in Ihrer Gemeinde an Katholiken und am Besitz der
katholischen Kirche begangen wurden, distanzieren und daß Sie einen
Modus finden, um die wenigen verbliebenen, entsetzlich verängstigten,
katholischen Gläubigen und ihren Pfarrer, einen Überzeugten Anhänger
der Ökumene und Freund sowohl der orthodoxen Serben als auch aller
anderen Mitbürger, die ihn kennen, zu beruhigen? Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an
1. den Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ -
Banja Luka
2. den Direktor des CSB - Banja Luka
3. den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Pale
4. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
5. das Sekretariat der BKH - Zagreb
6. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

IMMER
HÄUFIGERE ÜBERFÄLLE AUF RELIGIÖSE GEBÄUDE UND IMMER DRAMATISCHERE
SITUATION DER KATHOLISCHEN KIRCHE IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. Predrag Radiæ
(Prot. Nr. 570/93 vom 19. Februar 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
in den letzten anderthalb Monaten waren wir Zeugen, wie sich die
Sicherheitslage in unserer Gemeinde zusehends verschlechterte. Angesichts
der immer häufiger zu beobachtenden bewaffneten Angriffe auf katholische
religiöse Gebäude in unserer Stadt und besonders der buchstäblich
allnächtlich erfolgenden bewaffneten Überfälle auf unsere Gläubigen
und der körperlichen Mißhandlungen derselben ist dies leider festzustellen.
1. Aus unseren wiederholten Gesprächen wissen Sie sehr wohl, daß
ich bis jetzt zusammen mit Geistlichen und Ordensbrüdern und -Schwestern
alles unternommen habe, damit die Angehörigen der katholischen Kirche
in unserer Gemeinde (es sind immer noch annähernd 30.000) tatsächlich
ein verläßlicher Faktor friedlichen Zusammenlebens sind und bleiben,
ein Faktor, der gerade in diesem unheilvollen Sturm kriegerischer
Ereignisse, der Bosnien und Herzegowina verwüstet, so sehr wertvoll
ist. Ich danke Gott, daß unsere Wünsche und beharrlichen Bemühungen
gute Früchte gezeitigt und die Katholiken in unserer Gemeinde keines
Menschen Leben und Besitz bedroht haben. Mehrmals habe ich sowohl
Sie persönlich als auch die Vertreter der Polizei und des Militärs
gebeten und ermutigt, für das für die Sicherheit von Leib und Leben
und die Sicherstellung der Existenz eines jeden unserer Bürger am
dringendsten Erforderliche zu sorgen. Sie alle haben mir gesagt,
daß das, was sowohl ich als auch meine Gläubigen von Ihnen erwarten,
legitim und auch realistisch sei. Sie haben mir stets aufs neue
versprochen, daß Sie bestimmt mehr Ordnung und Gesetzlichkeit in
diese Szenerie sich breitmachender Gesetzlosigkeit und Waffengewalt
bringen werden. Ich hege keinen Zweifel an Ihrer persönlichen aufrichtigen
Absicht, dies auch in die Tat umzusetzen. Die dramatische Verschlechterung
der Sicherheitslage und die immer größer werdende Unsicherheit hinsichtlich
der Zukunft für uns Katholiken in dieser Stadt veranlassen uns indessen
zwangsläufig zu dem Schluß, daß Sie, die verantwortlichen Persönlichkeiten
unserer Stadt, entweder nicht energisch genug oder wirklich zu schwach
sind, um konsequent in Ihrer humanen Bestrebung und Einstellung
zu sein.
2. Sie sind gewiß über die mehrmals (neunmal!) erfolgten bewaffneten
Angriffe auf das neue Gemeindeseelsorgezentrum in unserer Pfarrei
Bud¾ak-Dervi¹i im Bilde und wissen, daß das Leben des Pfarrers,
des seelsorgerischen Personals und einer Anzahl von Gläubigen direkt
bedroht war. Die Angreifer, durch die offensichtliche Untätigkeit
der für Ruhe und Ordnung zuständigen Organe ermutigt, haben uns
- zum großen Bedauern der Gemeindemitglieder - gezwungen, dieses
Gemeindeseelsorgezentrum bis auf weiteres für alle religiösen Aktivitäten
sowie auch für den üblichen regelmäßigen Religionsunterricht für
Kinder und Jugendliche zu schließen. Wir fragen uns berechtigterweise,
wie lange Sie und all die anderen maßgeblichen Stellen neben Ihnen
eine derart entehrende Schande wie diese durch nichts gerechtfertigte
Lahmlegung des normalen religiösen Lebens in einer unserer Pfarreien
unserer Gemeinde noch tolerieren werden?!
Sie wissen auch davon, daß sich am orthodoxen Weihnachtsfest und
am orthodoxen Neujahr eine größere Anzahl Bewaffneter mit einigen
Tausend Schüssen an unserer Kathedrale St. Bonaventura ausgetobt
hat, wobei besonders an den Verglasungen, bei denen es sich um Unikate
handelt, und am neuen Glokkenturm - beides Zierden unserer Stadt
- unschätzbarer Sachschaden entstanden ist.
Sie sind ebenfalls über den bewaffneten Überfall auf das Franziskanerkloster
Petriæevac unterrichtet, der sich zweimal wiederholte, weil nichts
Konkretes gegen die Täter, offensichtlich jeweils die gleichen,
unternommen worden ist. Nur einem wahren Gotteswunder ist es zu
verdanken, daß in dem Kloster eine der Ordensschwestern sowie einige
Klosterbrüder, auf die absichtlich gezielt wurde, nicht ums Leben
gekommen sind. Auch gestern abend ereignete sich wieder ein Bombenangriff
auf das Kloster, wobei großer Sachschaden entstanden ist.
Sie mußten auch von dem bewaffneten Überfall mit automatischen Waffen
auf die Pfarrkirche in der Martiæeva-Straße sowie von der Zerschlagung
zahlreicher Fenster des in der gleichen Straße gelegenen Nonnenklosters
der Gemeinschaft "Svetoga Vinka Paulskog" durch offensichtlich
aufgehetzte männliche und weibliche Jugendliche, deren Primitivität
und Unverschämtheit ich vor dem Gebäude dieses Klosters bei einem
dienstlichen Besuch bei den Nonnen zufällig selbst erlebte, wissen.
Die jüngsten, in dieser Woche erfolgten barbarischen Überfülle auf
das Haus der Nonnen der Gemeinschaft "Slu¾benice Bezgrje¹ne
Marije " in der Goce-Delèev-Straße 17 in Bud¾ak in den Nächten
vom 15. auf den 16. und vom 18. auf den 19. d. Mts., wobei großer
Schaden verursacht wurde, und die ebenfalls in Bud¾ak erfolgten
drei ebenso barbarischen Überfälle auf das Kloster "Novi Nazaret"
der Nonnen der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
in der V-Vitjuk-Straße 8 in den Nächten vom 16. auf den 17., vom
17. auf den 18. und vom 18. auf den 19. d. Mts. runden diese traurige
Kette von durch nichts provozierten zerstörerischen Angriffen auf
katholische religiöse Gebäude und darin befindliche und dieselben
nutzende schutzlose Menschen ab.
Sowohl Sie als auch ich sowie jene unseligen Vandalen und deren
Auftraggeber wissen sehr wohl, daß ein jeder dieser Angriffe auf
kirchliche Gebäude und Menschen der Kirche ein direkter Treffer
auf die empfindlichste Stelle, ein genau ins Herz einer religiösen
Gemeinschaft, hier der katholischen Kirche, geführter Hieb ist.
Wenn ich meine Stimme gegen die Schändung, Zerstörung und Bedrohung
religiöser Gebäude und die Bedrohung von Menschen, gleich welcher
anderen religiösen Gemeinschaft, erhebe, gleich wo dies geschieht,
und wer die Täter sind, kann ich andererseits verständlicherweise
ebensowenig umhin, auch in diesem konkreten Falle mit offener Trauer,
jedoch mit nicht geringerer Entschiedenheit, meinen energischen
PROTEST GEGEN DIE DULDUNG DER VORGENANNTEN ÄUSSERST ROHEN UND UNZIVILIS1ERTEN
UNTATEN AN UNS KATHOLIKEN - IHREN MITBÜRGERN, auf den Weg zu bringen!
Da ich Sie als einen Menschen mit entschiedener humaner Einstellung
und hoher Geisteskultur kenne, appelliere ich erneut an Sie, sich
öffentlich von diesen Untaten zu distanzieren und sie zu verurteilen
und das verderbenbringende Tun der Ihnen - wie Sie mir selbst gesagt
haben - bekannten Verbrecher in unserer Gemeinde zu verhindern.
Ich beschwöre Sie, nicht zuzulassen, daß man auch Sie in die niederträchtigen
und äußerst unmenschlichen Intrigen hineinzieht, die leider für
diesen uns allen hier in unserem gemeinsamen Haus aufgezwungenen
irrsinnigen kriegerischen Konflikt typisch sind!
3. Noch dramatischer ist die Lage, in der sich die katholischen
Gläubigen unserer Stadt und Gemeinde momentan befinden. Dies gilt
insbesondere für einige Teile unserer Stadt: Paprikovac, die Rudarska-Straße,
die J.-Savinoviæ-Straße, Bud¾ak III, Èesma, ©argovac, Bud¾ak I und
Dervi¹i, wenngleich auch andere Teile der Stadt nicht von der Willkür
bewaffneter Gruppen, die allnächtlich in Häuser und Wohnungen unserer
Gläubigen eindringen und sie körperlich mißhandeln und ausplündern,
verschont sind. Einige Hundert unserer Familien sind, soweit mir
bisher bekannt ist, in den letzten anderthalb Monaten - sogar mitunter
mehrmals - mit Waffengewalt körperlich bedroht worden. Es dürfte
Ihnen nicht schwerfallen, zu verstehen, welch entsetzliche Panik
diese unschuldigen und völlig hilflosen Menschen ergriffen hat,
die von den von ihnen um Hilfe und Schutz gebetenen Sicherheitsbehörden
sehr oft zynisch gesagt bekommen: "Warum wartet ihr denn noch?
Warum zieht ihr nicht weg? Was sucht ihr noch hier?".
Nachdem diese beklagenswerten und ihrer Rechte völlig beraubten
Menschen jegliche Zuversicht hinsichtlich der dringende notwendigen
Schaffung einer Möglichkeit zum Schutz des nackten Lebens seitens
der politischen Kräfte ihrer Stadt verloren haben, wenden sie sich
an die Geistlichen bzw. an den Bischof und bitten und beschwören
uns, sie zu retten.
Wenn wir sie zu den zuständigen Behörden und Sicherheitsorganen
schikken, die uns gegenüber ansonsten versichern, daß jedermann
ein Recht auf Schutz habe, weigern sich diese Menschen, hinzugehen.
Sie versichern uns enttäuscht, daß alles, was mit ihnen passiert,
mit stillschweigender Billigung derer, die sie schützen müßten,
geschehe.
Ich habe bis jetzt alles in meinen Kräften Stehende getan, um die
begründetermaßen verängstigten Gemüter meiner Gläubigen zu beruhigen,
und gleichzeitig habe ich alle von Ihnen, die Sie für unser Gemeindegebiet
zuständig sind, aufmerksam gemacht und entsprechend dem, was Sie
mir gegenüber viele Male wiederholt haben, zu verhindern gebeten,
daß es zum Schlimmsten, der ethnischen Säuberung unserer Stadt und
Gemeinde, kommt.
Weil Sie es hinsichtlich des Schutzes aller Einwohner unserer Gemeinde
- also auch der Katholiken - an greifbaren Resultaten mangeln lassen,
fällt in den Augen meiner Gläubigen die "Schuld" an ihrem
vielfältigen Unglück und an der völligen Ungewißheit bezüglich ihrer
Zukunft auf mich als Bischof!
Ich frage Sie als den derzeit hochrangigsten Verantwortungsträger
in unserer Stadt und Gemeinde, hätte ich Ihrer Meinung nach tatsächlich
bereits eilig an der Spitze einer unübersehbaren Kolonne meiner
katholischen Gläubigen zu einem Marsch ohne Wiederkehr aufbrechen
sollen, von dieser unserer Geburtsstadt, die es nur einmal gibt,
und wo unsere Wurzeln mindestens so tief gehen wie bei den anderen
Völkern um uns herum, wenn nicht gar tiefer, oder sollte das jetzt
sein? - Wenn dies nicht in Betracht kommt, sagen Sie uns, können
und wollen Sie uns und all den anderen, die an Leib und Leben bedroht
in dieser Stadt leben, wirkungsvoller helfen? - Wenn auch dies nicht
in Betracht kommt, dann bitten wir Sie als Mensch, sagen Sie uns,
was wir tun sollen, um unser eigenes Leben zu retten, ohne jedoch
Ihr Leben und Ihre Würde oder das Leben und die Würde irgendeines
anderen unserer Mitbürger zu bedrohen?
4. Ihnen ist bekannt, Herr Bürgermeister, daß die Diözese Banja
Luka und ich selbst bereit sind, unserer Diözese, Ihnen und allen
Verantwortlichen in unserer Gemeinde (und in anderen Gemeinden unserer
Region) über die Caritas soviel wie nur möglich bei der Linderung
der derzeitigen großen sozialen Not behilflich zu sein. Die Caritas
hat in den letzten Monaten auch dank Ihnen viel Gutes für einige
Zehntausend Einwohner unserer Stadt und Gemeinde (selbstverständlich
nicht nur für Katholiken) tun können!
Bereits volle drei Wochen lang ist es der Caritas nicht gestattet,
dringend benötigte Lebensmittel zur Linderung des Hungers, der hier
praktisch bei vielen Familien an die Tür klopft, insbesondere bei
denjenigen, deren Ernährer aus dem Arbeitsverhältnis entlassen wurde,
heranzuholen. Während andere internationale humanitäre Organisationen
ungehindert die Güter, die sie haben, von Zagreb aus über Bosanska
Gradi¹ka in unsere Stadt und unser Gebiet bringen können, wurde
es unserer kirchlichen humanitären Organisation, die ebenfalls eine
internationale Organisation ist, verwehrt, auf dem gleichen Wege
nötige Hilfe herbeizuschaffen. Dadurch wird gleichzeitig auch die
nackte Existenz von einigen weiteren Zehntausend unserer Gläubigen
außerhalb der Gemeinde Banja Luka, um die sich unsere Caritas ebenfalls
kümmern muß, bedroht.
Ich appelliere an Sie, sich als zuständige Persönlichkeit für eine
möglichst baldige Ermöglichung der normalen Belieferung unserer
Stadt, unserer Gemeinde und der ganzen Gegend mit humanitärer Hilfe
- auch durch die Caritas unserer Diözese - zu verwenden!
5. Diese schwere und verhängnisvolle Zeit erfordert notwendigerweise
Menschen mit einem hohen Grad von Vernunft und mit großem Herzen,
die durch ihren konstruktiven und selbstlosen Einsatz vielen Zeitgenossen
das Leben retten und zuverlässige Fundamente für deren humanere
und glücklichere Zukunft schaffen. Ich halte Sie, Herr Bürgermeister
Radiæ, für einen solchen Menschen, und deshalb wende ich mich als
Bischof von Banja Luka, ah Ihr Mitbürger, freimütig und in guter
Absicht an Sie. Das habe ich auch bisher bei unseren zahlreichen
Treffen getan, meistens mündlich, im Interesse des Wohls aller und
jedes einzelnen, im Interesse der Einwohner dieser meiner Heimatstadt.
Ich bin überzeugt, daß auch das, was ich hier schriftlich zum Ausdruck
bringe, nicht ohne eine positive und etwas bewirkende Antwort von
Ihrer Seite bleibt, auf die außer mir auch noch viele Tausend katholische
Gläubige warten, an deren Spitze ich nach Gottes Willen stehe.
Ich danke Ihnen daher im voraus aufrichtig, nicht nur in meinem
eigenen, sondern auch besonders im Namen aller Mitglieder der katholischen
Kirche dieser Gemeinde, der Sie vorstehen!
Ich verbleibe hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
1. den Präsidenten der RS – Sarajevo - Pale
2. den Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ -
Banja Luka
3. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
4. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
5. das Sekretariat der HBK - Zagreb

VERMINUNG
UND ZERSTÖRUNG DER PFARRKIRCHE HERZ JESU IN DER PFARREI ©URKOVAC
BEI LJUBIJA UND WEITERHIN DRAMATISCHE SITUATION DER KATHOLIKEN IM
GEMEINDEGEBIET VON PRIJEDOR
Schreiben an den Bürgermeister von Prijedor, Herrn Du¹ko Kurnoga
(Prot. Nr. 684/93 vom 06. März 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
am Mittwoch, dem 03. d. Mts., kurz nach 04.00 Uhr morgens hat eine
starke Explosion beide Türme und einen großen Teil des Kirchengebäudes
der Pfarrkirche "Herz Jesu " in ©urkovac zerstört. Der
übriggebliebene Teil der Kirche ist in einem solchen Zustand, daß
er abgerissen werden muß, da er unbenutzbar ist und sich auch nicht
mehr instandsetzen läßt. Durch die Explosion wurde neben dem Pfarrhaus
auch das Seelsorgezentrum beschädigt, und es ist vorübergehend unbenutzbar.
Nach dem in der Vergangenheit erfolgten, mehrfachen Beschüß der
Kirche und anderer kirchlicher Gebäude aus automatischen Waffen,
der Beschädigung durch auf sie geworfene Handgranaten sowie Einbrüchen
in die Kirche und Zerschlagung aller darin befindlich gewesenen
Statuen, worüber die Ortspolizei in Ljubija regelmäßig informiert
wurde, folgte jetzt dieser jüngste, durch nichts provozierte Überfall,
der strenggenommen ein Verbrechen ist! Nachdem Urteil von Fachleuten
müssen diesmal einige Hundert (!) Kilogramm Sprengstoff verwendet
worden sein. (Dieser kann nicht nur mit Händen herbei getragen worden
sein.)
Obwohl der Pfarrer, die Gemeindemitglieder und ich persönlich die
zuständigen Behörden in Ljubija und Prijedor mehrfach gebeten hatten,
der Schändung religiöser Gebäude und der seil Monaten andauernden
ständigen Bedrohung der unschuldigen und schutzlosen Bevölkerung
in ©urkovac und den umliegenden Dörfern ein Ende zu setzen und
einen Schulz, vor unverschämten bewaffneten Gruppen zu schaffen,
indem man in dieser Gegend einen Polizeiposten bzw. Kontrollpunkt
einrichtet, wurde nichts unternommen, um dies auch zu verwirklichen.
Wir alle fragen uns; Was muß noch passieren, damit man anfängt,
mehr Ordnung, Gesetzlichkeit und Schutz für das Leben und die Habe
der Menschen zu schaffen?
Ihnen ist sicher bekannt, daß im Gemeindegebiet von Prijedor weitere
katholische kirchliche Gebäude zerstört, niedergebrannt und beschädigt
worden sind: in Prijedor, Donja Ravska, Bri¹evo, Ovanjska, Ljubija
und Kozarac, und daß man sogar einen Geistlichen, Hochw. Ivan Grgiæ
- den die örtlichen Behörden mir gegenüber besonders lobten (!)
- hinterhältig ermordet hat. Mehrere Dörfer wurden niedergebrannt
und geplündert, und viele Menschen sind geflüchtet bzw. haben
unter Zwang ihr Heim verlassen müssen.
Ohne daß unsere Gläubigen dazu auch nur den geringsten Anlaß gegeben
hätten - was mir die zuständigen Vertreter der Behörden und des
Militärs in dieser Gegend versichert haben - hat man ihnen großen
materiellen und noch größeren seelischen Schaden zugefügt. Das Vertrauen
sowie viele Freundschaften unter Nachbarn - und sogar unter Verwandten
- sind zerbrochen!
Es ist mehr als klar, daß wir alle genug des Unheils und des Bösen
erlebt haben und daß alle Menschen dieser Gegend inständig nach
Frieden und einem friedlichen Leben in Freiheit auf der Basis der
Gesetze rufen.
So wie ich mehrmals Ihre Vorgänger - Angehörige der Behörden der
Gemeinde Prijedor und der Region Ljubija - gebeten habe, bitte
ich hiermit Sie, Herr Bürgermeister: Tun Sie als derzeit oberste
zuständige Persönlichkeit alles, damit Frieden. Ordnung, Gesetzlichkeit
und ein sicheres Lebens wieder in alle Teile Ihrer Gemeinde einziehen!
Seien Sie versichert, daß auch die Angehörigen der katholischen
Kirche Sie bei jeder dem Wohl aller Mitbürger dienenden noblen Aktion
unterstützen werden! Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
1. den Direktor des CSB - Banja Luka
2. den Präsidenten der RS - Sarajevo-Pale
3. das Oberkommando des 1. Krajina-Korps - Banja Luka
4. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
5. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
6. das Sekretariat der HBK - Zagreb

immer
häufigere erpressungen und drohungen, den bischof zu ermorden und
zu liquidieren
Schreiben an die Vertreter der Zivil-
und der Militärbehörden in der Gemeinde Banja Luka und in der RS
(Prot. Nr. Präs. 27/93 vom 12. März 1993)
Geehrte
Empfänger dieses Schreibens,
Es ist meine Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß die Erpressungsversuche
und die Drohungen, mich zu ermorden und zu liquidieren, die mich
bereits mehrmals erreichten, in der letzten Zeit noch häufiger
und unverschämter geworden sind.
Ich halte sie nicht für harmlos!
Ich halte mein Leben nicht für wertvoller als das meiner vielen
Gläubigen und der anderen unschuldigen Menschen in unserer Stadt
und unserer Gegend, die man liquidieren will. Ich möchte mit ihnen
allen zusammen unsere jetzige Lage teilen, die leider, wie Sie wissen
müßten, trotz aller noblen und lobenswerten Bemühungen dadurch gekennzeichnet
ist, daß Gesetzlosigkeit, Betrug, Erpressung, Mord und das Böse
in vielen verschiedenen Varianten die Oberhand haben.
Möge Gott uns beistehen, und möge er die auf den Weg des Bösen Geratenen
zur Umkehr veranlassen und vor der ewigen Verdammnis retten!
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
den Direktor des SJB, V. Tutu¹
den Direktor des CSB, S. ®upljanin
den Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ
den Präsidenten des Parlaments der RS, Mag. M. Kraji¹nik
den Ministerpräsidenten der RS, Dr. V. Lukiæ

DER
JÜNGSTE BEWAFFNETE ÜBERFALL AUF DIE TOCHTERKIRCHE IN DER ZU BANJA
LUKA GEHÖRENDEN SIEDLUNG NOVAKOVIÆI - PFARREI PETRIÆEVAC
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka. Mag, P. Radiæ
(Prot. Nr. 1071/93 vom 07. Mai 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
mit Schreiben Nr. 2631/93 vom 07. Mai d. J- unterrichtet das römischkatholische
Pfarrbüro Petriæevac unser Bischöfliches Ordinariat über die neuesten
Überfälle und die Schändung religiöser Gebäude auf dem Gebiet dieser
Pfarrei bzw. unserer Gemeinde Banja Luka.
Auf die Tochterkirche "Srca Isusova i Marijina" in der
Siedlung Novakoviæi wurde (neben früher erfolgten Schändungen, über
die ich Sie persönlich in unserem Gespräch vom 19, Februar d. J.
in Kenntnis gesetzt, hatte) in der Nacht vom 05. Mai d. J. zwischen
22.00 und 23.00 Uhr ein bewaffneter Überfall verübt, bei dem eine
Mauer der Kirche zerstört wurde. Am 07. Mai d. J. um 00.45 Uhr erfolgte
ein erneuter Überfall mit einem Sprengkörper.
Beide Male ist großer Sachschaden verursacht worden.
Beide Male wurde auch der Polizeiposten in Bud¾ak informiert. Bisher
hat man uns nicht mitgeteilt, daß die Polizei im Zusammenhang mit
diesem Zwischenfall eine Ortsbesichtigung durchgeführt hat. Da für
den kommenden Sonntag, den 09. Mai d. J. (den Hl. Ostersonntag)
der reguläre jährliche Besuch und die Liturgie des Bischofs von
Banja Luka in dieser Siedlung vorgesehen ist, sind die bei allen
katholischen Gläubigen (aber auch bei anderen Menschen) herrschenden
Gefühle großer Enttäuschung, Beunruhigung und Verbitterung wegen
solcher durch nichts provozierter und mitten unter ihnen erfolgter
abscheulicher Überfälle auf katholische religiöse Gebäude dieser
Gegend unserer Gemeinde verständlich.
Während ich Ihnen über diesen peinlichen Vorfall berichte, bitte
ich Sie gleichzeitig, entsprechend Ihren Vollmachten und Möglichkeiten
die Urheber dieser Untaten (die der benachbarten Bevölkerung bekannt
sind) aufzuhalten und sie an ihren wirklich unmenschlichen Vorhaben
zu hindern. Ein solches energisches Vorgehen von Ihrer Seite nützt
sicher der Sache des Friedens, den wir so dringend brauchen, und
dem ersehnten gemeinschaftlichen Leben in unserer Gemeinde, für
das wir, die Mitglieder der katholischen Kirche in diesem Gebiet,
uns, wie Sie wissen, aufrichtig einsetzen.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
Übermittelt an:
1. den Vize-Ministerpräsidenten der RS, Dr. V. Popoviæ - Banja Luka
2. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
3. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
4. das Sekretariat der HBK - Zagreb

WIE
LANGE SOLL DIE SCHWERE UND UNGEWISSE LAGE DER KATHOLISCHEN GLÄUBIGEN
IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA NOCH ANDAUERN?!
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 1458/93 vom 07. Oktober 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
mit großer Sorge und großem Kummer sehe ich mich genötigt, Sie wieder
auf die neuesten in Ihrem Zuständigkeitsbereich, d.h. in der Gemeinde
Banja Luka, zu verzeichnenden bösen Ereignisse, die die zu meinem
Bistum gehörenden Katholiken durchstehen müssen, aufmerksam zu
machen. In letzter Zeit ist leider eine steigende Tendenz zu verschiedenen
Formen der Druckausübung gegenüber meinen Gläubigen zu bemerken,
und es geht nicht an, daß ich mich angesichts ihrer Hilferufe, die
ich tagtäglich anhören muß, so verhalte, als sei ich blind und taub.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis und darauf, daß Sie alles in Ihrer
Macht Stehende tun werden, damit mit all den Gesetzesbrechern aufgeräumt
wird, mit Leuten, die vor überhaupt nichts und nicht einmal vor
abscheulichsten Morden zurückschrecken.
Was ich Ihnen hier vortrage, ist nur ein Teil dessen, was meine
schutzlosen Gläubigen - ohne dazu auch nur den geringsten Anlaß
zu geben - Tag für Tag durchmachen.
MORDE
UND VERWUNDUNGEN
l. Die zur Pfarrgemeinde "Pohoda Bla¾ene Djevice Marije"
in Banja Luka gehörende JANJA DOMAZET (Jahrgang 1922) ist am 26.
September d. J. auf einem Acker unterhalb ihres Hauses in der Du¹an-und-Vlado-Kopanj-Straße
Nr. 46 mit durchschnittener Kehle aufgefunden worden (ärztlicher
Befund: "Sectio colli"). Ihr Körper wies keine Schußwunden
auf. Es wurden Spuren von drei Angreifern gefunden.
Vor etwa zwei oder drei Monaten war die Ermordete schon einmal überfallen
worden. Damals war ein "Reservist" an ihr Haus, in dem
sie mit ihrer Tochter lebte, gekommen und hatte versucht, mit dem
Gewehrkolben die Tür einzuschlagen. Als sie öffnete, hatte er geschossen
und ihr die Hand verletzt. Leider war es nicht dabei geblieben.
Es war mit Herausforderungen und verbalen Drohungen, besonders
seitens neu zugezogener Nachbarn, Serben aus Kroatien, weitergegangen.
Es handelte sich also um eine systematische Mißhandlung, der schließlich
ein entsetzliches Verbrechen folgte.
2. Am Samstag, den 02.Oktober d. J. zwischen 19.00 und 20.00 Uhr
wurde in der Pfarrei Barlovci, im Dorf Ramiæi, die gesamte Familie
MALÈEVIÆ, der Hausherr TOMISLAV (Jahrgang 1928), seine Ehefrau ZORA
geb. Lipovac (Jahrgang 1934) und ihrer beider Sohn MARIN (Jahrgang
1978), erschossen.
Mit dem Tode dieser Familie hat sich die Anzahl der ermordeten Katholiken
in dieser Pfarrei auf 14 erhöht, ohne daß es kriegerische Ereignisse
und Kämpfe gegeben hätte!
3. Ebenfalls im Dorf Ramiæi ist in der Nacht vom 30. September auf
den 01. Oktober d. J. das Haus von Pero Lipovac mit einer Feuerwaffe
angegriffen worden. In das Zimmer, in dem er schlief, wurde eine
Handgranate geworfen, wodurch er schwere Verletzungen erlitt.
4. Niko BLAZEVIC Pepin aus Kuljani (Pfarrei Barlovci) ist in der
Nacht vom 04. auf den 05. Oktober d. J. zusammengeschlagen worden
und schwebt noch immer in Lebensgefahr.
MISSHANDLUNGEN
Beinahe täglich erreichen mich Wehklagen mißhandelter Menschen.
Die Gründe sind unterschiedlicher Art - Raub von Geld und anderen
Wertsachen, Erpressungen und Drohungen, damit man so schnell wie
möglich wegzieht...
Jeder derartige Fall gibt den Katholiken das Gefühl, schutzlos und
in dieser Stadt unerwünscht zu sein. An wen soll man sich wenden,
damit etwas bewirkt wird?
VERTREIBUNG
AUS WOHNUNGEN
Leider geht die Vertreibung aus Wohnungen (und sogar aus den eigenen
Häusern), wo die Betroffenen jähre- und sogar jahrzehntelang ihr
Heim hatten, weiter. Alles beginnt mit Drohungen und Erpressungen
durch bewaffnete Personen, gefolgt von einer Verfügung, die die
sofortige Vertreibung aus der Wohnung enthält, in den meisten Fällen
unangemessen oder unmöglich. Ein Einspruch schiebt in der Regel
die Durchführung nicht auf!
Dieses äußerst unmenschliche Vorgehen ist, wie Sie wissen, in unserer
Stadt zur Regel geworden. Die verbliebenen Katholiken bestürmen
mich täglich mit der bangen Frage: "Werden auch wir gehen
müssen, und wohin sollen wir gehen, Herr Bischof?"
VERBRENNEN
VON HEU, RAUB, FÄLLEN VON PRIVATWALD
In Ramiæi, Kuljani und Barlovci (Pfarrei Barlovci) ist es schon
üblich geworden, das mühsam zusammengetragene Heu von Katholiken,
das dieses Jahr ohnedies nur in sehr geringer Menge angefallen ist,
anzuzünden.
Im oberen Teil des Dorfes Mato¹evci (Pfarrei Barlovci) wurden Plünderung
und Raub bereits zur gewohnten Erscheinung. Alles wird geplündert
und geraubt, vor allem Schafe und Lämmer. Dasselbe geschieht auch
im Dorf und in der Pfarrei Stratinska, wo ganze Familien mit Gewalt
zur Auswanderung gezwungen wurden!
In einzelnen Dörfern (z. B. in Prijeèani - Pfarrei Trapisti) lallen
Bewaffnete ohne jedwede Kriterien private Bäume von Katholiken,
mit der Begründung, daß dies ohnehin "Ustascha-Wälder"
seien.
ENTLASSUNGEN
AUS DEM ARE E1TSVERHÄLTNIS
Bei der verschwindend kleinen Anzahl von Katholiken, die noch in
einem Beschäftigungsverhältnis in Betrieben, Schulen und anderen
Einrichtungen unserer Stadt stehen, erfolgen in letzter Zeit Entlassungen,
zumeist ohne irgendeine Begründung oder diese treffen nachträglich
ein. Die Entscheidungen ergehen unter Ausschluß des Einspruchsrechts.
Bei Formulierungen der Art, daß jemand "wegen negativer Beeinflussung
der Arbeitnehmer..." entlassen werde, werden keinerlei Gründe
angegeben.
Herr Bürgermeister, ich habe bereits gesagt, daß dies nur ein Teil
dessen ist, was meine Gläubigen durchmachen und weswegen sie sich
täglich mit ihren Klagen an mich wenden, weil es, wie sie sagen,
niemand anderen gibt!
Zusammen mit diesen Menschen warte auch ich darauf, daß Sie und
alle sonstigen Vertreter der Obrigkeit in unserer Gemeinde sowie
auch sämtliche höchsten Verwaltungsorgane der "Republika Srpska"
endlich mit stärkeren Bemühungen beginnen, die Versprechungen hinsichtlich
der Wahrung der menschlichen Grundrechte einer Minderheit zu erfüllen,
was Sie mir gegenüber und in den letzten Tagen auch gegenüber höchsten
Würdenträgern der katholischen Kirche und hochrangigen Vertretern
des kroatischen Volkes mehrere Male versichert haben. Ich bin überzeugt,
daß es Ihnen als an der Spitze unserer Stadt und Gemeinde stehender
Persönlichkeit nicht gleichgültig ist und sein kann, unter welchen
Bedingungen Ihre katholischen Mitbürger leben und welche Zukunft
sie in dieser Gemeinde, wo sie jahrhundertelang ihr Heim hatten,
erwartet! Diese Menschen haben sich, wie Sie wissen, bis jetzt
ausschließlich als Friedensstifter erwiesen. Ist dies etwa etwas
Negatives? Warum wird diese ihre Haltung mit Gewaltanwendung und
Akten der Gesetzlosigkeit bestraft? Wir wünschen friedlichere und
jedem redlichen Menschen in der Stadt und der Gemeinde entsprechende
zukünftige Tage!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
1. den Ministerpräsidenten der RS, Dr. V. Lukiæ - Sarajevo-Pale
2. den Vizeministerpräsidenten der RS, Dr. V. Popoviæ - Banja Luka
3. den Justizminister der RS, Herrn J. Rosiæ - Banja Luka
4. den Stellvertretenden Religionsministers RS, Herrn J. Turanjanin
- Banja Luka
5. die obersten Behörden von HR HB - Mostar
6. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
7. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
8. das Sekretariat der HBK - Zagreb

DIE
JÜNGSTEN MORDE UND ÜBERFÄLLE AUF MITARBEITER UND BESITZ DER KATHOLISCHEN
GLAUBENSGEMEINSCHAFT IM GEBIET DER GEMEINDEN BANJA LUKA UND LAKTA©I
Schreiten an den Chef des Polizeipräsidiums Banja Luka, Herrn Peæanac
(Prot. Nr. 508/94 vom 29. September 1994)
Geehrte
Empfänger dieses Schreibens,
nach den vor kurzem mit Ihnen und Herrn Minister ®. Rakiæ geführten
Gesprächen versicherten Sie mir, daß Sie alle erforderlichen Maßnahmen
ergreifen werden, um die in Ihrem Zuständigkeitsbereich ansässigen
Katholiken (Kroaten und andere) weitestmöglich vor Überfällen auf
Leib und Besitz zu schützen.
Ihre Worte waren in der Tat tröstlich, insbesondere weil hier früher
derartige Äußerungen aus dem Munde von Vertretern der Behörden
nicht m hören waren. Allerdings widersprechen die jüngsten bösen
Zwischenfälle im Gemeindegebiet von Banja Luka und Lakta¹i, von
denen Sie schon hätten wissen müssen, in krasser Weise Ihren Worten
und Versprechungen. Ich persönlich glaube, daß Ihnen dies nicht
gleichgültig sein kann.
Nach einem Arbeitstreffen mit Herrn Minister Rakiæ am 28. September
1994 wurde ich ausdrücklich gebeten. Ihnen schriftlich alle relevanten
Einzelheiten über die jüngsten Zwischenfälle und die Bedrohung
des Besitzes, des Lebens und der weiteren menschlichen Grundrechte
der hiesigen Katholiken zu übermitteln. Das will ich auch baldigst
tun.
Heute möchte ich zunächst nur meine liefe Besorgnis und meinen energischen
Protest angesichts dreier besonders tragischer Ereignisse ausdrücken,
die unsere Gläubigen sehr beunruhigt haben, insbesondere in den
Kirchengemeinden: Barlovci, Ivanjska und Trn. So ist vorgestern,
am 27. September 1994, in Barlovci das dortige Gemeindemitglied
Ivo Æorkoviæ bestattet worden, der auf der Zwangsarbeit ermordet
wurde. Gestern, am 28. September 1994, ist in Ivanjska das dortige
Gemeindemitglied Petar Josipoviæ, der ebenfalls auf der Zwangsarbeit
ermordet wurde, beerdigt worden. In der Nacht vom 28. auf den 29.
September 1994 wurde das Gemeindeseelsorgezentrum in Trn zum 34.
Male überfallen und in Brand gesteckt! Der Pfarrer und die Nonnen
sind Gott sei Dank gerettet. In der gleichen Nacht wurde in Trn
das Haus von Ivica Tomiæ in der M.-Pijade-Straße zerstört und ein
bewaffneter Überfall auf das Haus von Joso Lukenda in der Kozarska-Straße
verübt. Auch das Haus von Janja Majkl, einer betagten Frau im zur
Kirchen gemeinde Trn gehörenden Dorf Jablan, wurde überfallen.
Alle erforderlichen Angaben zu diesen bösen Ereignissen, insbesondere
in der Pfarrei Trn, liegen, soweit mir bekannt ist, bei den Mitarbeitern
des Polizeipostens in Lakta¹i vor, die vor Ort gewesen sind. Die
Täter sind diesen sicher bekannt.
Wir erwarten, daß Sie weitere Verbrechen an unschuldigen Zivilisten
in unserer Region verhindern und der verängstigten und bedrohten
Bevölkerung die Ruhe, die sie braucht, wiedergeben, indem Sie veranlassen,
daß die Schuldigen vor Gericht gebracht und bestraft werden.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- ®. Rakiæ, Innenminister - Pale
- J. Turanjanin, Stellvertretender Religionsminister - Banja Luka

WEIHNACHTLICHE
"JAGD" AUF DIE MÄNNER - KATHOLIKEN
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 717a/94 vom 28. Dezember 1994)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
ich weiß nicht, ob Sie, was bereits der Fall sein müßte, über die
jüngsten Verbrechen im Bilde sind, die an unschuldigen Zivilisten,
zu unserer Gemeinde Banja Luka gehörenden Katholiken, verübt worden
sind. Daher richte ich vorsorglich dieses Schreiben an Sie.
Die Untaten geschahen am katholischen Weihnachtsfest, dem 25. d.
Mts. im Dorf Barlovci. Die Menschen, die sich anschickten, zur Weihnachtsmesse
in die dortige Pfarrkirche zu gehen, wurden vor der Kirche von fünf
bewaffneten Uniformierten erwartet Unter den Uniformierten wurden
auch die Männer wiedererkannt, die vor kurzem als Amtspersonen
zwecks Aufklärung von Morden an dort ansässig gewesenen katholischen
Zivilisten im Gebiet derselben Pfarrei erschienen waren. Während
sie die Frauen und Kinder passieren ließen, nahmen sie die Männer
sofort fest. Einige sind (wie V. L.) gleich an Ort und Stelle, vor
der Kirche und den Augen der Gläubigen, verprügelt und schwer verletzt
worden. Die anderen (derer 23), darunter auch drei Minderjährige,
wurden zuerst in das Cafe "Page" in der Nähe der Militärkaserne
in Zalu¾ani, dann in das Polizeirevier Bud¾ak, danach in das "Kleine
Lager" und schließlich in die Räume des Verteidigungsministeriums,
Abteilung Banja Luka, gebracht.
Die meisten der abgeführten Männer waren zwei Tage vor Weihnachten
von Manjaèa, wo sie sonst Zwangsarbeit leisten müssen, zum Urlaub
gekommen. Sie alle sind leider in den genannten Räumen körperlich
schwer mißhandelt und am Kopf, am Brustkorb, im Lendenbereich und
an den unteren Extremitäten verletzt worden. Es besteht die berechtigte
Befürchtung, daß die meisten dieser Männer für immer Invaliden
sein werden!
Wie ich erfahren habe, hat man fast alle Männer nach der Tortur
nach Hause entlassen, mit der Auflage, sich wieder beim Verteidigungsministerium,
Abteilung Banja Luka, "zum Wehrdienst" zu melden, und
zwar bereits am 26. Dezember d. J. (?!). Die Männer befinden sich
jedoch alle in einem derart schlechten Gesundheitszustand, daß sie
sich nicht einmal bewegen können!
Über den psychischen Zustand der Männer und den Zustand, in dem
sich die ihnen Nahestehenden - Ehern, Ehefrauen und Kinder - befanden,
braucht man keine Worte zu verlieren, da man sich vorstellen kann,
daß er furchtbar war bzw. ist.
Die Menschen der ganzen dortigen von Katholiken bewohnten Gegend
sind in der Tat darüber bestürzt, wie bewaffnete Gruppen an Zivilisten,
die niemandem etwas zuleide getan haben, in sadistischer Weise
ihr Mütchen kühlen. Besonders betroffen macht die Tatsache, daß
dies vor den Augen der Vertreter der Behörden und des Militärs und
in Amtsräumen unserer Stadt geschieht.
Wir stellen sowohl uns selbst als auch Ihnen die Frage, wie es sein
kann, daß derartiges in unserer Stadt passiert - wo, wie wir glauben,
die örtlichen Behörden einen umfassenden Überblick und die volle
Kontrolle über das Geschehen haben? Wie ist es mit dem Schutz der
menschlichen Grundrechte unserer Bürger, der gesetzlich festgelegten
Unantastbarkeit ihrer Person und ihres Lebens? Was haben die Behörden
in unserer Gemeinde mit ihren katholischen Bürgern, alteingesessenen
Menschen, tatsächlich im Sinn, wenn sie ihnen zu Weihnachten, zum
fröhlichsten christlichen Fest, solche "Glückwünsche"
schikken? Ähnliches wird uns für diese Stadt und diese Gegend nicht
einmal aus der Zeit der wildesten Katholiken Verfolgungen vermeldet!
Ist uns denn nicht schon viel zu viel an Bösem und Verbrecherischem
angetan worden, als daß damit auch weiterhin vor den Augen der derzeitigen
Obrigkeit (oder vielleicht im Namen derselben?) fortgefahren werden
müßte? Was ist mit den feierlichen Versprechungen der führenden
politischen Persönlichkeiten der RS bezüglich des Schutzes der menschlichen
Grundrechte, also auch des Rechtes auf Leben, aller Einwohner dieses
Gebiets?
Diese und viele andere Fragen hinsichtlich der wahrhaft unerträglichen
Lebens Verhältnisse haben Ihnen bisher zahlreiche Ihrer nachgewiesenermaßen
friedliebenden katholischen Mitbürger viele Male durch mich gestellt,
und sie stellen sie auch jetzt. Werden Sie als oberste zuständige
Persönlichkeit unserer Gemeinde ihnen jemals antworten, wie es sich
für diese Menschen gehört? Bisher haben wir leider umsonst auf
seine solche Antwort gewartet! Hinsichtlich Ihrer anderen Antworten
auf die Fragen bezüglich unserer Ihnen gut vertrauten Lage, die
bereits viel zu lange andauert, können wir nur sagen - traurig,
und für Sie niederschmetternd!
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- das Innenministerium der RS - Pale
- das Verteidigungsministerium der RS - Pale
- den Premierminister der RS - Pale
- das Religionsministerium der RS - Pale
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

HÄUFIGERE
TÄTLICHE ANGRIFFE AUF KATHOLIKEN IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA
UND ANWENDUNG VON DRUCKMITTELN, UM SIE ZUR AUSWANDERUNG ZU VERANLASSEN
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 68/95 vom 04. Februar 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
über die Ihnen zur Verfügung stehenden Organe der Polizeibehörden
dürften Sie inzwischen bereits über das jüngste dramatische Anwachsen
der Unsicherheit für Leben und Besitz der übriggebliebenen Katholiken,
besonders in einigen Ortschaften der Gemeinde Banja Luka - in Mi¹in
Han, ©imiæi, Ivanjska (Potkozarje) und Dragocaj, aber auch in Zalu¾ani,
Èesma und Motike - in Kenntnis gesetzt worden sein. Unsere Gläubigen
aus den Pfarrgemeinden im Gebiet der genannten Orte kommen täglich
ganz am Ende ihrer Kräfte und ohne Schutz im Zustand großer Panik
zu mir, weil sie, wie sie sagen, sich gar nicht trauen, sich an
jemanden anderen zu wenden. Sie wissen gut, daß weder der Bischof
noch die Geistlichen über eine Polizeimacht oder eine Armee - die
sie im übrigen weder benötigen noch möchten - verfügen und daß
sie für den Schutz dieser beklagenswerten und in ihrer Existenz
bedrohten Menschen, die Tag für Tag und Nacht für Nacht der Gewalt
und der Willkür bewaffneter uniformierter Banden ausgesetzt sind,
nicht wirksam tätig werden können. Es ist für Sie jedoch leicht
einzusehen, daß wir andererseits die vielfachen an unseren unschuldigen
und schutzlosen Gläubigen, Zivilisten, begangenen Verbrechen nicht
blind und stumm hinnehmen können, da wir dann, wenn auch passiv,
an der Duldung von Handlungen, die nach den Gesetzen aller zivilisierten
Staaten Straftaten sind, beteiligt waren.
Wir haben Kenntnis von einer großen Anzahl konkreter Fälle schwerer
physischer und psychischer Bedrohung von Menschenleben, aber auch
von einer noch viel größeren Anzahl von gewaltsamen Plünderungen,
Beraubungen und widerrechtlichen Inbesitznahmen von Eigentum, die
in den vergangenen zehn Tagen täglich zu verzeichnen waren. All
diese Fälle, aber auch jene anderen, von denen wir nur gehört haben,
daß sie passiert sind und zu denen die für die öffentliche Ruhe
und Ordnung zuständigen amtlichen Organe, besonders die der Polizeikommissariate
von Bud¾ak und Ivanjska (Potkozarje) konkrete Informationen haben
müssen, sollten von Amts wegen sowohl Ihnen persönlich als auch
dem obersten Chef der Polizeibehörde und dem Chef der für die öffentliche
Sicherheit in unserer Stadt zuständigen Dienststelle bekannt sein.
Trotzdem möchte ich wenigstens einige in den letzten Tagen geschehene
entsetzliche Fälle sadistischen Austobens an älteren Menschen anführen.
I. und A. K. aus dem Dorf Abriæi, M. und R. D. aus dem Dorf Kozara,
R. R. aus Ivanjska und M. S. aus Dragoèaj, die körperlich schlimm
mißhandelt wurden, haben schwere psychische Traumen davongetragen,
die ärztliche Behandlung erforderten. Desweiteren wurde ihre Habe
geplündert und vernichtet. In den vergangenen Tagen konnte ich mich
persönlich von der Anwesenheit einiger bewaffneter "Banden"
überzeugen, die Tag und Nacht wie die Geier unsere Kirchengemeinden
Ivanjska, ©imiæi und Barlovci durchstreifen und unverschämt in die
Häuser von Katholiken eindringen und dort tun, was ihnen beliebt,
plündern und die Hausbewohner mit groben Drohungen einzuschüchtern
versuchen, um zu erreichen, daß diese schnellstens Haus und Heim
verlassen und sich auf den Weg in die völlige Ungewißheit machen,
in den meisten Fällen mit leeren Händen, so daß den Gewalttätern
ihre gesamte Habe überlassen bleibt. Eine große Anzahl unserer Leute
ist von Furcht und Panik ergriffen! Ein normaler Mensch kann nicht
umhin, sich zu fragen - ob es des Bösen, das unseren friedliebenden
Menschen bis jetzt angetan wurde, nicht schon genug sei? Wenn solche
Gesetzlosigkeiten wiederholt unter den Augen der offiziellen Stellen,
der vor Ort befindlichen Polizeidienststellen und der verantwortlichen
Organe unserer Gemeinde, die ungestört ihre Aufgaben und die gesamte
Kontrolle des Geschehens im Gebiet unserer Gemeinde wahrnehmen,
geschehen, kann man nicht umhin zu folgern, daß jene Gesetzlosen
zumindest die stillschweigende Unterstützung der Behördenorgane
der derzeitigen Obrigkeit haben. Das wurde implizieren, daß an den
schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch die derzeitige
Obrigkeit Teil hat, weil sie den Gesetzlosen nicht entgegentritt
und nicht ihre friedlichen zivilen Bürger schützt, was ihre Pflicht
wäre.
Dies raubt mir in der Tat die Fassung, und es fällt mir schwer,
es zu glauben!
Die jetzige dramatische Lage als Folge der völligen Tatenlosigkeit
der derzeitigen Obrigkeitsorgane und der Unmöglichkeit, wirksamen
Schutz gleich welcher Art von den politischen Vertretern des kroatischen
Volkes zu erhalten, ist nicht nur für uns kroatische Katholiken
in dieser Gemeinde, die wir, wie es scheint, zur Massenaussiedlung
aus unseren hiesigen jahrhundertealten Pfarrgemeinden verurteilt
sind, eine niederschmetternde Tatsache, sondern auch für die amtlichen
Vertreter des serbischen Volkes, die sich nicht an die jetzige Verfassung,
die sie selbst verabschiedet haben, geschweige denn an internationales
Recht, das jeder zivilisierte Staat zu beachten hat, halten wollen.
Herr Bürgermeister, erneut sehe ich mich wegen der derzeitigen dramatischen
Situation, in der sich unsere zu meinem Bistum gehörenden Gläubigen
dieser Gemeinde zum wer weiß wievielten Male in den letzten drei
Jahren befinden, gezwungen, Ihnen gegenüber nicht nur meine tiefe
Sorge zum Ausdruck zu bringen, sondern auch meinen energischen Protest
wegen der Duldung der äußerst unmenschlichen Akte uns gegenüber,
denen man, wie Sie bereits aus meinen zahlreichen Berichten und
Protesten wissen, trotz unserer Ihnen gleichfalls gut bekannten,
ausgesprochen beharrlichen Friedfertigkeit, schon längst die menschlichen
Grundrechte genommen hat.
Im Namen aller meiner bedrohten Gläubigen, meiner Landsleute, wie
auch im Namen aller anderen entrechteten und in ihrer Existenz bedrohten
Mitbürger gebe ich hiermit Ihnen gegenüber meiner Erwartung Ausdruck,
daß Sie als Bürgermeister unserer Gemeinde, der Sie seinerzeit auch
von uns gewählt worden sind, endlich, wie ich es auch von allen
anderen derzeit zuständigen Politikern erwarte, dazu schreiten,
in wirkungsvollerer Weise die Einhaltung der elementarsten menschlichen
Grundrechte - des Rechts auf Leben, auf Besitz, auf ein Haus, auf
eine Wohnung und auf eine Heimat - garantieren. In unseren Augen
ist es nicht rechtens, wenn Sie zulassen, daß in unserer Gemeinde
dreiste Gewalt und Gesetzlosigkeit ans Ruder kommen! Sie dürfen
sich durch niemanden nötigen lassen, Mittäter bei Verbrechen zu
werden, oder durch Gleichgültigkeit Ihrerseits - Gott möge das verhüten
- zu solchen Taten ermuntern.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Direktor des CSB - Banja Luka
- den Direktor des SJB - Banja Luka
- den Innenminister, Herrn ®. Rakiæ - Bijeljina
- das Religionsministerium der RS - Pale
- den Präsidenten der RS - Pale
- den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB - Mostar
- die Apostolische Nuntiatur BiH - Sarajevo - Rom
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

DIE
SYSTEMATISCHE VERNICHTUNG DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN BANJA LUKA
GEHT WEITER!(?)
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 311/95 vom 09. Mai 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
das, was in den letzten Tagen mit den Angehörigen der katholischen
Kirche, insbesondere mit den Seelsorge-Mitarbeitern und den religiösen
Gebäuden im Gemeindegebiet von Banja Luka geschieht, zeigt, daß
nicht nur all den anderen obrigkeitlichen Institutionen, sondern
auch Ihnen persönlich als Bürgermeister, trotz Ihrer unlängst abgegebenen
Erklärungen und Versicherungen, die Kontrolle aus den Händen geglitten
ist.
Die am Freitag, dem 05. Mai 1995, erfolgte Inbrandsetzung der Kirche
"Bla¾ene Djevice Marije" in Vujnoviæi und die darauffolgende
Zerstörung der Kirche des Hl. Anton, die Inbrandsetzung und Zerstörung
des Franziskanerklosters "Presvetog Trojstva" auf dem
Petriæevac sowie der Kirche der Hl. Philipp und Jakob in ©argovac
in der Nacht vom 06. auf den 07. Mai 1995 und der Tod eines der
Geistlichen - Ordensbrüder, Bruder Alojzijo Atlija, nachdem er durch
bewaffnete Angreifer schwer mißhandelt worden war, ebenso wie die
Zwangsvertreibung der übrigen, im geistlichen Amt tätigen Ordensbrüder
und -Schwestern des gleichen Klosters sagen uns mehr als deutlich,
daß auch in dieser Gemeinde die systematische Vernichtung der katholischen
Kirche begonnen hat. In vielen anderen Gemeinden meines Bistums
Banja Luka ist dies bereits früher geschehen.
Obwohl sich all diese Geschehnisse vor Ihren Augen und mit Wissen
der für die öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Behörden, der
Polizei und des Militärs, abspielen, ist es nun bereits der fünfte
Tag, daß katholische Gotteshäuser und Einrichtungen zerstört und
vernichtet werden, ich aber mit keiner amtlichen Stelle oder Einrichtung
unserer Stadt Kontakt aufnehmen konnte. Ich bekam Anweisung, das
Haus nicht ohne Wissen der Sicherheitsorgane zu verlassen, und
trotz meiner vielen Versuche, Kontakt zu maßgeblichen Persönlichkeiten
aufzunehmen, erhielt ich nicht die Möglichkeit dazu. Ich brauche
nicht zu erwähnen, daß mich kein Vertreter der Behörden angerufen
oder aufgesucht oder mir schriftlich Bescheid hinsichtlich unseres
weiteren Schicksals, besonders des Schicksals der Menschen und
der übriggebliebenen Habe im uralten Franziskanerkloster, gegeben
hat.
Während die für die öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Organe
uns, den Geistlichen und Ordensleuten, den Zutritt zu den Trümmern
des Klosters und der Kirche verboten haben, mit der ausdrücklichen
Erklärung, daß "für alles Bürgermeister Radiæ zuständig"
sei, kommen nach Aussagen von Augenzeugen zur selben Zeit andere,
nicht etwa nur Einzelpersonen, sondern ganze Gruppen von Leuten
(sicher keine Katholiken), und schleppen Sachen weg. Dabei nehmen
sie nicht nur Dinge aus dem Zentrallager der Caritas, das in den
dortigen kirchlichen Räumen war, mit, sondern auch übriggebliebenes
kirchliches bzw. klösterliches Eigentum. Man hat uns gesagt, daß
"sie" (d.h. die Polizei) volle Kontrolle und Verantwortung
für alles haben, was mit dem dortigen kirchlichen Eigentum geschieht.
Ich muß (zürn wievielten Mal nun schon?!) Ihnen als höchstem Verantwortungsträger
in unserer Gemeinde Banja Luka auch diesmal im Namen aller Angehörigen
der katholischen Kirche unserer Gemeinde meinen energischsten Protest
aussprechen, nicht nur wegen dieser jüngsten entsetzlichen Schandtaten
des Ethnozids und der Auslöschung kultureller Werte, sondern auch
wegen der betriebenen Auslöschung der katholischen Kirche, sowohl
in Gestalt derer, die sie tragen - Geistliche, Ordensschwestern
und Ordensbrüder - , als auch in Gestalt ihrer Einrichtungen - der
Kirchen und Klöster.
Daß Sie bis zur Stunde (!) noch immer nicht die geringste Bereitschaft
gezeigt haben, uns wissen zu lassen, daß Sie sich persönlich von
diesen allerneuesten an Ihren nachgewiesenermaßen friedfertigen
und unschuldigen Mitbürgern begangenen Verbrechen distanzieren,
macht uns hinsichtlich der Zukunft unserer Existenz hier am Ort
zusätzlich besorgt - und gleichzeitig indirekt auch hinsichtlich
Ihrer Zukunft, denn das Wort der Heiligen Schrift (vgl. Hos. 8,7)
sagt, daß derjenige, der Böses tut, nicht auf Gutes hoffen darf,
was, wie die Erfahrung lehrt, auch im menschlichen Dasein seine
Bestätigung findet!
Ich erwarte zu Recht (ist das auch diesmal wieder vergebens?), daß
Sie mir die Frage beantworten, an wen wir Katholiken, Kroaten und
andere hier in dieser Gemeinde, uns bezüglich des elementaren Schutzes
von Leib und Leben und unserer Habe wenden können. Hat man tatsächlich
vor, mit der Vernichtung des Bistums Banja Luka sogar in seinem
Mittelpunkt fortzufahren?
Gleich, ob die Antwort darauf positiv oder negativ ausfällt, verlange
ich als religiöses Oberhaupt aller Katholiken unserer Stadt und
Gemeinde von Ihnen hiermit, daß Sie uns schnellstens die Rettung
und den Schutz des übriggebliebenen Klosterinventars und des Inventars
der zerstörten Kirchen, insbesondere der Klosterbücher von unschätzbarem
Wert, ermöglichen. Ebenfalls verlange ich mit aller Entschiedenheit,
daß Sie uns, die katholischen Gläubigen, die Seelsorge-Mitarbeiter
und die Einrichtungen (wie im übrigen alle unsere anderen Mitbürger)
wirksamer vor Verbrechern beschützen, die den Namen unserer Stadt
und unserer Gegend besudeln. Geraten Sie nicht unnötigerweise in
die Kategorie jener, die weder für andere noch für sich selbst das
Gute wollen!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
P.S.
In der Anlage überreiche ich Ihnen die hier eingegangenen positiven
Antworten der höchsten Vertreter der Regierung und der katholischen
Kirche aus der Republik Kroatien auf meine wiederholten Interventionen
bezüglich des Schutzes der serbischen Bevölkerung in Westslawonien!
Schreiben
übermittelt an:
- das Religionsministerium der RS - Sarajevo - Pale
- den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo - Pale
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)

ENTFÜHRUNG
UND VERTREIBUNG AUCH DER LETZTEN KATHOLISCHEN ORDENSSCHWESTERN AUS
DEREN INNERHALB IHRES GEMEINDEGEBIETS GELEGENEM URALTEN KLOSTER
Schreiben an den Bürgermeister von Bosanska
Gradi¹ka, Herrn N. Iva¹tanin
(Prot. Nr. 328/95 vom 19. Mai 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
in den Nachmittagsstunden des 04. Mai 1995 sind die verbliebenen
katholischen Ordensschwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" aus deren uraltem Kloster "Sv. Obitelji"
(Hl. Familie) in Nova Topola entführt und gewaltsam vertrieben worden.
Weder sie noch die Ordensschwestern der gleichen Gemeinschaft aus
dem benachbarten, ebenfalls uralten Kloster in Bosanski Aleksandrovac,
die von den gleichen bewaffneten Uniformierten entführt und vertrieben
worden sind, durften außer den Kleidungsstücken und den Schuhen,
die sie trugen, irgendetwas mitnehmen, nicht einmal ihre persönlichen
Dokumente.
Dies ist Ihnen schon längst bekannt. Obwohl ich mich seinerzeit
sofort bemühte, wenigstens telefonisch mit Ihnen als der wichtigsten
zuständigen Persönlichkeit in der Gemeinde Verbindung aufzunehmen,
erhielt ich keine Möglichkeit dazu, weder zu dem damaligen, noch
zu einem späteren Zeitpunkt.
In meiner Eigenschaft als oberste Instanz in Fragen, die die für
die Kirche tätigen Personen und das kirchliche Eigentum der katholischen
Kirche betreffen, habe ich mit offiziellem Schreiben Nr. 303/95
vom 05. Mai 1995 den Religionsminister der RS (Herrn Minister D.
Davidoviæ) ersucht, mir schnellstens dringend erforderliche Gespräche
zwischen dem Bischöflichen Ordinariat in Banja Luka und den Personen,
die die Klostergebäude und den Gutsbesitz sowie die kirchlichen
Gebäude (die Kirche, den Pfarrhof und die Wirtschaftsgebäude) der
Pfarrei "Sv. Josip" in Nova Topola übernommen haben, zu
ermöglichen.
Da ich bis jetzt keinerlei Antwort erhalten habe, versuche ich hiermit
noch einmal, Sie schriftlich um folgendes zu bitten:
1. um Auskunft über die momentane Situation bei den gewaltsam weggenommenen
kirchlichen Objekten in Nova Topola mit den dazugehörenden Mobilien
und Immobilien;
2. um die Ermöglichung eines Gesprächs (und einer Vereinbarung)
mit Ihnen und mit den anderen Personen, die die Verantwortung für
das unter Druck verlassene Eigentum der katholischen Kirche in Nova
Topola übernommen haben.
Ich hoffe, daß Sie, eine Persönlichkeit, von deren jetzigem Verhaken
in hohem Maße die Zukunft aller Bewohner Ihrer Gemeinde abhängt,
sich human zeigen werden.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo - Pale
- den Präsidenten der HR HB. Herrn K. Zubak - Mostar
- die Provinzial Verwaltung der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" - Zagreb
- die General Verwaltung der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" - Rom
- die Apostolische Nuntiatur - Rom (Sarajevo)
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

WO
BEFINDEN SICH MEINE ZWANGSWEISE DEPORTIERTEN GLÄUBIGEN?
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 390/95 vom 29. Mai 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
nachdem ich Sie am Samstag, dem 27. Mai 1995, in den frühen Nachmittagsstunden
telefonisch von der Zwangsdeportation friedliebender, unschuldiger
und schutzloser katholischer Kroaten, Ihren Mitbürgern, aus der
Ortschaft ©argovac in Kenntnis gesetzt halte sowie davon, daß laut
den zu dem Zeitpunkt aus jenem Gebiet eingetroffenen, von Panik
geprägten Nachrichten, sich auch im Gebiet der Siedlungen Prijeèani
und Vujnoviæi (Ortschaft Zalu¾ani) Ähnliches vorbereiten sollte,
sagten Sie mir, daß "hinter solchen unmenschlichen Aktionen
keine amtliche Behörde" stehe. Sie versprachen mir, alles zu
unternehmen, damit diese gewaltsame und willkürliche Vertreibung
der Katholiken aus dem Gemeindegebiet von Banja Luka gestoppt wird.
Auch wollten Sie mich "über weitere Aktionen informieren",
um uns in die Lage zu versetzen, den sich an uns wendenden in Panik
geratenen Menschen der erwähnten und der benachbarten Siedlungen
die wahren Tatsachen zu übermitteln und die Lage wenigstens etwas
zu beruhigen.
Über den Beginn der jüngsten Zwangsdeportation katholischer Kroaten
aus der Gemeinde Banja Luka, den Menschen war in vielen Orten unter
Androhung von Gewalt gesagt worden, daß "alle dieses Gebiet
in den folgenden Tagen verlassen müßten", habe ich unverzüglich
auch den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ, informiert und ihn
dabei gebeten, "daß er alles unternehmen möge, damit es nicht
zu Blutvergießen kommt", und daß "man solch einen überaus
willkürlichen und unmenschlichen Umgang mit unschuldigen und schutzlosen
Zivilisten verhindern" und die Menschen entsprechend dem mir
von ihm gegebenen Versprechen vor unmittelbarer Bedrohung schützen
möge.
Bei einem Telefonat mit Herrn Arsenij, einem Mitarbeiter des Innenministeriums
in Pale, wurde mir die offizielle Stellungnahme des Ministeriums
bestätigt, daß aufgrund meines Schreibens vor rd. 10 Tagen "an
das CJB in Banja Luka bereits die Anordnung ergangen sei, daß die
kroatische Bevölkerung und ihr Eigentum zusätzlich vor der Bedrohung
durch eigenmächtig handelnde bewaffnete Einzelpersonen und Gruppen
zu schützen ist", jedoch "zu dieser Frage dem CJB in Banja
Luka sofort erneut klare Anweisungen gegeben werden".
Weder gestern noch heute bis in die späten Nachmittagsstunden konnten
wir trotz aller Bemühungen mit Ihnen oder irgendeiner Amtsperson
unserer Gemeinde Kontakt aufnehmen! Wir haben noch immer keinerlei
offizielle Informationen bezüglich der zwangsweise fortgebrachten
Menschen (mehr als 50 Personen -7-), unter denen auch ungefähr 20
Kinder, aber auch alle und kranke Menschen sind. Deren Verwandte
sind in großer Panik, sie verlangen von uns Hilfe und Schutz für
die Entführten, aber auch für sich selbst, da sie Schikanen und
bewaffneten Drohungen seitens eigenmächtig handelnder Gruppen -
irgendwelcher zugezogenen Fremder - ausgesetzt sind, die sich -
wie es scheint, völlig uneingeschränkt - "nach An Weisungen
von Angestellten der Ortsgemeinschaften in ©argovac, Zalu¾ani und
Bud¾ak" an den völlig ungeschützten alteingesessenen kroatischen
Katholiken in den Siedlungen ©argovac, Vujnoviæi, Novakoviæi, Kuljani,
Zalu¾ani, Dervi¹i, Prijeèani, Bud¾ak, Kumsale, Debeljaci, Presnaèe,
Ramiæi und Dragocaj austoben.
Ich bitte Sie daher nochmals, daß man, entweder Sie selbst oder
eine andere wirklich kompetente Persönlichkeit, sich bezüglich unserer
Leute endlich amtlich, aber auch über Radio und Fernsehen mit klaren
Direktiven an die Öffentlichkeit wendet. Sie und die höheren Organe
in der RS versichern das eine, aber die Behörden in den Ortsgemeinschaften
behaupten das genaue Gegenteil!
Jemand, Sie gewiß, wird doch wohl wissen, warum, wenn also "amtliche
Behörden nicht dahinterstehen", in unserer Gemeinde die Fortführung
offensichtlicher Gewalt gegenüber uns Katholiken toleriert wird.
Wo befinden sich meine vor zwei Tagen gewaltsam deportierten Gläubigen
sowie eine vor vier Tagen ebenfalls "in unbekannte Richtung"
entführte größere Gruppe Männer aus den Dörfern Debeljaci und Presnaèe?
Wir bitten Sie, diese Angaben zumindest den jeweiligen Verwandten
zuzuleiten, die sich ständig hilfesuchend an uns wenden. Sie haben
auch mir eine Antwort versprochen, auf die ich noch immer warte,
damit ich sie an diejenigen weiterleiten kann, die mich darum angehen,
denn diese Menschen haben keinen Zugang zu Ihnen, und ebensowenig
zu irgendeiner anderen Amtsperson.
Ich bitte Sie nochmals, verhindern Sie, daß das Böse, das den unschuldigen
und friedliebenden Menschen zugefügt wird, noch größer wird! Lassen
Sie uns also, wenn Sie doch wissen, daß wir niemandem etwas zuleide
getan haben, auch weiter um Frieden bestrebt da leben, wo wir jahrhundertelang
ansässig waren. Suchen Sie nach einem Weg, damit man uns als Menschen
wirkungsvoll schützt, wie dies im übrigen auch von den "höheren
Instanzen" versprochen und angeordnet wurde!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Übermittelt
an:
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo - Pale
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

ES
MACHT UNS BETROFFEN, DASS OFFIZIELLE VERTRETER DER OBRIGKEIT DAS
VERBRECHEN AN UNSCHULDIGEN MITBÜRGERN BILLIGEN
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag, P. Radiæ
(Prot. Nr. 415/95 vom 03. Juni 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
die siebentägige Odyssee von fünfzehn Familien Ihrer friedlichen
und völlig entrechteten Mitbürger, kroatische Katholiken und alteingesessene
Bewohner der Siedlung ©argovac, die unter Androhung des Todes ohne
Aussicht auf eine Bleibe und ohne Habe ihre Häuser verlassen mußten,
ist gestern nachmittag in eine neue, noch ungewissere Phase übergegangen!
Völlig schutzlos, wie zum Schlachten bestimmte Lämmer, sind sie
jetzt gezwungen, in unmittelbarer Nähe ihrer eigenen Häuser, im
Gebiet ihrer Gemeinde, in der sie geboren sind und wo sie jahrelang
erwerbstätig waren, wie Geächtete vom Regen in die Traufe kommend
umherzuziehen!
Außer diesen fünfzehn Familien mit einer großen Anzahl kleiner Kinder
sind in den vergangenen Tagen noch über 300 Familien gewaltsam gezwungen
worden, ihre Häuser aufzugeben, und zwar auf Anordnung des Krisenstabs
der Gemeinde, an dessen Spitze, wie die Vollstrecker dieser allerjüngsten
gegen uns katholische Kroaten gerichteten Großaktion ethnischer
Säuberung behaupten, unser Gemeindeoberhaupt steht.
Der Prozeß der verbrecherischen ethnischen Säuberung wird, wie Sie
wissen und sehen, auch weiterhin planmäßig fortgesetzt, obwohl die
amtlichen Stellen in letzter Zeit diesen abscheulichen Ausdruck
durch die Syntagmen "humane Umsiedlung" oder "Besitzaustausch"
ersetzen möchten! - Auch Ihnen ist bewußt, daß es sich hier um eine
sehr unmißverständliche und äußerst unmenschliche Vorgehens weise
handelt, die sowohl in unserem Falle wie auch überall sonst in analogen
Fällen den Gewaltherrschern weder Glück noch Segen bringt!
Ihnen ist bekannt, daß es in unserem Gemeindegebiet gemäß eines
bereits "bestehenden Plans" vor kurzem zu einer radikalen
Fortsetzung der Vernichtung unserer größten Heiligtümer - der Kirchen
und Klöster - und sogar zur Ermordung und Vertreibung von katholischen
Geistlichen und Ordensbrüdern und -Schwestern gekommen ist, die
sich hier uneingeschränkt für Frieden und Versöhnung eingesetzt
hatten!
Ihnen ist ebenfalls bekannt, daß der einzige katholische Bischof
im Gebiet der RS, ein Alteingesessener dieser Stadt, dem Sie jetzt
als politische Persönlichkeit übergeordnet sind, bereits seit einem
ganzen Monat "ohne ausdrückliche Genehmigung der zuständigen
Organe" (die er mitnichten bekommt!) sein Haus nicht verlassen
darf. Er darf nicht einmal seine betagte Mutter aufsuchen, deren
Gemeindebehörden ihr vor drei Monaten das Telefon abgeschaltet haben,
womit sie außerstande gesetzt wurde, im Falle von Schikanen und
der Vertreibung aus ihrem Haus durch dieselben, die dies uns Gläubigen
auch vielerorts sonst "gemäß Anweisung amtlicher Stellen",
d.h. der örtlichen Organe auch unserer Gemeinde, zufügen, die Nachbarn
oder gar die Polizei zu Hilfe zu rufen.
Der jüngste, in dieser Nacht erfolgte Überfall mit einem Sprengkörper
auf das in der Stadtmitte (in unmittelbarer Nähe der Polizeistation)
gelegene Gemeindeseelsorgezentrum, bei dem großer Sachschaden verursacht
wurde, zeugt davon, daß auf uns verbliebene Katholiken stetiger
Druck ausgeübt wird, damit wir unsere Stadt und unsere Heimat verlassen,
Daß uns die großen und durch nichts gerechtfertigten Untaten, die
in den letzten Monaten besonders verstärkt geschehen sind, unbegreiflich
erscheinen, ist das Eine; zusätzlich aber sind wir fassungslos angesichts
des amtlichen Schweigens der höchsten politischen Verantwortungsträger
bzw. der eigenartigen Art und Weise, in der dieselben all diese
Untaten interpretieren und rechtfertigen, namentlich in den offiziellen
Medien (im Studio Banja Luka des Serbischen Rundfunks und Fernsehens
und in der in unserer Gemeinde erscheinenden Tageszeitung der RS
"Glas Srpski"!).
Obwohl Sie meine Briefe unbeantwortet lassen, was ebenfalls vielsagend
ist und nicht den in der zivilisierten Welt üblichen Verhaltensnormen
entspricht, bitte ich Sie erneut, Herr Bürgermeister, daß Sie aufgrund
der Befugnisse, die Sie durch Ihre führende Stellung in unserer
Gemeinde haben, energischer und wirksamer zur Verteidigung der fundamentalen
Prinzipien der Humanität und der Zivilisation, der wir angehören,
schreiten! Es handelt sich dabei um die menschlichen und bürgerlichen
Grundrechte und die Freiheiten eines jeden Ihrer Mitbürger ohne
jeden Unterschied, von denen man uns, wie Sie wissen und wie Sie
meinen zahlreichen Schreiben entnehmen konnten, schon vor drei Jahren
zahlreiche genommen hat!
Da ich Sie persönlich als einen Menschen kenne, dem die Werte dieser
fundamentalen Prinzipien nicht unbekannt sind und der bereit ist,
sie zu verteidigen, wann immer sie gefährdet sind, hoffe ich noch
immer, daß meine erneute Bitte an Sie nicht vergebens erfolgt und
Wirkung zeitigt!
Sie haben das Wissen, Sie haben den Willen, und Sie haben auch die
Macht in Händen!
Unterbinden Sie die Verfolgung unschuldiger katholischer Kroaten,
Ihrer Mitbürger!
Sorgen Sie dafür, daß meine widerrechtlich aus ihren Häusern vertriebenen
Gläubigen in ihre Häuser zurückkehren können und wieder in den Besitz
des ihnen weggenommenen Eigentums kommen!
Geben Sie uns die Möglichkeit, uns wenigstens auf den Brandstätten
und Trümmern unserer Gotteshäuser ungestört zum Gebet und zu religiösen
Handlungen zu versammeln!
Lassen Sie als Bürgermeister nicht zu, daß wir, die wir Sie seinerzeit
in dieses verantwortungsvolle Amt gewählt haben, in unserer Heimatstadt
als Sklaven oder Fremdlinge leben oder vor der Zeit zu Grabe getragen
werden!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Präsidenten des Parlaments der RS, Herrn Mag. M. Kraji¹nik
den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak
den Heiligen Synod der SPC
die Apostolische Nuntiatur
das Sekretariat der BK BiH

WER
SOLL DIE GEWALTSAM UND UNRECHTMÄSSIG AUS IHREN EIGENEN HÄUSERN GEWORFENEN
ALTEINGESESSENEN KATHOLIKEN IN DER GEMEINDE BANJA LUKA UNTERBRINGEN?
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 466/95 vom 20. Juni 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
Sie wissen sehr gut, daß auf Anordnung des Gemeindekrisenstabs,
der seinerseits gemäß Anordnung des Vorsitzenden des Exekutivkomitees
unserer Gemeinde handelte, allein in den letzten Monaten viele Familien
katholischer Kroaten, bei denen es sich um zu meinem Bistum gehörende
alteingesessene Bürger handelt, gewaltsam aus ihren eigenen Häusern
geworfen und vertrieben worden sind. Es handelt sich dabei vor allem
um meine Nachbarn aus den Siedlungen Novakoviæi, Vujnoviæi, ©argovac,
Dervi¹i, Prijeèani, Zalu¾ani und Bud¾ak, aber auch aus anderen umliegenden
Siedlungen. Soweit Auskünfte zu bekommen waren, sind 56 Familien
des Gebiets der Pfarrgemeinde Petriæevac vertrieben worden bzw.
haben unter Druck ihr Heim gegen unbekanntes und ihnen nicht zugängliches
Eigentum der Gewalttäter "eingetauscht", in der Pfarrgemeinde
Bud¾ak-Dervi¹i waren es 16 Familien. In der Pfarrgemeinde "Marija
Zvijezda" - Trapisti wurden 38 Familien auf die Straße geworfen,
in der zentralen - städtischen - Pfarrgemeinde waren es 46, in
der Vorstadtpfarrgemeinde Barlovci 23 und in der Pfarrgemeinde Motike
10 Familien. In der Vorstadtpfarrgemeinde Ivanjska wurden fast 80
Familien ausgeplündert, und sie haben Angst, in ihrem eigenen Haus
zu wohnen. In der Vorstadtgemeinde ©imiæi wurden ungefähr 50 Häuser
ausgeplündert! In der Vorstadtgemeinde Presnaèe-Debeljaci wurden
in der üblichen Verfahrensweise mit der offenkundigen Absicht,
die Menschen gewaltsam aus ihren Häusern zu treiben, auf fünf Häuser
Sprengsätze geworfen bzw. geschossen.
Sie kennen alle Ortsgemeinschaften im Gebiet der erwähnten Siedlungen
bzw. Pfarreien in unserer Gemeinde gut, und es ist für Sie auch
nicht schwer, die Namen der Verantwortlichen zu erfahren, die diese
unbestreitbare, gegen die alteingesessene kroatische Bevölkerung
katholischen Glaubens gerichtete, ethnische Säuberung geleitet
oder zumindest von derselben gewußt haben. Sie haben bei unserem
letzten Telefongespräch mir gegenüber wiederholt, daß die amtlichen
Stellen nicht hinter den Untaten der Bedrohung von Leben und Eigentum
bzw. grundlegenden Menschenrechten, zu denen unter anderem auch
das Recht auf ein eigenes Heim und eine Heimat gehört, stehen! Das
ist gut, nur fürchte ich, daß dies möglicherweise nur eine deklarativ
abgegebene Aussage sein könnte! - Damit es nicht nur dabei bleibt,
bitte ich Sie im Namen aller Familien, die sich täglich hilfe- und
schutzsuchend an mich wenden, aber auch im Namen jener, die schon
heute in ähnlicher Weise Opfer von Gesetzlosigkeit, Willkür und
Verbrechen werden könnten, über die Mitarbeiter der Ortsgemeinschaften
in unserer Gemeinde sowie die anderen für öffentliche Ruhe und Ordnung
zuständigen Organe für die Rückkehr bzw. eine passende Unterbringung
aller widerrechtlich verjagten Familien, die friedliebende Mitglieder
unserer Gemeinde sind, zu sorgen. Gleichfalls bitte ich Sie, für
diese Menschen, die sozial absolut bedroht sind, die nötigste soziale
Hilfe bereitzustellen, da ihnen unsere Caritas, die nun schon seit
drei Monaten seitens der zuständigen Organe keine Genehmigung erhält,
die dringend erforderliche humanitäre Hilfe für die am meisten Bedrohten
herbeizuschaffen, bedauerlicherweise nicht helfen kann.
Ihnen mußte ebenfalls bekannt sein, daß sich noch immer, und zwar
fast täglich, schwere Straftaten in Form von Überlallen auf Personen
und auf das Eigentum unserer Mitbürger ereignen, insbesondere im
engeren Stadtgebiet. Uns sind viele solcher Fälle bekannt, bei denen
die Opfer katholische Kroaten waren, aber wir hören ebenfalls, daß
Ähnliches auch mit anderen Bürgern geschieht. Gewöhnlich werden
solche Taten von "Dreiergruppen" begangen, wobei zwei
der Täter mit Militäruniformen und Kopfmasken erscheinen und der
dritte Zivilkleidung trägt! Tu vielen Fällen werden Menschen schwer
verletzt! Wer soll das verhindern, und wer soll die Verletzten behandeln,
wenn man doch weiß, daß diese in der Regel weder krankenversichert
sind noch das nötige Geld haben, um eine Behandlung zu bezahlen?
Nach meiner Ansicht fehlt es Ihnen weder an Kompetenz noch am Willen,
die Ausbreitung von Anarchie und Gesetzlosigkeit in unserer Gemeinde
zu verhindern. Dies findet seine Bestätigung auch in der Tatsache,
daß der zerstörerischen Lawine fürchterlicher Verbrechen, denen
wir als katholische Gemeinschaft in unserer Stadt ausgesetzt waren,
Einhalt geboten wurde. Ich hoffe, daß Sie auch in Zukunft alles
in Ihrer Macht Stehende tun werden, damit unsere Stadt und Gemeinde
nicht zu einem Ort werden, wo normale Menschen nicht mehr leben
möchten. Sie dürfen überzeugt sein, daß Sie bei Ihren humanen Aktionen
auf die Unterstützung aller kroatischen Mitbürger katholischen Glaubens
sowie auch vieler anderer friedliebender und edelmütiger Mitbürger
zählen können.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo (Pale)
den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak - Mostar
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

WIE
IST DAS WEITERE SCHICKSAL DER WEGGENOMMENEN KIRCHLICHEN GEBÄUDE
IM GEMEINDEGEBIET VON LAKTA©I?
Schreiben an den Bürgermeister der Gemeinde Lakta¹i, Dr. S. Joviæ
(Prot. Nr. 486/95 vom 30. Juni 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
das tragische Unglück, das kürzlich die katholische Kirchengemeinde
im Gemeindegebiet von Lakta¹i ohne jeden Grund und Anlaß heimgesucht
hat, ist Ihnen gut bekannt.
Nach dem ohne jede Provokation im September 1991 erfolgten bewaffneten
Angriff seitens Angehöriger der früheren Jugoslawischen Volksarmee
auf die Pfarrkirche Hl. Franz von Assisi in Mahovljani und dem Verbot
jedweder Zusammenkünfte liturgischen Charakters in derselben, der
Ausweisung des Pfarrers und der schweren Beschädigung der Kirche
und des Pfarrhauses sowie der vollständigen Vernichtung des dort
befindlich gewesenen Gutsgebäudes des Bistums Banja Luka, waren
die örtlichen Behörden, obwohl wir uns schriftlich und mündlich
eingeschaltet hatten, nicht willens, mit uns Kontakt aufzunehmen!
Nach dem am 04. Mai 1995 erfolgten Vandalenakt der Vertreibung der
katholischen Nonnen aus dem uralten Kloster "Marijanovac"
in Bosanski Aleksandrovac, was man, wie Sie wissen, bereits im Mai
1992 durch ein Ultimatum zu erreichen versucht hatte, wollten wir
erneut wegen einer Vereinbarung über das weitere Schicksal der
zum Kloster "Marijanovac", zur katholischen Pfarrei Bosanski
Aleksandrovac und zum dort gelegenen Gutsbesitz des Bistums Banja
Luka gehörenden Mobilien und Immobilien umgehend mündlich und schriftlich
Kontakt mit den zuständigen Behördenorganen aufnehmen.
Nach der verbrecherischen Verminung der neuen Pfarrkirche St. Josef
und der durch Feuer herbeigeführten Vernichtung des Gemeindeseelsorgezentrums
in der in Ihrem Gemeindegebiet gelegenen Ortschaft Trn am 18. Mai
1995 wurde dem seelsorgerisch tätigen Personal der Pfarrei, dem
Geistlichen und den Nonnen und auch den katholischen Gläubigen,
den Gemeindemitgliedern der Pfarrei, verboten, sich dorthin zu begeben
und dort gemeinsam reguläre liturgische Feiern abzuhalten. In der
Zwischenzeit wurden in einer Einrichtung der gleichen Ortschaft
sämtliche nach der Zerstörung und dem Brand noch verwendbaren Überreste
widerrechtlich veräußert.
Trotz unserer ständigen Versuche, mit Ihnen als höchstem Verantwortungs-träger
in der Gemeinde Lakta¹i sowie auch mit den Personen, die mit Ihrem
Wissen und Ihrer Genehmigung die Verantwortung für das gesamte Eigentum
der katholischen Kirche übernommen haben, das dessen Eigentümer
und Verwalter wegen der an ihnen verübten Akte der Gewalt und Gesetzlosigkeit
verlassen mußten, Verbindung aufzunehmen, haben wir noch immer
keine Antwort, weder von Ihnen noch von anderen Vertretern der
Obrigkeit!
Wir verlangen erneut, daß Sie persönlich oder über Ihre bevollmächtigten
Stellvertreter den Vertretern der katholischen Kirche im Bistum
Banja Luka ein möglichst baldiges Treffen zum Zweck einer Übereinkunft
bezüglich des weiteren Schicksals der kirchlichen Gebäude und des
kirchlichen Besitzes sowie der verbliebenen Angehörigen der katholischen
Kirche in den drei genannten Pfarreien des Gemeindegebiets von
Lakta¹i ermöglichen.
Ich erwarte Ihre baldige Antwort!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo - Pale
den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak - Mostar
die Provinzialverwaltung der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" - Rom
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
den Heiligen Erzpriesterlichen Synod der SPC - Belgrad
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

WIE
IST DAS SCHICKSAL DER VERBLIEBENEN KATHOLIKEN UND DES WIDERRECHTLICH
IN BESCHLAG GENOMMENEN EIGENTUMS DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DER
PFARREI UND IM KLOSTER VON NOVA TOPOLA?
Schreiben an den Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn N. Iva¹tanin
(Prot. Nr. 487/95 vom 30. Juni 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
schon mehrmals habe ich mich mündlich und schriftlich bemüht, mit
Ihnen als dem höchsten Behördenvertreter in der Gemeinde Bosanska
Gradi¹ka zwecks Erörterung der Frage des weiteren Schicksals der
verbliebenen katholischen Gläubigen sowie der gewaltsam in Beschlag
genommenen kirchlichen Gebäude und des sonstigen kirchlichen Eigentums
in der Ortschaft Nova Topola in Verbindung zu treten. Es handelt
sich, wie Sie wissen, um die Klostergebäude und das sonstige Klostereigentum
sowie um die Pfarrkirche und das sonstige kirchliche Eigentum der
katholischen Pfarrei St. Josef in Nova Topola.
Obwohl seit der gewaltsamen Vertreibung der verbliebenen katholischen
Ordensschwestern aus ihrem uralten Kloster "Sveta Obitelj"
in Nova Topola fast zwei Monate verflossen sind, hat bis zur Stunde
keiner der zuständigen Vertreter des Bistums Banja Luka bzw. der
katholischen Kirche als Eigentümer und Verwalter des genannten kirchlichen
Besitzes irgendeine Gelegenheit bekommen, mit Ihnen bzw. Ihren
Vertretern oder mit Personen, die mit Ihrer Genehmigung das kirchliche
Eigentum in Besitz genommen haben, in Verbindung zu treten, obwohl
wir dies wünschten und darum ersuchten. In dieser ganzen Zeit wurde
es den Katholiken der Pfarrei Nova Topola verwehrt, die heiligen
Sakramente zu empfangen, und dies sogar bei schwerer Erkrankung
vor dem Ableben!
Wir ersuchen Sie daher erneut, uns einen Einblick in die derzeitige
Lage bezüglich des widerrechtlich in Besitz genommenen Eigentums
der katholischen Kirche in Ihrem Gemeindegebiet sowie eine gemeinsame
Erörterung und eine Absprache bezüglich des weiteren Schicksals
sowohl der verbliebenen Gemeindemitglieder als auch des ganzen
beweglichen Besitzes und sämtlicher Liegenschaften des Klosters
und der Pfarrei zu ermöglichen.
Ich erwarte Ihre baldige Antwort!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo - Pale
den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak - Mostar
die Provinzialverwaltung der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" - Zagreb
die Generalverwaltung der Schwestern der Gemeinschaft "Klanjateljice
Krvi Kristove" - Rom
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
den Heiligen Erzpriesterlichen Synod der SPC - Belgrad
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK in Zagreb

AUCH
WEITERHIN VÖLLIG UNGEWISSE ZUKUNFT EINER GROSSEN ANZAHL VON KATHOLIKEN
IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 518/95 vom 14. Juli 1995)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
wieder wende ich mich wegen Problemen, die die Mitglieder der katholischen
Gemeinde in unserem Gemeindegebiet bedrücken, an Sie. Es handelt
sich um Probleme, die Ihnen bereits hinreichend bekannt sind. Ich
habe Sie in der letzten Zeit sowohl schriftlich als auch telefonisch
mehrfach gebeten, als erstrangig zuständige politische Persönlichkeit
wenigstens den Versuch zu unternehmen, dieselben einer positiven
Lösung zuzuführen.
1. Bis jetzt gibt es meines Wissens leider keinerlei positive Lösungen
hinsichtlich der Situation, die eine große Anzahl von Angehörigen
meiner Diözese bedrückt. Die Anzahl der aus ihren Häusern und Wohnungen
vertriebenen Katholiken hat sich in den letzten Wochen noch weiter
erhöht! Tagtäglich wenden sich viele Katholiken, nicht nur aus
dem engeren Stadtgebiet, sondern auch aus dem Umkreis (©argovac,
Prijeèani, Dervi¹i, Dragoèaj, Vujnoviæi, Mi¹in Han) an mich und
klagen über psychische und physische Mißhandlungen, Vertreibungen
aus den eigenen Häusern und Wohnungen und Vernichtung und Enteignung
ihres Besitzes durch bewaffnete Gewalttäter, die, wie sie selbst
hervorheben, "im Namen" oder unter dem Schutz der derzeitigen
Machthaber auftreten. Auch heute ist eine Gruppe von etwa 30 Frauen
mit ihren Kindern und einigen alten Menschen, die man vor anderthalb
Monaten aus ihren eigenen Häusern in ©argovac vertrieben hatte,
zu mir gekommen. Sie klagen darüber, daß weder Sie noch der Vorsitzende
des Exekutivausschusses unserer Gemeinde, Herr R. Kasagiæ, noch
andere Vertreter der offiziellen Behörden, sie zu einem Gespräch
empfangen wollen, geschweige denn ihnen die notwendige Rückkehr
in ihre Häuser und zu ihrem Besitz ermöglichen. Diese Gruppe Menschen
ist nicht einmal der zehnte Teil jener katholischen Kroaten, Ihrer
(und meiner) Mitbürger, die im Verlauf der letzten zwei Monate
in ihrer eigenen Heimatstadt und Gemeinde völlig schuldlos zu Obdachlosen
und Fremden geworden sind! - Warum will sie niemand von Ihnen, den
zuständigen Behörden Vertretern, anhören oder wenigstens entsprechend
informieren, damit sie wissen, was sie tun sollen? - Womit können
Sie das rechtfertigen? - Stimmen die Behauptungen der behördlichen
Vertreter der Ortschaften Zalu¾ani und ©argovac, die sich bei ihren
gegen die alteingesessenen katholischen Kroaten gerichteten Aktionen
ethnischer Säuberung in diesem Gebiet, unserer Gemeinde, auf sowohl
vom Vorsitzenden des Exekutivausschusses unserer Gemeinde, Herrn
R. Kasagiæ, als auch von Ihnen als Bürgermeister erteilte Anordnungen
berufen, vielleicht wirklich? Das kann ich nicht glauben! Daher
bitte ich Sie, diese beklagenswerten Obdachlosen, die sich in schwerer
sozialer Not befinden, anzuhören und ihnen, Ihren friedliebenden
und völlig schuldlosen Mitbürgern, zur Wiedererlangung ihrer grundlegenden
Menschenrechte - des Rechts auf ein sicheres Leben, des Rechts auf
ein eigenes Heim und des Rechts auf Gewährung der Grundvoraussetzungen
für eine normale Existenz - zu verhelfen! In den Häusern dieser
Menschen wohnen, wie Sie wissen, hauptsächlich Kriegsprofiteure,
nicht etwa arme Flüchtlinge!
Wie lange noch werden sich die Behörden der Gemeinde Banja Luka
angesichts der augenfälligen Verletzungen der Verfassung und anderer
Gesetze der RS und der Unterdrückung international anerkannter Menschenrechte
blind stellen?
2. In meinen Schreiben habe ich Sie auch gebeten, uns mit Hilfe
der für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Organe die ungestörte
Abhaltung der üblichen Sonntagsliturgie und religiöser Handlungen
in unseren kirchlichen Räumen zu ermöglichen. Auch in vielen anderen
Gemeinden des Großraums Banja Luka sind unsere Kirchen zerstört
oder für die Abhaltung liturgischer Feiern unbrauchbar gemacht worden,
jedoch hat man unseren Gläubigen und Geistlichen immerhin erlaubt,
sich in improvisierten Betsälen zu den gewohnten Gebeten und zu
religiösen Handlungen zu versammeln. Wollen Sie es wirklich zulassen,
daß unseren Gläubigen, Ihren friedlichen Mitbürgern, im Gemeindegebiet
von Banja Luka in den Pfarreien Petriæevac, Presnaèe und Bud¾ak-Dervi¹i
diese Möglichkeit verwehrt wird? Eine Delegation der für die genannten
Pfarreien verantwortlichen Geistlichen hat Sie vor nunmehr schon
rd. zwanzig Tagen gebeten, sie zu einem Gespräch zu empfangen! Es
liegt noch immer keine positive Antwort Ihrerseits vor.
In der Zwischenzeit wurden in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni
1995 die Gemeindeseelsorgezentren in Motike und Barlovci überfallen
und geplündert, und in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1995
ist in der Siedlung Èesma durch Brandstiftung die Tochterkirche
Sv. Josip Radnik der Pfarrei "Marija Zvijezda" - Trapisti
völlig ausgebrannt. Schon im Dezember 1993 war ein Teil dieser Kirche
durch Brandstiftung in Mitleidenschaft gezogen worden, jedoch war
es den Gemeindemitgliedern seinerzeit gelungen, den Brand zu löschen.
In der gleichen Pfarrei sind in den letzten Tagen vom uralten Friedhof
des Hl. Johannes eine Kirchenglocke und eine größere Anzahl Grabsteine
verschwunden, und auf dem Friedhof des H1. Bernard in Madjir wurden
ebenfalls mehrere Gräber geschändet und einige Grabsteine entwendet.
Ähnlich wie bei bisherigen Fällen gibt es "keinerlei Spur von
den Tätern"! Die Polizei aber verrichtet ungestört ihren Dienst,
und sie weiß sehr wohl, wer was wo tut! Warum hindert man die Schuldigen
dieser Vandalenakte, wenn man sie kennt, nicht an ihrem Tun?
3. Ich hatte gehofft, Sie zusammen mit dem Apostolischen Nuntius,
Msgr, F. Monterisi, der vor kurzem endlich die Erlaubnis zu einem
Besuch bei uns erhalten hatte, besuchen zu können. Wie kommt es,
daß diese Erlaubnis im letzten Moment zurückgezogen wurde und daß
ich auch weiterhin unter behördlich verordnetem, seit Anfang Mai
andauerndem Hausarrest stehe?
Herr Bürgermeister, mit etwas gutem Willen können Sie neue Verbrechen
an Ihren schuldlosen und friedliebenden Mitbürgern verhindern und
Sie können die ihnen zugefügten großen, durch nichts gerechtfertigten
Ungerechtigkeiten abschwächen! Ich gehe davon aus, daß Ihnen nicht
auch noch dieses "bißchen guten Willens" abhanden gekommen
ist und daß man Ihnen auch nicht alle Befugnisse, die Sie als hochrangigste
und verantwortlichste Persönlichkeit unserer Stadt und Gemeinde
Banja Luka haben, genommen hat!
Machen Sie es möglich, daß wir in unserer Heimatstadt und unserer
Heimatgegend nicht wie Fremdlinge und Sklaven leben, sondern wie
Menschen, die imstande und willens sind, sowohl Ihnen als auch all
ihren anderen anständigen Mitbürgern zu helfen, und dies in einem
Klima, in dem die Würde eines jeden Bürgers und das Recht auf die
grundlegenden Menschen- und Bürgerrechte und die bürgerlichen Freiheiten
gewahrt werden!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Sarajevo
den Vorsitzenden des Präsidialrats der HR HB, Herrn K. Zubak - Mostar
die Apostolische Nuntiatur - Sarajevo (Rom)
das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
das Sekretariat der HBK - Zagreb

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