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VI -
AN DIE LOKALEN POLITIKER
ERNEUTER BEWAFFNETER ÜBERFALL AUF DAS KATHOLISCHE GEMEINDESEELSORGEZENTRUM
IN DER PFARREI BANJA LUKA - BUD®AK
Sehreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 450/92 vom 15. Juni 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
mit großer Betrübnis und Sorge sehe ich mich gezwungen, wegen des
Schutzes von Leib und Leben der im Dienste des Glaubens tätigen
kirchlichen Mitarbeiter sowie des Schutzes von Besitztümern der
katholischen Kirche, mich erneut an Sie als die oberste Persönlichkeit
unserer Gemeinde Banja Luka zu wenden.
Anliegend erhalten Sie einen Bericht des Pfarrers Dr. Karlo Vi¹aticki
über den bereits dritten bewaffneten Überfall, der innerhalb der
vergangenen drei Wochen auf ihn, das Pfarrei personal und den Besitz
der Pfarrei Banja Luka - Bud¾ak verübt wurde.
Ich hatte Sie seinerzeit darum gebeten, zu veranlassen, daß amtliche
Organe für den Schutz von Personen und Gebäuden religiöser Gemeinschaften
sorgen oder daß den Gläubigen gestattet wird, sich selbst legal
zu verteidigen. Sie hatten gesagt, daß es besser sei, wenn dieser
Schulz durch von Amis wegen zuständige Personen erfolgt, womit ich
einverstanden war. Nach den wiederholten Überfällen auf religiöse
Gebäude und Mitarbeiter der katholischen Kirche entsieht der Eindruck,
daß das von Ihnen Verlangte und Angeordnete nicht in die Tat umgesetzt
wird. Was sollen wir tun, um uns vor größerem Unheil mit unabsehbaren
negativen Folgen für unsere Stadt und unsere Gemeinde zu schützen?
Auch haben wir Informationen erhalten, wonach gemäß irgendjemandes
Anordnungen aus Dienststellen oder Institutionen unserer Gemeinde
(nach meiner Überzeugung sicher ohne Ihr Wissen und Ihre Genehmigung)
vorgesehen ist, in unserem Gemeindegebiet 700 (siebenhundert) Gebäude
abzureißen, zu beschädigen oder zu zerstören?!! Wie Sie wissen,
sind bereits einige religiöse Gebäude der katholischen Kirche Ziel
vernichtender Überfälle unkontrollierter Einzeltäter oder Gruppen
gewesen. Dieser letzte peinliche Zwischenfall am Vorabend des großen
katholischen Dreifaltigkeitsfestes und der Firmungsfeierlichkeiten
in der Pfarrei Banja Luka - Bud¾ak hat alle zu dieser Pfarrei gehörenden
Katholiken und die der ganzen Gegend sehr erbittert!
Herr Bürgermeister, wir müssen den in seinen Grundfesten bedrohten
Frieden unter der katholischen Bevölkerung dieses Teils unserer
Gemeinde mit allen Kräften der Vernunft bewahren.
Ich bitte Sie, mir baldmöglichst Gelegenheit zu einem Gespräch mit
Ihnen zu geben. Die Gemeindemitglieder der Pfarrei Banja Luka -
Bud¾ak wünschen und verlangen dies.
Ich danke Ihnen im voraus für alles, was Sie unternehmen, damit
die unmenschliche Heizjagd auf Einzelpersonen und die Gemeinschaft
der katholischen Kirche in unserer Stadt und Gemeinde endlich aufhört.
Ich verbleibe mit dem Ausdruck der Hochachtung
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Anlage:
Bericht des Pfarrers über den bewaffneten Überfall.

ENTFÜHRUNG
DES PFARRERS IN NOVA TOPOLA, HOCHW. R. GRGIÆ, BESTIALISCHE MIßHANDLUNG
KATHOLISCHER NONNEN UND GEFÄHRDUNG DES BESITZES IM KLOSTER NOVA
TOPOLA
Schreiben an die Polizeiwachen in Banja Luka und Bosanska Gradi¹ka
(Prot. Nr. 495/92 vom 06. Juli 1992)
Obwohl
Ihnen diese Sache durch unsere wiederholten mündlichen Interventionen
der letzten Zeit bereits gut bekannt ist, wurde sie leider bislang
weder aufgeklart noch abgeschlossen. Ich bin daher genötigt, mich
schriftlich an Sie zu wenden, um Sie zu ersuchen, den entführten
kranken Geistlichen ausfindig zu machen und zu veranlassen, daß
die für öffentliche Ruhe und Ordnung zuständigen Organe alle nur
möglichen Maßnahmen für die Sicherheit der Nonnen und ihres Besitzes
im Kloster Nova Topola ergreifen.
Hier zur Erinnerung eine Zusammenfassung der schlimmen Ereignisse
in der Pfarrei und im Kloster von Nova Topola:
1. Am 16. Juni gegen 09.20 Uhr haben vier unbekannte Bewaffnete
den Pfarrer Ratko Grgiæ aus dem Pfarrbüro in Nova Topola in Richtung
des Dorfes Laminci entführt. Auf meine am gleichen Tage bei der
Polizeiwache Nova Topola sowie beim Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka,
Herrn Neboj¹a Iva¹tanin, erfolgte Intervention hin wurde mir bestätigt,
daß den behördlichen Organen in der Gemeinde keinerlei Gründe für
eine Festnahme oder eine Vorführung des Pfarrers vorliegen. Es wurde
mir gleichzeitig zugesichert, daß unverzüglich alles unternommen
werde, damit der entführte Pfarrer so bald wie möglich aufgefunden
und nach Hause gebracht wird, und daß die für die öffentliche Sicherheit
zuständigen Beamten der Polizeiwache beauftragt seien, sich noch
mehr um die Sicherheit der Nonnen des Klosters, die durch die Entführung
des Pfarrers deutlich verängstigt waren, zu kümmern.
2. Am Abend desselben Tages gegen 22.00 Uhr ist die gleiche Vierergruppe
gewaltsam in das Kloster eingedrungen. Die Eindringlinge verlangten,
daß sich alle Nonnen (es sind 22), zum großen Teil ältere Frauen
im Alter zwischen 70 und 90 Jahren, in einen Raum begeben. Dort
begannen sie, die Ordensschwestern zusammen und dann auch einzeln
- mit Waffen, Händen und Schimpfworten - zu mißhandeln. Insbesondere
fielen die Eindringlinge in sadistischer Weise und äußerst brutal
über einige jüngere Ordensschwestern her, so schlimm, daß dies uneingeschränkte
Verurteilung verdient! In den Annalen der jahrhundertelangen Geschichte
der katholischen Kirche in diesem Raum ist zu keiner Zeit ein ähnliches
Geschehnis vermerkt worden!
Diese unmenschlichen Mißhandlungen der wehrlosen und harmlosen Ordensschwestern
und das Ausleben niedriger Instinkte an denselben dauerte bis 04.30
Uhr am folgenden Morgen! In der Zwischenzeit ist keine Polizeistreife
erschienen, obwohl die Beamten einen entsprechenden dienstlichen
Auftrag hatten.
Über diese äußerst rohe und durch nichts gerechtfertigte schwere
Untat habe ich die für die öffentliche Sicherheit zuständigen Organe
in Banja Luka, Nova Topola und Bosanska Gradi¹ka an jenem Tage,
dem 17. Juni, gegen Abend, gleich nachdem ich von dem bösen Zwischenfall
Kenntnis erhalten hatte, informiert. Erneut wurde stärkerer Schutz
für die Nonnen und das Kloster zugesichert. Es bedarf keiner besonderen
Erwähnung, daß alle Nonnen unter schwerem Schock standen, einige
von ihnen haben körperliche und psychische Schäden davongetragen.
In der gleichen Nacht wurden, nachdem man dort gewaltsam eingedrungen
war, das Pfarrbüro und die Pfarrwohnung in Nova Topola verwüstet
und ausgeraubt.
3. Trotz aller gegebenen Garantien sind in der Nacht vom 22. auf
den 23. Juni Unbekannte in den Hof des Klosters eingedrungen und
haben den verschlossenen Deckel auf dem Tank für das Heizöl (für
die Zentralheizung des Klosters) abgerissen und das übriggebliebene
Heizöl mitgenommen, nachdem Beamte der Polizeibehörde von Bosanska
Gradi¹ka einige Tage zuvor eine größere Menge Heizöl entnommen
hatten.
4. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni hat ein unbekannter Täter
(bzw. haben mehrere unbekannte Täter) das Wirtschaftsgebäude des
Klosters angezündet (die Kuh-, Schweine- und Geflügelställe), wobei
eine große Menge Heu und Heizmaterial (Holz) für das Kloster verbrannten.
Über all diese Ausschreitungen und Delikte l legen Ihnen die Meldungen
Ihrer Mitarbeiter vor, da wir diese mehrfach mündlich informiert
haben.
Da ich als kirchlicher Würdenträger für das Leben und den Besitz
der erwähnten Ordensschwestern und des Pfarrers verantwortlich bin,
muß ich Sie erneut darauf aufmerksam machen, daß mir bis zur Stunde
keinerlei positive Ergebnisse der Ermittlungen der amtlichen Stellen
von Bosanska Gradi¹ka und Banja Luka vorliegen, was das Schicksal
von Pfarrer Grgiæ und die zukünftige Sicherheit der Nonnen in Nova
Topola, einem Ort, wo seit über 100 Jahren Nonnen in Frieden und
Eintracht mit der dortigen Bevölkerung leben und arbeiten, angebt.
Ich bitte Sie daher, geschätzte Empfänger dieses Schreibens, um
kompetente Anleitung hinsichtlich dessen, was ich, die Nonnen und
der entführte Pfarrer Grgiæ zu tun haben.
Ich verbleibe in Erwartung Ihrer Antwort.
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Eingabe
zugestellt an:
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

BEWAFFNETER
ÜBERFALL AUF DAS NONNENKLOSTER "MARJANOVAC" IN BOSANSKI
ALEKSANDROVAC
Schreiben an die Polizei- und Militärbehörden in Banja Luka und
Lakta¹i
(Prot. Nr. 523/92 vom 22. Juli 1992)
Wie uns
die Vorsteherin des Klosters "Marjanovac" in Bosanski
Aleksandrovac Schw. Maristela Heæimoviæ mitgeteilt hat, ereignete
sich in der Nacht des 22. Juli d. J. in der Zeit zwischen 00.30
und 01.00 Uhr und um 03.00 Uhr ein bewaffneter Angriff aus einer
leichten Feuerwaffe auf das Kloster und die Pfarrkirche St. Johannes
der Täufer in Bosanski Aleksandrovac.
Zahlreiche Schüsse trafen die Fassade und das Dach des Klosters
und der Kirche, und einige zerschlugen die Zimmerfenster der Ordensschwestern
und bedrohten unmittelbar das Leben der hochbetagten Ordensschwestern.
Da sich nicht weit vom Kloster, an der Landstraße Banja Luka - Bosanska
Gradi¹ka, eine Wache der Polizei und der Militärpolizei befindet,
konnten die Diensthabenden zweifellos alles hören und sehen und
den Zivil- und den Militärbehörden von dem bösen Vorfall Meldung
machen.
Wir bitten Sie erneut, energisch zu handeln, damit verhindert wird,
daß noch trag i schere Attacken gegen diese uralte Institution der
katholischen Kirche erfolgen, eine Institution, die niemandem etwas
zuleide getan, sondern vielmehr zahlreichen Menschen, sowohl Ortsbewohnern
als auch anderen, auf vielfältigste Weise geholfen hat.
Wir erwarten mit Recht, daß im Gemeindegebiet von Lakta¹i Ordnung
und Gesetzlichkeit für alle, auch für uns Katholiken und die Ordensschwestern
im - allzuoft attackierten - Kloster "Marjanovac" in Bosanski
Aleksandrovac, garantiert werden.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Eingabe
zugestellt an:
- die Provinzial Verwaltung - Zagreb
- die General Verwaltung - Rom, Italien

IMMER
GRÖSSERE RECHTLOSIGKEIT UND IMMER UNGEWISSERE ZUKUNFT FÜR DEN KATHOLISCHEN
TEIL DER BEVÖLKERUNG DER GEMEINDE BANJA LUKA
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Herrn Mag. P. Radiæ
(Prot. Nr. 552/92 vom 03. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
es sind bereits anderthalb Monate vergangen, seit ich Sie um ein
Gespräch über die derzeitige Situation der katholischen Gläubigen
im Gebiet unserer Gemeinde gebeten hatte. Ich danke Ihnen, daß
Sie mir jetzt die Möglichkeit gegeben haben, mich persönlich mit
Ihnen zu treffen, um Ihnen als oberster Persönlichkeit unserer Gemeinde
die ganze Schwere der Problematik hinsichtlich Gegenwart und Zukunft
der Katholiken darzulegen.
In den vergangenen anderthalb Monaten hat sich die Lage im ganzen
verschlechtert, obwohl Sie durch Ihren Einsatz gewissen unnormalen,
anarchischen Abwegen von Einzelnen oder bewaffneten Gruppen entgegengewirkt
haben. Wie Sie sicher wissen, war die katholische Kirche in dieser
Stadt und Gemeinde diese ganze Zeit über bestrebt, den zerbrechlichen
Frieden zu bewahren, sowohl innerhalb der Reihen ihrer Gläubigen
als auch im gesamten Gebiet unter unseren geschätzten Mitbürgern
und Nachbarn. Gewiß sind Ihnen auch die vielen Fälle von Provokation,
Schikane und Gefährdung des Besitzes und des Lebens unserer katholischen
Gläubigen nicht unbekannt. Soweit ich weiß, ist es nicht zu Vergeltungsakten
wegen angetanen Unrechts gekommen. Gott sei Dank! Dennoch gibt es
aber viele brennende Fragen, von denen Sie wahrscheinlich wissen,
Fragen, zu denen Sie, von allen politischen und sonstigen Aufgaben
abgesehen, befriedigende und nicht nur kurzfristige Lösungen suchen
müssen. Dies stelle ich auf dem Hintergrund Ihrer mir bekannten
und lobenswerten Erklärung fest, in der Sie zum Ausdruck brachten,
daß Sie, solange Sie Ihre jetzige Position innehaben, bemüht und
bestrebt sein werden, daß Ihr Wort Gehör findet und gewürdigt wird.
Im sicheren Bewußtsein Ihres menschenfreundlichen Einsatzes für
alle Ihnen anvertrauten und unter Ihre Zuständigkeit fallenden Menschen
bin ich überzeugt, daß Sie auch den nachfolgend genannten Problemen,
die ich Ihnen im Namen der katholischen Gläubigen unserer Gemeinde
Banja Luka vortrage, ausreichend Gehör schenken werden und daß Sie
bestrebt sein werden, sie in befriedigender Weise zu lösen.
1. In den vergangenen zwei Monaten ist es in unserem Gemeindegebiet
häufiger zu direkter Bedrohung des Lebens von Geistlichen, Mönchen
und Nonnen (der Pfarrer in Bud¾ak, die Mönche des Klosters auf
dem Petriæevac, die Nonnen des Klosters in der Martiæevastraße)
gekommen.
2. Beschädigungen und Schändungen religiöser Gebäude (das Gemeindeseelsorgezentrum
in Bud¾ak viermal; das Kloster Petriæevac; dann das Nonnenkloster,
die Pfarrkirche und die Garage des Pfarrbüros - alle in der Martiæevastraße;
Schüsse aus einer Feuerwaffe auf den Turm der Kathedrale) sind häufiger
geworden.
3. Es hat eigenmächtig (ohne Anordnung) vorgenommene Durchsuchungen
kirchlicher Räumlichkeiten (des Gemeindeseelsorgezentrums in Bud¾ak,
des Klosters Petriæevac, des Trappistenklosters, des Bischöflichen
Ordinariats und der Bischöflichen Residenz, der Räume der Caritas)
gegeben.
4. Es sind Medikamente und bei Caritas International beschafftes,
für Gesundheitseinrichtungen in Banja Luka und in der gesamten Region
bestimmtes Sanitätsmaterial geraubt worden.
5. Die Arbeit der Bischöflichen Caritas wurde durch die Wegnahme
von acht Lkws, die Nahrungsmittel und Medikamente holen sollten,
unmöglich gemacht.
6. Das Personal der Caritas und Menschen (mehrere Hundert), denen
die Caritas behilflich sein wollte und sollte, Banja Luka auf legale
Weise zu verlassen (Flüchtlinge, Studenten, Kranke, als Gastarbeiter
im Ausland tätige Menschen), wurden schikaniert.
7. Ein bereits geschlossener Vertrag zwischen dem Bischöflichen
Ordinariat, der Gemeinde und der Baufirma "Vrbas" aus
Lakta¹i über die Errichtung eines Caritas-Gebäudes auf dem Grundstück
eines ehemaligen Gebäudes, eines Besitzes des Bischöflichen Ordinariats
in der Martiæevastraße, wurde aufgehoben.
Außerdem muß ich, gemeinsam mit vielen Mitgliedern der katholischen
Kirche in dieser Gemeinde, feststellen, daß man einer großen Anzahl
dieser Kirchenmitglieder gewisse menschliche Grundrechte und die
persönliche Freiheit vorübergehend entzogen bzw. diese bedroht
hat. Es handelt sich um folgende Rechtsverletzungen;
1. Verletzungen des Rechts auf Gleichberechtigung ohne Unterschiede
wegen Nationalität und religiöser Überzeugung;
2. Verletzungen des Rechts auf für das Leben und den persönlichen
Unterhalt notwendige Güter;
3. Verletzungen des Rechts auf Arbeit und gerechte Verteilung der
Früchte der Arbeit (mehr als 90% der Katholiken wurden aus dem
Arbeitsverhältnis entlassen);
4. Verletzungen des Rechts auf Privateigentum;
5. Verletzungen und Gefährdung der Gewissensfreiheit sowie Verletzungen
des Rechts auf Freiheit des Denkens und der Rede;
6. Verletzungen des Rechts auf Unantastbarkeit der Person;
7. Verletzungen des Rechts auf freie Berufswahl;
8. Verletzungen des Rechts auf Erziehung und Ausbildung der eigenen
Kinder;
9. Verletzungen des Rechts auf freien Zusammenschluß und Mitbestimmung
im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben;
10. Verletzungen des Rechts auf einen guten Ruf.
Für jeden einzelnen der angeführten Punkte haben wir viele konkrete
Beweise, für einzelne Punkte (Recht auf Arbeit, auf Gewissensfreiheit,
auf Privateigentum, auf Erziehung und Ausbildung der Kinder) haben
wir leider sogar zu viele!
Diese ganze Gesetzlosigkeit im Verhalten gegenüber dem katholischen
Teil der Bevölkerung, zum größten Teil Kroaten (neben Ukrainern,
Slowenen, Italienern, Tschechen, Österreichern und anderen), trotz
der ausgeprägten Friedfertigkeit im Benehmen und in der Haltung
dieser Menschen führte zu starker sozialer Gefährdung und berechtigter
Unzufriedenheit. Angesichts unserer bei allen religiösen Zusammenkünften
unermüdlich vorgetragenen Ermahnungen, daß man sich christlich verhalten
müsse und zugefügtes Unrecht nicht mit gleicher Münze vergelten
dürfe, verlangen unsere Gläubigen von uns, ihren geistlichen Führern,
zunehmend Hilfe und Schulz. Da den politischen Strukturen des kroatischen
Volkes das Handeln verwehrt ist, kommen die Menschen zum Bischof
und verlangen von ihm, daß er sich für mehr als 2.800 nachweislich
wegen Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen von der Arbeitsstelle
Entlassene einsetzt! Hinter diesen Menschen stehen, wie sie versichern,
mehr als 12.000 sozial völlig unversorgte Familienmitglieder! -
Herr Bürgermeister, an dieser schwerwiegenden Tatsache können und
dürfen Sie nicht vorbeigehen, ohne sich dafür einzusetzen, daß für
die Lage dieser bedrohten Menschen eine positive Lösung zustande
kommt!
Eine größere Zahl dieser existentiell bedrohten Menschen, Katholiken,
möchte, da sie all diese Willkürakte nicht mit Aufruhr erwidern
wollen, der (wie es scheint!) wachsenden Willkür irgendwie ausweichen,
und sie gehen ganz weg! Herr Bürgermeister, als geistliches Oberhaupt
aller Katholiken unserer Gemeinde (es sind über 30.000 Personen)
muß ich auch Sie und ebenso alle zum Schutz und zur Achtung aller
Grundrechte unserer Bürger verpflichteten behördlichen Organe unserer
Gemeinde darauf aufmerksam machen, daß das, was augenblicklich mit
den Katholiken geschieht, (bezüglich anderer bin ich zu Äußerungen
nicht befugt), eine spezifische Form von Rassismus und eine Art
Genozid ist! Die katholischen Gläubigen, die gezwungen sind, die
Orte zu verlassen, an denen sie jahrhundertelang heimisch waren,
erleben dies als eine Vertreibung der katholischen Kirche aus dieser
Stadt, einer Stadt, in der sie es, selbst in den schweren Zeiten
der osmanischen Herrschaft, immer geschafft haben, sich zu behaupten,
in der sie aufbauend, zivilisatorisch und kulturell zur Entwicklung
der ganzen Gegend beigetragen haben. Dies ist augenblicklich ganz
gewiß ein sehr schweres und ein sehr weittragendes Problem, das
positiv gelöst werden muß! Ich bin überzeugt, daß Sie persönlich
und neben Ihnen viele andere weitblickende und verantwortliche
Menschen in unserer Stadt und in der hiesigen Gegend alles tun werden,
was in ihren Kräften steht, damit der Alptraum, der die Katholiken
unserer Gemeinde niederdrückt, so bald wie möglich weicht.
Ich erlaube mir, Ihnen nur noch einige Fragen zu stellen:
- Was planen Sie bzw. was plant man für die nächste Zukunft hinsichtlich
der Katholiken (der kroatischen und der anderen Katholiken)?
- Welche Rechte gewährleistet man uns hier?
- Können Sie - als oberste Persönlichkeit unserer Gemeinde - schnellstens
ein gemeinsames Gespräch mit Vertretern der katholischen Kirche,
anderen Institutionen des kroatischen (und des ukrainischen) Volkes
und maßgeblichen Vertretern anderer verantwortlicher Institutionen
in unserer Gemeinde organisieren?
- Was wäre von ans, von mir als Bischof, von den Geistlichen, von
den Ordensbrüdern und -Schwestern und von allen anderen der katholischen
Kirche angehörenden Gläubigen noch zu tun, damit wir unsererseits
zu einer allseitig zufriedenstellenden vernünftigen Lösung der uns
alle bedrückenden aktuellen Probleme beitragen?
In der Hoffnung, daß Sie unsere Nöte, aber auch unseren aufrichtigen
Wunsch, gemeinsam mit Ihnen alle Probleme der Bevölkerung unserer
Stadt und Gemeinde zu lösen, sehr gut verstanden haben, sage ich
Ihnen meinen Dank, und ich grüße Sie, auch im Namen der vielen Menschen,
die mich bitten, sie vor Ihnen zu vertreten!
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad

STOPPEN
SIE DIE GEWALTTATEN GEGEN DIE MITGLIEDER UND DEN BESITZ DER KATHOLISCHEN
KIRCHE IN DER GEMEINDE PRNJAVOR!
Schreiben an den Bürgermeister von Prnjavor, Ing. Nemanj Vasiæ
(03. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
in letzter Zeit hatte ich in meiner Eigenschaft als Oberhaupt der
Katholiken im Bereich der Bosanska Krajina einige Treffen mit den
höchsten Repräsentanten der Zivil- und der Militärbehörden in Banja
Luka und der Bosanska Krajina. Grund dieser Treffen sind die vielen
Probleme, mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen, zugleich
aber auch unser Wunsch, als Gläubige zur Besänftigung der ausgebrochenen
Leidenschaften und zur Erhaltung des Friedens in dieser Gegend beizutragen.
Mit diesem Ziel, und in Zusammenarbeit mit anderen religiösen Gemeinschaften,
sind wir bemüht, auf einem Terrain, wo zwar der Frieden einigermaßen
halt, aber auf Schritt und Tritt große Angst und Spannung spürbar
sind, etwas auszurichten.
Ich kann - die Spitzen der Zivil- und der Militärbehörden haben
mir gegenüber diese Tatsache bestätigt - mit Befriedigung und Freude
hervorheben, daß die Katholiken in dieser Gegend niemandem irgendwelche
Probleme machen und ein Vorbild für friedliches Zusammenleben geben.
Gleiches gilt auch für die Katholiken und die im religiösen Dienst
tätigen Mitarbeiter der katholischen Kirche in Ihrer Gemeinde.
Gleichzeitig haben mir dieselben Amtsträger den Schutz der Rechte
und die Gewährleistung der Sicherheit der Gläubigen und der im religiösen
Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter und den Schutz der Gebäude
und des übrigen Besitzes der religiösen Gemeinschaften zugesichert.
Um so mehr bin ich daher über die in Ihrer Gemeinde herrschende
Gewalttätigkeit gegenüber Gläubigen, im religiösen Dienst tätigen
kirchlichen Mitarbeitern und religiösen Gebäuden bestürzt. Konkrete
Zwischenfälle jüngsten Datums sind die Zerstörung der griechisch-katholischen
Kirche in Prnjavor und der römisch-katholischen Kirche in Kula¹i,
das gewaltsame Eindringen in die Filialkirche in ©tivor und die
Beschlagnahme des Autos des römisch-katholischen Pfarrers in Prnjavor
usw.
Noch mehr erstaunt mich, daß die von Amts wegen zuständigen Ordnungsbehörden
kein Interesse zeigen, die Probleme zu lösen und die Täter zu ermitteln
und zu bestrafen. Im Falle der Zerstörung der Kirche in Kula¹i haben
die Polizisten den Pfarrer, der den Zwischenfall bei ihnen zur Anzeige
brachte, sogar bedroht(!).
Ich frage Sie: "Womit haben die Gläubigen Ihrer Gemeinde und
die dort im religiösen Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter solche
Behandlung verdient? Was können die in Angst versetzten Gläubigen
bzw. im religiösen Dienst tätigen kirchlichen Mitarbeiter nach
diesen Zwischenfällen erwarten? Bleibt ihnen letztlich nur die Aussicht
auf physische Vernichtung oder Vertreibung? Was tun die von Amts
wegen Zuständigen zur Beruhigung dieser Menschen?"
Wir möchten gern glauben, daß die erwähnten Zwischenfälle nicht
im Sinne der von Amts wegen zuständigen Behörden sind und es sich
vielmehr um das Werk verantwortungsloser Einzeltäter oder Gruppen
handelt. Deshalb erwarten wir mit Recht, daß diese Behörden alle
erforderlichen Maßnahmen zur Ergreifung und Bestrafung der Täter
treffen und derartige Zwischenfälle mit allen möglichen legalen
Mitteln verhindern. Wenn es hier in diesem Gebiet jemals zu einem
Rechtsstaat kommt, und es muß dazu kommen, müssen seine Fundamente
jetzt gelegt werden. Eine derartige Anarchie liegt nicht im Interesse
irgendeines Volkes.
Als verantwortungsvolle Persönlichkeit muß Ihnen gegenüber nicht
betont werden, welche ungeheuren negativen Folgen solche Geschehnisse
für ein zukünftiges Miteinander haben können. Ein Miteinander aber
ist unverzichtbar.
Deshalb richte ich an Sie, und über Sie an alle übrigen verantwortlichen
Behörden in Ihrer Gemeinde, diesen Appell, wobei ich von Ihnen konkretes
Handeln und Ihrer Stellung entsprechende Maßnahmen erwarte. Wir
sind überzeugt, daß Sie bereit und in der Lage sind, es mit den
Problemen der Menschen, die Ihnen anvertraut sind und für die Sie
Verantwortung tragen, aufzunehmen.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- CSB - Banja Luka
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad,
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

ZWANGSAUSSIEDLUNG
VON KATHOLIKEN DER PFARREI DOLINA DURCH DIE GEMEINDEBEHÖRDEN
Schreiben an den Bürgermeister von Bosanska Gradi¹ka, Herrn Neboj¹a
Iva¹tanin
(Prot. Nr. 566/92 vom 07. August 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
ich habe die dienstliche Mitteilung erhalten, daß am 05. August
1992 in der Pfarrei Dolina eine größere Gruppe Militärpolizisten
der Territorialverteidigungskräfte von Bosanska Gradi¹ka durch
alle drei Dörfer der genannten Pfarrei - Gornja Dolina, Donja Dolina
und Novo Selo - die Runde gemacht und der Bevölkerung ein Ultimatum
gestellt hat, welches besagt, daß sie diese Gegend unverzüglich,
spätestens jedoch bis zum 01. September d. J., verlassen müsse und
daß dieses Gebiet ethnisch rein zu bleiben habe. Man sagte den Menschen,
daß man sie, falls sie diese Gelegenheit, die Sava lebend auf der
Brücke zu überqueren, nicht nutzen, alle in den Fluß treiben werde.
Einigen Leuten wurde die Anordnung erteilt, ein Verzeichnis der
Haushalte zu erstellen und die Aussiedlung zu organisieren.
In der vorgenannten Mitteilung heißt es noch, daß man für den Fall,
daß nicht unverzüglich etwas unternommen wird, davon ausgehe, daß
den Menschen Schlimmstes droht. Daher wünscht man auch, daß ich
eiligst interveniere.
Da ich Sie leider nicht angetroffen habe, obwohl ein Treffen zur
Erörterung dieser Problematik vereinbart gewesen war, konnte ich
nach meinem Besuch in der Pfarrei Dolina nur mit dem Sekretär des
Gemeindeparlaments Bosanska Gradi¹ka, Herrn Du¹an Radiæ, sprechen.
Er teilte mir mit, daß bei den Gemeindeorganen von Bosanska Gradi¹ka
keinerlei gesetzliche Verfügungen vorliegen, auf deren Grundlage
irgendjemand zur Durchführung der erwähnten ungeheuerlichen Aktion
der Aussiedlung einer ganzen katholischen Pfarrei, die schon seit
mehreren Jahrhunderten an dieser Stelle existiert, legitimiert wäre.
Da ich mich persönlich davon überzeugen konnte, daß der katholischen
Bevölkerung der Pfarrei Dolina im Verlauf dieser Kriegszeit mannigfaltiges
Unrecht zugefügt worden ist, erstaunt es nicht, daß diese letzte
Drohung bei den Menschen eine derartige Beunruhigung hervorgerufen
hat. Ich erwarte daher von Ihnen, Herr Bürgermeister, daß Sie als
höchster Verantwortungsträger Ihrer Gemeinde bis Montag, den 10.
August 1992 an den öffentlichsten Stellen vor der Bevölkerung der
genannten Dörfer der Pfarrei Dolina das gestellte Ultimatum dementieren,
das sich nur als rein faschistisch und der heutigen Zeit und dieser
Breiten absolut unwürdig charakterisieren läßt und das wir und die
gesamte zivilisierte Welt niemals billigen könnten und würden.
Ich erwarte von Ihnen eine offizielle Antwort, die ich an General
Taliæ, den Kommandanten des l. Krajina-Korps, weiterleiten werde,
der mich persönlich gebeten hat, daß ich beruhigend auf meine Gläubigen
einwirke, wo immer dies nötig ist.
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- CSB - Banja Luka,
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad.

VERHINDERN
SIE WEITERE VERBRECHEN AN SCHUTZLOSEN KATHOLIKEN IM GEBIET VON LJUBIJA
(GEMEINDE PRIJEDOR)!
Schreiben an General Momir Taliæ, den Kommandeur des 1. Krajina-Korps
(Prot. Nr. 623/92 vom 22. August 1992)
Geehrter
Herr Kommandeur,
wie Ihnen Ihr bevollmächtigter Stellvertreter, Oberst Vojinoviæ,
sicher schon nach dem am 21. August 1992 abgehaltenen Treffen, an
dem als Vertreter der Zivilbehörden aus Ljubija Herr Ðoko Taranjac
und Herr Milenko Jelisavac, ferner der Geistliche von ©urkovac,
Pfarrer Josip Bo¾iæ, und der Unterzeichner, der Bischof von Banja
Luka, teilgenommen haben, berichtet hat, sind über 500 Gläubige
der Pfarrei ©urkovac bei Ljubija zu "freiwilliger"(!)
Zwangsaussiedlung verurteilt worden.
Da Oberst Vojinoviæ Ihre ablehnende Haltung hinsichtlich jedweder
Aussiedlung, insbesondere hinsichtlich Zwangsaussiedlungen, sehr
klar darlegte, hat ihm die Abordnung aus Ljubija - ©urkovac die
Bitte vorgetragen, daß man schnellstens ein Treffen zur Erörterung
dieser sehr aktuellen Problematik mit ihren weittragenden Folgen
organisieren möge, bei dem neben Ihnen bzw. Ihrem Stellvertreter
auch Oberst Arsiæ, der Chef der Polizeibehörde Drljaèa, Bataillonskommandeur
Bilbija, Bürgermeister Dr. Stakiæ und der Kommandeur des Polizeipostens
in Ljubija, Bajiæ, sowie die beiden Vertreter der Zivilbehörden
aus Ljubija (Taranjac und Jelisavac) anwesend sein sollten.
Ich wurde gebeten, heute zu kommen und den Vertretern der bereits
für eine Aussiedlung mobilisierten Bevölkerung klarzumachen, daß
die Leute in ihren Häusern bleiben und daß die Behörden, die Zivil-
und die Militärbehörden, ihre volle Sicherheil gewährleisten werden.
Auf dem heutigen Treffen sind die beiden gestrigen Vertreter der
Zivilbehörden aus Ljubija nicht erschienen (mir wurde gesagt, daß
sie sich vor den Leuten aus den eigenen Reihen fürchten!), dafür
waren aber rd. 200 sehr verängstigte, um ihr Schicksal besorgte
Leute da. Sie übernachten schon volle drei Monate lang nicht in
ihren Häusern, weil sie von Uniformierten von irgendeiner Einheit
aus Bosanski Novi, die sieh "Suha Rebra" nennen, ständig
beschossen werden. Über 200 Häuser sind völlig ausgeplündert. Die
Menschen haben einfach nichts mehr, wovon sie leben könnten. Sie
sind wegen des an der unschuldigen Bevölkerung des benachbarten
Dorfes Bri¹evo verübten schrecklichen Massakers, bei dem einige
Dutzend Menschen, Frauen und Kinder umgekommen sind, in Panik geraten.
Noch mehr wurden sie durch die Äußerungen der Zivilbehörden vor
zwei Tagen verängstigt, bei denen es hieß: "Bis jetzt sind
wir mit euch auf diese Art umgegangen, aber demnächst kommt die
Zeit, wo die "Hunde" von der Kette gelassen werden, und
dann ist es aus mit euch. Dies ist (man denkt dabei an die Möglichkeit
der Aussiedlung!) für euch der letzte Zug! Ihr habt gesehen, was
mit Bri¹evo passiert ist!"
Diese Leute haben mir gesagt, daß es ihnen mit all den Versprechungen
reiche und daß sie niemandem mehr Glauben schenken können. Nach
dem Gespräch mit mir haben sie immerhin geäußert, von einem Umzug
Abstand nehmen 7,u wollen, jedoch unter der Bedingung, daß ihnen
eine Militäreinheit Sicherheit gibt, und zwar eine Einheit, die
unter dem Kommando von General Taliæ stehen müßte und seine Befehle
auszuführen hätte. Dies ließe sich, nebenbei bemerkt, angesichts
der gestrigen Aussage der beiden Vertreter der Zivilbehörden sowie
der gleichzeitig erklärten prinzipiellen Bereitschaft von Oberst
Vojinoviæ relativ leicht realisieren.
Ich möchte Ihnen, Herr Kommandeur, noch kürz mitteilen, daß mir
das zumindest befremdende, um nicht zu sagen arrogante Verhallen
des Bataillonkommandeurs, Herrn Bilbija, Sorge macht, der heute
mir gegenüber seltsamerweise behauptet hat, daß es in dem unter
seine Zuständigkeit fallenden Gebiet und so auch in ©urkovac keine
Probleme gebe und daß in diesem Gebiet kein einziges religiöses
Gebäude Schaden erlitten habe. Als ich ihn darauf aufmerksam machte,
daß er offenbar nicht über die Lage in dem seiner Zuständigkeit
unterstehenden Gebiet im Bilde sei, da die Situation der Bevölkerung
in der Pfarrei ©urkovac den Höhepunkt der Dramatik erreicht habe
und auch die Situation in der Pfarrei Ljubija und Stara Rijeka
ähnlich sei und ferner die Kirche und das Pfarrhaus auf dem Bri¹evo
völlig niedergebrannt und die neue Kirche in Ljubija und das neue
Pfarrhaus schon vor mehr als 20 Tagen angezündet und völlig ausgeplündert
worden seien, entgegnete er mir, daß er von all dem heute zum ersten
Male höre.(!!!) Angesichts des Verhaltens von Kommandeur Bilbija
und einigen Personen seiner unmittelbaren Umgebung ist mir in der
Tat angst, wenn ich denke, daß es vielleicht schon diese Nacht oder
in den kommenden Tagen zu Verbrechen und unheilvollen Geschehnissen
kommt, die noch entsetzlicher als die bisher geschehenen sind.
Ich bitte Sie und appelliere an Sie, Herr Kommandeur General Taliæ,
unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die zur
Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie all der
anderen von den Katholiken im Gebiet Ljubija, d.h. in den Pfarreien
©urkovac, Ljubija, Stara Rijeka und Ravska, in keiner Weise provozierten
unheilvollen Geschehnisse nötig sind.
Ich bin überzeugt, daß Sie (auch mit meiner bescheidenen Hilfe)
auch in diesem konkreten Falle unschuldige Menschen schützen und
damit zugleich eine sicherere und freudvollere gemeinsame Zukunft
für alle Einwohner des genannten Gebiets ermöglichen werden.
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

SCHON
DIE FÜNFZEHNTE KATHOLISCHE KIRCHE ZERSTORT, IN EINEM GEBIET OHNE
KRIEGSHANDLUNGEN - WARUM?
Schreiben an Generalmajor M. Taliæ, den Kommandeur des 1. Krajina-Korps
(Prot. Nr. 640/92 vom 29. August 1992)
Geehrter
Herr General,
in der Nacht vom 28. auf den 29. August d. J. wurde die vor 100
Jahren erbaute römisch-katholische Pfarrkirche St. Josef in Prijedor
vermint und völlig zerstört. Der 1970 gebaute Kirchturm ist stark
beschädigt, und es besteht die Gefahr, daß er einstürzt. In der
Kirche waren künstlerische liturgische Gegenstände (Altäre, Skulpturen,
Gemälde usw.) von unschätzbarem Wert. Alles ist vollkommen vernichtet.
- Heute habe ich den Unglücksort in Begleitung der Militärpolizei
Ihres Korps aufgesucht und mich von der durch einen Akt des Vandalismus
hervorgerufenen Zerstörung dieses sehr wertvollen sakralen Gebäudes
in Prijedor sowie von dem großen Sachschaden an den Gebäuden des
Gemeindeseelsorgezentrums im Hof neben der Kirche sowie Gebäuden
der ganzen Umgebung überzeugt.
- Nach Augenzeugenberichten sind die Täter nach 22.30 Uhr gekommen.
Zuerst wollten sie die Tür zerschlagen, um in die Kirche zu gelangen.
Als der Pfarrer das Gepolter hörte, fragte er sie, wer sie seien
und was sie da machen, worauf ihm geantwortet wurde: "Mach1
dich ins Haus, Pope, sonst bringen wir dich auf der Stelle um!".
Der Pfarrer informierte sofort die Polizei, die die Meldung entgegennahm
und versprach, den gemeldeten Zwischenfall sofort zu untersuchen.
Der Pfarrer hat dann, weil niemand kam, noch dreimal die Polizei
gerufen, und schließlich erhielt er die Antwort: "Ist gut,
wir wissen schon von diesem Fall!". Die Täter hatten in der
Zwischenzeit die gläserne Wand bei der Eingangstür zerschlagen und
Sprengstoff in die Kirche gebracht. Auch die Bewohner der benachbarten
Gebäude hatten das Gepolter und die Personen, die mit zwei Autos
gekommen waren, bemerkt und die Polizei informiert. Es ist niemand
gekommen! - Auch die Diensthabenden des ein paar Dutzend Meter von
der Kirche entfernten Militärpostens wußten von den Tätern. Nach
Aussage eines dieser Diensthabenden hat einer der Vandalen zu ihnen
gesagt: "Lassen Sie uns in Ruhe, wir haben hier etwas zu erledigen!"
- Die Explosion erfolgte dann gegen 01.00 Uhr. - Der Pfarrer hat
zuvor telefonisch versucht, wenigstens die Feuerwehr zu rufen, jedoch
hat sich am Telefon niemand gemeldet!
- Ich stelle also fest, daß sowohl die Polizei als auch die Leute
vom in der Nähe der Kirche befindlichen Militärposten von der Zerstörung
unserer Kirche wußten. Die Polizei ist in jener Nacht mehrfach um
Intervention gebeten worden, hat aber nicht reagiert!
- Ich stelle auch fest, daß bis 14.00 Uhr des gleichen Tages kein
Vertreter behördlicher Organe den Pfarrer aufgesucht hat, um zu
sehen, wie es ihm und den übrigen Hausbewohnern geht, einen dienstlichen
Bericht aufzunehmen, den Unglücksort zu inspizieren und dem Pfarrer
als Hausherrn hinsichtlich der erforderlichen Schritte Anleitungen
zu geben - auch im Blick auf die Gemeindemitglieder, die wegen
der Zerstörung des wichtigsten und einzigen in der Pfarrei übriggebliebenen
religiösen Gebäudes logischerweise sehr erschreckt und beunruhigt
sind.
Ebenso stelle ich fest, daß ein bewaffneter Uniformierter, der sich
als im Namen der Stadt "zur Bewachung der Kirchenruine"
(?!) bestellte Person ausgab, vor dem Eingang ins Pfarrbüro, wo
auch ich mich zusammen mit meiner offiziellen Begleitung befand,
über den Pfarrer des Ortes lästerte und ihn mit den bösesten Schimpfworten
verunglimpfte und laut rief: "Man muß den Popen umbringen!
Ich werde den Popen umbringen!"
- Auf dem Revier der öffentlichen Sicherheitsbehörde in Prijedor
wollte mir niemand einen Kommentar zur Zerstörung der Kirche und
zur Lage hinsichtlich der Sicherheit des Pfarrers und des Hauspersonals
des Pfarrhauses geben, "weil der Genosse Chef streng verboten
hat, daß außer ihm selbst sonst irgendjemand Erklärungen gleich
welcher Art abgibt." - Als ich nach Ablauf von zwei Stunden
erneut versuchte, mit dem Chef in Kontakt zu treten, konnte ich
mit ihm nur telefonisch vom Büro des Diensthabenden aus sprechen.
Der Chef, Herr Simo Drljaèa, sagte mir in sehr unklarer Redeweise
wörtlich, "daß er sich von diesem Vandalenakt, den er verurteile,
distanziere" und "daß er im Falle der Ermordung des Pfarrers
eine Untersuchung anordnen werde" (!!).
- Am Ausgang des Reviers fragte ein bewaffneter Uniformierter, der
ebenfalls aus dem Revier gekommen war, einen zu meiner offiziellen
Begleitung gehörenden Polizisten: "Du fährst doch diesen Popen
- den Bischof?" Der Polizist antwortete: "Ich begleite
ihn in dienstlicher Eigenschaft", worauf der gleiche Uniformierte
sagte: "Warum bringst du das Miststück nicht um?!"
- Herr General, die von mir erwähnten Amtspersonen trugen die Uniform
der Polizei und des Militärs! Ich bin ehrlich betroffen, nicht so
sehr wegen der Verunglimpfung und Erniedrigung meiner Person, des
Pfarrers oder meiner Gläubigen, sondern vor allem darüber, daß
die Polizei- und die Militärbehörde, zumindest jene Vertreter derselben,
so lief gefallen sind! Ist es so, daß diese unschuldigen Menschen
tatsächlich Gewalttätern total ausgeliefert sind und daß es sogar
bei amtlichen Öffentlichen Stellen niemanden gibt, der der Gesetzlosigkeit
ein Ende setzen und sich von ihr öffentlich distanzieren würde?!
- Was bleibt mir angesichts einer solchen Anzahl zerstörter Kirchen
und anderer kirchlicher Gebäude in Prijedor, Bosanska Dubica, Bosanska
Kostajnica, Bosanski Novi, Kozarac, Donja Ravska, Bri¹evo, Bosanska
Krupa und Ljubija, ohne daß dort in der Nahe Kriegshandlungen stattgefunden
hätten, zu tun? Man hat mir gesagt, daß für die Pfarrkirchen in
©urkovac wie auch in Prijedor sogar 300 kg Sprengstoff bereitgestellt
worden sind!!?! Wird überhaupt auch nur eine unserer katholischen
Kirchen verschont bleiben? Ich gestatte mir. Sie als Kommandeur
des 1. Krajina- Korps zu fragen: "Für wen haben Sie seinerzeit
(am 23. Juni d. J.) den Befehl erlassen, daß kein einziges religiöses
Gebäude zerstört oder geschändet werden darf, wenn in meinem Bistum
- ohne daß es in diesen Gebieten Kampfhandlungen gegeben hätte(!),
nach dem Ergehen Ihres Befehls(!) nicht weniger als 15 Kirchen zerstört
bzw. völlig unbenutzbar gemacht worden
Herr General, können Sie in Absprache mit den für öffentliche Ruhe
und Ordnung zuständigen Organen irgendetwas tun, damit in unserer
Gegend die furchtbaren Gewaltakte gegen die unschuldige Bevölkerung
nicht noch mehr eskalieren? Werden sich eines Tages auch in diesem
unserem Gebiet, in dem leider anstelle des Rechts die Gesetze der
Anmaßung, Rücksichtslosigkeit Bosheit und Hinterlist und der Waffen
herrschen, schließlich erste Umrisse eines Rechtsstaats am Horizont
abzeichnen?
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Leiter des SJ- Zentrums für Bosnien, Prijedor
- die Apostolische Nuntiatur, Belgrad
- das Sekretariat der BK BiH, Sarajevo
- das Sekretariat der HBK, Zagreb

FORTGESETZTE
VERBRECHEN AN MITGLIEDERN DER KATHOLISCHEN KIRCHE IM GEBIET DER
BOSANSKA KRAJINA
Schreiben an den Kommandeur des 1. Krajina-Korps. Generalmajor Momir
Taliæ
(Prot. Nr. 650/92 vom 03. September 1992)
Geehrter
Herr General,
gemäß der mit Ihnen sowie mit Ihren Stellvertretern getroffenen
Vereinbarung gestatte ich mir wieder, Ihnen von einigen besonders
dringlichen Fällen Mitteilung zu machen, welche die Situation der
katholischen Gläubigen einiger innerhalb Ihres territorialen Zuständigkeitsbereichs
liegender Pfarren meines Bistums betreffen.
1. Bereits am 16. Juni, also vor mehr als zweieinhalb Monaten, haben
vier Bewaffnete am hellichten Tag Pfarrer Ratko Grgiæ aus dem Pfarrhaus
in Nova Topola in Richtung des Dorfes Laminci entführt. Nachbarn
aus der Umgebung haben sowohl den Wagen als auch die Leute gesehen.
Obwohl einige Hinweise vorliegen, wissen wir bis heute noch nicht,
was mit dem entführten Pfarrer geschehen ist. Man gewinnt den Eindruck,
daß die zuständigen Zivil-und Militärbehörden nicht die Absicht
haben, ihrer Aufgabe nachzukommen und den entführten Pfarrer Grgiæ
ausfindig zu machen. Ich bitte Sie, Herr General, diese schmerzliche
Tatsache erneut zur Kenntnis zu nehmen und mit einer energischen
Aktion Ihrer Organe diesen Fall aufzuklären, der diejenigen, die
bis jetzt die Obrigkeitsbefugnisse - die militärischen und die zivilen
- in dieser Gegend bzw. dieser Gemeinde besaßen, mit Schande bedeckt.
2. Was die Lage der Katholiken in der Gemeinde Bosanska Gradi¹ka
betrifft, wird trotz meiner zahlreichen Interventionen bei den
örtlichen Behörden bezüglich eines Minimums an Schulz für ihre menschlichen
Grundrechte nach wie vor echte Unterdrückung betrieben, die auch
einer wenig menschenfreundlichen Obrigkeit unwürdig ist. Ich bin
überzeugt, daß Sie noch immer nicht die wahre Sachlage in Bosanska
Gradi¹ka, Nova Topola und den Dörfern der Pfarrei Dolina- Gornja
und Donja Dolina und Novo Selo - kennen, wo einige Militäreinheiten
stationiert sind und wo die Bevölkerung die Grenze ihrer Geduld
erreicht hat und von mir verlangt, daß ich sie um jeden Preis aus
jener- wie sie sagt - "Hölle" heraushole und irgendwohin
bringe. Ich bitte Sie, baldigst Ihren Vertreter dorthin zu beordern,
damit er die wahre Sachlage untersucht und die Leute beruhigt, denn
ich selbst bin dazu nicht mehr in der Lage, obwohl ich alles mir
Mögliche unternommen habe. Ebenso sollte etwas zum Schutz von Leib
und Leben der Pfarrer in Dolina und Bosanska Gradi¹ka getan werden,
denen man bereits einige Male gedroht hat, man werde ihnen "den
Kopf abschneiden, wie dem von Nova Topola"!
3. Im Gemeindegebiet von Lakta¹i befinden sich zwei unserer Pfarrkirchen,
eine in Mahovljani und eine in Bosanski Aleksandrovac. In Bosanski
Aleksandrovac befindet sich auch ein sehr altes Nonnenkloster. Obwohl
in Bosanski Aleksandrovac, an der Landstraße Banja Luka - Bosanska
Gradi¹ka (in der Nähe des Klosters und der Kirche) ein Wachposten
stationiert ist, wird häufig auf das Kloster und die Nonnen geschossen.
Zusätzlich werden die Gläubigen, die in die Kirche oder zu den
Nonnen gehen, von dem Wachposten regelmäßig schikaniert, und so
traut sich kaum noch jemand an diesen Ort. Wie lange wird dieser
abnormale Zustand noch andauern? Wird sich die Lage der Nonnen tatsächlich
so zuspitzen, daß sie unter dem Druck, der nun schon mehrere Monate
lang - seit Sommer vergangenen Jahres - anhält, ihr Kloster, eines
der bedeutendsten und ältesten in Bosnien und Herzegowina, aufgeben
müssen, wodurch die Existenz der Pfarrei Bosanski Aleksandrovac
in Frage gestellt würde?
Auf die sogenannte "italienische Kirche" in Mahovljani
wurden am 23. September 1991 drei Sprengkörper - militärischer Herkunft
- abgefeuert, die einen Schaden in Höhe von über DM 20.000,-- verursachten.
Seit jenem Zeitpunkt ist es dann bis Mitte Juli d. J., als sich
in der Nähe der Kirche Militär einrichtete, im großen und ganzen
ruhig geblieben. Einige Häuser unserer Gläubigen wurden vermint,
und einige Gläubige sind mißhandelt worden. Nach Ablauf des genannten
Zeitraums aber wurden die Kirche und das Pfarrhaus zusammen mit
dem dort befindlichen Verwalter der Diözese (um die Kirche herum
liegt auch der Landwirtschaftsbetrieb der Diözese Banja Luka) mehrfach
von Uniformierten überfallen, und darauf folgte - wegen der Abwesenheit
des Verwalters - in der letzten Zeit eine regelrechte Ausplünderung,
wobei alles, was nicht niet- und nagelfest war, weggeschleppt wurde.
Und wenn man etwas nicht wegschleppte, bemühte man sich, es vollständig
zu vernichten. Die Innenausstattung der restaurierten Pfarrkirche
wurde vollständig vernichtet, sämtliche Fenster und die Fassade
wie auch das Kirchendach wurden beschädigt. Es wurden über 15 Kubikmeter
fertigen Baumaterials für die vorgesehene Erweiterung der Wirtschaftsgebäude
abtransponiert. Der Obst- und der Gemüsegarten wurden zerstört
und die Bäume wurden gefällt. - All dies ereignete sich unter den
Augen des Militärs, das alle Zufahrten zur Kirche, zum Pfarrhaus
und zu unserem Landwirtschaftsbetrieb bewachte. - Ist es möglich,
daß auch das Militär bei einer solch niederträchtigen Tat mitgewirkt
hat? Womit haben wir das verdient? Und können wir wenigstens die
wenigen übriggebliebenen kleinen Sachen mit Genehmigung der Militärbehörden
an einen sicheren Ort bringen? - Wird diese Kirche wieder das gleiche
Schicksal erleiden wie 1942, als sie zusammen mit dem Pfarrhaus
und der Pfarrschule in Brand gesteckt wurde?
4. Im Gemeindegebiet von Prijedor wurde vor einigen Tagen die Pfarrkirche
von Prijedor vollständig zerstört, davor war es die Kirche in Kozarac.
In Ljubija wurde die Kirche in Brand gesteckt, jedoch ist sie nicht
ganz ausgebrannt, das neue Gemeindeseelsorgezentrum wurde innen
zur Gänze zerstört. In Donja Ravska wurde die Filialkirche niedergebrannt.
Der tragischste Zwischenfall ereignete sich in Bri¹evo, wo, außer
rd. 100 Häusern, die Kirche und das Pfarrhaus niedergebrannt, aber
auch neunzig unschuldige Zivilisten - hauptsächlich Kinder und
ältere Menschen - umgebracht wurden, wie mir außer einigen Augenzeugen
auch Vertreter des Militärs sagten. Sowohl bei den in Bri¹evo als
auch bei den in Ljubija begangenen Verbrechen sind sicher Militäreinheiten
am Werk gewesen, was dem dortigen Bataillonskommandeur, Herrn Bilbija,
sehr wohl bekannt ist. Die katholische Bevölkerung der ganzen dortigen
Gegend ist in furchtbarer Panik, einerseits wegen all der vorerwähnten
Ereignisse und andererseits wegen der ständigen Überfälle bewaffneter
Personen und der Plünderung ihrer gesamten Habe. Die Leute verlangen
von mir, daß ich sie, gleich, in welcher Weise, aus dieser unerträglichen
Lage befreie. Ich kann das nicht bewerkstelligen, aber ich verlange
den Schutz der unschuldigen Bevölkerung durch die Militär- und
die Zivilbehörden. Gibt es irgendjemanden, der in dieser Gegend
tatsächlich diesen von Einzelnen oder von Gruppen verübten Willkürakten
wenigstens teilweise ein Ende setzen könnte? - Ist es möglich, daß
Ihr Militärkommando von all dem weiß und nichts unternimmt, obwohl
mir in der letzten Zeit auf meine mündlichen Interventionen hin
mehrmals ein Eingreifen versprochen worden ist?
5. Ähnlich, mit Vertreibung und Ermordung der katholischen Bevölkerung
und Niederbrennung ihres Besitzes, ist die Situation in der Gemeinde
Kljuè. Wer hat dort das Sagen? Gibt es eine Möglichkeit, daß auch
dort die unschuldige Bevölkerung geschützt und die unmenschliche
ethnische Säuberung verhindert wird?
Herr General, dies sind nur die allerdringlichsten Fälle, die eine
eilige Intervention Ihrerseits erfordern. Es gibt leider noch weitere
Fälle, aber davon ein anderes Mal. Ich erwarte mit Recht und mit
Hoffnung ein konkretes Einschreiten Ihrerseits, und diese Erwartung
teilen viele Tausend Katholiken meines Bistums Banja Luka mit mir.
Im voraus Dank!
Hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka

WARUM
ERGREIFEN SIE NICHT ENERGISCHERE MASSNAHMEN ZUM SCHUTZ IHRER FRIEDLIEBENDEN
KATHOLISCHEN MITBÜRGER, DER KIRCHLICHEN MITARBEITER UND GEBÄUDE
IM GEBIET DER BOSANSKA KRAJNA?
Schreiben an den Chef der öffentlichen Sicherheitsorgane in Banja
Luka, Herrn Stojan ®upljanin
(Prot. Nr. 715/92 vom 11. September 1992)
Geehrter
Herr Direktor,
in meiner Eigenschaft als Bischof von Banja Luka wende ich mich
erneut an Sie, den ranghöchsten Verantwortlichen für die öffentliche
Ruhe und Ordnung im gesamten Gebiet der Bosanska Krajina, auf das
sich auch der größte Teil meines Bistums Banja Luka erstreckt.
Seit die Greuel des leider noch immer andauernden sinnlosen Krieges
auch auf unser Gebiet überzugreifen begannen, hat sich die unmittelbare
Gefahrdung von vielen katholischen Gläubigen in diesem ganzen Gebiet
verstärkt.
Sie wissen sicher sehr gut, daß die Mehrheit der Katholiken dieses
Gebiets weder Waffen noch einen Krieg wünschte und daß wir bemüht
sind, uns dem mit allen Kräften dagegenzustemmen. Dennoch wurden
viele völlig unschuldige Menschen entsetzlich mißhandelt, gequält
und schikaniert, und nach meinen Informationen wurden sogar mehr
als 150 Katholiken getötet. Dies bezieht sich besonders auf die
Gegenden von Prijedor, Kljuè, Kotor Varo¹ und Bosanska Gradi¹ka.
- Ihnen ist bekannt, daß am 16. Juni 1992, am hellichten Tage, der
Pfarrer von Nova Topola, Hochw. Ratko Grgiæ, von uniformierten Bewaffneten
aus dem Pfarrhaus entführt worden ist und daß trotz all meiner Interventionen
bei den Zivil- und den Militärbehörden und selbstverständlich auch
bei Ihnen persönlich bis zur Stunde (!) weder Spuren noch Informationen
von ihm vorliegen!
- Es mußte Ihnen bekannt sein, daß mir unterstehende Geistliche:
der Pfarrer von Kotor Varo¹. Bruder Ivan Franjiæ, der Pfarrer von
Dragalovci, Hochw. Marko ©aliæ, und der Pfarrer und Dekan von Stara
Rijeka, Hochw. Ilija Arloviæ, sowie der Pfarrer von Ljubija, Hochw.
Stipo ©o¹iæ, ohne nachgewiesene Schuld für 12 bis 80 Tage in Lagern
und Gefängnissen physisch und psychisch entsetzlich mißhandelt wurden
und jetzt mehr oder weniger Invaliden bzw. Kandidaten für einen
baldigen Tod sind.
- Ihnen ist bekannt, daß die Ordensschwestern in den Klöstern Bosanski
Aleksandrovac und Nova Topola die Bevölkerung der Umgebung, mit
der sie mehr als 100 Jahre lang friedlich zusammengelebt haben,
in keiner Weise störten oder belästigten, daß aber vor einigen
Monaten trotzdem uniformierte Personen ihr Leben direkt bedroht
und in bestialischer und sadistischer Weise ihr Mütchen an ihnen
gekühlt haben, und dies trotz der ausdrücklichen Zusicherung der
Polizei, daß sie die Schwestern gemäß Befehl ihrer Vorgesetzten
bewachen werde!
- Ihnen ist bekannt, daß ohne jeden Anlaß oder Grund, denn in der
Nähe hatten keinerlei Kampfhandlungen stattgefunden, in den vergangenen
drei Monaten trotz ausdrücklichen Verbots des Kommandeurs des 1.
Krajina-Korps in meinem Bistum viele Kirchen, genauer gesagt 40%
aller Kirchen dieses Gebiets, zerstört worden sind und daß außerdem
noch mehr als 50% aller Kirchen dieses Gebiets leichter oder schwerer
beschädigt sind.
- Es mußte Ihnen auch bekannt sein, daß innerhalb Ihres Zuständigkeitsgebiets
in vielen Dörfern mit katholischer Bevölkerung bewaffnete Uniformierte
entsetzliche Plünderungen begehen (Zerstörung von zivilen Objekten,
von Häusern und Besitz...), wobei die Bevölkerung nichts hat, womit
sie sich verteidigen könnte, und meistens Hals über Kopf, wie gejagtes
Wild, die Flucht ergreift. Dies bezieht sich besonders auf die Gegend
von Prijedor, Ljubija, Kljuè, Kotor Varo¹, Bosanska Gradi¹ka und
Sanski Most.
- Es mußte Ihnen bekannt sein, daß "Amtspersonen", uniformiert
und bewaffnet, Durchsuchungen durchführen, besonders bei Gläubigen,
die mehr Kontakt zu ihrer Pfarrei haben oder Mitglieder von kirchlichen
Beiräten und Kirchenchören oder Mitarbeiter des Caritas-Dienstes
ihrer Pfarrei sind. Dabei werden diese Menschen schikaniert, und
ihre Verbundenheit mit der Kirche wird ihnen geradewegs als Straftat
angelastet, damit man sie mißhandeln und ausplündern und sogar
entführen oder umbringen kann?! - In diesem Zusammenhang möchte
ich nur den Fall des Pfarrei- und Diözesanrates Dipl.-Ing. Marijan
Vi¹tica, eines wahrhaft großen Friedensstifters aus Bosanska Gradi¹ka,
anführen, der von einigen Zivilisten (!?), augenscheinlich Polizisten,
aus einem Bus gezerrt und in unbekannter Richtung weggeführt wurde,
und es heißt, daß er sofort getötet und in die Sava geworfen worden
sei!
Interessant ist jedenfalls, darauf hinzuweisen, daß Ihre Mitarbeiter
meistens nur halb interessiert oder sogar völlig desinteressiert
waren, irgendeinen bösen Zwischenfall, wenn er angezeigt wurde,
zu lösen oder aufzuklären. Ich möchte dabei nur die Fälle der Zerstörung
der Pfarrkirchen in Prijedor und Kula¹i bzw. die Überfälle auf die
Kirchen erwähnen - die Kathedrale in Banja Luka, die Pfarrkirchen
in Mahovljani, in Nova Topola und in Ljubija...
Täglich klagen viele meiner Gläubigen, denen es gelungen ist, zu
mir zu kommen, darüber, daß sie in ihrem eigenen Zuhause nicht sicher
sind, und viele andere rufen mich an und verlangen, daß ich sie
vor den ständigen Plünderungen und der Bedrohung des öffentlichen
Lebens schütze (!). Auch wurden dieser Tage im Gebiet der Pfarreien
Ljubija und ©urkovac wieder einige Zivilisten getötet. Viele, genauer
gesagt Zehnlausende meiner Gläubigen bedrängen mich, für ihre Aussiedlung,
gleich, an welchen Ort, zu sorgen, weil die Quälereien und das Gefühl
vollständiger Ungeschütztheit so groß sind, daß diese Menschen es
psychisch nicht mehr aushallen. Auch dies bezieht sich besonders
auf die erwähnten Gegenden - Prijedor, Bosanska Gradi¹ka, Kotor
Varo¹, Kljuè, Sanski Most und Mrkonjiæ Grad und zunehmend auch Banja
Luka.
Geehrter Herr Direktor, in seiner Antwort auf eine meiner zahlreichen
Beschwerden wegen der ständigen Bedrohung von Katholiken, kirchlichen
Mitarbeitern und Gebäuden in dieser Gegend schreibt der Kommandeur
des l. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, unter anderem folgendes:
"Meiner Ansicht nach treffen die Behördenorgane leider nicht
ausreichend energische Maßnahmen. Ich bitte Sie daher, sich unter
Berufung auf mich mit Herrn Stojan ®upljanin, dem Chef der Öffentlichen
Sicherheitsorgane, in Verbindung zu setzen, damit dieser sich schnellstens
einschaltet und alles Nötige veranlaßt".
So wende ich mich also hiermit an Sie, nachdem ich - mit Hilfe der
mich begleitenden Militärpolizei - den größten Teil der erwähnten
Gegenden meines zerstörten und ausgeplünderten Bistums bereisen
und mich an Ort und Stelle von der wahren Lage überzeugen konnte!
- Ich bitte Sie, genauer gesagt ich verlange von Ihnen, daß Sie
sich persönlich oder durch Ihre bevollmächtigten Mitarbeiter über
die wahre Lage eines Teils der unter Ihre Zuständigkeit fallenden
Bevölkerung, konkret der Katholiken, informieren und effektiv für
Schutz-und Sicherheitsmaßnahmen sorgen, die gewährleisten, daß die
Menschen sich endlich vor den verschiedenen Einzelgängern oder Gruppen,
die zerstören, plündern oder löten, geschützt fühlen! Entweder
streben wir nach Gerechtigkeit und Wahrheit und bauen auf dem Zerstörten
dennoch eine sicherere und für alle Menschen in dieser Gegend würdigere
Zukunft auf, oder die Dinge bleiben anderen überlassen! Solange
wir in verantwortlicher Position und in verantwortlichen Ämtern
sind, müssen wir uns auch verantwortungsvoll verhalten - sowohl
ich als auch Sie!
Ich erwarte Ihre Antwort und konkrete Maßnahmen!
Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
zugestellt an:
- den Kommandeur des 1. Krajina-Korps - Banja Luka
- den Bürgermeister von Banja Luka
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo
- das Sekretariat der HBK - Zagreb

DRAMATISCHE
VERSCHLECHTERUNG DER SITUATION DER KATHOLIKEN IM GEBIET DER BOSANSKA
KRAJINA
Schreiben an Herrn Voja Kupre¹anin, den bevollmächtigten Vertreter
des Präsidenten der RS
(Prot. Nr. 1379/92 vom 15. November 1992)
Sehr
geehrter Herr Kupre¹anin,
als Antwort auf mein Schreiben vom 12. August 1992 bezüglich der
schwierigen Situation der Katholiken meines Bistums Banja Luka im
Gebiet der Bosanska Krajina hat der Präsident der "Republika
Srpska", Dr. R. Karad¾iæ, wie er mir persönlich mitteilte,
die entsprechende Möglichkeit geschaffen und Sie mit der Aufgabe
betraut, alles zutun, damit Ungerechtigkeit und Verletzungen der
menschlichen Grundrechte der unschuldigen katholischen Bevölkerung
im Gebiet der Bosanska Krajina verhindert werden. Sie haben die
Ihnen übertragene Aufgabe gewissenhaft in Angriff genommen, und
es gab positive Ergebnisse.
Leider nur für kurze Zeit!
Ich sehe mich erneut gezwungen, einen dringenden Appell an Sie zu
richten, damit die derzeitigen Behörden in diesem Gebiet tatsächlich
das tun, was sie müssen - und Sie versichern auch, daß sie es können
- damit eine weitere dramatische Verschlechterung der Lage der Katholiken
in vielen unserer Pfarreien verhindert und aufgehalten wird.
Leider muß ich sagen, daß wir als Katholiken in diesem Gebiet augenblicklich
der bisher größten Gefahr für unsere weitere Existenz ausgesetzt
sind, seit es das Bistum Banja Luka überhaupt gibt, und gewiß einer
der größten Gefahren und einer der verhängnisvollsten Aktionen,
seit die katholische Kirche überhaupt in diesem Gebiet existiert
- und sie existiert hier schon viele Jahrhunderte!
1. Die schweren mehrmonatigen Ungerechtigkeiten uns gegenüber nehmen
von Tag 7.u Tag dramatisch zu, mit folgenden Resultaten:
- Massaker und Tötung von Zivilpersonen (Sanski Most – ©krljevita,
Poljak, Kruhari, ©imiæi und Kotor Varo¹ - Ba¹æina) und auch die
Ermordung des Geistlichen in Ravska bei Ljubija, Hochw. Pfarrer
Ivan Grgiæ. Sie konnten sich persönlich von der völligen Unschuld
dieser Leute überzeugen!
- physische Mißhandlung und Verstümmelung jüngerer und älterer Menschen
und auch Kranker (Stara Rijeka, Prijedor, Sasina, Toma¹ica, Stranjani,
Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Èatrnja, Ljubija, Banja Luka, Kula¹i,
Dragalovci);
- Verminung der neuen großen Pfarrkirche in Stara Rijeka, Niederbrennung
der Pfarrkirche in Mrkonjiæ Grad, Beschuß von kirchlichen Gebäuden
in Sanski Most, Barlovci, Bud¾ak, Prnjavor, ©tivor, Ralutinac, Kula¹i,
Majdan, Kljuè, Bosanski Aleksandrovac, Trn, Èelinac aus Feuerwaffen
- wobei oft auch Menschenleben gefährdet waren;
- Inbrandsetzung von Häusern und Wirtschaftsgebäuden und Besitz
sowie die Plünderung von Besitz (Stara Rijeka, Sasina, Sanski Most,
Bri¹evo, ©urkovac, Bosanska Gradi¹ka, Dolina, Kula¹i, Kotor Varo¹,
Liskovica, Kljuè, Prijedor, Bosanska Dubica, Petriæevac, Barlovci,
Nova Topola und Prnjavor).
- All dies sind leider schwerwiegende und bittere Tatsachen, sowohl
für die direkt Betroffenen und Bedrohten als auch für diejenigen,
die die sinnlose und gewalttätige Bedrohung und Zerstörung des Lebens
anderer Menschen und fremder Habe zulassen oder nicht energisch
genug verhindern. In keinem einzigen der angeführten Fälle läßt
sich auch nur die geringste Provokation, geschweige denn ein Verschulden
von unserer Seite nachweisen!
Sie, Herr Kupre¹anin, konnten sich gemeinsam mit mir persönlich
in einigen Pfarreien in der Gegend von Sanski Most, Prijedor und
Kotor Varo¹ von der Lage und der Haltung meiner Gläubigen und meiner
Priester überzeugen und auch davon, wie wenig diese Menschen fordern!
Sie persönlich wie auch die örtlichen Behörden und das Militär haben
ihnen versprochen, man werde "maximale Anstrengungen unternehmen,
damit alle Bürger dieser Gemeinden geschützt werden, gleich, welchem
Volk bzw. welcher Religion sie angehören...". Es gab einige
sehr beachtenswerte Resultate, zumindest sporadisch. Das allgemeine
Resultat ist leider negativ, nachgerade entsetzlich, und die Folge
ist eine Massenflucht meiner Gläubigen, insbesondere aus der Gegend
von Sanski Most und Prijedor, die wenigstens das nackte Leben retten
wollen.
2. Zusätzliche Unruhe und gerechtfertigte Besorgnis hinsichtlich
der nackten Existenz brachte für die Katholiken der gesamten Bosanska
Krajina, vor allem Angehörige der kroatischen Volksgruppe, aber
auch anderer Völker (kleinerer nationaler Gruppen), die erneute
zwangsweise (in der Reihenfolge wohl die fünfte) Mobilmachung und
Bewaffnung, obwohl auch Ihnen und allen Zuständigen bekannt ist,
daß wir keinerlei Bewaffnung gewollt hatten, daß wir in diesem Punkt
auch jetzt eine entschiedene Haltung einnehmen und auch in Zukunft
nicht davon abweichen werden! Bei wiederholten Gesprächen mit dem
Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ, sowie seinen
Vertretern, aber auch in den mit Ihnen persönlich und anderen führenden
politischen Persönlichkeiten unserer Region geführten Gesprächen
habe ich stets nur Worte des Lobes über unsere friedensstiftende
und friedliebende Haltung, sowohl gegenüber dem serbischen Brudervolk
als auch gegenüber anderen Volksgruppen und gegenüber der eigenen
kroatischen Volksgruppe, gehört. Aufgrund welcher Kriterien bzw.
welchen Mandats tyrannisieren dann, so frage ich, gewisse Staats-
oder Gemeindeorgane oder die verschiedener Unternehmen so viele
Menschen, und nicht nur die Wehrpflichtigen, sondern auch deren
nächste Verwandtschaft (die Eltern, die Ehefrauen und sogar den
Bischof!!!), weil den bisherigen Mobilmachungen nicht nachgekommen
wurde?! Man entläßt solche Menschen (sofern das nicht schon früher
geschehen ist) regelmäßig aus dem Arbeitsverhältnis, wirft sie aus
den Wohnungen und bedroht direkt ihre nackte Existenz.
3. Wegen des bisherigen monatelangen brutalen physischen und psychischen
Drucks und der Vorenthaltung und Verletzung vieler menschlicher
und bürgerlicher Grundrechte und des Rechts auf Freiheit sahen sich
- soweit wir davon Kenntnis haben - einige Zehntausend Gläubige
meines verwüsteten und niedergebrannten Bistums (mehr als ein Drittel
der Gläubigen!) gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Sie selbst haben
mir gesagt, daß die Katholiken, Kroaten und andere, in der Bosanska
Krajina während der ganzen Zeit der kriegerischen Tollheiten keinerlei
Gefahr für die Behörden der "Republika Srpska" darstellten!
Dennoch aber führt man mit uns direkt oder noch häufiger auf heimtückische
Weise und zwar mit gesteigerter Intensität ein faschistoides Programm
der ethnischen Säuberung durch - die Vertreibung von unseren jahrhundertealten
Heimstätten!
Insbesondere will mir nicht in den Kopf, daß es den derzeit verantwortlichen
Persönlichkeiten des serbischen Volkes, mit denen wir schon einige
Jahrhunderte lang zusammenleben, wie es scheint wirklich darum
geht, daß die kroatische katholische Einwohnerschaft aus diesem
Gebiet der Bosanska Krajina verschwindet, weil dies, wie formuliert
wird, "der Wille des serbischen Volkes ist"!
Trotz lobenswerter Aktionen einzelner führender Persönlichkeiten
der Zivilbehörden und des Militärs, die Schutz bringen und auch
Menschen nichtserbischer Nationalität das Leben ermöglichen sollten,
sind im allgemeinen entweder mangelnder Wille oder objektive(!)
Tatsachen zu verzeichnen, die es unmöglich machen, daß die an uns
verüble Gewalt verhindert und ihr ein Ende gesetzt wird! Glaubt
man denn wirklich, daß ein Volk, im konkreten Falle das serbische,
mit einer derart unmenschlichen Verfahrensweise - unter ausschließlicher
Anwendung des Gesetzes der Gewalt und der Intoleranz - Verständnis
und Unterstützung der übrigen zivilisierten Völker Europas und der
übrigen Welt sowie den Segen, Gedeih und Glück von Gott, unserem
gemeinsamen Schöpfer, Retter und Richter, erreichen wird?
Herr Kupre¹anin, das, was ich für mein Volk und die Gläubigen meines
Bistums verlange, wünsche ich aufrichtig auch jedem anderen Volk
und jeder anderen religiösen Gemeinschaft! Ich glaube noch immer,
daß die Forderungen meines Volkes und meiner Gläubigen an die derzeitigen
Träger der Staatsgewalt nicht erfolglos sein werden! Ein anderer
Ausgang wäre für uns verhängnisvoll, aber für Sie alle wäre er eine
Schmach und eine totale Niederlage!
Ich bete zu Gott, daß er dies nicht zulassen möge - nicht Ihnen
und nicht uns!
Ich sehe Ihrer Antwort entgegen und verbleibe hochachtungsvoll
Dr.
Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka
Appell
weitergeleitet an:
- den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Pale
- den Präsidenten des Parlaments der RS, Mag. M. Kraji¹nik - Pale
- das Sekretariat der BK
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad

VERHINDERN
SIE DIE UNGESETZLICHE WEGNAHME VON KIRCHENEIGENTUM IN DER PFARREI
PRIJEDOR
Schreiben an den Bürgermeister von Prijedor, Dr. M. Stakiæ
(Prot. Nr. 2030/92 vom 23. Dezember 1992)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
nach dem Vandalenakt der Zerstörung der katholischen Kirche in Prijedor
haben Sie mir "den Ausdruck des Bedauerns und schärfster Verurteilung
des bösen Vorfalls" übermittelt und versprochen, daß "die
Strafverfolgungsbehörden alle Maßnahmen zur Ergreifung der Täter
und zur verdienten Bestrafung derselben ergreifen werden".
Sie haben sogar Ihre Bereitschaft ausgedrückt, "nach der Wiederherstellung
des Friedens in diesem Gebiet beim Wiederaufbau der katholischen
Kirche in Prijedor zu helfen und bis dahin eine entsprechende Unterkunft
für den Pfarrer bereitzustellen".
Nach dem großen Unrecht und echten Verbrechen, das mit der völlig
grundlosen Zerstörung der Pfarrkirche, eines sehr wertvollen Bauwerks,
und der schweren Beschädigung des Pfarrhauses und des Gemeindeseelsorgezentrums
im Gebiet Ihrer Gemeinde an der Religionsgemeinschaft der Katholiken
begangen worden ist, habe ich diese Ihre menschlichen Worte sehr
ernsthaft zur Kenntnis genommen.
Bedauerlicherweise haben Ihre Worte als führende Persönlichkeit
der Gemeinde Prijedor keine konkreten positiven Aktionen gezeitigt.
Vielmehr wurde hernach, noch bevor die Gläubigen unter den Trümmern
der zerstörten Kirche befindliche wertvolle Dinge aufsammeln konnten,
außerdem noch der neue Glokkenturm zerstört. Von der Zerstörung
des Glockenturms wurde dem bischöflichen Ordinariat in Banja Luka
keinerlei schriftliche Mitteilung gemacht. Es bedarf keiner Erwähnung,
daß sich durch diesen zusätzlichen zerstörerischen Akt der ohnehin
große Schaden an der zerstörten Kirche noch erhöht hat, da in dem
neuen Turm mehrere große Glocken gehangen hatten.
Die neuesten Nachrichten, die uns aus der Pfarrei Prijedor erreichten,
werfen noch zusätzlich schlechtes Licht auf die zuständigen Gemeindeinstitutionen
und die örtlichen Behörden, was deren Haltung gegenüber der dortigen
katholischen Bevölkerung betrifft. Ohne jegliche vorhergehende Inkenntnissetzung
des römisch-katholischen Pfarrbüros in Prijedor oder des bischöflichen
Ordinariats hier in Banja Luka transportiert irgendein Unternehmen
Ihrer Stadt, trotz Mißbilligung und wachsender Unzufriedenheit des
ohnedies bereits in Panik geratenen und rechtlosen katholischen
Teils der Bevölkerung, mit angeblicher (oder tatsächlicher) Genehmigung
der örtlichen Behörden Ziegelsteine und sonstiges noch verwendbares
Material ab.
Mit diesem jüngsten, möglicherweise mit Zustimmung der offiziellen
örtlichen Obrigkeit erfolgten Verbrechen, der Plünderung von Eigentum
der katholischen Kirche, hat man zum höchsten und freudigsten Feiertag
aller Christen, nicht allein der Katholiken, sondern auch unserer
orthodoxen Bruder, zum Weihnachtsfest, einen schmählichen "Glückwunsch"
an uns Katholiken adressiert.
Wir können und wollen uns nicht mit der Tatsache abfinden, daß wir
Katholiken auch in Ihrer Stadt, wo wir mindestens genauso lange
ansässig sind wie unsere orthodoxen Brüder und wo unsere Beziehungen
untereinander stets beneidenswert gut waren, jetzt zum Verlust des
Heiligsten und Kostbarsten, das wir hatten, verurteilt sind - indem
zur Zerstörung unserer Pfarrkirche und kirchlichen Eigentums nun
auch noch unsere Freundschaft gegenüber dem serbischen Brudervolk
aufgerieben wird.
Herr Bürgermeister, ich frage Sie zum Schluß als Menschen, der sicher
bestrebt ist, human zu sein - Ist es tatsächlich möglich, daß sich
all dies mit Ihrem Wissen und Ihrer Billigung abspielt? Ist es
tatsächlich möglich, daß Sie als Bürgermeister von Prijedor nicht
einmal genügend Macht und Kompetenzen haben, um auch diese neuesten
uns zugefügten Ungerechtigkeiten zu verhindern, die der anderen
Seite mitnichten zur Ehre gereichen? Darf ich, und mit mir alle
Katholiken der Pfarrei Prijedor, trotzdem darauf hoffen, daß Ihre
zu Beginn dieses Schreibens zitierten Worte nicht nur wirkungslos
auf dem Papier stehen?
Ich erwarte zusammen mit einer großen Anzahl von Gläubigen der Pfarrei
Prijedor, die zugleich auch Ihre Mitbürger sind, von Ihnen eine
Antwort.
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an:
- den Präsidenten des Parlaments der RS, Mag. M. Kraji¹nik - Pale
- die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
- das Sekretariat der BK

DIE
PFARRKIRCHE IN KLJUÈ WURDE AUF ANORDNUNG DER BEHÖRDEN VERMINT
Schreiben an den Bürgermeister von Kljuè, Herrn Jovo Banjac
(Prot. Nr. 470/93 vom 11. Februar 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister Banjac,
trotz meiner Versuche, schriftlich oder mündlich mit Ihnen Kontakt
aufzunehmen, ist mir dies leider nicht gelungen. Dennoch gebe ich
die Hoffnung nicht auf, daß Sie als führende Persönlichkeit der
Gemeinde Kljuè die Güte haben werden, den beharrlichen Bitten des
Vertreters der katholischen Kirche Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Sie wissen sehr wohl, daß die Katholiken im Gebiet Ihrer Gemeinde
in keinem einzigen Falle irgendeinen ihrer Mitbürger behelligt,
geschweige denn bedroht haben. Dennoch sind einige Dutzend von ihnen
entweder nach und nach ermordet oder in Lager geschickt oder unter
Druck aus ihrem Zuhause verjagt worden, was Ihnen sicher ebenfalls
bekannt ist. Auf unsere wiederholte schriftliche Bitte, uns zu
erklären, warum und im Namen welcher Behörde dies getan wird, folgte
nur Schweigen, was für uns auch eine bestimmte Antwort darstellt!
Der Eindruck, der sich unvermeidlich aufdrängte, daß es sich nämlich
um eine planmäßige, äußerst unmenschliche und in der Welt im Grunde
genommen als faschistoid bekannte ethnische Säuberung handelt, wurde
durch die in der Nacht vom 01. auf den 02. Januar 1993 erfolgte
sinnlose, durch nichts gerechtfertigte und durch nichts provozierte
Inbrandsetzung der Pfarrkirche "Presvete Bogorodice Marije"
bestärkt. Alles, was nur verbrennen konnte, ist niedergebrannt.
Zuvor hatten Kinder (sicher keine katholischen!), die offenbar aufgehetzt
worden waren, mehrmals nach und nach die Scheiben der Kirchenfenster
zerschlagen, die der Pfarrer immer von neuem zu beschaffen und in
die Fenster dieses einzigen Gotteshauses in Ihrer Gemeinde einzusetzen
bemüht war.
Am 10. Februar d. J. haben einige Uniformierte, Soldaten und Polizisten,
in den Nachmittagsstunden mehrmals mit Dynamit Sprengungen vorgenommen
und den Kirchturm und die Mauern zerstört. Alles Ersuchen des Pfarrers
und von mir eingesetzten Verwalters, Hochw. F. Kre¹iæ, davon abzulassen,
sind umsonst gewesen. Nicht genug, daß niemand dem Pfarrer irgendeinen
Befehl vorgewiesen hat, aufgrund dessen ein solches Verbrechen begangen
werden sollte, der Pfarrer wurde auch noch mißhandelt! Alle seine
Bemühungen, die Zivil-und die Militärbehörden in Kljuè telefonisch
in Kenntnis zu setzen und Schutz für die von ihm vertretene Institution
zu erhallen, blieben ohne positives Resultat. Auf unsere hier von
Banja Luka aus erfolgte Intervention bei den zuständigen Zivil-
und Militärbehörden, darunter auch bei dem Vorsitzenden des IO SO
Kljuè, Herrn Tomiæ, und bei dem Vertreter des Militärs, Herrn Marjanoviæ,
war die Antwort nur Erstaunen darüber, daß ein solcher Akt des Vandalismus
geschehen konnte.
Als Bischof des Bistums Banja Luka, das 23 Gemeinden in der Bosanska
Krajina umfaßt, mußte ich zwecks Beilegung oft dramatischer, durch
die kriegerischen Auseinandersetzungen im weiteren Bereich unserer
Heimat hervorgerufener Situationen in letzter Zeit häufig mit den
örtlichen Behörden in Kontakt treten. Von meinen Gesprächspartnern,
sowohl Angehörigen der Zivil- als auch der Militärbehörden, horte
ich regelmäßig, daß die Katholiken durch ihre friedliebende Haltung
in diesem Gebiet viel dazu beigetragen haben, daß es nicht zu noch
größerem kriegerischen Unheil für alle Menschen gekommen ist. So
ist das, was leider nicht nur in Ihrer Gemeinde mit uns Katholiken
passiert ist und noch passiert, um so unbegreiflicher und schmerzlicher
für jeden von uns Katholiken und umso unmenschlicher und entwürdigender
für Sie, die derzeitige Behörde. Ich kann nicht glauben, daß an
der Spitze der Gemeinde Kljuè Leute stehen, die, wenn auch stillschweigend,
derartige unzivilisierte und unmenschliche Untaten an ihren erwiesenermaßen
unschuldigen Mitbürgern unterstützen.
Herr Bürgermeister, dürfen wir von Ihnen erwarten, daß Sie sich
öffentlich von all den abscheulichen Verbrechen, die während der
letzten Monate in Ihrer Gemeinde an Katholiken und am Besitz der
katholischen Kirche begangen wurden, distanzieren und daß Sie einen
Modus finden, um die wenigen verbliebenen, entsetzlich verängstigten,
katholischen Gläubigen und ihren Pfarrer, einen Überzeugten Anhänger
der Ökumene und Freund sowohl der orthodoxen Serben als auch aller
anderen Mitbürger, die ihn kennen, zu beruhigen? Hochachtungsvoll
Dr. Franjo
Komarica, Bischof von Banja Luka
Schreiben
übermittelt an
1. den Kommandeur des 1. Krajina-Korps, Generalmajor M. Taliæ -
Banja Luka
2. den Direktor des CSB - Banja Luka
3. den Präsidenten der RS, Dr. R. Karad¾iæ - Pale
4. die Apostolische Nuntiatur - Belgrad
5. das Sekretariat der BKH - Zagreb
6. das Sekretariat der BK BiH - Sarajevo

IMMER
HÄUFIGERE ÜBERFÄLLE AUF RELIGIÖSE GEBÄUDE UND IMMER DRAMATISCHERE
SITUATION DER KATHOLISCHEN KIRCHE IM GEMEINDEGEBIET VON BANJA LUKA
Schreiben an den Bürgermeister von Banja Luka, Mag. Predrag Radiæ
(Prot. Nr. 570/93 vom 19. Februar 1993)
Geehrter
Herr Bürgermeister,
in den letzten anderthalb Monaten waren wir Zeugen, wie sich die
Sicherheitslage in unserer Gemeinde zusehends verschlechterte. Angesichts
der immer häufiger zu beobachtenden bewaffneten Angriffe auf katholische
religiöse Gebäude in unserer Stadt und besonders der buchstäblich
allnächtlich erfolgenden bewaffneten Überfälle auf unsere Gläubigen
und der körperlichen Mißhandlungen derselben ist dies leider festzustellen.
1. Aus unseren wiederholten Gesprächen wissen Sie sehr wohl, daß
ich bis jetzt zusammen mit Geistlichen und Ordensbrüdern und -Schwestern
alles unternommen habe, damit die Angehörigen der katholischen Kirche
in unserer Gemeinde (es sind immer noch annähernd 30.000) tatsächlich
ein verläßlicher Faktor friedlichen Zusammenlebens sind und bleiben,
ein Faktor, der gerade in diesem unheilvollen Sturm kriegerischer
Ereignisse, der Bosnien und Herzegowina verwüstet, so sehr wertvoll
ist. Ich danke Gott, daß unsere Wünsche und beharrlichen Bemühungen
gute Früchte gezeitigt und die Katholiken in unserer Gemeinde keines
Menschen Leben und Besitz bedroht haben. Mehrmals habe ich sowohl
Sie persönlich als auch die Vertreter der Polizei und des Militärs
gebeten und ermutigt, für das für die Sicherheit von Leib und Leben
und die Sicherstellung der Existenz eines jeden unserer Bürger am
dringendsten Erforderliche zu sorgen. Sie alle haben mir gesagt,
daß das, was sowohl ich als auch meine Gläubigen von Ihnen erwarten,
legitim und auch realistisch sei. Sie haben mir stets aufs neue
versprochen, daß Sie bestimmt mehr Ordnung und Gesetzlichkeit in
diese Szenerie sich breitmachender Gesetzlosigkeit und Waffengewalt
bringen werden. Ich hege keinen Zweifel an Ihrer persönlichen aufrichtigen
Absicht, dies auch in die Tat umzusetzen. Die dramatische Verschlechterung
der Sicherheitslage und die immer größer werdende Unsicherheit hinsichtlich
der Zukunft für uns Katholiken in dieser Stadt veranlassen uns indessen
zwangsläufig zu dem Schluß, daß Sie, die verantwortlichen Persönlichkeiten
unserer Stadt, entweder nicht energisch genug oder wirklich zu schwach
sind, um konsequent in Ihrer humanen Bestrebung und Einstellung
zu sein.
2. Sie sind gewiß über die mehrmals (neunmal!) erfolgten bewaffneten
Angriffe auf das neue Gemeindeseelsorgezentrum in unserer Pfarrei
Bud¾ak-Dervi¹i im Bilde und wissen, daß das Leben des Pfarrers,
des seelsorgerischen Personals und einer Anzahl von Gläubigen direkt
bedroht war. Die Angreifer, durch die offensichtliche Untätigkeit
der für Ruhe und Ordnung zuständigen Organe ermutigt, haben uns
- zum großen Bedauern der Gemeindemitglieder - gezwungen, dieses
Gemeindeseelsorgezentrum bis auf weiteres für alle religiösen Aktivitäten
sowie auch für den üblichen regelmäßigen Religionsunterricht für
Kinder und Jugendliche zu schließen. Wir fragen uns berechtigterweise,
wie lange Sie und all die anderen maßgeblichen Stellen neben Ihnen
eine derart entehrende Schande wie diese durch nichts gerechtfertigte
Lahmlegung des normalen religiösen Lebens in einer unserer Pfarreien
unserer Gemeinde noch tolerieren werden?!
Sie wissen auch davon, daß sich am orthodoxen Weihnachtsfest und
am orthodoxen Neujahr eine größere Anzahl Bewaffneter mit einigen
Tausend Schüssen an unserer Kathedrale St. Bonaventura ausgetobt
hat, wobei besonders an den Verglasungen, bei denen es sich um Unikate
handelt, und am neuen Glokkenturm - beides Zierden unserer Stadt
- unschätzbarer Sachschaden entstanden ist.
Sie sind ebenfalls über den bewaffneten Überfall auf das Franziskanerkloster
Petriæevac unterrichtet, der sich zweimal wiederholte, weil nichts
Konkretes gegen die Täter, offensichtlich jeweils die gleichen,
unternommen worden ist. Nur einem wahren Gotteswunder ist es zu
verdanken, daß in dem Kloster eine der Ordensschwestern sowie einige
Klosterbrüder, auf die absichtlich gezielt wurde, nicht ums Leben
gekommen sind. Auch gestern abend ereignete sich wieder ein Bombenangriff
auf das Kloster, wobei großer Sachschaden entstanden ist.
Sie mußten auch von dem bewaffneten Überfall mit automatischen Waffen
auf die Pfarrkirche in der Martiæeva-Straße sowie von der Zerschlagung
zahlreicher Fenster des in der gleichen Straße gelegenen Nonnenklosters
der Gemeinschaft "Svetoga Vinka Paulskog" durch offensichtlich
aufgehetzte männliche und weibliche Jugendliche, deren Primitivität
und Unverschämtheit ich vor dem Gebäude dieses Klosters bei einem
dienstlichen Besuch bei den Nonnen zufällig selbst erlebte, wissen.
Die jüngsten, in dieser Woche erfolgten barbarischen Überfülle auf
das Haus der Nonnen der Gemeinschaft "Slu¾benice Bezgrje¹ne
Marije " in der Goce-Delèev-Straße 17 in Bud¾ak in den Nächten
vom 15. auf den 16. und vom 18. auf den 19. d. Mts., wobei großer
Schaden verursacht wurde, und die ebenfalls in Bud¾ak erfolgten
drei ebenso barbarischen Überfälle auf das Kloster "Novi Nazaret"
der Nonnen der Gemeinschaft "Klanjateljice Krvi Kristove"
in der V-Vitjuk-Straße 8 in den Nächten vom 16. auf den 17., vom
17. auf den 18. und vom 18. auf den 19. d. Mts. runden diese traurige
Kette von durch nichts provozierten zerstörerischen Angriffen auf
katholische religiöse Gebäude und darin befindliche und dieselben
nutzende schutzlose Menschen ab.
Sowohl Sie als auch ich sowie jene unseligen Vandalen und deren
Auftraggeber wissen sehr wohl, daß ein jeder dieser Angriffe auf
kirchliche Gebäude und Menschen der Kirche ein direkter Treffer
auf die empfindlichste Stelle, ein genau ins Herz einer religiösen
Gemeinschaft, hier der katholischen Kirche, geführter Hieb ist.
Wenn ich meine Stimme gegen die Schändung, Zerstörung und Bedrohung
religiöser Gebäude und die Bedrohung von Menschen, gleich welcher
anderen religiösen Gemeinschaft, erhebe, gleich wo dies geschieht,
und wer die Täter sind, kann ich andererseits verständlicherweise
ebensowenig umhin, auch in diesem konkreten Falle mit offener Trauer,
jedoch mit nicht geringerer Entschiedenheit, meinen energischen
PROTEST GEGEN DIE DULDUNG DER VORGENANNTEN ÄUSSERST ROHEN UND UNZIVILIS1ERTEN
UNTATEN AN UNS KATHOLIKEN - IHREN MITBÜRGERN, auf den Weg zu bringen!
Da ich Sie als einen Menschen mit entschiedener humaner Einstellung
und hoher Geisteskultur kenne, appelliere ich erneut an Sie, sich
öffentlich von diesen Untaten zu distanzieren und sie zu verurteilen
und das verderbenbringende Tun der Ihnen - wie Sie mir selbst gesagt
haben - bekannten Verbrecher in unserer Gemeinde zu verhindern.
Ich beschwöre Sie, nicht zuzulassen, daß man auch Sie in die niederträchtigen
und äußerst unmenschlichen Intrigen hineinzieht, die leider für
diesen uns allen hier in unserem gemeinsamen Haus aufgezwungenen
irrsinnigen kriegerischen Konflikt typisch sind!
3. Noch dramatischer ist die Lage, in der sich die katholischen
Gläubigen unserer Stadt und Gemeinde momentan befinden. Dies gilt
insbesondere für einige Teile unserer Stadt: Paprikovac, die Rudarska-Straße,
die J.-Savinoviæ-Straße, Bud¾ak III, Èesma, ©argovac, Bud¾ak I und
Dervi¹i, wenngleich auch andere Teile der Stadt nicht von der Willkür
bewaffneter Gruppen, die allnächtlich in Häuser und Wohnungen unserer
Gläubigen eindringen und sie körperlich mißhandeln und ausplündern,
verschont sind. Einige Hundert unserer Familien sind, soweit mir
bisher bekannt ist, in den letzten anderthalb Monaten - sogar mitunter
mehrmals - mit Waffengewalt körperlich bedroht worden. Es dürfte
Ihnen nicht schwerfallen, zu verstehen, welch entsetzliche Panik
diese unschuldigen und völlig hilflosen Menschen ergriffen hat,
die von den von ihnen um Hilfe und Schutz gebetenen Sicherheitsbehörden
sehr oft zynisch gesagt bekommen: "Warum wartet ihr denn noch?
Warum zieht ihr nicht weg? Was sucht ihr noch hier?".
Nachdem diese beklagenswerten und ihrer Rechte völlig beraubten
Menschen jegliche Zuversicht hinsichtlich der dringende notwendigen
Schaffung einer Möglichkeit zum Schutz des nackten Lebens seitens
der politischen Kräfte ihrer Stadt verloren haben, wenden sie sich
an die Geistlichen bzw. an den Bischof und bitten und beschwören
uns, sie zu retten.
Wenn wir sie zu den zuständigen Behörden und Sicherheitsorganen
schikken, die uns gegenüber ansonsten versichern, daß jedermann
ein Recht auf Schutz habe, weigern sich diese Menschen, hinzugehen.
Sie versichern uns enttäuscht, daß alles, was mit ihnen passiert,
mit stillschweigender Billigung derer, die sie schützen müßten,
geschehe.
Ich habe bis jetzt alles in meinen Kräften Stehende getan, um die
begründetermaßen verängstigten Gemüter meiner Gläubigen zu beruhigen,
und gleichzeitig habe ich alle von Ihnen, die Sie für unser Gemeindegebiet
zuständig sind, aufmerksam gemacht und entsprechend dem, was Sie
mir gegenüber viele Male wiederholt haben, zu verhindern gebeten,
daß es zum Schlimmsten, der ethnischen Säuberung unserer Stadt und
Gemeinde, kommt.
Weil Sie es hinsichtlich des Schutzes aller Einwohner unserer Gemeinde
- also auch der Katholiken - an greifbaren Resultaten mangeln lassen,
fällt in den Augen meiner Gläubigen die "Schuld" an ihrem
vielfältigen Unglück und an der völligen Ungewißheit bezüglich ihrer
Zukunft auf mich als Bischof!
Ich frage Sie als den derzeit hochrangigsten Verantwortungsträger
in unserer Stadt und Gemeinde, hätte ich Ihrer Meinung nach tatsächlich
bereits eilig an der Spitze einer unübersehbaren Kolonne meiner
katholischen Gläubigen zu einem Marsch ohne Wiederkehr aufbrechen
sollen, von dieser unserer Geburtsstadt, die es nur einmal gibt,
und wo unsere Wurzeln mindestens so tief gehen wie bei den anderen
Völkern um uns herum, wenn nicht gar tiefer, oder sollte das jetzt
sein? - Wenn dies nicht in Betracht kommt, sagen Sie uns, können
und wollen Sie uns und all den anderen, die an Leib und Leben bedroht
in dieser Stadt leben, wirkungsvoller helfen? - Wenn auch dies nicht
in Betracht kommt, dann bitten wir Sie als Mensch, sagen Sie uns,
was wir tun sollen, um unser eigenes Leben zu retten, ohne jedoch
Ihr Leben und Ihre Würde oder das Leben und die Würde irgendeines
anderen unserer Mitbürger zu bedrohen?
4. Ihnen ist bekannt, Herr Bürgermeister, daß die Diözese Banja
Luka und ich selbst bereit sind, unserer Diözese, Ihnen und allen
Verantwortlichen in unserer Gemeinde (und in anderen Gemeinden unserer
Region) über die Caritas soviel wie nur möglich bei der Linderung
der derzeitigen großen sozialen Not behilflich zu sein. Die Caritas
hat in den letzten Monaten auch dank Ihnen viel Gutes für einige
Zehntausend Einwohner unserer Stadt und Gemeinde (selbstverständlich
nicht nur für Katholiken) tun können!
Bereits volle drei Wochen lang ist es der Caritas nicht gestattet,
dringend benötigte Lebensmittel zur Linderung des Hungers, der hier
praktisch bei vielen Familien an die Tür klopft, insbesondere bei
denjenigen, deren Ernährer aus dem Arbeitsverhältnis entlassen wurde,
heranzuholen. Während andere internationale humanitäre Organisationen
ungehindert die Güter, die sie haben, von Zagreb aus über Bosanska
Gradi¹ka in unsere Stadt und unser Gebiet bringen können, wurde
es unserer kirchlichen humanitären Organisation, die ebenfalls eine
internationale Organisation ist, verwehrt, auf dem gleichen Wege
nötige Hilfe herbeizuschaffen. Dadurch wird gleichzeitig auch die
nackte Existenz von einigen weiteren Zehntausend unserer Gläubigen
außerhalb der Gemeinde Banja Luka, um die sich unsere Caritas ebenfalls
kümmern muß, bedroht.
Ich appelliere an Sie, sich als zuständige Persönlichkeit für eine
möglichst baldige Ermöglichung der normalen Belieferung unserer
Stadt, unserer Gemeinde und der ganzen Gegend mit humanitärer Hilfe
- auch durch die Caritas unserer Diözese - zu verwenden!
5. Diese schwere und verhängnisvolle Zeit erfordert notwendigerweise
Menschen mit einem hohen Grad von Vernunft und mit großem Herzen,
die durch ihren konstruktiven und selbstlosen Einsatz vielen Zeitgenossen
das Leben retten und zuverlässige Fundamente für deren humanere
und glücklichere Zukunft schaffen. Ich halte Sie, Herr Bürgermeister
Radiæ, für einen solchen Menschen, und deshalb wende ich mich als
Bischof von Banja Luka, ah Ihr Mitbürger, freimütig und in guter
Absicht an Sie. Das habe ich auch bisher bei unseren zahlreichen
Treffen getan, meistens mündlich, im Interesse des Wohls aller und
jedes einzelnen, im Interesse der Einwohner dieser meiner Heimatstadt.
Ich bin überzeugt, daß auch das, was ich hier schriftlich zum Ausdruck
bringe, nicht ohne eine positive und etwas bewirkende Antwort von
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