Autor:
Dr Franjo Komarica

  I. kapitel II. kapitel III. kapitel IV. kapitel V. kapitel VI. kapitel VII. kapitel VIII. kapitel IX. kapitel X. kapitel XI. kapitel  
Eine Auswahl der Dokumente des Bischofs und des bischöflichen Ordinariats von Banja Luka aus den Kriegsjahren 1991-1995


- XI -
ANHANG


Historischer Hintergrund

6./7. Jh.

Slawische - kroatische Einwanderung in das Gebiet des heutigen Bosnien und Herzegowina.

925

Krönung des kroatischen Fürsten TOMISLAV am Duvno-Feld zum ersten kroatischen König.
Bis zum späten Mittelalter verläuft durch das Gebiet der Diözese Banja Luka die Grenze zwischen " Weiß-Kroatien" und "Sava-Kroa­tien". Später gehört dieses Gebiet zur pannonischen Banschaft des kroatischen Königreichs.

10./11. Jh.

Zum kroatischen Königreich gehört auch das Gebiet des heutigen Bosnien und Herzegowina.

1102

Ein Regent in Personalunion König von Kroatien und von Ungarn.

1180 

Das bosnische Fürstentum umfaßt den mittleren Teil des heutigen Bosnien um Sarajevo. Erster Fürst war Kulin Banus.

1353-1391

Unter dem ersten bosnischen König Stjepan Tvrtko I. erlebt das bosnische Fürstentum seine Blüte.

1463

Bosnien befindet sich größtenteils unter türkischer Herrschaft. Der letzte bosnische König Stjepan Toma¹eviæ wird in der Königsstadt Jajce ermordet.

1464

Zur erfolgreicheren Verteidigung gegen die Türken gründete der
ungarisch-kroatische König Mattias I. Corvinus (Hunyadi) die
Banschaften Jajce und Srebrenica (im nördlichen Teil des heutigen
Bosniens).

1482

Die Herzegowina fällt unter türkische Herrschaft.

1528

Die Königsstadt Jajce (Banja Luka u.a.) wird durch die Türken erobert.

1582

Bosnien und Herzegowina werden zu einem "Paschalik" (Amtsbe­zirk eines Paschas) im Osmanischen Reich vereint.

1592 

Die kroatische Königsstadt Bihaæ wird durch die Türken erobert.

um 1700

Die Grenzen zwischen dem Osmanischen Reich (dem Bosnischen Paschalik) und der Habsburger Monarchie stabilisieren sich. Während der türkischen Herrschaft - sogar noch bis 1878 (!) - ge­brauchten europäische Kartographen für das Gebiet Nordwestbosnien (Diözese Banja Luka) die Bezeichnung "Croatia Turcica" (türkisches Kroatien).

1839

Nach anti-türkischen Aufständen wird die Selbstverwaltung Bosniens aufgelöst.

1878

Infolge des Berliner Kongresses werden Bosnien und Herzegowi­na durch Österreich-Ungarn besetzt.

1908

Bosnien und Herzegowina werden von Österreich-Ungarn annek­tiert.

1912/13

Balkankriege: Serbien versucht vergeblich, Bosnien und Herzego­wina zu erobern.

28.06.1914

Das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar wird in Sarajevo durch den serbischen Nationalisten Gavrilo Princip ermordet.

1918

Die österreichisch-ungarischen Monarchie zerfällt. Es entsteht das "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen", ein neuer Staat unter hegemonialer Führung Belgrads. Zum ersten Mal in der Geschichte bilden die Teile der Monarchie, Bosnien und Herzegowi­na, Kroatien und Slowenien zusammen mit Serbien und Montenegro einen Staat.

1929

Proklamation des Königreiches Jugoslawien - Diktatur des serbi­schen Königs Alexander.

1939

Mit dem "Sporazum" (Cvetkoviæ-Maèek) vereinbaren Serben und Kroaten die Teilung des Gebietes Bosnien und Herzegowina in ser­bisch und kroatisch dominierte Banschaften.

1941

Deutsche Truppen erobern das Königreich Jugoslawien. Das Ge­biet von Bosnien und Herzegowina wird in den neuausgerufenen, von Deutschland abhängigen "Unabhängigen Staat Kroatien" eingegliedert.

1942

In Bihaæ konstituiert sich der "Antifaschistische Rat der Volks­befreiung Jugoslawiens" (AVNOJ)...

29.11.1943

In Jajce, der ehemaligen bosnischen Königsstadt, legt der AVNOJ die Grundlage für ein föderatives und sozialistisches Nachkriegs-Jugoslawien.

25.11.1945

Konstituierung der "Volksrepublik Bosnien und Herzegowina" (NRBiH) - mit den heutigen Grenzen.

29.11.1945

Proklamierung der "Föderativen Volksrepublik Jugoslawien" (FNRJ).

1963

Die neue bosnisch-herzegowinische Verfassung führt die Muslime erstmals als eigenes "Volk" auf.

1971

Bei der Volkszählung können sich Muslime erstmals offiziell als "Muslime im Sinne einer Nation" registrieren lassen, was ca. 800.000 auch tun.

1974

Die neuen Bundes (SFRJ) - und Republikverfassungen zeigen starke Tendenzen zur Dezentralisierung.

04.05.1980

Marschall Tito stirbt.

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Kirchenhistorische Daten über die katholische Kirche

   A)   Für das Gebiet Bosnien und Herzegowina

bis 6. Jh
(Ankunft d.Kroaten)

Es existieren archäologische Funde von über 60 Kirchen aus dieser Zeit.

996-999

Gründung des Bistums Trebinje (heutige Ostherze­gowina).

1089

Gründung des Bistums Bosnien mit Sitz im Dorf Brdo (beim heutigen Sarajevo).

um 1240

Bau der Kathedrale des Hl. Petrus und des Kapitels im Dorf Brdo.

1233

Mitglieder des Dominikanerordens kommen nach Bosnien.

1252

Der Bischof von Bosnien verlegt wegen der Drohungen der "Bosnischen Christianen" ("Bogomilen", "Patarenen") den Bistumssitz nach Ðakovo (Slawonien - Kroatien).

1291

Mitglieder des Franziskanerordens kommen nach Ostbosnien.

bis 15. Jh.
(Ankunft d. Türken)

Bosnien hat ca. 800.000 Einwohner, davon 700.000. Katholiken und 100.000 "Bosnische Christianen". Vor der türkischen Okkupation (1463) befinden sich auf dem bosnischen Gebiet 45 Klöster des Franziskaneror­dens.

1463

Die Türken zerstören 38 Franziskanerklöster und -gebäude.

1463

Pater Anðeo Zvizdoviæ erhält vom Sultan (wenigstens auf dem Papier) den "Ahdnamu" - Sultanserlaß für die Sicherheit der Franziskaner und der katholischen Gläu­bigen auf dem Gebiet des Sultanats.
Nach 1463 beginnt die bosnische Islamisierung - "bosni­sche Christianen" - "Paterenen" und ein Teil der Katholi­ken treten zum Islam über.

16.-17 Jh.

Besonders starke Welle der Islamisierung.

17.-18 Jh.

Es existieren nur noch drei Franziskanerklöster auf dem Gebiet Bosnien (Kraljeva Sutiska, Kre¹evo und Fojnica - alle in Zentralbosnien).

Ende 17. Jh.

mehr als 90% der katholischen Bevölkerung mußte das Gebiet Bosnien verlassen.

1846

Begründung des Apostolischen Vikariats für die westli­che Herzegowina.

1881

Wiedererneuerung der kirchlichen Hierarchie für das gesamte bosnische Gebiet - Erzbistum Sarajevo und drei Bistümer: Banja Luka, Mostar und Trebinje.

1882

Gründung des Knabenseminars in Travnik.

1893

Gründung des Priesterseminars und der Theologischen Hochschule in Bosnien - der ersten Hochschulinstitution in Bosnien und Herzegowina.

20.08.1992

Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Vatikan und Bosnien und Herzegowina.

1994

Ernennung des Erzbischofs von Sarajevo, Vinko Puljiæ, zum ersten Kardinal von Bosnien und Herzegowina.

1994

Gründung der Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina.

1991-1995

Vertreibung von mehr als 430.000 Katholiken aus Bos­nien und Herzegowina (viele von ihnen trotz deren ausgesprochen friedfertiger Haltung).

   

   B)   Für das Gebiet des Bistums Banja Luka

4. Jh.

Archäologische Funde von frühchristlichen Basiliken auf dem weiteren Gebiet von Banja Luka (Blagaj, Japra, Mrkonjiæ Grad...).

5.-6. Jh.

Bischofssitz im Ort Baloe (zwischen Banja Luka und Mrkonjiæ Grad).

bis 1094

Das Gebiet um Banja Luka untersteht kirchlich dem Erzbistum - der Metropolie Split (Kroatien).

von 1094-1735

Das Gebiet um Banja Luka untersteht kirchlich dem Bistum Zagreb (Kroatien).

1273

Erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei und des Pfar­rers auf dem Gebiet des heutigen Banja Luka.

12.-15. Jh.

In der breiteren Region Banja Luka befinden sich 25 Klöster, ca. 200 Pfarrei- und andere Kirchen.

1334

Auf dem Gebiet des heutigen Banja Luka befinden sich drei katholische Kirchen.

16.-19, Jh.

 "Islamisierung" und "Orthodoxisierung" eines Teils der katholischen Bevölkerung, der nicht in das von der türkischen Herrschaft befreite Kroatien (nach 1699) geflüchtet ist.

Anfang des 18. Jh.

Nach der türkischen Niederlage vor Wien (1883) neue Vertreibung der Katholiken aus der breiteren Region Banja Luka - es bleiben nur fünf dezimierte Pfarreien übrig.

1735 

 Das Gebiet des heutigen Bistums Banja Luka wird ein Teil des neugegründeten Apostolischen Vikariats für Bosnien und Herzegowina (außer des Gebietes des Bistums Trebinje) - bis 1881.

1881

Gründung des Bistums Banja Luka innerhalb der Kirchenprovinz Vrhbosna zusammen mit dem Erzbistum Saraje­vo und den Bistümern Mostar und Trebinje.

1941-1945

Ein Drittel der Pfarreien des Bistums Banja Luka wird völlig zerstört, viele Pfarreien dezimiert, 10 Diözesanpriester, 12 Ordensgeistliche und 5.000 Zivilisten (Ka­tholiken) werden ermordet.

1945-1990

Permanente Reduzierung der katholischen Bevölkerung durch das glaubensfeindliche politische Regime.

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Chronologie des Krieges in Bosnien und Herzegowina

Oktober '89

Zwischen Serbien und Bosnien kommt es zu einem bis dahin in Jugoslawien einmaligen Konflikt.

16.11.90

Bei den Wahlen in Bosnien und Herzegowina wählen die Angehörigen der drei großen Volksgruppen, der Muslime (43%), der Serben (32%) und der Kroaten (17%), ihre jeweiligen Nationalparteien. Die Muslime stellen den Republikspräsidenten, die Serben den Parlamentspräsidenten und die Kroaten den Regierungschef.

10.06.91

Bosnische Muslime rufen in einer Proklamation alle bosnischen Nationen auf, sich für eine einheitliche Republik einzusetzen.

27.06.91

In Bosnien wird die erste "Serbische Autonome Region" gegründet. Sechs weitere autonome Gebiete werden während der folgenden Monate ausgerufen.

24.08.91

Erstmals Gefechte in Bosnien und Herzegowina. Die Kämpfe in Kroatien greifen auf bosnische Grenzstädte über.

27.08.91

Die Wehrdienstzeit wird verlängert. Die Mütter der Soldaten stürmen das bosnische Parlament und verlangen die Ent­lassung ihrer Söhne aus der Armee.

15.10.91

Das bosnische Parlament verabschiedet ein Memorandum zur Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas innerhalb des jugoslawischen Staatenverbundes. Die serbischen Abgeordneten stimmen nicht mit ab.

10./11.11.91

Die bosnischen Serben stimmen in einer Volksabstimmung für einen gemeinsamen Staat mit Serbien, Montenegro und der "Serbischen Republik Krajina".

12.11.91

Zehntausende Menschen fordern bei einer Demonstration in Sarajevo vom Parlament ein Konzept für das friedliche Zusammenleben in der Republik.

23.12.91

Bosnien und Herzegowina beantragt seine Anerkennung durch die EG.

09.01.92

Bosnische Serben rufen eine "Serbische Republik in Bosnien und Herzegowina" aus.

22.01.92

Der bosnische Präsident Izetbegoviæ fordert erneut die vorsorgliche Stationierung von "Blauhelmen" in Bosnien und Herzegowina.

25.01.92

Den Beschluß des bosnischen Parlaments, ein Referendum über die Unabhängigkeit durchzuführen, bezeichnet der SDS-Vorsitzende (Serbische Demokratische Partei) Dr. Radovan Karad¾iæ als  "Kriegserklärung" an die Serben.

06.02.92

Die Türkei erkennt Bosnien und Herzegowina an.

29.02./01.03.92

99,4% der Wähler entscheiden sich beim Referendum für die Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina. Die Serben boykottieren den Urnengang mehrheitlich.
In der Region um Mostar kommt es zu schweren Auseinan­dersetzungen zwischen den jugoslawischen Streitkräften und kroatischen und serbischen Milizen. Kämpfe flammen in al­len Teilen des Landes auf.

03.03.92

Der bosnische Präsident verkündet die Unabhängigkeit der Republik Bosnien und Herzegowina.

17.03.92

Unter Vermittlung der EU verständigen sich Muslime, Serben und Kroaten, Bosnien und Herzegowina in Kantone mit eigener Autonomie aufzuteilen. Die Republikgrenzen sollen nicht verändert werden, die der Kantone sollen von einem Ausschuß festgelegt werden.

27.03.92

Die bosnischen Serben gründen die "Serbische Republik Bosnien und Herzegowina" (Republika Srpska) und geben sich eine eigene Verfassung, die ihre Siedlungsgebiete als Bestandteil Jugoslawiens bezeichnet.

06.04.92

USA und EU erkennen Bosnien und Herzegowina an.
Nach der Anerkennung treten die bosnischen Serben in den Republiksgremien von ihren Ämtern zurück. Noch am sel­ben Tag verkündet die "Republika Srpska " ihre Unabhängigkeit.
Bei Friedensdemonstrationen in Sarajevo schießen serbische Heckenschützen auf Demonstranten.
Gleichzeitig eskalieren die Kämpfe zwischen den verschie­denen Gruppen. Das bosnische Republikpräsidium verhängt den Ausnahmezustand und übernimmt den Oberbefehl über die Territorialverteidigung, die bis dahin den jugoslawischen Streitkräften unterstand.

06.05.92

Das Staatspräsidium legt den Oberbefehl über die jugoslawischen Streitkräfte in Bosnien und Herzegowina nieder und fordert die aus Serbien und Montenegro stammenden Solda­ten auf, die Republik bis zum 18. Mai zu verlassen. Ein Groß­teil der Waffen geht an die bosnisch-serbischen Truppen.

10.05.92

Präsident Izetbegoviæ bittet die UNO um militärischen Beistand.

10.05.92

Der UNO-Sicherheitsrat (Resolution 752) verlangt das sofortige Ende der Kämpfe und der Einmischung durch Ver­bände der jugoslawischen Streitkräfte und der kroatischen Armee.

12.05.92

Dr. Radovan Karad¾iæ wird vom Parlament der "Republika Srpska" als Staatspräsident eingesetzt. Eine eigene Armee wird aufgestellt.

20.05.92

Die bosnische Regierung erklärt die jugoslawischen Streitkräfte, die entgegen ihren Zusagen die Republik nicht ver­lassen haben, zur Besatzungsarmee und kündigt die Grün­dung einer bosnische Armee an.

22.05.92

Bosnien und Herzegowina wird neben Slowenien und Kroatien bei der 46. Sitzung der UNO-Generalversammlung in die Vereinten Nationen aufgenommen.

27.05.92

Bei einem schweren Artillerieangriff auf die Innenstadt von Sarajevo finden 16 Menschen den Tod und 114 werden ver­letzt. Die meisten von ihnen hatten sich während einer Kampfpause um Brot angestellt.

30.05.92

Mit Resolution 757 verhängt der UNO-Sicherheitsrat Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und Montenegro.

08.06.92

Der UNO-Sicherheitsrat beschließt die Stationierung von UNPROFOR-Soldaten in Sarajevo (Resolution 758).

20.06.92

Das bosnische Republikspräsidium ruft den Kriegszustand aus.
Die Kämpfe konzentrieren sich auf die ostbosnischen muslimischen Enklaven, die Region um Mostar und den Nordkorridor Brèko. Die Zahl der Flüchtlinge steigt rasant. Innerhalb Jugoslawiens gelten 2,5 Millionen Menschen als vertrieben.

03.07.92

Die Kroaten bilden in Mostar eine "Kroatische Gemeinschaft Herceg-Bosna", die von Mate Boban geführt wird.

21.07.92

Kroatiens Präsident Tuðman und Bosniens Präsident Izetbegoviæ schließen in Zagreb ein Verteidigungsbündnis. Am 23.09.92 vereinbaren sie, ihre Verteidigungsmaßnahmen gegen die Serben zu koordinieren.

02.08.92

Der Journalist Roy Gutman berichtet erstmals über Massenmorde und Internierungslager und ruft weltweite Bestürzung hervor.

14.08.92

Der UNO-Sicherheitsrat genehmigt den Einsatz von internationalen Truppenverbänden zum Schutz von Hilfstransporten in Bosnien und Herzegowina. Der Pole Tadeusz Mazowiecki wird Leiter einer Kommission, die die Lage in den Gefangenen- und Flüchtlingslagern der kriegführenden Parteien klären soll.

25.-27.08.92

Lord Owen übernimmt das Amt des EU-Vermittlers von Lord Carrington.
Die Teilnehmer der Jugoslawien-Konferenz einigen sich auf eine Anerkennung von Bosnien und Herzegowina durch alle Republiken des früheren Jugoslawien, sowie der jetzigen Grenzen und die Respektierung der Minderheiten.

31.08.92

Tadeusz Mazowiecki legt einen Bericht vor über die von den Kriegsparteien begangenen Menschenrechtsverletzungen.

22.09.92

NATO-Generalsekretär Manfred Wörner erklärt, daß die Allianz unter einem UNO-Mandat ein Friedensabkommen in Bosnien mit rund 50.000 Soldaten sichern würde.

07.10.92

Mit der Eroberung der Stadt Bosanski Brod schafft sich die serbische Armee einen strategisch wichtigen Landkorridor von Serbien über Nordbosnien in die besetzten Gebiete Kroa­tiens.

09.10.92 

Die Resolution 781 des UN-Sicherheitsrates verbietet Militär­flüge im Luftraum über Bosnien und Herzegowina.

19.10.92

In Zentralbosnien beginnen Kampfe zwischen den bisher verbündeten Kroaten und Muslimen.

28.10.92

Die Vermittler Vance und Owen legen dem UN-Sicherheitsrat einen Verfassungsentwurf für Bosnien und Herzegowina vor, der eine gemeinsame Republik für die drei Bevölkerungsgruppen vorsieht.

01.11.92

Die "Republika Srpska" beschließt ihren Zusammenschluß mit der "Serbischen Republik Krajina".

11.12.92

Die NATO erklärt ihre Bereitschaft, auf Ersuchen der UNO in Bosnien und Herzegowina militärisch einzugreifen.

18.12.92

Die UNO-Generalversammlung spricht sich für die Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien und Herzegowina aus. Der UN-Sicherheitsrat äußert sich bestürzt über Verge­waltigungen von Frauen in Bosnien und fordert die soforti­ge Auflösung aller Internierungslager (Resolution 798).

03.01.93

Die Vermittler von UNO und EU legen den nach ihnen benannten "Vance-Owen-Plan" vor. Er umfaßt die Neugliede­rung von Bosnien und Herzegowina in zehn Provinzen, ei­nen Verfassungsentwurf und ein Waffenstillstandsabkommen.
Tuðman und Boban unterzeichnen alle drei Dokumente am 4. Januar. Am 12. Januar stimmt Karad¾iæ dem Plan zu.

20.01.93

Das bosnisch-serbische Parlament in Pale lehnt die Provinzgrenzen ab, so daß Karad¾iæ am 30.01.93 nur den Verfas­sungsentwurf und das Waffenstillstandsabkommen unter­ zeichnet.

22.02.93

Ein internationaler Gerichtshof soll die für die Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina Verantwortlichen ver­folgen (Resolution 808).

20.03.93

Bosnien und Herzegowina erhebt vor dem internationalen Gerichtshof (ICH) in Den Haag Klage gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (SRJ) wegen Völkermords.

25.03.93

Alija Izetbegoviæ unterschreibt den "Vance-Owen-Plan".

29.03.93

Tuðman und Izetbegovic einigen sich auf die Bildung eines gemeinsamen Oberkommandos über die bosnische Armee und die kroatischen Milizen.

01.04.93

Der UNO-Sicherheitsrat ermächtigt die Mitgliedsstaaten, in sieben Tagen mit allen Mitteln das Flugverbot durchzuset­zen. Flugzeuge, die dagegen verstoßen, dürfen notfalls abgeschossen werden (Resolution 816).

08.04.93

Der IGH fordert die SRJ auf, Maßnahmen gegen den Völkermord zu ergreifen.

12.04.93

NATO-Flugzeuge beginnen mit der Überwachung des Flugverbots.

15.04.93

Izetbegoviæ zieht seine Unterstützung des "Vance-Owen-Plans" zurück.

16.04.93

Nach monatelangen Kämpfen kapitulieren die Muslime der ostbosnischen Stadt Srebrenica vor den serbischen Truppen.

25.04.93 

Izetbegoviæ und Kroatenführer Boban schließen einen Waffenstillstand und vereinbaren eine gemeinsame militärische Kommandostruktur.

26.04.93

Das selbsternannte Serben-Parlament in Pale lehnt den "Vance-Owen-Plan" ab. Ein Referendum soll die endgültige Entscheidung bringen.

02.05.93

Der ehemalige norwegische Außenminister Thorvald Stoltenberg löst Cyrus Vance als UNO-Vermittler ab.

06.05.93

Die bosnischen Städte Sarajevo, Tuzla, Gora¾de, Bihaæ und Srebrenica werden zu "Sicherheitszonen" erklärt (Resoluti­on 824).

15./16.05.93

96% der bosnischen Serben lehnen den "Vance-Owen-Plan" in einem Referendum ab.

20.05.93

In einem neuen Bericht klagt Tadeusz Mazowiecki die Kroaten der Massaker an Muslimen an. Die bosnischen Serben haben mittlerweile 70% Bosniens erobert.

15.06.93

Bei den Genfer Friedensverhandlungen einigen sich Milo¹eviæ und Tuðman darauf, Bosnien und Herzegowina in eine Konföderation von drei unabhängigen Staaten umzuwandeln. Lord Owen erklärt daraufhin den" Vance-Owen-Plan" für gescheitert.

28.06.93

Serbenführer Karad¾iæ droht mit der Zweiteilung des Landes, wenn die Muslime einer Dreier-Konföderation nicht zustimmen.

19.07.93

Die EU-Außenminister drohen Kroatien wegen seiner Verstrickung in den bosnischen Krieg mit Wirtschaftssanktionen.

18.08.93

 Die bosnischen Kriegsparteien einigen sich darauf, Sarajevo zu entmilitarisieren und für eine Übergangszeit unter UNO-Kontrolle zu stellen.

20.08.93

Owen und Stoltenberg legen einen Dreiteilungsplan vor: 52% für die Serben, 31% für die Muslime und 17% für die Kroa­ten. Sarajevo und Mostar sollen einen Sonderstatus erhal­ten.
Die bosnischen Serben stimmen dem "Owen-Stoltenberg-Plan" zu, die Kroaten fordern einige Änderungen und die Muslime Neuverhandlungen über die Grenzen der Teilstaaten. Das Parlament der bosnischen Kroaten erklärt die "Kroati­sche Gemeinschaft Herceg-Bosna" zur Republik.

27.09.93

Der muslimische Rebellenführer Fikret Abdiæ ruft die Enklave um Bihaæ zur "Autonomen Provinz Westbosnien" aus.

29.09.93

Im bosnischen Parlament erhält der "Owen-Stoltenberg-Plan" keine Mehrheit.

09.11.93

In Mostar wir die "Alte Brücke" durch Granaten der kroati­schen Truppen zerstört.

29.12.93

Kroatiens Verteidigungsminister Gojko ©u¹ak kündigt eine Militärintervention in Bosnien und Herzegowina für den Fall an, daß die Muslime ihre Angriffe auf kroatische Orte fort­ setzen.
Im Laufe des Herbstes tobten in Zentralbosnien, Nord- und Ostbosnien heftige Kämpfe zwischen den drei Gegnern.

21.01.94

UNO-General Sekretär Boutros Ghali will Luftangriffe der NATO auf die bosnischen Serben genehmigen. In den ver­gangenen Wochen nahmen die Kämpfe in den sogenannten Schutzzonen zu

31.01.94

Die Militärführung der bosnischen Serben ordnet die Generalmobilmachung an.

03.02.94

Der UN-Sicherheitsrat droht mit Sanktionen, falls Kroatien nicht binnen zwei Wochen mit dein Abzug seiner Soldaten aus Bosnien und Herzegowina beginnt. Die kroatische Ar­mee unterstützt die bosnisch-kroatischen Streitkräfte auch finanziell und materiell.

08.02.94

Mate Boban, Präsident der selbsternannten "Republik Herceg-Bosna", tritt offiziell zurück.

09.02.94

Der NATO-Rat fordert die Kriegsparteien ultimativ auf, die schweren Waffen bis 20 Kilometer vor Sarajevo abzuziehen bzw. sie unter UN-Kontrolle zu stellen, ansonsten werde die NATO die Siellungen der Serben aus der Luft angreifen. Die EU-Außenminister sprachen sich schon am 07.02. für Luft­
angriffe aus. Die russische Regierung verurteilt das NATO-Ultimatum.

17.02.94

Die bosnischen Serben beginnen mit dem Abzug ihrer schwe­ren Waffen um Sarajevo. Die Nato stellt am 22.02. fest, daß ein Großteil der schweren Waffen in und um Sarajevo von den Serben und Muslimen abgezogen bzw. unter Kontrolle der UNO-Truppen gestellt wurde.

23.02.94

In Zagreb vereinbaren die bosnische Regierung und die bosnischen Kroaten einen Waffenstillstand.

28.02.94

NATO-Jagdflugzeuge schießen vier serbische Kampfflugzeu­ge ab, die das Flugverbot über Bosnien verletzt hatten.

02.03.94

Bei Verhandlungen in Washington einigen sich die bosnischen Muslime und Kroaten darauf, in Bosnien und Herzegowina eine Föderation zu bilden.
Tuðman und Izetbegoviæ unterzeichnen am 18. März das Föderationsabkommen.

29.03.94

Beginnn einer Offensive der bosnischen Serben im Raum Gora¾de.

26.04.94

Erste Sitzung der neugebildeten Bosnien-Kontaktgruppe (USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Ruß­land).

31.05.94

Die Verfassung der bosnisch-kroatischen Föderation tritt in Kraft, K. Zubak wird zum Präsidenten und E. Ganiæ zum Vizepräsidenten gewählt.

05.07.94

Die Bosnien-Kontaktgruppe legt einen Friedensplan mit einer Landkarte zur Teilung Bosniens vor: 51% für die bos­nisch-kroatische Föderation und 49% für die Serben.

23.07.94

Hans Koschnik beginnt seine Mission als Beauftragter der EU für Mostar. Er soll die beiden getrennten Stadthälften wieder zusammenbringen.

Ende Juli '94

Die bosnisch-kroatische Föderation und Rest-Jugoslawien stimmen dem Plan der Bosnien-Kontaktgruppe zu. Trotz Druck aus Belgrad lehnen ihn die bosnischen Serben jedoch ab.

04.08.94

Die Regierung der "Bundesrepublik Jugoslawien" schließt die Grenzen zu den serbischen Gebieten in Bosnien und bricht alle politischen und wirtschaftlichen Beziehungen ab. Da­ mit wendet sie sich gegen die erneute Ablehnung des inter­ nationalen Friedensplans durch das Parlament der bosnischen Serben in Pale am Vortag.

28.08.94

Die bosnischen Serben lehnen in einem Referendum den Friedensplan für Bosnien und Herzegowina mit über 90% der Stimmen ab.

Herbst '94

Die Enklave Bihaæ wird zunehmend umkämpft. Damit wird zum zweiten Mal eine Schutzzone angegriffen. Nach gelungenen Offensiven der bosnischen Armee gegen Fikret Abdiæ und gegen die bosnischen Serben gelingt es den bosnische» Serben, mit Unterstützung der Krajina-Serben wieder an Bo­den zu gewinnen.

21.11.94

Nach Angriffen der Krajina-Serben auf Bihaæ am 18./19.11.94 fliegt die NATO ihren ersten Luftangriff. Die Kämpfe gehen jedoch unvermindert weiter.

Juli '95

Die bosnischen Serben greifen unter General Mladic die UN-Schutzzonen Srebrenica und Zepa an. Die Blauhelme können die Menschen jedoch nicht schützen. Hauptsächlich Frau­ en und Kinder können fliehen. Tausende Männer wurden hingerichtet

August '95

Die Londoner "Times" veröffentlicht eine Karte, die Tuðmans Teilungspläne von Bosnien und Herzegowina zeigt. Das Land würde demnach unter Serben und Kroaten aufgeteilt. Ostslawonien ginge an die Serben, Sarajevo an die Kroaten.

21.11.95

In Dayton enden die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien und den Vermittlern der EU, USA und den Mitglie­dern der Bosnien-Kontaktgruppe mit einem Friedensvertrag für Bosnien und Herzegowina. Bis zur Unterzeichnung wer­ den ständig Forderungen nach Neu- bzw. Nachverhandlungen laut und es gibt Versuche, militärisch Fakten zu schaffen.

14.12.95

Der Daytoner Friedensvertrag wird in Paris unterzeichnet.

Ende Dez. '95

Erste IFOR-Truppen treffen in Kroatien und in Bosnien und Herzegowina ein.

Januar '96

IFOR-Truppen entdecken Massengräber um Srebrenica.

28.01.96

Erste im Dayton-Vertrag vereinbarte Gefangenenaustausche
kommen mit dreiwöchiger Verspätung zustande.

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Unvollständige Chronik der Ereignisse im Gebiet der Diözese
Banja Luka während der Kriegsjahre 1991 bis 1995
 

               1 9 9 1  

August

 

––––  

Die Bezirkskirche im Dorf Gornje Èivèije (Gemeinde Banja Luka) wurde beschädigt und ausgeplündert.

   

September

 

-  20.09.

Angriff auf die Pfarrkirche in Bosanski Aleksandrovac (Gemein­de Lakta¹i).

- 21.09.

Schwerer tätlicher Angriff auf den Pfarrer und das Pfarrpersonal der Pfarrei Bosanska Gradi¹ka, Durchsuchung des Pfarrhauses.

––––

In der Pfarrei wurden 4 unschuldige Katholiken ermordet und zwei katholische Häuser durch Sprengung vollständig zerstört.

- 23.09.

Angriff auf die Pfarrkirche in Mahovljani (Gemeinde Lakta¹i); großer Schaden an der Kirche und am Pfarrhaus.

   

Oktober

 

- 02.10.

Angriff von Scharfschützen auf das Nonnenkloster in Bosanski Aleksandrovac (Gemeinde Lakta¹i).

- 08.10.

Angriff auf die Pfarrkirche in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka); Sachschaden.

- 24.10.

Angriff auf das Pfarrhaus und die Kirche in Trn (Gemeinde Lakta¹i) - der Pfarrer. Fra Bla¾ Markoviæ, wurde leicht verwundet.

- 30.10.

Zwei Granaten wurden auf die Pfarrkirche in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka) abgefeuert; großer Sachschaden.

- 30.10.

Angriff auf die Kirche in Bosanski Aleksandrovac (Gemeinde Lakta¹i); Sachschaden.

   

November

 

- 08.11.

Angriff auf die Filialkirche in Æelinovac (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka); Sachschaden.

- 11.11.

Angriff auf das Nonnenkloster in Nova Topola.

   

Dezember

 

- 02.12.

Gegen 16.00 Uhr Schüsse auf die Kirche in Bosanski Aleksandrovac; Sachschaden.

- 07.12.

Angriff auf das Kloster in Bosanski Aleksandrovac (Gemeinde Lakta¹i); Sachschaden.

- 11.12.

Schüsse auf das Pfarrhaus in Bosanski Aleksandrovac.

- 14.12.

Schüsse aus leichten Feuerwaffen auf die Eingangstür der Pfarrkirche in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka).

- 27.12.

Angriff aus leichten Feuerwaffen auf das Nonnenkloster in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka); Sachschaden.

   
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Januar

 

- 01.01.

Angriff aus leichten Feuerwaffen auf das Nonnenkloster in Nova Topola (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka)

- 03.01.

Angriff aus leichten Feuerwaffen auf das Pfarrhaus in Bosanski Aleksandrovac.

   

Februar

 

- 05.02.

Schändung des katholischen Friedhofs im Dorf Dolina (Gemein­de Prnjavor).

- 21.02.

Angriff aus leichten Feuerwaffen auf die Kirche und das Kloster in Bosanski Aleksandrovac.

- 24.02.

In Glamoè (Gemeinde Glamoè) wurde der verdiente Arzt Dr. Alojzije Kelava ermordet.

- 26.02.

In Dolina (Gemeinde Bosanska Gradi¹ka) wurde ein Privathaus in Brand gesetzt. Darin verbrannte auch der Hausbesitzer, Ilija Marinoviæ, dem zuvor Kopf und Gliedmaßen abgetrennt worden waren; drei Häuser katholischer Kroaten wurden vermint; eine Person wird vermißt.

   

April

 

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Die Pfarrkirche in Glamoè wurde niedergerissen, die Pfarrwohnung (Gemeinde Glamoè) schwer beschädigt und verwüstet.

- 12.04.

Der Pfarrer aus Glamoè (Gemeinde Glamoè), Zvonimir Matijeviæ, wurde von Angehörigen des Kniner Korps festgenommen und nach Knin verschleppt, wo man ihn - obwohl völlig unschuldig - grausam folterte. Die Ärzte im dortigen Krankenhaus konnten ihm nur knapp das Leben retten.

   

Mai

 

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Beschädigung der Pfarrkirche in Dolina (Gemeinde Bosanska
Gradi¹ka).

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Beschädigung der Bezirkskirchen in Gradina und Novo Selo (Ge­meinde Bosanska Gradi¹ka).

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Bewaffneter Angriff auf den Pfarrer und das Pfarrseelsorgezentrum in der Pfarrei Banja Luka - Bud¾ak (Gemeinde Banja Luka).

- 12.05.

Der Pfarrer aus dem Dorf Dragalovci (Gemeinde Doboj), Marko ©aliæ, wurde in das Lager "Bare" in Doboj verschleppt, wo er 80 Tage inhaftiert blieb. Er wurde schwer gefoltert und erlag später seinen Verletzungen.

- 14.05.

Die Garage (und das Auto) und die Wirtschaftsgebäude des griechisch-katholischen Pfarrers im Zentrum von Banja Luka wur­den in Brand gesetzt.